| Asphodelia | Dämonen der Nacht In der Tiefe, Ein verborgenes Leuchten. Einst blass, dann heller, nun von diffusen Glühen. Brennen und Schmerzen durch gebrochene Bande, Zersprungenes Glas in bloßer Hand. Gleißendes Licht blendet geschlossene Augen, Versengt den Geist, überschattet Gefühle. Es weiset den verlorenen Pfad, Gepflastert mit Scherben, Horizont verschwommen, Verwildert von gestorbenen Gefühlen. Doch zartes Blühen in der Nacht, Sanft klingende Erinnerung im Traume, Das Ende aller Zeit im Morgengrauen. Tod der Dämonen der Nacht! Leiche der Erinnerung! Neues Leben erwacht im Schatten des Traumes. Nur ein leises Glimmen in der Tiefe. -Feuer der Erinnerung- Spiegelbild Dort steht die Sonne in tiefster Nacht, Hat den Mond verdrängt, von seinem immerwährenden Platz! Ist’s helllichter Tag, ihr Augen? Ist’s strahlende Wärme, die mein Herz mit sanft schmeichelnden Händen umfängt? Süßer Klang von tausend Harfen entzückt mein wohlgeneigtes Ohr. Oh zärtlicher Klang, oh willkommener Klang, verweile! Zu schön ist’s, in das Antlitz eines Engels zu blicken, Zu verführerisch sein strahlendes Haupt. Seine Worte, von der schmeichelndsten Ehrlichkeit erfüllt, Vertreiben jeden Zweifel aus meinem betörten Herzen. Meine Seele ist verzaubert von dem leisesten Hauch Deiner Lippen. Mein Herz strebt nach Einklang mit Dir, mit der Ewigkeit, Wie nur ein sterblich Herz zu streben vermag. Oh, Du kleines zerbrechliches Herz, nimm Dich in Acht! Jedes Aug’ kann geblendet werden! Ist’s nicht der menschliche Geist, der am verführbarsten ist? Blicket das geneigt Aug’ mit erfüllungssuchenden Blick umher, So mag es tausend Engel sehen, tausend strahlende Sonnen in der Nacht. Doch war es nicht stets der Mond, der Dein Herz in sanfte Träume hüllte? Mein strahlender Engel, der mir die Sonne an den Nachthimmel malte, betöret hast Du mein Herz! Betöret, umschmeichelt, verhext! Reichtest mir den Apfel in die Hand, versprachst mir die süßeste Erkenntnis. Oh, wie getäuscht ihr Augen, wie getäuscht ihr wart! Meintet ihr tatsächlich die Sonne zu sehen? Nichts, als ein schwaches Spiegelbild war’s, das euch die feurige Flut vorgaukelte, Entsprungen aus den Tiefen meiner Seele... Mein Engel, sprich, woher kamst Du und wer gab Dir das Recht, Meinen Augen zu zeigen, was sie begehrten? Ein Lied von Engeln und Raben Schwarzer Schwingen zarter Hauch Berühret meine Haut. Durch seinen hellen Himmelsschein, Da hab ich ihm vertraut. Sanfte Federn streicheln zärtlich Meinen schwachen Geist. Oh, Du stolzer schwarzer Engel, Sag mir, wie Du heißt! Spürte seinen Himmelsatem So keusch und doch voll verlangen. Seine Schwingen umfassen zaghaft Meine glühenden Wangen. Ich stehe mit dem Rücken zu ihm, Genieße seine Nähe, Mein Geist verzehrt sich sehr nach ihm, Hofft, dass er nimmer gehe. Für einen Moment bleibt die Zeit still stehen Und sein Verlangen wird zu dem meinen. So viel Glück überflutet mein Herz, Möchte vor Freude weinen. Schließe die Augen in stillem Vertrauen Bis das der Morgen erwacht Und die feurige Sonne sein Antlitz enthüllt, Was mir verborgen war in der Nacht. Und der morgen kam strahlend Und mit ihm das Grauen- Denn nicht einem schwarzen Engel, Aber einem Raben schenkte ich mein Vertrauen! Dieser betrachtet mich nun kühl Aus seinen blauen Augen. Was ist bloß mit mir passiert, Kann es noch gar nicht glauben! Aus seinem Schnabel tönet nun Ein höhnisches Geschrei. Wie konnte ich? Wie konnte ich? Wann geht der Schmerz vorbei? Mir scheint als könnt das Rabentier Bis tief in mein Innerstes blicken, Als würde er mit großer Freude Mein Herz mit Dornen spicken. Der schwarze Gesell hat es durchschaut, Dass er mich schwer verletzet, Mit seinem spitzen harten Schnabel Hat er mein Herz zerfetzet. Das bereitet ihm Vergnügen Und er fliegt von dannen, Immer suchend nach der Nächsten, Zu stillen sein Verlangen. Zurück bleiben nur stumme Tränen Und ein zerriss’nes Herz. Mein falscher Engel ist längst fort Und bei mir bleibt nur der Schmerz. Das ist dann wohl die gerechte Strafe, Dass ich nicht richtig hab hingeschaut. War zu blind und zu naiv, Dass ich einem Raben hab vertraut... Perfektion So viele Menschen Von Schönheit verführt. Doch wo ist der Mensch, Der die Seele berührt? Der Mensch, Der in perfekter Manier, Den schwarzen Himmel Mit Sternen verzier. Der weiter sieht, Als nur der Augenschein. Der seine Seele hat, So strahlend und rein. Dem diese Welt fremd ist, Der in seinen Träumen lebt. Der sein Leben der Liebe widmet, Nach Erfüllung strebt? Wo ist der Mensch, Der in dieser Oberflächlichkeit, Unverblendet Nach wahrer Liebe schreit? Der Mensch, Der an hundert strahlenden Feen, Kalt lächelnd Kann vorüber gehen. Der Mensch, Der diese Eine sucht, Obwohl man ihm Diese Suche verflucht. Der Mensch, Der schon große Schmerzen litt, Als die Prinzessin An ihm vorüber ritt. Der Mensch, Der trotzdem nie verzagte Und wieder sein Herz Zu öffnen wagte. Wo ist der Mensch, Dessen schöne Seele, Dem Wort Perfektion Eine neue Bedeutung gäbe? Der Mensch, Dessen Herz voll Reinheit ist. Der Mensch, Der stets tiefe Liebe vermisst? So viele Menschen Von Schönheit, Suche ich bloß den Einen, Der meine Seele berührt... Tiefer als der Tod Kalter Trauer schwarzer Dolch Durchstößt mein krankes Herz. Steckt bis zum Heft in meiner Brust, Oh, rotpulsierend Schmerz. Treib dahin auf sanften Wogen, Blutrotrauschend, schmerzerfüllt, Bis zärtlicher Sirenensang Meinen Geist komplett umhüllt. Bin ich tot? Schlage sacht die Augen auf, Suchend nach dem Licht, Das Kunde von Erlösung bringt. Suche- doch finde nicht. Hinfort der Dolch in meiner Brust, Ein roter Fluss versiegt. Nur ein einz'ger blutig Tropfen, Der all den Schmerz aufwiegt. Bin ich tot? Ein dunkler Engel küsst hinfort, Den Tropfen blutig rot, Sieht mich unendlich traurig an Und spricht: "Ich bin der Tod" Doch sein Blick spricht nicht von Frieden Und auch von Erlösung nicht. Denn kein Tod kann je erlösen, Das Herz, das in Ewigkeit bricht. Die Liebe ist unsterblich Und ich bin gebunden an sie. Ein Geschenk soll sie sein, ein Segen- Für michwar sie das nie. Die Liebe ist mien Lebensfluch, Der mich unsterblcih macht. Unsterblicher Schmerz, unsterbliche Qual, 0ede Nacht, oh, jede Nacht! So dreh ich mich im Teufelskreis, Hand in Hand mit ewigem Schweigen. Wir tanzen durchs Feuer in flackernden Wahn Einen blutrotrauschend schmerzerfüllt Reigen. Gott, erlös mich von der Seelennot. Erlös mich - ich falle tiefer als der Tod! |