| Traumtöter | [i][b]und dann[/b] Wir standen im Regen, die Augen voll Hoffnung, glänzend im Abendlicht. Der Tag würde kommen, die Nacht würde weichen, wir würden wieder leben und unsere Sonne sehen. Und bald wurde es hell. [/i] 09/08/03 |
| Traumtöter | [i][b]Blumenfelder[/b] Die Blüte ist zerrissen, ihre Blätter liegen vor mir, zerrupft und glanzlos, ihrer Schönheit beraubt. Durch blanke Wut zerstreut, von Enttäuschung getötet. In zwei Teilen der Stängel, ohne Kraft, ermattet vom Kampf mit mir selbst. Einstmals so wunderschön, verlor die Blume ihren Stolz. Doch im weiten Lebensgarten sprießen unzählige Knospen. [/i] 26/08/03 |
| Traumtöter | [i][b]Fraß[/b] Geborstenes Buntglas bedeckt den Beton und das Sonnenlicht bricht sich im Salz. Wozu, frag ich mich, bin ich nur geblieben? Traurigkeit wiegt schwerer als Glück. Vielleicht bin ich nie stark genug, um stark zu sein. [/i] 13/08/03 |
| Traumtöter | [i][b]traum vom sommer[/b] wir träumten vom sommer, blumen in hundert farben und tausend kleinen sternen. schmetterlinge tanzten mit uns um vom freudenfeuer umspielte gärten voller licht und glanz. und wir lachten wie niemals zuvor. dann wachten wir auf und wir merkten, dass es kein traum war - wir hatten nur unsere augen geschlossen.[/i] 18/07/03 |
| Traumtöter | [i][b]Lautes Schweigen[/b] So prescht sie dem Licht entgegen, bricht das Dunkel schnell entzwei, hämmert durch Betongebirge bis zum nächsten Ruheplatz. Quietschend endet ihre Reise, Menschen frisst sie in sich rein und nach kurzer Atempause führt ihr Weg sie wieder fort. Hinter ihren matten Augen staut sich alltagsgraue Stille; automatisch brechen Grenzen zwischen Leben und Betrug. [/i] 31/08/03 |
| Traumtöter | [i][b]Der alte Geigenspieler[/b] Im Schatten der Backsteinhäuser steht ein Mann, grau vom Alter. Sein Mantel ist zerrissen, löchrig, Überbleibsel der Vergangenheit. Fremde Augen schauen dich an; seine Blicke, niedergeschlagen, und er fängt sanft zu spielen an. Der Geigenbogen zaubert leise eine traurige Melodie in dein Ohr. Schüchtern erklingt sein Lied, als habe er große Angst vor dir. Und seine Augen wandern wieder durch die Straße, streifen dich. Die Töne verzaubern dich doch, sie bewegen dich, fangen dich ein. Du bleibst stehen, auf dem Boden ein brauner Hut, einige Münzen schimmern dir daraus entgegen. Fremde Augen schauen sich an, deine Blicke, niedergeschlagen. Dann gehst du, und seine Musik trägt seine Gefühle mit sich fort. [/i] 11/08/03 |
| Traumtöter | [i][b]Impression I[/b] haltlos fallend in die Tiefe leblos liegst im Regen du unbeachtet fortgetreten windgetragen rastlos fern unter grauen Wolkenbergen flirrend leise du erstickst[/i] 02/09/03 |
| Traumtöter | [i][b]Relikt[/b] staubbedeckte Zeitenzeugen, eingehüllt in weißes Tuch. Mondlicht zaubert Schattenspiele auf versteckte Nostalgie. schleicht sich Stille durch die Räume, ist seit Jahren stummer Gast. Kinderträume, eingeschlossen, at-men wieder Helligkeit.[/i] 03/09/03 |
| Traumtöter | [i][b]Schwingenlos[/b] Inmitten von Schutt, Mauerresten und bekämpften Träumen sitzt der Engel, allein, vergessen. Früher wanderte er durch Wolkenberge, flog mit den Vögeln der Sonne entgegen; er war schwerelos, voller Ziele und voller Erwartungen. Doch seine Schwingen schmolzen dahin, sein Flug endete und er stürzte hinab, der Himmel für immer unerreichbar geworden. Nun ist er schwach, er fühlt sich so leer und kann nicht weiter. Jeder hat seinen Platz. [/i] 08/09/03 |
| Traumtöter | [i][b]Kinderwelten[/b] Cowboyspiele unterm Dach, immer wieder neu erfunden. Autobahnen durch die Küche, kreuz und quer. In Zimmertälern Zeitungstunnel unter hohen Stuhlgebirgen. wir verloren traumbefangen fremdes Land, doch eigentlich sind wir nie groß geworden. [/i] 06/09/03 |
| Traumtöter | [i][b]Ewigkeit[/b] Der Regen zerteilt mir die Landschaft vor blinden Augen. Erstarrte Blätter, sprungbereit. [/i] 23/09/03 |
| Traumtöter | [i][b]Dornröschen[/b] Gepolstert mit kaltem Trost empfängt sie der Wagen, schon nicht mehr unerfahren. Ihr lackiertes Gefängnis, in den nächsten Minuten sitzt die Angst am Steuer. Doch der Mond scheint hell - in seiner gläsernen Welt; Regen hämmert sie nieder, toter Atem erstickt sie taub, nagt ihr den Abend ab. Und ihr Leib verharrt still, grasgrüne Mädchenfinger haben sich festgekrallt in Mamas feinem Rockzipfel, doch Mama ist nicht da. So schließt sie die Augen, der Schmutz ätzt sie krank, sie kann nicht mehr fallen, der Boden ist schon zu nah. ... Und auch der Regen kann sie nicht säubern, als grelle Scheinwerfer Dornröschen wecken. [/i] 18/09/03 |
| Traumtöter | [b]Nachtmusik[/b] Feinsilbrige Wolkensaiten sind durchs Himmelszelt gespannt, Sternenlicht schickt sanfte Töne in die kleine Menschenhand. Bäume neigen ihre Häupter in der zarten Melodie, eingehüllt in Dunkelträume - etwas Schön'res hört' ich nie. 29-11-03 |
| Traumtöter | [b]Sonett an eine Mutter[/b] Aufgeplatzt in tausend Stücke, wund gescheuert, totgewürft; aus dem Auge tritt ein Nagel, der für Schmerz und Härte bürgt. Durch den Teppich schwimmen Fetzen aus dem Jungfrauengewand, rußgeschwärzte Locken auf der weißlich fahlen Kinderhand. Puppen werden niemals bluten, nicht die bösen, nicht die guten, wie sie nun erkennen muss; Puppen haben keine Schmerzen, nur aus Plastik sind die Herzen, lieblich sanft der Schere Kuss. 16-11-03 |
| Traumtöter | [b]Am Meer[/b] Neptuns fahler Nebelatem mordet lautlos jedes Licht. [i]Einmal fallen, ewig treiben.[/i] 03-12-03 |
| Traumtöter | [b]Was bleibt[/b] Mein Vater sagt, das alles ist nur Spiel Die Straßen sind voll Staub, die Menschen beben und schreien, schießen, sterben ziemlich viel. Wir bangen seit der Nacht um unser Leben. Der Kirchturm hustet heiser grauen Rauch, den Herrgott haben sie von hier vertrieben und meine Mutter nahmen sie mir auch. Zumindest Worte sind mir noch geblieben. Ich weiß noch, wie das Fensterglas zersprang; die Scheiben platzten plötzlich aus den Rahmen. In meinem Kopf dröhnt noch Granatenklang. sie töten mich, doch niemals meinem Namen. |
| Traumtöter | [b]béla[/b] von goldenen tagen sprichst du, wenn du schweigst und mich anschaust wie klarer frost. mit der zeit lerne ich, deine worte zu deuten - links und rechts, begriffe ohne halt im raum. wir sind eins und doch allein. |
| Traumtöter | [b]An den Abend[/b] Du kommst auf Sonnenpfaden und leis' wie Blütenfall; zwar kann ich dich nicht greifen, doch dich erspüren, überall. Du deckst die Welt mit Dunkel und trägst sie still zur Ruh'; ich möcht' in dir entschlummern, so flüster' mir ein Schlaflied zu. |
| Traumtöter | [b]glaskörper[/b] ein reden von liebe erfüllte den geist und lässt uns nun wissen, was einsamkeit heißt. wir griffen nach nähe, wir suchten nach glück und fanden am ende den weg nicht zurück; nun liegen wir kraftlos am ufer der nacht, die zeit hat aus menschen erstarrtes gemacht. mein finger ertastet erlöschendes licht, danach deinen körper, der wortlos verspricht: berühre mich, bitte. wir kennen uns nicht. |