| Basilius | An diesem Morgen, wenn ich weiß, ich bin, dem Aufbruch meiner Schritte selbst bewußt, nachdem des letzten Wortes Sinn Bedeutungsleere tötend zu umhüllen sucht, im Schutz des Selbst, kaltklares Wasser neben mir, ein Fluß der Zeiten rauscht (mit Vorgefühl auf weißen Strudelkronen: dies ist Ewigkeit) Nur fort, dorthin mit mir zu fließen, wo sich die Täler weiten, wenn ich neue Zeit erkenn, wo Einsamkeit glaubt zu verlieren sich im Blau, wo Seele hört des Lachens Ferne, rufend, werbend, wenn ich nur vertrau Dir, die ich im Licht jetzt nicht mehr schau, gegangen, in der frühen Stund sich Nebel legten, neue Tage kündend unter alter Nacht, in mir, so still, so sacht, dass seitens meinerselbst nun hin (und heute von mir weg) und wieder Ahnung lauern will, dass allen Strebens Schein und Kälte abstrakt ein Schrein, ein Wort umschließt, - V e r g ä n g l i c h k e i t - du hörst mich nicht mehr fragen, nach dem, was uns einstmals trieb in unserm Nachtsein Macht für einen Traum zu halten, sehnend Chance ist Gewinn, und Sehen hätte Wissen um den Sinn gebracht, für Dich war dieser Schein des Mondes, den ich nicht mehr malen konnte (kalte Käuzchenzeit zu schönen) der Anlass aus dem Sehnen nicht mehr Wort zu schaffen, der Schöpfung irgendeines Daseins zwischen Dir und mir ganz plötzlich heimlich zu entfliehen, im Bilde Leere als das wahre Selbst der Dinge zurückzulassen, wie entstellt nun, unser Bild des Morgens, in dem ich Aufbruch sehe, noch eben, und wieder: ist es zu spät. |
| Basilius | Gelebt Ist dieser Tag nicht schon gelebt, und dieses Warten Vorwand nur? Ist diese Suche nicht nur die Erinnerung, die sucht in uns, ob hinter leeren Bilderrahmen manchmal etwas bleibt? Dass Bilder nicht nur Dinge sind, die bleiben wie ein Ding, an das uns nichts mehr bindet, dass nicht nur kreisend Hoffnung unsre Wege hin zu diesem schon gelebten letztlich bahnt, und schließlich in uns findet, den Tag mit seinem selben Sehnen. Und dann, wenn wieder alles schweigt, die leeren, weiten Nächte, einsam und nicht weit von dem, was unser Herz Erlösung nennen will, mir wieder wie Verheißung scheinen. Ist dieses Wort nicht längst gesagt, und dieses Bild gemalt, von andern ? Ist dieser Abschied überhaupt ein Weggehn, oder ein Altes, dass uns bleibt, und einsam macht ? Denn schon gelebt ist dieser Tag und schon gelebt ist jede Nacht - ohne Dich. |
| Basilius | Am Ufer (Vierradenmühle – Herbst 2002) Und vor ihm nächtlich Brüstung, Mauer, Strom und Wehr, Und auf ihn blickend drohend wirklich nah, gleich Dunkelheit und kaltem Hauch, nach Hohem strebend und doch klein vor schwerem Himmel, erinnernd Türme einer alten Stadt - die einstmals Heimat schien. Und fröstelnd geht sein Blick hinab in ungewisse Flut der Zeit, die kommen mag, denn warm und scheinbar unweit sind des andern Ufers Lichter, und somit leicht scheint dieser kleine Brückenschlag. Nur fort von jenen Mauern, hinter denen Gleiches wohnte manchen Tag – auch scheinbar nah, doch nicht erreicht. Und schaudernd plötzlich sieht er sich auf einer Brückenmitte, die unter ihm gebrochen wird, dann haltlos dunkle Tiefe ihn umfängt, die Luft zum Atmen raubt, und jede Hoffnung wird vergebens - die Macht des alten Stromes treibt viele Suchende ins kalte Nichts. Und Raben kreisen über jener Szene, ihr Schrei wie Hohn, denn er kann nicht verstehen, wieso die trügerische Illusion der nahen Fremde ihm näher scheint, als das im Jetzt und der Erinnerung. So steht er für Sekunden fragend zwischen Aufbruch und dem Alten, ihm scheint es, als wird nichts ihn halten. Auf einem Weg zu fernem Ufer. Fraglich, ob erreicht. © Basilius 2003 |