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  Forum: Platz der Philosophen
    Thema: Und Nietzsche weinte
SeelentraumHallo zusammen,

In "Und Nietzsche weinte" führt Yalom zwei Thesen Nietzsches auf, die sich auf metaphysischen Grundsätzen stützen:

"dass die Zeit unendlich sei, und dass die Energie (der Urstoff des Universums) endlich sei. Gehe man von einer endlichen Zahl möglicher Zustände der Welt aus und einer unendlichen Spanne verstrichener Zeit, dann folge hieraus, so Nietzsche, dass alle möglichen Zustände bereits eingetreten sein müssten und das der gegenwärtige Zustand eine Wiederholung darstelle, genauso wie der, aus dem er hervorgegangen sei, und der, der aus ihm hervorgehen werde, und so weiter und so fort, zurück in die Vergangenheit wie voraus in die Zukunft."

Nun, der Gedanke an einen deratigen Umstand scheint bei Weitem meine Vorstellungskraft und auch meinen geistigen Horizont zu überschreiten. Angsteinflösend, wenn ich bedenke, dass alles was ich erlebte, erlebe und erleben werde nichts als Wiederholungen sind. Verrückt, wenn ich eine mögliche Handlung bewusst und spontan gegenteilig vollziehe, nur um festzustellen, dass die Folge kein neuer Zustand zu sein scheint. In diesem Kontext erscheint die Einzigartigkeit als völlig überflüssig. Ein leeres Wort. Einzigartig wäre in diesem Sinne lediglich die Zeit und die Begrenztheit der möglichen Zustände.

Mein Denken setzt nun am "Anfang" an. Angenommen, die Zeit und der damit erste verbundene Zustand sind parallel (um den Ausdruck "zeitgleich" zu vermeiden) entstanden. Wie kommt Nietzsche darauf, dass wir die Zahl der möglichen Zustände bereits erreicht haben? Wann ist die Endlichkeit der Zustände gegeben?

Ich drehe mich im Kreis, wer bringt mich wieder auf die Gerade?
Sadujan"Gerade" ist aber ein guter Stichpunkt ;) Stell dir die Zeit vor wie in der Geometrie eine Gerade. Eine Linie hat Anfangs- und Endpunkt, ein Strahl nur einen Anfangspunkt und geht dann ins Unendliche, eine Gerade läuft in beide Richtungen ins Unendliche. Wir können zwar einen beliebigen Punkt auf der Gerade als Nullpunkt deklarieren, das ändert aber nichts daran, dass die Gerade in beide Richtungen ins Unendliche geht. Hilft dir das beim Vorstellen?

Angsteinflößend finde ich das nicht, eher sehr beruhigend. Mein Menschenbild ist, denke ich, nunmal sehr nietzscheanisch.
XenomorphIch denke im Prinzip dasselbe...es ist alles schon dagewesen, wahrscheinlich schon unzählige Male zuvor, und wird sich wieder so ereignen, ohne die geringste Möglichkeit, den festgelegten Ablauf der Dinge zu ändern...Nietzsches "ewige Wiederkehr des Gleichen" als geistiges Fudament des Nihilismus...alle Geschichtsbücher sind längst geschrieben worden, jeder hat darin seine Rolle, die nur für ihn bestimmt ist...alles was geschehen kann, ist bereits geschehen und demnach ist nichts von dem was ich tue oder nicht tue, in irgendeiner Weise wichtig...weil das Ergebnis, wie auch immer es aussieht, schon längst feststeht...ich bin nur ein Erfüllungsgehilfe, ein willenloser Vollstrecker des Schicksals...
AnaximanderIch finde diesen Gedanken von Nietzsche eher albern.

Und zwar aus folgenden Gründen:

Erstens ist das keine philosophische, sondern eine kosmologische Überlegung, und daher eine empirische Frage, und nichts, das in den Kompetenzbereich eines Philosophen gehören würde.

Zweitens sieht es heute ja tatsächlich eher schlecht aus für die Option eines ewigen Universums, da das Universum den besten Theorien zufolge mit dem Urknall angefangen hat und mit dem Wärmetod enden wird. Ich weiß: Es gibt auch die Theorie des geschlossenen Universums und die Idee der multiplen Welten, aber das sind eher unwahrscheinliche Möglichkeiten.

Drittens hat irgendein Mathematiker aufgezeigt, dass es selbst unter Nietzsches Bedingungen möglich ist, dass derselbe Zustand niemals wiederkehrt. Ich weiß zwar nicht genau, wie die Beweisführung aussah, aber es zeigte ziemlich glaubwürdig, dass Nietzsche sich verrechnet hat.

Viertens: Selbst wenn es stimmt, und alles bereits unendlich oft dagewesen ist und unendlich oft wiederkehren muss, frage ich mich - was kümmert's mich? Da ich keinerlei Erinnerungen an die letzten male habe, so ist es subjektiv betrachtet auch tatsächlich das erste (und auch das einzige und letzte) mal. Nur wenn Erinnerung besteht, hätte es irgendeine Relevanz für mich, wenn sich die Chose wiederholt. Da das aber nicht der Fall ist, ist es für mich völlig ohne Bedeutung.

Fünftens: Wenn Nietzsches Behauptung richtig sein sollte, dann übersieht er, dass seine Theorie eine noch viel bedeutsamere Implikation hat als nur die ewige Wiederkehr des Gleichen. Denn es kehrt ja nicht nur der jetzige Zustand wieder, sondern ALLE naturgesetzlich möglichen Zustände treten unendlich oft ein. D.h. es wird noch unendlich oft eine Welt geben, in der ich der Herrscher der Erde oder ein religiöse Fundamentalist bin.

Das führt natürlich auf die (viel interessantere) Frage nach den Kriterien personeller Identität: Wie stark darf die Person in der anderen Welt von mir abweichen, damit man noch sagen kann, dass ich das bin? Vielleicht kann man sie selbst dann nicht als mit mir identisch bezeichnen, wenn sie mit mir exakt übereinstimmt, weil zwischen ihr und mir keinerlei Kontinuität besteht? Und dann könnte es mir sowieso egal sein, dass in der Zukunft ein Mensch rumläuft, der mit mir genau übereinstimmt. Da nicht ich das wäre, wäre mir das weder Trost noch Fluch.
Über diese wesentlich interessantere Frage hätte Nietzsche nachdenken sollen - und nicht über diese kosmologische Science Fiction.
Sadujan[QUOTE][i]Original geschrieben von Xenomorph [/i]
ich bin nur ein Erfüllungsgehilfe, ein willenloser Vollstrecker des Schicksals...[/QUOTE]

Das ist jetzt aber eine arg negative Sichtweise... :rolleyes: Nur weil etwas schon vorher feststeht, heisst es noch lange nicht, dass man selbst willenlos wäre.
Wenn mein Wille stark ist und ich alle nötigen Möglichkeiten habe, ihn durchzusetzen, dann ist steht es doch fest, dass sich mein Wille erfüllt, einfach, weil er machtvoll genug ist. - Wille und Schicksal schließen sich also gar nicht gegenseitig aus, sondern gehören in meiner Weltsicht sogar sehr fest zusammen. Das Schicksal steht insofern fest, dass es Gesetz ist, dass sich der machtvolle Wille immer durchsetzt und jeder Wille zu jedem Zeitpunkt eine bestimmte Macht besitzt.
Ich bin also eher ein schicksalhafter Vollstrecker meines Willens... und wenn sich das Schicksal ewig wiederholt, dann wird sich mein Wille in alle Ewigkeit immer wieder aufs Neue durchsetzen - und das finde ich nicht beängstigend, sondern vielmehr extrem geil :cool:

Liebe Grüße
Sad
Seelentraum[QUOTE][i]Original geschrieben von Anaximander [/i]
[B]Ich finde diesen Gedanken von Nietzsche eher albern.

Und zwar aus folgenden Gründen:

Erstens ist das keine philosophische, sondern eine kosmologische Überlegung, und daher eine empirische Frage, und nichts, das in den Kompetenzbereich eines Philosophen gehören würde.
[/B][/QUOTE]
Nun, ich denke schon, dass sich einige Philosophen mit kosmologischen Fragen auseinandergesetzt haben, und dies auch zurecht taten. Philosophie behandelt auch die Stellung des Menschen im Universum. So kommt man um derartige Fragestellungen nicht immer umhin.

[QUOTE][i]Original geschrieben von Anaximander [/i]
[B]
Drittens hat irgendein Mathematiker aufgezeigt, dass es selbst unter Nietzsches Bedingungen möglich ist, dass derselbe Zustand niemals wiederkehrt. Ich weiß zwar nicht genau, wie die Beweisführung aussah, aber es zeigte ziemlich glaubwürdig, dass Nietzsche sich verrechnet hat.
[/B][/QUOTE]
Vielleicht erinnerst Du Dich doch noch an den Namen?

[QUOTE][i]Original geschrieben von Anaximander [/i]
[B]
Viertens: Selbst wenn es stimmt, und alles bereits unendlich oft dagewesen ist und unendlich oft wiederkehren muss, frage ich mich - was kümmert's mich? Da ich keinerlei Erinnerungen an die letzten male habe, so ist es subjektiv betrachtet auch tatsächlich das erste (und auch das einzige und letzte) mal. Nur wenn Erinnerung besteht, hätte es irgendeine Relevanz für mich, wenn sich die Chose wiederholt. Da das aber nicht der Fall ist, ist es für mich völlig ohne Bedeutung.
[/B][/QUOTE]
Nietzsche geht es dabei, wie so oft, die Fähigkeit zu entwickeln einen derartigen Gedanken zu denken, ihn in sich aufzunehmen. Um dann die Implikationen der ewigen Wiederkehr für das eigene Leben zu bedenken im Hier und Jetzt. Ergo gehen Nietzsches Ausführungen dahin, dass man jede Entscheidung, die man im Leben trifft, in alle Ewigkeit zu treffen bereit sein müsste. Und genau so verhält es sich für alle unterlassene Taten.
"Und alles ungelebte Leben wird ewig in Ihnen rumoren, ewig ungelebt".
Für mich steckt darin der Grundtenor, den Mut aufzubringen, die eigenen Überzeugungen zu hinterfragen und evt. auch zu ändern.

[QUOTE][i]Original geschrieben von Anaximander [/i]
[B]
Fünftens: Wenn Nietzsches Behauptung richtig sein sollte, dann übersieht er, dass seine Theorie eine noch viel bedeutsamere Implikation hat als nur die ewige Wiederkehr des Gleichen. Denn es kehrt ja nicht nur der jetzige Zustand wieder, sondern ALLE naturgesetzlich möglichen Zustände treten unendlich oft ein. D.h. es wird noch unendlich oft eine Welt geben, in der ich der Herrscher der Erde oder ein religiöse Fundamentalist bin.
[/B][/QUOTE]
Genau das impliziert doch seine Denkweise ;-) Er spricht ja nicht davon, dass sich ein Zustand lediglich ein mal wiederholt. Die endliche Anzahl an möglichen Zuständen kann unendlich oft in der unendlichen Spanne der Zeit auftreten. Eine Endlosschleife mit gleichbleibenden Inhalten.

[QUOTE][i]Original geschrieben von Anaximander [/i]
[B]
Das führt natürlich auf die (viel interessantere) Frage nach den Kriterien personeller Identität: Wie stark darf die Person in der anderen Welt von mir abweichen, damit man noch sagen kann, dass ich das bin? Vielleicht kann man sie selbst dann nicht als mit mir identisch bezeichnen, wenn sie mit mir exakt übereinstimmt, weil zwischen ihr und mir keinerlei Kontinuität besteht? Und dann könnte es mir sowieso egal sein, dass in der Zukunft ein Mensch rumläuft, der mit mir genau übereinstimmt. Da nicht ich das wäre, wäre mir das weder Trost noch Fluch.
Über diese wesentlich interessantere Frage hätte Nietzsche nachdenken sollen - und nicht über diese kosmologische Science Fiction.
[/B][/QUOTE]
Ein Zustand ist, denke ich, immer eindeutig. Bestünde eine mögliche Kontinuität würde das Unsterblichkeit bedeuten. Und darum ging es Nietzsche ganz bestimmt nicht. Unsterblich ist das Hier und Jetzt.
"Dieser Moment dauert ewig, und Sie allein sind Ihr ganzes Publikum".


Angenommen, die endlich möglichen Zustände bilden den Rahmen des Schicksals und ich kann mich willkürlich für einen entscheiden, ja, dann ist es ein Ding der Unmöglichkeit, dass sich Wille und Schicksal ausschließen. Allerdings sind der Wille und die dazu nötigen Mächte ebenso endlich, und macht mich das nicht wiederum gewissermaßen willenlos?
Kinch[QUOTE][i]Original geschrieben von Xenomorph [/i]
Nietzsches "ewige Wiederkehr des Gleichen" als geistiges Fudament des Nihilismus...[/QUOTE]

Es ist wohl doch eher das Fundament des Fatalismus. Den Nihilist will nicht nichts ändern weil er nichts ändern kann, sondern weil er auf alles indolent blickt. Der Fatalismus glaubt daran dass seine Entscheidungen keinen, wie auch immer gearteten, Einfluss haben werden.

[QUOTE][i]Original geschrieben von Anaximander [/i]
Zweitens sieht es heute ja tatsächlich eher schlecht aus für die Option eines ewigen Universums, da das Universum den besten Theorien zufolge mit dem Urknall angefangen hat[...]
Drittens hat irgendein Mathematiker aufgezeigt, dass es selbst unter Nietzsches Bedingungen möglich ist, dass derselbe Zustand niemals wiederkehrt.[/QUOTE]

Trotzdem kann man das Theorem retten, dazu muss man es nur etwas erweitern. Ein dem Urknall gleiches Ereignis könnte auch weitere Universen geschaffen haben. Da Zeit vermutlich nur innerhalb eines Universum eine Endlichkeit besitzt, respektive überhaupt existiert kann man daher leicht annehmen dass es bereits eine unendliche Anzahl andere Universen gibt. Allerdings nicht zu verwechseln mit der Multiversen Theorie, ich meine nicht dass es Paralleluniversen gibt die sich von einem Ur-Universum abspalteten, sondern in einer Art Hyperraum eine unbegrenzte Menge, zufällig entstehender unabhängiger Universen.
Geht man - zugeben höchst willkürlich - davon aus, dass nur endlich viele unterscheidbare Universen gibt, kann somit das Prinzip der Ewigen Wiederkehr erhalten bleiben.

Dass es bei einer endlichen Anzahl an unterscheidbaren Zuständen nicht zwangsläufig alle wiederholt werden müssen, leuchtet mir auch ohne Mathematik ein. Wenn man davon ausgeht, jedes entstehende Universum wäre ein unabhängiges Zufallsexperiment folgt daraus zwingend dass jedes Ergebnis dieses Experiments unendlich oft auftritt. Ich wüsste aber keinen zwingenden Grund, warum hier unbedingt ein Zufallsexperiment statt finden muss. Es könnte auch eine Notwendigkeit geben, dass gewisse mögliche Zustände endliche Male oder niemals auftreten.

[QUOTE][i]Original geschrieben von Anaximander [/i]
Erstens ist das keine philosophische, sondern eine kosmologische Überlegung, und daher eine empirische Frage, und nichts, das in den Kompetenzbereich eines Philosophen gehören würde.[/QUOTE]

Auch ich halte die Philosophie per se für denkbar ungeeignet empirische Aussagen aus reinen Überlegungen heraus zu produzieren. Aber wenn ein Aristoteles darüber sinniert warum einige Objekte zur Erde fallen, während andere am Himmel fliegen, finde ich dass schon eine legitime Frage für einen Philosophen. Ich denke die strikte Trennung von Wissenschaft und Philosophie, bzw. die Spezialisierung davon, ist eine relativ junge Entwicklung und kann man Nietzsche selbst nicht vorwerfen.

Aber ganz davon abgesehen, finde ich die von Seelentraum zitierte Aussage über Nietzsches Prinzip der Ewigen Wiederkehr nicht optimal.
Denn Nietzsches Prinzip der ewigen Wiederkehr des Gleichen halte ich nicht für eine kosmologische Aussage sondern für eine Anthropologische. Alles was geschieht wird immer wieder geschehen, wird immer wieder geschehen, wird immer wieder geschehen.
Und in weiten Teilen der menschlichen Existenz mag dass auch stimmen. Hat sich denn seit dem Altpaläolithikum wirklich so viel geändert? Wir erfinden noch immer Waffen, führen noch immer Kriege, wie zeugen noch immer Kinder, lügen, oder verlieben uns – es kehrt eben alles wieder, oder auch: Die Geschichte wiederholt sich immer wieder.
Für Nietzsche folgt in direkter Konsequenz daraus die Bedeutungslosigkeit des Lebens. Denn wenn alles immer wieder geschieht, ist alles gleichsam wertlos. Jedes individuelle Wirken wird vom Prinzip der Wiederkehr früher oder später aufgezehrt. Oder mit seinen Worten: „Die ewige Wiederkehr des Gleichen: Geschichte ist nicht finalistisch, es gibt keinen Fortschritt und kein Ziel.“
Dazu sollte man sich auch immer vor Augen halten was für ein Leben er führte. Er vereinsamte total, für „Also sprach Zarathustra“ fand er nicht einmal mehr einen Verleger. Laut Nietzsche konnte nur der Übermensch das Prinzip des ewigen Wiederkehr aushalten, der letzte Mensch jedoch wird immer wieder nach Ersatzgötter, die ihnen in der bedeutungslosen Existenz einen Sinn geben sollen, suchen.
Ich persönlich denke, der Übermensch ist in vielen Teilen nur ein Ideal Nietzsches von dem er sich hoffte, mit seiner Erfüllung auch das eigene Leben meistern zu können. Er wollte sich vielleicht ein Wesen zu eigen machen, dass über die Schicksalsschläge und Sinnlosigkeit der Existenz mit ewiger Gleichgültigkeit triumphieren kann.

Eine etwas andere Betrachtungsweise dieses Prinzips findet sich übrigens in Milan Kunderas wunderbarem Buch: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins.
In gewisser Weise invertiert er nämlich Nietzsches Implikationen aus der ewigen Wiederkehr: Für Kundera ist das Einmalige das eigentlich Bedeutungslose, während die ewige Wiederkehr auch eine ewige Verantwortung für die eigene Taten impliziert. Wir können nur deshalb unberührt von den Verbrechen der Vergangenheit lesen, weil wir den Glauben haben sie wären ein einmaliges Ereignis.
LichtbruchWelch interessanter Thread.Auch mir ist dieses geniale Buch bekannt.

Nietzsche war schon ein schwieriger Mann.
Zwar verstehe ich vieles und hab etliches vor dem Lesen seiner Werke selbst bemerkt,doch ich denke noch bin ich zu jung um alles zu verstehen und verarbeiten zu können.Es gibt viel zu lernen auf dieser Welt.
------
Selbst wenn es stimmt, und alles bereits unendlich oft dagewesen ist und unendlich oft wiederkehren muss, frage ich mich - was kümmert's mich?

by Anaximander


Auch ich habe einmal selbst darüber nachgedacht als ich jünger war. Wir sind gar nicht in der Lage auch nur annähernd darüber urteilen zu können.
Wir vereinfachen uns Dinge einfach und setzen vieles voraus.
Das Wort Zeit hat der Mensch erfunden und das Wort Energie.
Alles scheint mir mehr fiktiv,wir sehen alles noch so oberflächlich und begrenzt.
Ich meine,das Universum entstand...aus was? Aus dem Nichts?
Keiner mag eine Antwort uns geben!
Und wenn alles schon einmal gewesen ist,warum nicht?
Ewige Wiederkehr und?
Wir sind doch nicht gefangen im Wissen,dass es so ist.
Weisst du was du morgen machst?

Ich denke,wir dürfen uns noch gar kein Urteil über das erlauben.
Wir denken nur darüber nach und es war nur ein Gedanke von Nietzsche...wie einst auch von mir.

Die Frage um seine Existenz im Universum.
SchlafenderMond[QUOTE][i]Original geschrieben von Kinch [/i]
[B]
Ich persönlich denke, der Übermensch ist in vielen Teilen nur ein Ideal Nietzsches von dem er sich hoffte, mit seiner Erfüllung auch das eigene Leben meistern zu können. Er wollte sich vielleicht ein Wesen zu eigen machen, dass über die Schicksalsschläge und Sinnlosigkeit der Existenz mit ewiger Gleichgültigkeit triumphieren kann.
[/B][/QUOTE]

Möglich, aber wenn man folgenden Aphorismus in Beziehung zum Gedanken der ewigen Wiederkehr setzt, dann scheint mir dieser alles andere als die gleichgültige Betrachtung des Lebens oder die Bedeutungslosigkeit der Dinge zur Konsequenz zu haben.

[FONT=times new roman]"Es ist ganz und gar nicht die erste Frage, ob wir mit uns
zufrieden sind, sondern ob wir überhaupt irgend womit
zufrieden sind. Gesetzt, wir sagen ja zu einem einzigen
Augenblick, so haben wir damit nicht nur zu uns selbst,
sondern zu allem Dasein ja gesagt. Denn es steht nichts
für sich, weder in uns selbst noch in den Dingen: und
wenn nur ein einziges Mal unsre Seele wie eine Saite vor
Glück gezittert und getönt hat, so waren alle Ewigkeiten
nötig, um dies [I]Eine[/I] Geschehen zu bedingen - und alle
Ewigkeit war in diesem einzigen Augenblick unseres
Jasagens gutgeheissen, erlöst, gerechtfertigt und be-
jaht."[/FONT]

Auch wenn die Geschichte der Menschheit sich für immer wiederholt und niemals einen vorgegebenen Sinn haben wird, so erhält dieses Ausharren im Gedanken der ewigen Wiederkehr doch einen Nutzen.
Nur wird möglicherweise dem Abklingen eines höchsten Augenblickes ein bitterer Nachgeschmack folgen, möglicherweise auch tiefste Dankbarkeit, wenn man sich ins Gedächnis ruft, welche Ereignisse man über die gesamte Geschichte der Menschheit in jenem Augenblick unbewusst bejahte.
Demon17Ich denke diese Frage läßt sich erst beantworten, wenn wir uns über den Begriff der Zeit klar geworden sind. Denn was ist Zeit anderes als die Dauer von (Astronomischen-)Prozessen? Wir Messen sie anhand der Kreisbahn der Erde um die Sonne. Der Rotation der Erde usw. Wenn Zeit jedoch nichts anderes ist als die Dauer eines Prozesses und jeder Prozess irgendwann endet, so sagt es jedenfalls die Astrophysik, dann ist Zeit endlich, bzw. unser Zeitbegriff ist es. Bevor wir aber das Wesen der Zeit nicht in Bezug auf die Unendlichkeit definieren können, ist Ewigkeit eine hohle Phrase ohne Inhalt. Soll heißen, wir stellen uns nicht einmal das Universum als ewig vor. Wir haben aber keine Vorstellung von etwas über das Universum hinaus. Wie sollen wir dann Unendlichkeit begreifen? Welchen Sinn macht es dann die Ewigkeit als a priori vorauszusetzen?
Cthugha[QUOTE][i]Original geschrieben von Demon17 [/i]
[B]Ich denke diese Frage läßt sich erst beantworten, wenn wir uns über den Begriff der Zeit klar geworden sind. Denn was ist Zeit anderes als die Dauer von (Astronomischen-)Prozessen? Wir Messen sie anhand der Kreisbahn der Erde um die Sonne. Der Rotation der Erde usw. Wenn Zeit jedoch nichts anderes ist als die Dauer eines Prozesses und jeder Prozess irgendwann endet, so sagt es jedenfalls die Astrophysik, dann ist Zeit endlich, bzw. unser Zeitbegriff ist es. Bevor wir aber das Wesen der Zeit nicht in Bezug auf die Unendlichkeit definieren können, ist Ewigkeit eine hohle Phrase ohne Inhalt. Soll heißen, wir stellen uns nicht einmal das Universum als ewig vor. Wir haben aber keine Vorstellung von etwas über das Universum hinaus. Wie sollen wir dann Unendlichkeit begreifen? Welchen Sinn macht es dann die Ewigkeit als a priori vorauszusetzen? [/B][/QUOTE]

Also zumindest die Physik definiert Zeit weniger über astronomische als über eher kurzlebige Prozesse, zum Beispiel atomare Schwingungen oder radioaktive Zerfälle. Das ändert allerdings natürlich nichts an der gewissermaßen implizierten Endlichkeit des Zeitbegriffs.

Ob der Zeitbegriff unendlich ist, wissen wir erst, wenn uns klar ist, ob das Universum unendlich ist. Ob es so etwas wie tatsächliche Unendlichkeit wirklich gibt, ist eine Frage, die sich wahrscheinlich nur empirisch beantworten lässt - und zwar dann, wenn es schon niemanden mehr interesssiert.

Aber unabhängig davon habe ich ohnehin Probleme damit, irgendetwas als apriorisch vorauszusetzen, was mehr ist als eine Kategorie, in die wir unsere Wahrnehmungen einteilen können.
Demon17Du meinst die Radium-Carbon-Methode, oder wie das Ding heißt?
Oder die Funkuhren, die ihre Information von einer Atomuhr zugesandt bekommen? Sei`s drum. Ich denke Lichtbruchs Argument [QUOTE]Wir vereinfachen uns Dinge einfach und setzen vieles voraus. Das Wort Zeit hat der Mensch erfunden und das Wort Energie.
[/QUOTE] ist das wir nichts begreifen können für das wir keine Worte haben. Zeit und Energie sind aber nur unzureichende Annäherungen an das Phänomen der Unendlichkeit, bzw. des Ursprungs aller Dinge. Letzteres bezweifle ich persönlich stark, denn wo bleibt da die Materie, die ja auch wiederum ein Energiespeicher ist und somit das Argument der Endlichkeit der Energie in Frage stellt. Zumal unsere Wahrnehmung selbst um die methodische Wissenschaft erweitert nur Bruchteile der realen Phänomene erfaßt. Auch unser Zeitbegriff ist inkompatibel zur Unendlichkeit, respektive Ewigkeit. Denn das Unendliche läßt sich nicht in Abschnitte einteilen, nur das Endliche. Wie Sadujan bereits am Beispiel der Gerade erläuterte.
Seelentraum[QUOTE][i]Original geschrieben von Kinch [/i]
[B]Es ist wohl doch eher das Fundament des Fatalismus. Den Nihilist will nicht nichts ändern weil er nichts ändern kann, sondern weil er auf alles indolent blickt. Der Fatalismus glaubt daran dass seine Entscheidungen keinen, wie auch immer gearteten, Einfluss haben werden.
[/B][/QUOTE]
Mag sein, dass der Nihilismus auf die aufgeführten Zitate nicht ganz passend erscheinen mag, jedoch trifft es der Fatalismus noch weniger. Ich denke, Nietzsche argumentiert genau entgegen Deiner Ausführung, nämlich, dass die Entscheidungen, die wir treffen, immensen Einfluss auf das menschliche Leben haben.

[QUOTE][i]Original geschrieben von Kinch [/i]
[B]
Aber ganz davon abgesehen, finde ich die von Seelentraum zitierte Aussage über Nietzsches Prinzip der Ewigen Wiederkehr nicht optimal.
Denn Nietzsches Prinzip der ewigen Wiederkehr des Gleichen halte ich nicht für eine kosmologische Aussage sondern für eine Anthropologische. Alles was geschieht wird immer wieder geschehen, wird immer wieder geschehen, wird immer wieder geschehen.
[/B][/QUOTE]
Natürlich ist die Quintessenz dem Anthropologischen zuzuschreiben, Nietzsche stützt sich lediglich bezüglich seiner "Beweisführung", die er im Übrigen auch selbst anzweifelte, auf zwei kosmologisch geprägte Thesen.

[QUOTE][i]Original geschrieben von Kinch [/i]
[B]
Ich persönlich denke, der Übermensch ist in vielen Teilen nur ein Ideal Nietzsches von dem er sich hoffte, mit seiner Erfüllung auch das eigene Leben meistern zu können. Er wollte sich vielleicht ein Wesen zu eigen machen, dass über die Schicksalsschläge und Sinnlosigkeit der Existenz mit ewiger Gleichgültigkeit triumphieren kann.
[/B][/QUOTE]
Liegt dieser Umstand nicht in der menschlichen Natur? Unabhängig davon welche Lebensgestaltung einem Individuum zugrunde liegen mag, er wird immer auf der Suche nach etwas sinnstiftendem sein. Der Deckmantel spielt hierbei die geringste Rolle, auch, wenn dieser als "Übermensch" betitelt wird.


Und danke für den Literaturhinweis!
AzraiylWenn man nach draussen ins All blickt stellt man fest dass sich alle Himmelsobjekte von uns entfernen. Daraus ergeben sich zwei Folgerungen: 1. In einer endlichen Zeit vor uns war alles auf einem Haufen. 2. Es gibt momentan kein Grund anzunehmen warum alle Himmelsobjekte plötzlich wieder aufeinander zugehen sollten. Daher schliesse ich dass der momentan Zustand einmalig ist.

Ausserdem: Eine endliche Zahl möglicher Zustände heisst auch es gibt nur eine endliche Anzahl Atome. Ein Zustand beinhaltet mindestens die Koordinaten aller Atome. Wenn man sich die kombinatorischen Möglichkeiten bei der Anordnung der Atome überlegt dann wird mir beim Gedanken nur schon schwindlig. Hingegen kann man ungefähr schätzen wieviel Zeit schon verstrichen ist. Selbst wenn diese Annahme nicht stimmen sollte (milliardenfach daneben), wird die Anzahl der Zeitabschnitte, welche die Länge der plankschen Fundamentalzeit haben, da Zustände unter dieser Zeit gar nicht als getrennt wargenommen werden, um ein vielfaches kleiner sein als die schon erwähnte Anzahl möglicher Zustände.

Sollten die physikalischen Weisheiten falsch sein, gibt es dann für mich auch nicht geringste Annahmen dass "und dass die Energie (der Urstoff des Universums) endlich sei" stimmen sollte.

Das war jetzt ein gänzlich unphilosophische Antwort. Mag aber auch daran liegen dass mir Nietzsche Sprüche oft etwas zu sehr aus der Luft gegriffen scheinen (Menschlich, Alzumenlisches ist zumindest überfüllt davon).
AzraiylNoch ein kleiner Nachtrag:

Ich empfehle jedem einmal mit einem GameOfLife (Endliche Zustände, Unendlich Zeit) Program zu spielen:

[url]http://en.wikipedia.org/wiki/Conway[/url]'s_Game_of_Life

Es ist viel viel einfacher eine Situation zu kreieren die sich sehr schnell ins nichts auflöst und nie wiederkehren wird. Ein Mann der inzwischen alles mögliche unsinnige in den Mund gelegt wird soll angeglich mal gesagt haben: "Gott würfelt nicht". Ich würde sagen: Wenn da einer würfelt hat er ziemlich tief in die S..... gegriffen.

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