| Seperaude | Ich muss euch leider mit einem langen Text von mir quälen der vielleicht recht undurchsichtig ist, aber zum verständnis meines Problems notwendig. Für die, die die Geduld haben das alles zu lesen: Danke! Ps.: bitte entschuldigt die Länge und die Verworrenheit des Textes und auch wenn ich manchmal ungewollt überheblich klinge. Ich hoffe es entstehen nicht allzuviele Missverständnisse und ich hab mich nicht allzuoft 'verdacht'. -------------------------- Fast jeder Menschen hat ein (tiefes) inneres Bewußtsein der Schwere und Tragik seiner Existenz und von der Nichtigkeit alltäglicher Handlungen: Bewußtsein von den komplizierten und meist furchterregend weit sinnentfremdeten Zügen in der unerträglichen Leichtigkeit seines Lebens. Je weiter dieses Bewußtsein, welches ich mal als Seele bezeichne, einem Menschen tatsächlich im Alltag begegnet desto weiter ist sein Prozess der Selbsterkenntnis abgeschlossen. Es gibt für mich wenig interessanteres als Menschen, die den Prozeß der Selbsterkenntnis -und Verwirklichung abgeschlossen haben oder auf dem Weg dorthin sind, so wie ich es bin. Klare Ziele, keine Verwirrungen mehr, kein Samsara, kein großes quälendes Fragezeichen im Kampf um den Sinn in der eigenen oder gar der gesamten Existenz. Nun kommt es für viele 'Suchende' auf dem Weg zur Erleuchtung oder zu ähnlichen Zielen, nur mit anderen Worten dafür, zu einem Zustand der Weltverachtung im hächsten Ausmaß: Der große Ekel. Seine Überwindung kommt erst mit dem Finden der inneren Klarheit. Sein Verdunkeln ist die Erleuchtung. Er ist meine große Last, mein großer Feind, meine große Aufgabe und wesentlicher Teil meines Nihilismus. Er entsteht aus der Betrachtung der scheinbaren Oberflächlichkeit und Sinnlosigkeit des menschlichen oder in schlechten, toten Tagen gar des gesamten Daseins. All diese Wesen verleugnen ihre Triebe und ihr Innerstes, sie verleugnen ihr Tao (bzw. Seele, Geist, Gott, wie auch immer man es nennen will) und haben Angst vor ihm, da es selbst die größte Kritik an ihrem Leben wäre. Sie machen Jobs die sie nicht mögen, um Geld für Waren zu verdienen, die Sie zum Großteil nicht brauchen. Sie glauben an das alles, weil die Medien und einfach alles es ihnen als wichtig suggerieren - Sie dahingehend Manipulieren ihr inneres Potenzial nicht zu erkennen, ja gar zu unterdrücken. Freiwillige Sklaverei durch Manipulation des Willens. Ihre 'subjektive' von außen suggerierte Realität ist ihre Art der Verdrängung der Wahrheit. Ganze Religionen bestehen aus dieser Taktik der Manipulation und dem Aufbau einer subjektiven Scheinwelt, die dadurch realer auf den Verblendeten wirkt, weil andere Verblendete ähnliche suggerierte Vorstellungen haben, welche sie dann beispielsweise als ihre gemeinschaftliche Erfahrung vom Wesen Gottes auslegen. Diese gemeinschaftliche Vorstellung ist für Sie widerum ein Argument für die Wahrheit ihrer Ideologie, Religion oder was auch immer sie sich so alles ausdenken. Ihre halbe Psychologie wird klar aus dem Verständnis der psychischen Schutzmechanismen. Unser Unterbewußtsein schützt uns vor Veränderungen wenn es dem Körper augenblicklich gut geht. Es erkennt das Aufleuchtens der wahren Seele im Verblendeten (der natürliche Versuch geistiger Genesung) als Bedrohung der momentanen Lebenszustände. Wenn der Verblendete Zweifel an seiner Auffassung der Realität bekommt wird er automatisch mit doppelter Wucht auf eben jene zurückgeworfen und hat ein schlechtes Gewissen von Verrat - Glaubt aus Angst noch mehr dran ohne zu wissen wo diese Angst wirklich herkommt: Die ist ein Schutzmechanismus seines Gehirn und nicht beispielsweise Angst vor Strafe durch Gott für den Zweifel. Das ist eine wesentliche verwechslung, die ich grade nicht besser beschreiben konnte. Ich hoffe es treten deshalb keine Missverständnisse auf. Man sollte das auch nicht so ernst nehmen, es ist nur ein Gedanke. Ich will hier keineswegs alle monotheistischen Religionen angreifen, ich beschreibe nur die verlogenste Form des Pseudo-Glaubens. Obwohl ich glaube, dass das Christentum (und auch einige andere Religionen und Moraldiktaturen) ein Hindernis oder eine Bremse auf dem Weg zur inneren Klartheit darstellt, weiß ich auch, dass es durchaus fromme und ehrliche (zu sich selbst wie zu anderen] Christen gibt. Allerdings lehne ich diese Religion, genauso wie alle anderen mit Göttern als selbstständigen übernatürlichen Wesenheiten ab. ----------------------------------- Ich könnte das Samsara ewig weiter beschreiben, es selbst kennt keine Grenzen. Und für den (einsamen) Menschen auf dem Weg zur Erkenntnis, den Typus des Suchenden, wirkt dieses ganze Durcheinander verständlicherweise meist abstoßend. Er blickt vorrangig nicht mit Gleichgültigkeit oder Mitleid auf die verwirrte und verblendete Welt um ihn herum: Er tut es mit Ekel. Und auch das ist ein psychischer Schutzmechanismus - Ein Gleichnis zur Verdeutlichung: Der Genesende hat sich eben von einer schrecklichen Krankheit erholt und hat nun Angst mit Infizierten in Kontakt zu kommen, da er um das schreckliche Leid seiner einstigen Krankheit weiß und sich nicht erneut anstecken will. Das Wesen dieser Krankheit besteht daran, dass der Leidende nichts oder nur wenig von seinem Leid weiß, es meist falsch interpretiert und behandelt. In dem Moment wo er die Krankheit und ihre wahren Ursachen erkennt wäre er schon fast geheilt Es vergeht eine Weile und diese Angst vor Infektion geht in den Genesendenihn über und wird zum Ekel. Allerdings beschließt er trotz diesem den Kranken zu helfen. Er kann ihnen allerdings nicht zunahe Treten, muss vielleicht Schutzkleidung tragen aus Angst vor den Erregern - man kann dieses Gleichnis beliebig weiterspinnen. Auf jeden Fall klingen dem Kranken die Worte des Schutzbekleideten merkwürdig. Der Geheilte tritt nicht wahrhaftig an sie heran, immer nur hinter Schutzwällen aus Angst und Ekel. Er kann nicht ihr Vertrauen gewinnen und deshalb glauben sie ihm auch nicht die komische Geschichte sie wären Krank und diese Krankheit wäre ein Fluch der auf der ganzen Welt liegt und von der nur wenige wissen, denen niemand glaubt. Im Grunde ist das wie in Platos Höhlengleichnis nur eben um den Ekel und die Schutzbekleidung erweitert. Ich hoffe das ist soweit einleuchtend. In dem Moment wo der Geheilte den Prozeß seiner Heilung/Serlbsterkenntnis abgeschlossen hat, ist auch sein Immunsystem vollständig: Er ist stark und fest, hat keinen Ekel mehr und kann auf die Kranken eingehen, kann sich ihnen nähern, ihr Vertrauen gewinnen, sie mühselig heilen. Vielleicht schreibt er sogar ein Buch welches an Kranke ausgeteilt wird und welchem er einen netten Namen gibt wie "Vom Tod alter Götter und ihrer Widerauferstehung" oder "Götzendämmerung" oder "Physiologie des Leidens". Der 'Geheilte' ist nun ein Meister auf dem Weg zur vollständigen Erleuchtung wenn er Sie in dem Moment nicht bereits hat. ---------------------------------------- Den Überblick über diesen recht wichtigen Teil meiner momentanen 'Weltanschauung' zu behalten ist nicht ganz einfach, auch für mich nicht. Ich halte es für eine mehr oder weniger grobe Vermischung meiner Gedanken zu Nietzsche und zum Daoismus/ Zen. Nun hänge ich da fest, mit fällt es schwer mein Leben auszurichten. Ich habe Angst ein Verhängnis einzugehen, einen schweren Denkfehler. Mein Gefühl drängt mich zu diesen Anschauungen, aber ich versuche über dieses eigentlich weniger philosophische als eher persönliche Problem eine gewisse wissenschaftliche Kontrolle zu stellen um nicht in einer Irrung zu landen die mir Jahre meines Lebens kosten könnte oder durch die ich meine Freiheit und Vitalität oder geistige Flexibilität verliere. Ich befinde mich auf dem schmalen Grad zwischen Wahrhaftigkeit und Verwirrung (von mir aus auch Genie und Wahnsinn, aber das klingt einfach zu blöd und überheblich). Hat vielleicht, falls jemand bis hierhin gelesen hat, eine wesentliche Idee zu all dem? Oder gibt es offensichtliche Fehler (außer grammatikalische und rhetorische) in diesem Denkgebäude? Kann mir jemand weiterhelfen oder mich zurechtweisen? Macht das alles für euch Sinn? Gibt es vielleicht gleichgesinnte unter euch mit denen man reden könnte? Allgemein kann mich jeder anlatschen dem was gescheites dazu einfällt: ICQ: 102838230 Danke für eure Aufmerksamkeit Ich bezweifle zwaqr den Sinn dieses Unterfangens, aber man kann ja hoffen... Also bis dann |
| decay73 | Weil du es Zen erwähnst und ich gerade einen Satz von Kodo Sawaki gelesen habe: [quote][b]Desto mehr du dich mit deinem Affeingeist und (deinem) Pferdewillen befast, desto verrückter wird dieser Affen- und Pferdegeist im Kreis herumspringen und seinen Spaß mit dir treiben. Du kannst Zazen praktizieren, Nenbutsu ausüben, die Gebote so strikt einhalten wie du willst – du kannst warten bis du steinalt wirst: Du wirst deine Illusionen niemals loswerden. Selbst wenn du verzweifelt versuchst, deine Illusionen auszulöschen, wirst du nicht den Zustand des Nicht-Denkens oder Nicht-Geistes erreichen – du wirst dich nur selbst verrückt machen.[/b][/quote] Komm zunächst zur Ruhe und befreie dich vom Samsara! :) |
| Zaunkönig | joo, das is richtig, s is wichtig, sich zu beruhigen, und das ganze aus einer gewissen distanz zu betrachten...oder wie du dich ausdrücken würdest: Lass den Heilungsprozess etwas weiter (passiv) fortschreiten, dann hast du wahrscheinlich einen besseren Überblick, kannst deine "krankheit" besser beurteilen... Zum weg zur "erleuchtung" ist es ganz interessant, sich mit Rudolf Steiner zu befassen...einiges was er schreibt, ist vielleicht etwas übertrieben, aber doch recht gedankenanregend^^ Der Ekel, den du beschreibst, ist mir übrigens bei mir selber noch nich begegnet, obwohl ich vieles so sehe wie du...weiß nich, vielleicht kommt das noch, aber ich denke nicht. Ich bemüh mich einfach, akzeptierend und tolerant zu sein, vielleicht sogar n bissen zu sehr, und daher empfinde ich keineswegs abscheu für oberflächliche menschen etc., sondern sie regen mich eher zum denken an...ich bin nicht so arrogant zu behaupten, dass ich den allein richtigen Weg beschreite, und wie kann ich beurteilen, dass der Mensch der mir so irrend vorkommt, nicht der Weisere von uns beiden ist? Das heißt nicht, dass du oder ich von unseren "Pfaden" abweichen sollten, sondern dass wir beim Weitergehen auf Abzweige achten müssen, und nicht blind voranstolpern sollen, falls ich das ma s sagen darf^^ kP...ich hoffe, es is verständlich, was ich meinte... Im übrigen: kann mir ma jemand erklären, was samsara ist??? xD |
| decay73 | [QUOTE][i]Original geschrieben von Zaunkönig [/i] [B]Im übrigen: kann mir ma jemand erklären, was samsara ist??? xD [/B][/QUOTE] Der ewige Kreislauf des Lebens von Werden und Vergehen, aus dem es auszubrechen gilt. |
| Tinchen | Ich hab immer ein Problem damit, wenn "oberflächliche" Menschen oder Menschen, die nach Meinung einer Gruppe noch nicht so "fortgeschritten" sind als Kranke bezeichnet werden, weil das mit fehlender Toleranz und mit Überheblichkeit einhergeht, was aber an sich schon Zaunkönig gesagt hat. Immerhin sind die Begriffe "Krank" und "Gesund", zumindest wenn sie sich auf die Mentalität des einzelnen beziehen, immer vom Standpunkt des Betrachters abhängig und wer für sich gesund ist, ist für den anderen wieder krank. |
| Seperaude | @ decay73 Mir ist durchaus klar, dass ich wenn ich mich an den Weg des Buddhismus richte und diesem vollkommen vertrauen würde, der nächste Schritt erstmal das Finden von Ruhe -und Schrittweise ausbrechen aus dem Samsara wäre. Nur will ich mich dem (noch) nicht uneingeschränkt hingeben. Zumal glaube ich nicht an die Reinkarnation im herkömmlichen Sinne. Dieses Thema kommt mir zu esoterisch vor und der Buddhismus macht da Aussagen, auf die es keine eindeutigen Hinweise gibt. Außerdem bin ich ein naturwissenschaftlich orientierter Mensch und kann nun mal die Existenz von Dingen außerhalb des Geistes nicht leugnen - jedenfalls nicht auf die herkömmliche Art, nur auf einer anderen Verständnisebene, der ich ebenfalls nicht uneingeschränkt vertraue. Ich kann mich der Reinkarnation nur nähern anhand der ewigen Widerkunft des Gleichen und nicht spezieller Leute, die es jetzt zum 14.mal oder so geben soll. @Zaunkönig Das Samsara verstehe ich weniger als den Kreislauf der Wiedergeburt, sondern als den Kreislauf der ewigen Verwirrungen und sinnlosen, unheilbringenden Verstrickungen dieser in der Welt. Da diese in all ihrer vielfalt doch immer die selben sind und immer widerkehren trifft die allg. kurze Definition von decay wörtlich auch auf meine Haltung zu. Aber ich will mich hier nicht in Wortgefechte und begriffliche Konditionierungen verschlingen. Es ist schön für dich, dass du dass Gefühl von Verachtung nicht erlben musstest und ich glaube nicht, dass dir das noch widerfahren wird. @tinchen, Zaunkönig [QUOTE] und wie kann ich beurteilen, dass der Mensch der mir so irrend vorkommt, nicht der Weisere von uns beiden ist?[/QUOTE] Nun, viele Menschen sind da undurchschaubar und man sollte sich wirklich nicht die Arroganz herausnehmen über diese zu urteilen, vorallem da man dann andere Denkarten die der eigenen vieleicht überlegen sind oder sie bereichern könnten einfach ausschließt und abstempelt. Aber wiederum gibt es auch viele Menschen bei denen das eindeutig klar ist: Sie sind zwar nie vollständig durchleuchtbar, aber man kann sich durchaus legitim ein schnelles Urteil über bspw. pupertierende Mädchen bilden, die Boy-groups hören und dergleichen tun und scheinbar nichts geistiges an sich haben. (Sie benutzen ihren Geist nur nicht, er ist verborgen und überdeckt von Samsara) Mir fällt gerade noch ein gutes Zitat von Lao Tse auf, was wunderbar zu meinem anfänglichen Gleichnis passt: "Wissen um sein Nichtwissen ist Größe. Nicht wissen um sein Nichtwissen ist Leiden. Doch nur, wer dieses Leiden als Leiden erkennt, wird dadurch frei vom Leiden" |
| Beowulf | [QUOTE][i]Original geschrieben von Seperaude [/i] Fast jeder Menschen hat ein (tiefes) inneres Bewußtsein der Schwere und Tragik seiner Existenz[/QUOTE] Worin liegt denn die Schwere und die Tragik der menschlichen Existenz? Vor allem der Aspekt der Schwere würde mich interessieren. [QUOTE][i]Original geschrieben von Seperaude [/i] Je weiter dieses Bewußtsein [...] tatsächlich im Alltag begegnet desto weiter ist sein Prozess der Selbsterkenntnis abgeschlossen. [/QUOTE] Selbsterkenntnis ist also ein passiver Prozess, der sich daran erschöpft die Sinnhaftigkeit alltäglicher Handlungen zu negieren? [QUOTE][i]Original geschrieben von Seperaude [/i] Klare Ziele, keine Verwirrungen mehr, kein Samsara, [/QUOTE] Ist dass dein Iealzustand? Samsara lässt sich wohl nur durch das Nirwana (oder Nihilismus) bzw. in letzter Konsequenz durch das Lebensende - Reinkarnation mal ausgeschlossen - durchbrechen. Deswegen meine Frage: Welche klare Ziele soll es denn an einem solchen Idealzustand noch geben? Selbstverwirklichung ist ja schon erreicht, und materielle Bedürfnisse werden von dir als etwas niederes Abgelehnt. Zudem sind Nihilismus und "klare Ziele" per se Inkompatibel [QUOTE] All diese Wesen verleugnen ihre Triebe und ihr Innerstes, sie verleugnen ihr Tao[...]und haben Angst vor ihm, da es selbst die größte Kritik an ihrem Leben wäre. Sie machen Jobs die sie nicht mögen, um Geld für Waren zu verdienen, die Sie zum Großteil nicht brauchen. Sie glauben an das alles, weil die Medien und einfach alles es ihnen als wichtig suggerieren[...][/QUOTE] Ja ja, zeige mir wie ich so ein Leben führen kann, und ich gebe dir den Übermensch. Ich habe eine Idee warum in unserem Kulturkreis die widersinnige Idee von der Universalität und Berechenbarkeit der "Masse" so stark verwurzelt ist. Ich denke der Glaube an die Unformität einer indefiniten Menschenmasse, also eines nichtexistenten Durchschnitts, ist ein Abfallprodukt eines stumpfsinnigen Individualismus, der "Anderssein" mit "Selbstsein" verwechselt. Vornehmlich solchen Menschen die sich gerade ihres Adoleszenzkonfliktes bewusst werden sind auf der Suche nach ihrer Identität; und da die Gesellschaft keine positive Ideale für die eigene Identitätsbildung liefern kann müssen eben die negativen Ideale herhalten. Man versucht sich also selbst zu bestätigen in dem man sich bewusst macht wie man nicht ist. Ist nur so ein Gedanke. |
| decay73 | Nunja, ich beschäftige mich seit gerumer Zeit mit dem Zen- Buddhismus, aber es geht dir wohl so ähnlich wie mir: mit Wiedergeburt kann ich als Naturwissenschaftler nicht viel anfangen. Das ist eine Frage, die ins Reich des Glaubens gehört. Wissen kann man es genauso wenig wie ob es einen Gott gibt oder nicht. Aber es ist für mich auch nicht relevant (und für den Zen-Buddhismus wohl auch nicht unbedingt). Wichtig ist, dass man sein Leben jetzt (in der Gegenwart) zu leben hat, dass der Augeblick das Wichtigste ist. Mir scheint, dass der Gedanke an Wiedergeburt oder das christliche Paradies oder sonst was viel zu oft nur dazu führt, sein Leben nicht jetzt zu leben und seine guten Vorsätze auf das nächste Leben oder das Paradies zu verschieben. Nur bringt das niemandem was. Man lebt [b]jetzt![/b] und nicht gestern oder morgen. Und das Samsara kann man in meinen Augen auch auf sein jetziges Leben beziehen. Man sollte aufpassen, nicht in einen immerwährenden Kreislauf von (wie du richtig sagtest) Verwirrungen und Verstrickungen und somit Leiden (in Form vielleicht von Verzweiflung) zu gelangen und wie eine Maus im Laufrad gefangen zu sein. Der Weg muss sein, dieses Laufrad zu verlassen, bevor es zu spät ist um zur Ruhe zu kommen und Zeit für die Beatwortung der wichtigen Fragen zu bekommen. Bezüglich deines ersten Postings würde das bedeuten: Eins nach dem Anderen und nicht alles auf einmal. Das verwirrt nur und macht nervös. Ich möchte dir nicht zu Nahe treten, Seperaude, aber beim lesen deines ersten Posts hatte ich halt das Gefühl, dass etwas mehr Ruhe ganz hilfreich wäre... ;) |
| Beowulf | [QUOTE][i]Original geschrieben von decay73 [/i] mit Wiedergeburt kann ich als Naturwissenschaftler nicht viel anfangen. Das ist eine Frage, die ins Reich des Glaubens gehört.[/QUOTE] Kommt drauf an. Kunderan - wenn der Thread schon auf ihn Bezug nimmt - hat ein paar sehr schöne Dinge über "Wiedergeburt" gesagt. Dass es eine ewige Wiederkehr gibt, insofern dass sich alles wiederholt. Für ihn ist dass wohl etwas traumatisches, da es bedeutet dass sich Verbrechen der Menschheit immer wieder neu ereignen werden. Versöhnung mit der Geschichte basiere nur auf der Hoffnung dass ihre Grausamkeit durch den Filter der Vergänglichkeit ihren Schrecken verliert. Ich denke Samsara, also ein ewiger Kreislauf, der ewigen Leiden bedeutet, kann man als mehr verstehen als reine Seelenwanderung. Meiner Meinung gibt es einen ewigen Kreislauf, vielleicht nicht beim Individuum selbst, aber zummindest bei der Menschheit. Es werden immer wieder die gleichen Arten von Menschen geboren, die immer wieder ein gleiches Leben führen werden, und alle Fehler der Vergangenheit werden immer wiederholt werden. (Natürlich ändern sich die Parameter durch den Fortschritt der Technik. Aber Fortschritt gibt es nur bei der Technik, die Menschheit bleibt sich gleich) |
| Seperaude | Ich freue mich angegriffen zu werden. Und ich freue mich, dass 'mir zunahe getreten wird'. Genau dass will ich ja, denn vom gutreden wird nichts besser. @Beowulf [QUOTE]Worin liegt denn die Schwere und die Tragik der menschlichen Existenz? Vor allem der Aspekt der Schwere würde mich interessieren.[/QUOTE] Nun ja, ich geb zu das hab ich ein bisschen bescheuert und kitschig ausgedrückt, aber ich kann erklären, was ich damit meinte und deine Frage beantworten:Im Leid durch Verwirrung. Bei einer unglücklichen Ehe zum Beispiel wird bspw. der Frau ab und an bewusst wie sinnlos und erlogen dieser ganze Zustand ist und auf welchen scheinheiligen Dingen ihre Ehe beruht. In solchen Momenten kommt ihr ihr Dasein "Schwer" vor, und das ist "tragisch". Und im nächsten moment lenkt sie sich deshalb mit irgendwelchen dingen ab und vergisst den Gedanken. Ihre Seele, die kurz aufleuchtete, wird wieder überdeckt von Verwirrungen und Ablenkungen. Der erleuchtete Geist würde sich ohne Probleme mit Leichtigkeit aus einem solchen Ehezustand befreien können und sein Leben äußerlich neu ausrichten. (obwohl er nie in soeine ehe hineingeraten würde). [QUOTE]Selbsterkenntnis ist also ein passiver Prozess, der sich daran erschöpft die Sinnhaftigkeit alltäglicher Handlungen zu negieren?[/QUOTE] Da hast du mich glaub ich mal falsch verstanden. (Oder ich versteh dich nicht ganz) Man kann durchaus aktiv Selbsterkenntnis erlangen, so wie ich sie verstehe. Und Selbsterkenntnis zielt darauf Sinn und Geist in alltägliche Handlungen zu integrieren. Ich denke wir befinden uns gerade in einem Kampf um Wörter und nicht um Wahrheit. Ich habe das Gefühl, dass weder ich dir noch du mir wirklich etwas sagst. Aber weiter: [QUOTE]Ist dass dein Iealzustand? Samsara lässt sich wohl nur durch das Nirwana (oder Nihilismus) bzw. in letzter Konsequenz durch das Lebensende - Reinkarnation mal ausgeschlossen - durchbrechen. Deswegen meine Frage: Welche klare Ziele soll es denn an einem solchen Idealzustand noch geben? Selbstverwirklichung ist ja schon erreicht, und materielle Bedürfnisse werden von dir als etwas niederes Abgelehnt. Zudem sind Nihilismus und "klare Ziele" per se Inkompatibel[/QUOTE] Welches wort man benutzt um Klarheit und inneren Frieden (bitte nicht falsch verstehen) zu beschreiben ist mir eigentlich egal. Ob ich mich jetzt positiver Atheist, Agnostiker oder Buddhist schimpfe ist zum Beispiel auch egal: das sind nur Wörter: sie sind alle wahr und alle falsch. Du hast in dem Fall recht, dass es in einem solchen Idealzustand wirklich keine Ziele mehr gibt (im Sinne von Wünschen und Begehren). Man könnte zum Beispiel dann versuchen andere Menschen ebenfalls in diesen "Idealzustand" zu versetzten. Sich das als "Ziel" nehmen. (wobei dieser Begriff hier von mir wirklich nicht gut gewählt ist). Und Nihilismus ist wirklich inkompatibel, wie du sagst, zu "klaren Zielen". Kein Erleuchteter ist Nihilist. Erleuchtete, oder von mir aus der Übermensch, sind Überwinder des Nihilismus. (Wobei ich wieder das Gefühl habe gerade nur um Worte zu kämpfen) Über den letzten Gedanken, den du hervorgebracht hast, möcht ich noch nicht spezifisches sagen. Ist wert mal gründlich überdacht zu werden: vorab: verzeih meine Dummheit: was ist ein Adoleszenzkonflikt? |
| decay73 | natürlich ist das leben geprägt von einem ewigen kreislauf. sogar in etwa so, wie es der buddhismus auch sagt, dass nämlich aus einem menschen irgendwann vielleicht ein hund oder irgendwas andere wird. wenn deine mutter während du in ihrem bauch heranwuchst ein steak gegessen hat, sind in dir wohl ein paar atome eines rindes. ich möchte auch nicht wissen, wo die atome meiner unterhose schon überall waren. die ganze natur, die uns umgibt, und deren teil wir sind, unterliegt einem ewigen kreislauf von werden und vergehen. nur dass der menschliche geist auch einem kreislauf unterliegt, oder der geist gar von einem auf das folgende geschöpf weitergegeben wird, scheint mir eher der menschlichen egozentrik geschuldet zu sein, denn was soll an meinem geist wirklich so erhaltenswert sein, dass er ewig existent ist? jedenfalls ist das etwas, was man (trotz aller angeblichen ‚esoterischen erfolge‘) nur glauben kann. und warum sollte es mit dem geist anders sein als mit dem körper, wenn es doch EINS ist... wenn es so ist, dann ist es in ordnung, wenn nicht, dann auch. der mensch kann halt nicht alles wissen und muss es auch nicht. was er aber tun kann ist schon jetzt ein sinnvolles leben zu führen und nicht woanders oder zu einer anderen zeit. wenn er das tut besteht die berechtigte hoffnung, dass sich nicht alles leiden wiederholt. mit dem gedanken „nach mir die sintflut“ oder „bald kommt das paradies/die hölle“ funktioniert das nicht so gut. :) |
| Zaunkönig | Adoleszenzkonflikt = Emanzipation während der Pubertät - und danach -, und die ganzen Probleme, die man halt dabei hat...Lossagung von den Eltern, Finden einer Identität etc. achso, emanzipation im sinne von "Selbstbefreiung", also Selbstständig-Werden, natürlich, das war jetzt nicht irgendwas feministisches oder so... |