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  Forum: Platz der Philosophen
    Thema: Sterben aufgrund eigener Überzeugung
SisyphosDas Thema mag zwar etwas theatralisch klingen, aber ich versuch es trotzdem.
Kann man von etwas so sehr überzeugt sein, das man dafür sterben würde? Ja. Beispiele dafür gibt es genug.

Ich möchte hier nicht auf die Frage hinaus: Wofür lohnt es sich zu sterben? Für die Liebe, für die Familie, für geliebte Menschen. Sondern es soll mit Überzeugung eher das gemeint sein, was man nicht "anfassen" kann (z.B.: der Glaube, oder die Vision von etwas)

Ich möchte vielmehr eure Meinung dazu wissen:
Warum stellt man seine Überzeugung über sein eigenes Leben? (nur mal jetzt als Beispiel: viele Kreuzritter sind in den Krieg gezogen, aufgrund ihres Glaubens zu Gott)
deadmorozJesus ist auch am Kreuz aus Überzeugung gestoben, oder?
Eilicher GeistWovon war Jesus denn überzeugt?

Natürlich kann man aus Überzeugung sterben.
Aber ich denke das hat mehr mit aus Überzeugung leben zu tun.

In der Geschichte waren immer diejenigen die besten Kämpfer/schlimmsten Gegner, die für ihre Überzeugung auch sterben würden.
Germanische Berserker z.B. die laut der Überlieferung selbst dann noch gekämpft haben, wenn man ihnen Gliedmassenteile abgetrennt hat.
Oder die Samurai, die nach einem verlorenen Kampf Harakiri begangen haben- diese Haltung hat sich übrigens bis in den 2. Weltkrieg gehalten- japanischen Kamikaze-Flieger die sich für ihre Ideale geopfert haben.
Und aktuell die arabischen Kämpfer, denen ihre Ideale heiliger sind als das eigene Leben.
Auch aus diesem Grund kann der heutige "Kampf gegen den Terror" nie gewonnen werden.

Interessant ist hierbei aber, daß alle genannten Vorstellungen über ein Leben nach dem Tod hatten/haben, die so fest in ihnen verankert waren, daß aus Glaube Überzeugung wurde.

Unsere heutige Bundeswehr wäre solchen Kämpfern immer unterlegen, weil die Soldaten nichts wüssten, wofür es sich zu sterben lohnt.
hierosIch bin mir nicht so sicher, daß viele Kreuzritter aus Glaubensgründen losgezogen sind.
Zum einen dürfte die Aussicht auf SChätze, die es zu erbeuten gab interessant gewesen sein und zum anderen das Postmortale Heilsversprechen.

Man muß, denke ich, unterscheiden, ob Menschen ihr Leben für einen anderen oder eine "höhere" Sache opfern, oder ob sie ihr Leben bereitwillig beenden, um die ihnen versprochen Beute im nächsten Leben zu bekommen...
deadmorozIst Jesus denn nicht für die Sünden von uns allen gestorben?
Ich hab immer geglaubt, dass er für seinen Glauben gestorben ist,
aber vielleicht hab ich das Thema einfach falsch interpretiert!

@hieros: da muss ich dir zustimmen
Pluna_XEntweder täusche ich mich aber Jesus wäre auch am Kreutz gestorben wenn er es net gewohlt hätte....


Ich finde es ist dabei auch wichtig wie hoch der wert des eigenen Lebens geschätzt wird(des Eigenen) und wie hoch der Wert des anderen geschätzt wird.. oft wird das leben ja eh zu hoch geschätzt...
SternenwolfAlso dass mit den Kreuzrittern würd ich mal vergessen....Eher schon das ganze Fußvolk an zivielpersonen das mitkam.


[QUOTE]Warum stellt man seine Überzeugung über sein eigenes Leben? [/QUOTE]

Ich kann das nur erahnen da ich für nichts bereitwillig in den Tod gehen würde. ich mein, um meine Familie, Freunde... zu schützen schon aber ich hätte Angst vor einem gewaltsamen Tod (oder was man mit mir davor machen würde) durch irgendjemanden.

Man hat wahrscheinlich die Hoffnung, dass sein Tod nicht umsonst war und die menschen danach die Chance/ Erkentnis (was auch immer ) nützen um eine bessere welt zu schaffen in der deine Werte wichtig sind.

ich kenn nicht konzentriert schreiben, hör grad Tanz der vampire deswegen is alles ein bissi konfus.
crying_silenceWegen Jesus: er hätte zu dem zeitpunkt fliehen können, muss also mit einer Überzeugung in den Tod gegangen sein, ob er sich selbst allerdings in der Rolle des Opfers sah, dass für unser aller Sünde gestorben ist, ist historisch nicht klar...wurd von der alten Kirche dann halt so aufgenommen und tradiert...

muss bei dem thema an „Demian" von Hesse denken, da steht irgendwo, dass die meisten Menschen lieber für eine Überzeugung sterben statt in ihr zu leben (wenns jemanden interessiert: auf anfrage suche ich den auszug raus und schreib in hier rein)
um zu der frage von dir zu kommen, sisyphos, also warum stellt man seine überzeugung über sein eigenes Leben...ich persönlich denke, dass hat nichts heldenhaftes, auch wenn es dem oft so anhängt, ich mein so von wegen „meine ideale sind mir so heilig, dass ich auch für sie sterbe"...es ist einfach nur der letzte versuch, diese Ideale noch irgendwie in sein Leben zu integrieren, weil es im Leben nicht geht, dann eben außerhalb des Lebens...

wobei es eigentlich ziemlich paradox, weil lebensfeindlich ist, ich denke persönlich zwar auch, dass das Leben im allgemeinen überbewertet wird, weil vieles, was sich heute leben schimpft eigentlich gar keines ist, aber, um wieder zum thema zu kommen ;) ich bewerte, wenn ich für eine überzeugung in den tod gehe mein Leben unter dessen werthaftigkeit, ohne leben keine überzeugung, oder irre ich mich da?
MontroseVielleicht, weil manchen Menschen das Leben wertlos wird, wenn etwas bestimmtes fehlt.
hierosFolgendes habe ich mir auch noch überlegt:

Wenn ein Mensch sein Leben für andere gibt, dann kann man auch nur von einer "goßen" Tat reden, wenn ihm sein Leben etwas wert war.
Es macht einen großen Unterschried, ob jemand mit der Welt hadert und quasie nur nach einer Möglichkeit sucht, mit möglichst viel Aufmerksamkeit aus der Welt zu scheiden, oder ob jemand sien Leben liebt und wirklich etwas aufgibt, daß ihm selber etwas positives bedeutet.

Jesus würde ich natürlich zu letzer Sorte zählen.

Interessant finde ich aber, wie Sokrates gestorben ist. Er hat einen Becher mit Gift getrunken, obwohl es nicht hätte sein müssen. Er hat eine philosophische Überzeugung vertreteten, die ihm die Athener zum Vorwurf gemacht haben. Hätte er aber nicht provoziert, dann hätte er leben können. Sogar die Flucht vor dem Ende war ihm theoretisch ermöglicht worden. Aber er wollte nicht, da er für seine Überzeugung lieber sterben wollte. Der Punkt hierbei ist, daß er eine Familie mit Kindern zurückgelassen hat, die vielleicht mehr von einem lebenden Vater gehabt hätten. Für Jesus mag es um alle Menschen gegangen sein, für Sokrates ging es nur um seine eigene Meinung. Ich frage mich nur, war das Sturheit, Egoismus, wahre Größe,.....
Morag of Nimesich hab ein ähnliches Beispiel wie Sokrates' Tod für dich:der Tod Senecas. er war ebnfalls Philosoph und der Lehrer von Nero. Letzterer legte ihm nahe Suizid zu begehen oder einen schändlichen Prozess auf sich zu nehmen.
er hat sich getötet (übrigens sehr dramatisch und heldenhaft) um seiner Familie die Schande eines Prozesses, an dessen Ende er verbannt oder hingerichtet worden wäre, zu ersparen - ich bin sicher seine Familie hatte ihn lebend auch näher - aber schlussendlich ist er nach stoischer überzeugung gestorben und zum größten nutzen aller...

Bei Jesus liegt der Fall ganz anders: Ih glaube, Jesus starb auch, weil er selbst glaubte (oder vielleicht wusste), dass es so sein müsse, weil Gott es für nötig/richtig hielt.:eek:

Ich glaube um für eine überzeugung zu streben braucht es eine Sache, die für einen eine allgegenwärtige Wahrheit ist, die man also für wichtiger als sich selbst hält, und ein gewisses Maß an Trotz. Man siehe sich nur all die Märtyrer an...;)

Die Kruzritter kann man dafür wohl wirklich generell abschreiben...
SchmerzengelJesus ist ein eigenes Thema - er hat ja Gott gebeten, dass der Kelch an ihm vorübergehen solle, so das möglich ist. Das verweist auf die Methode mit dem Giftbecher, um einen Delinquenten hinzurichten. Ich denke nicht, dass Jesus sterben wollte - er war einfach total gottergeben und damit mit den heutigen religiösen Fanatikern - egal welcher Glaubensrichtung - zu vergleichen. Er hätte ja auch fliehen können, so nach dem Motto "scheisse, was gehen mich die ganzen Kameltreiber an, die sollen selbst sehen, wie sie fertig werden."

Diese Mischung aus Fanatismus, totalitärem Gedankengut "du kommst ins Paradies" und schlichter Dummheit - nämlich mal nicht sein Gehirn anzustrengen und das ganze versuchen sachlich zu betrachten - macht heute genau solche Leute aus, die ihren "heiligen Krieg" gegen alle betreibt, die einen anderen Glauben besitzen.

Betrachtet man die menschliche Geschichte, so haben ein Großteil der Leute die für eine Überzeugung starben religiöse Motive, danach folgen politische Motivationen.
DarkSeraphimKreuzritter: kann man wirklich abschreiben. Viele zogen nur auf den Kreuzzügen mit, da sie Verbrecher waren und vor die Whl gestellt wurden.
Jesus: können wir nicht genug wissen, um zu urteilen, ob er für seine Überzeugung starb, oder nur ein Opfer der Politik war oder anderes passierte. Wir wissen nur von wenigen Punkten aus seinem Leben.
Nun zum eigentlichen Thema:
Wenn man von etwas überzeugt ist, lohnt es sich dafür zu sterben. Mögliche Punkte wären:
-Das "opfern" für eine geliebte Person
-für die politische Überzeugung (passiert/e häufig in Lateinamerika, jedenfalls in den letzten Jahren/Jahrzehnten)
-für den Glauben (ja, ich als Agnostiker bin davon überzeugt, dass man so stark glauben kann)
-für diverse Meinungen, die man nur damit beweisen kann
Nicht alles würde Ich in Erwägung ziehen, aber es gibt immer Leute, die das machen.
LestherJa, kann man.

Franz Jägerstätter (Österreicher) starb z.B. weil er sich weigerte, zum Heer zu gehen. Er war sehr gläubig und es entsprach einfach nicht seiner Mentalität, sagte er, da Gott ihn nicht zum Töten berufen hätte. nIcht ein mal von Papst , Bischof und allgemein der Kirche bekam er Unterstützung, das finde ich schon ein starkes Stück, und obwohl er Frau und Kinder hatte, ist er bis zum Schluss nicht von seiner Meinung abgewichen und sie haben ihn hingerichtet.

So etwas bewundere ich so dermaßen, wie man so stark bleiben kann, und sterben, nur um seiner Überzeugung treu zu bleiben, einfach Wahnsinn.
MayaneIch denke, ich kann mir das schon vorstellen.

Wenn ein Mensch in einer bestimmten Situation weiß, dass er sich sein Leben lang nicht mehr im Spiegel anschauen können wird, ohne dass ihm schlecht wird, wenn er weiß, dass er es nie mit sich vereinbaren können wird, in einer bestimmten Situation oder allgemein gegen seine Überzeugung zu handeln, dann kann ich mir vorstellen, dass er dann das Einstehen für seine Überzeugung und dafür in den Tod zu gehen als die erstrebenswertere Variante sieht.

Wenn er durch seine Religion darin insofern begünstigt sieht, dass er im Jenseits für seinen Tod belohnt wird, macht es eine solche Entscheidungsfindung noch wahrscheinlicher.
Ebenso, wenn er in einem Wertesystem lebt, in dem seiner Familie durch ein Fehlverhalten Schande und Leid droht, das er durch seinen Tod verhindern kann.

In westlichen Gesellschaften halte ich das allerdings beides für nicht gegeben, aber auch da gibt es Menschen, die für ihre Überzeugung ihr Leben riskrieren, da wird es dann wohl wirklich hauptsächlich das eigene Gewissen sein, dass sie dazu bringt.
bItbreakerdazu sag ich wieder, mit den Selbstmord denken viele, dass sie ja nur sich "bestrafen" und es den Rest der Welt nicht interessiert, aber man vergisst dabei die ganzen angehörigen, die wegen den Selbstmord trauern werden. Und ich bin der Meinungm, es gibt immer einen Grund warum sich das Leben lohnt.
K-O-Dich glaube nicht, dass sie sich bestrafen, sondern (zumindest ein teil derer) sie im leben keinerlei sinn mehr sehen, da ihr weltbild zerstört ist. aus diesem grunde haben sich ja nach dem untergang des dritten reiches unzählige menschen umgebracht, weil ihre überzeugung, ihre lebensgrundlage zerstört wurde. und wer möchte schon ein leben führen, das weder sinn macht, noch das es einem selbst in den sinn passt...
Void Emotion[QUOTE][i]Original geschrieben von bItbreaker [/i]
[B]dazu sag ich wieder, mit den Selbstmord denken viele, dass sie ja nur sich "bestrafen" und es den Rest der Welt nicht interessiert, aber man vergisst dabei die ganzen angehörigen, die wegen den Selbstmord trauern werden. Und ich bin der Meinungm, es gibt immer einen Grund warum sich das Leben lohnt. [/B][/QUOTE]


Ich sehe dies nicht als Bestrafung. Es ist (Selbst-)Aufgabe, Flucht, Erlösung, Friede, Ruhe.
Sicherlich wird es einen (kleinen) Teil der Welt interessieren, inklusive Angehöriger. [sarkasmus] Vielleicht hätten sich dieser Teil der Welt zu Lebzeiten mehr um diese Person kümmern sollen und nicht erst wenn es ans Trauern geht [/sarkasmus]

Es gibt sicherlich viele Gründe warum sich leben lohnt.
Es gilt abzuwägen welche Gründe dafür, welche dagegen Sprechen und welche Gruppe im endeffekt überwiegt.
Nur wenn die (wohlgemerkt die ganz persönlichen) Gründe gegen das Leben überwiegen ist es nicht mehr lohnend, weiter zu Leben.

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