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  Forum: Platz der Philosophen
    Thema: Von meiner Überschreitung der Grenze der Vernunft
SeperaudeWahnsinn lässt mich heute lachen.
Mit Vernunft, sagt er, kann man die Welt nicht begreifen.
Das kann nur eine Maschine, die besser funktioniert als die Maschine Verstandesmensch.
Wahnsinn ist die höchste Begriffsform von mir.
Mehr kann ich nicht begreifen also werd ich irre.

Ich lache laut heute und der Wahnsinn strömt aus mir.

"Wirf deine Liebe und deine höchste Hoffnung weg, dummer Mensch!
Da fühle Schmerz: fühlt er sich nicht gut an? Macht er dich nicht geil?
Das ist nämlich des Lebens Ziel: zu sterben. Muhahaha!
Also stirb du dummer Vogel!
Ich lache mich kaputt aus Verzweiflung!
Also bring mich doch um und deinen Körper, wenn du mich nicht ertragen kannst, denn ich kann mich nicht ertragen.
Oder erfind' dir einen falschen Gott, auf dass er mich verdränge.
Eines von beidem befehle ich dir, dummer Geist!"
So sprach damals der Wahnsinn und der höchste Geist aus mir.

Da kam mein dümmster Geist und sagt:
"Ich nenne das mal Nihilismus und sage mal:
Ich komme nicht allein ans Ziel des Lebens!
Ich brauche meinen Körper, denn er ist die klügere Maschine.
Ich frag ihn mal, ob er mir helfen mag:"

Doch, so sagte der Körper:
"Ich bin die bessere Maschine!
Gut das du das endlich siehst, dummer Geist.
Aber darum hab ich dich nicht gemacht, dass mir du und auch dein Höchstes verzweifelt und wahnsinnig wird!
Es gibt dich, damit ich Essen kriege und ich mich forpflanze, denn dein Leben hat keinen Sinn außer meinem Willen!
Und ich brauche vielleicht keinen Sinn, denn ich bin aus der Natur enstanden und mich gibt es einfach so.
Also füge dich, Geist - du achso eitles Ich - , meinem Willen und dem Sinn und Grund deiner Existenz!
Aber eine Aufgabe stelle ich dir noch hinzu mit meinem Willen, denn ich weiß die Antwort selber nicht:
Warum hab ich deinen höchsten Geist und deinen Wahnsin erschaffen?"

Da aber weinte der Geist und ward depressiv. Er tat das lange und wurde stark aus dem Schmerz.
Stark genug wird er und Weise während er Essen sammelt und dem Körper Fortpflanzung verschafft.
Und da spricht er also zum Körper und der Körper wirkt erstaunt dabei:
"Ich bin dumm und du bist sinnlos.
Und du bist stark geworden am Leben und ich bin stark geworden an dir.
Du mein dunkles Selbst.
Ich mache dir einen Vorschlag:
Wenn wir uns zusammentun, dann sind wir nicht mehr dumm und sinnlos.
Wenn wir uns zusammentun, dann sind wir klug und finden schon den passenden Sinn für uns."

Da antwortete der Körper verwirrt:
"Ich bin verwirrt, doch sage ich dazu mal ja.
Denn vielleicht werden wir dadurch so klug, damit uns die Weiber zufallen und ich mich besser fortpflanzen kann.
Also hier: nimm meine Kraft."

Der Geist aber wusste wie er den Körper verwirrt und zu diesem Zugeständnis bringt,
Denn er ist mittlerweile ebenso mächtig geworden wie der Körper und hat ihn mit etwas Glück überlistet.
Und klüger ist der dumme Geist geworden als der Wahnsinn und der höchste Geist es einst war.
Da ward er wirklich Weise und sprach zu seinem (erstaunten) Wahnsinn:
"Ich kann dich noch nicht zerstören, oh Bruder Chaos.
Ja, richtig hörst du: Brüder sind wir geworden und töten werd ich dich bald.
Deinen Befehl hab ich gerichtet:
Der Körper hilft mir jetzt durch eine List den richtigen Gott zu finden, der dich nicht verdrängt, sondern überwindet."

Also suche ich, Seperaude, geeint in Körper und Geist, den richtigen Gott!

1. Werde ich ihn finden? wartet...
Was wisst ihr schon.
2. Versteht ihr mich überhaupt? frag ich erstmal.
wartet...
Vor dieser Frage muss ich noch eine klären
3. Versteht ich mich überhaupt?
Oder schrieb ich das nur aus einer Laune heraus, weil ich gerade 5 Bier getrunken habe?

Ich bin zu faul und zu betrunken, diesen Text für mich zu behalten und noch mal drüber nachzudenken, bevor ich ihn online stelle.
Vielleicht könnt ihr mir ja die dritte Frage beantworten, bevor ich das tun muss.
Und wenn die Antwort auf sie nein heißt, so sagt mir doch die Antwort auf die zweite Frage, und
wenn die Antwort auf sie ja heißt und ihr eine antwort auf die erste Frage habt:
Dann und nur dann, hatte dieser Thread einen Sinn.

Falls dieser Sinn einem der Moderatoren verborgen bleibt, der sich bis hierhin durchgelesen hat,
wird er wohl den Thread schließen, seis drum.

Gruß, Seperaude

(Anmerkung: Vielleicht war das eher was für Nebelpfade, ich weiß nicht, verschiebt es, falls es dort besser aufgehoben ist)
TheTurningPoint[QUOTE][i]Original geschrieben von Seperaude [/i]
Da ward er wirklich Weise und sprach zu seinem (erstaunten) Wahnsinn:
"Ich kann dich noch nicht zerstören, oh Bruder Chaos.
Ja, richtig hörst du: Brüder sind wir geworden und töten werd ich dich bald.
Deinen Befehl hab ich gerichtet:
Der Körper hilft mir jetzt durch eine List den richtigen Gott zu finden, der dich nicht verdrängt, sondern überwindet." [/QUOTE]Hallo Seperaude,

ich glaube, deinen Text einigermaßen verstanden zu haben, nur mit dem zitierten Stück habe ich einige Verständnisschwierigkeiten, besonders mit dem Satz: "Deinen Befehl hab ich gerichtet:"

[QUOTE]Also suche ich, Seperaude, geeint in Körper und Geist, den richtigen Gott!
1. Werde ich ihn finden? [/QUOTE]Einen Gott, der dir hilft, deinen Bruder Chaos zu töten, wirst du leicht finden. Aber wird das der richtige Gott sein? Kann das ein richtiger Gott sein, der etwas in dir tötet?

Musst du denn Wahnsinn und Chaos töten, um es zu überwinden? Reicht es nicht, wenn Körper und Geist gemeinsam so stark sind, dass Wahnsinn und Chaos keinen Schaden mehr anrichten können?

Irgendjemand hat mal gesagt: "Wahnsinn und Genie gehen Hand in Hand."
Wenn du Wahnsinn und Chaos in dir tötest, tötest du dann nicht auch dein Genie? Wirst du dann nicht zu einer leblosen Maschine ohne Eigensinn?

Dein Körper wird aus den Erbanlagen und dem, was du aus der Umgebung zu dir nimmst, gebaut.
Dein Geist wird aus den Erbanlagen und dem, was du aus der Umgebung zu dir nimmst, gebildet.
Ist nicht erst das Chaos in dir das, was dich zu etwas Besonderem und Einzigartigem macht?
Ist vielleicht gerade das Chaos in dir die unsterbliche Seele, die noch da ist, wenn alle Ordnung von Körper und Geist schon zu Staub zerfallen ist?
Seperaude[QUOTE]ich glaube, deinen Text einigermaßen verstanden zu haben, nur mit dem zitierten Stück habe ich einige Verständnisschwierigkeiten, besonders mit dem Satz: "Deinen Befehl hab ich gerichtet:"[/QUOTE]

Ich schieb an einer Stelle weiter oben:

"Ich lache laut heute und der Wahnsinn strömt aus mir.
[...]Also bring mich doch um und deinen Körper, wenn du mich nicht ertragen kannst, denn ich kann mich nicht ertragen.
Oder erfind' dir einen falschen Gott, auf dass er mich verdränge.
Eines von beidem befehle ich dir, dummer Geist!"[...]"

Ich habe hier und dort vielleicht nicht ganz klare Begriffe verwendet, da hätte ich einmal mehr querlesen müssen.
Wenn ich dort schrieb "Ich kann dich noch nicht zerstören, oh Bruder Chaos", dann um auszudrücken, dass ich noch den "richtigen" Gott finden muss der mir dabei hilft ihn zu "töten".
Ich hätte statt "töten" und "zerstören" wirklich das Wort überwinden schreiben sollen, so hab ich es nämlich gemeint und so hast du es glücklicherweise auch verstanden.
"Deinen Befehl hab ich gerichtet" sollte heißen:
Ich bin nicht stark genug mich deinem Befehl zu widersetzten, aber ich kann ihn innerhalb der Grenzen deines Interesses umschreiben.
Also schreib ich ihn so um wie er mir besser gefällt.
D.h. weder werde ich mich töten, noch falschen Göttern nachlaufen um den Wahnsinn zu verdrängen. Ich suche jetzt den richtigen Gott, um den Wahnsinn zu überwinden.
Du hast das auch gut verstanden mit den Worten
"Musst du denn Wahnsinn und Chaos töten, um es zu überwinden? Reicht es nicht, wenn Körper und Geist gemeinsam so stark sind, dass Wahnsinn und Chaos keinen Schaden mehr anrichten können?"

[QUOTE]Wenn du Wahnsinn und Chaos in dir tötest, tötest du dann nicht auch dein Genie? Wirst du dann nicht zu einer leblosen Maschine ohne Eigensinn?

[...]

Ist nicht erst das Chaos in dir das, was dich zu etwas Besonderem und Einzigartigem macht?
Ist vielleicht gerade das Chaos in dir die unsterbliche Seele, die noch da ist, wenn alle Ordnung von Körper und Geist schon zu Staub zerfallen ist?[/QUOTE]

1. ich stimme zu. Das ist die Dekadenz, wie ich sie bei nietzsche verstehe.
2. Ja (Begründung folgt)
3. Nein, denn wenn garkeine Ordnung mehr in mir ist, bin ich reif für die Klapse, und da sind keine unsterblichen Seelen.
Das ist der Weg des Verglühens und die Kehrseite der Dekadenz, die dasselbe ist.
PS: Erinnert mich an Kurt Cobains Ausspruch "it's better to burn out then to fade away"

Das Chaos ist es, dass ich zu überwinden versuche, denn ich habe mittlerweile eingesehen, dass zwar die Selbsterkenntnis eine wichtige Sache ist, aber die Selbstverwirklichung als eine Art

Ausleben der eigenen Eigenheiten und von dem was das eigene "Anderssein" aussmacht, reiner Blödsinn ist.
Was ich suche ist eher das verwirklichte Selbst in mir, dass ich hier mal "richtiger" Gott nenne, doch es ist das "Unaussprechliche" (das Tao, der Sinn, der Weg,...), aber dieses Wort hätte hier vielleicht mehr Verwirrung geschaffen als der Begriff "Gott", da letzterer in unserem Kulturkreis mehr verbreitet ist. (Obwohl die meisten positiven Atheisten, wie auch ich einer war, etwas falsches oder eher anderes darunter verstehen).

Im Grunde war der Thread nur eine umständliche, aber nötige, Umschreibung der beiden Fragen:

[B]1. Ist vielleicht was dran am Taoismus/ Zen-Buddhismus (bis hin zum "I Ging"), dass nicht dem herkömmlichen Dekadenz-Begriff Nietzsches unterworfen ist?

2. Und selbst wenn da nichts dran ist: Gibt es eine erfüllende, sinnvolle Lebensweise, die schaffend und lebendig und richtig ist, sich der Dekadenz entzieht und gleichzeitig auf dem von mir eingeschlagenen Weg erkennbar ist?[/B]

Anmerkung zu Frage 2: Diese Lebensweise sollte sich auf das Diesseits beziehen, denn ich lasse die Frage als wissenschaftlicher Mensch offen, was nach dem Tod geschieht, will aber trotzdem den maximal erriechbaren Sinn in mein Leben vor dem Tod bringen.
Ich hätte den Thread auch in dieser Weise schreiben können und ihn nennen können:
[B]Entmystifizierung von Gott, ohne die Verneinung desselben[/B]
TheTurningPoint[QUOTE][i]Original geschrieben von Seperaude [/i]
"Deinen Befehl hab ich gerichtet" sollte heißen:
Ich bin nicht stark genug mich deinem Befehl zu widersetzten, aber ich kann ihn innerhalb der Grenzen deines Interesses umschreiben. Also schreib ich ihn so um wie er mir besser gefällt.
D.h. weder werde ich mich töten, noch falschen Göttern nachlaufen um den Wahnsinn zu verdrängen. [/QUOTE]Dieses Umschreiben - "Um-Richten", "Neu-Aus-Richten" - hatte ich schon vermutet. Eine andere Variante wäre das Widersetzen (die Befehls-Verweigerung), Richten im Sinne von Verurteilen oder "Hin-Richten" gewesen.

[QUOTE]Ich suche jetzt den richtigen Gott, um den Wahnsinn zu überwinden. [/QUOTE]Ich orientiere mich in letzter Zeit etwas an dem Hinweis der Gruppe "Laibach":
"The key is to accept the absence of a key."

Zu deutsch: Der Schlüssel (zum Verständnis des Selbst, der Welt etc) ist, (wenn man Einiges nicht zählen, messen, verstehen, begreifen kann) zu akzeptieren, dass es (manchmal) keinen Schlüssel gibt.

Nicht alles, was anders und unverständlich ist, ist Wahnsinn. Schon oft hat sich das, was anfangs als Wahnsinn betrachtet wurde, später als das Richtige entpuppt. Früher hat man alle für wahnsinnig erklärt, die behaupteten, der Mensch könne fliegen. Heute ist Fliegen Normalität.

[QUOTE]1. ich stimme zu. Das ist die Dekadenz, wie ich sie bei nietzsche verstehe. [/QUOTE]Aus dieser "Dekadenz" entspringen meiner Ansicht nach alle Großen Erfindungen und alle Große Kunst. Wenn man diesen Wahnsinn nicht mehr zulässt, wird es auch keine Kreativität mehr geben. Man muss nur verhindern, dass der Wahnsinn so mächtig wird, dass er sich zerstörend auf Körper und Geist auswirkt.

[QUOTE]3. Nein, denn wenn garkeine Ordnung mehr in mir ist, bin ich reif für die Klapse, und da sind keine unsterblichen Seelen.
Das ist der Weg des Verglühens und die Kehrseite der Dekadenz, die dasselbe ist.
PS: Erinnert mich an Kurt Cobains Ausspruch "it's better to burn out then to fade away" [/QUOTE]Ich meinte damit die Zeit nach dem Tod von Körper und Geist. Was bleibt dann von dir? Es bleiben deine kreativen Werke mit all dem "Wahnsinn", der darin steckt. Und es bleiben - im Gedächtnis der Hinterbliebenen, aber vielleicht auch in irgendwelchen Riten, Familiengewohnheiten, Dorf-Festen usw. - noch etliche deiner kleinen und großen Ungewöhnlichkeiten und Dummheiten erhalten. Jeder Mensch verändert mit seinen Dummheiten ein wenig die Welt.

[QUOTE]Das Chaos ist es, dass ich zu überwinden versuche, denn ich habe mittlerweile eingesehen, dass zwar die Selbsterkenntnis eine wichtige Sache ist, aber die Selbstverwirklichung als eine Art Ausleben der eigenen Eigenheiten und von dem was das eigene "Anderssein" aussmacht, reiner Blödsinn ist. [/QUOTE]Wie schon angedeutet, mit dem Ausleben deiner Eigenheiten und deines Andersseins veränderst du die Welt. Wäre das nicht so, würde die Welt stagnieren und langsam sterben.
Dein Körper und dein Geist haben die Verantwortung dafür, dass sich dein Wahnsinn nicht all zu negativ auf das Leben von dir und anderen Wesen auswirkt. Aber warum sollte man den Wahnsinn verbieten, wenn er Freude, Entspannung und Lebenskraft bringt?

Sind nicht alle Karussells und Achterbahnen, Computer- Karten- und Brett-Spiele, Spielautomaten, Lotto usw. sinnlos und dekadent, von den diversen Varianten des Sports ganz abgesehen? Aber wäre das Leben ohne sie nicht trostlos und stinklangweilig?

[QUOTE]Was ich suche ist eher das verwirklichte Selbst in mir, dass ich hier mal "richtiger" Gott nenne, doch es ist das "Unaussprechliche" (das Tao, der Sinn, der Weg,...), aber dieses Wort hätte hier vielleicht mehr Verwirrung geschaffen als der Begriff "Gott", da letzterer in unserem Kulturkreis mehr verbreitet ist. [/QUOTE]In irgendeinem Lexikon habe ich den Begriff "Gott" gefunden als "allumfassende Macht". Davon kann das Selbst nur ein Teil sein, wenn man an eine Welt außerhalb des Selbst glaubt.

[QUOTE]Im Grunde war der Thread nur eine umständliche, aber nötige, Umschreibung der beiden Fragen:
1. Ist vielleicht was dran am Taoismus/ Zen-Buddhismus (bis hin zum "I Ging"), dass nicht dem herkömmlichen Dekadenz-Begriff Nietzsches unterworfen ist? [/QUOTE]So genau habe ich Nietzsche noch nicht gelesen. Aber ich sehe gewisse Ähnlichkeiten zwischen seiner "Verherrlichung" von Erde und Menschheit im "Zarathustra" und dem Begriff "allumfassende Macht". Bilden nicht die der Erde (der Natur) innewohnenden Kräfte und die Kräfte (die Macht) der Menschheit zusammen die "allumfassende Macht"?
So gesehen, würde man diesem Gott dienen, wenn man der Erde und der Menschheit dient, wenn man alles für das (Über-)Leben der Erde und der Menschheit tut. Und je mehr Menschen die Kräfte der Natur und der Menschheit kennenlernen und zum eigenen Überleben nutzen, um so mehr wird dieser Gott ein "guter Gott".

[QUOTE]2. Und selbst wenn da nichts dran ist: Gibt es eine erfüllende, sinnvolle Lebensweise, die schaffend und lebendig und richtig ist, sich der Dekadenz entzieht und gleichzeitig auf dem von mir eingeschlagenen Weg erkennbar ist? [/QUOTE]So weit ich das begriffen habe, sehen auch viele östliche Religionen das Ziel im "Eins werden mit der Natur", im "Eins werden mit der Welt". Ich glaube, mein Leben ist dann sinnvoll und erfüllend, wenn ich meinen Platz in der Welt finde, wenn ich alle meine Körper- und Geisteskraft und all meinen Wahnsinn so einbringen kann, dass es der Natur und der Menschheit ("Gott") zum Wohle ist - und letztendlich auch mir selbst zugute kommt.

Hast du schon mal bemerkt, wie viele Ideen und wieviel Kreativität in den meisten Menschen steckt, die als "Wahnsinnige" hinter Schloss und Riegel verkümmern? Wie viele Schätze könnten sie uns geben, wenn wir im Gegenzug etwas aufpassen, dass ihr Wahnsinn keinen größeren Schaden anrichten kann?

[QUOTE]Ich hätte den Thread auch in dieser Weise schreiben können und ihn nennen können:
[B]Entmystifizierung von Gott, ohne die Verneinung desselben[/B] [/QUOTE]Etwas mystisch wird "die allumfassende Macht" wohl immer bleiben (siehe Laibach-Zitat). Ich wäre dann schon eher für eine "Entpersonifizierung" von Gott - so bekommt das Gebot "Du sollst dir kein Bildnis machen" ("Du sollst keinem Götzen dienen") eine neue Bedeutung. Im Islam ist, wenn ich das richtig verstanden habe, die bildliche Darstellung von Allah generell verboten.
Andererseits könnte man "die allumfassende Macht" als "Mutter Natur" oder "Mutter Erde" betrachten, die uns aus sich heraus geboren hat und uns ernärt und geborgen hält. Auch wenn diese "Mutter Natur" über uns allmächtig ist, so ist sie dennoch nicht unverwundbar und wahrscheinlich auch nicht unsterblich. Möge sie recht lange gesund und lebendig bleiben.
TheTurningPoint[QUOTE][i]Original geschrieben von Seperaude [/i]
PS: Erinnert mich an Kurt Cobains Ausspruch "it's better to burn out then to fade away" [/QUOTE]Ich verstehe den Spruch mehr in Richtung "Lieber sich verausgaben und ein kurzes Leben aktiv leben, als lange nutzlos dahinzuvegetieren (z.B. im Krankenhaus am Tropf oder im Koma)."
MagnusCaudar(Bw"1. Ist vielleicht was dran am Taoismus/ Zen-Buddhismus (bis hin zum "I Ging"), dass nicht dem herkömmlichen Dekadenz-Begriff Nietzsches unterworfen ist?"

Natürlich ... Nietzsches Dekadenz bezieht sich auf die Vervolklichung gewonenner Erkenntnisse . Wenn man davon ausgeht das alles was dem Volke eigen gemacht wird nur den Göttern dient ( Nietzsches begriff für Erschaffer solcher Werte ) ist die folgende Dekandenz nur ein Symptom der lebensmacht einzelner die sich im Gesammtmaaß ihrer Erkenntnis verstecken um ihre Leere dem Folk zu vermitteln , dies begründet er mit der nötigen einfacheit und trübheit des allgemeinen Menschen ( Dieser gilt ebenso als sein Bild von dem Menschen der überwunden werden muss ) ... Damit öffnet sich die von ihm beschriebene Dekadenz gerade der Möglichkeit das die Wahrheit in allen Wegen zu finden ist ( siehe z.b. die Todesprediger , Erkenntnis über das geistige sterben eines Volkes )

"2. Und selbst wenn da nichts dran ist: Gibt es eine erfüllende, sinnvolle Lebensweise, die schaffend und lebendig und richtig ist, sich der Dekadenz entzieht und gleichzeitig auf dem von mir eingeschlagenen Weg erkennbar ist?"

Ja ... Jede Suche kann dir einen Sinn geben , doch wie soll sie dir jemals deinen Sinn geben
SeperaudeEs hat leider etwas gedauert mit antworten, da ich etwas im Prüfungsstress bin.
Außerdem musste ich mir etwas Zeit für klare Gedanken lassen.
Ich glaube jetzt der Taoismus ist ein guter Anfang/Neustart für mich.

@TheTurningPoint
"The key is to accept the absence of a key."

Ich würde es eher so sagen:
Den Schlüssel findest du manchmal nur wenn du aufhörst so verzweifelt danach zu suchen. Wirf deinen Affengeist weg und komm zu dir, dann findest du schon was du [U]wirklich[/U] gesucht hast.

[QUOTE] In irgendeinem Lexikon habe ich den Begriff "Gott" gefunden als "allumfassende Macht". Davon kann das Selbst nur ein Teil sein, wenn man an eine Welt außerhalb des Selbst glaubt.[/QUOTE]

da stimme ich zu:
Das göttliche/Das Tao spiegelt sich in dir selbst nur wieder so wie in allem anderen.
Allerdings glaube ich nicht an eine Welt außerhalb des Selbst, weil ich nicht an ein Selbst außerhalb der Welt glaube. Alles erschafft sich gegenseitig und bedingt einander um zu existieren.

Ich will jetzt nicht präzise auf alles eingehen, was du gesagt hast, zumal wir vielleicht stellenweise verschiedenes unter Wahnsinn verstehen und es bringt wohl niemandem etwas jetzt näher darauf einzugehen um unsere Definitionen abzugleichen.

Nur Eins: Eine Entpersonifizierung von Gott ist für mich bereits selbstverständlich.
Eine Entmystifizierung versuche ich zu erreichen. Aber es ist wahrscheinlich wirklich unmöglich diese auf Wortebene in einem Forum zu vollziehen. Aber in mir selbst soll Gott/ Das Tao seine Mysterien verlieren und zu einem klaren logisches Etwas (ein bessres Wort als Etwas fällt mir nicht ein) verschweißen.

@Magnus Caudar(Bw
[QUOTE] "1. Ist vielleicht was dran am Taoismus/ Zen-Buddhismus (bis hin zum "I Ging"), dass nicht dem herkömmlichen Dekadenz-Begriff Nietzsches unterworfen ist?"

Natürlich ... Nietzsches Dekadenz bezieht sich auf die Vervolklichung gewonnener Erkenntnisse. Wenn man davon ausgeht das alles was dem Volke eigen gemacht wird nur den Göttern dient ( Nietzsches begriff für Erschaffer solcher Werte ) ist die folgende Dekadenz nur ein Symptom der Lebensmacht einzelner die sich im Gesamtmaß ihrer Erkenntnis verstecken um ihre Leere dem Folk zu vermitteln , dies begründet er mit der nötigen Einfachheit und Trübheit des allgemeinen Menschen ( Dieser gilt ebenso als sein Bild von dem Menschen der überwunden werden muss ) ... Damit öffnet sich die von ihm beschriebene Dekadenz gerade der Möglichkeit das die Wahrheit in allen Wegen zu finden ist ( siehe z.b. die Todesprediger , Erkenntnis über das geistige sterben eines Volkes )[/QUOTE]

Ich weiß jetzt nicht ob du meine Frage wirklich bejahst oder nur Sarkasmus betreibst.
Ich jedenfalls bin mittlerweile zu der Meinung gekommen, dass sich der Taoismus durchaus der Lehre der Leere entzieht. Warum das so ist lässt sich schwer mit Worten begründen ist aber grundsätzlich begründbar. Wenn du daran Interesse hast, dass ich das versuche, kann ich dir ja mal wenn ich wieder mehr Zeit habe ne PN drüber schicken, oder das hier posten.

[QUOTE] "2. Und selbst wenn da nichts dran ist: Gibt es eine erfüllende, sinnvolle Lebensweise, die schaffend und lebendig und richtig ist, sich der Dekadenz entzieht und gleichzeitig auf dem von mir eingeschlagenen Weg erkennbar ist?"

Ja ... Jede Suche kann dir einen Sinn geben , doch wie soll sie dir jemals deinen Sinn geben[/QUOTE]

Wenn ich unter einem Sinn eine Lehre von den Ursachen des Lebens verstehe, dann kann ich durchaus durch jeden Mist einen sinn finden.

Wenn ich allerdings unter einem Sinn ein erstrebenswertes Ziel für mich verstehe (also meinen Sinn), dann glaube ich das der von mir eingeschlagene Weg
mich diesem Ziel näher bringt. Der Taoismus bietet weniger eine Lehre oder auch Leere, sondern eine Fülle durch sich selbst und seinen eigenen Weg.
Nicht umsonst heißt Tao auch „Weg“ im Sinne von „Weg für jeden einzelnen“ und nicht „Gott“ im Sinne von „Lehre von einem Gott, der für alle gleich ist“.
Nur entspringt das Ziel dieses Weges als die Verwirklichung des Taos bei jedem Menschen demselben Ordnungsprinzip ( dem Li ),
was überhaupt der Grund ist warum man sich über solche Dinge mit anderen Menschen austauschen kann.
Wenn ich nach irgendeinen Sinn suchen würde wäre ich sicherlich nicht hier sondern hätte vor 3 Jahren nicht vom Christen zum Atheisten konvertiert.

Wir können nicht vor unsrer Vergangenheit davonlaufen.
Wir sind dazu verdammt eine Antwort zu finden wenn uns etwas allzu sehr quält
Und wir werden dann bestimmt nicht irgendeine Antwort finden wollen.

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