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  Forum: Verlassene Gärten
    Thema: Sterbende Schöne
Oceanlady[SIZE=4]Sterbende Schöne[/SIZE]


Glitzernde Lichter,
Sanft reflektiert die Sonne die heiligen Tempelsäulen der Götter,
welche erhaben von den Bergen auf uns herabblicken.

Immer tiefer sinkt die Sonne dem Agrund entgegen,
Intensiver nährt der rötliche Himmel mein verlangendes Bewusstsein,
schenkt meinem lüsternden Auge phantastische Spielereien.

Der menschlichen Wahrnehmungskraft bleibt fast verborgen,
wie die sterbenden Strahlen,
das Land sanft mit goldenen Fäden umspinnt,
und es darin zärtlich verwebt.

Zaubert uns doch Eos einen wunderschönen Anblick am Morgen,
so ist es nun der hereinbrechende Sommerabend selbst,
der dies Kunstwerk entfacht,
und die einfachsten Träume der Menschengemüter zu Epen formt.

Keine einzige Wolkengestalt ziert den cyanblauen Himmel,
Scheint, als wären die Götter den Menschen freundlich gesinnt,
und machen ihnen jene kostbare Sekunde dieser Einzigartigkeit zum Geschenk.

Das Meer fließt im Einklang mit sich selbst an mir vorbei,
und nur einige sanfte Wellen nässen meine Zehen,
während der Schimmer einer Feuerlilie sich friedlich auf dem Wasser wiederfindet.

Die silberne Mondgöttin steigt hoch empor und verkündet sanftem Sopran ihre Arie,
und selten war jener Anblick derart friedlich,
das auch jene auf Schlachtfeldern gezeugten Aversionen wahrlich verstummten..

..und grüne Augen mit spitzen Ohren lauschen andächtig den Klängen.

Immer mehr funkelnde Lichter erscheinen auf den Hügeln,
Die entfernte Stadt der Zukunft, schwarz, kalt und bedrohlich wächst höher und höher,
während sich die Sonne dem Tode neigt, und die Welt zum Abschied küsst.

Drachenartige Gestalten zerreissen den Frieden des makellosen Himmels,
herausgekrochen aus ihren dunklen Höhlen und vor Gier hechelnd nach Menschenfleisch,
bekunden sie das blutrote Firmament nach Opfern.

Doch wende ich meinen Blick wieder zu ihr - der Sterbenden Schönen.
Versunkend und beinahe ruhend,
wo sie doch woanders einen Morgen gebiert,
stirbt sie nun um jener finsteren, bedrohlichen Nacht Ehrfurcht zu erweisen..

Ein unerträglicher Schmerz erklimmt mein demütiges Herz,
Welches dankbar für jene Schönheit, für jenen Genuss ist;
und sich den wütenden Emotionen mit unbändiger Leidenschat hingibt,
sich beinahe darin verliert.

Von überall her, blickt nun der abgestumpfte Menschengeist auf jene schöne Sterbende,
unfähig ihre wahre Einzigartigkeit zu erkennen,
versuchen sie jenen Augenblick festzuhalten, ihn zu fangen, zu verkslaven.

Nur noch bedarf es einem Elfenflügelschlag,
sodass ein zärtliches Rot gefolgt von einem goldnen Kranz auf den Kuppen,
als letzte Zeugen von ihrem unikatem Anlitz, erzählen.

Auch die Wellen ziehen mit,
sowie mich mein unsterblicher Geliebter, sanft behütend Nachhause schickt.
In jenem Sinne auch die Laternenlichter die Menschenkreatur von ihrem Bann erlößt..

..und alle wieder taub und blind, ihre Wege gehen.

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