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  Forum: Platz der Philosophen
    Thema: "Ich liebe es" und "lieben"
ashipisburningSchon seit einiger Zeit stelle ich mir die Frage, ob unsere Sprache und unser Sprachgebrauch nicht immer phrasenhafter werden. Und mich würde interessieren, ob ich mit meiner Meinung alleine bin.
Wörter, die früher noch etwas besonders ausgedrückt haben und deshalb selten verwendet wurden, werden mittlerweile inflationär gebraucht und werden somit (in meinen Augen) des Inhalts und der Bedeutung beraubt.

Ein gutes Beispiel dafür scheint mir „lieben“ zu sein (mir geht es dabei nicht um „Ich liebe Dich“).

Ein Schnellrestaurant wirbt ja bekanntlich mit dem Spruch „Ich liebe es“. Aber was soll man daran lieben. Mittlerweile liebt man sogar irgendwelche Kleidungsstücke, auch wenn sie nur im Laden hängen. Auch wenn das aus dem Amerikanischen übernommen ist, so breitet es sich doch auch bei uns aus wie eine Seuche.
Was ist aber die Steigerung von „lieben“? Und wenn man doch schon alles „liebt“, kann man dann etwas noch WIRKLICH lieben? Was, wenn man seine Gefühle wirklich mitteilen will und jemandem, der einem wirklich wichtig ist „liebe Grüße“ oder „Alles Liebe“ wünschen möchte, das aber schon bei jedem x-beliebigen getan hat, den man so gut wie gar nicht kennt?
Warum machen wir das? Und warum mißfallen uns diese übertriebenen Vertraulichkeiten nicht?
TrauerkloßIch denke, kein Mensch will permanent darüber nachdenken, warum er ein bestimmtes Wort verwendet, ob dieses Wort tatsächlich das wiedergibt, was er ausdrücken will, wo die Grenze zur Phrase überschritten wird...usw. Worte sind oft nichts als ein Mittel zum Zweck. Schon über Inhalt und Bedeutung eines Begriffes könnte man stundenlang debattieren. Schlag nur Begriffe wie "Liebe", "Freiheit", "Demokratie" etc. nach, und Du wirst zig Definitionen finden. Was bedeutet es denn, zu "lieben"? Die einfachsten und gängigsten Begriffe sind oft am schwersten zu definieren. Ich selbst merke natürlich auch, dass allenthalben Phrasen gedroschen werden, aber meines Erachtens war das schon immer so - vor allem in der Werbung. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob das Wort "Liebe" früher differenzierter bzw. weniger inflationär verwendet wurde, als es heute der Fall ist. Wenn ich überlege, wie oft in den letzten Jahrhunderten von Nächstenliebe oder von der Liebe zum Menschengeschlecht, zur Schöpfung, zur Dichtkunst, zur Musik, zur Heimat usw. die Rede war, würde ich fast schon das Gegenteil annehmen.
Wir sind PapstEine mögliche Steigerun in Punkten, wie "etwas lieben" oder "lieben" wäre unter Umständen "vergöttern" und "anbeten".
Desira[QUOTE]Und warum mißfallen uns diese übertriebenen Vertraulichkeiten nicht?[/QUOTE]
Man fühlt sich halt gebauchkitzelt.

So gesehen ist die Entwicklung die Du beschreibst schon schade, aber Sprache ist lebendig. Es entstehen ja auch neue Wörter und Ausdrücke.
UND es ist immer noch etwas anderes, wenn Du zu einem Menschen sagst "Ich liebe Dich", damit zusammenhängend alle Gefühle, die Situation usw. (Auch wenn Du Dich nicht darauf bezogen hast ;))
Genauso gut könnte man sich über die andauernde Benutzung von maskulinen Formen in der Sprache aufregen - macht auch keiner, weil's alltäglich ist. Es steht ja jedem frei ein Wort mehr oder wneiger häufig zu benutzen.
NnordyIch teile Deine Meinung zu einem großen TEil, ashipisburning. Gerade als Germanistin, die sich ja tagtäglich mit solchen 'Tatbeständen' auseinandersetzt, rollt es mir verschiedentlich die Zehennägel hoch, wie mit Begriffen, die jahrhundertelang behutsam gewachsen sind und sich entwickelt haben, heute gedankenlos rumhantiert wird - offensichtlich deshalb, weil der Wortschatz vieler Leute heute einfach so derartig beschränkt ist, daß sprachliche Eloquenz Seltenheitswert hat.
Wir hatten es letztens mit dem Beispiel 'Ausrufe'. Man kann da beobachten, daß der Ausruf 'o mein Gott' in inflationärer WEise gebraucht wird. Nicht, daß ich jetzt übermäßig religiös wäre oder so, aber es fällt einfach auf, wenn jemand, nur weil ihm ein paar Hefte runtergefallen sind, gleich sagt 'O mein Gott, was für ein Mist...'.
Die Neologismen der heutigen Zeit scheinen sich, zumindest was die deutsche Sprache angeht, auf Anglizismen und einschwappende Wörter aus Fachsprachen wie der der IT-Branche zu beschränken, was ich persönlich für bedauernswert halte. Klar ist sprachlicher Purismus eine Illusion, schon das Alt- und Mittelhochdeutsche bediente sich unzähliger Lehenswörter bspw. aus dem Altfranzösischen und Lateinischen, und einer meiner Profs (Prof. R. Hoberg, der ist ja auch in der Gesellschaft für deutsche Sprache) wird nicht müde, zu betonen, daß auch das sprachliche Entwicklung bedeutet, dennoch: Viele sind gegenüber der eigenen Sprache unsensibel geworden. Oder, noch schlimmer: Man benutzt Begriffe, ohne sich darüber im klaren zu sein, was diese bedeuten. Sowas passiert, wenn eine Gesellschaft nicht mehr liest (lesen bildet bekanntlich - und erweitert den Wortschatz, zumindest wenn die Lektüre mehr als die 'Bild-Zeitung' beinhaltet), sondern nur noch vor der Glotze hockt...

@Desira: Die Freiheit des Einzelnen im Sprachgebrauch ist so eine Sache... Mir ist schon öfter passiert, daß ich was sagte, und nur unverständliche Blicke erntete. Daraufhin formulierte ich das Gesagte um (mir wird manchmal nachgesagt, ich hätte einen etwas antiquierten Wortschatz), in 'seichtere/leichtere' Worte, und wurde dann verstanden... Will sagen: Je nach der Gesellschaft, in der man sich befindet (ich meine jetzt bestimmte Personen und nicht 'Gesellschaft' als soziologisches Gesamtkonstrukt) kommt man nicht umhin, sich an deren Sprachgewohnheiten anzupassen. Da kann es vielleicht sogar passieren, daß auf ein 'Magnifizent!" nur ein 'häh?' kommt, so daß man sich auf 'Boah ey!' umstellen muß... :rolleyes:
JesterDas allgemeine Wortgut hat einen absteigenden Trend, das ist unumstösslich festzustellen, selbst für blauägige. Und ja, im grossen und ganzen finde ich das ganze auch sehr bedauerlich, doch denke ich das man in dem Falle auch zwei Arten der Entfremdung differenzieren sollte.

Zum einen wäre da die von Ashipisburning genannte inflationäre Nutzung von Wörtern, die ich ehrlich gesagt als weniger schrecklich erachte. Es ist einfachso das sich aufgrund der "Weiter"-Entwicklung einer Sprache sich auch die Bedeutungen von Worten (leider) im steten Wandel befinden, wobei der jeweilige Zeitgeist starken Einfluss auf diese Entwicklung nehmen kann. Auch wenn ich kein Freund der momentanen deutschen Sprachentwicklung bin, es ist einfachso das an die stelle vieler liebgewonnener Worte "Slangausdrücke" rücken die sich mehr und mehr in das soziale Gefüge drängen. Ob das positiv zu bewerten ist muss jeder für sich entscheiden, ich denke das selbst ich in meinen doch noch recht jungen Jahren in diesem Bezug noch recht konservative Ansichten habe und mit dem "jugendlichen" Deutsch nichts anzufangen vermag.
Und da ich damit eigentlich gerade meinen zweiten Punkt angesprochen habe kommen wir jetzt wieder zurück zum ersten der damit eng verbunden ist. Durch die momentan recht schnelllebige deustche Sprache, und vor allem auch deren Zwang dazu sich immer neu und aktuell zu halten, ist der "jungen Schicht" die tiefere Emotionale Sicht zum Wortgebrauch meist abhanden gekommen. Heutzutage ändert sich der aktuelle Wortschatz von Jahr zu Jahr, Worte sind einfach weniger Wert als früher....

*seuftz* Ich hätte mir gar keine Gedanken drüber machen sollen, ich hatte die schrecklichen Zustände in unserer Sprache so schön beiseite geschoben und jetzt ist wieder alles da..., grausige Wahrheiten...
autumnnightkurzer einschub aus der it-branche (mein brötchengeber):
hier gibt es abteilungsnamen und andere begriffe, die mir teilweise die direkt damit arbeitenden kollegen nicht ins deutsche übersetzen können!!!
MontroseDer übertreibende Gebrauch von Sprache könnte einen allgemeineren Trend anzeigen, der über die Sprache hinausweist.
Seit die kleinste Banalität für wert erachtet wird, im Fernsehen ausgebreitet zu werden, ist jeder ein kleiner Schauspieler, ist jeder Rülpser ein weltbewegendes Drama, bei dem ein wenn auch nur imaginiertes Publikum gebannt darauf starrt, bis die Luftblase Raum ergreift.
ambstodHallo .
Deine Feststellung ist völlig richtig ! Das hast DU gut erkannt.

SUPER THEMA !!!!

und warum das so ist :

Liegt daran ,daß unsere sprache von vorn herein eine gefühlstöte sprache ist . Sie ist nur eine Formalsprache.

Ich bin 2 sprachig aufgewachsen und habe festgestellt ,daß es die meisten sprachen vom Herzen kommen . Während z.B die Deutsche sprache ausschließlich fast nur vom Hirn her ausgeht und nicht vom Herzen.

Das ist der Grund warum unsere sprache so leblos ist .
Deutswche sprache ist schon fast manipulation des Herzens .


ambstod
ubiesttristaniaich finde es auch schade, dass viele das wort lieben so leichtsinnig gebrauchen,
vorallem die medien.
ich persönlich verwende nur sehr selten "lieben",
denn es sollte selten gebraucht werden um die tiefe bedeutung zu erhaltan.
DarkEden1978Ich denke nicht das worte die bedeutung verlieren nur weil sie von der allgemeinheit oft genutzt werden es sind nur worte aber je nachdem wann und zu welcher person ich diese worte sage erkennt dieser die bedeutung es ist ein unterschied ob ich worte nur sage oder ob sie vom herzen kommen das wird jeder erkennen der einen kennt
demelzaInteressantes Thema. Was mir dazu noch einfällt ist der Trend bzw. der Hang dazu, aus dem Englischen stammende Redewendung im Verhältnis 1:1 ins Deutsche zu übersetzen, wie z.B. bei der Phrase "Das macht Sinn". Kommt mir jedenfalls so vor, als habe jemand versucht, den Satz "That makes sense" frei nach dem Programm "Babelfisch" zu übersetzen - und heraus kommt ein Satz, der sich beim ersten Hinhören einigermaßen gut anhört.

Wenn ich mich aber näher damit beschäftige, muß ich sagen, daß man einen Sinn gar nicht "machen" kann (machen kann man z.B. seine Hausaufgaben, seinen Führerschein, einen Gegenstand, den man mit Händen grefen kann, oder meinetwegen noch Unfug) - müßte es nicht heißen "das hat einen Sinn" oder "das ergibt einen Sinn"?

Korrigiert/verbessert mich, wenn ich falsch liege...
rainravennunja, "das macht keinen Sinn" ist mir aber genauso geläufig wie "das ergibt keinen Sinn", und ich glaube nicht, daß es eingedeutscht wurde. Mir kommt eher das englische "that makes sense" seltsam vor, auch wenn es richtig ist.

Ich würde zwar nicht sagen, daß ich ein Schnellerestaurant lieben kann, und den Werbeslogan finde ich etwas doof, doch ich verbinde durchaus mein "Lieben" mit den Dingen, auf die ich es anwende.
Ich liebe mein Vögel, meinen Freund, meine Freunde, einen warmen Sommertag, Griechland, bestimmte Freizeitaktivitäten oder Situationen oder wenn jemand etwas für mich oder mit mir macht oder tut. Das sind wirklich Gefühle, die mir das Herz öffnen und mich intensiv fühlen lassen, und sie fühlen sich für jedes genannte Beispiel anders an. Trotzem ist das eine Art von Liebe.

Ich unterscheide höchstens noch zwischen "ich hab Dich lieb", was ich mal eben so einem Freund oder einer Freundin sagen kann, um gefühlsmäßige Nähe oder Zuneigung in diesem bestimmten Moment oder auch generell auszudrücken, das sage ich auch zu meinen Tieren, und das ist etwas, was ich hauptsächlich eben in diesem schönen Moment empfinde.

"Ich liebe Dich" "mißbrauche" ich höchstens, wenn mir jemand einen dringenden Wunsch oder etwas gerade sehr Wichtiges erfüllt oder erledigt, dann sage ich, "Oh, ich liebe Dich", und da ist es hauptsächlich im Sinne von herzlicher Dankbarkeit gemeint. Aber ich finde nicht, daß ich Worte "falsch" anwende. Ich empfinde halt auch sehr intensiv und muß eben die (wenigen?steifen? unemotionalen?) Möglichkeiten wahrnehmen, die mir die deutsche Sprache, meine Muttersprache, gibt.
Kato[QUOTE][i]Original geschrieben von rainraven [/i]
[B]Mir kommt eher das englische "that makes sense" seltsam vor, auch wenn es richtig ist.
[/B][/QUOTE]
[englisch-lk-klugscheißer]
"that makes sense" ist nicht = das macht sinn (im sinne von "dies macht sinn"="this makes sense) sondern eher als "das auto was (endlich mal) sinn macht" zu brauchen (a car that makes sense)[/englisch-lk-klugscheißer]


b2t:

ich finds nicht so schlimm wenn wir wörter konnotativ gebrauchen. wenn ich "lieben" alltäglich benutzen würde, würde ich es mit "verehren" "vergöttern" oder so steigern
ashipisburningNatürlich entwickelt sich Sprache weiter, auch wenn ich glaube, daß diese Entwicklung nicht immer positiv ist, aber dennoch: Bedeutungen verschieben sich, wie man an „geil“ ganz gut erkennen kann. Alte Wörter werden durch Neologismen verdrängt: Wer vermißt das althochdeutsche Wort „barn“ für Kind? – Wahrscheinlich keiner.

Viele Anglizismen werden uns irgendwann ebenso geläufig sein wie Wörter, deren Entlehnung schon länger zurückliegt. Wein und Rettich wurden zum Beispiel ja auch mal entlehnt. Ob wirklich alle Anglizismen nötig sind? Nein. Manche sind zum Beispiel so irrwitzig, daß ich beim besten Willen nicht verstehen kann, warum sie in die deutsche Sprache eindringen. Zum Beispiel „in“ vor Jahreszahlen; man muß mehr schreiben als früher und auch sonst kann ich keinen Sinn darin erkennen (Lotto-Plakat Anfang des Jahres: 102 Lotto-Millionäre in 2004).
Man muß auch wirklich nicht alles Eindeutschen, deshalb sind uns auch so Eindeutschungsversuche wie „Tageleuchter“ für Fenster oder „Menschenschlachter“ für Soldat erspart geblieben.
Und daß es Internationalismen gibt, erleichtert uns das Sprachenlernen ja ungemein (Ich lerne zum Beispiel gerade Finnisch und freu mich über jedes Wort, daß ich irgendwie wiedererkenne ;)).

Aber eigentlich geht es mir gar nicht um Anglizismen und den Sprachverfall an sich, sondern um die Auswirkungen auf die Gesellschaft.
Um aber noch mal auf mein Beispiel zurückzukommen: Ich finde es bedenklich, wenn mir jeder sofort „liebe Grüße“ sendet oder „Alles Liebe“ wünscht und zwar deshalb, weil kaum noch Steigerungen möglich sind, zumindest verbal. Und indem ich alles gleich mache und zum Beispiel keinen Unterschied zwischen neuen Bekannten und alten Freunden mache, setzte ich alle gleich. Und da mir wahrscheinlich nicht alle gleich viel bedeuten können, impliziert das ja dann, daß wir die wichtigen Leute auch nichts bedeuten, oder?
LaChatte[QUOTE]Ich denke, kein Mensch will permanent darüber nachdenken, warum er ein bestimmtes Wort verwendet, ob dieses Wort tatsächlich das wiedergibt, was er ausdrücken will, wo die Grenze zur Phrase überschritten wird...usw. Worte sind oft nichts als ein Mittel zum Zweck.[/QUOTE]

Gerade WEIL Worte Mittel zum Zweck sind, ist es wichtig, sich ständig darüber Gedanken zu machen, welche Worte man wählt und welche nicht und warum und überhaupt. Man erreicht schliesslich mit einer differenzierten und flexiblen Sprache die angestrebten Ziele auch besser. ;)

[QUOTE]Viele sind gegenüber der eigenen Sprache unsensibel geworden. Oder, noch schlimmer: Man benutzt Begriffe, ohne sich darüber im klaren zu sein, was diese bedeuten. Sowas passiert, wenn eine Gesellschaft nicht mehr liest [/QUOTE]

Nnordy, ich kann deinen Pessimismus nicht teilen. Zu allen möglichen historischen Zeiten dürfte der Wortschatz und Bücherkonsum des Durchschnittbürgers kleiner gewesen sein als heute plus minus fünfzig Jahre. Vermutlich ist es eher auf deine intensive Beschäftigung mit dem Thema Sprache zurück zu führen, dass es dir einfach mehr auffällt, wenn jemand unkorrekt spricht.

Ausserdem entwickeln sich heute äusserst interessante neue Sprache, wie zum Beispiel die SMS, oder in der Schweiz ist es üblich geworden, sich Grusskarten in Mundart zu schreiben. Ein Lehrer meinte dazu, er bekäme viel mehr Karten als früher, weil die Schüler weniger Hemmungen haben in Mundart zu schreiben, weils dort keine vorgeschriebene Grammatik und Orthografie und demzufolge auch keine Fehler gibt.

[QUOTE]finde es bedenklich, wenn mir jeder sofort „liebe Grüße“ sendet oder „Alles Liebe“ wünscht [/QUOTE]

Dies empfinde ich als recht neutrale Grussformeln. Liebe Grüsse kann man doch wirklich allen schicken, die man mag. "ich umarme dich" schicke ich viel weniger Leuten.;)

Und ja, ein unbewusster Umgang mit Sprache finde ich auch total unmöglich...
Dark Luzifer"Ich liebe es" drückt ja eigentlich nicht aus was man liebt. Das Lieben wird praktisch abgewertet. Natürlich verstehen wir, dass sich der Satz auf das Essen von McDo bezieht, aber dadurch dass wir uns das "erdenken" müssen, kommt der Sinn abgeschwächt rüber.
"Ich liebe dich" oder "Ich liebe z.B. Sara" ist dagegen ein Satz der direkt aussagt, was geliebt wird, wodurch die Wirkung unterstrichen wird.
DunklerSchattenIch stimme dem Threadautor zu 95% zu. Die Sprache erlebt tatsächlich einen Verfall. Schlimm find ichs aber auch erst wirklich, wenn manche Wörter in Aussage und eigentlicher Bedeutung kaum noch übereinstimmen; ein Beispiel wäre das Wort "schrecklich". Meist meint man damit, das etwas grässlich oder schlecht ist. WEnn man sich aber Gedanken über die Wurzel dieses Wortes macht, so merkt man, dass die eigentliche Aussage nur sagt, dass man sich vor etwas erschreckt. So war das zum Beispiel, als ich mich mit meiner Schwester über den 3. Herr der Ringe Film unterhalten hab. Sie sagte, sie fände ihn "schrecklich", meinte aber nicht das schrecklich im Sinne von schlecht, sondern von schrecken. Da war mir das auch zum ersten Mal aufgefallen, dass unsere Sprache tatsächlich verfällt. Zudem werden dadurch auch Übersetzungen in andere Sprachen evtl. schwieriger. Wenn man Worte, die bereits solch eine Veränderung durchgemacht haben, in eine andere Sprache übersetzen will, kann man sich leicht irren.

Dass aber die Sprache vollkommen Gefühlstot ist, dem würde ich nicht bzw. weniger zu stimmen. Man muss eben nur mit dieser Sprache umgehen können; nicht umsonst wird Deutsch als die Sprache der Denker und Dichter bezeichnet... Ob eine Sprache Gefühlstot ist, hängt mMn mehr vom Sprecher, als von der Sprache selbst, ab.

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