| ArwenGuinevere | Die Wolke des Schicksals Eine schneeweiße Wolke Schwebt am Himmel so fein Durch gutes wie schlechtes Wetter Tagaus, tagein Die heile Welt im Sonnenschein Erblickt die Wolke selten Der Weg bis hinter den Berg ist weit Dazwischen liegen Welten Das Unwetter trifft sie jeden Tag Das Unwetter welches sie gar nicht mag Er schüttelt die Wolke bis alles sich dreht Sie droht zu fallen; der Wind dazu weht Gefangen und gefesselt in Donner und Wind Befreit die Wolke sich geschwind Vom Blitz erschlagen, vom Regen durchnässt Zeit dass sie das Gewitter verlässt Langsam und schwach steigt die Sonne Über den Horizont Nun weiß auch die weiße Wolke Die bessere Zeit für sie kommt (13. April 2004) Der Düsterwald Ich stehe am Rande Eines dichten Waldes Am Tage unschuldig und rein In der Nacht jedoch düster und unheilvoll Ich wage einen Schritt Ohne zu denken Hinein, unter die Bäume Durch die der milde Wind rauscht Es dämmert und wird kalt Ich spaziere immer weiter Nur eines merke ich nicht Die Nacht bricht herein Nun weht ein eiskalter Wind Ich habe mich verirrt Die Eule ruft, sie schaut mich an Die Wächterin der Nacht traut mir nicht Angst und bange wird mir Vom Blick der Eule, der mich durchbohrt Ich spüre ihre Abneigung gegen mich Den abgrundtiefen Hass auf mich, ihre Feindin Sie schnaubt und fährt ihre Krallen aus Ich schreie, bin jedoch steif und stumm Ich kann mich nicht wehren, finde nicht raus Dies ist mein Ende, qualvoll und eiskalt Doch schon schimmert Licht Durch die sich wiegenden Zweige Ein singender Engel, so strahlend schön Verwünscht die Eule, befreit mich vom Unheil Der Engel, mich auf Flügeln tragend Findet den Weg aus dem Wald heraus Schon ist es Tag, die Nacht verschwindet Ich schlafe, der Engel wiegt mich in seinem Arm (03. Juni 2004) Gefangen in mir Ein heiterer Frühlingsanfang Unendlich weiter Blick Auf den Horizont Der süßlich frische Duft der Blumen Alles eine Illusion, ein Traum Ein unsichtbarer Gedanke Ich kenne keinen Frühling Der graue Winter ist in mir Hat Besitz von mir ergriffen Einst duftende Blumen längst verwelkt Ich erwache aus dem Traum Die Wirklichkeit ist grau Die warme Welt von draußen Nur durch ein Fensterchen zu sehen Unscheinbar und fremd In vier kalten, feuchten Mauern Da ist mein Sein Meine graue, doch vertraute Heimat In der unendlichen, irrsinnigen Weite Suchen Angst und Gefahr mich heim Schutz und Sicherheit mit einem Mal verloren Greifbar nah für meinen Feind Denn nur, wo er mich nicht sieht fühle ich mich geborgen, wenn auch in tiefer Trauer In meinem Zufluchtsort, dem grauen Käfig aus Stein Gefangen in mir selbst. (30. Juni 2004) Das Mädchen ohne Namen Ein kleines, zierliches Wesen Mit traurigen, dunklen Augen Und Haaren so schwarz wie die Nacht Es strahlt tiefste Trauer aus Steht vor dem Abgrund, vor dem Nichts Von den Mitmenschen verstoßen Wurde es vor langer Zeit Als es noch klein und hilflos war Es hatte nie einen Namen Denn es war stumm und gelähmt Schwarz wurde die Seele des Mädchens Seine Trauer blieb verborgen Sein Kummer eingesperrt Ohne Stimme war es unmöglich Auch der Körper erstarrte zu Stein Es konnte nicht weinen Die Tränendrüsen ausgetrocknet Sein Körper blieb steif, bewegungslos Es stieß einen inneren Schrei aus Mit der Hoffnung, gerettet zu werden Doch ein innerer Schrei wird nie gehört Innerer Kummer nie gespürt Innere Tränen nie gesehen Noch hilfloser war das kleine Mädchen Ihr Leiden so tief und unbeschreiblich Menschen ziehen am Mädchen vorbei Spottend, nichts merkend, verständnislos Es spürte, dass es nichts mehr wert war Ein Schritt nach vorne, in den Abgrund es stürzt Da liegt es nun, regungslos, doch vom Leiden befreit (02. August 2004) Der einsame Berg Irgendwo, an einem einsamen Ort Wo alles Leben einst vergessen war Von Eiszeit und majestätischer Stille geprägt Dort rage ich in den Himmel Mein Gipfel gleich einem Wolkenkratzer Die dichte, weiße Wolkendecke durchbohrt Wie meine vertraute Landschaft Bin auch ich kalt, vereist, zugeschneit Schweigsam und trostlos Kein Wind weht, keine Sonne scheint Kein Bach rauscht, nicht ein Eisblock bricht Weit weg die Menschheit, Lichtjahre entfernt Hoffnung auf Leben ist längst passé Seitdem die letzte Quelle versiegte Und ich, die Herrin aller Berge Meine lang ersehnte Ruhe fand Für die ich meinen Feinden Bei Verletzung Rache schwor Berührte mich ein Tropfen Schmelzwasser Durchbohrte mich ein Stein So löste sich aus der Stille Ein Donnergrollen, ein Beben Verwüstete ich meine eigene Landschaft Durch meine alles vernichtenden Schneemassen Nun ist der Spuk vorüber Die Landschaft einem Chaos gleich Ich für allezeit kahl, verlassen Mein Schneemantel in Wut zerstört Die lang vermisste Stille wieder eingekehrt Doch ich bin für immer und ewig verwundet und verloren (10. August 2004) Vier kalte Jahreszeiten Bleich ist der Frühling Der Winter langsam vergeht Die Knospen der Blüten noch geschlossen Die Farbe der Blätter zart Schwach die Sonne durch den Nebel lächelt Licht bringt in die Dunkelheit Verschwommener Sommer Die Sonne hoch über dem Horizont Ihr Gesicht verborgen, ohne Ausdruck Grelles Licht erfüllt die Weite Grüne Wiesen und Blätter, fröhlich bunte Blüten Doch alles unscharf und irreal, eine Illusion Der Herbst lebhaft und dominant Vor ihm selbst die Sonne fällt auf die Knie Frischer, kühler Wind verdrängt die starre Hitze Wie das Licht verschwindet hinter schwarzen Wolken Einst grün und bunt, heute braun und grau Die Wirklichkeit nun zeigt ihr lebendes Spektakel Der stille Winter geheimnisvoll und nachdenklich Die tobende Seele nun ihren Frieden gefunden Die Welt erfroren, bedeckt mit weißem Schnee Einzig Lichtquelle in Dunkelheit und Nebel Grau-weiß das Bild in Harmonie schimmert Sonne und Natur halten tiefen Winterschlaf (14. August 2004) Zertrümmerte Baumhäuser Drei kleine Mädchen einst im Wald Im Doppel-Baumhaus spielten mit ihrem großen Bruder Sie weilten dort und spielten jeden Tag Kletterten, schliefen, aßen - Es ging allen gut Groß und mächtig der Baum mit seinem Bau Und doch fühlten sie sich wohl und sicher Doch fern von diesem Ort schlief der Neid Jäger, die im Wald lauerten, verspürten Hass Auf das Wohl der Kinder, der Natur, der Tiere Das Baumhaus störte sie, die Kinder noch mehr Ganz für sich wollten die Jäger den Wald Das Machtstreben ihnen raubte den Verstand Eines Tages fertig war der Jäger eiskalter Plan Die Kinder nichtsahnend im Baumhaus saßen Nicht voraussehend, was auf sie traf Niemand stieß einen Warnruf aus Kein einziges Wesen witterte die schleichende Gefahr Die Jäger auf das Baumhaus zielend Unzählige Schüsse feuerten Herzzerreißende Schreie, Flammen gingen auf Es war trocken, die Häuser brannten Die teuflischen Mörder im Rauch erstickten Die Kinder waren hilflos dem Tode ausgeliefert Zum Denken blieb keine Zeit mehr Die unschuldigen Opfer mit dem Leben kämpften Der Älteste floh in den Wald, schwerverletzt Ein Mädchen sprang raus, doch war sofort tot Die restlichen zwei qualvoll Den Flammen zum Opfer fielen Der Spuk nahm ein gar trauriges Ende Das Doppel-Haus samt Bäume In sich wie Sanddünen zusammenstürzte Die zu spät gerufenen Eltern konnten die Brände nicht löschen Auch der Bruder nicht, die Schwestern waren tot Die Hinterbliebenen weinten bitterlich vor den Trümmern Der ganze Wald in Angst versetzt Trauer, Schock, Fassungslosigkeit überall Wegen der Jäger Machtspielchen und Hass Mussten sie unschuldig und doch so brutal sterben Dabei waren sie alle Menschen, der Hass unnötig Wo ist der Frieden? Nur bei den Opfern Keine Antwort auf diese Frage: WARUM? (14. August 2004) (Zum Gedenken an die Opfer der Terroranschläge auf das World Trade Center vom 11. September 2001) |