| Traumlos | Es schmeckt ein wenig bitter, probiert es trotzdem. Deswegen möchte ich mir, entkleidet, einmal noch die Liebe bezeugen! Der Scherbenhaufen hilft mir hierbei fleißig - Mit ihm vermähle ich mich, mehrmals. Mein rechter Schenkel bildet, in Form gebracht, einen Leib. Hinein ramme ich eine Rippen nach der anderen, bespannt (mit weißer Haut von Rücken und Bauch): Der Abend stolpert heran! Mir kommt eine Idee: Das Vieh soll fliegen! Haare halten den Kleinen in guter Höhe. Die süßen Beinchen bilden meine verkrümmten Finger. Stümpfe streicheln mein Werk: Schwarz-braun, rot und weiß fließen im wilden Tanz! Unter Tränen schenke ich ihm mein Augenlicht - Was will’s mir gleich noch nützen? Von Stolz ergriffen, schlägt entstellt die Fratze auf den kalten Boden – wissend: Wenn in wenigen Tagen die Farben trocken, ausgeblichen, von Fäulnis durchwirkt, mir schiene, (lang nerventot) der Schmetterling ganz rosarot! |
| Traumlos | Es folgen zwei/drei Kurzgeschichten. Aber nicht mehr heute. |
| Traumlos | Diese KG wurde gestern Nacht geboren, und heute ausgespien: Der Hauptcharakter heißt ... hm ... ist auch weniger wichtig (Vielleicht ... Emilie, wer heißt denn heute noch Emilie?). Schauen wir ihr also zunächst ein wenig zu, später können wir dann vielleicht auch eingreiffen. Teil 0 Sie schlug die Augen auf. Entgegen ihren Erwartungen: Es war nicht dunkel. Wahrscheinlich nicht einmal [i]Nacht[/i]. Zweite Frage: Wo war sie hier? Sie sah sich um. Der Raum (ihr Gefängnis?) hatte die Form eines Würfels. Eine Kantenlänge von – grob geschätzt – vier Metern. Der Boden, die Wände und die Decke waren sauber verputzt und es war ein größtenteils weißer Farbton auszumachen. Sie lag seitlich inmitten der Zelle. Ihr Rücken schmerzte fürchterlich. Sie sah an sich herunter, direkt auf einen nässenden Riss in ihrem rechten Bein (sie war gänzlich entblößt). Die Wunde begann, sauber geschnitten (Skalpell?), An ihrem Geschlecht, führte über den Oberschenkel bis zum Knie – und weiter hinab bis zu den Zehen. Sie erschrak – wo [i]waren[/i] ihre Zehen? Anstelle dieser fand sie bloß kleine blutige Stümpfe, das Gehen, laufen oder gar rennen fiel für heute also aus. Dann fiel ihr Blick langsam auf den Boden. Um sie herum lagen Scherben, um nicht zu sagen: Sie lag in einem ausgewachsenen Scherbenhaufen. Deswegen also die Rückenschmerzen... Sie wand sich soweit es eben ging und wollte schreien – eine eher schlechte Idee. Mit einem Male verkrampfte sich ihr Magen und sein gesamter kläglicher Inhalt schoss in ihren Mund. Sie riss ihn auf, da spritzte ein Schwall aus Blut und Galle auf den Boden. Ihr kamen die Tränen – aus Schmerz: Sie hatte begriffen, sich den Mund wortwörtlich [i]aufgerissen[/i] zu haben. Stücke von dünnem Faden drehten im dunklen, grünroten Gemisch vergnügt ihre Kreise. Eine Genugtuung blieb ihr: Er war zwar gänzlich zugenäht gewesen, sie allerdings hatte ihn nur zur Hälfte öffnen können. Sie konnte jetzt vielleicht sprechen, hatte aber im Gegenzug nur erträgliche Schmerzen... Dachte sie zumindest, bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Säure in ihrem Bart aus Haut und Fleisch ihres Amtes waltete. Ihr Gesicht verzog sich, sie ließ entnervt den Kopf sinken und schloss die Augen. Jetzt erst bemerkte sie, das Fesseln ihre Arme auf unangenehme Weise verschränkten - allerdings [i]hinter[/i] dem Rücken. Sie hatten schon tief gescheuert und behinderten den Blutfluss derart, dass ihrer Hände stark erkaltet waren. In dieser Situation war sie gänzlich hilflos und das war ihr bewusst. Wenn jetzt jemand die Tür öffnen würde... Sie drehte ihren Kopf und... erschrak. Hinter ihr war wirklich eine Tür! Diese war – genau wie der Türrahmen - klein, schwarz und aus Holz, völlig unscheinbar also. Erschöpft und ängstlich sank sie zusammen. Das Glas unter ihrem Körper knackte zunächst, schmiegte sich dann aber artig an ihre Haut. Der Raum schien die ganze Zeit über eigenartig still, es waren nur wenige Geräusche zu hören – außer dem ihres Rauschen ihres Blutes (und selbst die zerbrechenden Splitter hatte sie nur sehr gedämpft gehört). Ihr kam eine Idee: Sie rieb sich die linke Kopfseite an den Schultern. Da, wo man Ohren erwarten durfte, fühlte sie nur Klebeband. Ein breites, glattes Kreuz aus Klebeband. Panik stieg in ihr auf und, hätte sie nicht schon leidliche Erfahrungen damit gemacht, hätte sie ein weiteres Mal versucht zu schreien. Sie hielt inne. Ein neues, kaum vernehmbares Geräusch krabbelte durch ihre Gehörgänge. Sie nahm einen tiefen Atemzug... und flüsterte ein sehr undeutliches (bitte... nicht...), als sie verstand. Ihr Gehör war jetzt also die neue Heimat irgendwelcher Tiere. (Bitte... alles, nur keine) Sie öffnete den Mund jetzt ganz - und schrie furchtbar laut. Sie war früher hübsch gewesen, vielleicht sogar [i]sehr[/i] hübsch. Was war davon übrig? (und vor allem: was nützte es ihr [i]jetzt[/i]?) Da wachte sie auf. Wie lange hatte sie geschlafen? Sie sah sich um - und wurde schwer enttäuscht. [i]Nichts[/i] hatte sich an ihrem Verlies verändert... bis auf das Licht. Es schien durch ein kleines, unerreichbar hohes Fenster... und war eben - soweit sie das beurteilen konnte - noch recht hell gewesen. Jetzt neigte sich der Tag offensichtlich dem Abend zu (ihr recht ähnlich). Sie grübelte leicht benommen über diese Neuerung... Da kopfte es an der Tür. |