| cloud | Blutbad Sie hat den Henker als Bademeister auserkoren, sie ist ganz aufgeregt denn sie wird Heute neu geboren. Was für ein heulen, kreischen, jammern, der Palast hallt vom Jungfrauengeschrei, die Zofen flüchten in die Kammern und beten: "Gnädigste Maria, hoffentlich ist´s bald vorbei!" Wie die Mordgesellen schwitzen, beim grausigen Hälse zerschlitzen. Bald verstummt das letze Schreien, und die Zarin tritt hervor: Badehaube knapp bekleidet, pult sich noch Watte aus dem Ohr. "Jugend ich komme !" Sie löst gekonnt das Mieder, tunkt ins klebrig rote Naß das Bein, danach alle welken Glieder, planscht und taucht völlig darin ein. Dann ruft sie nach einem Spiegel. Doch beim Anblick wird ihr schrecklich kalt, denn sie ist gänzlich blutverschmiert, fett, runzelig und alt. |
| cloud | Nullinie Ein Mann kommt erschöpft nach Hause, die Intrigen im Krankenhaus fruchten. Die Überstunden - seine Frau will die Scheidung und das Sorgerecht. Er ist Facharzt für Anästhesie. Seine Spekulationen an der Börse, mit Immobilien floppten. Freunde und Geliebte verachten ihn. Sein Schicksal ein Reißwolf. Er gibt noch ein letztes, großes Fest, all die Erwähnten sind gekommen. Champagner, Austern und Kaviar, alle staunen, loben, genießen, selbst seine Frau fühlt sich umworben. Um Mitternacht präsentiert er die betäubte Tochter auf seinen Armen. Da ahnen sie was in den Köstlichkeiten schwamm. Die Banker und Makler dämmern schon, nur wenige schaffen es noch bis zum Auto. Als der Rettungswagen eintrifft ist auch er an der Seite seines Kindes entschlafen. "Saubere Arbeit!" der Kommentar des Notarztes "die ganze Villa eine Nullinie!" |
| cloud | Mauerblume Sie bemerken nicht wie es in die Nase sticht? Verwesung zieht durchs ganze Haus, aus dieser Wand, da kommt´s heraus. Schlüpft aus Rissen in alle Räume, ich riech es auch noch wenn ich träume. Was? Sie hören kein kratzen, scharren? Oder einen Kiefer knarren? Ein Flüstern dringt durch die Tapeten, manchmal quakt es wie die Kröten, oder es lacht schallend laut, daß es mir den Tag versaut. Oder aus einer Ritze bohrt sich eine Fingerspitze droht und winkt mir deutlich zu, ich hau drauf mit meinem Schuh. Oder Haare quellen aus dem Putz an vielen Stellen, bin ich fertig mit dem rupfen, kann ich woanders weiter zupfen! Egal in welchem Raum ich stehe, überall ist ihre Nähe. Ich spring vom Dach, flieh dieser Falle, doch bevor ich auf den Asphalt knalle, ein Rat: Auch sie würden es bedauern ihre Gemahlin einzumauern! |
| cloud | Kostbar Ich hatte einen Freund, einen recht seltsamen Freund. Aber gerade deshalb verstanden wir uns so wunderbar: Wir konnten über völlig irre Dinge reden mit einer Nüchternheit und Klarheit die man sonst nur bei Professoren findet und nicht mit diesem dämlichen Teenagergekicher. Er lebte auf einem geerbten Aussiedlerhof, völlig alleine, das prägt, macht Einen ein bisschen fertig. Irgendwann dachte ich er hat´s gepackt, irgendwann hatte er Internet, aber da suchen sich die Abgedrehten dieser Welt nur Gleichgesinnte. Er lud mich zum Essen ein, das Fleisch schmeckte süßlich und erst beim Nachtisch verriet er mir, daß der Hauptgang Georg hieß, ich hab noch nie so gekotzt. Er kapierte auch nicht was daran falsch war, darum lies ich ihn hungern, schnitt ihm ein Bein ab und gab´s ihm mit Zwiebeln zum fressen. Manchmal muß es eben wehtun damit´s einer kapiert. |
| cloud | Eingebettet Es ist kalt, ich bin noch ganz benommen, es ist eng, versuche zu begreifen, höre noch meine Frau wie sie nach dem Notarzt ruft. Ich rieche frisches Holz und von draußen frische Erde, ich liege, wie in einem umgekippten Besenschrank. Da beginnt mein Herz zu rasen, ich zu treten, zu scharren, zu schreien. |
| cloud | Sinkflug Es ist schön, du an meiner Seite auch wenn du bewußtlos bist. Der Aufprall hat dich hart getroffen, wie deine Nachricht mich: Trennung - Niemals, daß hab ich dir geschworen damals am Traualtar. Du wolltest einen anderen Weg einschlagen, darum bog ich von der Straße ab, du wolltest einen Lebenslauf ohne mich so fand ich diesen Flußlauf für uns Beide. Auch jetzt bist du so wunderschön das macht die Nässe erträglich und die Kälte um uns. Ich nehme deine Hand du gibst mir Kraft. Ich lieb dich so ich will daran ertrinken. |
| cloud | Ekel Maden wusselten mir aus meinem Kühlschrank entgegen. Habe ukrainische Ratten im Hotelklo erlegt. Ich wischte Erbrochenes eines Ägypters auf. Südamerikanische Kakerlaken krabbelten über mein Gesicht. Sah Würmer in den dritten Zähnen einer rumänischen Oma. Habe zerrupfte bengalische Wasserleichen geborgen. In Afrika schlüpften hunderte Insektenbabys aus meiner Wange. Hab auf dem Balkan offene Schädel, Mägen notdürftig geflickt. Aber es würgt mich jedesmal wenn ich deine Fotzenhaare aus dem Ausguß fische, besonders an deinen Tagen. |