| lingdark | Es war einmal ein kleiner Junge, der einsam durch die dunkle Nacht lief. Er genoss die Finsternis, den leise herab rieselnden Schnee und den leicht säuerlichen Geschmacks des billigen Weines von dem er hin und wieder einen Schluck nahm, nur um sein Gesicht darauf hin angewidert zu verziehen. Die Absätze seiner zu großen Schuhe klackten in regelmäßigen Abständen auf dem steinernen Boden. Er hatte ein wenig Zeit, genau genommen war er verabredet und viel zu früh, also lief er im Zick-Zack durch die engen Gassen und Abzweigungen, der deutlich gehobenen Mittelklasse Siedlung. Nicht wirklich wusste er wo er war, doch zumindest lief er gerne, und ankommen würde er sowieso irgendwann und wo war ihm eigentlich egal. Mit großen Augen blickte er in die großen Fenster der großen Villen die den Straßenrand säumten, gewaltig und trist in den Nachthimmel ragten. Wenn denn Mal ein anderer Mensch seinen Weg kreuzte, und dass kam sehr selten vor, sah er diesem ins Gesicht, wandte aber seinen Blick rasch wieder ab. Er schwieg die ganze Zeit, lauschte seinen Gedanken, verschloss seine Augen vor der Schönheit der Welt, vergoss sogar bitterlich Tränen, die seine kleinen Wangen hinabliefen. Irgendetwas schien ihn zu bedrücken. Schon vor einiger Zeit hatte es Klick gemacht. Die Zeit war belanglos geworden. Das Leben auch. Alles zog an ihm vorüber. Eine gewisse Taubheit hatte sich in seinem Kopf breit gemacht. Vielleicht hatte sich der kleine Körper einfach dem Druck der Welt ergeben. Doch das Gefühl schien ihm anders zu sein. Unbeschreiblich... schön. Jeder Schritt dauerte eine Ewigkeit, wenn er sich auf dessen Klang konzentrierte. Irgendwo außerhalb, irgendwie frei schien dieses Gefühl zu sein. Wieso bin ich glücklich, wenn ich unglücklich bin? Wieso ist es egal wo ich hingehe? Ein Tanz der intellektuellen Eitelkeiten. Die Sinnsuche in der Belanglosigkeit, der Sinnlosigkeit mag nicht nur arrogant erscheinen. So setze er sich dann ins Nichts um etwas zu schaffen, sich selbst halt zu geben, sich über die unerträgliche Leichtigkeit des Seins hinweg zu täuschen und schrieb ein Gedicht. Die Welt ist ein Wunder, wunderschön an sich. Doch müssen Wunder immer schön sein? Die Mannigfaltigkeit der Existenzen wertungsfrei als Wunder zu begreifen konnte der einzige Weg für ihn sein, wenn er nicht zerbrechen wollte wie ein einsamer Grashalm. Plötzlich schüttelte er den Kopf und erwachte aus seiner Träumerei, blickte auf die Uhr und stellte fest, dass es Zeit war, sich seinem Ziel etwas rascher zu nähern. Nun lief er eilig durch die Straßen und er traf immer mehr Menschen. Viele Gesichter... alt, jung. Man kann in ihnen lesen, oder nicht. Meist nur die Geschichten die von Leid und Elend handeln, wie wir alle sie erleben. Sie machen interessant, aber nicht hübsch. Hübsche Gesichter, langweilig meist, sind genauso glatt, fad und bedeutungslos wie ihre Pächter. Oder sind sie nur Masken, die, die Wirklichkeit verbergen sollen? Getragen von Menschen die sich selbst nie geliebt haben, vergessen haben wer sie sind. Vereinsamt, nie gelernt hinter die Fassaden der Welt zu schauen, oder einen Blick riskiert und gestorben. Dies dachte er und wurde wieder traurig. Doch auch er hatte einen Drahtseilakt zu vollführen, wollte er nicht der Belanglosigkeit verfallen. Der kleine Junge sprach selten und wenn er sprach, sprach er wenig. Dies hatte zwei, vielleicht drei Gründe. Zuhören wollte er lernen, nicht den großen Leuten, nein der Welt, denn sie hatte viel zu sagen, mehr als sich ein kleiner Junge vorstellen kann, mehr als die großen Leute. Sie konnte Geschichten vom Leben erzählen. Die Menschen hatten dies längst verlernt. Niemand wird je einen Ausweg aus dem Nichts finden. Diesen Gedanken dachte er häufiger als es ihm lieb war. Die traurige Reflexion war mit der Zeit zu seinem ständigen Begleiter geworden. Der Sinn wird nie gefunden werden, denn wir wurden ohne Sinn geschaffen. Eine Laune der Natur, eine Krankheit, die, die Erde befallen hat. Dies zu akzeptieren fiel ihm schwer, machte ihn krank, doch eine andere Erklärung würde ihm Niemand geben können. Keine andere Erkenntnis, keine andere Wahl wurde ihm übrig gelassen, wenn er versuchte die Welt in ihrer Gesamtheit zu sehen und zu begreifen. Doch soviel riskierte er selten, so tief in seine Gedanken glitt er fast nie herab und immer wenn er es tat, fühlte er sich verlassen, einsam und bedeutungslos. Er sah sich selbst gefangen in einem großen Zirkus mitten in der Manege. Andere Menschen wuselten um ihn, der verlassen dort stand, herum. Sie alle schienen die Suche aufgegeben und sich eingefügt zu haben. Er hasste es. Jeden Tag aufs neue, wenn er die tote Masse auf den grauen Straßen betrachtete schwor er sich anders zu werden, seinem Leben einen Sinn zu geben. Denn tot, wie viele andere Menschen war er schon, doch er hatte sein Ziel noch nicht aufgegeben. Sein Ziel war das Leben. Vielleicht ist es der einzige Sinn den das Leben hat. Das Leben zu leben... |
| lingdark | Genauso wenig werd ich Wie all die Andern Einsam glücklich Wenn sie zusammen wandern Und nicht finden den Weg Den zu gehen sie haben Um sich nicht zu stellen Den selben Fragen Die einen jeden plagen Dem Untergang geweiht Wünsch ich meine Henkersmahlzeit Doch wart Kann nicht ich selber sie bereiten Zu feige bin ich Es verstreicht die Zeit Aus mir heraus will Brechen das Ziel Wie ein Statist steh ich still Und spiel das einzige Spiel In einem Gefängnis Meine Gedanken sind wirr Das geschlossene Tor Wird zum Verhängnis Das schlimmste der Verbrechen Flucht in die Einsamkeit Der Masse Gebrechen Umhüllt in der Nacht Von finstrem Verlangen Willst nicht auch du sein Und trotzdem nicht Das Tor ist geschlossen Für immer Nur für mich Einst zu kämpfen ich schwor den Eid Ein letzter Schlag Ein letzter Stich Die Todgeweihten grüßen dich |