| Menedemos | Wie definiert man eigentlich "Kitsch"? Ist es möglich, eine absolute Defininition zu liefern, oder ist er immer an bestimmte spezifische kulturelle Ästhetikvorstellungen gebunden? Gibt es den Begriff überhaupt deckungsgleich in anderen Sprachen? Gibt es auch in unserer Gesellschaft konkurrierende Vorstellungen von Kitsch? Vielleicht hat der eine oder andere eine (vorläufige) Definition parat, ich habe mir bis jetzt eher vergeblich den Kopf darüber zerbrochen. |
| decay73 | [URL=http://de.wikipedia.org/wiki/Kitsch]Kitsch[/URL] ist wohl immer eine subjektive Sache... :) Achja, Zitat daraus: "Eine Kurzdefinition, die den Vorteil hat, dem Begriff "Kitsch" seinen subjektiven und damit widerlegbaren Beigeschmack zu nehmen wäre auch: instrumentalisierte Sentimentalität." |
| White_Fang | Ich möchte die Definition von Milan Kunderan anführen: "Kitsch ist die Negation der Scheiße" |
| neptunia | erwischt! gerade komme ich aus dem keller mit einer großen kiste weihnachtlich angehauchten kitsches ... immerhin ist nächstes wochenende schon der erste advent, und ich hab nur eine woche zeit, um alles mit unnützen glitzernden dingen zu bedecken ... ;) die definition von decay ist schon beeindruckend. aber einige aspekte fehlen meines erachtens noch: kitsch ist viel. ein kleines bambi im garten mag noch "tragisch nett" sein. aber meistens kommt es zusammen mit einigen gartenzwergen, eichhörnchen und rotlackierten gartenzäunchen ... und: kitsch ist ansteckend. es gibt leute, die kaufen sich einen kleinen engel, der den weg zu ihrem wc zeigen soll ... wenige monate später wimmelt es in allen ecken von putten und schmusseengeln ... (nein. nicht ich.) kitsch ist albern. dieses jahr haben mich plüsch-fledermäuse und -spinnen bei ikea angegriffen, und ich konnte nicht wiederstehen und sie neben meinen alljährlichen kürbissen anzuordnen ... sentimentalität? jein. kindliche freude. schon eher ... kitsch ist meistens billiger klimbim. krimskrams. genau die dinge, die kinder sammeln ... edith: ich wundere mich, daß die ersten drei beiträge von männern kommen. entweder, es ist für männer eins der ungelösten weiblichen geheimnisse, oder (und das vermute ich stärker) es ist eine innere sehnsucht ... ;) |
| Lunar Light | eine weitere definition... [b]Wahrig Deutsches Wörterbuch[/b] Kitsch andere sprachen: [b]Englisch Wörterbuch[/b] Kitsch m ‹-[e]s› 1. $geschmacklose, sentimentale Kunst kitsch, slush 2. $Trödel junk kitschig adj gaudy, shoddy [b]Französisch Wörterbuch[/b] Kitsch m ‹-[e]s› kitsch m kitschig adj kitsch [b]Spanisch Wörterbuch[/b] Kitsch m ‹-[e]s› 1. mal gusto m 2. (Produkt) cursilería f kitschig adj de mal gusto, cursi [b]Italienisch Wörterbuch[/b] Kitsch m ‹-[e]s› 1. arte f di cattivo gusto, kitsch m 2. (Werk) opera [o. kitsch f] di cattivo gusto kitschig adj di cattivo gusto |
| Trauerwesen | "Kitsch" ist im englischen auch oft "greesy", welches dann eher "kitschig" bedeutet. Dies eher im Zusammenhang von meinetwegen Liebesschnulzfilmchens u.ä. Für mich ist es irgendwie Übertreibung einer gewissen, allen voran romantischen Ästhetik/Vorstellung. Auf jedenm Fall übertrieben, zumindest für den Betrachter ;D |
| LaChatte | Kitsch ist kindlich Kitsch muss glitzern & glänzen je mehr desto besser je farbiger desto besser Kitsch muss billig sein, aber Teures vortäuschen, und dabei offensichtlich unecht sein Kitsch ist dekorativ (und "dekorativ" ist für gewisse Künstler ein Schimpfwort:D ) Kitsch wirkt dann am besten, wenn bewusst mit ihm gespielt wird. Kitsch kann Satire sein. Kitsch ist locker. [IMG]http://www.beepworld.de/memberdateien/members8/bless/sparklefairy.gif[/IMG] |
| Fayve | "Was ist der Unterschied zwischen Kunst und Kitsch? -Zeit" In irgendeiner Tv-Serie kam das mal als Zitat und ich find es stimmt irgendwie. |
| Little Dreamer | Kitsch ist, wenn der Schmuck zu viel wird. Die Entscheidung, ab wann es zu viel wird ist rein subjektiv. "Instrumentalisierte Senitmentalität" isr allerdings auch eine interessante Definition... ;) Little |
| crima | Kitsch ist zu einem schrecklichen allgemeinwort geworden, gestern habe ich da erst was drüber gelesen, morgen bring ich mal das zitat mit... |
| Silverwolf | :D Gute Erklärungen, habe aber nur wenig verstanden. Für mich bedeutig kitsch, glanz, glanz,glanz...Perlen...Kitsch ist für mich etwas übertriebenes, etwas billiges das man teuer aussehen lässt. Aber wann etwas "kitschig" ist, das hat jeder selber zu entscheiden... |
| Menedemos | Die Definition von Kitsch auf Wikipedia (Link von decay) ist eine gute Diskussionsgrundlage und sicher teilweise zutreffend. Doch irgendwie glaube ich, trifft diese Definition nicht den Kern der Sache, weil einige Aspekte des Kitsches nicht erfaßt werden, der Verdacht liegt also nahe, daß es sich eher nur um eine deskriptive Definition handelt, nicht eine "wesen-tliche". Beispiel: Sonnenuntergänge gelten als kitschig, insbesondere, wenn man sie als Bild in der Wohnung hängen hat. Im Grunde ist das die selbe Sache wie mit dem Hirsch (Wiki-Link!), nur daß man hier nicht den Vorwurf erheben kann, derjenige, der sich Sonnenuntergänge in die Wohnung hängt, interessiert sich nicht für Sonnenuntergänge in der freien Natur bzw. schadet ihnen sogar. Durchaus ist es möglich, daß jemand, der Bilder von Sonnenuntergängen im Korridor hängen hat, sich auch Sonnenuntergänge im freien gerne und häufig anschaut. Aufgrund dieser Parallele halte ich auch die Erklärung mit dem Hirsch für falsch. Auch wenn der Besitzer eines solchen Bildes sich für das artgerechte Leben der Hirsche bis zum letzten Blutstropfen aufopfern würde, bliebe ein solches Bild kitschig! Auch die Erklärung mit der chinesischen Vase greift zu kurz: Eine alte Urne als Regenschirmständer zu benutzen, ist nicht kitschig, sondern vielmehr pietätlos. Die Vase selbst bleibt weiterhin ein wertvoller Kunstgegenstand. Ich glaube, der Begriff "Kitsch" ist in erster Linie ein Instrument, den (naiven) Kunstgeschmack von Leuten mit vermeintlich geringerer ästhetetischer Intelligenz zu benennen und verächtlich zu machen. Kitsch ist "minderwertiger Kunstsinn", wobei dessen Inhabern jeglicher Kunstsinn überhaupt abgesprochen wird, um den Ausdruck der Geringschätzung zu vollenden. Dieses letzte zumindest jedoch ist falsch, denn bei den Liebhabern von Kitsch kann man in der Regel durchaus einen (wenn auch manchmal in der Tat sehr naiven) Kunsttrieb diagnostizieren. Sich ÜBERHAUPT einen Gegenstand in die Wohnung zu hängen motiviert sich allein durch einen künstlerischen, zutiefst menschlichen und uralten Kunsttrieb (der schon für die Höhlenzeichnungen in Lascaux verantwortlich war). Auch (industriell gefertigte) Kunstgewerbe sind in dieser Betrachtungsweise, in der Betrachtungsweise dessen, der sich so was in die Wohnung stellt, Kunst. Manche behaupten sogar, daß [i]ihr[/i] Kitsch Kunst sei. Mit Kitsch wird also nicht Nicht-kunst, sondern (wenn überhaupt) minderwertige Kunst bezeichnet. Ein [i]qualitativer[/i] Unterschied zwischen "echter" Kunst und Kitsch ist schwerlich zu definieren, wohl aber gibt es (zumeist) einen quantitativen. Der Begriff "Kitsch" ist ein Instrument, die wohl notwendige Hierarchie in der Kunst zu stabilisieren, um allgemeine Beliebigkeit und Relativismus zu verhindern, schließlich muß ein Gartenzwerg immer noch als weniger wert gelten als z.B. eine Skulptur von Rodin. Freilich stabilisiert sich auch die künstlerische Elite aus ganz egoistischen Gründen damit bisweilen selbst. Was also ist Kitsch: [b]Kitsch ist eine Art Kunst, die das eher einfältige Kunstgemüt anspricht und deshalb von Kritikern als minderwertig bzw. sogar als Nicht-Kunst verspottet wird.[/b] Diese Hinwendung zum schlichten Gemüt manifestiert sich in unterschiedlichen Aspekten: Kitsch ist oft sentimental, spricht vor allem das Gemüt und kaum den Intellekt an (manchmal würde er zu diesem sogar in Konflikt stehen). Kitsch ist "ungebildet": Er erfordert nicht nur keine große ästhetische und künstlerische Erfahrung, sondern schließt diese sogar aus, denn reiche ästhetische Erfahrungen sind der sicherste Weg, Neigungen zum Kitsch zu verhindern. Kitsch setzt auf "billige" Effekte: Zum Beispiel viele und knallige Farben - im Gegensatz zu "echter" Kunst, die auf feine und subtile ästhetische Reize setzt. Kitsch ist altmodisch: Kitschliebhaber sind häufig nicht auf der Höhe der Zeit, sondern hinken zurück. Kitsch ist häufig kommerziell, ein Massenprodukt, im Gegensatz zum unitarischem echten Kunstwerk. Der Kitsch-Fan gibt sich damit zufrieden - oder muß sich (aus materiellen Gründen) damit zufriedengeben. KItsch ist oft verlogen, weil er weder künstlerisch noch inhaltlich das hält, was er verspricht oder vorgibt. So ist eine gefühlsduselige Rede, hinter der keine echten tiefen Gefühle stecken, genauso kitschig wie Goldschmuck an einem Zuhälter oder ein gigantomanischer Staatspalast eines schmierigen Regimes. Das wäre jedenfalls meine Definition, die das Ergebnis der Diskussionen online und offline der letzten Zeit war (gleichwohl ist sie mir erst vor etwa 30 Minuten klargeworden). Ausdrücklich ist zu betonen, daß sich Kitsch sich nicht zwangsläufig an eine der unten angegeben Konkretisierungen festmacht, z.B. muß Kitsch nicht notwendig IMMER altmodisch sein, dafür aber ist er vielleicht dann verlogen. Die eigentliche, abstraktere Definition steht weiter oben. Diese ist wahrscheinlich (glaube ich) auch die richtige, während die Definitionen bei Wikipedia, weil sie nur deskriptiv sind, teilweise widerlegt werden können und somit auf wackeligem Boden stehen. |
| LaChatte | [QUOTE]Was also ist Kitsch: Kitsch ist eine Art Kunst, die das eher einfältige Kunstgemüt anspricht und deshalb von Kritikern als minderwertig bzw. sogar als Nicht-Kunst verspottet wird.[/QUOTE] Das finde ich eine gute Definition. Kitsch entsteht oft auch dann, wenn sich einer bemüht, alle formalen Kriterien für ein gutes Gemälde zu erfüllen, aber nichts hineinbringen kann, was so schwer fassbar und doch so gut fühlbar ist wie "Persönlichkeit" oder eben "das gewisse Etwas". Oder, wie ich es schon mal jemanden sagen hörte "ein Mangel an Inspiration", nur reine Technik, eben. Deine unten notierten Aspekte, in denen sich Kitsch manifestieren kann, sind wohl oft richtig - aber alles kannst du heute auch wieder in den grossen Museen finden. So habe ich zum Beispiel von zwei oder drei Jahren an einer der grössten und bedeutendsten Kunstmessen der Welt, der Art Basel Miami Beach, ein Kunstobjekt gesehen: eine Buddhafigur, die über und über mit hellblau glitzernden Pailletten bedeckt war. Und nebenan eine zweite Buddhafigur, die ihrerseits mit rosa glitzernden Pailletten bedeckt war. Dies sprach das schlichte Gemüt an, setzt auf knallig-bunte Effekte, ist ein absoluter Klassiker als Motiv (bzw altmodisch), kann ohne weiteres genau so in Massenproduktion billig hergestellt werden - und den Intellekt hat er einzig darum angesprochen, weil sich der Bewunderer unwillkürlich fragen musste "was hat ein so kitschiger Buddha hier zu suchen?":D Auf alle Fälle waren diese Buddhafiguren nur schon aus dem Grunde Kunst, weil sie an einer Kunstmesse ausgestellt wurden... |
| Menedemos | "Dein" Buddha macht wirklich einen sehr kitschigen Eindruck. Allerdings müßte ich ihn selbst gesehen haben, um mir ein endgültiges Urteil zu bilden. Aber ich möchte durchaus die Möglichkeit einräumen, daß auch in Kunstmuseen Kitsch steht, woran sich die Frage anschließt: WIe kommt es dazu. Mir ist gerade die Idee gekommen, einen Extra-Thread aufzumachen à la "Vorschläge für den größten Kitsch"... Aber das mach ich wohl besser in D&D, sonst bekomme ich am Ende noch eine sehr ernste Rüge von dem hiesigen Moderator. :rolleyes: |
| Demon17 | Also ich hab mir jetzt nur die kurzen Beiträge durchgelesen, deshalb kann es sein, das ich etwas wiederhole, religiös: Ich halte Kitsch für die Profanisierung der Kunst. Während gelungene Kunst den Beobachter in die Betrachtung des Kunstwerks versinken läßt. Ihn verändert und günstigstenfalls in eine meditative Stimmung versetzt, zitiert Kitsch nur einige Stilelemente der Kunst, passt diese einem breiten Massengeschmack an und vermarktet diese unter den Kriterien der Massenproduktion. Kunstwerke hingegen werden niemals dupliziert und wenn dann sind es Fälschungen und relativ wertlose Kopien. Kunstwerke bleiben einmalig und der Preis steigt gegebenenfalls in astronomische höhen. Das ist erst mal ein Umterschied. Da ich jetzt Mittag mache - bis später vielleicht.:) |
| LaChatte | [QUOTE]Kunstwerke hingegen werden niemals dupliziert und wenn dann sind es Fälschungen und relativ wertlose Kopien.[/QUOTE] Andy Warhol wäre da gar nicht mit dir einverstanden:p |
| Demon17 | Deshalb kosten seine Werke ja auch Millionen, allerdings nur die Originale:rolleyes: :D |
| ashipisburning | [QUOTE][i]Original geschrieben von Demon17 [/i] [B]Während gelungene Kunst den Beobachter in die Betrachtung des Kunstwerks versinken läßt. Ihn verändert und günstigstenfalls in eine meditative Stimmung versetzt, [/QUOTE] Das ist aber eine sehr antiquierte Kunstauffassung. Denn dann wäre ja die ganze Kunst der Moderne keine Kunst, vor allem im "Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit" (um Walter Benjamin zu zitieren). Und was ist mit Film? [QUOTE]zitiert Kitsch nur einige Stilelemente der Kunst, [/QUOTE] Gerade das "Zitieren" ist ein Element der postmodernen Kunst und die ist ja nicht per se Kitsch. [QUOTE]passt diese einem breiten Massengeschmack an und vermarktet diese unter den Kriterien der Massenproduktion. [/QUOTE] Man kann den Produkten der Kulturindustrie, und die beschreibst du ja, den Kunststatus vielleicht absprechen, aber sind sie deshalb Kitsch? [QUOTE]Kunstwerke hingegen werden niemals dupliziert und wenn dann sind es Fälschungen und relativ wertlose Kopien. [/B][/QUOTE] Damit hast du insofern recht, als sie dann ihre "Aura" des Originalen verlieren. Ist dann aber die Munch-Reproduktion, die in meinem Zimmer hängt, Kitsch? Meines Erachtens fehlt in den bisherigen Definitionsversuchen, auch wenn die von Menedemos ein wirklich guter Versuch ist ;), die Abgrenzung zu Massenkultur und Populärer Kultur. |
| Demon17 | @ashipisburning, also was meine antiquierte Kunstauffassung angeht: ich habe mich nämlich auch mit Kunstheorie beschäftigt, seit auf der Pariser Weltausstellung, 1905 war das glaube ich, ein Pissoir zum Kunstgegenstand erklärt wurde, gibt es keine verbindlichen Kriterien für Kunst mehr. In der aktuellen Systemtheorie, die unter anderem auch die Kunst auf ihre Eigenschaften als Teilsystem und Funktionssystem der Gesellschaft untersucht, ist man zu dem Ergebnis gekommen, das der Kunst im Unterschied zu jedem anderen Funktionssystem eine feste Struktur fehlt, oder wie es Peter Fuchs auf einem Kolloqium sagte, "die Außengrenze des Funktionssystems Kunst fällt mit seiner Innengrenze zusammen. Mit anderen Worten soziologisch gesehen ist all das Kunst, was ein (sozial anerkannter) Künstler Kunst nennt. Die soziale Anerkennung hatten sich die Sozialforscher dadurch besorgt, das sie ein Ladengeschäft angemietet hatten und Galerie drangeschrieben hatten. Die Exponate waren durchweg selbstgemacht bzw. normale Gebrauchsgegenstände und nicht als Kunstwerke gedacht. Auf die Frage an einen befreundeten Künstler, ob eines der Exponate Kunst sei, es handelte sich um einen handelsüblichen Fleischklopfer konnte dieser ihnm nur Antworten, wenn es von einem Künstler als Kunst gedacht ist, oder so ähnlich. Ich hoffe Du verstehst, das ich mangels Alternative bei meinem antiquierten Kunstverständnis bleibe. Denn es läßt mir die Autonomie zu sagen das ist Kunst für mich und das nicht. Ich denke besonders der Aspekt der Subjektivität sowohl beim Künstler als auch beim Beobachter/Hörer wird eine abschließende und sozialverbindliche Definition und Unterscheidung nicht ermöglichen. Was den Kitsch betrifft: "zitiert Kitsch nur/meist populäre Stilmerkmale der Kunst", ließe sich auch zutreffend formulieren. Zutreffender noch, "Stilmerkmale, die die Produzenten des Kitsches für populär, bzw. für dem Massengeschmack entsprechend halten." Was die Zitate betrifft, natürlich wird in der Postmoderne alles mögliche zitiert, Zitate alleine sind also nicht das einzige Kriterium für Kitsch, aber eines davon. (Ich habe mich übrigens selbst nie darum bemüht Klischees und Stereotype zu vermeiden, das was sich Gothic nennt ist z.B. ohne Klischees gar nicht denkbar und für die Qualität eines Gedichtes oder eines Textes unter meinen individuellen, schwarzen Gesichtspunkten unerheblich) Was Deine Drucke betrifft, eine Kopie ist eine Kopie und kein Kitsch wenn das Original kein Kitsch ist.;) never surrender demon17 |
| ashipisburning | [QUOTE][i]Original geschrieben von Demon17 [/i] ich habe mich nämlich auch mit Kunstheorie beschäftigt[/QUOTE]Das habe ich durchaus erkannt. ;) [QUOTE]Ich hoffe Du verstehst, das ich mangels Alternative bei meinem antiquierten Kunstverständnis bleibe. Denn es läßt mir die Autonomie zu sagen das ist Kunst für mich und das nicht. [/QUOTE] Ja, das verstehe ich durchaus und daran ist auch gar nichts einzuwenden. [QUOTE]Was den Kitsch betrifft: "zitiert Kitsch nur/meist populäre Stilmerkmale der Kunst", ließe sich auch zutreffend formulieren. Zutreffender noch, "Stilmerkmale, die die Produzenten des Kitsches für populär, bzw. für dem Massengeschmack entsprechend halten." [/QUOTE]Dem kann ich auch zustimmen, und "Stilmerkmale" gefällt mir in diesem Zusammenhang sehr gut und finde ich am treffendsten. Wobei ich aber der Ansicht bin, daß Kitsch nicht unbedingt dem Massengeschmack entsprechen muß. [QUOTE]Was die Zitate betrifft, natürlich wird in der Postmoderne alles mögliche zitiert, Zitate alleine sind also nicht das einzige Kriterium für Kitsch, aber eines davon. (Ich habe mich übrigens selbst nie darum bemüht Klischees und Stereotype zu vermeiden, das was sich Gothic nennt ist z.B. ohne Klischees gar nicht denkbar und für die Qualität eines Gedichtes oder eines Textes unter meinen individuellen, schwarzen Gesichtspunkten unerheblich)[/QUOTE] Das sehe ich persönlich etwas anders. Klischees sind sehr oft nahe am Kitsch und deshalb Gothic oft Kitsch. - Aber das ist meine persönliche Meinung... [QUOTE] Was Deine Drucke betrifft, eine Kopie ist eine Kopie und kein Kitsch wenn das Original kein Kitsch ist.;) [/QUOTE] Da habe ich ja nochmal Glück gehabt. ;) Alles in Allem: Ich kann dir in vielem durchaus zustimmen, doch ist m. E. die Gegenüberstellung von Kunst und Kitsch falsch. |
| Demon17 | [QUOTE]Wobei ich aber der Ansicht bin, daß Kitsch nicht unbedingt dem Massengeschmack entsprechen muß.[/QUOTE] Das stimmt, aber die Produzenten versuchen natürlich in ihrem Gewinnstreben, genau diesem zu entsprechen. [QUOTE]Das sehe ich persönlich etwas anders. Klischees sind sehr oft nahe am Kitsch und deshalb Gothic oft Kitsch. [/QUOTE] Das sehe ich anders, ich möchte einmal dahingestellt lassen ob Klischees etwas mit Kitsch zu tun haben, aber sie sind auch identfikationsstiftend. Das merkt man besonders bei vielen jungen Menschen, die genau "dem einzig wahren" Gothicklischee entsprechen wollen. Es ist ja auch schön, sich als Teil einer großen Gemeinschaft zu fühlen. Insofern nerven die Klischees viele, ohne diese Klischees wäre die schwarze Szene aber von anderen gar nicht zu unterscheiden. Niemand würde ausschließlich auf schwarze Veranstaltungen gehen etc. , weil sie einfach nicht ausschließlich schwarz wären. gelle;) ...und ich persönlich lege größten Wert darauf, genau wie auf die Musik, ob das nun einem Klischee entspricht oder nicht ist mir dabei völlig gleichgültig.:) Als Antinomie wäre Kunst und Kitsch sicher falsch, aber als solche habe ich die Gegenüberstellung in Menedemos Einleitung nicht empfunden. Für Gegenüberstellungen, gibt es meines Wissens kein Richtigkeitskriterium. never surrender demon17 |
| Menedemos | [QUOTE][i]Original geschrieben von ashipisburning [/i] [B]Meines Erachtens fehlt in den bisherigen Definitionsversuchen, auch wenn die von Menedemos ein wirklich guter Versuch ist ;), die Abgrenzung zu Massenkultur und Populärer Kultur. [/B][/QUOTE] Liebe ashipisburning, kannst du dir meine Antwort hierzu nicht denken? Es GIBT KEINEN Unterschied zwischen Populärkultur (oder besser : "Pöbelärkultur"? ;) ) und Kitsch... :cool: Odi profanum vulgus et arceo! |
| Demon17 | Womit wir beim Punkt Elite wären. Nach Adorno benötigt ein Mensch ja ein gewisses know how um Kunst überhaupt genießen zu können. Jemand der über Mozart lediglich aus dem Konservationslexikon (heute Fernsehen) informiert ist, kann seine Kunst gar nicht würdigen, interpretieren oder intellektuell verarbeiten. Wie keine Ahnung von Komposition? Tja dann tut es mit Leid. Hierbei sei an das Niveau eines Publikums erinnert, das beim Besuch einer Symphonie (oder darf man heute nur noch Sinfonie schreiben?) die Partitur mitliest. Für alle anderen ist Mozart ja gar nicht vom Kitsch unterscheidbar.:eek: Eine Gesellschaft also, in der das Wissen dermaßen dramatisch steigt, das es keinen kulturell verbindlichen Kanon an musischer Bildung mehr gibt, kann also gar nichts anderes als Kitsch produzieren, bzw. wahrnehmen. Der Computerfachman unserer Tage hat doch gar nicht mehr die Zeit diesem Anspruch zu genügen, wahrscheinlich hat er sogar schon als Kind am PC gesessen statt Klavier spielen zu lernen.:rolleyes: Kunst kann also eigentlich nur in Gesellschaften mit einer stabilen sozialen Hirarchie entstehen, die es einer führenden Schicht ermöglicht in Muße der Entwicklung ihres künstlerischen Empfindens nachzugehen. :D Insofern ist ein breites Kunstverständnis nur ohne sozialen Wandel und technischen Fortschritt dauerhaft zu halten? Stimmt ja so nun auch wieder nicht. In den Sklavenhaltergesellschaften der Antike mag das ja so gewesen sein. Der Begriff Kitsch stammt jedoch meines Wissens aus dem 19. Jahrhundert, der Zeit der industriellen Revolution. In dieser Zeit entstand ein Bürgertum, das ja gerade diesen Kunst und Kitschbegriff prägte. Goethe/Schiller war Kunst und die Groschenhefte Kitsch. Klare Sache und Zack. Die "Deutsche Tragödie" die damals die Theaterbühnen beherrschte hat die damalige Zeit ja leider nicht überlebt im Gegensatz zu den Groschenheften.:rolleyes: Soll heißen, vieles von dem was damals für Kunst gehalten wurde würde heute als grauenhaftester Kitsch wahrgenommen. Vieles von dem, was seit Jahrhunderten ja Jahrtausenden populär ist, z.B. König Lear, Faust oder einige Antike Tragödien und Kommödien ist wohl doch Kunst. Man müßte jetzt den Begriff der Popularität untersuchen bzw. definieren, denn Shakespear ist nach wie vor populärer als Britney Spears oder Mozart als Madonna. Also genügt Popularität und Massengeschmack als einziges Kriterium für Kitsch bei weitem nicht. Bach verkauft ja mehr CDs als Wonderwall und ist zweifellos Kunst. [COLOR=crimson]think twice its magic[/COLOR] demon17 |