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  Forum: Verlassene Gärten
    Thema: Ode an die Finsternis
OrpheusDesdemona

In einer sturmumtosten Nacht,
bot sich meinem sterblich' Blick,
ein Schauspiel solcher Pracht,
gar göttliches Geschick;

Saß auf einer Klippe droben,
ihr Leib aus Nacht und Finsternis,
Haar aus Sternenlicht gewoben,
ihre Stimme trug nur Bitternis;

Trug ihr Leid dem Monde dar,
solch Klang noch nie vernommen,
den sie schaudernd dort gebar,
als sei ihr alles Glück genommen;

Sah schimmern goldne Zähre,
die da rann über ihr Gesicht,
so erschien sie als stolze Mähre,
eingetaucht in Silberlicht;

Zitternd schritt ich her zu ihr,
sie schien so zart und so verletzlich,
doch als der Blick sich hob zu mir,
schien sie eisern und entsetzlich;

Schrecken ergriff mein Herz,
Lippen schmeckten Schierlingsbitter,
aus Krallen blühte heißer Schmerz,
ihre Zunge sengender Splitter;

So fiel ich auf den kalten Stein,
alt und leer und ausgezehrt,
ließ mich die finstre' Maid allein,
starb glücklich das ich sie genährt;
OrpheusLeben

Mein Blut und meine Seele würd ich geben,
um für nur eine Nacht wie ein Toter zu leben,
einmal frei zu sein von all den Schranken,
an denen wir täglich aufs neue erkranken,
denn Nachts, wenn der Mond auf uns scheint,
wenn die Finsternis tausend Sterne weint,
liegt da nicht die Freiheit auf uns lauernd,
mit blitzenden Fängen, in einer Gasse kauernd,
gepeinigt vom Gesang pulsierenden Bluts,
ist sie das Ebenbild unbändigen Lebensmuts,
längst gestorben, dennoch tosend jagend,
sich nächtlich mit der Bestie plagend,
die endlich befreit und losgelöst brüllt,
seht, die Leidenschaft ist enthüllt,
Räuber der Finsternis, Kinder der Nacht,
wie gern würd ich zu einem der ihren gemacht,
tausche eintausend Morgengrauen gegen euren Biss,
damit mir wenigsten die Nächte sind gewiss,
bereit, dieses täglich Trauerspiel hinzugeben,
einmal zu sterben, erneut ewig leben ...
OrpheusVater

In einer Zeit, aus Feuer und Licht,
warst Du noch voller Zuversicht,
stauntest, als ich die Engel gebar,
was war ich einst für ein Narr,

In einer Zeit, aus Erde und Lehm,
sollt ich nicht mehr aufrecht stehen,
sondern knien, vor'm Kind der Erde,
der erste Bock in deiner Herde,

Oh Vater im Himmel,
ich war doch dein Sohn
Oh Vater im Himmel,
ist dies nun mein Lohn,
Oh Vater im Himmel,
ich brachte das Licht,
Oh Vater im Himmel,
doch sahst du es nicht,

In einer Zeit, aus Donner und Blitz,
fochten die Engel in deinem Angesicht,
nach dieser ersten, unseren Schlacht,
ward ich verstoßen und verlacht,

In einer Zeit, aus Liebe und Leiden,
lockte ich die Schlange zu den beiden,
die der Erdentochter half zu erkennen,
die Menschen es heut Sünde nennen,

Oh Vater im Himmel,
bin wider der Sache,
Oh Vater im Himmel,
das Tier und der Drache,
Oh Vater im Himmel,
du bist mir so fern,
Oh Vater im Himmel,
bin nun der Morgenstern,

In einer Zeit, aus Staub und Sand,
als ich beim jüngsten Bruder stand,
denn sein Ende schien meinem gleich,
starb am Kreuze, blutend und bleich,

In einer Zeit, aus Glas und Stahl,
2000 Jahre nach dem Abendmahl,
erwarte ich das jüngste Gericht,
der Morgen kommt, das Ende nicht,

Oh Vater im Himmel,
die Erkenntnis ist mein,
Oh Vater im Himmel,
ich bin nicht mehr dein,
Oh Vater im Himmel,
sie brauchen dich nicht,
Oh Vater im Himmel,
sie sehen das Licht,
OrpheusLicht & Schatten

Einst stahl man ein Sternenpaar,
sie stellen heut Deine Augen dar,
Funken sprühen bei jedem Schritt,
bringst den Morgen zu Mir mit,
Du bist ein strahlendes Licht,
schauder' in deinem Angesicht,
das mich zum Schatten macht,
da du selbst die Nacht entfachst.

Die Finsternis legt sich um dich,
erscheinst darin so königlich,
dein Haar ist die fließende Nacht,
darin der Mond in aller Pracht,
lächelst einen abgrundtiefen Spalt,
in dem ich doch find allen Halt,
halt mich fest und lass nimmer los,
sei mein Dorn so bin ich die Ros.
OrpheusGedanken aus Blut

Gab es etwas schöneres zu entdecken,
als die Süße ihrer Lippen zu schmecken,
die Zärtlichkeiten mit ihr zu teilen,
in ihrer Umarmung zu verweilen,
sich der Sehnsucht hinzugeben,
nach dem tödlichen Kuss,
auf ewig mit ihr zu leben ...

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