| Baldoon | Hier koche ich mein Buchstabensüppchen. Ich hoffe Zutaten wie Kurzgeschichten sind hier auch erlaubt. Fröhliches Buchstabenfischen ;) |
| Baldoon | [size=5][b]Imago[/b][/size] [b]Die Ewige Nacht[/b] „Als der letzte Sonnenstrahl verschwand, und die ewige Nacht die Welt verhüllte, da gruben wir uns tief in die Erde. In Erwartung eines neuen Tages, der niemals kommen sollte, drohten Neid uns Missgunst, Hass und Krieg uns für immer zu vernichten. Denn die Nacht war nicht nur über das Land gekommen, sondern auch über unsere Herzen. Doch die Hoffnung war noch nicht gestorben, und so schufen wir eine neue Gesellschaft und überlebten. Wir schufen Städte weit unter der Oberfläche und lernten die tektonische Energie des Planeten zu nutzen.“ Scheinbar unbeeindruckt von dem Vortrag lümmelten sich die meisten Schüler der Klasse auf den Sitzen herum. Nur zwei folgen aufmerksam den Worten des Lehrers. „Ihr wisst sicher auch, wie die neue Gesellschaft aussah, und wie sie sich von der alten, oberirdischen Lebensform unterschied?“ Zwei Finger schnellten wie gespannte Federn in die Höhe. Die übrigen gingen weiterhin ihren anderen Tätigkeiten nach. „Ilo!“, nahm der Lehrer einen von den Beiden dran. „Die alte Gesellschaft wurde von den Gegensätzen der Geschlechtlichkeit, und dem Konkurrenzkampf dieser dominiert. Wir führten die kontrollierte Fortpflanzung ein, und erlauben eine Geschlechtliche Entwicklung nur im begrenzten Maße. Nur wenigen auserwählten wird die Entwicklung zu einem Zeugungsfähigen Individuum erlaubt. Wir nennen diese Menschen Imago. Auch Nicht – Imagines haben ein Geschlecht, unterliegen aber nicht dem Sexualtrieb und sind nicht zeugungs- oder gebärfähig.“ Wohlwollend nickte der Lehrer ihm zu. Ilo warf dem anderen einen vergnügten Blick zu. Dieser schien ihn zu ignorieren, doch sein ohnehin schon immer etwas finster blickendes Gesicht spuckte tiefen Ärger aus. Ilo lehnte sich zufrieden zurück. Heute war ein guter Tag gewesen. Er hatte es Sel mal wieder so richtig gezeigt. Ilo war ein hübsches Kind, zumindest sagten das alle über den athletischen, blonden Jungen, dessen Gesichtszüge so viel Charme ausstrahlten. Eigentlich hieß er Ilomeus, doch alle nannten ihn immer nur Ilo. Selemeos, kurz Sel war nicht so hübsch und auch nicht so athletisch wie sein Feldbruder Ilo, nein er war mehr dürr und wirkte irgendwie unbeholfen. Als Feldbrüder besaßen die beiden Jungen im Prinzip gleiche Eigenschaften, nur von unterschiedlichen Eltern. In der modernen, gesteuerten Fortpflanzung wurde der Mensch mit all seinen Eigenschaften und Eigenarten als ein Baumdiagramm dargestellt. Jeder Ast dieses komplex verzweigen Baumes stand für bestimmte Eigenschaften. Bedingten diese sich einander, waren die Äste verbunden, entstand eine Eigenschaft aus einer anderen, zweigte vom Hauptast ein Nebenast ab. Auf jedem Ast saßen die so genannten Eigenschaftsfelder, meist einfach Felder genannt, wie die Blätter eines Zweiges. Der Baum war für alle Menschen im Prinzip gleich, nur die Verteilung der Blätter war unterschiedlich, je nachdem, welche Eigenschaften mehr oder weniger ausgeprägt waren. In früheren Zeiten genetischer Manipulation hatte man sich damit begnügt die benötigten Gene in Maschinen zusammenzuführen, um Kinder mit den gewünschten Fähigkeiten zu erzeugen. Doch in heutigen Zeiten ging man etwas eleganter vor. Gesteuerte Fortpflanzung. Das hieß einfach, außer der Tatsache dass es sowieso nur einem kleinen Teil der Bevölkerung erlaubt war sich fortzupflanzen, dass man die Eltern eines Kindes zuvor sorgsam auswählte, also vorschrieb wer mit wem Kinder haben durfte. Diese Methode hatte sich als effizienter und günstiger erwiesen als das „industrielle“ Erzeugen von Menschen. In der genetischen Vielfalt lagen manchmal doch Nuancen verborgen, die Maschinen nicht erkennen konnten. Dazu benötigte es das Feingefühl der Zuchtmeister. Sie verbrachten einen Grosstiel ihrer Arbeit damit, die genetischen Datenbänke zu durchfrosten, und unzählige, mögliche Kombinationen potentieller Partner zu überprüfen. Da es ohnehin einen ausgeklügelten Plan gab, welche Art von Mensch, z.B. musisch Begabte, oder naturwissenschaftliche Talente, in der Gesellschaft benötigt wurden, war die mögliche Partnerzusammenstellung, oder Parentalkombination wie es im Fachjargon der Zuchtmeister heiß, sowieso begrenzt. Ilo und Sel war ein überdurchschnittliches Talent in Naturwissenschaften mitgegeben worden. Sie hatten bis aufs Kleinste Identische Feldverteilungen, waren quasi Parallelentwicklungen, und doch waren sie so unterschiedlich wie es Zwillinge in der alten Zeit gewesen waren. Die Klingel riss Sel aus seinen trüben Gedanken, und erlöste den Rest der Klasse aus ihrer Langeweile. „Und vergesst nicht eure Hausaufgaben zur Oberflächen – Ära!“, mahnte der Lehrer den lärmenden Haufen, der sich nun durch die eng gewordene Kassenzimmertür quetschte. Kopfschüttelnd beobachtete sie der Lehrer. Es waren Ilo und Sel, welche als einzige das Klassenzimmer gesittet verließen. Sie gingen zusammen in Richtung Kantine, in der alle Kinder in dieser Sektion gemeinsam ihre Mahlzeiten zu sich nahmen. Sie machten dies immer so, denn sie waren nicht nur Feldbrüder, sondern auch Freunde. Gute Freunde sogar, sehr gute. „Laufen wir um die Wette?“, stupste Ilo seinen Freund an, nachdem die anderen sie weit hinter sich gelassen hatten. Sel lächelte. „Klar, nehmen wir den Schleichweg?“ Ilo nickte. Der Schleichweg war ein Weg durch die Versorgungstunnel der unterirdischen Stadt. Eigentlich war dieser Weg verboten, doch die Versorgungstunnel wurden nicht überwacht, und deshalb fiel es nicht weiter auf, wenn zwei Kinder dort spielen. Oder eben um die Wette liefen. Neben der Tatsache dass sie so dem Gedränge aus dem Weg gehen konnten, brachte sie der Weg durch diese Schächte auch schneller in die Kantine, so standen die Beiden stets immer am Anfang der Schlange. Sie tauschten noch verständige Blicke aus, und dann pesten sie los. Ilo hatte die Nase am Ende wieder mal vorn. Ganz knapp, so wie es eigentlich immer war. Immer war Ilo einen Augenblick schneller als Sel. Und er genoss dies. |
| Baldoon | [size=4]Zweiter Teil von Imago[/size] [b]Die Sehnsucht des Unerreichbaren[/b] Ein lautes Pfeifen ging durch die Mensa der Studenten als Siraleena eintrat. Sie war die unnahbare Schönheit ihres Semesters und hatte noch keinen Freund. Offenbar unbeeindruckt von der Aufruhe stand Sel etwas abseits vor dem Mensaeingang. Hoistaron, der bei ihm war, wollte sich gerade in den hereinströmenden Menschenklumpen werfen, als sein Freund ihn zurückhielt. Hoistaron war einsichtig, und wartete darauf bis der Eingang wieder passierbar war. Die erste Vorlesung an diesem Morgen war gerade zuende gegangen, und nach diesem nervenaufreibenden Kampf mit der Müdigkeit brauchten Geist und Körper neue Kräfte. Eigentlich hatte die Erweiterung newtonscher Mechanik auf dem Programm gestanden, doch der Professor hatte es vorgezogen seinen eigenen Vorlesungsplan zu entwerfen. Als das Gedränge nachgelassen hatte, traten die beiden ebenfalls ein. Vor der Essensausgabe hatte sich eine riesige, gewundene Menschenschlage gebildet. Hoistaron betrachtete Sel besorgt. „Ich hoffe du hast nicht vor hier auch wieder so lange zu warten, bis das Gedränge zu ende ist. Wenn dann ist nämlich auch das Essen alle!“, Meinte der pummelige, kurzgewachsene Hoistaron scherzhaft, als er Teller und Besteck nahm, und sich in die Reihe stellte, die sich an der Ausgabe ihr Frühstück holte. Sel griff sich ebenfalls einen Teller und reihte sich ein. „Vielleicht bekommen wir ja noch was vom Mittagessen.“ Sein gewichtiger Freund schaute ihn vorwurfsvoll an. „Hast du schon was von diesem Professor Tegonias gehört, der eine Expedition an die Oberfläche machen will?“ Hoistaron hatte inzwischen begonnen mit dem Essbesteck zu spielen. „Das wurde doch verboten!“, schnaubte er. Sel runzelte die Stirn: „Das klingt irgendwie, als hättest du Angst davor was auf der Oberfläche ist Hoist!“ Wieder erntete er vorwurfsvolle Blicke seines Freundes. „Angst nicht, nur ich weiß wie wir einst auf der Oberfläche lebten.“ „Möchtest du nicht einmal die Sonne sehen?“; fragte Sel; „Nicht eine Projektion, oder künstliche Realität, sondern wirklich ihre wärmenden Strahlen auf der Haut spüren?“ Hoist klapperte noch immer mit seinem Besteck, was allmählich schon den Missmut der übrigen Wartenden auslöste. „Unsere Vorfahren wollten das auch nicht verlieren, und dennoch taten sie es. Ich habe keine Angst vor dem was auf der Oberfläche sein könnte. Ich habe Angst vor dem, was wir darauf bringen könnten!“ Sel erkannte, das Hoistaron dies sehr wichtig war. Sollte er seinen etwas pummligen Freund all die Zeit falsch eingeschätzt haben? Hoist war ein guter Freund, loyal, lustig und immer da wenn man ihn brauchte. Und vor allem keine Konkurrenz! Mittlerweile waren sie endlich an der Reihe, und mit großen Augen stapelte Hoist seinen Teller voll. Mit einer seltsamen Mischung aus Enttäuschung und Erleichterung beobachtete Sel ihn dabei. [i]Dir reicht das hier vielleicht, mir aber nicht mein Freund. Ich sehne mich nach der Sonne![/i], dachte er, während er sich ein paar Löffel Nährstoffbrei auf den Teller kleckste. Die Suche nach einen freien Platz gestaltete sich recht schwierig, da sich die Schlange zwar aufgelöst hatte, sich aber nun auf die Sitzplätze verlagert hatte. Wie durch einen seltsamen Zufall erspähte Hoist aber dennoch ein paar freie Stühle. Zu Sel’s Verwunderung hockte Ilo dort. Ihm war bereits aufgefallen, dass dieser nicht bei der Vorlesung dabei gewesen war, die sie sonst normalerweise immer gemeinsam besuchten. „Hey Ilo!“; schaffte Hoist noch über die Lippen zu bringen, bevor er sich setzte und das erste Brötchen in den Hals schob. Sel setzte sich ebenfalls. Er bemerkte, dass sein Feldbruder sein Frühstück bisher unberührt gelassen hatte. „Das Ei auf dem Lappen hier hat sicher noch nie ein Huhn gesehen!“, murmelte Hoist zufrieden, nachdem er sein erstes Brötchen verschlungen hatte, und schon bereits das nächste hinterher stopfte. Sel hatte es bisher nur geschafft in seinem an Kartoffelbrei erinnernden Nährstoffpamps herumzustochern. Seine Aufmerksamkeit galt jemand anderem. [i]Es ist seltsam. Eigentlich sollten wir uns nicht mehr zum anderen Geschlecht hingezogen fühlen, aber dennoch geht seltsames in mir vor, wenn ich Sira beobachte.[/i] „Isst du das noch?“ Ilo und Sel schreckten gleichzeitig auf. Hoistarions Augen wanderten verwundert von einem zum anderen. „Ist was?“ „Nein, alles in Ordnung!“, meinte Ilo. „Nimm ruhig, ich und mein Bruder müssen etwas besprechen, entschuldigst du uns?“ Hoist starrte sie mit vollem Mund an. „Kloar!“, nuschelte er. „Das ist nicht war!“ Selemeos’ Worte waren so laut, dass sich einige Kommilitonen verärgert umwandten. Die Bibliothek war nicht unbedingt ein Ort wo lautstarke Diskussionen erwünscht waren. Schnell zog Ilo seinen Bruder hinter einen Bücherschrank. „Du weißt, dass ich keinen Einfluss auf die Auswahlkommission hatte!“ Sel wusste, wenn Ilo ausgewählt worden war, zerstörte es seine Hoffnung jemals ein Imago zu werden. Es kam fast nie vor, dass zweien Feldbrüdern diese Entwicklung erlaubt wurde. „Es ist Sira, nicht war?“ Die Brüder hatten einen langen, verdeckten Kampf um diese Frau geführt, nicht nur weil sie erfahren hatten, dass sie als optimale Partnerin für ihre Felder in Frage kam. Sel glaubte sie lieben zu können. Nicht körperlich, sondern auf eine weitaus innigere Weise. Er blickte Ilo an. Dieser schwieg. „Warum erzählst du mir das?“, fragte er schließlich. „Wir haben niemals darüber geredet,“ begann Ilo, „Aber ich merke doch was du für Sira empfindest.“ Trotzig schaute Sel ihn an. „Was weißt du schon?“ An diesem Abend lag Sel noch lange wach. Vielleicht war es ja auch besser so wie es gekommen war. „Ilo und Sira passen doch wunderbar zusammen, nicht war Sel?“ Von allen Seiten hatte er diesen und ähnliche Aussprüche an diesem Tag gehört. Es war vielleicht auch wirklich so. So viele Menschen konnten sich nicht irren, oder etwa doch? Im Gegensatz zu Ilo erlag er hier und da er Versuchung die Geschehnisse als schicksalhafte Wendungen zu betrachten. Manchmal lag ein verborgner Sinn in dem was geschah. [i]Die Oberfläche![/i] Wie ein Blitzschlag schoss es durch Selemeos’ Kopf. [i]Dies ist meine Bestimmung; so wie es die Bestimmung meines Bruders ist zu lieben. Die Menschen hatten früher einen Spruch: Liebe macht Blind. Ich aber brauche meine Augen. Ich werde die Oberfläche sehen![/i] Sira mochte Sel auf eine seltsame Weise. Zugegeben, er war schon etwas seltsam, wenn er scheinbar teilnahmslos abseits stand, und gedankenverloren in das Nichts zu starren schien. Auch gestaltete sich ein vernünftiges Gespräch mit ihm meist sehr mühselig. Oft blieb es bei seltsamen Witzen oder Oberflächlichkeiten. Aber Sira spürte irgendwie dass mehr hinter der Fassade des komischen Kauzes steckte. Ilo erzählte ihr oft von seinem Bruder. Er bewunderte ihn auf eine aufrichtige Art. „Sel ist der Denker von uns.“, hörte man ihn oft sagen, obwohl seine Leistungen auf der Universität meist besser waren als die seines Bruders. „Du magst Sel sehr, nicht war?“, fragte Sira, als sie zusammen mit ihrem Geliebten in der künstlichen Dämmerung ihres Schlafzimmers lagen. „Natürlich, er ist mein Bruder, aber wie kommst du jetzt darauf?“ Ilo streichelte Sira eine Strähne ihres dunkelbraunen Haars aus dem Gesicht. „Er redet so oft von der Oberfläche.“ Ilo ließ Siras Harr durch seine Finger gleiten. „Du hast ihn auch sehr gern, oder?“ Sira wandte ihr Gesicht seinem zu. Nur wenige Zentimeter trennten sie nun von einander. „Ich mache mir Sorgen um ihn!“ Ilo runzelte die Stirn. „Glaubst du er hat eine Dummheit vor?“ Sira strich besinnlich über sein Gesicht. „Sag du es mir.“ Ilo ergriff sanft ihre Hand, und streichelte sie. „Er kann auf sich selbst aufpassen. Hab vertrauen in ihn.“ Der Weg hinauf war steinig. Keuchend und mit schmerzenden Muskeln kämpfte sich Sel hinauf. Er hatte Monate lang Professor Tegonias’ Aufzeichnungen studiert, um diesen Pfad zu finden. Er führte vorbei an unterirdischen Flüssen, geheimnisvoll anmutenden Höhlen und glühenden Lavaströmen. Jeder Schritt war nur noch Kampf. Kampf gegen den schwächelnden Körper, Kampf gegen die zweifelnde Seele. Die Frage war längst nicht mehr, tue ich das Richtige für die Menschheit, sondern tue ich das Richtige für die Erde. Doch je mehr Zeit verstrich, desto näher kam er seinem erhofften Ziel, dem Grund seines Schaffens, dem Grund seines Hierseins? Längst hatte Sel den Punkt überschritten, an dem er hätte zurückkehren können. Nun umstrichen ihn schon lockend die Winde der Oberfläche. Sie flüsterten ihm leise ein Lied zu. Von den wärmenden Sonnenstrahlen heißer Sommertage, von der schäumenden Brandung des wilden Meeres, von den glitzernden Sternen klirrend – klarer Nächte. [i]Nur noch ein paar Schritte![/i] Er stolperte, taumelte, humpelte aber dennoch weiter. Machte wenig Rast. [i]Warum muss ich ständig an sie denken?[/i] Sel bemerkte nicht, dass er bereits am Boden lag. [i]Warum denke ich an sie, und nicht an die Sonne? Dieser unerreichbare Stern ist mir näher als sie. Ich habe Sehnsucht, Sehnsucht nach dem Unerreichbaren.[/i] Von irgendwo her durchbrach ein Sonnenstrahl die ewige Dunkelheit der Grotte. Der Wind trieb weiße Flocken in die felsige Nische. [i]Weißer Schnee![/i] Die Flocken des nuklearen Winters waren schwarz gewesen. Schwarz und giftig. Nun war der Schnee weiß, so weiß wie Sel es nur aus den Bildarchiven kannte. So weiß wie er vor tausend Jahren einmal gewesen sein musste. Schwärze umschlang seine Sinne. Der Atem wurde langsamer, ganz ruhig fiel Sel in einen tiefen Schlaf. „Ach Sira, wenn du es nur sehen könntest!“, hauchte er in die Einsahmkeit. [i]Pass gut auf sie auf Ilo![/i] Vor seinem geistigen Auge erschienen Bilder wie er sich aus den Archiven kannte. Sanfte, mit saftigem, sich im Wind wiegendem Gras bestandene Hügel. Wälder dessen dichtes Blätterdach verheißungsvoll rauschte. |
| Baldoon | [size=4]Dritter Teil von Imago[/size] [b]Die Glut des Herzens und des Himmels[/b] Listig funkelten die winzigen Schweinsaugen des fetten Kommissars zwischen seinen Fettwülsten hervor. Sein Blick war durchdringend, bis in den letzten Winkel der Seele vorstoßend stand er in dem Ruf Menschen in löcherige Wracks zu verwandeln. Wen Kommissar Eurymaroas verhörte, zerstörte er auch meist. Es hatte einen Grund warum Ilo ihm nun im Halbdunkel der tristen Verhörzelle gegenübersaß. „Wir müssen hier nicht sein.“, knurrte der Kommissar an seinem Getränk schlürfend. „Wir sollten hier nicht sein!“ Ilo fuhr mit den Händen durch sein, von der ständigen Wiederholung dieser Bewegung, schon ganz zerzaustes Haar. Eurymaroas lehnte sich behäbig zurück, während er Ilo noch immer mit der Aufmerksamkeit eines Raubtieres musterte. [i]Wie ein Habicht, der ein Beutetier erspäht hat![/i], erinnerte sich Ilo an die Aufzeichnungen der Videoarchive. [i]Ich muss ein paar Haken schlagen und in meinen Bau entkommen![i] Obwohl diese Raubvögel schon lange, wie die meisten Tiere schon längst ausgestorben waren, glich das moderne Jäger – Beute Schema noch immer dem der eleganten Jäger von einst. „Sie wollen mir also wirklich erzählen, sie wüssten nicht wo ihr Bruder sich aufhält?“ Ilo versuchte alle Ruhe in seine Stimme zu legen, die er in sich noch zusammenkratzen konnte. „Wissen sie...“, Ilo stockte. [i]Verbirgt er doch etwas vor mir?[/i], ging es dem Kommissar durch den Kopf, der eigentlich schon vorgehabt hatte, den armen Jungen im Verlauf der nächsten Stunde von dieser Marter zu erlösen. Er konnte es normalerweise spüren wenn jemand log. Spüren traf es vielleicht nicht ganz, es war mehr eine Art riechen. Die Leute stanken regelrecht wenn sie einen meinten an der Nase herum führen zu müssen. Dieser hier hatte nur furchtbares Duftwasser genommen. „Der Kontakt zwischen uns, also mir und meinem Bruder ist längst nicht mehr so gut wie...“ [i]Schon wieder eine Pause![/i] Eurymaroas beugte seinen massigen Körper vor, und stützte sich auf den Tisch: „Wenn sie wirklich glauben, ihrem Bruder durch Schweigen einen Gefallen zu tun, dann gehen sie durch diese Tür. Wenn nicht, dann haben sie mein Ohr ganz für sich.“ Ilo starrte den Kommissar verwirrt an, als hätte dieses Raubtier ihn doch noch ergriffen. „Ich weiß es nicht!“, stammelte er, nachdem er eine weile nach passenden Worten gerungen hatte. Eurymaroas erhob sich schwerfällig von seinem Stuhl und ging ein paar Schritte im Raum umher. Ilo folgte ihm schweigend mit dem Augen. Vor dem jungen Mann kam der Kommissar zum stehen, und ein Lächeln huschte über sein Gesicht als er bemerkte, wie Ilo ihn anstarrte wie das Kaninchen im Angesicht des Habichts. „Alle Menschen sind über eine Kraft verbunden, der alles unterworfen ist. Nennt sie Schicksal, und erlegt ihr damit eine Vorbestimmung auf, nennt es Zufall und legt ihr damit die Unvorhersehbarkeit auf. Dennoch ändert dies nichts an der Tatsache: Wir alle sind etwas unterworfen, was keiner von uns kontrollieren kann.“ Er klopfte Ilo wohlwollend auf die Schulter und verließ dann den Raum. Durch die offen stehende Tür konnte Ilo erkennen, wie Eurymaroas hinter einer Ecke verschwand. Wie unzählbare Diamanten funkelten die Sterne auf dem finsteren Grund des Firmamentes. Ilo hatte in seinem ganzen Leben noch niemals wirkliche Sterne gesehen, geschweige denn keinen wirklichen Himmel. Und der Schnee. Er war weiß. Auf einmal erinnerte er sich wieder an die Archivbilder der Katastrophe. Eines Tages kamen Raketen von Himmel hernieder, und ihr Feuer verschlang alles Leben. Das Feuer verschlang Stein und Metall, Bäume und Fleisch. Städte machte es zu Staub, und Menschen zu Schatten auf dem verbrannten Boden. Und wo die Flammen nicht verdampften, dort fegte der nukleare Sturm hinweg. Danach fiel schwarzer Regen, der alsbald zu schwarzem Schnee wurde. Finstere Schleier verbargen die Sonne, das lebensspendende Licht. Und trotz all ihrer Forschungen und ihres Wissens konnten sie nicht aufhalten das der Tag zur ewigen Nacht wurde, und sie die Sonne für immer aus dem Reich der Menschen vertrieben hatten. „Hast du jemals die Sonne gesehen?“, keuchte Sel, der eingewickelt in eine dicke Wärmedecke eng an den Körper seines Bruders gepresst bibberte. „Nein, niemals wirklich, wie alle Menschen.“ Sels zitternde Lippen formten ein Lächeln, oder versuchten es zumindest. Ilo erkannte es. „Das Meiste, was wir an uns selbst in mühevoller Kleinarbeit verändern, hat gar keine Auswirkungen auf das, was wir tun, sondern nur darauf, was wir dabei denken.“ Sels Stimme war nun nicht mehr als ein heiseres Flüstern im Wind. „Wir glaubten einmal, Neid und Missgunst mit der Beseitigung der Geschlechtlichkeit hinter uns gelassen zu haben. Doch in Wahrheit ist es so untrennbar mit unserem Wesen verbunden wie unser Denken selbst. Wir können es nicht überwinden, indem wir es herausschneiden, sondern nur bewältigen, indem wir lernen unsere Mitmenschen wirklich zu schätzen.“, krächzte Ilos Bruder müde. Der Wind trieb ihnen peitschende Böen entgegen. Ilo strich Sel den Schnee von Gesicht. Ein Blick auf den Parakompas genügte um zu erkennen, dass er kaputt war. Die Kälte und der Schnee waren zuviel für das Gerät gewesen. „Sel ich….“ „Ilo, du kennst mich nicht, nicht einmal ansatzweise. Alles was ich mir je wünschte, hast du erreicht, alles was ich je wollte hast du bekommen. Ich konnte dir dies nicht verzeihen. Doch vielleicht war es gut so, und ich habe dies alles nicht verdient. Aber wenn ich verzeihen kann, und dir gönnen, was ich mir wünsche, dann besteht auch Hoffnung für die Menschen!“ Ein Beben ging auf einmal durch Selemeos Körper, und seine Augen begannen seltsam zu leuchten. Und als nach tausend Jahren wieder ein menschliches Auge die Sonne erblickte, waren alle Worte, alle Weisheiten und alles was die Menschen je geschaffen hatten bedeutungslos geworden, und sie standen hilflos staunend vor der himmlischen Glut des fernen Sterns. Und sie wussten, dass die Menschen erst wieder hier her zurückkehren konnten, wenn Hass und Missgunst, Neid und Zwietracht sie nicht mehr beherrschen würden, und sie gelernt hätten dass nichts diesen finsteren Teil ihres Wesens entfernen konnte, nicht mal ihre Herzen. „Verzeihst du mir dass ich Sira immer noch liebe?“, fragte Sel auf einmal. „Du hast mir erlaubt sie zu lieben, und das ist das größte Geschenk was du mir hättest machen können!“ Sels Gesicht mutete im fahlen Licht der Morgensonne leichenhaft blass an, und doch wirkte er wie ein Mensch, dem große Last von den Schultern genommen worden war. „Nein, das größte Geschenk ist es dir diese Liebe zu gönnen, von ganzem Herzen!“ [i][size=2]Geschrieben 01.01.2003[/size][/i] |
| Baldoon | Ich, das Schwert Ich bin das Schwert. Vor mir erzittern Länder, Kontinente. Und doch sind es die Zitternden, die mich in ihren Händen führen, um sich vor mir zu schützen. Vor mir neigen sich die Häupter, Fallen lautlos tote Körper. Meine Klinge strahlend schön, ihr Hunger verschlingt Menschenfleisch. Ich spreche Recht, Ich durchschlage zähe Ketten. Mein Weg, das ist ein Sturm, Mein Schlag ist einem Blitze gleich, meine Stimme laut wie Donner. Einst war ich Stahl, Nun bin ich atomares Feuer. Ich bin so grell wie eine Sonne, und so heiß wie Höllenfeuer. Und trägt man mich auch zu den Sternen, bleib ich auf ewig nur das Schert. Doch trügerisch die Unsterblichkeit, denn fällt die letzte Hand zu Boden, wo bleibt dann jener der mich führt? Ich bin das Schwert. |