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  Forum: Verlassene Gärten
    Thema: Memento Mori
AtroposDer Göttin Leid
===========

Es war am Anbeginn der Zeiten,
als die Götter noch auf Erden weilten,
dass Farore, Göttin, so wunderschön,
liebkoste auf des Waldes Hain,
das schönste Fleckchen Erde.

Und als sie küsste diese Stell',
ihr sogleich entsprang ein Quell',
voll Weisheit, so rein und klar,
wie flüssig' Silber bot sich's dar,
auf dass er ewig währe.

Zuerst nur Rinnsal, klein und scheu,
bahnt sich's doch den Weg getreu,
Mutter Erdes Kraft ward ihm besonnen
bedächtig fließt's den Weg in Wonnen
zu einem Bache dar.

Und ist's dem Bächlein doch vergolten,
weil's da rinnt so unbescholten,
seinen Weg durch Fels und Stein,
denn so war's der Göttin Wille
und so soll es sein!

So vermag sich nichts zu stellen
in des Wassers kräftig' Wellen,
denn des Baches reißend' Fluss
war wie der Liebenden stürmisch' Kuss,
voll Übermut floss er dahin.

Der Klippe Abgrund ward nimmer fern,
wollt's der Schwerkraft Bess'res lehr'n,
schnell und schneller, walle, walle!
Sprang's beherzt und stürzt zu Falle
in des Weihers grünen Schoß.

In tausende Tropfen war's gestoben,
als wär'n aus Sonnen sie gewoben,
gleich diamantenem Scheine, immer wieder
gingen sie als Wasserfall hernieder,
den Sonnenschein brechend immerzu.

Gesäumt durch schönste Weiden,
Sprühregen aus güld'nen Seiden,
als finge er die schönsten Träume nur,
besungen durch des Windes Chor
schmiegt er sich in des Waldes Herz.

Als ihr Werk vollendet,
sie dem Weiher sich zuwendet,
und mit fester, harter Stimme,
auf dass sie auch den höchsten Berg erklimme,
um zu verkünden den göttlich’ Schwur:

"Nie soll Sterblich' seh'n die Pracht
der Sterne wunderbarer Macht,
denn ist's gemacht aus Herzens Blut,
nur zu einem Zwecke gut,
ein Schrein zur Ehren der Natur.

Da aber des Menschen Absicht geht dahin
zu verderben, was da hat den schönsten Sinn
so möge jedem Frevler die Gnade zuteil,
den Tod durch Wahnsinn schnell zu ereil'n!
Auf Gedeih und Verderb!

Und sollt' es doch einmal gewagt,
zu schänden den Weiher unverzagt,
so soll mein Zorn sich mehren,
auf dass ich werde wiederkehren,
am Wendepunkt der Zeiten.

Dann werd' ich fahren hernieder,
um zu trennen Kopf und Glieder
von des Menschen verruchten Leib,
während tanze ich den Veit!",
sprachs, und fuhr gen Himmel.

Auf dass sein Schlaf währt tausend Jahre,
und der Menschen Ungewissheit nähre,
da niemand wusste um des Waldes Schatz,
gut versteckt an sich'rem Platz,
soll er weilen für die Ewigkeit.

Blieb's bislang strengem Blick verborgen,
das Kleinod, gänzlich ungeborgen,
unberührt von Menschenhand,
denn so war's der Göttin Wille,
und so sollt' es sein...

Jahr um Jahr war's gut bestellt,
um des Weihers glorreich' Welt,
als ein Wand'rer dieser Tage,
durch des Marsches langer Plage
an des Weihers Ufer kam.

Voll Ehrfurcht und voll Staunen
sank er zu Boden, hört' das Raunen!
Betört durch Gift in seinen Ohren
war samt und sonders er verloren!
Oh Fortuna! Um des Glückes Willen!

Es war der Göttin lieblich' Singen,
das da durch die Wälder ging,
sirenengleich lenkt sie des Wanderers Schritte
in des Weihers Lichtung Mitte,
bedächtig durch des Zaubers Bann.

Da teilten sich der Lilie Blätter,
schon Sturm und Wind da wettern,
um der Göttin böser Gunst,
wohlwissend um der Harpyie Kunst
zu fürchten jedes Wesen.

Entzürnt war sie, und wild,
dass ihre Seele wurd' gequält,
denn sterblich' Kind hat's gewagt
zu erblicken ihres Herzens Tat!
Oh Göttin, lasst Gnade walten!

Erbost über solch' Frevel kühn,
beherrscht um ihres Zornes Müh'n,
bebt ihre Stimme nimmermehr:
"So sprechet schnell, was führt euch her?"
Da stammelt er:

"Beflügelt durch die schönen Wort',
auf der Suche nach solch' magisch' Ort!
Ein Mythos, getragen durch die Zeit,
überliefert durch Geschichten weit,
fand ich das Geschenk der Götter!

So sah ich Elfen zanken!
wie ist dies möglich? Ich muss kränkeln!
Da ich darbt' von langer Reise,
auf des Durstes schmerzend' Weise,
ich nur einen Schlucke nahm.

Denn mich dürstete und ich trank,
ward ich doch schon so sterbenskrank!
Voll Ehrfurcht und begnügsam,
welch Labsal! Wie Balsam!
Könnt erquickender nicht sein!

Doch was trug der Wind da an meine Ohren?
Fühlt' ich mich doch wie neugeboren!
Was tut sich auf vor meinen Augen Wundermacht?
Ach! Welch wundersame Pracht!
Welch Zauberwelten!

Unter des Wasserfalles Gischt, gleich holdem Schein,
tanzen Satyrn fein, wie kann das sein?
Trügt meiner Augen Licht,
was wirklich ist und was nicht?
Verwirret nicht des Menschen Geist!"

so sprach sie abermals, weithin schallend:

"Möge deine Müh' nicht sein umsonst,
ich werde walten lassen Gunst
Doch wehe, wehe du kehrst wieder,
geschweige einer deiner Brüder!
So werd ich euch senden Gevatter Tod!

Nein! Ich selbst werd morden,
unter den frevelnden Horden!
bis des letzten Kriegers blutend Herz
hört auf zu schlagen im schlimmsten Schmerz!
Lasse dies' dir eine Warnung sein!"

Dankend kehrt dem Weiher er den Rücken,
um zu verkünden voll Entzücken,
der Frohbotschaft neue Kunde,
von dem wunderlichen Funde,
in den tiefen, fernen Wäldern.

Doch der Mensch erlieget allzu leicht,
den Reizen aus dem Götterreich
Da kamen sie in Scharen herbei,
um zu seh'n die Liebelei
der Fabelwelten Harmonie.

Keiner wollt' mehr wahren,
mög' ihr Zorn sich mehren,
der Göttin drohend Wort,
so war für immer fort,
zertreten und zerstört der Weiher.

Da war kein Elfentanze mehr,
der Weiher nun ganz öd' und leer,
denn jedes Leben wurd' verlöscht
unter des Wasserfalles Gischt,
kein Stein blieb auf dem anderen.

Voll Jähzorn fuhr sie in die Schlacht,
inbrünstig sie den Frevel rächt,
dass Sterbliche ihr Werk zerstört,
so schwindet ihr der Blick verklärt
unter des Blutes neb'ligen Schwaden.

So wurd' sie ihrer Prophezeihung gerecht,
sie ihre Herzenstat verficht,
wie ein eingeengter Wolf
beißt wild um sich mit spitzem Dolch,
färbt blutig sie die Welt im Abendrot.

Denn der Menschen Hochmut ist gepflastert,
mit den Schmerzen größtem Laster
und der Fall ereilt sie schnell
geblendet durch der Göttin Wut, so grell!
Zurück blieb nur verbrannte Erde.

Und der Glanz des Weihers verblasst,
den letzten Strahl erfasst,
durch brennend' Leid gesegnet,
sterbend unter der Göttin weinend' Blick,
allmählich unter glut'ger Sonne.

Ein letztes Mal ward nun gesagt,
da ihr Herz so schwer, von Kummer geplagt,
ein Versprechen bis ans Ende der Zeit,
geschwächt durch des Menschen zugefügten Leid,
ward sie der Warnung müde:

"Mein Zorn gleichsam mit Liebe geht einher,
auch wenn mich schmerzt so sehr
der Verlust des Herzens güt'ger Gabe,
so soll von neuem entstehen ein Gestade
an jenem Tage, wenn die Menschen sind dahin!

Denn wer da säe Wind
in düst'rem Zorne blind,
der wird ernten des Sturmes Frucht,
mit tosendem Echo verflucht,
zu empfangen der Strafe hartes Recht.

Doch sei's noch einmal gescheh'n,
dass Weltliche den Weiher seh'n,
so soll'n sie büßen ihre Sünde
und abdanken von der Erdenbühne,
auf immer und einen Tag!

So mögen sie wandeln auf ew'ge Zeiten,
wie Geister zwischen Welten gleiten,
des Winterwindes Flüstern gleich!"
sprachs und entstieg der Welt in ihr Himmelreich
und ward fortan nicht mehr geseh'n

Vergänglichkeit nicht ohne Wiedergeburt,
so steht an eines Flusses Furt
sie stolz und lacht mit Hohne,
auf dass sich lohne,
ihre gerechte Grausamkeit.

So hat von neuem sie gemacht,
sich an die harten Arbeit, sacht
neuerlich einen Weiher zu erwecken,
dem Ruhm und Ehre sich erstrecken,
zu lobpreisen ihre Herrlichkeit.

Trotzalledem ward ihre Seele schwer,
über des Weihers gähnend' Leer',
denn ist's dem Menschen best' Geschick
zu erfassen mit gekonntem Blick,
Vergänglichkeit.

Tod durch Gier, der Menschen Fleiß,
totzuträumen um jeden Preis!
Was die Göttin gab zur Seelenruh',
wurd' anheim genommen immerzu,
in Selbstverständlichkeit.

So zogen Jahrhunderte ins Land,
und dennoch, dem Menschen unerkannt,
liegt verborgen die Idylle,
denn so war's der Göttin Wille
und ist's bis heut' geblieben.

Tag um Tag, die Jahr gezählt,
ist meine Seel' doch so gequält,
versucht vergeblich ich mein Glück
zu finden, was da einst gepflückt,
von Frevlern, Stück für Stück.

Zu heilen die ewigen Wunden,
die meinen darbend' Geist geschunden,
und in dunklen Stunden erflehe ich das Glück:
"Oh Götter, gebet mir die Zeit zurück!",
bettelnd um des Weiher Leuchten.

War's dem Mensch doch nicht vergönnt,
da durch eigen böser Hand dies' göttlich' Gabe ward verbannt,
entrissen und entzweit,
so werd' ich missen diese Zeit,
als Harmonie dem Walde ward beschieden.

So war's geschrieben mit des Herzens Blut,
nur zu einem Zwecke gut,
des Menschen Sehnsucht auszudrücken
die Glückseligkeit zu pflücken,
wie von einem Apfelbaum...
AtroposIn stillem Gedenken
==============

Geliebte Gattin Apathia
tanzt freudvoll
mit ihrem Gemahl Lethargus
im Garten des Nichts
jeder Seele gnädig
die da bittet Einlass
AtroposTempus Fugit
==========

Tick, tack, die Uhr pendelt leise,
stets bedächtig, in mahnender Weise.
Denn Stund' um Stund'
tut sie uns kund'
wie flüchtig unser Dasein ist.
AtroposHerbstwälder
oder:
Die Vergänglichkeit allen Seins
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Als ich wanderte auf düsteren Pfaden durch den Herbst,
flüsterte der Wind mir leise Geschichten in mein Ohr,
von Zeiten, als die Welt noch leuchtete und die Sonne mein Antlitz wärmte.
Dort, wo vormals bunte Blumen blühten, sich nun totes Laub darüber legt,
denn alle Farbe ist gewichen, was einst strahlte in sattem Grün.

Doch das, was war, wird nicht mehr sein.

Voller Erinnerung an grünen Hain,
voll Wärme, die ich fühlt’,
Wehmut ist’s, die mein Herz umspült,
Sehnsucht nach goldenem Schein...

Trostlos und öd’ ist das Land geworden,
denn Dunkelheit bricht über die Welt herein,
wie ein Mantel des Schweigens
umhüllt sie den kalten Stein.

Die Stille der Wälder macht mich taub,
denn der letzte Gesang hat sie längst verlassen.
Schleichend fällt die Dämmerung ein,
und Einsamkeit macht sich breit.

Doch da!
Kaum wahrnehmbar,
dringt ein Ruf zu mir,
doch ist’s bloß das Zetern
der Kinder des Sturms,
schwarz gekleidet,
erbärmlich suchend nach einem letzten Korn.

Und als schien die Zeit doch still zu sein,
nur für einen Augenblick,
so ward ich mir der Kraft bewusst,
nagt sie doch fortwährend am Rad des Seins.

So leblos und tot scheint alles.

Einzig das spottende Krächzen der Raben
verhallt ab und an über meinem Haupt,
wohlwissend um den fruchtlosen Boden,
keinen Samen mehr findend.

Kahle Bäume, gleich totem Gebein,
leer und alt stehen sie da,
stumme Zeugen einst glorreicher Zeiten.
Als Erinnerung verblassenden Seins,
ragen flehend gen Himmel,
um Wärme bettelnd,
um ein Leuchten, gar ein Schimmern nur.

Traurig neigen sich die Zweige,
in Abstinenz des nährenden Lichts,
einem Trauerspiel gleichend,
der leblosen Erde entgegen.

So werden sie dennoch wiedergeboren,
der ewige Zyklus,
einem Zauber gleich,
um aufzuerstehen im neuem Glanz.

Das letzte Glimmen der Sonne
verfängt sich in den Bäumen
und verliert sich in den Weiten der Wälder.

Auch wenn mich die Hoffnung nährt,
die Aussicht in eine neue Welt,
auferstanden aus ihrer eigenen Asche,
so ist’s noch lange hin.

Und ich fing an zu träumen,
denn es ward Herbst geworden.

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