| decay73 | [b]verbrannte erde[/b] [i]traurig – still – allein die sicht getrübt durch den qualm verbrannter erde ein flehender blick in den himmel - die sonne blendet nicht mehr die gedanken fliegen nicht mehr kein mensch zu sehen kein vogel zu hören traurig - still – allein in der weiten wüste des lebens[/i] ~decay~ |
| decay73 | [b]der kuss[/b] und wieder lieg ich wach, an schlaf ist nicht zu denken nur zu einem einzigen gedanken noch fähig und dieser gedanke ist ein traum, der nicht aufhören will - nicht aufhören soll nichtsahnend schweben die gedanken davon fort von dieser welt, flüchtend vor lärm, kälte und blitzgewitter hinein in die welt der träume durch zwei braune, tiefgründige augen, angezogen durch ein himmlisches lächeln – [i]nicht mehr fähig zu denken, nicht mehr fähig zu handeln[/i] dann die erlösung... der kuss ~decay~ |
| decay73 | [b]illusionen[/b] lange hatte er nachgedacht, ob er es machen sollte. es schien schwierig zu werden, ja geradezu unmöglich, aber er wollte sie loswerden, diese unbrauchbaren, unnötigen und realitätsverzerrenden illusionen. er war sich sicher, daß er danach glücklich und absolut frei von jenen täuschungen war, die ihm schon zu oft das leben schwer und unerträglich gemacht haben. langsam ging er also den berg hinauf. vieles stellte sich in seinen weg, wollte ihn von seinem weg abbringen. aber unter größter anstrengung bahnte er sich mit der machete kämpfend seinen weg durch das hartnäckige gestrüpp, welches ihm wie sein eigenes, verworrenes, undurchdringliches leben vorkam. aber er mußte duchhalten, wenn er seine illusionen loswerden wollte. er mußte es schaffen, bis auf den gipfel des berges. endlich oben angekommen ließ er seinen blick umher schweifen, und augenblicklich lösten sich sämtliche illusionen auf. __________ was danach übrig blieb, das, was er jetzt sah, war nichts anderes als eine unendliche, graue, fade, öde, steppe. eine welt ohne die schillernden farben eines fröhlich und sorgenfrei vorbeihuschenden schmetterlings, ohne die freude an einem wunderschönen sonnenuntergang im arm seiner liebsten und ohne die unsterblich geglaubte hoffnung, daß ihm das leben am ende den sinn seiner existenz noch aufzeigen wird. seine illusionen aber waren gestorben. unwiederbringlich. für immer. und da saß er nun die ihm noch verbliebene zeit seiner grauen existenz auf einem grauen stein und weinte viele dicke, graue tränen. ~decay~ |
| decay73 | [b][i]...schwach, ganz schach nur...[/i][/b] [size=1](teil eins)[/size] ....nur unter grossen qualen war ich aufgestanden, hatte versucht einen kaffee zu kochen, was mir noch einigermassen gelang, mich dann aber gleich wieder in meinen noch angenehm dunklen schlafraum begeben. es hatte noch keinen sinn, ich war noch nicht bereit. die gedanken in meinem kranken hirn irrten noch unentschlossen umher - ohne ziel und richtung. die augen widersetzten sich durch stechenden schmerz dem licht, dass mit aller wucht durch die ritzen der mittlerweile stark lädierten fensterläden schoss, der atem rasselte gefährlich in meiner vom abgestandenen, kalten zigerattenrauch angeschlagen lunge, nur meine ohren hielten sich heute zurück: es herrschte stille. absolute, grabesähnliche stille... ...ich werde noch einige zeit liegen bleiben müssen. die mit kaffeeduft geschwängerte luft kriecht zwar mit verlockender anziehungskraft in meine geschundenen nasehölen, nur zum aufstehen reicht dies noch nicht. aber es sind nur noch wenige quälende stunden bis mich die ersten fahlen mondlichstrahlen mich aus meiner todesähnlichen starre erlösen. was gibt es auch angenehmeres als die dunkelheit, durchflutet vom kalten licht des mondes. schatten erwachen zum leben und treiben ihr arglistiges spiel mit der ausufernden phantasie glückloser seelen. in momenten wie diesen fangen meine gedanken an sich zu verselbstständigen. ich weiss nicht, warum ich es zulasse. ich könnte aufstehen, den kaffee trinken, in der hoffnung, dass dieser ordnung in die komplizierten, verworrenen strukturen meines hirns schaffen würde und die gedanken in die bahnen lenkt, die gemeinhin als normal bezeichnet werden. aber versucht habe ich es noch nie. es fehl mir noch die kraft dazu. vielleicht aber bin ich auch zu neugierig, zu gespannt auf das, was in den unendlichen tiefen meiner geschundenen seele schlummert und auf entdeckung wartet. beziehungsweise mit diabolischer macht versucht, auf sich aufmerksam zu machen und entdeckt zu werden. diese gedanken zu unterdrücken ist schmerzhaft. schmerzhafter als sie zuzulassen. ich frage mich, ob ich mich in diesen momenten, ganz meiner selbst bewusst, in diese schwarzen gedankenhöhlen fallen lasse oder ob die gedanken versuchen, die kontrolle über mich zu bekommen, mich in diese unselige starre fallen lassen, um schliesslich mit mir, der ich dann nur noch als schwacher, unwilliger wirt bewegungslos daliege, machen zu können, was sie für richtig halten. dagegen tun kann ich jedenfalls nichts. so zur bewegungsunfähigkeit erstarrt verharre ich meist einige stunden, bis ein zufälliges geräusch, vielleicht eines abbrechenden zweiges eines im nahegelegenen wald stehenden morschen baumes, dessen dunkles gerippe noch auf seine ehemals prachtvolle existenz hinweist, ein zufälliger lichtblitz eines ahnungslos dahinfliegenden flugzeuges an meiner decke oder einfach ein zu verrückter gedanke mich zu sehr erschreckt und ich voller angst erwache. bis dahin begebe ich mich auf eine ungewisse reise durch mein dunkelstes ich. schwach, ganz schwach nur. nicht erkannt von den vielen, die unermüdlich durch die von dicken regentropfen durchsiebte dunkelheit hasten, die niemals die ruhe aufbringen werden, etwas wirklich wahrzunehmen, deren augen rastlos umherwandern ohne tatsächlich zu sehen, und die sich des abends über ihre eigene sinnlosigkeit wundernd schlafen legen. schwach, ganz schwach nur leuchtete dieses licht in einiger entfernung durch die dunkle nacht. aber es zog mich magisch an. ich wusste nicht warum, denn meine gedanken hatten sich gerade in einen hintersten winkel meines vernebelten gehirns verzogen. und so liess ich mich gehen ohne zu wissen, was auf mich zukommt und ohne auch nur auf irgend etwas vorbereitet zu sein der abend war noch zu jung, als dass bereits einige gedankliche strukturen wieder zum leben erwacht wären. Aber ich stand auf, trank den Kaffe, zog die Klamotten der letzten Woche an und ging. der weg war eng und vom regen matschig. die äste der bäume, die majestätisch am wegesrand standen, bogen sich tief zu mir hinab, als wollten sie sich genau anschauen, welch verrückter mensch da um diese zeit, bei diesem wetter ihre ruhe stört. immer noch leicht benommen stolperte ich den weg entlang und versuchte den neugierigen ästen auszuweichen. leicht war das nicht, so dass ich einige male meinen fuß ungeschickt aufsetzte, dieser dann keinen halt mehr auf dem glitschigen boden fand und wegrutschte. und schon lag ich im mütterlichen, lauwarmen schoss der erde, den wohligen geruch unberührten, durch den regen gereinigten, schwarzen bodens in meiner nase. der geruch gefiel mir, so dass ich gerne liegen geblieben wäre. nur der drang nach diesem kleinen, schwachen licht liess mich wieder aufstehen und meinen weg fortsetzen, wobei der geruch des bodens allmälich wieder dem des spätsommerlichen regens wich. die äste der neugierigen bäume hatten schon einige spuren in meinem gesicht hinterlassen. sehen konnte ich es nicht, aber spüren. in meinem gesicht verteilten sich einige linienartig brennende stellen. waren diese bäume und äste nun neugierig, oder wollten sie mich von etwas abhalten. nur abhalten von was? etwas, was nie ein mensch zu sehen bekommen sollte, sondern einzig und allein für die bäume und tiere des waldes da war? ja, dieses licht hatte schon etwas bedrohliches. zunächst war es nur schwach zu sehen und wurde, je näher ich ihm kam, in keinster weise stärker oder grösser. zumindest hatte ich das gefühl, doch schon eine gute wegstrecke zurück gelegt zu haben. oder war das alles nur einbildung? oder war vielleicht das licht selbst, dieses kleine schwache, nicht grösser werdende licht eine einbildung, und die klugen neugierigen bäume wollten mir nur klar zu erkennen geben, dass ich besser umkehren, nach hause gehen, ein bad nehmen und dann -endlich mal wieder- tief und ausgiebig schlafen sollte? nein, so unwirklich die situation auch schien, und so merkwürdige dinge ich bereits erfahren musste, dies war vielleicht doch zu viel phantasterei. aber so sehr ich auch meine gehirnwindungen nach antworten durchforschte und dabei selbst in die entlegensten, lange nicht mehr genutzten und vergessenen winkel und hinterhöfe meiner grauen materie hinabstieg, fand ich keine antwort. nicht mal eine idee einer antwort oder einen kleinen hinweis, was da auf mich warten könnte. plötzlich merkte ich, wie sich die farbe des lichte ins rötliche wandelte. das helle gelb verschwand immer mehr und wurde durch ein immer stärkeres, fast schon bedrohliches rot ersetzt. war dies nun ein zeichen, dass ich mich ihm immer weiter näherte oder wandelte sich dieses licht in ein rotes, um mich zu warnen? grösser wurde es zumindes immer noch nicht. es war immer noch ein kleines, jetzt aber blutrotes licht. jetzt fing auch noch mein rechtes bein an zu schmerzen. so wie eigentlich immer, wenn ich zu lange unterwegs war. und eigentlich war es nichts besonderes. weshalb ich es hier aber dennoch erwähne, kann ich nicht einmal genau sagen. es viel mir in dem moment irgendwie auf, dass es das tat. es schmerzte eigentlich so wie immer. an der gleichen stelle, in der gleichen stärke und in der gleichen art und weise. nicht mal mehr die schrammen, die ich mir auf dem bisherigen weg zugezogen hatte, bemerkte ich. aber dieses stechen im rechten bein. und das, obwohl ich es -wie gesagt- schon lange kenne. ~decay~ |
| decay73 | [i][b]seifenblase[/i][/b] tagtraum träumend wandelt er durch weite gärten, farbenprächtig erkennend verändern seine gedanken die form, schillernd frohlockend erkennt er vermeintlich was ist. *peng!* vorbei. |
| decay73 | [i][b]Im Leben[/b][/i] Da stand er nun vor dieser Tür, vor der er schon seit einiger Zeit auf und ab ging. Wie lange wußte er nicht mehr; er hatte das Gefühl füf die Zeit verloren. Vielleicht lag es an der nahezu vollständigen Dunkelheit (nur durch das kleine Fenster kam ein schwacher Lichtstrahl herein) oder daran, daß hier, in diesem weit abgelegnen, verwinkelten Raum der Residenz des Herrn Gerneral a.D. von Bronksheim kein Geräusch des Festes mehr zu hören war. Es war durchaus ein rauschendes Fest im Gedenken an den 25. Jahrestag seiner Heimkehr. Alle waren sie da. Die mittlerweile recht große Familie, die wichtigsten Nachbarn, gute, verdiente Freunde und viele seiner alten Weggefährten, die noch einmal ihre mit reichlich Orden und Ehrennadeln bestückte und vor Stolz geschwellte Brust jedem entgegenhielten, der nur den kleinsten Anschein von Ehrwürdigkeit, Stolz und Heimatliebe besaß - und dieser Anschein schien bei jedem hier zu finden zu sein, selbst bei den alten Frauen, die in einem kleinen Kreis und meist in tiefem scharz gekleidet um die verschwenderisch gedeckte Kaffeetafel saßen und ebenso bei den sauber herausgeputzten und brav gescheitelten Kindern. Mit seinem letzten Steichholz machte er etwas Licht und fand sogar neben allerlei Gerümpel und verschiedenen zur Nutzlosigkeit verdammten Möbeln eine kleine Kerze, sodaß er auf der Tür die großen, alten, in Sütterlin gehaltenen Lettern fand, die schon leicht angegilbt waren. Dort stand aber lediglich: „Im Leben“. Zuerst dachte er, daß hier der General verschiedene Erinnerungssücke und Reliquien sammelte, die er, als er wieder zurück war, hier zusammengetragen hat, um sich selbst daran zu erinnern, daß er noch lebte und was das Leben ihm in vergangenen Tagen geboten hat. Aber das konnte eigentlich nicht sein, denn ‚so einer‘ war er nicht. Keiner, der gerne in Vergangenem schwelge (weshalb er dieses Fest auch nicht mochte, da es in bald jedem Gespräch nur um vergangenes ging), sondern, wie es so seine Art war, lieber nach vorne dem Leben entgegen stürmte Was aber hatte nun dieses „Im Leben“ zu bedeuten? Einzutreten traute er sich nicht. So blieb er also grübelnd vor der Tür stehen und harrte der Dinge, die da noch kommen mögen. ~decay~ |
| decay73 | [i][b]...schwach, ganz schwach nur...[/i][/b] [SIZE=1](teil zwei)[/SIZE] sekunden später - nein, eigentlich nur der bruchteil einer sekunde, in der mich mein schmerzendes bein im stich ließ. in momenten wie diesen, in denen ich, der verzweiflung nah, über mein schmerzendes bein und den anderen, mich einschränkenden oder einfach nur nervenden dingen bewußt werde, erinnere ich mich ganz schwach, wie es einst gewesen ist, wie alles anfing, und ganz, ganz schwach, und stark verblaßt wie ein altes, vergilbtes photo, wie es vorher einmal war. dingen, denen man vorher keine besondere bedeutung beigemessem hat, aber die einem heute eigentlich unendlich wichtig und besonders erscheinen - doch jetzt ist es zu spät. wenn die erinnerung verblaßt ist, wird es schwierig, die erinnerung wieder farbig zu machen. vergessen ist vergessen, auch wenn man sein gehirn sonstwie foltert, mit Schlägen droht, oder vorübergehenderweise zur strafe in ketten legt. was man am ehesten noch antrifft, sind die eigenen verfehlungen, eben die dinge, die man lieber anders gemacht hätte. aber ob es dann, wenn man es tatsächlich anders gemacht hätte, auch tatsächlich besser gewesen wäre? wer weiß das schon. jetzt liege ich hier im dreck. im zum glück wohlig warmen dreck. es ist fast gemütlich und warum eigentlich weiter gehen, wenn es hier doch so schön ist? ich kann in den himmel schauen und manchmal gibt die wolkendecke sogar einen kleinen, vom mondlicht schwach ausgeleuchteten blick in den himmel frei. und auf einige sterne, die in unendlicher weite mit rasender geschwindigkeit durchs all fliegen. Nur wenn ich hoch schaue bewegen sie sich nur, wenn meine Augen mal wieder nicht stillhalten können. Komisch eigentlich. wahrscheinlich ist der mensch gar nicht dazu geschaffen, über seinen elendig begrenzten horizont zu schauen. Oder vielleicht doch, weil es ja sonst nicht neugiereig sein dürfte? ich bin ja auch neugierig und würde gerne wissen, warum die augen manchmal ungefragt anfangen zu zittern. Dann erkennt man nämlich nicht so viel - und schon gar nicht die schönen sterne. aber morgen ist ein neuer tag, und vielleicht sind dann ja auch die sterne schöner, funkeln stärker oder fallen sogar in einem kurzen aufleuchten, nein, eher in einem schmerzhaft durchdringenden grellen licht, auf mich herab. bis dahin werde ich noch ein wenig im matsch liegen bleiben, denn das ist das, was heute schön ist. warum also an morgen denken. wer weiß, was der tag mir in seiner unendlichen arroganz und seiner gnadenlosen zeitverbundenheit dann an ungeheuerlichkeiten bietet - und was mir vor allem dann an unsinnigen gedanken durch den kopf schwirrt. etwa so wie in einer blanken, glattgeschliffenen kugel: ohne ende immer an der wand lang, aber ohne daß sie es jemals nach draußen schaffen werden. |
| decay73 | [center][font=papyrus][b]Kopflos[/b] irre ich umher, starre an die Wand, versuche die Gedanken zu sortieren. Immer tiefer suche ich in meinem Herzen nach dir. Auf der Suche nach Erlösung, nach Erklärung, nach Erfüllung – nach [i]dir[/i]. Aber was ich auch tue, was ich auch denke, ich finde keinen Halt. Bleibe allein mit meiner Hoffnung, mit meinen Zweifeln, mit meinen Gedanken an [i]dich[/i]. [size=1](Hilf mir!)[/center][/font][/size] |
| decay73 | [center][font=courier][i]Monologe eines Grashalmes - I[/i] [b]Der Wind[/b] Schmerzhaft drück er mich zur Seite schon eine Millionen Mal immer tiefer senke ich das Haupt zur Erde hin immer tiefer, immer weiter bis die erste Sehne reißt immer tiefer, immer weiter bis die zweite Sehne reißt. Schmerzhaft drückt er mich zur Seite schon zwei Millionen Mal immer tiefer senke ich das Haupt bis der kalte Stein mich küßt immer tiefer, immer weiter bis die Erde mich gefangen hält bis der kopf mir platzt und ich nichts mehr fühle. immer weiter unerträglich.[/font][/center] |
| decay73 | [center][font=courier][i]Monologe eines Grashalmes - II[/i] [b]Die Flut [/b] sie rauscht sie kriecht ganz langsam steigt sie ohne halt bis in den wald bis auf den hügel und drüber hinaus was wird mir übel bei diesem gebraus‘ nimmt mich hinfort ans ende der welt wer lächelt dort? ein andrer schelt‘ [/font][/center] |
| decay73 | [center][font=courier][i]Monologe eines Grashalmes - III[/i] [b]Die Sonne[/b] Komm zu mir du gibst mir Leben, hilfst mir dabei nach oben zu streben. Immer höher immer weiter auf der langen Lebensleiter, gibst du mir die alte Kraft die es jeden Tag aufs neue schafft. Doch komm mir nicht zu nahe! es wird dir nicht gefallen. Wie du mich zerstörst beinahe mit den langen gelben Krallen. Drum wirds so bleiben wie es ist: du da oben und ich unten - so ein Mist. [/font][/center] |
| decay73 | [center][font=courier][i]Monologe eines Grashalmes - IV[/i] [b]Der Winter[/b] Tödliche Kälte in meinen Adern fange an mit mir selbst zu hadern. Fange an ihn zu verfluchen, wo sind sie hin die schönen Buchen? Wo sind sie hin, die warmen Gedanken, fange an, wie wild zu schwanken. Hast mir doch beizeiten versprochen, und angefangen mein Herz zu kochen. Zu holen mich - es ist so weit - an deine Brust, bis in Ewigkeit. Komm mit, mit mir, in warme Gefilde und ich versprechs: führ' nichts im Schilde. [/font][/center] |
| decay73 | [center][font=courier][i]Monologe eines Grashalmes - V[/i] [b]Der Frost[/b] [i]-Null-[/i] Null Grad ist‘s nun die Halme zittern wolln nicht mehr ruhn und lieber klittern. [i]-Minus Fünf-[/i] Noch kälter jetzt `s geht immer weiter, der Nachbar petzt macht mich nicht heiter. [i]-Minus Zehn-[/i] Spiel nur mit mir du dumme Kuh, ich gönn‘ es dir doch bald ist ruh‘. [i]-Minus Fünfzehn-[/i] Ein Schuß - Schluß, taumel knick. Brachial vorbei, es ist kein Trick. So schnell vorbei ganz wie im Nu die Kuh sich legt - einmal noch [b]"Muh!"[/b] [/font][/center] |
| decay73 | [center][font=courier][i]Monologe eines Grashalmes - VI[/i] [b]tanz der arroganz[/b] 1000 leiber liegen auf dem haufen lassen sich so gut verkaufen und sich in den haaren raufen zerborstne Träume in die hirne drängen in ihrer sehnsucht lassen sich nicht zwängen die andren stehn im dunklen zwirne achten nicht auf die gestirne verwesend stehn sie da und tanzen anstatt einen kleinen baum zu pflanzen bis ihre tauben glieder selbst dort liegen doch der haß der will und wird nicht siegen denn sie schreien: [i]‚der tag ist tot |der himmel rot im höllenschrein | kein platz wird sein ein bengel lacht | hat keine macht der vogel flieht | das mädchen sieht war fast schon lieb | auch ohne hieb springt doch so gern | bis zu dem stern noch ganz verzückt | wird er verrückt ists doch die welt |_die uns gefällt nicht seine ists | doch macht das nichts er wird schon sehn | um zu vergehn der vogel singt | das mädchen springt das ist die welt | die uns gefällt ein letzter schrei | ist nichts dabei bis er vergeht | ganz dumm da steht die welt ist schön | es wird schon gehn ganz ohne ihn | mit seinem splien und seinem geld | wies uns gefällt' [/i][/center][/font] |
| decay73 | [B][SIZE=1]...eine kleine, kurze, bescheidene geschichte...[/SIZE][/B] [font=courier] [i]'wenn du noch lange wartest, wird vielleicht jemand das tor vor deiner nase zuhauen...'[/i] ich dreht mich um, denn ich dachte ich waere alleine vor diesem grossen, alten tor gestanden. aber da war niemand zu sehen. natürlich, es war dunkel in diesem wald. selbst der sonst so zuverlaessig scheinende mond schien bereits feierabend zu haben. also stand ich -so dachte ich zumindest- alleine in der dunkelheit und schaute durch dieses grosse, alte tor, doch da war nichts zu erkennen. auf der anderen seite war es ebenso dunkel. ich machte feuer um mir eine zigarette anzuzünden, um meine nervösität zu überspielen, aber auch, um vielleicht etwas mehr erkennen zu können. doch um hinter das tor sehen zu können, war die flamme zu klein. bevor das steichholz aber abgebrannt sein würde, blickte ich noch einmal ängstlich in die runde auf der suche nach dem, was mit mir gesprochen hatte. und da erkannte ich neben dem eingang zum tor die umrisse einer mittelgrossen, schwarz bemäntelten gestalt. ich wusste nicht, ob sie schon ewig dort stand und wartete, denn ich habe nichts hören können, wie sich mir jemand genähert hat, was unter den gegebenen umstaenden eigentlich haette passieren muessen. es war nicht nur dunkel, sondern auch absolut still und selbst der wind ging so vorsichtig und langsam, dass ich ihn nicht hoeren konnte, sondern nur als einen leichten zug um meine nase verspuerte. die gestalt blickte mich mit traurigen augen an und wiederholte sich: [i]'wenn du noch lange wartest, wird jemand das tor vor deiner nase zuhauen...es ist dein tor und du musst hindurch...'[/i] Da ich jetzt wusste, dass da tatsächlich jemand zu mir sprach, antwortete ich: [i]'we lange steht denn dieses tor schon offen?'[/i] es schient mir schon sehr lange offen zu stehen, da das tor und dessen tueren schon sehr stark mit efeu zugewachsen waren. schon lange hat wohl niemand mehr die tore bewegt oder dafuer gesorgt, dass sie dann, wenn sie es sollen, auch funktionieren werden. [i]'Lange...einige jahrzehnte schon.'[/i] [i]'Dann wird es doch sicher auch noch ein wenig offenstehen bleiben...'[/i] [i]'Das ist durchaus möglich' sagte er mit ruhiger stimme, 'Aber ich kann dir nicht sagen wie lange. und es waere sehr vorteilhaft fuer dich, wenn du es noch schaffst, bevor es zu spaet und geschlossen ist. es ist wichtig fuer dein leben...“[/i] [i]'warum?'[/i] [i]'das weiss ich nicht. ich soll nur vor diesem tor auf dich warten, dir dies dann sagen und dich durch das tor begleiten. ich weiss nicht, wie lange es auf ist und was dahinter passieren wird. das ist nicht meine aufgabe.'[/i] er schien aber nicht aufgeregt oder nervoes, sodass ich mich entschied, noch nicht durch das tor dem unbekannten entgegen zu gehen. ich wollte zumindest noch einmal fuer kurze zeit durch mein gewohntes leben gehen, alles noch einmal in mich aufsaugen damit ich es nicht vergesse und mir das, was mir lieb ist, in mein hirn einbrenne, auf das es auf ewig dort gespeichert bliebe. die schwarze gestalt mit den tiefschwarzen augen hatte nichts dagegen einzuwenden, aber er ermahnte mich zum abschied, niemandem von diesem tor zu erzaehlen, denn das waere mein todessurteil und mich zu beeilen. ich wuerde es sicher nicht bereuen, das tor zu passieren. ich versuchte noch einmal durch das tor zu schauen, aber ich erkannte nichts. absolut nichts ausser diese tiefe schwaerze. tiefer als der mantel der gestalt oder seine augen. ich verabschiedete mich von der gestalt und gelobte, alsbald wieder da zu sein, um mich dem unumgaenglichen zu stellen. [i]'ich werde auf dich warten und auf das tor aufpassen, damit es sich nicht zu schnell schliesst. aber beeile dich!'[/i] zufrieden aber auch voll vager gedanken und aengsten machte ich mich auf den weg. ich werde bald wiederkommen. sehr bald...[/font] |
| decay73 | gestern nacht war er wieder in seiner grossstadt unterwegs. mit schmerzverzerrtem gesicht schritt er langsam an der langen mauer entlang, sah aus, als würde er sich jeden moment für einen kurzen moment der ruhe einfach auf den kalten boden fallen lassen. aber er tat es nicht, war aber auf der suche nach ein wenig halt, den er aber nicht fand. sich irgendwo hinzusetzen war er zu stolz und es war dafür auch zu kalt. immer noch war es durchaus auf seine gesundheit bedacht und eine erkältung konnte er sich jetzt nun wirklich nicht auch noch leisten. also stampfte er weiter durch den schnee. weiter weg von seiner kleinen wohnung auf dem weg zu seiner kleinen wohnung. dort war es warm, ja, und gemütlich. aber so ganz ohne seinen gewohnten nachtspaziergang konnte er halt nicht schlafen; also lief er weiter, so wie auch seine gedanken, immer im kreis. 'kreise sind was wunderbares', dachte er, 'sie haben keinen anfang und kein ende, doch aber start und ziel, wobei start und ziel zu einem einzigen infinitesimal kleinen punkt vereint sind'. Und in diesem kleine punkt wohnte er. ganz alleine, worauf er durchaus stolz war, und nur alle paar wochen hatte er besuch. dann aber von eniem alten freund, den er schon jahrzehnte kannte, mit dem er schon seit jahrzehnten über gott und die welt philosophierte, und mit dem er dann den tag gemeinsam mit einem nächtlichen spaziergang abschloss. es waren immer schöne abende und nächte voller geistreicher gedanken, ruhiger gespräche, guten rotweinen und zu vielen zigaretten. nur beim letzten besuch war es irgendwie anders. das gespräch war trauriger als sonst. nicht so melancholisch, wie es immer mal wieder vorkam, wenn ein passendes thema angeschnitten wurde, sondern traurig und merkwürdig. das gespräch fing an merkwürdig und traurig zu werden, als sein freund ihn fragte, wann er das letzte mal wirklich glücklich war. und die frage liess sich nicht mehr nur mit einer flapsigen bemerkung ad acta legen, schon allein deshalb, weil sein freund ihn dabei vollkommen ernst und tief in die augen blickte. also begann er nachzudenken, wann es das letzte mal so gewesen ist. und er dachte lange nach, setze ein paar mal zu einer antwort an, um sie gleich wieder zu verwerfen und nichts zu sagen, sondern nur einmal kurz luft zu holen, so wie ein fisch der nach luft schnappt. endlich sagte er traurig und leise: 'ich weiss es nicht'. |