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  Forum: Verlassene Gärten
    Thema: ...Fragment...
mondlichtjägerinBlut quoll aus ihren Wunden und verfilzte wie schwarzes Eis in ihrem rotflammenden Haar – doch es war nicht länger ihr Blut, da es nun durch seine Adern floss. Aus seinen obsidianschwarzen Augen strömten Jahrhunderte auf sie herab, doch ihr wie in stummem Schrei weit aufgerissener Mund vermochte ihnen keine Stimme mehr zu geben. Der Schmerz verblasste zu einem leichten Beben im Rhythmus ihres ersterbenden Herzschlages. Wie lange hatte sie auf diesen Moment gewartet, wie lange ihn verfolgt und angefleht, das, was ihm bereits so lange vergönnt war, mit ihr zu teilen: Ihre zarte Schönheit vor dem nur allzu gegenwärtigen Verfall zu bewahren, ihr die Ewigkeit an seiner Seite, seine Macht über Leben und Tod und die Zeit zu schenken. Nun endlich war es soweit – bereitwillig, fast gierig schon sog sie den ersterbenden Schmerz in sich auf, kündete er doch von der Erfüllung all’ ihrer schon zu lange vergeblich gehegten Träume von unsterblicher Schönheit und Macht! Doch warum sah sie Tränen in dieser Nacht der Freude in seinen schwarzen Augen glänzen? Teilte er nicht ihre Freude darüber, ihr altes, unvollkommenes Selbst hinter sich lassen zu können und an seiner Seite schön und stark wieder zu erstehen?

Doch der ersehnte Kuss seines heißen Blutes auf ihren Lippen blieb aus.

Langsam und zärtlich ließ er sie hinab ins taufeuchte Gras gleiten und flüsterte sanft in das wachsende Schweigen in ihr: „Verzeih’ mir Geliebte... Wie könnte ich dir die Ewigkeit schenken, wenn du doch dein eigenes kleines, kostbares Leben so wenig zu lieben und zu leben verstehst? Wie könnte ich deine innere Leere durch mein Blut mit etwas füllen, was du dir selbst nicht zu geben vermagst? In meiner Liebe warst du alles, doch du wolltest mich benutzen, wolltest ich sein, da du dir nicht genügtest. Wie sollte ich dich in der Ewigkeit als seelenloses Zerrbild meiner selbst an meiner Seite achten oder auch nur ertragen? So will ich dir etwas schenken, worum du mich nie gebeten hast: Freiheit.“

Und sich von ihrem erkaltenden Leib abwendend, verschmolz er wieder mit der Nacht. Nichts blieb zurück, als die Eiskristalle seiner Tränen auf ihrer Haut und der sich in ihren ungläubig und verständnislos aufgerissenen Augen widerspiegelnde Vollmond...

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