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  Forum: Platz der Philosophen
    Thema: Kommunikation
KrixxIm Thema true/untrue/Mitläufer hat sich ein neues Thema herausgebildet und ich dachte mir, bevor in dem anderen Thema zuviel Chaos reinkommt, mach ich lieber ein neues Thema auf.

Hier nochmal:
Es gibt viele Wörter, die man nicht befriedigend oder engültig definieren kann. Eben auch solche, die unter einem steten Wandel stehen. Und ob eine Definition richtig ist, hat nichts damit zu tun, dass die Mehrheit das so sieht, sondern dies ist eher institutionalisiert, denken wir an den Duden. Wenn die Mehrheit etwas als richtig ansieht, dann bestehen lediglich gute Chancen, dass dies übernommen wird. Ein Beispiel: Wie definierst du Würde? Sogar unser Grundgesetz ist insofern angreifbar, dass es diesen "unantastbaren" Begriff nicht definiert. Das Problem bei Würde ist, dass es ein sehr abstrakter Begriff geworden ist.

Zitat v. Fayver:
[QUOTE]Nagut es stimmt schon bei manchen Wörtern gibt es Definitionssschwierigkeiten.Aber das ändert nichts daran das man man von der Bedeutung eines Wortes weiß wenn man es benutzt.Wenn man ein Wort benutzt geht man davon aus das man selber und sein Gegenüber das Wort kennen,wie sollte man das Wort sonst benutzen.Die Kommunkation setzt doch voraus das das einzelne Wort ein Begriff für beide Kommunizierende ist. Wenn man einen Wort benutzt muss man das Wort definieren können,es kann Unklarheiten geben ,aber man muss ein Wort erklären können. Man einigt sich auf die Bedeutung von Wörtern,das kann eine einzel Person sein die einem Wort eine Bedeutung gibt oder eine Gruppe.[/QUOTE]

Ein Zitat von einem, ich glaube, römischen Kaiser war: "Wenn ich nicht gefragt werde weiß ich es, wenn aber jemand fragt, dann weiß ich es nicht."
Man kennt das doch, man benutzt ein Wort, das einem geläufig ist, wenn man aber gefragt wird, dann kann man einfach nichts oder nur schwer erklären.
Und was das benutzen eines Wortes angeht. Ich glaub man kann nur erwarten, dass der andere das weiß. Problematisch ist, dass sich manche nicht trauen nachzufragen, wenn sie mal ein Wort nicht wissen.

Und was ist mit Wörtern mit mehrern Bedeutungen.

Also ich glaube, die Sache mit der Kommunikation ist schwerer als man glaubt und man weiß nie, wie eine solche endet.

Was sind da eure Erfahrungen bzw. kennt ihr Wörter, bei dem man davon ausgehen kann, dass viele das anders verstehen als man selbst?
Sozio.path.inDas ist wohl nicht nur bei Wörtern so. Beispielsweise die dunkle Szene. wir wissen, was sie ist, können sie aber niemandem erklären.
Unleashed DemonNun, ich habe das öfter mal, dass ich mich wenn ich ein normales, allgemein gültiges wort, dessen Bedeutung jeder kennt benutze, auf einmal frag wie ich dieses Wort einem völlig unvoreingenommenen Kind erklären würde.

Manchmal fallen mir dann gute erklärungen ein, aber oft genug auch nich.

Beispiele bringe ich, wenn mir welche einfallen :D
TrauerwesenGerade abstrakte Begriffe zeigen gut, dass man nicht alles genau definieren kann, und gerade, wenn man etwas nicht sehen kann, um das Bild auf das Wort zu übertragen, dann entsteht die Semantik in einem drin. Sicherlich lernt man mit der Zeit, was diese Worte bedeuten, aber gerade bei Begriffen, die kein Abbild von etwas fassbares bedeuten, gibt es sicherlich feine Unterschiede.

Im übrigen gibt es diese Unterschiede bereits in verschiedenen Sprachen; für einen normalen Deutschen gibt es viele Bekannte, und einige Freunde. Ein Ami (oder sontiger englischsprachiger) kennt diese Differenzierung nicht, er kennt keine Bekannte, da ist man gleich Freund. Also stelle man einen Ami und einen Deutschen gegenüber: Jeder würde Freund anders definieren, eben weil für einen Deutschen mehr dazu gehört. Im groben stimmen sie überein, aber es gibt doch dann Definitionsunterschiede bei den Feinheiten.
judgedreddEin Problem sehe ich an den Grad eines Eigenschaftswortes was die Kommunikation erschwert. Wenn das Thema "was ist ein guter Mensch?" lauten würde, dann haben viele Menschen verschiedene Maßstäbe in der Hinsicht, die aus ihren Erfahrungen herausgefiltert werden.
Montrose... was aber kein Problem des unterschiedlichen Sprachgebrauchs, sondern des unterschiedlichen Erlebens ist.


Daß Sprache so furchtbar mißverständlich sein soll, ist im akademischen Bereich ein beliebtes Thema und mag dort seinen Sinn haben.

Annahmen, was der andere meint .... und die Mißverständlichkeit solcher Annahmen ereignen sich aber auch, wenn man alle Leuten den Mund zukleben würde und es demnach überhaupt keine sprachliche Kommunikation gäbe.

Umgekehrt, wenn die Leute reden, weiß man ja immer noch nicht, ob die Aussagen eine Lüge darstellen.


Mal nochmals zu den threads: wenn hier über "gut" und "böse" oder daß es so etwas doch gar nicht gibt, diskutiert wird, dann sehe ich eigentlich weniger die Worte oder exakten Definitionen, als vielmehr die Lebensentwürfe, die sich in solchen Worten reflektieren.

Ob "das Böse" jetzt ein Dämon ist oder das Es oder als dieses oder jenes definiert wird, ist eigentlich wurscht. Entscheidend ist eher, was da an Sym-/Antipathien oder Sozialverhalten daraus resultiert.
MenedemosDas Problem bei Definitionen ist immer, daß sie Sachverhalte vollständig erfassen wollen, die in der Realität fast immer fließende Ränder haben.

Nehmen wir z.B. die Wikipedia-Definition eines Baumes:

"Als Baum wird in der Botanik eine ausdauernde (mehrjährige) Pflanze bezeichnet, die einen deutlich erkennbaren aufrechten verholzten Stamm besitzt, der aus einer Wurzel emporsteigt und an dem sich oberirdisch Äste befinden, die wiederum Zweige, Blätter und Blüten ausbilden. Die Zweige verlängern sich jedes Jahr durch Austreiben von Endknospen, verholzen dabei und nehmen kontinuierlich an Dicke und Umfang zu. Das besondere Merkmal des Baumes ist, dass sein holziger Stamm erst in einer gewissen Höhe eine aus blättertragenden Ästen bestehende Krone entwickelt."

Jeder von uns weiß, was ein Baum ist.
Aber wenn er ihn definieren soll, kommt er in Schwierigkeiten. Sogar die obige kurze Definition würde wohl die Fähigkeiten eines Nichtbotanikers in der Regel übersteigen. Wissen wir also doch nicht, was ein Baum ist?

Sind z.B. Büsche auch Bäume?
Manche Pflanzen können sowohl buschartige als auch baumartige Formen annehmen.

Wann ist ein Stamm "deutlich erkennbar" aufrecht und verholzt??

Wie steht es mit den Bäumen der Karbonzeit, die die Steinkohlenwälder bildeten. Sie waren KEINE Blütenpflanzen, wie es oben heißt, sondern Schachtelhalme, Farne oder Bärlappgewächse. Sie sahen aber einem Baum verdammt ähnlich und werden meist auch als Bäume bezeichnet.

Ich denke, das einzige, was man tun kann, ist einen "Ideal-Baum" zu definieren, und alles, was davon abweicht, ist dann eben zu 70% oder zu 50% ein "Baum" und die Sinnhaftigkeit der Verwendung des Begriffs hängt vom Gesamtzusammenhang ab.

Definitionen, die etwas naturgegebenes vollständig erfassen und von benachbartem abgrenzen wollen, scheitern in der Regel.
Zwar hat man dann eine exakte Definition, aber sie schließt manches aus, was man eigentlich gar nicht ausschließen wollte. Damit gerät die Definition zum Selbstzweck.

Nur in Ausnahmefällen, in der Mathematik z.B., kann es solche ganz exakten Definitionen geben, etwa die eines Kreises. Entweder ist ein geometrische Objekt ein Kreis oder aber nicht. Da gibt es keine Zwischenstufen.

Soweit meine - zugegeben etwas hemdsärmelige - Meinung.
MenedemosNoch ein Nachtrag: Bevor man überhaupt etwas definiert, sollte man sich fragen, ob eine exakte Definition dem Sachverhalt überhaupt gerecht wird. Das ist m.E. nicht der Fall, wenn die Übergänge zu Benachbartem sehr fließend sind.

Ansonsten sollte man Eigenschaften angeben, die für ein "Ideal" typisch sind und muß dann halt im Einzelfall entscheiden, ob der Begriff für eine Übergangsform noch sinnvolle Anwendung finden kann.

Beispiel des "Gothics":

Der Ideal-Gothic hört Gothic-Musik, ist leicht schwermütig, in sich gekehrt, von tiefgründigen Gedanken bewegt, trägt schwarze Kleidung, schminkt sich gerne übermäßig, etc...

Kaum einer hat alle von den "typischen" Eigenschaften, die sich manchmal sogar widersprechen können. Trotzdem ist die Verwendung des Begriffs "Gothic" durchaus sinnvoll, solange man nur nicht versucht, ihn exakt definieren zu wollen.

So, und jetzt ist der Anpfiff und tschüß... :p
Demon17Wirklich unzweideutige Begriffe gibt es meiner Meinung nach nur in wissenschaftlichen Theoriesprachen, die von einem einzigen Autor geprägt werden. Ein System sich gegenseitig definierender Begriffe, definiert den Kontext in dem der einzelne Terminus gebraucht werden kann. Jede Dekontextualisierung eines Begriffes, mit der ja immer eine Neukontextualisierung verbunden ist, verändert dessen Konnotation. Ich hatte schon im zweiten Semester das Vergnügen eine Debatte zu referieren, in der die Konnotationen der Begriffe Struktur und Prozess nahezu ausgetauscht wurden.

never surrender

demon17
malicia[QUOTE][i]Original geschrieben von Demon17 [/i]
[B] Jede Dekontextualisierung eines Begriffes, mit der ja immer eine Neukontextualisierung verbunden ist, verändert dessen Konnotation. [/B][/QUOTE]

Aber wenn sich die Konnotation eines Wortes ändert, ändert sich doch auch die allgemeine Definition der eigentlich Wortbedeutung und das Wort verliert seinen eigentlichen Sinn. Dieses Phänomen beschreibt sozusagen eine Wortevolution, bei der das Wort durch Verschiebung der Konnotation, und später des eigentlichen Sinns, und Einflüssen anderer Sprachen verursacht wird. Diese 'Evolution' wird zudem noch von einer Verschiebung des Wertes abstrakter Begriffe wie 'Würde', 'Ehre' oder auch 'Freundschaft' beeinflusst wird.

Also ist das Wort ein eher fragiles Fundament einer Konversation.
Allerdings kann eine Konversation ohne Worte nicht existieren, da sie durch dieses definier wird.

Zudem kann eine Konversation immer nur im Kreise Eingeweiter stattfinden, da jene mit herrschender Definition jener Worte vertraut sind. Das ist der Effekt der 'Sprache'. Wird eine Konversation sprachübergreifend geführt, entsteht folglich eine neue, da Außenstehende, die beispielsweise nur eine jener verwendeten Sprachen sprechen, die Aussage der Konversation nicht verstehen.
deadeyeSicherlich wird die englishe Sprache als Weltsprache anerkannt, trotzdem ist es immmer wieder wichtig bei z.B. internationalen Politiktreffen das es Dolmetscher gibt und diese können sehr leicht eine Kommunikationsstörung,auch als Konfusion bezeichnet, verursachen. Man bedenke, dass dieser Dolmetscher in Bruchteilen von Sek. Sprache A in Sprache B richtig übersetzen und interpretieren muss, dass dies keinem Dolmetscher auf der Welt immer gelingt ist logisch und das eine Macht und Verantwortung mit diesem Beruf in Verbindung steht kann schnell Auswirkungen auf die Kommunikationebene verschiedener Sprachen haben.
Um ein kleines Bsp. anzuführen :
Burro bedeutet auf italienisch Butter, auf Spanish aber bedeutet es Esel, sicherlich ist dieses Wort nicht im Bezug auf den Dolmetscher wichtig, doch sollte es uns aufzeigen,dass jede Sprache auch eine eigene Wirklichkeit hat, und deshalb Kommunikation zwischen verschiedenen Sprachen sehr schnell Sinnverzerrend werden kann.

Mfg deadeye

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