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  Forum: Verlassene Gärten
    Thema: Tränenmeer
Madame Shiva[b]Tränenmeer[/b]

Silberglanz auf ihrer Haut
So badet sie
Im Tränenmeer
Während der Mond herniederschaut

Wellen voller Traurigkeit
Sie taucht hinein
Ins Herzeleid
Ins wohlbekannte Traurigsein
Läßt sich gleiten, läßt sich fallen
Eingehüllt von Silberschein

Leise singt sie in der Nacht
Dreht sich im Kreis
Im Tränenmeer
In allem, was sie traurig macht
Tanzt sie so leicht beschwingt daher

Ewig wird der Mond ihr scheinen
Wird die Trauer silbern färben
Voller Schönheit ist das Weinen
Niemals soll sein Glanz ersterben
Madame Shiva[b]Haut wie Schnee[/b]

Leise rauscht es durch die Nacht
Der Fluß hat etwas mitgebracht
Und sie schwimmt auf ihm
Weiß und Schön
Und Vater Mond, er kann sie seh'n
Sie schwimmt flußabwärts
Immer weiter
Mit den Schatten als Begleiter
Schlingert langsam hin zur See
Blut wie Rosen, Haut wie Schnee
Niemals wird sie wieder leiden
Nie mehr weinen, nie mehr schrei'n
Selig schwimmt sie auf den Fluten
Eingetaucht in Mondenschein
Madame Shiva[b]Abschied[/b]


Weinend steht sie auf dem Dach
Verflucht sich selbst und ihren Schmerz
Gott, was hatte sie gemacht
Wie leichtmütig brach sie ein Herz

Oh was war sie dumm gewesen
Hatte Worte ihm geschrieben
Ohne noch mal nachzulesen
Und nun war nichts mehr geblieben

Sie schaukelt langsam hin und her
Und blickt nach unten, Meter tief
Die Last des Leides drückt sie schwer,
In ihrer Hand der Abschiedsbrief

"Oh mein Stern, ich sehe ein
Ich tat Dir Unrecht ohne Gleichen
Ich könnt nie wieder glücklich sein
Müßt ich von Deiner Seite weichen

Um mir diesen Schmerz zu sparen
Und Dir weiteren zu nehmen
Beende ich nach 20 Jahren
Mit Liebestränen hier mein Leben

Ich hoffe, Du wirst glücklich werden
Mit einer andren, ohne mich
Ich wünsch Dir alles Glück auf Erden
Vergiß niemals: Ich liebe Dich"

Sie wiegt sich langsam wie ein Kind
Die Tränen trocknen im Gesicht
Sie schwankt und zittert leicht im Wind
Und kämpft nicht um ihr Gleichgewicht

Sie kippt nach vorne, läßt sich fallen
Das Leben zieht an ihr vorbei
Sie spürt den Aufschlag, hört das Knallen
Die Lippen formen einen Schrei

Den Brief hatte sie in der Hand
Die Trauer ins Gesicht geschrieben
Als man sie kurz danach tot fand
Im eignen Blut am Wegrand liegen
Madame Shiva[b]Blutrausch[/b]


Der Keller schwarz gestrichen
Dunkler noch als die Nacht vor dem Gitterfenster,
Durch das sie manchmal sehen kann
Wenn sie die Kraft hat, aufzublicken

Das Mondlicht scheint durch die Stäbe
Wird reflektiert von den Ketten, die sie halten
An ihren Armen und Beinen
Die sie kaum noch spürt

Die Stille ist unnatürlich
Kein Laut dringt in den Raum
Nur manchmal das Tropfen des Blutes
Das sich auf dem Boden verteilt.

Die Ketten schneiden sich tief in die Haut
Doch sie spürt es nicht mehr
Zu intensiv der süßliche Geschmack auf der Zunge
Der sie an nichts anderes mehr denken läßt

Den Geschmack genießend und auf den Boden blickend
Steht sie an der Wand
Ohne Schmerz, ohne Leid, ohne Furcht
Glücklich mit dem, was sie hat

Sie lächelt fast vergnügt
Freut sich, sein zu dürfen
Ist dankbar für das, was man ihr geschenkt hat
Auch wenn es nur der Geschmack des Blutes auf ihrer Zunge ist.
Madame Shiva[b]Kalte Schatten[/b]

Kaltfeuchte Nebel umhüllen mich
Und nur der Mond bescheint meinen Weg
Durch die Nacht
Haucht Ewigkeit in meine Seele
Durch das Streicheln seiner Strahlen
Die auf mich fallen
Wie leichenblasse Seide

Die Schatten der Bäume
Tanzen ihren schönsten Walzer
Nur für mich
Ich wiege mich im Takt
Die Strahlen des Mondes
Hüllen mich ein
Verwischen meine Bewegungen
Im ständigen Krieg
Mit den tanzenden Schatten.

Der Wind läßt nach
Die Schatten beenden ihren Tanz
Schließen Frieden mit den blassen
Strahlen des Mondes.
Ich lasse mich fallen
Und schließe die Augen
Spüre noch ein letztes Mal
Das kalte Licht des Mondes
Auf meiner Haut.
Madame Shiva[b]Schmerz[/b]

Wie ein leiser hauch von Wind
Schleicht sich das Gefühlt in Dich
Dass Dir bald den Atem nimmt
Wunderschön und fürchterlich

Es beherrscht Deine Gedanken
Es bewegt Dich ungebannt
Treibt Dich an, bringt Dich zum wanken
Löscht den letzten Rest Verstand

Es lässt Dich zittern, lässt Dich rennen
Lässt Dich schreien ohne Sinn
Fängt an, fürchterlich zu brennen
Irgendwo tief in Dir drin

Und Du schlägst Dich selbst zu Boden
Doch der Schmerz verdoppelt sich
Du fängst an, wie wild zu toben
Und das Blut versperrt die Sicht

Du stehst auf, versuchst zu fliehen
Doch Du knallst gegen die Wände
Wo sie rote Streifen ziehen
Die ein Zeichen sind fürs Ende

Blind und taub im Blutgefängnis
Taumelst Du vor lauter Schmerz
Der sich schleicht als Dein Verhängnis
Leise zischend in Dein Herz

Und Dein Herz beginnt zu beben
Füllt sich auf mit lauter Rot
Und der Schmerz nimmt Dir Dein Leben
Ist Begleiter in den Tod.
Madame Shiva[b]Nachtkind[/b]

Samtig weich sind ihre Wangen
Unergründlich ist ihr Blick
Wie sie da hängt, so gefangen
Und so angsterfüllt am Strick
Wunderschön sind ihre Beine
Schwarz und glänzend ist ihr Haar
Und auch Kleidung trägt sie keine
Nur ihr Körper wunderbar
Hörst Du, wie die Stimmen klingen
Die verächtlich von ihr sprechen?
Siehst Du ihre schwarzen Schwingen
Die die Menschen ihr nun brechen?
Mit Gewalt und Eisenringen
Schlagen Männer auf die Knochen
Reißen, zerren an den Schwingen
Bis die Flügel sind gebrochen
Und sie schreit aus vollen Lungen
Und sie windet sich im Seil
Das sie steinhart hält umschlungen
Und sie sieht das Henkersbeil
Der Mann blickt zu ihr nieder
Und er schwingt das Beil mit Kraft
Bricht ihr all die zarten Glieder
Und er lacht, als er's geschafft
Aus der Kehle dringt ein Schrei
Als ihr Körper leblos fällt
Und ihr Leben ist vorbei
Ausgelöscht von dieser Welt
Madame Shiva[b]Seelenhaß[/b]

Langsam läuft sie durch die Nacht
Und schimmert weiß im Sternenlicht
Ihre Kraft und ihre Macht
Wagt man zu erahnen nicht

Zerbrechlich jung, zerbrechlich zart
Schleicht sie dahin, man sieht sie kaum
Allein ihr Blick ist leer und hart
Als sie betritt des Mannes Raum

Das Messer in der zarten Hand
So steht sie da und schaut ihn an
Ein Foto hängt noch an der Wand
Ein Bild von ihr - und diesem Mann

Ihr Gesicht ist voller Schmerz
Als sie ihn dort schlafen sieht
Der Haß brennt tief in ihrem Herz
Und er merkt gar nicht, was geschieht

Sie stürzt sich auf ihn - voller Wut
Und sticht wild auf ihn ein
Schnell färbt das Bett sich rot vom Blut
Er schafft es nicht, zu schrei'n...

Als das blutrote Werk vollbracht,
Zerschlägt sie noch das Bild
Dann zieht sie wieder in die Nacht
Den Seelenhaß gestillt
Madame Shiva[b]Gedankenschleier[/b]

Schleier, weiß wie Leichentücher
Leise den Verstand umnebelnd
Die mich fest binden
An allen Gelenken
An die Abgründe meiner Gedanken

Gedanken, die andre nicht zu denken wagen
Die mir Angst machen
Die mich anziehen
Ausziehen und bloßstellen
Und mir im Spiegel mein Inneres zeigen

Ich, wie ich bin
Weil ich denke, was ich denke
Weil die Schleier mich an meine Gedanken binden
Mir die Sicht vernebeln
Und eure Sicht
Auf mich
Madame Shiva[b]Nur ein bißchen...[/b]

Ich habe Dich neulich ein bißchen angesehen
Nur eine ganz kleine Weile
Und plötzlich viel mir auf,
Daß Deine Augen so traurig geworden sind...
Deine Haut erschien mir wie weißes Pergament
Deine Augen wie ein See voller Sterne
Und ich suchte verzweifelt nach einem Lächeln in Deinem Gesicht
Nach irgend etwas, was Hoffnung ausstrahlte
Nach irgend etwas, was Lebensfreude vermitteln konnte
Nach ein bißchen Glück in Deiner Seele...

Und ich dachte ein bißchen nach
Nur eine ganz kleine Weile
Und ich überlegte, wer Dir die Freude genommen hatte
Ich überlegte, wo all Deine Träume geblieben sein könnten
Ich überlegte, warum Du Dein Lächeln verloren hast
Ich überlegte, was aus Dir geworden ist
Ich dachte darüber nach, was Du früher einmal warst
Was Du alles verloren hast...

Und ich weinte ein bichen
Nur eine ganz kleine Weile
Denn ich bin Dir viel zu ähnlich geworden...

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