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  Forum: Verlassene Gärten
    Thema: sadistic lies
ingreviaVon wo kommt Ihr? ich komme von wit her, aus einer Welt, in der es weder Furcht noch Sicherheit, weder Trauer noch Freude gibt. jenseits allem, was der Mensch gewohnt ist zu haben oder zu sein. Eine nicht reale Welt, eine Welt des Nicht-Seins.

Ihr werdet Euch wohl fragen, wo diese Welt liegt, doch es ist mir verboten worden weiter darüber zu schreiben. Doch könnt Ihr sie selbst finden, wenn ich Euch eine wenig zur Hilfe komme:

Legt Euch auf ein Bett, schließt die Augen, horcht in die Stille der Ewigkeit hinein und wenn Ihr es richtig macht, dann kommt Ihr dorthin, wo ich jetzt bin, und wo meine Gedichte und Prosa herstammen, nur dann könnst Ihr sie verstehen und begreifen, was ich auszudrücken gedenke...
ingreviaUnvorstellbare Pein
Kein Grund zu leben
Kein Grund zu sein
Nach Reichtum streben?
Warum denn, nein
Wem Schuld vergeben?
Wir sind allein


Am Ende der Zeit
Stehn wir am Schluss
Wir sind bereit
Zum letzten Schuss
Ums Trübsal zu beenden
Keiner wäre dann noch hier
Im Himmel friedlich Mensch und Tier
Wenn wir uns nur erst dort befänden
ingreviaElende Frevler!-

Durch Schönheit, Mut und andre Tugend
Sind nur manche noch geprägt
Das Gefühl der Ehre stirbt
So auch das Gute ganz versiegt

Auf kurz, auf lang wird sicherlich
Der Satan in uns all’n erwachen
Er wird ergreifen unsre Seelen
In die schon spitze Nadeln stachen

Für jedes Unrecht, das wir taten
Was schon reichlich viele sind
Wird unsre Seele tief durchbohrt
Und das bei Eltern, wie beim Kind

Aus Seelen strömt nun heißes Blut
Das droht die Erd’ zu überfluten
Und unsre leeren Körperhüllen
werden fall’n in heiße Gluten

Verbrühte Haut, verbrühtes Fleisch
Es zischt und brodelt, kocht und brennt
Dort werden wir uns wiedersehn
Am Ort, den man die Hölle nennt
ingreviaStört niemals die Ruhe des Waldes bei Nacht!

Sie war erstaunt wie schnell soetwas ging. Gerade war sie noch ein junges Mädchen gewesen, auf einmal war sie verheiratet und saß mit ihrem nicht ganz freiwillig angetrauten Ehemann in der Kutsche zu seiner Burg. Er war nicht viel älter als sie, vielleicht zwei oder drei Jahre, aber dafür doppelt so groß und stur. Das mit der Größe ist vielleicht doch etwas übertrieben, aber er wirkte aus ihrer Sicht riesig. Riesig und mager. Da sollte man meinen, er würde nicht genug zu essen bekommen. Sie starrte ihn unverholen an. Er sah nicht gut aus. Ein ganz eckiges Gesicht hatte er und einen Schurrbart dazu. Sie mochte keine Männer mit Bärten. Er war langweilig. Sehr sogar. Wenn er sprach, erzählte er über die Kriege in denen er so gern gekämpft hätte, doch seine Mutter ließ ihn nicht. Beide älteren Brüder waren gefallen, sie wollte nicht noch ihren jüngsten verlieren. Ob da die Ehe das richtige für ihn war?
Schon jetzt war sie davon überzeugt, sie wolle ihr eigenes Schlafgemach haben. Sie würde ganz normal weiterleben, das konnte er ihr schließlich nicht verbieten. Ob verheiratet oder nicht, für sie würde er nie mehr sein als ein entfernter Cousin. Draußen war es bereits dunkel, sie war ermüdet von der langen Feier in der gestrigen Nacht. Sie hatte nicht einmal die Hälfte der Menschen gekannt, die dagewesen waren.
Das blonde Haar ihres Mannes färbte sich trotz seiner jungen Jahre schon grau an den Seiten. Er wirkte alt und müde, dabei war er nicht älter als achtundzwanzig. Seine Nase wirkte von der Seite noch größer und die weiße Haut schimmerte eklig im Licht der Petroleumlampe. Der Kerl war widerlich! Warum ihr das nur erst jetzt auffiel. Sie hatte ihn noch nie vorher eingehend betrachtet. Entsetzt starrte sie auf den Mann, mit dem sie nun den Rest ihres Lebens verbringen sollte. Sie waren schon den ganzen Tag unterwegs. Sie wurde müde, vielleicht lag es daran, dass alles um sie herum so furchtbar war. Doch sie glaubte es nicht wirklich. Betrübt warf sie einen Blick hinaus in die Nacht. Sie erkannte nicht viel, die Umrisse einiger Bäume, die wirkten, als seien sie schwarze Gestalten, die auf sie lauerten. Aber sonst verschlang die Schwärze alles. „Seht Ihr etwas?“ Er sprach sie tatsächlich an. Er wagte es, sie in ihrem Starren zu unterbrechen. Sie wandte nicht den Kopf zu ihm. „Nein.“
Sie wollte nicht mit ihm sprechen. Sie hatte keinen Grund dazu. Die Bäume draußen wurden dichter und leichter Regen fiel vom düsteren Himmel. Der Wald, es war nicht mehr weit zur Burg. Noch wenige Stunden, sie würde es zweifelsohne überleben. Der Kutscher beschleunigte. Die Pferde wurden unruhig. Der Wald bereitete ihnen Unbehagen. Sie steckte den Kopf aus dem Fenster. „Alles in Ordnung?“, rief sie über das Getrappel hinweg. „Jaja, alles in Ordnung!“ bekam sie rasch Antwort. Etwas zu schnell, dachte sie und zog den Kopf wieder zurück. Es war kühl geworden, der Wind war kalt und kam von Nord. Sie hatte Angst. Sie wusste nicht warum, doch sie spürte auch dieses ungute Gefühl, das auch den Kutscher und die Pferde unruhig machen musste. Sie wandte sich zu ihrem Ehemann. Er saß unverändert da. Ein Blick reichte für sie, um zu erkennen, dass er nicht das selbe fühlte, wie sie. Er merkte es nicht. Es war etwas schleichendes, etwas Unheimliches. Es lauerte hinter jedem Baum dort draußen, war in jedem Käuzchenschrei und in jedem knackenden Zweig. Die Kutsche fuhr noch schneller. Sie raste durch die Schlaglöcher, wie vom Teufel selbst getrieben. Das junge Ehepaar wurde durcheinander geschüttelt und der Mann warf seiner Frau beängstigte Blicke zu. „Warum hält er die Tiere zu dieser Eile an?“ Sie gab keine Antwort. Es war dieses etwas, das auch in der Luft lag und ihr die Kehle zuschnürte. Ihr Mann warf einen Blick aus dem Fenster und reckte sich hinaus. „Kutscher!“ Doch der Kutscher meldete sich nicht. Er war fort. Der Kutschbock leer, die Pferde unkontrolliert. Erschreckt ließ er sich in die Kutsche zurückfallen. „Er ist nicht da. Abgesprungen, gefallen, was auch immer. Wir müssen anhalten!“
Sie gab auch jetzt keine Antwort. Sie schwieg beharrlich und ihre Augen starrten starr an die Wand gegenüber. „Joanne!“, er griff nach ihrer Schulter und rüttelte sie. Der leblose Körper fiel in seine Arme und die Last zog ihn zu Boden. Immer noch schüttelte er sie, doch die junge Frau zeigte nicht das geringste Anzeichen, dass eine Lebende zeigen sollte. Die Wärme wich bereits aus ihrem Körper. Er schob sie zur Seite und sprang auf. Die Tür der Kutsche ließ sich nicht öffnen. Sie klemmte. Wild schlug er dagegen, trat um sich. Die Tür rührte sich jedoch nicht. Auch das Holz wollte nicht zerbersten. Er wusste nicht was geschah. Auf einmal wurde er herumgewirbelt, stieß mit dem Kopf gegen die Wand, sank neben seiner toten Frau nieder. Wasser füllte den engen Raum. Kaltes Wasser. Es stieg höher und höher. Er wollte sich aufrichten, doch sein Bein klemmte unter der Bank fest. Er wusste sich nicht zu befreien. Er spürte die Kälte an seinem Bauch, sie kroch den Körper hoch, bis zu seinem Hals. Er konnte dem Wasser nicht entrinnen. Der eisige Fluss verschlang die Kutsche gierig. Als es in seinen Mund drang und jede Möglichkeit zu Atmen verschloss, klangen die vier Zeilen eines alten Volksliedes in seinem Kopfe wieder, das reisende Musiker oftmals während der langen Winterabende im Burghof spielten:

Ich sag euch nur eines, ihr feinen Leut,
Die ihr weder Engel noch Teufel scheut.
Ich gebe euch Rat, nun hört: gebet Acht,
Stört niemals die Ruhe des Waldes bei Nacht!
ingreviaSichelmond

Sie lief so schnell sie es vermochte über das regennasse Gras, hinfort, so weit fort. Es trieb sie weiter in die Nacht hinein, ihre bloßen Füße berührten den Boden beinahe nicht, sie floh durch die Dunkelheit, nur mit dem weißen Nachtgewand bekleidet, dessen Stoff sie vor der eisigen Kälte des Herbstes nicht schützen konnte. Ihr dürrer bleicher Leib bebte, ihre Haut war so kalt, wie die einer Toten. Sie spürte bald schon die Füße nicht mehr, nicht mehr die Hände, sie waren ihr gefroren. Der Sichelmond nur warf seinen Schein auf ihren Weg, den sie selbst in der Nacht sicher finden würde, denn sie hatte ihn sich wohl behalten von all den Nächten, in denen sie schon genau dieselben Schritte getan und ungeachtet der Kälte und der Finsternis zu der Stelle geeilt war, an der er sie erwarten würde. Er war ihr das Liebste der Welt, nur bei ihm konnte sie glücklich sein.
Der Frost schlich sich bereits in ihre Glieder und ihr Herz raste schneller als sie selbst. Es pochte erwartungsvoll in ihrer Brust, als wolle es herausspringen.
Der Ort war leer, der Ort, an dem er immer um diese Stunde gewartet hatte, um sie in die Arme zu schließen und ihren kalten Körper zu wärmen. Er war nicht dort. Er stand nicht wie gewohnt unter der Eiche am See, er lächelte sie nicht an, er kam ihr auch nicht entgegen. Rasch atmend hielt sie einige Schritte vor dem Baum im Laufe ein, sich voll Verwunderung und Enttäuschung umblickend. So sollte er wohl später kommen, vielleicht war er aufgehalten worden, dachte sie.
Doch auch nach einer Stunde ward sie allein. Unter der Eiche hatte sie sich ins Gras gesetzt, das ihr Hemd in Kürze durchnässte, und die Arme um die Beine geschlungen. Ihre Augen suchten immerfort die Umgebung ab, bei jedem Geräusch wollte sie erfreut aufspringen. Er blieb der Stelle fern, an der sie ungeduldig ihn zu sich wünschte.
Schon wollte der Mond entschwinden, schon wich die nächtliche Stille der aufgehenden Sonne und den erwachenden Vögeln.
Sie jedoch erhob sich zitternd, ihre Augen aufgequollen von all den Tränen, die sie die lange Nacht hindurch vergossen hatte. Zierlichen Schrittes trat sie an das Ufer des Sees. Ihre Füße spürten nicht mehr das kalte Wasser, ihre Haut nahm die eisige Nässe nicht wahr.
Als nun die Sonne endlich die Eiche und das glitzernde Gras erhellte, da war sie schon in den Fluten verschwunden; ihr feiner Leib ward hinfortgenommen von den gierigen Wogen und sogleich verschlungen. Erst nachdem einige Tage vergangen, gab der See die schöne Tote wieder frei. Da trieb sie auf dem Wasser, wie eine Göttin im Abendlicht und ihre verblichenen Augen sahen nicht mehr die Tränen, die ihr Liebster um sie weinte, der sich leider zu spät der Liebe zu ihr besann.
ingreviaKeine Seele, tote Stille
Kälte, die das Blut gefriert
In der Ecke dort ein Schädel
Der aus leeren Augen stiert

Ein Schlachtfeld aus zerfetzten Körpern
Der Tod hat alles heimgesucht
Hier lebt heut nur noch der Teufel
Dieser Ort hier ist verflucht

Überall zerrissne Glieder
Einst tobte hier Lärm und Geschrei
Tief bohrten sich Schwerter in Leiber
Jetzt ist’s ruhig, aus und vorbei

Kein Blut rinnt nun der aus den Wunden
Süßlich Geruch raubt den Verstand
Man hat zerrissen, sie zerschunden
Hat sie gerädert und verbrannt

Doch heut’ nacht in der Finsternis
Lassen sie nichts unversucht
Ihren schändlich’ Mord zu rächen
Denn dieser Ort hier ist verflucht

Noch einmal wird das Schwert gezogen
Noch mal trifft Metall auf Metall
Geschützt durch tiefe Dunkelheit
Kämpfen sie zum letzten Mal

Doch dieser letzte Kampf währt ewig
Ob Bauer oder fein betucht
Die Toten kämpfen unaufhaltsam
Denn dieser Ort hier, ist verflucht
ingreviaHinrichtung-

Es steht der Henker
Mit verhülltem Gesicht
Neben mir
Und tut seine Pflicht
Er hebt das Beil hoch Über den Kopf
Um gleich darauf einzuhalten
Noch ist der Befehl nicht erklungen
Den Schädel mir entzwei zu spalten


Das einz’ge was ich von ihm sehe
In den kleinen Augenschlitzen
Sind die dunklen Henkersaugen
Die vor Mordlust gierig blitzen
Nein, ich habe keine Angst
fürchte nicht Leid, und nicht Not
Ich fürchte keine Schmerzen mehr
Keine Qual, auch nicht den Tod
Denn er kann nur Erlösung heißen
Von der Folter meines Sein
Das Leben werd’ ich niemals missen
Sondern nur zufrieden sein
Zufrieden mit der tötlich Ruhe
Zufrieden mit Verlauf der Zeit
ich hoffe, dass er mich bald tötet
Schlag zu, mein Freund, ich bin bereit
Tatsächlich rast das Beil herab
Es surrt, mein Blut spritzt in den Topf
Ich steh in tiefer Finsternis
Er hat gespalten meinen Kopf
Der Inquisitor hat gegeben
Das Wort, dass mich vernichtet hat
Die Menge brüllt und schreit begeistert
Sieht sich an meinem Tode satt
Nun ist mein Leid endlich zuende
Ich geh ins Himmelreich hinein
Im Leben war ich Dieb und Mörder
Nun werde ich ein Engel sein
ingreviaWeder in Nacht, auch nicht am Tage
Beantwortet man mir die Frage
Wer ich bin

Ich irre weiter, durch die Zeiten
Weit weg zu den Vermaledeiten
Doch ich finde nicht den Weg dorthin

Viele Dinge sind geschehen
Die ich nicht mal kann verstehen
Stimmen flüstern zu mir, leis

Doch die Worte hör ich nicht
Seh’ nur Konturen, kein Gesicht
Nur schwarz und weiß

Ich fürchte mich vor den Gestalten
Kann mich einfach nicht mehr halten
Versinke in dem Meer der Lügen

dem weiß ich nicht zu entkommen
Alles seh ich nur verschwommen
Kann nicht sitzen, kann nicht liegen


So krieche ich immer weiter
Auch ich bin ein Vermaledeiter
Wenn es mich auch gar nicht gibt

Da erscheint plötzlich ein Licht
Es blendet mich, dann ein Gesicht
Ist da doch jemand, der mich liebt?

Er ist jetzt noch immer hier
Ist überall, und auch in mir
Er ist allgegenwärtig

Wer er ist, dass weiß ich nicht
Ich seh auch nicht mehr sein Gesicht
Doch ich weiß, der Weg ist richtig

Nun werde ich weitergehen
Will nicht sitzen, will nicht stehen
Durch Gegenden die falsch und trist

Und wenn ich da bin, kann ich fragen
Dann wird man mir endlich sagen
Wie mein eigner Name ist

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