| Menedemos | "You and me, baby, ain't nothing but mammals, so let's do it like they do on the Discovery Channel..." Schlichtere Gemüter unserer Gattung versuchen ihr Prestige zum Beispiel durch Goldkettchen zu heben, durch Autos, die nie abbezahlt werden können, durch Hervorhebung ihrer unschlagbaren Potenz und was weiß ich. Kultiviertere Artgenossen schauen verächtlich auf derlei Anstrengungen. Sie versuchen etwa durch die Lektüre großer Literatur hervorzutreten oder durch die Fähigkeit zu hochgeistigen Gesprächen oder betreiben Kunst... Aber ist es nicht dasselbe öde Spielchen, das nach denselben Regeln verläuft, in dem sich unsere Primatenverwandten und auch die sonstigen Mitglieder des Tierreichs üben, nur auf höherem Niveau? Oder kommt es letztlich doch auf das Niveau an? Läßt sich dieses primitiv erscheinende Streben überwinden? Oder ist letztlich sogar der Versuch dieser Überwindung nur eine Art Prestigestreben? Was meint ihr? |
| Seneca | Bringen wird es mal auf den Punkt: Nur Männchen brauchen dieses Prestige...bei Weibchen reicht ein reizendes Äusseres...! Ob man es braucht..? Es mag nicht lebenswichtig sein, aber auf jeden falls doch sehr hilfreich bei der Suche nach Partnern...wobei die Fortplanzung hierbei heute nicht mehr die Hauptrolle spielt...oberflächlich betrachtet...Nur weiss das unser Unterbewusstsein nicht. |
| Aza | Ich denke jeder Mensch brauch ein Stücken davon... Sei es das oben genannte Auto, Literatur, ein schönes Kettchen, was auch immer... Ich finds auch völlig in Ordnung, jeder brauch doch etwas, worauf er stolz sein kann... Und tut es nicht gut auch mal von anderen zu hören "ist aber schön, was du da hast.. sowas hätte ich gerne auch" |
| Exile | Prestige nicht unbedingt, nur ist die Eigenwahrnehmung vieler Leute von ihrer Wahrnehmung ihrer Fremdwahrnehmung abhängig. In anderen Worten: Weil es Leuten wichtig ist, vor anderen gut auszusehen, tun sie etwas, was ihrer Meinung nach gut aussehen wird. Das tatsächliche Resultat ist weitestgehend egal, da es letztendlich ja nur darum geht, sich glauben zu lassen, man würde vor anderen gut aussehen. Verständlich ist das ganze schon... einerseits wegen dem natürlichen Konkurrenzkampf, andererseits wegen dem anerzogenen Konkurrenzkampf... und andererseits weil der Mensch einfach ein soziales Wesen ist, das ohne gelegntliche Streicheleinheiten eingeht. Also tut man alles, damit man diese bekommt oder glaubt, diese zu bekommen. Mir reicht meistens die eigene Bestätigung, da ich keinen Sinn in einer Selbstverurteilung auf Grund von Prestigemangel sehe. Also: Ja, das Ego eines jeden bläht sich gerne auf und möchte gestreichelt werden. Als Lösung schlage ich jedem, der daran interessiert ist vor, einfach mal anders zu denken und die Bestätigung der eigenen Person nicht in der Außenwelt zu suchen. Die von euch, die mir jetzt erzählen wollen, sie seien unzulänglich, und müssten desshalb unbedingt sich von irgendwo erzählen lassen, sie seien besser, als sie seien... denkt mal drüber nach. |
| bradóg | Über dieses Thema hab ich mir auch schon desöfteren mein Köpflein zerbrochen und bin zu folgendem Ergebnis gekommen ... Egal ob Goldkettchen, hochgeistige Gespräche oder Potenzverstärker z. B. in Form von aufgemotzten Autos, jeder der sich um aufzufallen ins Rampenlicht stellt, möchte mehr oder weniger damit seinen Selbstwert erhöhen. Egal ob schlichtere Gemüter oder kultiviertere Artgenossen ... o. g. ist pure Selbstdarstellerei, letztendlich auch verbunden mit der Hoffnung, Prestige zu erlangen. Erinnert mich irgendwie an aufgeblasenes Gockelgehabe. Nebenbei bemerkt, das gewünschte Image ständig aufrecht erhalten zu wollen, muß auf Dauer zudem ziemlich anstrengend sein. Was ich faszinierend finde ... es gibt Menschen, die weder hübsch, noch reich sind, die ganz bewußt in Bescheidenheit Leben, sehr gebildet und/oder künstlerisch hochtalentiert und dennoch in keinster Weise auf Präsentation aus sind, ganz im Gegenteil. Charisma ist es, was Menschen zu besonderen Menschen macht, die Ausstrahlung. Charisma erlangt man aber nicht durch krampfhafte Selbstdarstellung und Prestigestreben. [QUOTE]Läßt sich dieses primitiv erscheinende Streben überwinden? Oder ist letztlich sogar der Versuch dieser Überwindung nur eine Art Prestigestreben?[/QUOTE] Ich denke es läßt sich überwinden, indem man sich klar macht, was wirklich wichtig ist, entrümpelt, allen überflüssigen Kram beiseite läßt. Ich denke nicht, daß der Versuch der Überwindung eine Art Prestigestreben ist, siehe Charisma. Menschen die zufrieden sind, in sich selbst Ruhen, haben nicht das Bedürfnis nach Prestigestreben. |
| Ixebitschee | Aber letztere müssen das dann auch nicht überwinden, das Prestigstreben. Wenn jemand seinen Trieb zur übertriebenen Selbstdarstellung überwinden will, ist das auch nur wieder, weil er damit was darstellen will, nämlichts NICHTS BESONDERES darzustellen. Es gibt halt Leute die lauter sind und andere sind leiser. Manche stehen einem ständig in der Sonne und andere nimmt man nur als vorbeihuschende Schatten wahr wenn überhaupt. Jeder will auffallen bzw. geachtet werden, keiner will übersehen werden, meine meinung. Warum das so ist? Hm, das was Seneca schreibt finde ich einleuchtend: [QUOTE]die Fortplanzung[/QUOTE] Selbsterhaltung, Arterhaltung, Kastendenken, Suche nach Gleichgesinnten etc. Wenn das alles "gesichert" ist, dann wird man vieleicht nicht mehr nach Prestige streben, weil man dann Prestige hat. |
| BlackDragon | Ich sehe hier zwei Bedürfnisse, um die es geht: 1. Akzeptanz, Zugehörigkeit 2. Herausstechen, Ansehen Ich kann in beiden Punkten nichts von vornherein Schlechtes erkennen. Es gibt natürlich verschiedene Arten des Ansehens, aber was ist dagegen zu sagen, wenn jemand will, das andere von ihm sagen "ja, der hat was erreicht" und es ihm als Antriebskraft dient? Und IMHO kommt es natürlich auch auf das Niveau an, denn mit einem höheren Niveau geht auch ein Mehr an Leistung, die zum Erreichen der Ziele gehört, einher. Ich würde auch sagen, dass das bei Menschen ein Phänomen der reicheren Länder ist, wie man eventuell an der maslow'schen Bedürfnispyramide sieht: [IMG]http://hamburg-lernt.de/onTEAM/grafik/maslow.gif[/IMG] Aufgrund akuter Zeitnot, werd ich später mehr dazu schreiben... |
| Ixebitschee | O das ist interessant. Wie liest man denn diese Pyramide: von oben nach unten oder unten nach oben, oder nach flächeninhalt? Und wie ist der Unterschied zwischen Defizit- und Wachstumsbedürfnis erklärt? |
| Kato | prestige ist das falsche wort. der prestige effekt, ist,wie du schon sagtest, wenn sich jemand ein prollauto kauft und es sich eigentlich nicht leisten kann, also für den ruf auf anderes verzichtet. dann kannst du aber nicht den intelektuellen anführen der liest, um sich hervorzutun, denn hier verzichtet er nicht auf etwas nur um besser darzustehen. man kann es sich ja allgemein leisten zu lesen. was du wohl eher meinst ist der snob effekt, der effekt sich von der masse abzuheben.(defakto sind viele gothen snobs) (so jetzt hat der streber genug aus seinem sowi-buch zitiert) brauch der mensch prestige/snob: ja. es macht mir spaß, durch die stadt zu gehen und einfach tiptop auszusehen(ich hab mal ein praktikum bei der bank gemacht und da im anzug aufzutreten und die anderen "niederen jugendlichen" zu sehen, gab mir ein tolles gefühl) |
| BlackDragon | [QUOTE][i]Original geschrieben von Ixebitschee [/i] [B]O das ist interessant. Wie liest man denn diese Pyramide: von oben nach unten oder unten nach oben, oder nach flächeninhalt? Und wie ist der Unterschied zwischen Defizit- und Wachstumsbedürfnis erklärt? [/B][/QUOTE] Die maslow'sche Pyramide liest sich ganz einfach: Die Theorie ist, dass ein Bedürfnis erst auftritt, wenn ein niederes erfüllt ist. Die Spitze der Pyramide kann also nicht ohne die Basis existieren, die Basis allerdings ohne die Spitze. Das Bedürfnis nach sozialem Kontakt wird also erst wirksam, wenn die physiologischen Grundbedürfnisse (Nahrung etc.) erfüllt sind. Im Endeffekt geht es also jedem, der sich selbst verwirklichen will zu gut. :D Defizitbedürfnisse sind Bedürfnisse, die erfüllt werden können, d.h. die zu 100% befriedigt werden können. Wachstumsbedürfisse sind solche, die von Grund auf erstmal bei 0 sind und praktisch immer weiter gesteigert werden wollen und können. |
| Ixebitschee | Wenn die maslow'sche Pyramide eine statische Sache ist ("dass ein Bedürfnis erst auftritt, wenn ein niederes erfüllt ist"), dann stellt das meine ganze bis jetzt geleistete Selbstverwirklichung in Frage. *Panik*. Ist dieser Theorie nach das Bedürfnis nach Selbstachtung/Anerkennung überhaupt ein echtes Bedürfnis wenn man das Bedürfnis nach Sicherheit oder sozialen Kontakten noch gar nicht 100% befriedigen konnte. Macht man sich dann nur ein Bedürfnis, schlimmer noch: ein Ergebnis vor, was man in Wahrheit noch gar nicht haben kann? Interessant finde ich die geschichte auch im Blick auf die wachsende Zahl Erwerbsloser, denen ja praktisch ein riesen Stück der 2.Stufe unterm Anus weggezogen worden ist. Was ist in diesen Fällen mit den darüberliegenden Stufen geschehen? |
| BlackDragon | Du wirst Dich doch nicht von einer Grafik aus der Ruhe bringen lassen. Die maslow'sche Pyramide ist nur ein Diagramm, eine Theorie, eine Vereinfachung der stärksten Bedürfnisse. Es geht nur darum, was bei den Menschen der jeweils wirksamste Haupttrieb ist - in Wirklichkeit ist das alles sowieso viel komplexer. |
| Ixebitschee | 1.Absatz ist auch eher ironisch gemeint, 2.Abs dagegen durchaus ernst, im 3.Abs wiederum schlummert das Potential zu Weltverschwörungstheorien (wobei die angehängte Frage irreführend wirken soll). |
| Demon17 | Ich kann mich noch gut genug an die Zeit erinnern, als sich der Geltungsdrang in der Haarlänge ausdrückte. Dem alter der Jeans und ihrer Enge usw. Ich denke überall wo Menschen zusammenkommen entsteht ein wie auch immer gearteter Wettbewerb. (Fast) jede Gruppe ist asymetrisch, es entsteht fast schon automatisch eine Hirarchie. Wie das evolutionär entstanden ist, ich denke da müssen wir zurück bis zu den Dinosauriern oder noch früher. In jeder Herde gibt es eine Leitkuh und eine meist altersgestaffelte Hirarchie.Man denke an das Paarungsverhalten vieler Arten, gerade die, die in Gruppen Leben plustern sich auf, ringen miteinander und konkurrieren was das Zeug hält um die Gunst der Weibchen. Insofern ist der Wunsch durch den Einsatz von Statussymbolen einen hohen Rang zu signalisieren sicherlich nachzuvollziehen und auch durch noch soviel Bildung und Selbsterkenntnis nicht auszumerzen. Es drückt sich dann halt hintergründiger bzw. unterschwelliger aus. Doch wer kennt nicht das Prestigedenken an den Unversitäten, das Prahlen mit den Titeln, der Streit um die Urheberschaft an einer Idee? Also machen wir uns nichts vor, es verlagert sich nur auf andere Kriterien das Prestigedenken. [QUOTE]Was ich faszinierend finde ... es gibt Menschen, die weder hübsch, noch reich sind, die ganz bewußt in Bescheidenheit Leben, sehr gebildet und/oder künstlerisch hochtalentiert und dennoch in keinster Weise auf Präsentation aus sind, ganz im Gegenteil. Charisma ist es, was Menschen zu besonderen Menschen macht, die Ausstrahlung. Charisma erlangt man aber nicht durch krampfhafte Selbstdarstellung und Prestigestreben.[/Quote] Hier kommen wir zum Faktor Selbstbewußtsein. Einem nicht unerheblichen Teil der Menschen fehlt es. Sie beziehen ihre Bestätigung aus der sozialen Anerkennung anderer und Versuchen eben diese durch Statussymbole und entsprechendes Verhalten zu steigern. Ich denke hier sind die stillen ruhigen oft die Klügeren. Langfristig schafft ihre Strategie sicher mehr Sympathien als eine hemdsärmlige Ellenbogenmentalität. Doch wirkliche Unabhängigkeit von sozialen Bewertungen und damit Befreiung vom Prestigedenken bringt nur die selbstgewählte Einsamkeit. Denn wie ich bereits ausführte liegt dieser Geltungsdrang tief in unseren Genen verwurzelt. Vielleicht ist er auch ein notwendiges Element zur Verhaltenssteuerung. Wie sonst könnte man eine Gesellschaft darauf konditionieren, so einheitlich zu handeln, wie wir es tun? |
| Menedemos | Also diese Maslowsche Pyramide ist ja ein ganz nettes Gedankenexperiment, aber die Wirklichkeit scheint mir doch viel komplexer zu sein. Ich denke nur an Künstler, die sich selbstverwirklichen wollen und dabei Hunger leiden. War es nicht van Gogh, der am Essen sparte, um sich Farben kaufen zu können? Auch scheint mir selbst die höchste Stufe nicht anderes wiederzugeben als Prestigedenken. Denn das Wort "Selbstverwirklichung" verrät sich ja schon durch den Bestandteil "selbst"! Das Bild, das Demon zeichnet, habe auch ich vor Augen: Universitätsprofessoren mit teilweise sehr beeindruckendem Intellekt. Und dann muß man beobachten, für was sie ihn vornehmlich einsetzen: Um ihr eigenes Ego ständig zu polieren, um andere auszustechen, um immer mehr Ansehen kämpfen und gleichzeitig ihre tiefen Ängste verdrängen, selbst einmal der Unterlegene zu sein. Dieses kindische, archaische, primitive Spiel mitanschauen zu müssen enttäuscht mich, ja widert mich an. Und erregt in mir Zweigel über die Zukunftsfähigkeit der Menschheit. Gibt es denn keine höheren Ziele, denen man sein Leben widmen kann? Aber welche? |
| MagnusCaudar(Bw | "Dieses kindische, archaische, primitive Spiel mitanschauen zu müssen enttäuscht mich, ja widert mich an. Und erregt in mir Zweigel über die Zukunftsfähigkeit der Menschheit. Gibt es denn keine höheren Ziele, denen man sein Leben widmen kann? Aber welche?" Nun Prestige ist Teil von höheren Zielen ... Ohne Prestige folgt keiner demjenigen mit Zielen ... |
| Indian | Prestige ist wenn man mal alles was man gelesen ,gehört oder Glaubt zu wissen vergisst.und sich so nimmt wie man ist.. |
| Morag of Nimes | Ich muss ehrlich gestehen, dass ich nicht weiß, was der letzte beitrag zum thema beiträgt. aber vielleicht liegt das ja auch an mir. Zum Thema: Wie hier schon mehrfach geäußert wurde, ist auch für mich Prestige eine Art konkurrenzkampf. nachdem man sich nicht mehr die Köpfe gegenseitig einschlagen konnte um machtfragen oder Ansehensfragen zu klären, musste man sich ja etwas neues einfallen lassen - warum also nicht Prestige als messlatte? Zum anderen kann der Mensch bei unserem Gesellschaftssystem der Prestigesucht auch gar nicht entkommen. immerhin leben wir im kapitalismus; und dort wird uns doch jeden tag vorgegeben, dass man nur etwas gilt wenn man das und das auto fährt und die und die frühstücksflocken isst! Und da dies nun schon ziemlich tief in den Menschen verwurzelt ist, können sie es auch nicht mehr abschalten! |
| skywalker | Ältere Threads haben immer noch was zum bieten. |
| Valenvaryon | Meiner Meinung nach können Menschen in bestimmten Kreisen (d.h. sehr enger Freundeskreis) sehr wohl ohne Prestige leben. Im Ganzen gesehen jedoch is dies kaum vorstellbar, das sieht man auch am Untergang des Kommunismus. Rein THEORETISCH die perfekte Gesellschaftsordnung...nur da die meisten/alle(???) Menschen den Drang haben sich aus der Masse abzuheben ist dies leider, oder wie ich finde zum Glück nicht praktikabel. Denn der Unterschied zwischen uns macht das Leben erst lebenswert. - was meint ihr? - mfg Valenvaryon |