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  Forum: Platz der Philosophen
    Thema: Naturreligionen - nur für Naive?
Lady AshAuf meinen Streifzügen durch das Netz stoße ich neuerdings immer öfter auf zum Teil selbsternannte, zum Teil aber auch "offiziell initiierte", Hexen und Schamanen. Was für Anhänger haben diese Naturreligionen? In welchem sozialen Milieu sind sie zu Hause? Falls es überhaupt eine Gruppe Gläubiger ist, die homogen genug ist, um als solche wahrgenommen zu werden.

Vorweg, ich gehöre nicht zu irgendwelchen Wicca Coven und ich glaube nicht an Magie. Aber ihr Streben in größt möglicher Harmonie mit ihrer Umwelt zu leben, ist mir schon sympathisch.

[SIZE=1]Bide within the Law you must, in perfect Love and perfect Trust. Live you must and let to live, fairly take and fairly give. For tread the Circle thrice about to keep unwelcome spirits out. To bind the spell well every time, let the spell be said in rhyme. Light of eye and soft of touch, speak you little, listen much. Honor the Old Ones in deed and name, let love and light be our guides again. Deosil go by the waxing moon, chanting out the joyful tune. Widdershins go when the moon doth wane, and the werewolf howls by the dread wolfsbane. When the Lady's moon is new, kiss the hand to Her times two. When the moon rides at Her peak then your heart's desire seek. [/SIZE]
OdessaSchamanentum: hier, schon seit über 25 Jahren. Ich kam drauf durch die Leute, die man heute als "Godfathers der Gotenszene" bezeichnet, nämlich Fields of the nephilim und Konsorten. Fand darin auch meinen Meister und Lehrer wenn man so will. Respekt vor der Natur und allem was darin lebt, ist auch für mich der Grund gewesen mich dieser Art... nun ja, "Lebensideologie" anzuschließen. Mir gefällt vor allem, daß es dabei nicht die wie bei den meisten "Buchreligionen" übliche Erhöhung des Menschen, der sich ungeniert egomanisch, egoistisch und rücksichtslos die Welt (und anderes Leben darin) untertan machen darf, gibt. Schamanen gab es schon bei den Indianern und noch älteren Steppen- und Nomadenvölkern in Osteuropa und Asien, es ist jahrtausendealtes Wissen ähnlich der chinesischen traditionellen Medizin oder dem, was man heute Homöopathie nennt.

Was mich speziell am Schamanismus faszinierte, war und ist die Logik darin, daß jeder Mensch sich selbst heilen kann bis zu einem gewissen Grad, vor allem in Sachen "Seele und Herz" (Emotionen), wenn er seinen Geist entsprechend konzentriert, schärft und erweitert. Das was Buddhisten als Versenkung oder Meditation bezeichnen, ist übrigens nichts Anderes und stammt aus der gleichen Erfahrungskiste der oft sogar gleichen Naturvölker. Es ist der Geist, der "den Menschen" in seinem Handeln, Denken und Fühlen ausmacht, und den er nach schamanischem Glauben jederzeit erweitern, vertiefen und stärken kann, je nach Willenskraft und Disziplin nahezu grenzenlos. Dafür gibt es wiederum spezielle Übungen, eine der heftigsten geht dabei bis fast an den Rand des Todes und nur wenige geübte (ich kenne nur zwei) Schamanen schaffen sie, ohne dabei wirklich die Grenze zu übertreten; es hat etwas mit starker Konzentration, der Beherrschung des eigenen Pulses und der Atmung sowie der Einschränkung selbiger zu tun, so daß man dabei fast erstickt und in den Sekunden zwischen "Leben und Tod" dann bestimmte Nahtoderfahrungen erlebt - aber sich auch wie bei vollem Bewußtsein, sh. "trainierter geschärfter Geist", daran erinnert und aus diesen Erfahrungen heraus mit Extremsituationen im Leben, z. B. Erkrankungen oder emotionalen Krisen, besser umgehen kann.

Der ganze Hokuspokus, den viele Schamanen drumherum betreiben mit, was weiß ich, Federn auf dem Kopf oder Tiermasken und Trommelgedöns, ist allermeist tatsächlich einfach nur "Show", die aber halt für viele Menschen die als Hilfesuchende zu einem Schamanen kommen, wichtig ist. Das ist ein heute auch bestätigtes psychologisch/medizinisch bestätigtes Wissen - der Mensch braucht und liebt gewisse Rituale (besagte "Showeffekte"), die ihn zudem bei Schmerzen auch - v. a. wenn sie sehr bizarr sind oder monoton wirkende (Trance herbeiführende) Trommeltöne beinhalten - etwas ablenken. Rein psychologischer Firlefanz also wenn Du so willst, aber "wenns schee macht und niemand schadet", why not. Viele Schamanen nutzen auch in Maßen und sehr kontrolliert Drogen zur Bewußtseinserweiterung - etwas was ich immer strikt ablehn(t)e, weil es für mich in keinster Weise etwas mit "Geisteskraft" oder freier selbstbestimmter Bewußtseinserweiterung zu tun hat, wenn man sich erst die Birne zurauchen oder -kauen muß, um seinen Geist frei und offen zu "schalten". Aber das ist eine rein subjektive Meinung, das mag und darf und wird auch jeder Andere (Schamane) anders sehen. Zusatz: die Idee, daß alles was man im Leben macht, wieder zu einem zurückkommt auf irgendeine Art, ist den meisten Schamanenvölkern nicht fremd. "Achte auf Deine Worte, denn sie werden Deine Taten", so ungefähr.

Meine soziale Schicht: schlichtes kleines Arbeiterkind ohne echtes Elternhaus/mit 14 auf eigenen Beinen gestanden, das sich hocharbeitete in Sachen u. a. Journalismus im Quereinstieg, Personalführung und Lokalpolitik (Tierschutz, Umwelt, Antifaschismus). Religionen strikt ablehnend, die irgendwelche Gurus und andere "Gottheiten" haben die man blind und kritiklos anbeten soll, einzig akzeptiert wird von mir/sh. Schamanen die Anerkennung des eigenen freien starken Geistes und Willens und der "Mutter Natur" als unser aller höchste Instanz, mit der wir in Harmonie und mit Respekt vor jedem kleinsten Lebewesen darin leben müssen.
AlterkelteIm Prinzip ist jede (organisierte) Religion für Naive.
Lady Ash@ Odessa: danke für diese Zusammenfassung und für den Gänsehauteffekt bei deiner Schilderung der Herbeiführung des Nahtod-Zustandes.

@Kelte: Meine geliebte Wochenzeitung DieZeit hatte vor ein paar Wochen ein feature über eine Neuropsychologin, deren Forschungen belegt haben, dass tägliche Meditation die Empathiefähigkeit des Menschen steigert. Weil das Hirn nämlich wie der Bizeps hochtrainiert werden kann.
Naivity meets science ;-)

Zur Religion als solcher:
Meditation und Konzentration auf die eigene psychische Energie.
Respekt vor dem Leben und Liebe zur Natur.
Das ist alles toll so weit, und trifft sich mit meiner Lebensauffassung ... aber wenn es dann zum Glauben kommt ...
Im Ernst, eine Göttin anzubeten erscheint mir genauso sinnlos wie Gebete zu den monotheistischen Gottwesen der großen europäischen und /kleinasiatischen Religionen.
Ist das der Unterschied zwischen Schamanismus und Wicca (oder anderen "neuen Heiden" - hat der Schamanismus keine Götter?
PhilonHmm, es ist auf jeden Fall positiv, also von der Wirkung her, wenn man seine eigene Spiritualität erleben und erfahren darf. Es gibt allerdings ein paar zentrale Punkte die ich in Frage stelle, Punkte die das heutige Religiospektrum betreffen, wenn man die „spirituelle“ Entwicklung des Westens, sagen wir der letzten 30 Jahren in Betracht zieht.

Ich finde, dass heutzutage generell eine „naive“ Basis in der Hinsicht existiert. Die heutige Globalisierung betrifft nicht nur Wirtschaft, Finanzen, Politik, Kommunikation usw. sondern auch die Spiritualität. Der Westen besitzt eine kolossale Vielfalt an spirituellen Angebote, sei es religiöse oder esoterische, etc. Richtungen. Nicht nur das, es scheint so, dass der Westen die meisten Gurus besitzt bzw. Profis die „Importe“ verändern bzw. perfektioniert haben.

Für mich steht die Frage im Mittelpunkt: muss es sein? Hätten wir den Lebensstandard eines Afrikaners oder würden wir immer noch in einer Welt leben, wie vor 200 Jahren…was dann? Hängen meine Spiritualität bzw. meine Erlebnisse vom spirituellen Angebot ab? Also nach dem Motto, je mehr wir in den „Regalen“ finden können, umso besser für uns, da wir Individuen sind und gerade deswegen in der Lage sind, etwas nach Maß, wie einen Anzug, für uns anzufertigen?

Ich finde, der Westen ist naiv, ja. Uns geht gut, sozusagen, wir sind die verwöhnten Kinder dieser Erde, egal in welchem Bereich. Und es wäre total naiv m.E. wenn jemand behaupten würde, dass die Notwendigkeit nach dem „Exotischen“ dadurch entstanden ist, weil das hiesige Angebot dürftig sei. Meinen spirituellen Weg zu finden ist m.E. nicht vom Angebot abhängig – Ohh Buddhismus, wie geil, das ist was für mich…oder neee…Shamanismus finde ich genau richtig für mich….ehmm hallo?

Ich habe Spiritualität erlebt innerhalb eine Pflegeheims, wenn ich die Lebensgeschichte eines alten Mannes höre über die Kriegsjahren usw. Ich erlebe Spiritualität bei diversen Wegen und Situationen. Ich suche meinen Weg, indem ich meine eigene Spiritualität wie einen Garten pflege. Ich meine, was hat eigentlich Buddha gemacht? Er hat nicht den bequemen Weg genommen, nach dem Motto: oh ich wähle diese oder jene Richtung…er hat sich mit dem Leiden befasst, er ist eins mit dem Leiden geworden, damit er es erleben und nachvollziehen kann. Wer macht das noch heutzutage? Wir meiden alles was negativ ist. Wir predigen, dass wir anders als die Anderen sind und dennoch verhalten wir uns genauso hedonistisch.

Und was machen wir heute? Wir sagen: oh dies oder jenes ist gut…ab Morgen fange ich damit an…dann suchen wir nach Gleichgesinnten, gründen Vereine, Veranstaltungen
, verteilen Reifengrade, stufe 1 bis 10 (Megameister) etc. Also für mich ist dies wie eine Supermarkt der Spiritualität und der Religionen. Jeden Tag kommt ein neuer Guru, der zufälligerweise, eine längst vergessene Inka-Schamanistische Richtung von einem seltenen Naturvolk übernommen hat. Wir machen es uns bequem, auch in diesem Bereich, und das ist in meinen Augen nicht nur Naiv sondern wir betrügen uns selbst.

Denn wenn es anderes gewesen wäre, was passiert dann mit den Menschen, die in einem abegelegen Ort in Sibirien, Nepal, Afrika, etc. leben? Sie haben nicht die Regale voll mit spirituellen Produkte. Manche haben garnichts, sie kämpfen ums nackte Überleben. Will mir jemand erzählen, dass sie religiös bzw. spirituell leer sind???

Wir sind viel zu viel verwöhnt!
OdessaPhilon, ich denke im Prinzip wie Du - ich könnte mich wechselweise schwarz ärgern oder amüsieren über Leute, denen für meine Verhältnisse, also blicke ich auf mein Leben und was darin alles vorfiel, die sprichwörtliche Sonne aus dem Bobbes scheint: Leute die kerngesund ohne körperliche Behinderungen und schmerhafte (im Wortsinne) Lebenseinschränkungen hieraus sind, Leute die einen Lebensweg hatten ohne Gewalt, Terror und Todesangst, Leute die finanziell keine Existenz/Überlebensnöte kennen, Leute die weder Krieg noch Hunger kennen, Leute die 5.000 Euro auf dem Sparbuch und ein festes Gehalt haben, Leute die ein bis drei mal im Jahr Urlaubsreisen vornehmen - und die dabei überflußgelangweilt all diesen Reichtum gar nicht erkennen können. Die, während sie mit ihren 699-Euro-smartphones in der Hand im angesagten Stammclub der "City" bei einem 18-Euro-Cocktail sitzen, zu ihrem Barmixer sowas sagen wie "Irgendwie ist mir so leer innerlich, das kann doch nicht alles im Leben gewesen sein...wenn ich nur wüßte wie ich meinem Leben Sinn könnte". Den vor ihnen am Straßenrand sitzenden Obdachlosen, der keine Zeit für solche Sinnfragen hat sondern nur Angst, ob es wieder zu regnen anfängt und ihm dabei sein Karton, der sein Bett ist, durchweicht, sehen sie dabei nicht. Und statt einfach ins nächste Kinder-, Alten-, Pflege- oder Tierheim zu gehen, um zu sehen was sie alles tun könnten an SinnHAFTEM wenn sie nur bereit wären, ein bißchen ihrer Freizeit statt mit egomanischen Nabelschauen für Andere zu opfern - durchstöbern sie das esoterische Supermarktregal und stellen sich ihr "Sortiment" zusammen. Was mich selbst nun am Schamanismus faszinierte - wie gesagt schon zu Zeiten als man hier noch nicht mal das Wort kannte - war, daß es das war was ich selbst schon längst lebte ohne es "betitelt" zu haben. Der Schamanismus ist imho auch keine Religion, sondern eine Art Heilkunde die den Fokus auf das legt, was die moderne Medizin Aktivierung der Selbstheilungskräfte nennt sowie die positive Wirkung von Konzentration und Meditation. Oder was Neurologen und Hirnforscher betreiben, wenn sie von Gehirnjogging und ähnlichem reden und entsprechendes Training, vielfach übrigens sehr ähnlich schamanischen Übungen, für Jedermann vorschlagen um geistig fit und rege bis ins Alter zu bleiben. Es ist nicht mehr und nicht weniger, also ich "praktiziere" ihn nicht der Art wie es Andere machen. Ich habe nur vor langen Jahren eine Menge Wissen daraus "mitgenommen" und Erkenntnisse für mich, die ich als Ergänzung oder sozusagen "letzten Mosaikstein" empfand zu all dem, was ich für mich schon als richtigen Lebensweg davor gelebt hatte.


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Ich habe Spiritualität erlebt innerhalb eine Pflegeheims, wenn ich die Lebensgeschichte eines alten Mannes höre über die Kriegsjahren usw.
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Danke für diesen Satz. Ich habe ihn auf einem anderen Forum ähnlich gepostet: "Ich sehe Gott, Buddha oder das Spaghettimonster immer dann, wenn mir eine Frau mit einem Baby im Kinderwagen begegnet und sie es anblickt mit diesem Blick, in dem so viel Hoffnung und Liebe liegt daß man den ganzen Planeten retten könnte damit, oder wenn ich einen unserer Tierheimärzte nach zwei Stunden Operation leise lächeln sehe, weil er einen angefahrenen Fuchs doch noch retten konnte".


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Wer macht das noch heutzutage? Wir meiden alles was negativ ist.
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Würde ich so nicht unbedingt sagen, auch wenn Du für große Teile der Menschheit ins Schwarze triffst. Würde es sonst sowas wie Kindsmißbrauch, Zwangs-Prostitution, Sklavenarbeit, Kriege etc. geben? Würde sonst jemand immer noch Fleisch im Supermarkt kaufen oder Eier aus Qualhaltung? Würden sonst Leute in Urlaub fliegen können in Länder, in denen es an der Tagesordnung ist daß Männer seelenruhig Frauen massenvergewaltigen und danach totprügeln, oder wo man die eigenen Kinder ans nächste Bordell verkauft damit man für drei Tage Reis zum Essen hat? Aber es gibt auch die andere Seite, Philon: es gibt sehr viele Menschen, die z. B. ehrenamtlich tätig sind genau da, wo das Leid ist. Die seit Jahrzehnten keinen Urlaub mehr hatten und keinen Tag frei, weil sie immer im Einsatz sind für Andere in Not. Wenn solche Menschen sich aus buddhistischen, schamanischen oder wicca-nischen Lehren bedienen, um mit den sie oft ihr Leben lang traumatisch verfolgenden Erlebnissen klarzukommen - wer dürfte ihnen das verdenken?


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Wir sagen: oh dies oder jenes ist gut…ab Morgen fange ich damit an…dann suchen wir nach Gleichgesinnten, gründen Vereine, Veranstaltungen, verteilen Reifengrade, stufe 1 bis 10 (Megameister) etc.
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Sowas in "Vereinen" zu leben - wie bizarr ist das denn? Wie kann die ureigene persönliche Empfindung und Entwicklung etwas sein, das man in Vereinssatzungen oder "Stufen", die ein Anderer zu bewerten hätte, einteilt?


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Wir machen es uns bequem, auch in diesem Bereich, und das ist in meinen Augen nicht nur Naiv sondern wir betrügen uns selbst.
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Auch da würde ich diesen Leuten nicht zwangsweise unterstellen, daß sie es aus Profitgier oder "Mode" machen. Vielleicht entdeckt userIn X wirklich erst mit 25 oder 36 Jahren, daß sein/ihr persönlicher Weg der des Satanismus oder der Lichtanbeter ist und ist ehrlich davon überzeugt?


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was passiert dann mit den Menschen, die in einem abegelegen Ort in Sibirien, Nepal, Afrika, etc. leben? Sie haben nicht die Regale voll mit spirituellen Produkte. Manche haben garnichts, sie kämpfen ums nackte Überleben. Will mir jemand erzählen, dass sie religiös bzw. spirituell leer sind???
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Wer sagt daß diese Menschen spirituell leer sind? So eine anmaßende Unverschämtheit fiele hoffentlich niemand ein. Andererseits finde ich den Umkehrschluß auch nicht korrekt, nach dem Menschen die nicht täglich ums Überleben kämpfen müssen automatisch unfähig wären zu spiritueller Tiefe.


Was das mit dem verwöhnt sein angeht, sei die persönliche Bemerkung gestattet: ich lebe seit Jahren in einem uralten feuchten kalten Hof, der nicht das Mindeste an Zivilisationsluxus aufweist das heutige Deutschländer als "Standard" empfinden. Meine Küche besteht aus einem 25 Jahre alten Gasherd sowie einem Kühlschrank. Das Bad ist aus 1943, aber es hat Badewanne, Waschbecken und ein Klo mit Wasserspülung und damit mehr als viele Andere in vergleichbar alten Höfen in den Bergen der Schweiz oder Schottlands haben. Alle Möbel sind vom Flohmarkt, Sperrmüll oder auf ebay für maximal 15 Euro "geschossen". Kleider, von zwei Ausnahmen abgesehen, genauso. Seit zwei Wochen kämpfen wir gegen die Folgen von wieder mal Hochwasserfluten aufgrund Dauerregens und mit jedem neuen Regentropfen - es regnet hier täglich - kann uns die Bude immer noch unterm Hintern zusammenkrachen. Wir beziehen unser Wasser aus eigenen Brunnen, sind also nicht an das öffentliche Wassernetz angeschlossen und was heißt, daß wir oft tagelang sandtrübes Wasser haben wenn es viel geregnet hat, und wir dann woanders duschen gehen müssen (Schwimmbad) und ich die Wäsche mit abgekochtem Wasser (Kochtöpfe auf Herd) in der Badewanne per Hand schrubbe. Wir heizen noch nicht mal bei -30 Grad bei 8-9 Monaten Dauerwinter außer max. mal 2-3 Stunden in der Nacht. Wir besitzen keine Mikrowelle, Wäschetrockner, Geschirrspüler, Stereoanlage, Radio (bis auf das im Auto) oder smartphone. Ich persönlich bin dabei schon glücklich, wenn es mal eine ganze Woche gibt wo wir nicht entweder im Dauerregen absaufen, im meterhohen Schnee ersticken, eines unserer Tiere schwerkrank wird oder stirbt und wir selbst keine - weiteren - Unfälle oder Krankheiten erleben. Aber ich weiß, daß sogar ich im Vergleich zu einigen Milliarden Anderer im reinsten Luxus lebe, denn:

- ich habe keinen Krieg in meinem Land, keine Bomben und Raketen fallen
- ich muß nicht hungern
- ich laufe nicht nackt sondern habe Kleidung und Schuhe
- ich habe sogar ein altes Auto (Leihgabe der Schwiegereltern), ohne das wir hier in den Bergen auf dem Land noch nicht mal zum Bahnhof kämen
- ich habe einen Rechner und einen 386er-DSL-Zugang
- ich habe ein Krankenhaus in der Nähe und wenn mein Magengeschwür aufplatzt, mein Herz wieder mal schlappmacht oder der Krebs mich wieder besucht, bin ich in 3-10 Minuten in einem Operationssaal
- ich habe ein Dach über dem Kopf und auch wenn es naß, kalt und einsturzgefährdet ist: es IST ein Dach und es sind vier Wände, wo Andere nicht mal eine Zeltplane haben
- ich habe vor allem den besten Mann der Welt an meiner Seite, der durch all das mit mir geht und es auch täte, wenn ich nichts mehr hätte außer nur das "nackte" Leben, und ich habe sehr sehr wenige aber dafür auch die loyalsten und hilfsbereitesten anständigsten Freunde an meiner Seite. Luxus, der einzige der wirklich zählt weil er nicht zu kaufen ist und auch nicht durch "Glauben" oder sich irgendwie spirituell erworben habende "Guthaben-Punkte" auf einer Guru- oder Sektenliste erworben werden kann.

Wenn man sich das nur immer wieder vor Augen hält, wird schnell klar daß wir hier Alle "verwöhnt" sind. Mir ist das jeden Tag bewußt, sei versichert. Trotzdem aber gönne ich mir zu dem zu stehen was sich für mich über lange Jahrzehnte als hilfreich bewährte - die Natur und ihre Lehren. Ich wünsche Dir einen schönen Tag, alter Grieche - yours Helena ;)
OdessaLady, zu Deiner Frage: doch, der Schamanismus kennt auch Götter, und das ist der Teil des Schamanentums wo ich mich selbst auch immer hart tat bzw. es für mich kritisch sah. Für mich ist die Natur eine Art "Mutter", die Macht über mir und uns Allen, aber es gibt darin für mich nicht ein oder mehrere "Gottwesen". Jedoch glaube auch ich daran, daß es für jeden Menschen (so er offen dafür ist und sich darauf einläßt) ein Tier als eine Art "Ergänzung" gibt, die Anima in uns, ich kann es nicht besser in Deutsch erklären. Dieses Tier kannst Du erkennen wenn es Dir wieder und wieder im Traum begegnet oder Du eine ganz extreme emotionale Regung empfindest, stehst Du einem davon (einem Bären, einem Wolf, einem Biber, einer Gazelle, egal) gegenüber und fühlst Dich als würdest Du... ja, den Herzschlag dieses Wesens spüren wie Deinen eigenen. Jeden Schmerz den es hat selbst "fühlen".. klingt blöd aber so ist es halt.... eine Verbundenheit, die Du spürst so stark daß es fast schon wehtut oder Dich regelrecht "von den Socken" haut. Eine sehr gute Erklärung gibt dazu tatsächlich mal ein wirklich fundierter, gut recherchierter Wikipedia-Artikel, guckst Du: [url]http://de.wikipedia.org/wiki/Schamanismus[/url]

Auszüge daraus die Dir vielleicht weiterhelfen können, es für Dich besser einzuordnen oder Dir eine Meinung darüber zu bilden:

"Der Schamanismus wird wegen der Schwierigkeit, ihn klar gegen Religion abzugrenzen, häufig phänomenologisch und anthropologisch als Auftreten „von Schamanen im Rahmen eines komplexen Systems von Glaubensvorstellungen“ definiert. Diesem kleinsten gemeinsamen Nenner können sich alle kontroversen Forschungsmeinungen anschließen. Im Allgemeinen wird der Schamanismus als die älteste nachweisliche Form religiösen Denkens beim Menschen bezeichnet. Der Schamanismus ist seit der frankokantabrischen Höhlenkunst des Aurignacien im Jungpaläolithikum relativ sicher nachweisbar, also vor etwa 30.000 Jahren. Er ist weltweit präsent, wobei Begräbniskulte - wie es sie schon bei den Neandertalern gab etwa in den Höhlen von Qafzeh und Skhul in Israel vor 90.000 - 120.000 Jahren - auf ein noch viel höheres Alter hinweisen. Religiöses Erleben, das mit der Entstehung des menschlichen Bewusstseins verbunden zu sein scheint, begann vermutlich beim Homo erectus vor 500.000 Jahren."

"Schamanen sind Menschen, die sich mit Hilfe von Ekstasetechniken auf transzendenten Wegen in metaphysische Regionen begeben, um dort für ihr gesellschaftliches Umfeld bestimmte nützliche Ziele zu erreichen. Sie sind KEINE (!) Priester (= Meister, Gurus etc.), die in systematisierten Religionen eine hierarchisch definierte Mittlerposition zwischen Gläubigen und Gottheit einnehmen und Machtansprüche des religiösen Apparates ausüben. (..) Das klassische am sibirischen Schamanen orientierte Vollbild ist nicht überall gegeben. Vielmehr bestehen weltweit zahlreiche interkulturelle Varianten des Schamanismus und der Schamanen, so dass sich ein doktrinäres Vorgehen bei der Interpretation verbietet."

"Ausschlaggebend für das Verständnis von Schamanen und Schamanismus war zunächst der sibirische Schamanismus. Er galt früher in der Forschung als Vorbild für ein weltweites Religionsphänomen. Er gilt jedoch nur noch als ethnischer Spezialfall, da er zahlreiche Entwicklungen durchgemacht hat, Varianten aufweist (v. a. in Richtung Osten und Innerasien, wo die Ureinwohner Sibiriens ursprünglich herkamen) und [b]insbesondere buddhistische, später auch christliche Einflüsse[/b] aufgenommen hat. Weitaus ältere Formen sind zum Beispiel der Schamanismus der Aborigines oder der San. Auch Aleuten, Eskimos und Indianer zeigen vielfach ein älteres Bild (des Schamanentums). Derartige Einflüsse finden (..) auch im Hinduismus, Daoismus, Schintoismus, Zoroastrismus oder Buddhismus, die durch den Schamanismus besonders massiv beeinflusst wurden (..) Die buddhistische Religion und die ostasiatischen Königreiche haben mit dem lokalen Schamanismus koexistiert und ihn ideologisch inspiriert."

"Die für eine Gesamtsicht unerlässlichen neurophysiologischen und neuropsychologischen Grundlagen von Trance/Ekstase, Besessenheit und Schamanismus sind im 3. Kapitel der »Trance als multisensuelle Kreativitätstechnik« der Giebichsteiner Vorlesungen von Jürgen W. Kremer erläutert. Insgesamt sind diese als ASC (Altered State of Consciousness) bezeichneten Vorgänge hochkomplex und interferieren heftig mit dem Leib-Seele-Problem. Entscheidend vor allem bei der Trance sind offenbar neurophysiologische Vorgänge im präfrontalen Kortex, wie entsprechende SPECT-Untersuchungen an meditierenden buddhistischen Mönchen und Nonnen nachwiesen. Giselher Guttmann beschreibt die Überraschung der Ethnologin Felicitas Goodman, als ihr auffiel, dass auf vielen prähistorischen Darstellungen dieselben Körperhaltungen zu finden sind, wie sie Naturvölker einnehmen wenn sie jene Veränderung der Bewusstseinslage herbeiführen wollen, die mit Trance bezeichnet und durch rhythmisches Rasseln mit einer Frequenz von 200 bis 210 Schlägen pro Minute erzielt wird. Bei solchen Trancen steigt das zerebrale Grundpotential um einige Millivolt an und es zeigen sich phasenhaft langsame Wellen im EEG, die sonst nur im mitteltiefen Schlafzustand auftreten. Diese Theta-Phasen korrelierten mit besonders intensiven Tranceerlebnissen. Der Weg zur Trance führt über zahlreiche Meditationstechniken. Diese reichen von einfachen Atemübungen über monotone Bewegungen und die Konzentration auf ein Objekt, wie sie bei der Hypnose üblich ist, bis hin zu asketischen und qualvoll unlustbetonten Manövern, wie sie manche nordamerikanischen Indianerstämme etwa beim Sonnentanz praktizieren."

Elementarschamanismus, der mir am nächsten ist von der Ideologie her und ohne daß ich selbst mich "rühmen" dürfte, es auch nur geschafft zu haben bei uns das Hochwasser wegzuzaubern *g*: "Der Schamane wird von Tiergeistern berufen und ist vor allem für den Jagderfolg zuständig, wirkt aber auch als Medizinmann und überwacht den Fortpflanzungserfolg der Gruppe. Seine Funktion ist die [b]Fürsorge für die Seelen von Tier und Mensch[/b]. Dabei benutzt er vorwiegend durch Konzentration/Meditation/Trance ausgelöste Ekstasetechniken, um als Mittler zwischen Diesseits und numinoser Sphäre in die Jenseitsreise eintreten zu können, die seine Freiseele unternimmt um dort korrigierend und helfend auf Störungen im Diesseits einzuwirken. Das Ritual ist wenig ausgeprägt, und Drogen, Kostüme oder spezielle Hilfsmittel kommen kaum oder nur sporadisch in einfacher Form vor. Zu den Aufgaben eines Schamanen gehören vor allem Krankenheilung mitunter einschließlich Geburtshilfe, Rituale um Tod und Sterben, Abwehr „böser Geister“, Wettervorhersage, Finden von Jagdwild, Weissagung, Traumdeutung, soziale Regulierung und der Umgang mit geistig gestörten Menschen. Des Weiteren fungiert der Schamane als Lehrer in einigen Lebensbereichen, die das soziale Umfeld direkt betreffen. Ebenso fungiert er als Erzähler, Sänger und Dichter und nimmt für die Gemeinschaft die Rolle des Bewahrers von Wissen ein. Der Status des Schamanen war hoch, ohne dass der Schamane einen persönlichen Nutzen daraus zog oder besondere Privilegien genoss. Politischen Einfluss hatten Schamanen kaum. Sie waren „nicht von dieser Welt“. Gleichzeitig wurde von ihnen hohe Opferbereitschaft, Selbstlosigkeit und Selbstdisziplin verlangt."
Philon[QUOTE][i]Original geschrieben von Odessa [/i]
[B]........ [/B][/QUOTE]
Ha, ha, wieso meldest du dich, wenn ich hier meckern möchte? Ich meckere über diejenigen, die auf der Skala 3-6 zu finden sind, und da meldet sich der 1er Kandidant zum Wort !

Ach, Odessa, ich liebe dich Helena, deine Sätze sind immer ein Balsam für meine Seele!

Was deinen Post betrifft, da bin ich voll deiner Meinung. Mir geht es nie um die Ausnahmen. Wie du sagtest, es gibt sie, die Helfer, die Retter, diejenigen, die für das Gute in der Welt kämpfen. Die würde ich niemals anprangern. Mir geht es genau um diejenigen, die du in deinem ersten faszinierenden Satz beschrieben hast. Denn mir ist klar, wir leben in anderen Zeiten. Ich würde niemals behaupten, dass man die Augen für das Neue verschließen sollte. Es steckt nicht NUR Negatives in einer neuen Richtung. Mir dreht sich genau um diese Mehrheit, die heutigen Hedonisten sozusagen, die immer dem bequemen Weg nachgehen...Hauptsache Lust und Vergnügen...mir soll es gut gehen...weit fern von Sorgen, Leid, etc. Die, die einfach von Regal zu Regal laufen, die meinte ich.

Und übrigens, wir sind nicht mehr im alten Griechenland, insofern darfst du mich auch per du (nicht Du) ansprechen! Kuss!
OdessaAch Philon... ich hab mich gemeldet weil ich mich 1. total freute, Dich wieder zu lesen und ich ja 2. immer noch eines dieser Schafe bin (hier), das die Hoffnung nie aufgab daß man sich in einem thread einfach nur auch ganz nett austauscht im Sinne von DIALOG-Kommunikation statt der üblichen Disserei oder "ich antworte nur user X weil ich den/die mag / ich schreibe nur noch was hier um meine Aggros wo loszuwerden". Ich weiß daß Du nicht mich meintest, aber ich stimmte Deinem Posting in fast allem zu und habe vieles darin nur noch ergänzen bzw. weiter ausführen wollen ;-)
AlterkelteNaja, ich denke, dass es Gott grundsätzlich egal sein kann, wer an ihn (sie) glaubt oder warum.
Denn dann wäre Gott allzu menschlich, wenn er/sie über Eitelkeit funktionieren würde.
Insofern sind ihm/ihr die Konfessionen und auch der Atheismus (Antikonfession) wurscht. Er/sie hat seine/ihre Aufgaben und ist an Regeln gebunden, nehme ich mal an und ob jemand an ihn/sie glaubt ist für seine/ihre Aufgabe unerheblich.
OdessaGuter Punkt, das mit der Eitelkeit. Es gab ja mal durchaus eine Zeit, in der ich an so etwas wie Gott glaubte (in der schon erwähnten "eingeschränkten" Form). Aber weißt Du was ich halt nie auf die Reihe bekam: genau das mit der Eitelkeit. Ich mein wenn ich Gott wäre - ich würde drauf was geben ob mir wer "anbetet" oder nicht, und würde einfach das tun mit meiner Schöpfung was ich für richtig erachte; aber alle Götter *in dieser Fiktion mal deren Vorhandensein vorausgesetzt* in den vor allem monotheistischen Religionen haben doch sofort einen Kult um sich herum aufbauen lassen: opfert mir, betet mich an, gehorcht nur mir, ich bin Euer Föhrrer sozusagen und wer was anderes sagt muß entweder umgebracht werden von Euch oder ich richte ihn selbst, jetzt oder später in der Hölle. Wenn aber Gott/Götter nicht eitel wären - dann wären all diese Religionen mit ihren "Nur DUUU bist DER einzig wahre Gott und Dir liegen wir zu Füßen"-Gesetzen doch gar nicht erst entstanden....?

Wäre ich Gott, würde ich zudem sowas wie Krankheiten, Kriege, Verbrechen etc. gar nicht zulassen. Ich wäre ein arschlangweiliger Pazifistengott, dessen Welt eine plüschige Kugel wäre worin sich alle Tiere und Menschen verstehen und lieben würden, und jeder würde jeden einfach nur leben lassen wie er möchte und alle würden sich freuen darüber, daß jeden Tag die Sonne scheint. Regnen würde es nur in sehr gepflegten Maßen, gerade so daß es ausreicht damit überall genug wachsen kann, und Schnee gäbs nur dort wo ihn sich die Leute - von mir - per quasi Volksabstimmung wünschen würden. Es würde Kartoffelbreiwolken haben und Schokopudding-Seen für Kinder (naja und ich selbst würd auch ab und an mal kosten davon) und wenns ans Sterben ginge, wäre das ein Prozeß der ganz schnell und schmerzlos Jeden ereilt, Mensch wie Tier - und immer nur dann, wenn Derjenige umgeben ist von seinen Lieben und Abschied noch nehmen kann in Frieden, und wenige Sekunden später einfach nur einschläft.

Wieso aber macht keiner dieser Götter sowas? Wieso all die Qualen, das Leid, das Elend, die Mörder, die Sadisten, die Kriegstreiber, die Charakterschweine, die Feiglinge, die Terroristen, die Nazis, die Linksfaschos, die Kinderschänder, Frauenhasser, Tierquäler... as said, wäre ich Gott, wäre es mir doch ein Leichtes diesen Planeten zum Garden Eden zu verwandeln mit nur einem Fingerschnippen, und dafür bräuchte mir auch niemand "Opfer" bringen, dämliche Altäre bauen oder mich gar "anbeten" - es wäre doch nur mein verdammter selbstverständlicher Job daß ich dafür Sorge trage, daß es meiner Schöpfung GUT geht....?!?


PS: wenn irgendwer weiß wo Elementarsatz abgeblieben ist - er fehlt schon arg in solchen Diskussionen, ich vermiss ihn immer noch.
Alterkelte[QUOTE][i]Original geschrieben von Odessa [/i]
[B]...
Wäre ich Gott, würde ich zudem sowas wie Krankheiten, Kriege, Verbrechen etc. gar nicht zulassen. Ich wäre ein arschlangweiliger Pazifistengott, dessen Welt eine plüschige Kugel wäre worin sich alle Tiere und Menschen verstehen und lieben würden, und jeder würde jeden einfach nur leben lassen wie er möchte und alle würden sich freuen darüber, daß jeden Tag die Sonne scheint. Regnen würde es nur in sehr gepflegten Maßen, gerade so daß es ausreicht damit überall genug wachsen kann, und Schnee gäbs nur dort wo ihn sich die Leute - von mir - ...

Wieso aber macht keiner dieser Götter sowas? Wieso all die Qualen, das Leid, das Elend, die Mörder, die Sadisten, die Kriegstreiber, die Charakterschweine, die Feiglinge, die Terroristen, die Nazis, die Linksfaschos, die Kinderschänder, Frauenhasser, Tierquäler... as said, wäre ich Gott, wäre es mir doch ein Leichtes diesen Planeten zum Garden Eden zu verwandeln mit nur einem Fingerschnippen, und dafür bräuchte mir auch niemand "Opfer" bringen, dämliche Altäre bauen oder mich gar "anbeten" - es wäre doch nur mein verdammter selbstverständlicher Job daß ich dafür Sorge trage, daß es meiner Schöpfung GUT geht....?!?


.../B][/QUOTE]

Zunächst einmal geht es um den freien Willen und die Schäfchen müssen all die langweiligen und schönen Dinge auch pro aktiv wollen!
Ausserdem ist Gott kein Mister Niceguy. Wenn die Menschen Krieg wollen, kriegen sie ihn halt.
Ausserdem neigt der Mensch zu Bequemlichkeit und er lernt nur, wenn er ab und zu eins auf die Mütze kriegt. Gott ist nicht der FC Bayern, der gewisse positive Ereignisse nur verwaltet.
Lady AshDie Notwendigkeit der Theodizee ...

Gott ist entweder nicht gut, oder nicht allmächtig.

Ich weiß nicht, ob der Gedanke wirklich dort wurzelt (vermutl nicht), aber ich habe ihn in Blochs "Atheismus im Christentum" (--> ein phantastisches Buch) kennengelernt.
Lady AshJjjeein ...

ich denke schon, dass sich der Planet entwickelt und dass es nicht alles so schlecht ist, wie wir gewohnheitsmäßig denken.

Fakt ist, in Westeuropa leben wir verdammt lange ohne Krieg zwischen den Nationen. Fakt ist, die Lebenserwartung ist in den letzten 30 Jahren um 10 Jahre gestiegen. Das Ozonloch verschwindet. Das Ruhrgebiet wird grünlich ;-)
Die Hungersnöte sind weniger geworden, ... und, und und.

Aber es dauert so sehr lange und jeder Fortschritt könnte so schnell zu einem Rückschlag geraten. Und während des langsamen Fortschrittes sterben noch immer Menschen an der falschen Religion, Rasse oder der schlichten Gier von anderen. Es ist ihnen dabei gewiss egal, dass GLOBAL gesehen weniger Menschen ihr Schicksal erleiden müssen als vor 30, 130 oder 1300 Jahren.

Es ging der Menschheit noch nie wirklich gut.
Allerdings ging es ihr noch nie so gut wie heute.
OdessaDu hast absolut Recht, es ist unbestreitbar für uns im Westen wirklich viel besser geworden und wir haben keinen Krieg mehr im eigenen Land. Wir führen aber auch heute somehow Krieg, nur nicht mehr mit Waffen sondern mit Geld, Rettungsschirmen, Nato-Beschlüssen und EU-Regeln. Schau nur die zunehmenden politischen Unruhen und über Jahrzehnte geführten Kriege in den meisten anderen Ecken der Erde an. Die Ausbeutung der Natur steigt ins Grenzenlose, Stichwort China-USA-Rußland und deren rücksichtslose Jagd nach den letzten Bodenschätzen/Ressourcen. Jährlich verkommen weltweit Flächen in der Größe Deutschlands zu unbewohnbaren Steppen und Salzwüsten durch Eingriffe in die Natur. Und Kinderarbeit, Lohndumping ("Billignäher"), Kinderprostitution, täglich über ich glaube 200? aussterbende Tier- und Pflanzenarten (ganze 3.000 Tiger gibt es nur noch weltweit freilebend) und die Abrodung von Regenwäldern in der Größe halb Hessens (dadurch zunehmend verheerendere Unwetter weltweit) gibt es immer noch und da ist, wie auch in Sachen Abschmelzen der Gletscher/Pole, leider keine Besserung in Aussicht. Wie Du richtig sagtest - ganz klar geht es einzelnen Nationen wirklich sehr viel besser in unserem Jahrhundert und ich bin persönlich verdammt froh darum, daß ich in dem Teil der Erde leben darf dem es so gut geht. Aber ich sehe daß es uns so gut geht auf Kosten Anderer, vor allem der Natur.

edit/PS: vielleicht daher auch die Zunahme - on topic - der Anhänger von Naturreligionen... weil die Menschen verzweifelt einen Halt suchen in etwas was sie "sehen, fühlen, hören" können: die Erde, die Luft, die Sonne, das Wasser das sie trinken, den Regen der ihre Felder bewässert - all das erscheint ja auch mir wesentlich logischer und nachvollziehbarer als das Anbeten eines monotheistischen Gottes in "Menschengestalt".
Lady Ashagreed:
Die Ausbeutung der Natur ist ein Novum in dieser Gleichung, denn das gab es noch nie. Nicht aus hehrer Gesinnung, möchte ich hinzufügen, sondern einfach weil es technisch nicht machbar war ...
ALLERDINGS wird hierzulande dagegen angekämpft. Wenn du z.B. das Industriegebiet an der Ruhr betrachtest ... das war vor 60 Jahren noch so kaputt, dass Willy Brandt für einen ungeplanten Lacher (auch in Reihen der SPD) sorgte, als er "einen blauen Himmel über Dortmund" versprach.

Was wiederum nicht die schmelzenden Polkappen beeindruckt. Also, ja, die Ausbeutung der Natur ist neu und negativ.
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Aber ... die Anzahl der Kriege nimmt ab, die Anzahl der toten Soldaten pro Nation und Jahrhundert schrumpft. In den "fernen Ecken und Winkeln der Welt" geht es den Menschen nicht besser, das ist richtig und entsetzlich (auch wenn ich hier etwas die advocata diaboli spiele) ... aber geht es ihnen wirklich viel schlechter?
Denn Sklaverei, Armut, (Kinder)-Prostitution, Hunger, Krieg und Folter ... all das sind KEINE neuen Errungenschaften der menschlichen Gesellschaft.
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Mir war wochenlang schlecht nach dieser miesen Gleichung: Dass sich die globale Situation verbessert, weil es messbare Verbesserungen auf der einen bei gleichbleibendem Elend auf der anderen Seite gibt.
Ich finde diese Aussage wirklich selber entsetzlich zynisch, aber ich befürchte, dass sie der Wahrheit nahekommt.
DarkHeartDie einzige Schamanin, die ich kennenlernte,es
war in einem Autismus Forum und da erzählte sie sehr viel über ihren autistischen Sohn und einer weissen Wand. Auf Fragen von mir, was die weisse bedeutet, habe ich nie Antwort bekommen. An einen Hexenkreis bin ich durch ein Esoterik Forum gekommen, war da aber nur kurz, die mochten mich nicht und flippten fast aus, zerpflückten mich, als ich eine Quellenangabe zu einem Tee angab, der bei Zahnschmerzen hilft.

Ich mag die Esoteriker, die um mich IRL herumschwirren, durch die habe ich magisches Denken kennengelernt¨, das was ich vorher nie glauben wollte. Ich muss es halt erst selbst sehen!

(Mit denen kann ich auch besser die Tyrannen über mir wohnen besser ertragen, gerade wieder nen "Wodoo" Tritt gegen einen Möbelteil vernommen)
Alterkelte[QUOTE][i]Original geschrieben von Odessa [/i]
[B]......on topic - der Anhänger von Naturreligionen... weil die Menschen verzweifelt einen Halt suchen in etwas was sie "sehen, fühlen, hören" können: die Erde, die Luft, die Sonne, das Wasser das sie trinken, den Regen der ihre Felder bewässert - all das erscheint ja auch mir wesentlich logischer und nachvollziehbarer als das Anbeten eines monotheistischen Gottes in "Menschengestalt". [/B][/QUOTE]

Monotheist bin ich wachen Auges schon lange nicht mehr.

Muss den immer alles einen Sinn machen oder "konkret" sein??

Nun,ich kann mich an die ersen Seiten eines Magiebuches erinnern, das ich vor Jahren mal gelesen habe.......dort steht eben auch der Grundsatz der Magie, mit dem alles steht und fällt und den man begriffen haben muss, weil es sonst nicht geht.
"Magie funktioniert,weil sie nicht funktioniert"
OdessaWeiß ich, das mit Deiner Ablehnung von Religionen/"einem Gott".

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Muss den immer alles einen Sinn machen oder "konkret" sein?
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Für mich nicht, ich versuch nur Ladys Frage zu beantworten warum so viele Menschen in unseren "rationalen" Zeiten Halt in sowas wie Schamanismus, Wicca-/Neuheiden-Tum etc. suchen. Das wäre für mich eine mögliche Erklärung.

Lady: ja nicht wahr? Zynisch trifft es gut, und man steht vor allem auch so ohnmächtig und hilflos diesen Dingen gegenüber.
AlterkelteEs ist keine Ablehung des Glaubens, nur eine Ablehnung des Kollektives, indem ungeprüft von Schäfchen gewisse Lehrsätze übernommen werden oder wenn das nichts nützt wird "nachgeholfen", wenn nötig mit einer AK47. Soviel zum heiligen Kollektiv.
Aber Gott/Glaube lehne ich per se nicht ab.
Good ole Alistair hat die Welt auch nicht aus den Angeln heben wollen. Hat er die Schwerkraft aufgehoben? Nein!

Wann bitteschön war unsere Zeit denn rational?
OdessaNunja etwas rationaler zumindest in großen Teilen der Bevölkerung schon, denk ich, als noch vor wenigen Hunderten Jahren wo man Menschen verbrannte oder sonstwie qualvoll ins Jenseits beförderte nur weil sie Kräuterheilkunde betrieben oder ihnen schwarze Katzen auf der Schulter saßen ;-)

Ich finde es auch nicht unmöglich, Ratio mit Glauben zu vermischen bzw. beides je nach Situation einzusetzen, ich mag Schwarz-Weiß-Denken generell nicht (ich weiß daß Du so nicht bist, aber viele Menschen kennen leider nur entweder - oder). Ich erlebte viele Situationen, die irrational/mystisch waren und sich mit keiner Wissenschaft erklären ließen und ich möchte diese Dinge niemals missen.
AlterkelteNaja, Gott hat uns sicher nicht aufgetragen einen Fanclub zu gründen und noch einen und noch einen, um dann den Angehörigen der völlig falschen Sache eins auf die Mütze zu geben.
Oder aber es steckt ein perfider Plan dahinter, wonach der beste gewinnen möge.
Aber nachdem jeder Fanclub behauptet, der einzig wahre zu sein und eben der einzige, der seine Satzung von Gott hat, ist dies auch wieder für die Katz..........

Un weit oben über den Wolken lacht sich ein Bärtiger einen Ast....
Carndael[QUOTE][i]Original geschrieben von Odessa [/i]
[B]Wäre ich Gott, würde ich zudem sowas wie Krankheiten, Kriege, Verbrechen etc. gar nicht zulassen. Ich wäre ein arschlangweiliger Pazifistengott, dessen Welt eine plüschige Kugel wäre worin sich alle Tiere und Menschen verstehen und lieben würden, und jeder würde jeden einfach nur leben lassen wie er möchte ...

Wieso aber macht keiner dieser Götter sowas? Wieso all die Qualen, das Leid, das Elend... [/B][/QUOTE]

Weil sich diese zwei Dinge nicht vereinbaren lassen.
Gott kann nicht jeden leben lassen wie dieser will (d.h. ihm seinen eigenen Willen und die Kraft, diesen umzusetzen, geben) und gleichzeitig den Menschen seinen Willen aufdrücken.

Wieso Gott all die Qualen und das Leid zulässt... eine Frage, die schon ganz viele Leute beschäftigt hat und verzweifeln ließ (Theodizee-Problem).
M.E. ist auch dies nur mit dem eigenen Willen erklärbar in Verbindung mit so etwas wie Karma, sprich: eigener Verantwortlichkeit.

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