| Salia | Vor ein paar Tagen habe ich mit einem Bekannten über eine Sache diskutuiert und irgendwann meinte er dann zu mir "Ach, ich will mich nicht mit dir streiten" und darauf erwiederte ich, dass ich nich streite, sondern mit ihm diskutiere. Daraufhin haben wir beide über die genauen Unterschiede zwischen Streit und einer Diskussion nachgedacht. In welchen Punkten liegen die Unterschiede? Was ist Streit und was ist eine Diskussion? Und wo beginnt die Diskussion sich in einen Streit zu entwickeln? Habe mir mit meinem Bekannten auch schon ein ganz paar Gedanken gemacht und sind zu ein paar Ergebnissen gekommen,vielleicht ist die Beantwortung für euch ja auch sehr einfach, doch würde ich trotzdem gern eure Sicht dazu sehen.. Liebe Grüße Salia |
| Trauerwesen | Nunja, eine Diskussion definiere ich dann doch eher so, dass man nicht notwendigerweise unterschiedliche Ansätze innehaben muss, dies aber durchaus sein kann bzw auch meistens so ist. Argumente werden vorgetragen und verwendet, abgeglichen, widerlegt und sowas halt. Ein Streit hingegen erfordert einen Konflikt, der in der streiterischen Diskussion abgehandelt wird. Ich denke, bei einem Streit muss es auch nicht unbedingt mehr darauf ankommen, dass Argumente vorgelegt werden, ich kann mir vorstellen, dass Argumente in einer Streitsituation eh nicht wahrgenommen werden von der Gegenpartei. Es geht hierbei wohl weniger um Argumente, als um Rechthaberei. Ich könnte das noch ausbauen, aber spontan wären das so die ersten Dinge, die mir dazu einfallen. |
| gunslinger | Ich würde sagen, eine Diskussion wird zum Streit, wenn sie unsachlich wird, ins persönliche geht oder zuviel Gefühle wie Zorn udgl. mit einfließen. mfG. gunslinger |
| decay73 | ...hmm, es kommt m.E. wohl immer auf die im Gesagten erkennbare und dem Gegenüber vermittelte Motivation drauf an... :) |
| andromedea | Ich glaube, Definitionsversuche und persönliche Konnotationen spielen hier ein. Das heißt: jemand empfindet etwas als Streit, das für den anderen eine fruchtbare Diskussion ist. Das liegt dann daran, dass der eine risikoaverser als der andere ist und nicht immer daran, dass man nicht versteht, was eine "Diskussion" denn ist. |
| .:°Millyanna°:. | Beim Diskutieren argumentiert man, beim Streiten macht man einander Vorwürfe...? |
| .:°Millyanna°:. | Wobei das ja eigentlich genau das Falsche ist, also das was man eben nicht tun sollte, doch sehr viele Menschen neigen dazu - leider... |
| Aymynt Candan | Wenn Menschen miteinander (oder auch gegeneinander) kommunizieren, spielen zwei Ebenen eine Rolle: die Sachebene und die Beziehungsebene. Bei der Diskussion geht es darum, gemeinsam die Antwort auf eine gegebene Frage zu finden oder über ein bestimmtes Thema Erkenntnisse zusammenzutragen. Außerdem geht es darum, sich untereinander besser zu verstehen. Fühlen sich Menschen schlecht behandelt, unterlegen oder verletzt, sind sie geneigt, im Gespräch zu unfairen Mitteln zu greifen. Dann wird aus einer Diskussion oft schnell ein Streit, in dem es darum geht, den anderen fertig zu machen, sich an ihm zu rächen, ihn zur Einsicht und Besserung zu zwingen. Das Erkenntnisvermögen und der übrige Charakter des Menschen hängen eng zusammen. In Diskussionen kommt es nicht nur darauf an, sachliche, konstruktive Argumente zu bringen. Es kommt auch darauf an, sich auf die anderen Teilnehmer einzustellen. Diskussionen sollen ein MITEINANDER-Reden sein. Um das zu erreichen, sind gegenseitige Rücksicht, Duldsamkeit u.a.m. erforderlich. Wenn aus einer Diskussion ein Streit wird, sind die aufbauenden Kräfte zunächst gescheitert. Es kann in Gesprächen zu Mißverständnissen kommen und es spielen Vorurteile eine Rolle. Wie gut oder schlecht die Beziehung der Diskussionsteilnehmer ist, kann man oft unter Belastung sehen. Tadel führt oft schnell dazu, daß zur Verteidigung mit unfairen Mitteln übergegangen wird. Die wenigsten Menschen vertragen Tadel gut. Aber auch Mißtrauen und Stolz können die Beziehung belasten. Warum, inwiefern und wie – das können wir ja hier gern mal genauer untersuchen... |
| Montrose | Mit Trauerwesen und Aymynt stimme ich überein. Man sollte vielleicht noch anfügen: wenn jemand streiten will, so ist es fraglich, ob man da eine Diskussion erzwingen soll. Manchmal passiert es nämlich, dass jemand vorgibt, ganz vernünftig zu diskutieren, aber nur zum Schein .... und in Wirklichkeit will er mit seiner sachlichen Überlegenheit eben doch nur all die Dinge durchsetzen, die man sonst einem Streitenden unterstellt. Manchmal passiert es auch, dass jemand tatsächlich glaubt, zu diskutieren, weil ihm seine Sichtweise als vernünftig erscheint, aber dabei gar nicht merkt, dass er bestimmte Bedürfnisse des anderen nicht einbezieht. Man könnte auch fragen: kann es eine Diskussion zu wichtigen Dingen ohne Streit geben? Ich würde mit Nein antworten. Das Zentrale ist: es gibt unterschiedliche Interessen. Darum geht's. Und diese Unterschiede in den Interessen bekomme ich nicht dadurch weg, indem ich "diskutiere". Auch das ist nur eine Masche, ein Manöver wie Schreien oder Schimpfen. Es ist die elegantere Masche ... aber es bleibt eine Masche ... um seine eigenen Interessen zu verfolgen. Von daher könnte Dein Bekannter recht haben. Es ging um ein Streit. Und jetzt drüber zu diskutieren/streiten, ob der Bekannte mit seiner Wortwahl recht hatte oder nicht ... ist ja auch nicht nur "Diskussion", sondern ein Kampf "Wer hat Recht" ..... ein Streit. Niemand von uns war dabei, und deshalb kannst Du hier keinen Schiedsrichter finden, ob Euer damaliges Gespräch ein Streit oder eine Diskussion war. Dass Du das aber so genau "ausdiskutieren" möchtest, läßt mich vermuten .... es war ein Streit. ;) |
| Anaximander II | Ich würde sagen, dass die Begriffe "Streit" und "Diskussion" eine gemeinsame Schnittmenge haben, dass aber nicht jeder Streit eine Diskussion ist und nicht jede Diskussion ein Streit. Wenn man mit einem guten Freund, bei dem es sich zugleich um einen vernünftigen und besonnenen Menschen handelt, einen Disput über irgendein sachliches Thema austrägt - das aber für beide keine allzu große persönliche Dringlichkeit hat - und dabei mit Geduld und Respekt Argumente austauscht, dann wird man von einer Diskussion sprechen, aber nicht von einem Streit. Und wenn ein verkrachtes Ehepaar im Stau feststeckt und beide sich gegenseitig mit Vorwürfen überhäufen und die Scheidung in Aussicht stellen? Dann wird man von einem Streit, aber sicherlich nicht von einer Diskussion sprechen. Die Schnittmenge aus "Streit" und "Diskussion" sind jene hitzigen, feurigen Debatten, die zwar stark emotional aufgeladen sind, und die man oftmals schon fast als Kampf bezeichnen kann, in denen aber trotzdem rational, sachlich und fair argumentiert wird. Nicht selten ist das die interessanteste Art zwischenmenschlicher Kommunikation. [quote]Manchmal passiert es auch, dass jemand tatsächlich glaubt, zu diskutieren, weil ihm seine Sichtweise als vernünftig erscheint, aber dabei gar nicht merkt, dass er bestimmte Bedürfnisse des anderen nicht einbezieht.[/quote] Verstehe ich nicht. Wieso müssen in einer Diskussion "Bedürfnisse" des anderen wahrgenommen werden? Um welche Bedürfnisse sollte es sich dabei handeln? [quote]Das Zentrale ist: es gibt unterschiedliche Interessen. Darum geht's. Und diese Unterschiede in den Interessen bekomme ich nicht dadurch weg, indem ich "diskutiere". Auch das ist nur eine Masche, ein Manöver wie Schreien oder Schimpfen. Es ist die elegantere Masche ... aber es bleibt eine Masche ... um seine eigenen Interessen zu verfolgen.[/quote] In interessanten Diskussionen geht es nicht um unterschiedliche Interessen, sondern um unterschiedliche, einander widersprechende Behauptungen. Die Diskussion ist ein Mittel, herauszufinden, wer Recht hat, indem Argumente und Gegenargumente vorgelegt und auf ihre Gültigkeit hin überprüft werden. Diese Methode führt zwar nicht immer zum Erfolg, d.h. zum Triumph der Wahrheit, aber ein besseres Mittel kenne ich nicht. |
| Salia | Ich stimme mit Aymynt Candan, Trauerwesen und Anaximander II überein. Erscheint mir alles sehr einleuchtend. [QUOTE]Von daher könnte Dein Bekannter recht haben. Es ging um ein Streit. Und jetzt drüber zu diskutieren/streiten, ob der Bekannte mit seiner Wortwahl recht hatte oder nicht ... ist ja auch nicht nur "Diskussion", sondern ein Kampf "Wer hat Recht" ..... ein Streit. Niemand von uns war dabei, und deshalb kannst Du hier keinen Schiedsrichter finden, ob Euer damaliges Gespräch ein Streit oder eine Diskussion war. Dass Du das aber so genau "ausdiskutieren" möchtest, läßt mich vermuten .... es war ein Streit.[/QUOTE] Nein, da liegst du falsch @Montrose .. Ich war zu dieser Zeit zur Ferienarbeit und habe dort mit einem Bekannten halt diskutiert und als er dann halt meinte, er würde sich nicht mit mir streiten, fanden wir es interessant, wie unterschiedlich man es auffassen kann und was denn überhaupt die Unterschiede seien und deswegen haben wir beschlossen, diese Frage mal in einem Forum zu posten ;) |
| Montrose | "rational, sachlich und fair argumentiert " .... da gebe ich Dir recht. Der Punkt ist nur: man muss unterscheiden, ob eine Gespräch tatsächlich so geführt wird oder nur so aussieht, als ob es so geführt wird. Der Autohändler, der Dir eine Schrottkarre verhaufen möchte, wird ja genau diesen Eindruck erwecken wollen, dass er "rational, sachlich, fair" ist, obwohl er ganz andere Absichten hegt. Deshalb wehre ich mich dagegen, eine Wertung, wie ein Gespräch abläuft, nur an seiner Form fest zu machen. [QUOTE]Verstehe ich nicht. Wieso müssen in einer Diskussion "Bedürfnisse" des anderen wahrgenommen werden? Um welche Bedürfnisse sollte es sich dabei handeln?[/QUOTE] Die meisten Diskussionen in der Arbeitswelt zum Beispiel werden nicht nur zum Vergnügen geführt und auch nicht nur zwecks "bester Lösung", sondern deshalb, weil jemand mehr Mitsprachemöglichkeiten oder sein Steckenpferd durchbringen will. Wenn also jemand in wichtigen Dingen behauptet, er diskutiere nur "sachlich", dann bin ich da in der Regel sehr skeptisch. Ich frage mich: "warum diskutiert er dann überhaupt?" Ich muss damit rechnen, dass er mit seiner "sachlichen Diskussion" Eigen-Interessen verfolgt, die alles andere als "sachlich" sind. [QUOTE]Die Diskussion ist ein Mittel, herauszufinden, wer Recht hat,[/QUOTE] Das "Rechthaben" ist auch das Ziel des Streites. Wenn eine Diskussion so sachlich und fair ist und ihr Ziel nur "die Wahrheit" ist, wie Du sagst, müßte es eigentlich egal sein, wer "Recht hat". Dann ging es ja gerade nicht um"Rechthaben". "Rechthaben" ist eine soziale Konstruktion (die nicht mit Wahrheit übereinstimmen muss), die üblicherweise Konsequenzen hat: der Rechthaber darf Entscheidungen treffen, der andere muss diesen Entscheidungen folgen. Der Rechthaber gilt sozial als klüger, und aus diesem Besser-gelten leiten sich dann auch wieder Privilegien ab. [QUOTE]Diese Methode führt zwar nicht immer zum Erfolg, d.h. zum Triumph der Wahrheit[/QUOTE] Ich empfinde das als naiv zu glauben, dass nur um "die Wahrheit" "diskutiert" wird. Bei einer Wahl zum Beispiel geht es nicht um Wahrheit, sondern wer die meisten Sympahtien bekommt, wer andere überzeugt ... selbst wenn es nicht wahr ist. In diesem Kontext finde ich auch die Unterscheidung Diskussion/Streit unerheblich. Entscheidend ist für mich weniger, wie die Leute ihre Interessen durchsetzen .... sondern welche Interessen das sind. [QUOTE]war zu dieser Zeit zur Ferienarbeit und habe dort mit einem Bekannten halt diskutiert und als er dann halt meinte, er würde sich nicht mit mir streiten,[/QUOTE] Was heißt "halt".... das war also irgendso eine völlig harmlose Situation. Ich versuche mir gerade die Situation vorzustellen, in dem der Satz gefallen ist. Dein Bekannter mußte doch einen Anlass gehabt haben, zu sagen "Ich will nicht mit Dir streiten". Vielleicht habe ich Dich mißverstanden und er meinte "Mit Dir würde ich mich nie streiten, weil wir verstehen uns so gut." Okay, dann habe ich mich geirrt. Bei mir kam das aber so an, dass die Situation die war, dass Du "diskutieren" wolltest, und er sich angegriffen fühlte. Wenn Dein Bekannter die Situation als "Streit" empfunden haben sollte, dann kann man das nicht weg"diskutieren". Das ist einfach etwas, das man stehen lassen muß: er hat es so empfunden, und Empfindungen gehören jedem Menschen selbst. Man kann anderen Menschen nicht einfach ihre Empfindungen absprechen. |
| mathea | Meiner Meinung nach wurde schon das Meiste gesagt, dass ich auch einbringen wollte. Der Unterschied zwischen Streiten und Diskutieren liegt primär in der Art und Weise der Kommunikation. Eine Diskussion ist normalerweise recht sachlich, muss aber nicht, weil man auch schwachsinnige Argumente bringen kann. Der Grundtenor einer Diskussion ist aber üblicherweise nicht feindlich. Das heißt, eigentlich spricht man "nur" miteinander über ein gewisses Thema. Ob man eine Einigung findet oder finden will ist im Endeffekt nicht relevant. Eine Diskussion ist meiner Ansicht nach dementsprechend eine mehr oder minder sachliche, ruhige und aggressionslose Auseinandersetzung untereinander. Die Betonung liegt auf mehr oder minder. Eine Diskussion kann zu einem fruchtbaren Ergenis führen, muss sie aber nicht. Ein handfester Streit hingegen ist niemals sachlich oder ruhig oder in irgendeiner Weise produktiv. Wenn man streitet wird man persönlich, unbedingt unsachlich und ist ausschließlich auf seinen eigenen Vorteil bedacht, möglich auch verletzend. Manche meinen, beim Diskuttieren ist man leise, beim Streiten laut. Das sehe ich nicht so. |
| Trauerwesen | Die von Montrose noch eingebrachte Theorie, dass man, sobald man irgendwelche Interessen verfolgt, nicht sachlich diskutieren kann, kann ich auch unterschreiben. Verfolgt man ein Ziel, wird man sich eh nicht davon abbringen lassen, so dass jedes Argument zum Scheitern verurteilt ist (nunja, sagte ich ja in etwa bereits). Trotzdem denke ich, können wichtige Dinge ohne Streit diskutiert werden, solange beide das gleiche Ziel verfolgen, nämlich Konsens und Einigung. Angenommen, wir haben ein Beziehungsproblem, was ja schon eine wichtige Sache für die Beteiligten ist. Wollen beide jenes lösen, wird sich eher eine sachliche Diskussion führen lassen, als wenn einer eh keinen Bock mehr hat. Aber wenn beide einen Konsens wollen, dann wird auch diese wichtige Angelegenheit ohne Streit durchführbar sein können (was nicht heisst, das muss so sein). Das mit der Schnittmenge finde ich übrigens auch interessant, das erklärt dann auch, wieso manche Diskussion schnell zum Streit ausarten kann und umgekehrt. |
| verlorenesuche | streiten und diskutieren kommt auf so viele dinge an. Man fragt sich kann man Diskutieren ohne zu streiten oder streiten ohne zu diskutieren!? Die Lautstärke in der man spricht verstärkt nicht das Argument. Ich denke man kann nur Sachlich diskutieren ohne sich an zugiften oder sich anzuschreihen oder um den heißen Brei herumreden. Doch welcher Mensch kann mit einem anderen Menschen reden über eine Streitfrage reden ohne Emotionen in seiner Stimme zu erwecken und sachlich zu bleiben. Also sollte man Kommunikation die man führt erst überdenken ? Aber wer denkt schon bevor man redet. |