| Lirion D. | Hiermit setze ich mal meinen eigenen kleinen Garten. Ich habe über die letzten zwei, drei Jahre einiges an Gedichten verfaßt, und hoffe, hier einmal Meinungen und konstruktive Kritik zu meinen Texten zu erhalten. Ich wünsche einen schönen Aufenthalt ;) [url=http://www.nachtwelten.de/vB/showthread.php?s=&threadid=32390]Meinungen und Kritik hier[/url] |
| Lirion D. | [center] [b]Angel of Despair[/b] Walking down a path uncertain raindrops falling on her face her mind forlorn in thoughts hurtin' her feet running their own race Angel of despair, child of a world of darkness Her eyes once filled with the light of hope a gleam too weak to enlighten the hopelessness the flame not capable of the merciless cold So young but yet so old A beauty precious like porcelain disguised in the mist of pain broken by the claws of insincerity this angel has lost her wings, long before mortality Too much these eyes have seen too many places these feet have been to too much filth has stained this vulnerable frame the fire inside her fought a battle never able to gain No tears for the rain to wash away for the spring ran dry long ago no hope can save her from this way the path of the lost souls [/center] |
| Lirion D. | [center] [b]Failure of the Prophecy[/b] Shattered they lie upon the floor ten written down commandments god-given word and law but yet of mortal appearance His flesh nailed to boards of old wood the traitors gazing at him, the result of their lie the supposed father, not by his side he stood now he's asking, for what will he die? The light of their god has blinded these knights they don't see the souls in their victims slain like cattle, millions of them died their murderers, in false pride they are revelling Born to die for faith, never to live the prophecy has burned away the purity of his youth in trust on his god all he will give to slay cousins and ancestors, a defamed truth As all the plants outside were burned the fire went inside self-appointed advocates of god they executed their own flock Celibacy, another godless lie the begotten children, for denied desire they die the young servants, raped for a system degrading the purpose not to be animals, beasts they are becoming Even His fallen son they honor Contrarily, god's flock is the victim to worship the goat the heavenly father, will he be a goner? Their sins are falling back on Them, the snare narrows around Their throat War and battles torture and pain lies and shame again and again and the conclusion will prevail that the prophecy did fail... [/center] |
| Lirion D. | [center] [b]Farewell[/b] Pale skies clouds covering the stars where truth may lie yet unreachably far Though today a star has risen telling about a soul forlorn I look into the sky, look where she has gone... Kind of walking through a maze blinded eyes seeking the path the seek just seems to fail Shall I regret? Shall I proceed? I do not know, that what shalt be The loss it hurts yet shan't be doom for your words want to keep up gloom Crossroads, many paths beyond your path, where would it have gone? Never should I forget the place in my heart eternally set [/center] |
| Lirion D. | [center] [b]Glint in the Dark[/b] 'Twas a clear starlit night the spirits of the skies, they shone so bright far from civilization, under the old oaken tree 'twas the first night I met thee Thoughts of a forlorn past escapin' my lips while my fingertips play'd this melancholic melody I noticed yer comin' yet didn't stop as if we've been knowin' each other for ages already Nothing was written but the very life history you started to sing to me guitar playin' drew yer own stony path to me mind's eye Nothin' but the song we told still 'twas deep understandin' 'Twas a severe disease that threatened yer vitality yet still to your eyes this unique glance was left your smile and embrace have spent a few lucky weeks to me dismal life alas, too early you've fallen to malady's theft 'Twas a clear starlit night yet there was nothin' that seemed to me bright as bright as yer eyes and yer smile 'twas the night when I buried thee under the old oaken tree And still to this oaken tree I come playin' our song of a sad bard escaping the pale grey again we are singin' and dancin' and laughin' as if never we could fall to death's prey [/center] |
| Lirion D. | [center] [b]Dream of the Otherworld[/b] In my dreams I see a land the reign there is in nature's hand no deadly war strikes mortal men the only fear is to be banned No envy there, no hunger for might the nights are calm, the days are bright Everyone with open heart is welcomed there, and will be charmed No fatal war, no deadly battle Fights are sport, opposites are friends no brutal murder, no bloody ends no one jammed like needless cattle A woman appears and takes my hand shows me her folk, shows me her land furious and sad thoughts seem to her strange the grief and sorrow from my mind she bans A thunder wakes me, outside it rains adrenaline floating through my veins It takes me some time to find back again into this world, into my spirit's glen The night again I flee to this dream a member to this world I seem she steals away the drowning grief the one and only welcomed thief The night, my desired companion alas, I wish I never woke again... [/center] |
| Lirion D. | [center] [b]Todesoffenbarung[/b] Eine dunkle Gestalt steht auf dem Hügel, jenseits der Geborgenheit der Wälle Der Wind umstreicht seinen Mantel kühl Sein Auftrag ist, die Geborgenheit zu fällen Er hebt sein Schwert, die Flammenlanze Ungezählte Tote hat das Feuer zu beklagen Ein Feuerregen würde alles Leben begraben, und auf den Gräbern würde man tanzen Doch hält er inne, spricht kein Wort In seinen Augen irrlichtern die Gefühle Sein Herz will von dem Dorfe fort, will fliehen in die weite Wüste Der Arm sinkt nieder, doch nichts geschieht Er neigt den Kopf, und sinkt herab Ein gebrochener Engel, der dort kniet, das erfüllende Licht ward ihm versagt Ein Klageschrei, die Flügel brennen, nie gekannter Schmerz versengt die Seele des Gefallenen Die Gnade hat ihn fehlgelenkt Nun streift er ziellos durch den Sand, seines Herren Kinder gehört dies Land Ein Fremder nur, auf dieser Welt, seine Gedanken werden von Sehnsucht gequält Des Nachts, wenn er am Feuer sitzt, den bittersüßen Alkohol ausschwitzt, fragt er sich: Ist es des Schicksals Wille, daß uns auf ewig nur Rache fülle? Ein Klageschrei, die Flügel brennen, nie gekannter Schmerz versengt die Seele des Gefallenen Die Gnade hat ihn fehlgelenkt Selbst jetzt fühlt er kein Zorn in sich, er begehrt nicht den Thron seines Herrn Ihn plagen keine Rachegedanken so wie einst den Morgenstern Einst sollte er wieder den Ort besuchen, den er zu vernichten ward bestimmt Doch nichts und niemand gab es hier zu finden, nur die mahnende Asche glimmt Ein Klageschrei, die Flügel brennen, nie gekannter Schmerz versengt Eines Abends würde er die Wahrheit erkennen An diesem Abend hat er sich erhängt [/center] |
| Lirion D. | [center] [b]Das Jüngste Gericht[/b] Einst schritt man durch ein grünes Tal Mensch und Natur lebten Aug‘ in Aug‘ Doch diese Dinge war’n einmal, nun sprießt hier nur noch tristes Grau Einst war es wenigstens nur Blut, mit dem man die Schlachtfelder tränkte Nun kann man es gar nicht mehr zählen, wie oft hier jemand Gift versenkte Das pure Leben ist nichts mehr wert, der Mensch hat keine and’re Wahl Nutzloses Papier wird zum Herr über unser aller Schicksal Wie dummes Vieh folgt er den Hirten, Hirten ohne Stock und Hund Bloße Worte, die verwirren, und niemand öffnet mehr den Mund Seelen verrotten um des Geldes wegen Niemand leiht ihnen nur ein Ohr Im Lichte sitzen die heimlichen Herrscher, jeder andere steht im Regen Brot und Spiele reichen aus, um jeden Zweifel zu ertränken Der Steuermann, er fragt nicht nach, läßt einfach jemand anderes lenken Das Schiff wird ebenfalls zersetzt, um Holz zu gewinnen, zerreißen sie den Rumpf So haben sie sich selbst verletzt, und merken es erst, sinken sie gen Meeresgrund Die Leidenschaft stirbt ab, und wird ersetzt durch pure Gier Der Mensch, er steigt hinab, vom edlen Krieger zum wilden Tier So ist es nur eine Frage der Zeit, und niemand ist dagegen gefeit, bis sich die Schöpfung selbst besiegen werde Zurück bleibt nur verbrannte Erde [/center] |
| Lirion D. | [center] [b]Bardenleben[/b] Ich bin kein Ritter, bin kein Bauer Ich schufte nicht für nichts auf dem Feld Gedichte, Verse und Kalauer Harfe und Leier, dies ist meine Welt Die Menschen sehen nicht auf mich herab Komm‘ ich in ihr Dorf, erhellen sich die Gesichter An meiner Kunst wird sich gelabt Für meinen Spaß verurteilt mich kein Richter Des Spielmanns Segen wird‘ ich euch bringen Bei Tag und auch bei Nacht Bei Sonne und bei Regen will ich mit euren düstren Mienen ringen Haut‘ weint niemand, heut‘ wird gelacht Euer Leben int‘ressiert mich nicht Mein Gold verdien‘ ich mir mit Leidenschaft In meinem Herzen gibt’s nur Licht Und wird‘ ich von der Kirche dafür bestraft? Ihr blutet nur für die Gier eurer Herrn, eine Sache, die ich nie versteh‘ Daran kann ich zwar nichts ändern, doch lächeln werdet ihr wieder, wenn ich des Abends geh‘ Ich wünscht‘, gäb es unserer Sorte mehr, doch spüre ich, wie Gold und Machtgier das Streben ergreift in jedem Herz Ich spüre, daß die Welt unseren Geist verliert Unser Denken, unser Geist, sie streben ihrem Ende entgegen Bare Münze, sie ist es meist Sie wird unsre Zunft besiegen Oh, welch Glück es ist Daßich in dieser Zeit lebe Zurückzukehren in uns’re Zeiten, ich wüßt‘ nicht, was ich dafür gäbe [/center] |
| Lirion D. | [center] [b]Arawns Kinder[/b] Ein kleiner Junge sitzt am Straßenrand, nur Dreck und Kälte sind’s, die er dort fand Mit traurigen Augen, hoffnungslos blickt er in den leeren Schoß Ein Mädchen spielt sorglos vor sich hin Der Vater schilt sie eine Närrin Der Blick voll Zorn, man sieht, was sich anbahnt Man hätte ihm am liebsten die Faust in den Magen gerammt Solang es Gold und Kirche gibt, ist Grund zur Sorge fehl am Platze Das Beste ist, wenn man drüber wegsieht, über die Risse in eurem perfekten Weltbild Was ist los in dieser Welt, in der ein Mann arglos eine Frau quält? Wenn die Vergewaltigte um Hilfe schreit, ist jede Hilfe sehr, sehr weit Alles wird rechtens, solange es niemand sieht, nur davor ist den Tätern bange Eingreifen ist riskant, einzig dort sind eure Gesetze hartes Wort Ihr denkt, euer Gott sei auf eurer Seite, die Sonne schien auf eure Zeiten Wäre ich ein Gott, ich hätt‘ mich schon lang‘ voll Zorn und Gram von euch abgewandt [/center] |
| Lirion D. | [center] [b]Verlorene Gedanken[/b] Freiheit Eine Illusion, geboren in Zeiten der Schwäche, als wir schworen auf uns unbekannte Mächte Ruhe werden wir nur finden können im tiefen Tal der Einsamkeit In dem unentwegten Rennen der heutigen Massen ist sie sehr weit Liebe Einziges reines, nicht verstorbenes Ideal, nach dem wir streben, doch auch ein durch unseren Wandel verdorbenes, nicht mehr klar gefühlt in diesen Leben Frieden wird nie herrschen in dieser Zeit Schon als die erste Mauer gebaut, die erste Grenze geweiht, wurde die Menschheit seiner beraubt Träume sind’s allein, die uns noch bleiben, in ihnen können wir unsere Gefühle wiegen Nur wenn wir in ihnen die Vollkommenheit streifen, können wir wieder, frei wie Vögel, fliegen [/center] |
| Lirion D. | [center][b]Gefallener Engel[/b][/center] Kalter Wind fegt über in tiefe Nacht gehüllte, vereiste, weite Flächen, doch gleich, wie laut, wie heftig er auch erscheinen mag, niemand würde auch nur Notiz davon nehmen, bis auf den Schnee, der gelegentlich aufgewirbelt wird. Tote Baumstümpfe sind die letzten Zeugen des Versuches der Natur, ein wenig Farbe in das Triste dieses Landstriches zu bringen, ein vergeblicher Versuch, der im Keim erstickt wurde. Nichts und niemand ist hier, um davon Kenntnis zu nehmen... Die Einzigen, die diesem Bild des Todes und der Unbarmherzigkeit trotzen, sind die Berge, die seit Tausenden von Jahren, Monumenten gleich, über alles hinausragen. Doch immer wieder verschlägt es einige Kreaturen selbst in solch absonderliche Verhältnisse, sei es freiwillig oder unfreiwillig... wie auch die vermummte Gestalt, die zwischen den Felsen, in einem Kampf gegen die erbarmungslosen Schneewehen, die fast ununterbrochen auf ihn einpeitschen, einherschreitet. Doch einem bestimmten Pfad scheinen seine Füße nicht zu folgen. Ziellos wandert er daher, die Augen unter der Kapuze von einer seltsamen Leere gefüllt. Auf seinen Schultern scheint eine Last zu liegen, eine Last vergangener Tage, die er jedoch zu ignorieren scheint... Er wirkt auf eine seltsame Weise wie die Baumstümpfe, wie ein weiteres Kind dieser Trostlosigkeit... Der einsame Wanderer hält inne und blickt zu den Sternen. Wie in Gedanken versunken, scheint sich sein Blick im Firmament zu verlieren. Recht junge Gesichtszüge treten unter der Kapuze zum Vorschein, doch sein Blick scheint auf eine gewisse Weise älter zu sein... nicht unbedingt erfahrener, doch geprägter... Dann scheint sich seine Aufmerksamkeit zu verlagern. Es ertönt, wie in unendlicher Weite, eine Art Musik... doch er kann nicht sagen, ob diese Musik tatsächlich erklingt, oder ob er sich dies nur einbildet... Dann werden die Klänge deutlicher. Das Instrument ist nur schwer zu erkennen, doch jemand scheint Saiten zu zupfen. Die Melodie ist auf eine gewisse Weise traurig, doch sie scheint auch Sehnsüchte zu wecken... Nach einigen Momenten erklingt eine Frauenstimme, die zu der Musik singt. Eine Stimme, die all das, was die Melodie zu erwecken versucht, noch stärker zum Ausdruck bringt, eine Stimme, wie sie nur einem Engel gehören kann... Der Wanderer steht wie paralysiert da. Er ist unfähig, weiterzuschreiten, unfähig, einen Laut von sich zu geben. Er ist vollkommen im Bann dieser Stimme gefangen, und läßt seine Gedanken von der Musik tragen. Langsam schließt er die Augen, und läßt all dies auf sich wirken... Plötzlich verstummt die Musik. Einen Moment lang steht er noch so da, läßt seine Seele schweifen... Dann atmet er tief durch und öffnet die Augen wieder, den Blick nach vorne gerichtet. Sein Blick fällt auf eine Gestalt, die auf einmal vor ihm steht. Seinen Augen offenbart sich ein Engel, doch etwas ist anders... Er blickt in ihr Gesicht. Über einer Schläfe verläuft eine Narbe, doch es ist unmöglich zu sagen, welcher Art diese Verletzung ist. Plötzlich, wie eine Eingebung, weiß er, die Stimme die er hörte, gehörte diesem Geschöpf. Sein Blick vertieft sich in ihre dunklen, magisch wirkenden Augen. Auf einmal spürt er, wie sich tief in ihm etwas regt... Etwas in ihrem Blick kommt ihm bekannt vor, zeigt einen... Schmerz?... der ihm nur zu bekannt vorkommt... Einen Moment stehen beide schweigend da, von den Gedanken geleitet. Verständnis und Mitleid zeigen sich nun in dem Blick des Wanderers, als würde er diesen Engel, den er nie zuvor sah, voll und ganz verstehen... Langsam streckt er eine Hand aus, und wie in Zeitlupe gleitet sie an die Wange des Engels, berührt sie sanft... woraufhin ihr Blick sich leicht abwendet, als gäbe es da etwas... etwas das zwischen diesem Moment stünde... Dann ist sie auf einmal verschwunden. Der Wanderer kann sich nicht erklären, wie dies geschah, doch sie ist weg... Langsam läßt er seine Hand sinken, und steht regungslos da... unfähig, seine Gedanken von dem, was eben geschah, abzuwenden. Er weiß, er müßte eigentlich seinen Weg fortsetzen, auch wenn er nicht weiß, wohin dieser führt... oder aber rasten... doch er ist unfähig, auch nur eine weitere Bewegung zu vollziehen, einen klaren Gedanken zu fassen. Sein Geist, seine Seele sind nur bei dieser Stimme, diesem Moment... Ewigkeiten scheinen zu vergehen, als er dann langsam, als wäre er gerade aus einem langen, tiefen Schlaf erwacht, die ersten Schritte vollzieht... doch die Art wie er sich fortbewegt, sie wirkt noch zielloser als vorher... als wolle er gar nicht fort von diesem Ort, als könne er sich nicht von dem, was schon längst vorbei ist, lösen... Lange dauert es, bis sich die Schleier vor seinem Geiste lösen, und auf seinem weiteren Weg pocht immer wieder die eine Frage, die er nicht beantworten kann, hinter seiner Stirn... Hat er dies alles nur geträumt...? |
| Lirion D. | die folgende Story ist der Abschluß einer größeren Geschichte, die noch nicht einmal komplett von mir niedergeschrieben wurde. Ich werde das aber nachholen. Einige Begriffe wirken sicher verwirrend, aber ich denke, sie sind nicht wichtig, um die Geschichte lesen zu können. In dem Sinne... ich hoffe, sie gefällt trotzdem ;) [center][b]AUFBRUCH ZU DEN STERNEN [u]Teil 1[/u][/b][/center] Der Himmel war grau über Tir Nan Og. Es war nichts ungewöhnliches dieser Tage, ein normaler Frühlingstag, an dem die letzten Schneeflocken noch einmal die Schneedecke auf der Insel auffrischten, bevor der Sommer die wenigen warmen Tage in diesen Landen bringen würde. Das blasse, ausdruckslose Grau wurde verstärkt durch die Stille, die sich nun in der Stadt breitmachte. Die Kaskaden schneeträger Wolken verdeckten noch die Tatsache, daß bereits die Abenddämmerung eingesetzt hatte. Die Krieger dieser Stadt waren wohl wieder einmal auf einer Jagd durch die Höhlen dieser Welt, und das Handwerkerleben kam dieser Stunden so langsam zum Erliegen. Der Tavernenwirt polierte gemächlich die Tische seines Gasthauses. Zeiten wie diese nutzte er, um sein Geschäft wieder auf Vordermann zu bringen, aber auch, um ein wenig nachzudenken. Dinge, die den Geist beschäftigten, gab es in diesem Land nicht allzuwenige. Das Leben auf dieser Insel schrieb schon die merkwürdigsten Schicksale... Der Wirt mußte wieder an diesen seltsamen Halbelf denken. Gerade zu diesen Zeiten, die angenehme Ruhe, die auch er in der letzten Zeit immer mehr zu schätzen lernte, tauchte er immer wieder auf, setzte sich grübelnd in seine Lieblingsecke und trank die seltsamsten Dinge (er hatte den Mann einmal scherzhaft gefragt, ob er unter Zwergen aufgewachsen sei), um ihn von Zeit zu Zeit in ungewöhnliche, aber auch interessante Gespräche zu verwickeln. Doch so geheminisvoll er sich auch gerne gab, so schien er sich doch recht wohlzufühlen hier, denn auch wenn seine Stimmung immer düsterer wurde, besuchte er doch immer öfter die Taverne. Doch in den letzten Wochen war dieser Gast spurlos von der Bildfläche verschwunden. Seltsame Dinge schienen ihren Lauf zu nehmen... nicht nur mit seinem exzentrischen Gast schien etwas nicht zu stimmen. Doch in der Regel hielt er sich eigentlich immer recht bedeckt, was solche Vermutungen anging... Das Geklapper von Hufen riß ihn aus diesen Gedanken. Er bemerkte, daß seine Hand mit dem Wischtuch darin schon seit einigen Minuten auf der Bar ruhte. Er seufzte. [i]Ich werde noch über mein Alter zerstreut wie ein Mensch...[/i] Er blickte zu dem Fenster, denn er hatte das Gefühl, als würde der Reiter auf die Taverne zusteuern. Sein Gefühl trügte ihn nicht, denn kurz darauf stieg jemand von diesem Pferd ab. Er konnte vor der Taverne einen schwarzen Kapuzenmantel erblicken. Sollte das etwa gerade sein unerwarteter Gast sein? Nun, ein gewöhnlicher Einwohner war es jedenfalls nicht... die Frauen hier geizten nicht gerade mit ihren Reizen. Er schmunzelte. Aber auch einer der Krieger, der nun hätte auftauchen können, war gewöhnlich in Felle oder eine Rüstung gekleidet. Die Gestalt schritt auf die Taverne zu. Entspannt wirkte sie jedenfalls nicht... Sie trat durch die Tür der Taverne. Die Kapuzenrobe verhüllte die Person vollständig, und er hätte fast gedacht, daß niemand sich unter diesem Mantel verbarg. Er fragte sich, wie dieser Besucher der Stadt wohl durch die Tore gekommen war. Eine Frauenstimme erhob sich unter dem Mantel. Sie wirkte nicht unbedingt brüchig, doch sehr melancholisch. Sie stellte nur eine Frage: „An charâdhin... wißt ihr, ob Mornur Hellvagor in der Stadt weilt?“ Der Wirt überlegte kurz, doch hinter seiner Stirn war er auch damit beschäftigt, diese Stimme zuzuordnen, denn irgendwie schien sie ihm bekannt vorzukommen. „Soweit ich weiß, ist er für einige Tage auf Reisen. Ich kann Euch aber solange eine Unterkunft anbieten, falls ihr dies wünscht...“ Er musterte seine Gesprächspartnerin, wartete darauf, daß sie sich zu erkennen gab. Doch die Frau atmete nur tief durch, Resignation gleich, und griff in eine Tasche. Sie zog ein Kuvert heraus, und der Brief zeigte nichts weiter als die Aufschrift „An Mornur Hellvagor“. Doch sein Blick fiel auch auf etwas anderes. Die linke Hand der Frau, die den Brief auf die Theke legte, zierte ein goldener Ring, auf dem ein Drache (vermutlich ein Eisdrache) abgebildet war. Der Eisdrache nahm zwar in letzter Zeit eine immer wichtigere Rolle hier in Tir Nan Og ein (ja es gab sogar eine Frostelfe, deren Zuname nichts anderes bedeutete als „Eisdrachen“), doch solch ein Ring war ihm nur einmal begegnet, und das schon zu Zeiten, als nur eins mit Eisdrachen zu tun hatte, und das war das Gatter am Palast. (Der Halbelf hatte sich sogar schon stark darüber gewundert, warum solch ein hochentwickeltes Tier sich in solch einem simplen Gatter gefangen gehalten ließ.) Doch die Gestalt drehte sich schon wieder um, und verließ ohne Worte, ebenso angespannt, wie sie hereinkam, die Taverne. Ehe der Wirt noch etwas sagen konnte, war die einstige Königin Xa’Aendarith aus der Wirtschaft verschwunden, ohne auch nur ein Wort mit ihm zu reden. Langsam ritt Xa zu ihrem Haus zurück. Es schien ihr wie ein Ritt in der Vergangenheit. Sie war sehr lange hier nicht mehr gewesen, und nun war es zu spät, daran etwas noch zu ändern. Vor dem Haus angekommen, stieg sie von ihrem Pferd ab, das sie nun schon seit acht Jahren begleitete. Sie nahm ihm die Decke und die Zügel ab, und strich ihm dann über die Stirn. „Du bist nun frei, Lhynheltar, dir einen neuen Weggefährten zu suchen, oder wie deine Vorfahren über die weiten Prärien des Nördlichen Territoriums zu reiten...“ Sie legte ihre Stirn an die des Pferdes, und tätschelte seine Wange. Dann drehte sie sich um, und ging in ihr Haus. Das Pferd sollte noch lange unschlüssig dort herumstehen, es wußte nicht, was es mit dieser Situation anfangen sollte. Leise schloß Xa die Tür hinter sich. Die Erinnerungen begannen sich vor ihrem inneren Auge abzuspielen, Erinnerungen des friedlichen Lebens, das sie hier einst geführt hatte, bis die Ereignisse in den Gefängnishöhlen des Qu’ellar Baenre ihren Lauf nahmen. Sie schritt in das Wohnzimmer. Es war alles noch so, wie sie es damals zurückließ. Sie schritt auf den Tisch in der Mitte zu. Ihre Finger strichen langsam über das Holz. Es schien fast, als habe der Zwerg, der damals diesen Tisch für sie anfertigte, das Holz von Waldelfen erworben, so geschmeidig war das Material... Plötzlich flackerte erneut eine Erinnerung in ihr auf, sie schien fast leibhaftig... fast so intensiv wie damals, als sie eine Art der Magie kennengelernt hatte, die sie vorher nie für möglich gehalten hätte. Einen Augenblick lang verlor sie ihr Orientierungsvermögen, und sank keuchend auf einen der Stühle am Tisch. Als wäre es erst vor kurzem gewesen... Sie fragte sich, wo auch immer Xionara war, ob sie dies auch gespürt hatte... Xa seufzte leise. Wer wußte schon, was die Magierin riskiert hatte, um ihr den Schatten ihrer Vergangenheit zu nehmen... und nun holten sie die Schatten der Gegenwart ein. Die Bilder in ihrem Kopf spielten indes ihr kleines Theaterstück weiter. Ein anderes Gesicht leuchtete in ihrem Geist auf, eines, dem sie ihre Seele anvertraut hatte. Die Bilder waren jedoch nicht so intensiv, und abermals spürte sie den Riß in dem Bund zwischen den zwei Frostelfen, der nun unabänderlich war... doch schwang auch eine seltsame Dunkelheit mit diesen Gedanken. Sie spürte, daß etwas nicht stimmte mit Etaya, und doch hatte sie sich nun für einen Weg entschieden, der sie fern von Tir Nan Og trug, so gern sie ihr auch helfen wollte... wie damals... Abermals seufzte sie, und diesmal klang es sehr schwermütig. Sie erhob sich, und ihre Knochen fühlten sich an, als wäre sie schlagartig um Jahrhunderte gealtert. Schweren Herzens schritt sie auf eine der Truhen zu. Die Truhe knarrte kaum, und der Deckel gab den Blick auf einen ungewöhnlich aufgeräumten Inhalt frei. Xa lächelte traurig, und war selbst ob dieser Kleinigkeit tief gerührt. Nein, sie durfte jetzt nicht daran denken, was hätte sein können... Sie fand schnell wonach sie suchte. Eine kleine, verzierte Ledertasche, in der einige Edelsteine zu ruhen schienen. Sie öffnete die Tasche, und ließ einen Metallgegenstand darin verschwinden. Dann griff sie in ihre Manteltasche, und zog das letzte der beiden Pergamente heraus, die sie mit sich gebracht hatte. Sie legte es dazu, und schloß die Tasche und die Kiste. Sie blickte zu Boden, schloß die Augen, und der Schmerz des Verlustes zierte ihr Gesicht. Sie schüttelte leicht den Kopf, dann ging sie in Richtung Tür, ohne noch einmal zurückzublicken. |
| Lirion D. | Als Xa aus der Tür trat, erblickte sie an dem Pferdegatter eine in einen verwitteren, dunklen Mantel gekleidete Gestalt, den Hut tief ins Gesicht gezogen, nachdenklich eine Pfeife rauchend. Diese Eigenart hatte sich Fareldil von einem Menschenmagier abgeschaut. Sie schmunzelte leicht, doch der Halbelf erwiderte diese Geste nicht. Nachdenklich blickte er sie an. „Amrûniel… du weißt, mir gefällt das immer noch nicht so recht, daß du mich begleiten willst… ich glaube nicht, daß die Götter denen, die einmal eine Heimat hier gefunden haben, das Leben hier verweigern... und es gibt immer noch genug hier, denen du am Herzen liegst, seldeornya...“ Xa seufzte. „Ich weiß deine Sorge zu schätzen... doch ist es nur noch eine Seele hier, der ich mich wirklich verbunden fühle… alle anderen haben nur die gewöhnliche Sorge um einen Angehörigen dieses Volkes, und dazu wiegt ein gewisser Verlust zu schwer… und wenn dort draußen tatsächlich meine Schwester ist, dann will ich sie finden, auch wenn sie bereits tot ist. Was mit mir geschieht, ist nicht mehr so wichtig. Und du kannst auch nichts daran ändern… du weißt, mein dhaoval hat das auch schon versucht… und wenn er es nicht schafft...“ Sie zog die Kapuze auf, einer abschließenden Geste gleich, und schritt zu ihrem Schiff, das an dem Ufer an ihrem Haus lag. Nachdenklich strich sich Fareldil durch seinen Bart, dann folgte er der Frostelfe. Die Dunkelheit war nun hereingebrochen, doch Sterne waren keine am Himmel zu sehen, als die beiden ihre Segel gen Osten setzten, in die Weiten des Eismeeres hinaus. |
| Lirion D. | [center][u][b]Teil 2 / Ende[/b][/u][/center] Ein Sturm zog auf, wie es in den unwirtlichen Meeren dieser Gegend üblich war, doch war es kein Sturm, den man nicht mit einem Schiff bewältigen konnte. Am frühen Nachmittag erreichten sie ihr Ziel, eine Insel irgendwo im Niemandsland zwischen Tir Nan Og und dem nördlichen Territorium. Wenige hatten es bisher gewagt, diese Region zu erforschen. Umso einladender schien sie für die ungewöhnlichsten Mächte, die es auf den Alten Kontinenten mitunter schwer hatten. Xa erinnerte sich an einen Frostelf, der eine Zeitlang in Tir Nan Og verweilt hatte, und ihr von seltsamen Experimenten mit Ophidianern und Terathanern erzählt hatte, Wesen, die nicht einfach einzufangen, und noch weniger einfach zu beherrschen waren. Die Insel war selbst für einen Frostelf nicht sehr einladend. Die Seewinde kanalisierten sich hier recht häufig zu donnernden Stürmen, die man schon von weitem anhand der Schneewehen erkennen konnte. Dort, wo der Boden nicht von Schnee und Eis bedeckt war, konnte man wettergegerbte Felsen erkennen, Fels, der seit Anbruch der Zeiten den Kräften der Natur zu trotzen schien. Der Wechsel der Zeit machte sich hier nur durch Helligkeit bemerkbar. Die Sonne war selten zu erkennen. Doch gerade hier, so sagten einige alte Schriften, sollte der Eingang zu denjenigen unterirdischen Reichen liegen, die oftmals als „Eisdungeon“ bezeichnet wurden. Und niemand wußte, was hinter den Heerscharen von dunklen Kreaturen lag. Fareldil konnte das Boot nur schwer an das Ufer bringen, doch er schaffte es, ohne zu kentern. Die beiden beeilten sich, um so schnell wie möglich über die Hügel der Küste zu kommen. Als sie weiter in Richtung der Inselmitte vorstießen, erweckte sich ihnen der Eindruck einer einstigen Vulkaninsel. Auch wenn die Randgebirge nicht sehr hoch waren, so formten sie doch einen Talkessel, in dem, von Wind und Wetter nicht so stark beansprucht, einige Nadelbäume sich um die Ausläufer der Felsen rankten. Es schien sogar, als könnte man zwischen den Bäumen ein Funkeln erkennen. Solchen Erscheinungen begegnete man in den unbewohnteren Gebieten dieser Welt öfters, doch anfangen konnte mit ihnen niemand etwas, und jene Krieger, die versuchten, diese für sich zu beanspruchen, nahmen ein schnelles Ende. Den beiden Frostelfen gegenüber, auf der anderen Seite des Tals, erhob sich der höchste Berg der Insel. Hier mußte wohl der Eingang zu den düsteren Höhlen unter der Erde liegen, fast immer fand man sie auf diese Weise vor. Auf ihrem Weg dorthin dachte Xa nach. In ihrer Heimatwelt, nach der Zerstörung Naur’helegosts, war sie der Frostelfe begegnet, die sie nun suchten. Sie hatte damals herausgefunden, daß dies ihre Schwester war, eine Schwester, von der sie vorher nie gewußt hatte. Doch allzuschnell wurden sie wieder voneinander getrennt. Nun hatte Fareldil diese Frostelfe wieder gesehen, auf dem Weg zu eben diesen Höhlen. Vieles schein ihr bis jetzt unklar. Wie hatte sie es überhaupt geschafft, den anderen Bewohnern ihrer Heimat zu folgen? Vielleicht war sie ja mit Khal’azad gekommen, doch dieser hatte nie von einer Begleiterin gesprochen… All dies nahm langsam absurde Ausmaße an. Fareldil und der Dunkelelfenmagier mit seiner Gruppe hatten Kenntnisse von Portalmagie, und zudem einen Gegenstand, dessen Macht bis jetzt unklar war, bis auf die Tatsache, daß seine Macht hier verblaßte. Doch wie konnten so viele die Brücken zwischen ihrer Heimatwelt und dieser Welt überwinden? Oder war es gar am Ende keine Welt zwischen den Sternen oder etwas deartiges? War diese Welt vielleicht wesentlich größer, und sie hatten lediglich eine gewisse Entfernung überwunden? Wer wußte, vielleicht lag die Antwort hinter den Eishöhlen, die sie nun im Begriff waren, zu betreten. Vielleicht waren das auch die Gedanken ihrer Schwester, als sie sich ausgerechnet auf den Weg in diese Gebiet machte, dessen Einwohner alles bekämpften, was von außen kam, wenn sie sich nicht gerade gegenseitig versuchten, den Garaus zu machen. Als sie die ersten Schritte durch den Höhleneingang gemacht hatten, stieg ihnen ein Geruch von Tod und Verrottung entgegen. Derlei Dinge waren nichts Ungewöhnliches an sich in Gewölben, in denen Zerstörung hauste, doch Xas und Fareldils Sinne konnten einen Unterschied bemerken, es schien als wäre dieser Geruch etwas stärker. Als sie tiefer hinab stiegen, wurde es zwar dunkler, doch seltsamerweise stellte sich auch nicht nach geraumer Zeit eine Dunkelheit ein, mit denen die Augen eines Frostelfen nicht mehr fertig wurden. Hier waren zwar keine Fackeln oder Feuer zu finden, die manchmal von den Höhlenbewohnern, die noch in der Nähe der Oberfläche wohnten, entzündet wurden, doch schien es, als läge eine immerwährende Dämmerung über diesem Ort. Der Geruch des Todes wurde nun immer intensiver. Bald stießen sie auf erste Leichen von Untoten, und nicht nur das: sie fanden auch die Überreste von Wesen, die bisher noch niemand gesehen hatte, vermutlich, weil sie gewöhnlich wesentlich tiefer hausten. Fareldil runzelte die Stirn. Das war ungewöhnlich… Kadaver lagen nicht einfach so herum. In den unterirdischen Reichen fand sich normalerweise immer jemand oder etwas, das für solcherlei Dinge Verwendung hatte. Deswegen wirkten die Höhlen auch für Abenteurer so einladend, und deshalb hörte man auch nur von denjenigen etwas, die zurückkehrten. Zwischen den Monsterkadavern erblickte Xa die Leiche eines Menschen. Der Mann mit dem schwarzen Bart am Kinn trug eine der tiefschwarzen Roben, wie es sie heute nur noch wenige gab, und seine Haare wurden von einem dunkelblauen Bandana bedeckt. Unter der Robe blitzte eine gewöhnliche Eisenrobe hervor. Wer würde sich heutzutage, wo wesentlich bessere Metalle schon Massenware waren, noch mit solch einer Rüstung hier herunter wagen? Sie beugte sich zu dem Menschen hinab. Sie untersuchte die Robe, und am Kragen entdeckte sie die Insignien des CoDA. Sie stutzte. Der CoDA existierte nun schon so lange nicht mehr… und zu der Zeit, als sie Kontakte mit dem Kreis der dunkeln Engel hatte, hatte sie auch nie solch einen Krieger gesehen. Sie schüttelte leicht den Kopf. Darauf konnte sie sich nun auch keinen Reim mehr machen… Sie stand wieder auf, und ging zu dem wartenden Halbelf. Sie erreichten nun eine große Höhle, und die gigantischen Ausmaße machten den Beiden klar, daß sie nun unter dem Meer sein mußten. Die Höhle bestand aus mehreren Etagen aus Fels, und man konnte nicht erkennen, ob die Natur selbst, oder das düstere Leben, das sich hier ausgebreitet hatte, diese Etagen geformt hatten. An den Wänden der Höhle waren zudem einige Plateaus, und diese waren wohl nicht auf natürliche Weise entstanden. Doch etwas anderes fiel auch ins Auge: Am gegenüberliegenden Ende war der Boden nun gespickt von toten Wesen, die Wände waren mit Blut besudelt. Es schien, als hätte hier vor nicht allzulanger Zeit eine große Schlacht stattgefunden. Xa war klar: wenn es hier einen Sieger gegeben hatte, so hatte er sie sicher schon bemerkt. Die beiden schlichen an der Wand zu ihrer Linken entlang, unter dem Schutz eines Felsvorsprungs. Auch wenn dieser Schutz angesichts der gigantischen Dimension dieser Höhle sicher nicht so effektiv war, wie sie sich das wünschten. |
| Lirion D. | Hinter sich hörten sie plötzlich ein Geräusch, als wäre etwas von den Felsen heruntergefallen. Die beiden drehten sich ruckartig um, und erblickten eine Gestalt, die sich gerade aus der Hocke aufrichtete. Ihre rechte Hand führte einen Kampfstock, dessen Spitze fast einem Zepter glich, dessen Oberseite mit einem roten Edelstein bestückt war. Die Gestalt selbst war in schwarze Seidenkleidung gehüllt, die zwar recht einfach, aber auch elegant wirkte. Die Hände waren ebenfalls von schwarzem Stoff verhüllt. Kopf und Rücken waren von einem dunkelroten Kapuzenumhang bedeckt, dessen Ränder von goldenen, zackigen, verwobenen Runen verziert waren, die keiner der beiden je gesehen hatte. Unter der Kapuze leuchteten zwei schmale, rote Schlitze auf. Eine tiefe, zynische Stimme erhob sich: „Da freß’ ich doch eine Spinne zum Frühstück… ausgerechnet diejenigen Schwachköpfe, die ich aufgegeben habe, verirren sich hierher.“ Sein Kopf drehte sich zur Seite, doch die Bewegung schien für einen gewöhnlichen Humanoiden recht zackig. Dann wandte er sich wieder ihnen zu. „Nun, xas, die ersten Blauhäute seid ihr gewiß nicht, die hier ihr Unwesen treiben, wenn auch nicht auf dieser Seite der Höhlen. Sollte mich auch angesichts der Temperatur nicht wundern.“ Der Fremde hob die freie Hand zum Kopf, und streifte die Kapuze zurück. Unter den schneeweißen Haaren enthüllte er ein hämisch grinsendes Gesicht, daß sowohl Fareldil als auch Xa bereits gut kannten. „Soso… Ihr habt also meinen kleinen Besuch überlebt, Amrûniel… ich schätze, es steckt doch ein wenig mehr in Euch, als man von einer niederen Kreatur wie einem Frostelf erwarten kann. Aber ich vergesse meine Manieren…“ Duin’Andrans Arm, der das Zepter hielt, macht eine Geste, die auf die Höhle deutete. „Willkommen in meinem bescheidenen Reich… leider seid Ihr zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt gekommen. Eigentlich wollte ich ja noch ein wenig aufräumen.“ Er lachte leise, und in seinem Lachen schwang ein seltsam hoher Tonfall mit, ohne daß seine tiefe Stimme verschwand. „Schon amüsant, wie ärgerlich mancher dieser kleinen Dämonen reagiert, wenn man einen Teil dieses wertlosen Mists für sich beansprucht.“ Fareldil blickte den Dunkelelfen argwöhnisch an. „Ihr wollt mir doch nicht etwa erzählen, ihr habt diese Wesen alleine bekämpft?“ Das Schmunzeln wich nicht aus dem Gesicht des Dunkelelfen. „Nein, auch wenn ich mich sicher durch Eure Einschätzung meiner Stärke geehrt fühlen sollte, Cumediëriol…“ er benutzte einen Namen, den Fareldil damals von den Elfen des Eryn Celeb bekam, die nur den Briganten im Dienste des Bregan kannten „Ich dachte eigentlich, ihr hättet die Schriften Jerennors gründlicher gelesen. Der Mann war, auch wenn er ein Rivvil war, ein ausgezeichneter Nekromant… und das Qu’ellar Skaeryn ist nicht so groß geworden, ohne zu wissen, wie man mit diesem Vieh umgeht.“ Fareldil fiel ihm ins Wort. „Und doch wurde es von Wesen auf einfache Weise vernichtet, deren Ahne einst das Gleiche wie ihr versucht hat, nämlich die Dämonen dieser Welt zu beherrschen…“ Duin’ Andran schnaufte verächtlich. Einen Moment lang schien er zu wachsen, und schien die seltsamen ruckhaften Gesten abzulegen. Er wirkte kurz wieder wie der Mann, der einst ein ganzes Reich von Dunkelelfen befehligte. „Tyelante war ein Gargoyle… sie sind zwar bessere Magier, doch sie sind von ihren Ursprüngen abgewichen. Sie wissen ja nicht einmal, wo sie stehen… schaut euch doch nur die Dunkelelfen dieser Welt an. Erst speien sie in das Angesicht von Lolth, derjenigen, die sie zu dem gemacht hat, was sie sind, und dann gehen sie auch noch an die Oberfläche… suchen den harmonischen Frieden mit denen, deren Vernichtung sie einst als Erstes anstrebten… und wer hat nun noch Angst vor ihnen? Vielleicht diese naiven Rivvin, aber von denen kann man ja ohnehin nichts besseres erwarten.“ Seine Augen leuchteten auf, und er fixierte Fareldil. „Wie einst Alesha… Ihr hättet sie sehen sollen bei der Folter, man merkte, daß sie keine Dunkelelfe mehr war, sondern nur noch das klägliche Abbild dessen… arme Eilistraee, hätte sie das gewußt, hätte sie sich gleich die Pulsadern aufgeschlitzt, anstatt prophetischen Schwachsinn zu verbreiten.“ Fareldils Hand wanderte zu seinem Schwert, und sein Gesicht zeigte kalten, blanken Zorn. „Erwähne noch einmal ihren Namen, Bastard eines Shebali, und du wirst es bereuen… vor dir habe ich ohnehin keine Angst, denn das Ehrfurchtgebietende eines Ilharn ist dir in diesen Höhlen endgültig abhanden gekommen. Du bist nur noch eine Mischung aus einem Menschen und einem dieser hirnlosen Zombies…“ Duin’Andran legte den Kopf schief, und abermals wurden diese ruckartigen Bewegungen deutlich, die für einen Dunkelelf recht untypisch waren. „Höre ich da etwa eine Herausforderung?“ Er blickte kurz zu Xa, dann wieder zu Fareldil. „Ich weiß, du suchst nur noch ein sinnvolles Ende… aber wir wollen doch nicht, daß dein Mündel ein ähnlich schmerzvolles Schicksal erleidet, wie jenes, das du geradezu beim Namen rufst.“ Xa, die die ganze Zeit ein wenig weiter weg gestanden hatte als Fareldil, trat nun neben den Halbelfen. Ihr Blick zeigte Verbitterung, aber auch Furchtlosigkeit und Zorn. „Eure Worte wirken leer… Ihr wirkt nur wie eine Marionette einer Denkweise, die in der Heimat wie auch auf dieser Welt überholt ist. Und wenn Ihr denkt, Ihr beherrscht dies hier… solltet Ihr vielleicht einmal überlegen, ob es nicht beginnt, Euch zu beherrschen… was meint Ihr, warum Ihr noch lebt? Ich habe bereits erfahren, wozu die Dämonen unter Deceit fähig sind, und auch wenn Ihr noch so viel Wissen über jede erdenkliche Art von Magie sammelt, so seid Ihr allein diesen Mächten doch nicht gewachsen. Auf der alten Welt wart Ihr ein Spielball des Systems der Dunkelelfenhäuser, und nun seid Ihr ein Spielball auf dem Schachbrett von Mächten, denen Ihr Euch nicht einmal im Ansatz bewußt seid. Damals in Tir Nan Og habt Ihr einen Fehler begangen… dadurch, daß Ihr Eure Nekromantie an mir versucht habt, bin ich nun auch in der Lage, auf eine gewisse Weise in Euer Innerstes zu blicken. Trotz allen Unterschieden sind die Frostelfen meiner Heimat immer noch Elfen… und wer versucht, einen Elfen zu beherrschen mit solch einem simplen Trick, muß mit Nebenwirkungen rechnen. Und ich frage mich, warum Ihr es auf dieses Duell anlegt… Ihr wißt vermutlich bereits, daß niemand hier etwas zu verlieren hat, außer Ihr vielleicht Euer… gemütliches Zuhause und Eure neuen Freunde.“ Das Hämische wich aus Duin’ Andrans Mimik, doch das Schmunzeln auf seinen Lippen wich nur kurz. Seine Augen zeigten nun eine kalte Überlegenheit. „Schaut Euch doch nur an… Ihr beide seid auf eine gewisse Weise verblassende Erinnerungen einer alten Welt. Ich glaube nicht, daß Cumediëriol dir abermals das Leben retten kann, Mädchen… Ihr beide seid am Ende Eurer Kräfte. Und ihr seid hier, egal was ihr von dieser Gegend haltet, auf fremdem Territorium… meinem Territorium.“ Fareldil lachte trocken. „Schaut Euch selbst an… ist es bei Euch denn nicht anders? Der Duin’ Andran, den ich damals kennenlernte, hatte mehr Selbstbewußtsein… er hätte sich nicht so von diesem seelenlosen Vieh verändern lassen… was ist das für ein Ausdruck von Stärke, wenn selbst Zombies Euch auf ihre Seite ziehen können?“ Duin’ Andrans Augen begannen nun intensiv zu leuchten. „Ihr beginnt, meine Geduld auf eine Kostprobe zu stellen… aber ich will Euch zeigen, welche Macht die Nekromantie verleiht, und wer nun wen befehligt…“ Auf einen Schlag starb das Leuchten ab, und von seinen Augen sah man nur das Weiße, er hatte wohl keine Kontrolle mehr über sie. Seine Stimme nahm einen unnatürlichen Klang an. „Kommt, meine Kinder… ich habe etwas Frischfleisch mitgebracht.“ Von dem Felsvorsprung, von dem Duin’ Andran gesprungen war, vernahm man nun eine eindringliche Mischung aus Kreischen und Zischen. Plötzlich sprangen zwei zackenbewehrte Kreaturen herunter. Es waren Reptilien mit einem schwarz schimmernden Panzer. Ihre Wirbelsäule war zackenbewehrt, und sie bewegten sich auf allen Vieren fort, obwohl wohl kein Zweifel bestand, daß sie sich auch aufrichten konnten. Doch auch so reichten sie den Elfen schon bis zur Brust. Ihre Arme und Beine waren ebenfalls zackenbewehrt. Doch über alldem ragten die giftgrün leuchtenden Augen, die keinerlei Pupillen oder ähnliches aufwiesen. Es schien, als habe der Dunkelelf sich einiger Wesen bemächtigt, die tiefer unter der Erde hausten, denn diese beiden Kreaturen sahen wohl nicht durch Licht. Die Köpfe der Reptilien bewegten sich ungeduldig hin und her, doch sie blickten kein einziges Mal zu dem Dunkelelf. Es schien klar, daß er sie unter Kontrolle hatte. Die Reptilien zischten, und auch wenn es kaum verständlich war, so schien es doch so etwas wie eine Sprache zu sein. Fareldil und Xa zogen ihre Schwerter, doch sie warteten noch ab. Duin’ Andran lachte, und diesmal klang sein Lachen deutlich seltsam. Es war eine Mischung aus hohen und tiefen Tönen, es klang richtig hysterisch. „Nun… was hättet Ihr gerne… sollen die beiden Euch zeigen, was sie drauf haben, oder vielleicht einen kleinen Tanz vorführen?“ Dann begann seine Stimme auch zu zischen, ähnlich denen der Reptilien, und die beiden Kreaturen sprangen vor. |
| Lirion D. | Sie waren zwar sehr gewandt, doch griffen nur frontal an. Xa hatte diese Verhaltensweise schon oft in Deceit gesehen, und auch diese beiden Kreaturen verhielten sich nicht anders. Zudem waren die Schläge auf ihren Schild zwar sehr hart, aber erträglich. Die Echsen setzten wohl auf ihre Krallen und Stacheln, mehr als auf Kraft. Doch als sie es schaffte, ihrem Gegner einen Schwerthieb in die Seite zu verpassen, wurde dieser nur noch furioser. Er richtete sich halb auf, und stürzte sich regelrecht auf sie. Xa sah nur eine Chance. Sie duckte sich, und machte, den Schild vor sich, einen Satz nach vorne, und stieß mit ihrem Schwert zu. Die Kreatur schrie gellend auf, und das seltsame Geräusch belastete ihr Trommelfell bis zu den Grenzen. Sie wich zur Seite aus, und das Reptil fiel neben sie. Sie blickte neben sich, doch statt einen kämpfenden Fareldil zu sehen, erblickte sie, wie der Halbelf seinem Gegenüber starr in die Augen blickte, und seltsame Worte murmelte. Sein Schwertarm wirkte angespannt, und unter dem Kettenhemd rann Blut hervor über die Hand. Es schien, als habe er wieder einmal die Magie als letzte Möglichkeit doch noch in Betracht gezogen, und er hatte es geschafft, seinen Gegner zu verwirren. Es schien, als wäre Duin’ Andrans Befehlskraft über das Wesen doch nicht so stark. Xa wollte gerade losstürmen, um das Reptil zu töten, da sah sie, wie eine Welle von grüner Energie den Halbelfen traf und an die Wand schleuderte. Das Reptil zischte und bewegte den Kopf hektisch, doch ein Ziel suchte es wohl nicht. Sie blickte zu Duin’ Andran, aus dessen Gesicht jegliche Emotion gewichen war. Sein Blick war indes wieder geklärt, es schien, als habe er das Reptil aufgegeben. „Ich habe mir schon damals gewünscht, ich hätte ein paar Frostelfensklaven gehabt, die für mich kämpfen würden… Fürwahr, ihr seid ein dummes Volk, doch seid ihr gute Kämpfer in vorderster Reihe. Wie dem auch sei… ich sollte diese Farce jetzt beenden. Am besten mit einem guten, alten Zauber dieser Welt…“ Als sie begriff, was der Dunkelelf vorhatte, hob er schon die Arme, und sprach beschwörend die Worte [i]Por Ort Grav.[/i] Ein Blitz traf sie mit aller Wucht, und schleuderte sie zu Boden. Halb betäubt versuchte sie instinktiv, aus der Höhle zu kriechen, doch sie kam nur bis zum Eingang, als Duin’ Andran vor ihr stand. Sie ließ sich resignierend gegen die Wand sinken und blickte zu dem Dunkelelfen hoch. „Warum tut Ihr das?? Ich hatte eine Zeitlang den Eindruck, Euch würde unser Tod nicht mehr kümmern… warum nun dieser Wandel?“ Duin’ Andran schmunzelte und ging in die Hocke. Sein Zepter hatte er beiseite gelegt, und seine rechte Hand spielte nun mit einem langen, zackigen Dolch. Seine Stimme erklang in hämischem Mitleid. „Ts, ts… so verzweifelt warst du, und nun bettelst du wieder um dein Leben? Aber ich kann es mir denken… deine Schwester zu finden, beherrscht nun deine Gedanken… was aber wenn ich dir sage, daß das arme Kind nur ein Köder war? Ich war es, der ihr den Dunkelelf vorspielte, der enttäuscht von seiner Heimat war… enttäuscht von seinem Qu’ellar… und nun seine Gedanken zu den anderen Rassen überdachte. Sie war naiv genug, mir zu glauben… und mir zu glauben, daß ihr Weg zu ihresgleichen durch die kalten Höhlen der Insel dort oben führte… du hast ihr einiges beigebracht in den wenigen Wochen, Amrûniel, aber leider nicht genug, als daß sie nicht auf einen Dunkelelfen hereinfallen würde. Dunkelelfen meiner Heimat sollte man eben nicht trauen, wenn man ein geborener Sklave ist und herumläuft, als wäre man die höchste Schöpfung der Götter… aber nun zu unserem kleinen Problem. Ich wollte euch töten, weil ich befürchtete, ihr würdet uns verraten, Shinayrin und mich. Mit der Zeit begann dieser verdammte Rivvil aber, meine armen Nerven zu belasten… ich habe seinen Kopf zusammen mit dunkelelfischen Worten an den König von Dagarath geschickt, dachte, die Rivvin dieser Stadt würden bei solch einem Anblick in ihre Kriegermanie ausbrechen und Lolth etwas Gutes tun… irgend etwas ist wohl schiefgelaufen, immerhin war der Bote auch nur ein Rivvil… ihr wart also nicht mehr wichtig. Aber wie dein Mentor schon gesagt hat, irgendetwas hat Probleme mit unserer Anwesenheit auf dieser Welt. Du und dieser andere Frostelf… ich vergaß seinen Namen… scheinen die einzigen zu sein, die noch davon verschont blieben… oder auch nur er, denn das Schicksal hat dir ja einige Schläge verpaßt.“ Xa blickte den Dunkelelf verächtlich an. „Du denkst doch wohl nicht, du könntest mich noch auf deine Seite ziehen? Ich weiß, was für ein hinterhältiger Haufen deine Rasse ist…“ Duin’ Andran legte den Kopf leicht schief. „Nau, nau, kleines Mädchen… das würde ich doch nicht im Traum erwägen. Man hat mir erzählt, wie tapfer du bei dem Qu’ellar Baenre warst… ich frage mich, warum du dir damals so einen Schwächling als Mentor ausgesucht hast. Schau ihn dir an…“ er deutete zu Fareldil, der mehrere Fuß entfernt regungslos an der Wand lag. „Da liegt er und ruht sich aus, während du dich mit mir herumplagen mußt… du bist längst über ihn herausgewachsen, und läufst ihm doch hinterher wie ein kleines Schoßhündchen. Wie sagen manche Rivvil-Paladine? Die Wege des Herrn sind unergründlich… oder in deinem Fall wohl besser die der Eisdrachen, die hier auch nur eingepfercht den Tanzbär spielen.“ Er lachte leise. „Nau, ich benötige deine Dienste nicht… ich dachte mir nur, unsere Existenz hier zehrt an den geordneten Wegen der Arkanen Ströme, wir haben immerhin Magie benutzt, um von unserem Platz im Schicksal hierher zu gelangen… dummerweise kann ich hier nichts mehr für Lolth tun, doch wenn es nur das ist, was meine Kräfte raubt, und nicht die Enttäuschung meinere Schöpferin… dann kann ich wohl mein Leben erleichtern, indem ich ein paar der Faktoren ausschalte, die die Wege des Kosmos durcheinanderwarfen. Und da kam mir deine Schwester doch gerade recht… sie würde euch beide schon hierherlocken. Um sie brauche ich mir auch keine Sorgen mehr zu machen… entweder grillt sie gerade ein durchgeknallter Ophidianer… oder sie schaffte es bis unter Deceit, und ist gerade das neue Spielzeug dieses kranken, doch kreativen Geistes, wie einst diese entzückende Königstochter… oder vielleicht etwas ganz anderes, diese Höhlen bieten so viele Möglichkeiten…“ Sein Schmunzeln wuchs in die Breite. Seine Hand hob sich an ihre Wange und strich sanft über sie. Xa spürte ein Kribbeln am ganzen Körper, und konnte nichts tun, um sich zu wehren. Der Blitz hatte sie wohl nun endgültig betäubt. „Tja, kleines Mädchen… nun ist dein Schicksal tatsächlich so unabwendbar, wie du es schon die ganze Zeit sagst... und nur dein dummes, kleines Herz hat dich dahin gebracht… aber ich schätze, ich tue dir noch einen Gefallen, wenn ich dich von deiner sinnlosen Existenz befreie…“ Xa schloß die Augen, und wandte ihr Gesicht ab. Sie wollte nicht, daß der Dunkelelf sie weinen sah… so wie sie einst ihre Verzweiflung vor Viconia verbarg, als sie wußte, daß Etaya auch im Folterkeller war. Sie wußte, Duin’ Andran würde sie nun töten, und sie wollte diesem kranken Elf nicht ihre Gefühle offenbaren. Duin’ Andran hob sein Messer, und rammte es der Frostelfe ins Herz. Dann stand er auf, und blickte nachdenklich auf den erschlafften Körper. Selten hatte er mit einer Tötung so lange gewartet, wenn er nicht einen Dunkelelfen vor sich hatte. Er fragte sich, warum er so lange mit den beiden gesprochen hatte… Er atmete tief durch. Fareldil würde er liegen lassen… es war wohl interessanter, dem Halbelf dabei zuzusehen, wie er die Höhlen durchsuchte, und letztendlich doch bald seinen Tod fand. Das Duell mit dem Reptil hatte dem Elf, der keine Erfahrungen in der Beherrschung fremder Geister hatte, wohl für einige Zeit die letzte Kraft genommen, und so würde er ein gefundenes Fressen sein für die Dämonen, die dort lebten. Plötzlich erstarrte er. Das Duell mit dem Reptil… [i]dusqup, den habe ich glatt vergessen.[/i] Er drehte sich um, und das Reptil stand zischend vor ihm. Es schien wohl genug Intelligenz zu besitzen, um diesen Moment zu genießen. Dann spürte er nur noch, wie Klauen sich durch seinen Bauch bohrten, und wie alles verschwamm. |
| Lirion D. | Fareldil spürte nur Kopfschmerzen. Er öffnete seine Augen, und selbst die düsteren Lichtverhältnisse dieser Höhle wirkten eindringlich auf seine Augen. Er wußte, sein Tod hatte ihn noch nicht ereilt. Er hob den Kopf und blickte sich um. In der Nähe entdeckte er die Leiche eines Reptils, und nicht weit davon lag eine Gestalt, in schwarz-rote Kleidung gehüllt. Die andere Echse war weit und breit nicht zu sehen. Wenn sie den Dunkelelf getötet hatte, wo war dann Amrûniel? Er stand auf, so schnell seine geplagten Knochen das zuließen. Instinktiv schritt er in Richtung Eingang. Er wollte erst schauen, ob jemand nach draußen geflohen war. Dann hörte er ein flaches Atmen aus seiner Zielrichtung. Er lief zum Eingang, und an der Wand sah er sie liegen, die Frau, die er geliebt hatte, als wäre sie seine eigene Tochter. Er eilte zu ihr, und kniete sich nieder. Seine Augen bemerkten den großen Blutfleck auf ihrer Brust. Er zog seine Handschuhe aus, und wollte sich um die Wunde kümmern, doch Xa hob langsam die Hand und legte sie auf seinen rechten Arm. Er mußte sich, trotz seines elfischen Gehörs, zu ihrem Gesicht beugen, um die Worte zu verstehen, die sie mit letzter Kraft hauchte. „Nan, Fareldil... es ist zu spät... der Pfad des Schicksals, den ich beschritt, ist hier zum Ende gelangt... bitte... vielleicht lebt meine Schwester noch... suche sie, sie ist dort unten...“ sie atmete hektisch ein und aus, und sie hatte Mühe, ihre Augen offen zu halten. „Und wenn du Erfolg hast, sieh bitte nach Etaya und Mornur... vielleicht brauchen sie deine Hilfe... ich... danke dir für alles... [i]ataornya..[/i].“ Die Hand, die sie auf seinen Arm gelegt hatte, sank zu Boden, und Fareldil wußte, nun konnte er nichts mehr für sie tun, wie damals in der Taverne Tir Nan Ogs. Fareldil schrie vor Schmerz auf, wie jemand, den man tödlich verletzt hatte, und drückte Xas Körper an sich. Nur einmal hatte er solchen Schmerz empfunden, und das war, als er seine gefolterte Geliebte auf ihren eigenen Wunsch dem Tod überlassen hatte. Es schien eine halbe Ewigkeit zu dauern, dann erhob er sich, und nahm den toten Körper auf seine Arme. Hier unter den steinernen Decken des Todes wollte er sie nicht zurücklassen. In dem Glauben der Frostelfen seiner und Xas Heimat konnte die Seele eines Elfen sich nur dann vollständig von seiner sterblichen Hülle trennen und zu den Sternen reisen, wenn der tote Körper seine Existenz beendet hatte. Man verstand dort nicht, wieso viele Wesen die Leichen ihrer Kameraden von Würmern zerfressen ließen. Dies war einer der wenigen Momente, in der er sich eingestand, doch eine Menge mit der Heimat gemeinsam zu haben, aus der er einst auswandern mußte. Er verbrachte die Dämmerung damit, Holz für einen Scheiterhaufen zusammenzutragen. Als dieser fertig war, zögerte er jedoch. Xa war nicht die erste Person, der er das letzte Geleit auf dieser Welt gab, auch nicht die erste Person, an der ihm soviel lag. Er versuchte die Tränen zurückzuhalten, und fluchte innerlich. Sie war nun einmal tot, daran konnte man nichts mehr ändern... und was für ein Elf wäre er, wenn er es nicht einmal schaffen würde, ihr die letzte Ehre zu lassen? Langsam schritt er auf die Leiche zu. Xas Gesicht war vom Schicksal gezeichnet, doch in ihrem Gesicht zeigte sich neben Melancholie auch eine Ruhe, die man in der letzten Zeit nicht mehr an ihr gesehen hatte. Sein Blick fiel auf die mytherilfarbene Lederrüstung, die sie über ihrem Kettenhemd trug. Es schien wie ein Symbol... ein Geschenk, das ihr viel bedeutete, und das sie deshalb wohl mit in den Tod nehmen wollte. Diese Todesbereitschaft war etwas, was er nie ganz verstanden hatte, doch war er auch kein Elf, sondern nur ein Halbelf. Dieses enge Bündnis, was bei Elfen nie erwähnt wurde, doch Tatsache war, hatte er nicht erlebt. Er hatte weiterexistieren können, nachdem seine Liebe gestorben war. Er seufzte. Wie schon öfters wünschte er sich, er hätte sich opfern können... doch nun stand er immer noch hier, während alle, die ihm etwas bedeutet hatten, tot waren. Er trug Xa zum Scheiterhaufen, und es wirkte eher, als würden sein Körper und sein Verstand darum kämpfen, ob es weitergehen sollte oder nicht. Schließlich blickte er sie ein letztes Mal an, bevor er, fast um sich selbst zu diesem letzten Schritt zu zwingen, die Worte in der Alten Sprache formulierte, die bei solchen Riten üblich waren, eine Sprache, die er auch beherrschte, der er sich aber nicht so verbunden fühlte. [i]„Fânalya tyelnë sî. Atawanya na eleni, mammen naike ar nîrei na yâra. Almare na o tielya...”[/i] Er blickte nicht auf, als er auf Frostelfisch zufügte: “Mögest du unter deinen Gefährten aus der Kindheit das Glück finden, das du vergeblich gesucht hast... und hole das nach, was dir in den sechzig Jahren in der alten Welt gefehlt hat. Nun hast du Zeit dazu...“ Ein letztes Mal murmelte er Worte der Magie, die er sich später schwören sollte, nie wieder einzusetzen. Um seine Hand bildete sich ein schwaches, orangenes Glühen, und ein Feuerball entzündete den Scheiterhaufen. Ohne zurückzublicken, kehrte Fareldil um, und machte sich für ein erneutes Betreten der Höhlen bereit. Welches Schicksal ihn dort erwartete, war ihm trotz der letzten Worte Xas gleichgültig... er spürte, daß Etaya Eiswind bei dem König gut aufgehoben war. Er wußte zwar nicht warum, doch er hatte ebenfalls Respekt vor diesem Mann. Ob er nun den Tod gefunden hat oder gar seine verblassende Seele von den Dämonen aufgenommen wurde, soll hier nicht geschrieben werden. Denn die Geschichte um Amrûniel Nintrenardis und Fareldil Celegthor endet hier. Die Sterne leuchten über den Himmeln vieler Welten, welcher Art sie auch sein mögen... und zumindest die guten Wünsche der Seele der Frau, die hierzulande als Xa’Aendarith bekannt war, ruhen über den Nächten Tir Nan Ogs, wo auch immer das sein mag... |
| Lirion D. | [b][center]ENDE[/center][/b] |
| Lirion D. | Leise, unauffällig schreitet eine Gestalt in einem langen Mantel den Kopftseinpflasterweg entlang, an dem man die zaghaften Pflanzen betrachten kann, die der Gärtner hier gesetzt hat. Sein prüfendes Auge streicht über die noch wenigen Pflanzen, die hier eine neue Heimat gefunden haben. Es ist der Aushilfsgärtner, der nun die Arbeit übernimmt, die vorhandenen Pflanzen am Leben zu erhalten, bis der Besitzer dieses Gartens mit neuen Pflanzen zurückkommt, um hier wieder ein wenig zu verweilen. Er geht in die Gartenlaube, zündet eine Pfeife an, und blickt, gedankenversunken das edle Kraut rauchend, in den klaren Sternenhimmel. Dieser kleine kreative Erguß (ich hoffe, es ist wenigstens ein bisserl vorzeigbar ;) ) dient nur dazu, euch mitzuteilen, dáß ich eine Weile weg bin. Ich werde aber nach einer Weile (wer weiß, wie lang das ist? ich selbst nicht...) wieder mit neuen Texten zurückkehren. Bail ó Chernunnos sibhse (möge Cernunnos euch segnen, Cernunnos ist der keltische Natur- und Fruchtbarkeitsgott, passend zu den Gärten hier ;) ) Lirion |
| Lirion D. | [center] [b]Tranquil Dawn Leave[/b] The ebon cloak veils the sleeping flock only broken by the distinct images of dead aeons gone by driven back the innocent white, frozen essence of life gives pale light to this cold winter night Far ahead the sky enlightens the brave winter birds hail welcome this rest of warmth this bittersweet vestige in cold grey cinders Come Dawn to this melancholy Enchant me with your unequalled art of painting colours so beautiful, yet so transient alas, so worthless Liquid fire Warmth cast through veins and tears Loneliness in the gardens of the gods Yet This is my destiny The spirit arising through corporeal heat creates indifference and courage Courage to meet my fate To step away from this destructed world and, finally, to fade [/center] |