| freepreacher | Seit langer Zeit habe ich Probleme damit Entscheidungen zu treffen. Ich kann das nur aus dem Gefühl, aus der Seele heraus, mein Geist will sich einfach nie entscheiden wenn sich zwei Dinge zwischen denen ich wählen soll auch nur ein bißchen ähneln. Mein Verstand sagt dann immer, warum soll ich wählen, ist doch eines wie das andere. Mein Herz schreit auf und sagt, ok, ich kann wählen, ich mache das selbst ich bin doch dein Herz. Doch mein Verstand dreht sich dauernd im Kreis und weiß bald gar nichts mehr. Das geht bei mir immer so, schon seit frühester Kindheit. Manchmal denke ich über das theologische Konzept des freien Willens nach. Könnte es sein daß dieser alte Baum im Paradies uns irgendwie diesen komischen freien Willen gegeben hat? Daß wir ihn eigentlich anders finden sollten, durch Herz und Liebe und Seele und Gottes Geist, statt unsere eigenen Boten zu sein? Dieses Gut/Böse Ding ist doch jetzt überall drin. Da ist schön und häßlich, richtig und falsch, groß und klein, lieblich und gemein, alles ist jetzt so eine Dychotomie. Da bleibe ich doch lieber im Paradies und genieße die anderen Bäume. Das ist wohl der Tradeoff. Wenn man das Gut/Böse Ding nicht schluckt bleibt man irgendwie sauber geistlich, auch wenn die Entscheidungen immer so schwer sind. Man will nur lieben, man will sich einfach nie entscheiden für etwas. Wie seht ihr das? |
| Changeling II | Du triffst auch dann Entscheidungen, wenn du gar nicht darüber nachdenkst und dir dessen überhaupt nicht bewusst bist... in jeder Sekunde die vergeht, wo du irgend etwas anstelle von etwas anderem tust, suggeriert dir dein Gehirn eine fadenscheinige "Wahlfreiheit", die es so nicht gibt - ebensowenig wie es einen - christlichen - Gott gibt, der Menschen in der Hölle schmoren lässt, sofern sie denn so "frei" sind, sich bei Entscheidungen, die in Wahrheit gar keine sind, nicht nach seinen Wünschen zu richten... |
| Elementarsatz | Es gibt schon Wahlfreiheit. Und Entscheidungen treffen und mit den Konsequenzen leben, gehört nun mal zum Dasein als erwachsener Mensch dazu. Natürlich hat Entscheiden immer etwas tragisches an sich, weil jede Entscheidung den Raum der Möglichkeiten verkleinert. Leben besteht hauptsächlich aus dem, was man auslässt. |
| manto | Hallo freepreacher, ich habe einen Hang zu mittelalterlicher Theologie/ Philosophie und mich im Rahmen dessen vor einiger Zeit mit dem Gnadenbegriff bei Augustinus von Hippo beschäftigt. Dabei musste auch die Schöpfungsgeschichte und der Sündenfall genauer untersucht werden. Eine Erkenntnis war, daß der Sündenfall selbst auch Teil von Gottes Plan gewesen sein muss, sich die Geschichte also bei weitem nicht einfach nach Gut-Böse auflösen lässt. Der Baum steht immerhin in Gottes Garten und ist sicher nicht zufällig dort gelandet. Ebenso ist der Mensch als Gottes Schöpfung natürlich nicht irgendwie böse und außerhalb der göttlichen Vorsehung. Der Begriff des freien Willens ist in dem Zusammenhang einer, der sich unserem allgemeinen Verständnis entzieht. Adam war von Gott so geschaffen, daß er die Wahl hatte, den Apfel aus der Hand Evas zu nehmen. Die Entscheidung, den Apfel anzunehmen und davon zu essen, war also Teil von Gottes Plan. Adam hätte also deshalb von Gott bestraft werden müssen, weil er etwas getan hat, daß Teil von Gottes Plan war. Das aber ist zutiefst ungerecht und da im theologischen Kontext Gott immer auch die Eigenschaft gerecht zugeschieben wird, entsteht ein Problem. Aufgelöst werden kann dies, indem man eine Rangordnung zwischen dem Leiblichen und dem Geistigen annimmt. Beides ist gut, da von Gott geschaffen, der Mensch hat aber die Möglichkeit dem einen den Vorzug vor dem anderen zu geben. Dabei steht das Leibliche in guter scholastischer Tradition unter dem Geistigen. Dem Leiblichen, in Form einer Frau und eines Apfels, den Vorrang einzuräumen, ist in Gottes gutem Plan möglich, wobei auch das Leibliche gut ist, nur eben etwas weniger, als das Geistige. Somit ist jede Entscheidung, die überhaupt getroffen werden kann, gut, aber möglicherweise weniger gut, als eine andere. Das ist die Einheit in der Vielfalt, und keineswegs ein klarer Gegensatz, wie er immer propagiert wird. Es ist also tatsächlich alles eins, aber mit Unterschied. Dadurch aber, daß man im Grunde, nach diesem Konzept, keine wirklich böse Wahl treffen kann, wird einem auch die Entscheidung erleichtert. Alles ist möglich, der Sündenfall haftet ohnehin jedem an (Erbsünde) und somit kann man frei nach dem Motto: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert." vor sich hin entscheiden. Der Mensch ist ohnehin aus dem Paradies geflogen und kann daran auch nicht das geringste ändern. Der Trost ist, daß es nicht möglich ist, aus Gottes Plan zu fallen. Der Begriff des freien Willens ist dabei ein passiver. Gott hat auch das Wollen und das Vollbringen des Menschen bestimmt. Die Freiheit eines solchen Willens besteht dann darin, von allem möglichen affiziert werden zu können; sie besteht nicht in einem aktiven Akt, sondern wird durch die Gegenstände in ihn hineingetragen. Der menschliche Wille kann so eben nicht nur von z.B. Bier affiziert werden, sondern auch von Cider oder Astra oder von dem einen mehr, von dem anderen weniger Entscheiden kannst Du dich, weil es Gott so wollte. Dann sollte man das auch tun, und nicht faul unter dem Apfelbaum liegen. Aber wenn es einem da gut gefällt: So what? |
| MephistoX | Entscheidungen treffen kann so einfach sein... Du entscheidest dich einfach für das, was dir selbst am meisten nützt. Das automatisiert sich dann und wird dein Leben mithilfe dieser richtigen Entscheidungen verbessern. Je nach dem welche Kriterien deinem Entscheidungsmuster vorliegen erschließt sich die richtige Entscheidung durch Abwägung der Folgen derselben quasi von selbst. Ein Tipp dabei: für so etwas wie Gnade, Mitleid oder Rücksicht ist kein Platz in dieser Welt, jegliche Zweifel an deinem tun werden dir nur selber schaden. Schließlich stirbt der Schwächere aus während der Stärkere überlebt. Wenn du dich also durch Eingrenzung deines Entscheidungsspektrums selbst erniedrigst, verringert sich dadurch auch der Profit und somit die Sinnhaftigkeit einer Entscheidung. |
| hagzissa13 | und was Gott betrifft, mag er bestimmte Entscheidungen im Zusammenhang mit Apfelbäumen augenscheinlich gar nicht ..... "so what" könnte man das Ergebnis - sofern an an sowas wie Gott glaubt - zwar auch nennen, aber wahrscheinlich nur, wenn man masochistisch ist und auf Schmerzen steht.... |
| manto | Mh. Ich denke, Sozialdarwinismus geht an der Realität vorbei. Der Mensch ist ein soziales Wesen, der Naturzustand, in dem der Stärkere überlebt ist eine theoretische Fiktion, ein Kontrastmittel, eine Illustration. Es ging mir um den sehr speziellen Freiheitsbegriff, den man zu Grunde legen muss, wenn man annimmt, daß Gott existiert, da ja der Prediger davon sprach. Das bringt einige merkwürdige Schwierigkeiten mit sich. Letztlich bedeutet es nämlich, daß die Freiheit des menschlichen Willens nur darin besteht, von verschiedenen Gegenständen unterschiedlich stark affiziert zu werden. Insgesamt aber ist die ganze Geschichte prädeterminiert. Das ist, fand ich, eine ziemlich ausgefallene Position, wenn man sie mit dem allgemeinen Verständnis von Freiheit und auch Entscheidungsfreiheit vergleicht. Der Punkt ist, das einem die Schwere der Entscheidungen nicht mehr auf den Schultern zu lasten braucht, weil man keine schlimmeren Folgen zu erwarten hat, als man ohnehin schon seit dem Sündenfall tragen muss. Das gibt dem Ganzen eine Leichtigkeit und entlastet die ganze Fragestellung des Predigers. Das Gott bestimmte Entscheidung nicht mag, kann so nicht gesagt werden. Denn das hieße, daß Gott auf bestimmte Entwicklungen reagiert und das wiederum bedeutet, daß er nicht den Überblick über ALLES hat und somit nicht allmächtig wäre. Gott unterliegt keinen Wechselwirkungen, sonst läge ein eklatanter Widerspruch in seinem Wesen vor und das Universum wäre *puff* verschwunden. (Man vergleiche die Mexikanische-Restaurant-Szene in "Dogma" und die Ausführungen von Metatron. ;) ) |
| hagzissa13 | [QUOTE][i]Original geschrieben von manto [/i] [B]Das Gott bestimmte Entscheidung nicht mag, kann so nicht gesagt werden. [/B][/QUOTE] Das erzähle mal bitte bibeltreuen Christen. Für die leben wir nicht im Paradies, weil Adam am Apfelbaum die falsche Entscheidung traf. (womit wir wieder beim Apfelbaumthema sind) [QUOTE][i]Original geschrieben von manto [/i] [B]... das hieße, daß Gott auf bestimmte Entwicklungen reagiert und das wiederum bedeutet, daß er nicht den Überblick über ALLES hat und somit nicht allmächtig wäre. [/B][/QUOTE] Sorry, aber dieser Kausalkette kann ich nicht folgen..... |
| JohnSteed | [QUOTE][i]Original geschrieben von Nix [/i] [B]Nicht jeder Atheist ist Sozialdarwinist. Nicht jeder religiös Gläubige ist gleich ein Fanatiker. Vom "Stärkeren" hat Darwin nie gesprochen. Ihm ging es um die Anpassungsfähigkeit der Arten, nicht um Stärke. Dass der Mensch ein soziales Wesen ist, hat niemand bestritten. Der Rest ist Spiegelfechterei. [/B][/QUOTE] Im Prinzip Richtig, vermutlich wollte es auch nur der Operettenkaiser Willi2 und seine Seemacht gewordene Potenzerweiterung so verstehen, dass "Survival of the fittest" ins Deutsche übersetzt nicht heisst, dass der Stärkere (im Sinne von Dinosauriern) sondern der Fittere, vielleicht der Kreativere, der Fiesere und der Individualist überlebt....... Willi2 ist kulturell untergegangen, zusammen mit seiner Flotte.... Es gibt kein Wesen auf dieser Welt, das überlebt, weil es gaaanz lieb ist, nix tut und von den Werken anderer sein Dasein fristet oder von Sozialhilfe lebt. Das ist Mimikry! Sogar der Mistkäfer muss noch irgenwie was unternehmen, um an Ware zu kommen.... |
| Elementarsatz | [QUOTE][i]Original geschrieben von JohnSteed [/i] [B] Willi2 ist kulturell untergegangen, zusammen mit seiner Flotte.... [/B][/QUOTE] Die Schaumweinsteuer haben wir trotzdem noch. So lebt jeder weiter in seinen Werken.. |
| manto | Ich wollte eigentlich nicht auf die Darwinismus-Debatte hinaus, meine paar Sätze dazu bezogen sich nur auf MephistoX Posting. War aber unsauber ausgedrückt, danke für den Hinweis, Nix. Sogenannte "bibeltreue Christen" müssen das von Ihnen angeblich gelebte Konzept nicht unbedingt so weit durchgrübelt haben. Mir ist schon klar, daß es da lauter schlaue Beispiele gibt, die die Allmächtigkeit Gottes meinen zu widerlegen. Aber in der von mir vorgestellten Konzeption läuft es halt so, wie ich schrieb. Wenn Gott von irgendetwas beeinflusst werden kann, dann unterliegt er Wechselwirkungen. D.h. die Schöpung kontrolliert den Schöpfer. Das aber hieße, daß Gott die Wirkungen, die seine Schöpfung hervorbringt, nicht vorhergedacht/bestimmt hätte, womit es etwas gäbe, daß sich der Kontrolle Gottes entzieht. Das wiederrum würde Gott seine Allmacht kosten. Das der Mensch eine Tat Gottes als kausale Folge von etwas beschreibt und als Reaktion mißdeutet, heißt nicht, daß Gott tatsächlich reagiert. Es gibt halt grundsätzlich zwei Wege, wie man es machen kann: Entweder, Gott ist allererster Urheber und hat ganz zu Beginn das Universum einmal angestuppst und dann hat es ich in all seiner Vielfältigkeit entfaltet, oder Gott ist immer da und greift mal hier ein und mal da ein. Letzte Konzeption hat es schon recht schwer, zu erklären, wie Gott allmächtig sein kann, weil dort das Problem der Wechselwirkung besteht. [QUOTE] Kann Gott einen Stein erschaffen, der so schwer ist, dass er ihn selbst nicht anheben kann?[/QUOTE] Sicher dat. Der Mensch könnte nicht erklären, wie ER es gemacht hat, aber ER könnte. Und ER könnte ihn auch zugleich anheben und nicht anheben. Der Mensch kann Gott nicht erklären, er kann nur versuchen, so viel von dem zu verstehen, wie ihm möglich ist. [SIZE=1] (Vielleicht noch mal in eigener Sache, nicht daß hier Mißverständnisse aufkommen: ich habe mit dem ganzen Religions-Zeugs nichts weiter am Hut. Nichtsdestotrotz finde ich es spannend, nicht von vornherein zu sagen, daß es Blödsinn ist, sondern mir anzuschauen, wie das Konzept funktioniert und wie weit man kommen kann, wenn man versucht den Punkt an dem der Glaube einsetzt, immer weiter hinauszuschieben.)[/SIZE] |
| decay73 | Die Diskussion, ob Gott nun allmächtig ist oder nicht, scheint mir überflüssig. Wie können wir überhaupt annehmen, daß so etwas "Großes" wie Gott, was auch immer man nun darunter versteht, für unseren begrenzten Intellekt überhaupt greifbar ist? Ich glaube kaum, daß man ihn mit unserem üblichen entweder - oder begreifen können. Warum nicht mal mit einem sowohl - als auch versuchen, wie es manto ja schon andeutete? Er kann den Stein heben und auch nicht-heben. Die Frage ist doch: wer hebt den Stein? Ist es "Gott" oder bin ich es vielleicht selber? Für mich gibt es keinen Schöpfergott im üblichen Sinne, denn dann stellt sich automatisch die Frage, wer denn Gott geschaffen hat? Er sich selbst? Aus dem Nichts? Er ist viel zu groß, als daß wir ihn begreifen könnten. Oder genauer: viel zu klein, denn er ist in uns. Wir sind der, der Gott schafft und somit auch der, der den Stein schafft. Trauen wir uns zu, den Stein zu heben? Der Verzweifelte Versuch, Gott als etwas anzusehen, daß sich mit unseren menschlichen Maßstäben beschreiben lässt, ist etwas für kindliche Gemüter...also lässt man es besser gleich... :) |
| decay73 | @Theologiestudent: Auch wieder so ein Glaubens-Technokrat, der studiert und studiert und am Ende seinen eigenen Glauben immer noch nicht kapiert. :P |
| Elementarsatz | [QUOTE][i]Original geschrieben von decay73 [/i] [B]Die Diskussion, ob Gott nun allmächtig ist oder nicht, scheint mir überflüssig. Wie können wir überhaupt annehmen, daß so etwas "Großes" wie Gott, was auch immer man nun darunter versteht, für unseren begrenzten Intellekt überhaupt greifbar ist? Ich glaube kaum, daß man ihn mit unserem üblichen entweder - oder begreifen können. Warum nicht mal mit einem sowohl - als auch versuchen, wie es manto ja schon andeutete? Er kann den Stein heben und auch nicht-heben. Die Frage ist doch: wer hebt den Stein? Ist es "Gott" oder bin ich es vielleicht selber? Für mich gibt es keinen Schöpfergott im üblichen Sinne, denn dann stellt sich automatisch die Frage, wer denn Gott geschaffen hat? Er sich selbst? Aus dem Nichts? Er ist viel zu groß, als daß wir ihn begreifen könnten. Oder genauer: viel zu klein, denn er ist in uns. Wir sind der, der Gott schafft und somit auch der, der den Stein schafft. Trauen wir uns zu, den Stein zu heben? Der Verzweifelte Versuch, Gott als etwas anzusehen, daß sich mit unseren menschlichen Maßstäben beschreiben lässt, ist etwas für kindliche Gemüter...also lässt man es besser gleich... :) [/B][/QUOTE] Diese Beliebigkeit führt nur dazu, dass der Begriff "Gott" jedwede Bedeutung verliert. Gott ist allmächtig und er ist nicht allmächtig. Er hat uns geschaffen und wir haben ihn geschaffen. Und natürlich ist er viel zu groß, als dass wir irgendetwas über ihn aussagen kann. Gleichzeitig ist er so klein, weil er in uns drin steckt. Natürlich nicht körperlich, sondern auf ganz unbegreifliche Weise. Und so weiter und so fort. Mit solchen semantischen Nebelkerzen wird nur erreicht, dass "Gott" zu einer totalen Leerformel wird. Man könnte statt Gott auch "Blub" sagen, es würde keinen Unterschied machen, schließlich hat der Begriff eh keine sinnvolle Definition. |
| Scheol | Und am Anfang war Mond und Sonne. Je nachdem, was der Mensch gerade brauchte, wurden sie zu Hauptgöttern ernannt. Der Mond für die Jagd, die Sonne nachdem man sesshaft wurde für die Ernte. Dann kamen die Naturkatastrophen. Getreu nach dem Motto "einer muss hängen" brauchte man dafür einen Sündenbock. So kamen neue Götter hinzu, die je nach Talent und Wohnort schreckliche Dinge tun, oder lassen konnten. Der Mensch merkte: "Scheiße, die lassen sich nicht mit Flüche besänftigen". Da der Mann damals aufgrund seiner Körperkraft das schlagkräftigste Argument hatte, entschied ein zumeist ein alter, impotenter Greis darüber, was zu tun sei. Beim obligatorischen Knochenwerfen bemerkte er den Hintern seiner Cousine und wurde grämig, dass er nicht mehr so kann wie er will. Daraus schlussfolgerte er, dass Jungfrauen Pimpern ein Segen der Götter sei. Man entschied sich ihr den Hals durchzuschneiden um mit ihrem Jungfernblut dem Gott X für Katastrophe Y etwas entgegen zu kommen. Da ein Tag daraufhin nichts schlimmes passierte wurde der Tag zum Nationalfeiertag erklärt und die Methode als probates Mittel, welches man empirisch für getestet hielt, anzuerkennen. Als jedoch die Menschen irgendwann nicht mehr in der Lage waren, sich jeden Namen der zig Götter zu merken, die nebenbei noch sehr teuer am Opferstock wurden, hatte jemand die Idee alle zu einem zu machen. Das fand man dann so knorke, dass man erstmal ein Schlachtfest abhielt. Nachdem die Siegesseite die meisten Männer getötet und eine stolze Anzahl an Frauen vergewaltigt hat, war der neue Gott des Zorns und der Eifersucht geboren. Dieser Gott lies dann irgendwann keine Jungfrauen mehr als Bestechungsmittel gelten, Kälber und Rinder sollten genügen. Das nannte man dann Liebe. Er hatte soviel Liebe, dass er seinen Sohn zu einem weiteren Schlachtfest eingeladen hat. Dieser wurde der damaligen Rechtsprechung ordnungsgemäß hingerichtet. Das konnte nur ein Zeichen von Barmherzigkeit und Vergebung sein. Es fanden sich immer mehr Anhänger und heilige Showgäste, die diese unglaubliche Geschichte in alle Welt trugen. In Europa angekommen, platzen sie in eine Party von König Alfred. Der hatte gerade die Wikinger zum Tanz eingeladen. Allerdings waren das echte Rabauken, die die ganze Einrichtung zerstörten. Er zog sich in ein Eck zurück und fragte sich: "Wie werde ich die wieder los? Es ist doch schon nach 3 Uhr!". Dann hörte er von dem Sohn, und dem Kalb und dem Gott und hatte neuen Mut gefunden die rabiaten Gäste nach Hause zu schicken. Von da an verbreitete sich die Geschichte und wurde auch in Europa sesshaft. Ein Siegeszug, so barmherzig. Und weise. Aber vor allem unglaublich. Bis heute. Jap, das ist tatsächlich zu groß für meinen kleinen Menschenverstand. Religion kann viel sein. Es ist und bleibt aber ein Märchen aus der Wünsch-Dir-was Fabrik. |
| manto | Man kann alles soweit treiben, daß es beliebig wird, das ist nicht die Kunst. Die Fragen bleiben aber trotzdem. Ich glaube, die Kunst ist, die Fragen zu beantworten, obwohl einem immer die Beliebigkeit im Nacken sitzt. Dann muss ich natürlich Prioritäten haben und wissen, was für mich wichtig ist und auf welche Antworten ich nicht verzichten kann und wieviel Antwort ich brauche. Die Bibel oder andere Pamphlete der gleichen Art sind ja nicht solche All-Time-Bestseller, weil Sie literarisch so brilliant sind. Gelesen wird das Zeuch auch heute noch, weil es von jeder Generation immer wieder neu interpretiert werden kann und es den Teil im Menschen anspricht, der immer Antwort auf irgendwas sucht. Es geht nicht um Entstehungsgeschichte oder Interpretationsgeschichte, sondern um die elemtaren Sachen, wie auch hier im Thread am Anfang eine ganz grundsätzliche Frage aufgeworfen wurde. Wenn ich bei der Untersuchung einer Frage in der Beliebigkeit lande, dann muss ich einen Schritt zurückgehen, denn die Beliebigkeit ist der Rand des Abgrunds, in den ich mich zwangsläufig stürzen muss, wenn ich diese Antwort ernst nehme. Der Mensch kann halt nicht wissen, wie GOTT das sieht, weil er in diese Sphären einfach nicht vordringen kann. Ist also Worscht. Aber der Kniff, übrigens genauso ein Klassiker, ist, zu behaupten, daß der Mensch nach Gottes Ebenbild geschaffen wurde. So kann er zwar GOTT nicht begreifen oder irgendetwas in der Art oder etwas über die Begriffe aussagen, die GOTT haben mag, aber die bloße Tatsache, daß der Mensch sich die Fragen stellt, die er eben stellt, bedeutet, daß da etwas ist. Zum Beispiel lässt sich, bei der Augustinus-Sache, nicht aussagen, was Gerechtigkeit für Gott bedeutet, dennoch muss man anerkennen, daß sich Gesellschaften entwickelt haben, die einen Begriff von Gerechtigkeit haben. Das schiere Vorhandensein des Begriffs "Gerechtigkeit" bedeutet, daß GOTT gerecht ist, und nach seinem Vorbild organisieren sich Rechtsstaaten. Wenn gesagt wird, GOTT liebe jeden Menschen, heißt das nur, daß wir sowieso nicht begreifen können, was das meint, aber zweifellos sind wir in der Lage, einen anderen zu lieben und endlose Diskussionen darüber zu führen oder schwer gebeutelt zu sein, wenn uns in dieser Hinsicht etwas zustößt, wie dem armen Theologiestudenten. [QUOTE][...]mein Geist will sich einfach nie entscheiden wenn sich zwei Dinge zwischen denen ich wählen soll auch nur ein bißchen ähneln. Mein Verstand sagt dann immer, warum soll ich wählen, ist doch eines wie das andere. Mein Herz schreit auf[...][/QUOTE] Das ist doch der Konflikt. Der Geist löst alles soweit auf, daß es beliebig wird. Beliebigkeit bedeutet Stillstand und Stillstand ist Tot. Exitus. Aus und Vorbei. Aber da ist immer noch was anderes, das die Leute davon abhält, sich wie die Lemminge in den Abgrund zu stürzen oder sich da zu erschießen, wo das Wasser am tiefsten ist. Wobei ich kein Fan dieses speziellen Dualismus bin... |
| Scheol | @manto Du bist schon ein bisschen verwirrt. Aber es ist ok. Ich toleriere das. |
| hagzissa13 | Manto, also ich kann Deinen Ausführungen beim besten Willen nicht folgen nicht folgen.... *schulterzuck* .....keine Chance.... |
| manto | [QUOTE][i]Original geschrieben von hagzissa13 [/i] [B]Manto, also ich kann Deinen Ausführungen beim besten Willen nicht folgen nicht folgen.... *schulterzuck* .....keine Chance.... [/B][/QUOTE] Das ist o.k. Ich toleriere das. ;) @Rest Tja. Ich denke, es ist durch. |
| MephistoX | Ist das nicht die übliche Vorgehensweise der Gläubigen? Sie schmeißen mit Worten um sich, die sie für selbstverständlich halten, die aber ein vernünftiger Mensch allesamt rot angestrichen und hinterfragt hätte, nur damit man sich auf ihr Niveau runterlässt, wo sie einen dann mit ihren schwammigen Leerwörtern, beliebig austauschbaren Phrasen und absolut zusammenhanglosen Metaphern und Vergleichen überhäufen. Und wenn man diese verzweifelte Blockade der Hilflosigkeit mit strahlender Logik durchbricht sind sie sich noch zu fein, ihre Niederlage einzugestehen und labern wieder von vorne los, bis man alle ihre Argumente zum 3.ten mal entkräftet hat, und dann kommt nur sowas wie 'das stimmt doch alles garnicht' oder 'dann schau dir mal die Muslime an, die sind radikal'... Dieses wiederholt hirnlose Verhalten ist ein ausgeprägter Automatismus, der die Logik genau dann verleugnet, wenn der Gläubige an seinem Glauben zweifeln muss. Eine Art Schutzmechanismus, die Niederlage nicht einzugestehen um seine Ideale und Vorstellungen, die man bisher gelebt und verteidigt hat, nicht aufzugeben, aus Angst vor der Erkenntnis der Sinnlosigkeit eben jener Vorstellungen und der darauf verschwendeten Zeit. Dies ist leider ein über jahrtausende hinweg antrainierter Automatismus, der in unserer heutigen Gesellschaft immer noch weit verbreitet ist. Nur wenige, geistesstarke Menschen schaffen es, die Blockade zu brechen und sich selbst zu hinterfragen. (kleiner Auszug aus meinen Erfahrungsberichten über Volksverblödung / tw. vieler Diskussionen mit Vertretern unterschiedlicher Religionen bzw. Glaubensrichtungen miteingeschlossen, und damit meine ich nicht die Zeugen Jehovas, die immer fein artig an die Tür klopfen) |
| Elementarsatz | Religiöse Semantik beruht eben darauf, Un-Sinn für Tief-Sinn auszugeben. In der Hoffnung, dass die meisten Menschen den Unterschied nicht verstehen. |
| Scheol | [QUOTE]In der Hoffnung, dass die meisten Menschen den Unterschied nicht verstehen.[/QUOTE] Funktioniert bestens. |
| manto | [QUOTE][i]Original geschrieben von MephistoX [/i] [B] Eine Art Schutzmechanismus, die Niederlage nicht einzugestehen um seine Ideale und Vorstellungen, die man bisher gelebt und verteidigt hat, nicht aufzugeben, aus Angst vor der Erkenntnis der Sinnlosigkeit eben jener Vorstellungen und der darauf verschwendeten Zeit. Dies ist leider ein über jahrtausende hinweg antrainierter Automatismus, der in unserer heutigen Gesellschaft immer noch weit verbreitet ist. Nur wenige, geistesstarke Menschen schaffen es, die Blockade zu brechen und sich selbst zu hinterfragen. [/B][/QUOTE] Nagut, noch ein bißchen weiter. Ich denke, das oben ist genau das zu kurz gedachte. Wenn's so einfach wäre, gäbe es keine jahrtausendealte Kirchengeschichte. Die Leute, die sich mit dem Zeug auseinandergesetzt haben, sind nicht einfach blöd. Die wissen und wussten schon, wo die Grenzen liegen. Aber die Grenze wird nicht von der Bibel oder dem Koran oder sonstwas markiert, sondern vom menschlichen Geist. Der geht manche Wege. Was heißt denn Niederlage? Irgendwo stösst man halt auf den Begründungsendpunkt. Da ist dann Schluss und der Glaube beginnt. Den Punkt muss man nicht unbedingt mit dem Blei der institutionalisierten Religion ausgießen, aber erreichen wird man ihn immer. Wenn Du da anders bist, Meph, dann nur zu: Wo ist denn Deine Grenzenlosigkeit, die immer noch Sinn macht? |
| blacklilacow | [QUOTE][i]Original geschrieben von Scheol [/i] [B]@manto Du bist schon ein bisschen verwirrt. Aber es ist ok. Ich toleriere das. [/B][/QUOTE] Man könnte auch sagen, tus doch einfach. Red net! Vor allem die Netzgemeinde damit zu behelligen, ist keine Frechlichkeit oder schlechtes Karma, aber doch der Versuch am untauglichen Objekt. |
| Nix | Ich toleriere es übrigens auch. |
| Scheol | [QUOTE]Man könnte auch sagen, tus doch einfach. Red net![/QUOTE] Genau genommen habe ich es geschrieben. Und dass ein User eines Boards zum Expressionismus neigt und davon schreibt, was ihn treibt, steht innerhalb der Netzkultur nicht zur Diskussion. Des Weiteren stelle ich zu meinem Bedauern fest, dass du die leisen wie lauten Zwischentöne einer Aussage nicht wahrnimmst und/oder diese mit einer drögen wie schnippigen Bemerkung abwinkst. So oder so hat mich deine Bemerkung zum Schmunzeln gebracht und ich danke dir für meine heitere Miene nach einer stressigen und langen Nachtschicht. :) |
| JohnSteed | [QUOTE][i]Original geschrieben von Scheol [/i] [B]..... Des Weiteren stelle ich zu meinem Bedauern fest, dass du die leisen wie lauten Zwischentöne einer Aussage nicht wahrnimmst und/oder diese mit einer drögen wie schnippigen Bemerkung abwinkst. So oder so hat mich deine Bemerkung zum Schmunzeln gebracht und ich danke dir für meine heitere Miene nach einer stressigen und langen Nachtschicht. :) [/B][/QUOTE] ?????????????????:rolleyes: :eek: :mad: :q |
| kundenservice | Manto spricht in dem Post vom 06.05.12 so viele hochinteressante Dinge an, für mich fasse ich die grundsätzliche Fragestellung wie folgt zusammen: In welcher Weise korrelieren geistige und organische Komponenten menschlichen Lebens, hier am Beispiel Religion, miteinander? Ich behaupte, darauf gibt das Leben selbst die Antwort dem, der dieser Frage existenziell auf den Grund zu gehen sich aufmacht. Literaturstudien, Gespräche unter ebenfalls Suchenden, Diskussionen mit XY, Reflektion der eigenen Gedanken und (Zwischen)Erkenntnisse, diverse Lebensexperimente und nicht zuletzt: die Zeit – die Gesamtkomposition zeitigt das Finale und nach dem letzten Paukenschlag *BUMM* drückt man das Ergebnis, danach gefragt, vielleicht nur noch mit einem von einem erleichterten Schulterzucken begleiteten Schweigen aus. Schön, dass es noch Leute gibt, die solch lebendige Fragen stellen. |
| Nix | Ja. Schön. |