| Nivalis | Die dunkle Prinzessin Aus den Wogen der schwarzen See steigt sie heraus, dunkel, schön und allen anderen voraus. Schwarz leuchten ihre Augen in dieser Vollmondnacht, ihre Haare glänzen in voller, dunkler Pracht. Ihr Blick verbrennt jedes Wesen des Lichts und der Dunkelheit, sie verschont nicht einmal die jungfräuliche Maid. Die Prinzessin der Nacht ist aus ihrem tausendjährigen Schlaf erwacht. Sie hinterlässt nur Asche und kalte Herzen, ihr eisiger Hauch bringt viel Leid und Schmerzen. Sie lacht über die übrigen menschlichen Ratten und bevorzugt die Wesen der Schatten. Ihr Tron erhebt sich in einem dunklen Wald umgeben von glühend heißem Sand. Nichts hält sie vor der Zerstörung der Welt auf, denn sie beschwört Sorgen und Abgründe herauf. Nebelschwaden winden sich um ihre Figur und eine Schlange ringt sich um ihren Bauch wie eine Schnur. Immer näher kommt sie zu den wartenden Wesen der Dunkelheit und verlangt von ihnen Ergebenheit. Auf ihre Knie werfen sich die Diener und schwören ihr Treue immer wieder. Sogar bis zum heutigen Tag dienen sie ihr, diese Schattenwesen sind niemand anderes als wir. |
| Nivalis | Ritter des dunklen Reiches Auf seinem schwarzen Ross reitet der Ritter des dunklen Reiches in seinem Land gibt es nichts schönes und weiches. Schwarze Felder und steile Abhänge, verfallene Schlösser und lange, dunkle Gänge. Angst hat hier keinen Platz, denn hier gilt nur dieser Satz: Mut soll die Herzen wärmen, solange die Ritter schlafen in ihren Särgen. Er schützt mit seinem Schwert das dunkle Land, sogar jedes Körnchen Sand. Tod ist sein ständiger Begleiter, doch er weiß, er muss weiter. Wut und Hass geben dem Ritter Kraft, denn es gibt selten Momente in denen er lacht. Freude würde ihn an seiner Aufgabe hindern, aber andererseits seine Seelenqualen lindern. Darauf kann er aber nie zurückgreifen, denn sein Leben besteht nur aus Leid und Leichen. So kann und wird es für immer sein, denn seine Seele wird nie wieder unschuldig und rein. |
| Nivalis | Königin der Schattenwesen Sie kommt bei Nacht, leise majestätisch und sacht. Bei ihrem Anblick zittern alle dunklen Gestalten, niemand kann seine Furcht aufhalten. Bei Tag schläft sie wie Dornröschen in der Geschichte und viele schreiben über sie Gedichte. In der Nacht kehrt sie aber wieder und singt ihre Todeslieder. Kein Baby ist vor ihr in Sicherheit, denn von Neugeborenen ist sie nie weit. Blut gibt ihr Lebenskraft und eine unüberwindbare Macht. Ihre Haare sind so weich wie Seide und weiß wie Kreide. Mitternacht ist ihre Stunde, sie kennt jedermanns tiefste Seelenwunde. Viele Menschen sehen in ihren Träumen ihr dunkles Licht, doch sie erkennen die Königin darin meist nicht. Alle dunklen Schatten verehren sie, doch ob sie vor ihr sicher sind wissen sie nie. |
| Nivalis | Eisturm Von einer Eiswüste umgeben erreicht man ihn auf kalten Wegen. Eisiger Schmerz befällt die Glieder, denn vergessen sind die alten Lieder. Lieder die Wärme geben und die Starre beheben. Hoffnungslos kalt und furchteinflösend, hoch aufgerichtet und sich doch im Nichts auflösend, so steht er da, hellschimmernd und klar. Eine kalte Sonne scheint auf ihn hinunter, beißend, erbarmungslos und munter. Sein wahres Wesen hinter glänzenden Mauern verborgen, bereitet er seinen Bewohnern nur Kummer und Sorgen. Eisiger Wind liebkost diese Mauern, doch die Kälte in ihm kennt kein Bedauern. |
| Nivalis | Der Todeskuss Glas splitterte, ein Gewitter zog auf, ES kam näher, ich kletterte die Mauer hinauf. Kalter Regen fiel auf mich, ich rutschte aus, ES war fast da, ES kam aus der Dunkelheit heraus. Eisiger Atem streifte meinen Schenkel, ich war hilfols, allein und verwirrt, Angst ergriff von mir Besitz, denn ich habe mich verirrt. Die Erde fing an zu beben, ich hielt mich an der Mauer fest, mein Kleid zerriss, ich war vollkommen durchnässt. ES umhüllt meine Gestalt, seine stille, nichtssagende Präsenz, ES kroch in meine Seele, mein Ende-eine fallende Kadenz. Plötzlich war es still, der Geruch des Todes war da, ich spürte eine unendliche Leere, denn ich wusste das Ende war nah. Meine Gefühle waren taub, darüber lächelte ich sogar, alles war unwichtig, jetzt sah ich alles deutlich und klar. Nichts war so wie es schien, in der Dunkelheit war plötzlich Licht, der Tod war meine Bestimmung, nichts anderes war in Sicht. ES war kein Es, ER saß auf der Mauer, seine Hand mir entgegengestreckt, wartend, lächelnd, auf der Lauer. Mühsam richtete ich mich auf, unsicher beäugte ich seine Hand, sein Lächeln versprach mir Frieden, in seinem einsamen, dunklen Land. Ich ergriff seine eiskalte Hand, er zog mich an sich mit Genuss, verloren ließ ich mich fallen und bekam den Todeskuss. [I]( widme ich K.)[/I] |
| Nivalis | Schwarzes Herz Fröhlich schlug ES in meiner Brust, kein Schatten trübte sein Licht, jeder Tag war ein schönes Lied, ES war leicht, Es hatte fast kein Gewicht. Dein Anblick brachte ES zum Tanzen, ES sprach zu mir mit tausend Stimmen, aber ES sagte immer das gleiche, etwas schöneres konnte man nicht gewinnen. Doch dann legte sich ein Schatten darüber, Zweifel fraßen sich langsam hinein, das Lied veränderte sich unmerklich, wie sollte es auch anders sein. Du warfst mit Steinen nach Ihm, ES konnte sich nicht wehren, hilflos war ES dir ausgeliefert, du wolltest dein Handeln nicht erklären. Die Dunkelheit übernahm ES, ES wollte fast nicht mehr schlagen, Es war vom Schmerz wie betäubt, zu hoffen wollte ES sich nicht mehr wagen. Dann kamen deine drei letzten Worte, ich war überwelltigt vom Schmerz, die dünne Hoffnungshülle brach auseinander, zurück blieb nur noch ein schwarzes Herz. |