| last_heretic | seit ein paar wochen stehe ich vor folgender problematik: gedankenexperiment: in zwei, etwas voneinander entfernte, pfähle schlägt gleichzeitig ein blitz ein. der erste betrachterstandpunkt liegt mittig vor ihnen. nun kann man sehen das dieses vermeindlich gleichzeitig geschah. fährt jedoch ein zweiter mit einem zug parallel an beiden pfählen entlang und befindet sich zum zeitpunkt des einschlags näher an einem von beiden, so schlägt für ihn der blitz dort früher ein. (nach einstein, verkürzt) eigentlich ganz logisch, denn das licht muss beim zweiten beobachter eine kürzere strecke vom einen pfahl zurücklegen um seine augen zu erreichen. somit würde ich sagen, das die zeitliche empfindung der gleichzeitigkeit also subjektiv ist. wie kommt es jedoch (u.a. mit diesem experiment) zu der feststellung, dass auch objektiv keine gleichzeitigkeit besteht? wiederspricht das ergebnis nicht der gedanklichen einleitung? (in zwei [...] pfähle schlägt gleichzeitig ein blitz ein. -> es gibt doch keine gleichzeitigkeit) wenn es keine gleichzeitigkeit gibt, könnte ein ereignis auch nicht zu sich selbst gleichzeitig sein, denke ich. geschieht dann alles, was passiert auch in vergangenheit und zukunft? oder hieße dies, dass parallelwelten existieren, die sich beständig mit unserer überschneiden? was denkt ihr in zusammenhang mit der relativität der zeit über euer eigenes handeln? |
| Adore | ich denke grundsätzlich schon, dass dinge gleichzeitig passieren können, nur dass eben genau das was wir als gleichzeitig wahrnehmen es nicht ist (weil wir es nun mal mit der zeitverzögerung oder wie du es genannt hast, erleben). der tatsache ob es parallelwelten gibt und wie das ganze funktioniert, möchte ich weder zustimmen noch sie ausschließen, weil sich mir bis jetzt noch keine "beweise" für oder gegen deren existenz gezeigt haben!? was jetzt nicht zu deinen thread passt, aber auch eine kleine frage bezüglich "zeit" wäre ist die frage ob "gegenwart" überhaupt existiert, denn meiner ansicht nach, ist alles, was du gerade machst eigentlich innerhalb von nanosekunden (oder noch schneller) schon wieder vergangenheit!? für den alltäglichen gebrauch ist es allerdings leichter, den begriff gegenwart zu verwenden für "zusammenhängende abläufe" die gerade passieren und länger dauern (diese zeitspanne ist somit die gegenwart). wie siehst du das?? |
| Phönix | Das Problem ist schon seit einiger Zeit bekannt. Den Effekt siehst Du jedesmal, wenn Du in einer klaren Nacht die Sterne anschaust. Viele von ihnen gibt es jetzt gar nicht mehr, nur ihr Licht ist noch unterwegs. Je weiter Du ins Universum schaust, um so weiter blickst Du in die Vergangenheit. Wenn Du zwei Ereignisse siehst, z.B. Mondfinsternis und eine Supernova, ist die Mondfinsternis vor einer Sekunde geschehen, die Supernova kann aber schon einige Milliarden Jahre her sein. Wenn Du schon mit Gedankenexperimenten beschäftigt bist, dann überleg Dir mal, wie ein Raumschiff für Dich aussieht, wenn es mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten an Dir vorbei fliegt, z.B. so schnell wie eine raumsonde, halbe Lichtgeschwinigkeit und genähert Lichtgeschwindigkeit. Du wirst überrascht sein... Parallelwelten wie sie Stephen Hawking postuliert hat entstehen dadurch nicht es ist mehr eine rein theoretische mathematische Möglichkeit. Die Mathematik dahinter hab ich noch nicht begriffen, ist mir ehrlich gesagt zu hoch. Es gibt aber noch andere Ansätze: Wenn Du einzelne Photonen an einem optischen Gitter beugst (Experimente dieser Art hat man schon durchgeführt) und auf einem Film das Bild beobachtest, siehst Du einzelne Punkte dort auftreffen, wo Du es nach der klasischen Physik erwartest: Die Photonen werden wie erwartet am Gitter gebeugt, das Beugungsmuster gibt die Bereiche an, an denen Teilchen zu erwarten sind. Wo die einzelnen Photonen auftreffen ist aber - so wie es die Quantenmechanik vorhersagt - statistisch auf diesen Bereich verteilt. Einige Wissenschaftler haben mal behauptet, dass es mehrere Universen gibt, und die Photonen aus diesen Universen stehen mit denen aus unserem in Wechselwirkung und werden dadurch auf ihren jeweiligen Auftreffpunkt geleitet. So eine Wechselwirkung ist bisher aber nicht nachweisbar. Andere Möglichkeit: Mit jeder Mögichkeit für die Flugbahn des Photons entsteht ein neues Universum in dem es genau diese Flugbahn einnimmt. D.h. es gibt für jeden möglichen Quantenzustand, den ein Objekt haben kann, existiert ein eigenes Universum. Nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert auch der berühmte (theoretische!) Versuch "Schrödinger's Katze". |
| last_heretic | eigentlich hast du recht. gegenwart (moment) + t (=1>Zeitraum z.b. sek.>0) = vergangenheit mhh, ich würde sagen unser verständnis von gegenwart beruht einerseits auf der alles verschlimmbessernden umgangssprache (gegenwart von vor drei tagen), und andererseits auf der epochen-/zeitalterstaffelung der menschheitsgeschichte. alles innerhalb einer epoche oder eines zeitalters wird häufig kaum zeitlich differenziert. und da manche meinen, wir lebten in der moderne, ist halt alles seit "big brother" (armer orwell!) und dem anderen sinnlos-konsum gegenwart. oder hast du noch eine andere idee? edit: phönix, die zeitliche differenz zwischen ereignis und wahrnehmung aufgrund großer entfernungen ist durchaus nicht das problem. das kann ich mir logisch bzw. wissenschaftlich herleiten. genauso, wie die zweidimensionalität von objekten bei lichtgeschwindigkeit und sonstige optische veränderungen nachvollziehbar sind. aber das eine objektive gleichzeitigkeit von ereignissen nicht möglich sein soll, ist mir zu rätselhaft. |
| Phönix | @ last_heretic: Des hab ich auch nicht so gemeint: Zwei Ereignisse können natürlich unabhängig (von mir aus auch abhängig) voneinander stattfinden, man kann sie auch gleichzeitig wahrnehmen - genauso wie man gleichzeitig zwei Ereignisse wahrnehmen kann, die nicht gleichzeitig stattfinden. Es hängt immer vom Bezugssystem des Beobachters ab. Ich muss auch zugeben, dass ich noch nicht verstanden habe, warum Gleichzeitigkeit deshalb nicht möglich sein sollte. Ach ja, und Objekte, die schnell an Dir forbeifliegen, scheinen sich vor Deinem Auge zu drehen, bei Lichtgeschwindigkeit um 90°. Dann siehst Du nur noch die Rückseite von dem Körper, aber das nur nebenbei. |
| last_heretic | interessant. wusste ich ehrlich gesagt nicht. zugegebenermaßen hab ich auch nicht richtig gelesen. ich war bei "man holt ein objekt, das sich mit lichtgeschwindigkeit in den raum fortpflanzt, auf paralleler bahn mit über-lichtgeschwindigkeit" ein. bin etwas zerstreut die tage. |
| ShadowMatter | In der Relativitätstheorie existiert keine objektive Gleichzeitigkeit. Der zeitliche Abstand zwischen 2 Ereignissen ist vom Beobachter abhängig, und variiert von 0 bis ganz-lang. lediglich kann die Reihenfolge nicht völlig umgedreht werden. Wenn du sagst, die Blitze schlagen gleichzeitig ein, so musst du immer sagen aus wessen Sicht d.h. in wessen Bezugssystem. [QUOTE][i]Original geschrieben von Phönix [/i] [B]Das Problem ist schon seit einiger Zeit bekannt. Den Effekt siehst Du jedesmal, wenn Du in einer klaren Nacht die Sterne anschaust. Viele von ihnen gibt es jetzt gar nicht mehr, nur ihr Licht ist noch unterwegs. Je weiter Du ins Universum schaust, um so weiter blickst Du in die Vergangenheit. Wenn Du zwei Ereignisse siehst, z.B. Mondfinsternis und eine Supernova, ist die Mondfinsternis vor einer Sekunde geschehen, die Supernova kann aber schon einige Milliarden Jahre her sein. [/B][/QUOTE] Dass hat mit der Relativität der Gleichzeitigkeit nichts zu tun. Die beiden Ereignisse geschehen in deinem Bezugssystem mit dem Abstand von mehreren Jahrtausenden, du erfährst nur gleichzeitig von ihnen. Das ist ein Unterschied. Neuer Aspekt Wie lässt sich noch von Gleichzeitigkeit reden, wenn der kleinst messbare Zeitunterschied eine Plank-Zeit beträgt, und man nicht genauer messen kann? |
| last_heretic | eigentlich garnicht. da unser nervensystem für derart minimale zeitdifferenzen nicht geschaffen wurde und wir menschen als "krone der schöpfung" (lol) gerne für alles und jeden sprechen, ist der gebrauch des wortes >gleichzeitig< jedoch durchaus verständlich. |
| Phönix | Darüber habe ich vorher auch nachgedacht: Wir nehmen unsere Zeit war, weil unsere Umwelt sich verändert. Die kleinste messbare Veränderung ist die eines Quantenzustands. Die passiert aber ohne Zeitverzögerung. Wenn man das als kleinste mögliche Zeiteinheit nimmt, und nicht wie schnell unsere Neuronen schalten - was würde die Zeit dann bedeuten bzw. würde sie existieren oder wäre alles gleichzeitig. Ach ja, ich hab auch nicht behauptet, dass mein kleines Beispiel mit Relativität zu tun hat. Das hat das mit den Blitzen aber auch nicht unbedingt - das würde mit Schall genauso funktionieren. Und ob zwei Ereignisse gleichzeitig stattfinden und wir es getrennt wahrnehmen oder ob wir zwei zeitlich versetzte Ereignisse gleichzeitig wahrnehmen ändert am Prinzip nichts. |