| KRÜMEL | Salut, viell. kann mir ja mal jmd. auf die Sprünge helfen. Mir wurde d. Aufgabe gestellt, den Begriff "Held" anhand konkreter Beispiele zu erläutern. Nun hab ich jedoch erst 'nen National- und 'nen Volkhelden benannt. Fällt euch dazu noch etwas ein? Kann z.B. Karl von Moor (Schiller) def. auch als ein Held angesehen werden? Bin für jeden Rat dankbar! :) |
| Menedemos | Ist vielleicht besser im Buchsalon aufgehoben. |
| pulSar | versuchs mal damit: HELD = Hauptfigur (allgemein). nur in besonders tollpatschigen Fällen dann: Anti-Held, gruß |
| KRÜMEL | Toll! Da das hilft mir ja sicher ungemein weiter!:rolleyes: War das ernst gemeint? :eek: |
| Menedemos | Geht jetzt noch mal ins Philosophenforum nach Erhalt einer PN von KRÜMEL [QUOTE]ich finde eigentl., daß mein Thread doch eher zu den Philosophen paßt. Schließlich geht es um den Begriff des Helden allgemein und wie er aus heutiger und älterer Sicht gedeutet, bzw. interpretiert werden kann. Ein persönl. Standpunkt sollte dabei also auch berücksichtigt werden. Ich hatte gehofft dadurch einige Denkanstöße zu erhalten.[/QUOTE] Mal schaun, wie sich die Diskussion entwickelt. Menedemos |
| last_heretic | ein held dominiert in der regel gegnüber widrigkeiten, bzw. in einer situation. interessant für dich könnte hier der tragische held sisyphos sein. dabei lege ich dich dir besonders albert camus "glück in einer absurden welt" ans herz, wo sisyphos als glücklicher mensch erklärt wird. |
| Kampfsau | [QUOTE]nur in besonders tollpatschigen Fällen dann: Anti-Held,[/QUOTE] Ein Held hatte doch in der Regel eine Vorbildfunktion.Also ein edles Ziel das er tapfer verfolgt.Ein Antiheld muss nicht unbedingt tollpatschig sein.Er kann z.B. selbstsüchtig,fies,schlecht rasiert und faul sein.Doch kann er trotzdem noch stark,gutaussehend,entschlossen und tapfer sein. Eigentlich benutzen nur noch wenige Gesschichten den klassischen Helden.Man verwendet lieber den Antihelden. Nehmen wir mal Star Wars.Luke Skywalker ist stark,guten Herzens und vorbildhaft,beinahe zu anständig.Han Solo ist dagegen der typische Anti-Held.Er will nicht alleine gutes tun und tugendhaft handeln.Er will in erster einen eigenen Gewinn aus der Sache schlagen.Naja,im Laufe der Handlung,kämpft er trotzdem für die Rebellen.Aber nur weil er auf Leila steht und Lukes Freund ist. |
| die Aversion | Was bisher nur angeklungen ist, ist dass ein Held auch immer ein Normenüberwinder ist - er ist es, der damit aus der Masse herausragt und seinen eigenen Weg geht, der nicht den allgemeinen Gesetzen entspricht. Zum Thema "Antiheld": Han Solo als einen solchen zu beschreiben, halte ich dahingehend für problematisch, dass er immer noch ein Sympathieträger ist und damit eine Eigenschaft aufweist, die einem Antihelden nicht zu Eigen ist. Ein Antiheld ist der Hauptcharakter, ohne dabei als Identifikationsfigur oder Sympatieträger zu fungieren. Als Beispiele für Antihelden seien an dieser Stelle Patrick Bateman aus "American Psycho", des Esseintes aus "Gegen den Strich" und Clay aus "Less than Zero" genannt. Seid vielmals gegrüßt, Eure Aversion |
| John.Coffey | [SIZE=3]Zeige mir einen Helden und ich schreibe dir eine Tragödie. ( F. Scott Fitzgerald ) [/SIZE] hallo zusammen, ich denke bei dem Wort "Held" an die Helden des Mittelalters. Ein Mensch wird ja meist dann zum Helden erhoben, wenn er eine besondere und rühmenswerte Tat vollbringt. Im Mittelalter waren es sicherlich das Töten von Ungeheuern und die Rettung [FONT=arial]von Menschen aus Notlagen. Ein Held entspricht ja in der Regel der Definition, was in der jeweiligen Kultur als edel, stark "Heldenvoll" gilt. Schillers Karl von Moor kann selbstverständlich ein Held sein und als solcher gesehen werden. Ein Romanheld und weit mehr. Die Räuber waren ja politisch gesehen ... naja, sie riefen "Ein freies Leben führen wir, / Ein Leben voller Wonne" – das kann man als Aufruf zur politischen Meuterei verstehen. Es heißt ja, dass es bei der Uraufführung des Stücks zu Tumulten gekommen ist. Ich würde an Deiner Stelle mal schauen in wie weit diese Figur und das Stück an sich "Revolutionär"war. Das Stück die Räuber hat oft zu Tumulten geführt nicht nur um 1700. So könnte man Karl von Moor auch als einen revolutionären Held verstehen. gruss John.Coffey [/FONT] |
| last_heretic | an die aversion: du liegst mit deiner behauptung, dass ein anti-held keine identifikationsmöglichkeiten bietet, nicht ganz richtig. gerade anti-helden werden gerne dazu genutzt die menschen über ihr eigenes leben zum nachdenken zu zwingen. es sind häufig völlig normale/nachvollziehbare gefühle, die einen anti-helden im verlauf einer geschichte zu dem machen, was er ist. bekanntestes beispiel: der charakter faust von goethe. |
| die Aversion | Hallo last_heretic, dass Antihelden keine Identifikationsfiguren sind, heißt nicht, dass sie nicht zum Nachdenken über sich selbst und das eigene Verhalten anregen - mögen muss man sie deshalb aber noch nicht; ein Patrick Bateman zwingt mich, mir selbst gegenüber Rechenschaft über meine eigene Stellung in der Konsum- und Spaßgesellschaft abzulegen, was allerdings nicht zur Folge hat, dass ich ihm nun irgendwelche Sympathien entgegenbringe; er ist weiterhin niemand, mit dem ich auf welche Art auch immer mitfiebere. Sei vielmals gegrüßt, Deine Aversion |
| KRÜMEL | Wo wir schonmal beim Anti-Helden sind...;) Kann Woyzeck als ein solcher angesehen werden, oder sollte man ihn eher als einen tragischen Helden bezeichnen?:) |
| Pallor | Grüße, das Antihelden nicht als Identifikationsfiguren anzusehen sind halte ich für eine Lüge. Würden sie nicht Menschliche EIgenschaften wiederspiegeln die eine viel Zahl an Menschen auch besitzten, würde die Antihelden nicht funktionieren. Gerade die Negativen Eigenschaften machen Antihelden viel realistischer und für uns nachvollziehbarer als Helden. Antihelden werden aber nicht als Vorbilder angesehen, Helden hingegen sind immer Vorbilder und werden immer dazu missbraucht. Pendark |
| Kappabani | Boah, schwere Kost. Persönlich möchte ich mich der Sichtweise von Zhang Yimou anschliesen: Ein Held ist ein Mensch der gegen seine Tiefste Überzeugung für eine bessere Sache handelt. Besser kann man natürlich auch wieder interpretieren wie man will aber naja, ...... Ich hab nämlich Schwirigkeiten damit Helden zu Heldenhaften Taten zu sortieren. Siegfried aus der Niebelungen Saga gilt auch als Held aber wenn man ihn mal genau betrachtet ist er ein arroganter, Selbstsüchtiger Arsch. Mit Tugend ist da nicht viel und die wird mit Held ja fast gleich gesetzt. Im groben und ganzen könnte mal wohl sagen das Helden "übermenschliche" Taten vollbringen, unabhängig davon ob wir diese als "Gut" oder "Böse" einstufen denn "Was des einen Freud ist des anderen Leid!" |
| alfi | also ich schließe mich pulSar an. Ich habs in meinem Deutschunterricht so gelernt, dass in der Literatur die Hauptfiguren als Helden bezeichnet werden. |
| KRÜMEL | Na, so verallgemeinert sollte man das aber net sehen...... Nehmen wir mal Aschenbach (Tod in Venedig) und der ist ja nun wahrlich kein Held.;) Also: Protagonist ist nicht gleich Held... |
| LaChatte | Und Anti-Helden könnte man ja wohl auch "Helden trotz allem" nennen, weil sie so zynisch, blöd, trottelig, unausstehlich, ungeschickt, resigniert oder was auch immer sein können - und dennoch die Geschichte weiter geht. Echte Vorbilder, also. |
| dyonor | rückfrage an X, der sich dieses vortragsthema ausgedacht hat: was genau meint sie/er? der begriff "held", der früher recht gedankenlos als synonym für "hauptfigur" benutzt wurde, ist - wie auch der thread hier zeigt - wirklich und wahrhaftig überholt. man spricht allgemein von hauptfigur oder vom protagonisten ... und dann von den nebenfiguren oder von den antagonisten. möchte X etwas über positive figuren in der literatur wissen, also über helden in dem engeren sinne; oder möchte er/sie etwas über protagonisten hören?? um ein hier genanntes bsp. aufzugreifen: Gustav Aschenbach ist wahrlich kein positiver held, ich würde ihn aber auch nicht als "anti-helden" bezeichnen. der begriff bietet nämlich auch seine tücken: ist der anti-held der aktive normenüberwinder? ist er schlicht und einfach "der böse"? oder ist er der lethargische mensch, dem alles nur passiert? etc. - halte ich auch für einen extrem unscharfen begriff, vor allem was die moderne literatur betrifft, die nicht mehr so einfach nach gut und böse dividieren kann, weil unsere welt dafür viel zu kompliziert geworden ist. es gibt werke ohne eine einzige positive figur - sind das dann alles "anti-helden"? aber anti zu wem denn, wenn im werk kein positivling herumläuft? anti also zum mainstream-verständnis von moral? prima! aber da haben wir dann eine kategorie außerhalb des textes, an der die figur gemessen wird, und verlassen damit das feld der literaturkritik (zu der ein solcher vortrag ja auch gehört). freilich sind literatur und moral nicht zu trennen, eine figur wird auch immer wieder unter moralischen gesichtspunkten beurteilt - und deshalb würde ich die oben genannte frage stellen: was will Mr. oder Mrs. X genau? es gehört zur aufgabe des vorträge vergebenden, die aufgabe so zu formulieren, dass sie klar ist. zitat: Kann z.B. Karl von Moor (Schiller) def. auch als ein Held angesehen werden? Karl Moor z. B. ist protagonist, aber definitiv kein positiver held - was er auch selbst erkennt. er ist ein rebell aus not und ein ganzes stück opfer; wenn alles gut gelaufen wäre, hätte er das erbe des vaters angetreten, geheiratet und würde seinen bauern evtl. die steuern erhöhen :-)) da also "held" zu sagen finde ich schon einmal fraglich. |
| KRÜMEL | Hello, also folg. Fragestellung wurde gegeben: Klären Sie den Begriff "Held" anhand konkreter Beispiele!;) Tja, die Fragestellung ist also nicht unbedingt sehr aufschlußreich.... Ich nehme an, es sind sowohl Beispiele aus d. Literatur, als auch aus dem realen Leben gemeint.:) |
| Kampfsau | Ist die Auffassung eines Helden nicht auch rein subjektiv. Attentäter sind für manche Helden und für andere einfach nur Wahnsinnige. Einen allgemeingültigen Helden kann es im Grunde gar nicht geben,da jeder andere Ideale und Wertvorstellungen haben kann.Aber das hat ja allein schon mit der Auffassung eines Helden zu tun,der einen "bösen" Gegenpart hat.Menschen sind nicht schwarz und weiß oder böse weil sie eben böse sind.Sie sind auch nur Menschen mit eigenen Zielen.Dies wird auch immer öfter,in der modernen Literatur umgesetzt.Darum ist der Begriff "Held" sehr kontextsensitiv. Früher war ein Held fast automatisch mutig,stark,edelmütig,tapfer und hat sich von nichts aufhalten lassen um sich für das "Gute" einzusetzen z.B. den Schutz Unschuldiger.Er hat sich sogar selbst,falls nötig geopfert und das Leid auf sich genommen.Dieser letzte Attribut ist wohl die allerwichtigste Eigenschaft des klassischen Helden,Opferbereitschaft für andere.Eigentlich recht unrealistisch.Solche Menschen gibt es fasst gar nicht. Sie waren das Ideal der Menschen damals.Heute will man solche Menschen nicht mehr sehn.Sie erinnern einen wohl an die eigenen Makel und wo sie eigentlich stehen.Antihelden sind da viel symphatischer.Die Identifikation ist größer und man versteht die Figur einfach besser,da sie die eigenen Ideale mehr verkörpern. Wer interessiert sich noch für Superman?Den Inbegriff des edlen ,perfekten Helden.Heute sind es Gangster,unrasierte Ramboos mit schlechten Manieren und die Guten gewinnen nicht mal immer. Ich finde das auch interessanter aber Superman hat es in den neuen Comics auch nicht immer so leicht. Ich hofe ich schreibe nicht zuviel Mist |
| OLED | Habt ihr den Maulhelden schon? Ich denke mal dass ein Held jemand ist der irgendwie im Mittelpunkt steht bzw aufmerksamkeit genießt. Ganz gleich aus welchem Grund. Ob es jemand ist der tollpatschig, trottelig, edel oder Mutig ist oder jemand der einfach nur ständig die Klappe offen hat. Wie auch immer: Sie alle genießen eine Gewisse Aufmerksamkeit und sie alle werden als -held bezeichnet. So irgenwie halt... |
| dyonor | [QUOTE][i]Original geschrieben von KRÜMEL [/i] [B]Hello, also folg. Fragestellung wurde gegeben: Klären Sie den Begriff "Held" anhand konkreter Beispiele!;) Tja, die Fragestellung ist also nicht unbedingt sehr aufschlußreich.... Ich nehme an, es sind sowohl Beispiele aus d. Literatur, als auch aus dem realen Leben gemeint.:) [/B][/QUOTE] das ist wirklich nicht gerade klar. aber es liest sich so, als sei der positive held gemeint (oder der, welcher nicht zu gemein ist). schlagartig fällt mir da Odysseus ein, der ist auch so schön lange tot und mystisch, somit ein wenig entrückt, eignet sich wirklich gut als held - im dem sinn, dass er sichnicht von den göttern unterkriegen lässt und auch mal fehler machen darf. obwohl die toten freier das wieder anders sehen würden :-)) Robinson! es ist schon eine leistung, so lange auf einer insel allein zu sein und nicht durchzudrehen - besonders wenn man sich so nach den menschen sehnt wie er. empfehle auch mal, in Joachim Fernaus ernst-satirisches "Disteln für Hagen" hineinzusehen, wo der Siegfried kundig und eloquent analysiert wird - als das typische bsp. des von den deutschen ersehnten und dann gleich wieder umgebrachten helden. |
| Simon Kernouc | In den Begriff "Held" lässt sich so ziemlich alles hineinpacken und ich habe noch nie eine zufriedenstellende Definition gehört. Der Held sollte aktiv sein und die Handlung mitgestalten? Fehlanzeigen bei den Hauptfiguren von Autoren wie Franz Kafka. Auch mit Normenüberwindung ist es oft nicht weit her. In mdernen Romane werden die "Helden" nur allzu oft von den Normen überwunden und nicht umgekehrt. Der Held sollte stark, schön, kulg usw. sein? Ich kann mich an keinen ernsthaften Roman in der letzten Zeit erinnern, in dem das so ist. Der Begriff "Held" scheint also, jedenfalls in der modernen Literatur, jeden Inhalt verloren zu haben. |