| Absinth | Deine Seele wird brennen! Und wenn ich selbst die Flammen entfachen muss! Sollte deine Seele kalt sein, zu kalt um sie zum Lodern zu bringen, dann werde ich sie schmelzen! Sollte deine Seele hart wie Stein sein, so werde ich sie brechen und mahlen und ihren Staub in meinen Blute kochen! Und solltest du mich dann immernoch nicht begehren, so wird mein Gift sich von dir lösen, dann sollst du meine Adern, Gefässe des lebens blockieren Aufdass wir beide daran zu Grunde gehen! |
| Absinth | brich doch, Herz. Wer braucht dich schon? verschwinde doch, Herz. Wer will dich schon? löse dich auf, Herz. Nimm alle Schmerzen mit Ohne sie kann ich leben, ohne dich auch... Und nun? Nun bin ich hier, eher gestrandet als geboren. eher tot als lebendig. Aber was macht das schon? Ich seh den Raben, der auf den Dächern lauert. Mir kommt es vor als verfolgte er mich. Er ruft mich, er ruft meinen Namen. Warum? Ich kann sie spüren, die Trauer die ihn umfängt, die ihn beherrscht, die ihn zerdrückt. Er ist ein Vogel, nicht mehr. Ein alter Rabe, der den Winter schon zu oft erlebt, den Schnee zu oft gespürt, die eisigen Kälte zu gut kennt. Er ist ein Vogel, er krächtzt nur. Weshalb kennt er meinen Namen? Waren seine Federn schon immer, schwarz? Ich drehe mich weg, ich hasse ihn, diesen Vogel, er soll mich nicht so anstarren. Er soll mich nicht rufen, ich kenne ihn nicht. Ich könnte mich erinnern, aber woran? Egal wo ich hingehe, er ist da. Er sieht mich. Ich bin doch nur ein Mensch! Ich bin nicht verrückt! Ich bin einsam, und dennoch, bin ich hier. Niemand der mich bemerkt, niemand der an mich denkt, niemand der mich liebt . Nur der Rabe sitzt da, wie jeden Tag und ruft meinen Namen. Wie traurig seine Stimme klingt. Es scheint als wolle er mir etwas erzählen, als wollte ich nicht hören, aber ich höre doch! Ich stehe hier und höre, doch es ist nur mein Name den er ruft. Sinnlos, absolut sinnlos. Ich lausche einem Vogel! Ich dreh mich um und gehe weiter. Als sei nicht gewesen. Immer weiter laufen, so wie ich es immer tat. Ich will rennen! Es ist doch einfach nur die Hoffnung, die Sehnsucht, die mir wieder einen Streich spielt! Er kann es nicht sein! Er ist alles was ich will und ich sehe ihn in einem Vogel. Tränen rinnen über mein Gesicht. Woher sie kommen weiß ich nicht, ich spüre nur den Druck in meiner Brust der mich zerquetscht. Der mich jagt, der mich nicht atmen lässt. Ich spüre nur die Leere in meinem Kopf die endlos scheint, ohne Gedanken, nur dieses Gefühl, das mich zerfetzt! Es ist halt einfach nur ein Traum, ein Wunsch, nicht mehr, alles in meiner Fantasie, und die Realität? Sie zerstört alles, sie macht mich kaputt! Ich werde langsamer, ich bleibe stehen. Ich atme tief durch. Die Tränen sind längst getrocknet. Wie bescheuert ich bin... Nun bin ich da. Das Krankenhaus, mein Arbeitsplatz. Menschen die an mir vorbei gehen, die mich anstarren. Ich habe sie garnicht bemerkt. Reiß dich zusammen! Ich öffne meine Tasche und krame nach der Stempelkarte. Es piept kurz, 2h40min Überstunden. Ich gehe die Treppe rauf zur Umkleide. Ich tausche meine schwarzen Sachen gegen das ausgewaschene Hellblau und die weiße Karottenhose. Schülerin steht auf der linken Seite meiner Brust. Arbeit, endlich, das Einzige was mich ablenkt! Hoffentlich ist viel los! 20:00 Uhr, der Zwischendienst ist vorbei. Ich bin ein netter, warmherziger Mensch. Das wurde mir heute wieder gesagt. Ich hätte eine sanfte Stimme. Wie sehr sie sich alle täuschen. Ich bin kalt, in meinem Körper, glänzt das Eis, und genau das ist es was euch das vorspiegelt, was ihr sehen wollt. Aber egal. Alles ist egal. So ist der Tag auch schon wieder vorbei. In der Umkleide treffe ich nun ein paar meiner Klassenkameraden. Ich frage sie wie es auf ihren Stationen war. Jeder hat was zu meckern. Ich gehe runter, zum Hintereingang hinaus, der zu der grünen Wiese führt, wo die Patienten spazieren gehen können. Ich folge dem Weg, bis zum Metallzaun. Ich kann schon den Eingang sehen, zum Friedhof. Wie in Trance laufe ich den Weg, automatisch, obwohl ich garnicht darauf achte wo ich hinlaufe. Und dann stehe ich da. Ich blicke auf einer Reihe alter Grabsteine. Unregelmässig aufgestellt, verwittert. Mit jüdischen Zeichen. Aber einer sticht heraus. Ein schwarzer Obelisk! In goldenen Buchstaben glänzt sein Name. Wolf Finsterwald. Unter ihm Julie Finsterwald. Makaber, aber das ist er, mein Lieblingsgrabstein. Ich stehe dort noch ein paar Mintuen. Dann wende ich meine Blick ab und gehe weiter, ich nehme Platz auf einer Bank, von der ich genau den Haupteingang und die Kriche des Friedhofs beobachten kann. Es ist so herrlich friedlich hier! Ich fühle mich frei! Ich wünschte ich müsste nicht alleine hier sitzen. Ich wünschte es gäbe jemanden mit dem ich all diese Gefühle teilen kann, diesen Frieden, denn nur hier erlebe ich ihn! |