| Lesther | Hallo, ihr alle die ihr hierher gekommen seid! Wenn ihr mir zu folgendem eine Kritik hinterlassen wollt [url=http://www.nachtwelten.de/vB/showthread.php?s=&threadid=33593]könnt ihr das hier tun[/url] Ich würde mich sehr über eure Meinungen und Gedanken freuen! Danke im vorraus, lg L. _________________________________________ [I]Wirklich?[/I] "All die Jahre war ich gefangen", sagt sie leise, kaum hörbar, "warum jetzt freisein?" Sein Atem ist lauter als ihre Stimme. Mit todeskalten Fingern schnallt er sich die Flügel auf den Rücken. "Ich habe dich nie dazu gezwungen, dir zu nehmen, was dir zusteht." Sagt er. Und macht einen Schritt. Aber nein, nicht den Schritt. Einen anderen. "Du würdest mich nie zu irgendetwas zwingen", sagt sie. "Das weißt du doch selber. - - - Aber ich will doch bei dir sein." Die Hände greifen ins Nichts. Zu Boden fallen nur weiche, weiße Daunen. Sie spürt den Luftzug seiner Schwingen, als er hinter ihr steht. Sie lacht. Oder zieht sie eine Grimasse; die verschatteten Augen verraten nichts. "Ich muss verrückt sein." Du Heuchlerin, denkt sie. Du hast's nicht so gemeint, wie du es gesagt hast. Du meinst doch nie etwas so, wie du es sagst. Sie sieht ihn nicht. Spürt nur seine Anwesenheit. "Glaubs mir", verlangt er. "Reiß dich los. Du hast nicht mehr viel Zeit." Sie geht einen Schritt zurück. Ich habe noch alle Zeit, alle Zeit der Welt, oder zumindest fast. Er wird böse sein. Konnte er überhaupt richtig böse sein? Auf sie? Nie hatte sie ihn böse erlebt. Nur traurig, und ihr fremd. "Verlier mich nicht", befiehlt er ihr mit strahlender Stimme. Sie kann seine Wärme, seinen Glanz kaum ertragen; weiß, dass nur die Ewigkeit sie von der Freiheit trennt. Doch von welcher? "Ich kann die Engel nicht dazu zwingen, mich zu lieben." Sie möchte sich wieder am Irdischen festhalten, doch seine Antwort packt ihre Hand. "Doch, kannst du." Er hätte alles sagen können, einfach alles, und er weiß es. "Kannst du den Gesang hören?" Sie weiß nicht, welche Stimme ihr das gesagt hat. Sie hört nichts; sie will gehen. Sein Weinen sprengt ihre Brust, die Augenlider flattern hysterisch. Die ganze Welt scheint ein einziger Schrei zu sein - der Schrei, der den Sterbenden vom Sterben trennt. "Es ist immer wieder die Angst." Irgendwie weiß sie, dass dies die letzten Worte sind, die er heute zu ihr sagen wird. Oder vielleicht morgen. Vielleicht für immer das letzte, was sie hört. Nervös scharrt sein Gefieder im Flutlicht. "Warum sollte ich Angst haben vor dem Freisein?", antwortet sie. Sinkt nieder. "Vielleicht enden manche Geschichten so", erzählt er ihr noch. Enttäuscht nimmt sie nicht wahr, was er ihr gesagt hat, und sie spuckt Liebe auf den regennassen Beton. Es sind zuviele Schritte, die zwischen ihnen liegen; ihr und der Freiheit. Niemand da, der ihre Hand hält, sie den Weg begleitet. Sie weiß, dass er in eine andere Richtung gleitet - allein ist sie zu klein, um die Lasten über ihren grauen Kreuzweg zu schleppen. "Das verstehst du doch?" Sie dreht sich um, ihr Gespenst steht immer noch am selben Fleck wie zuvor. Die verschleierten Augen suchen in der Leere, und keine einzelne Daune zeugt von seiner Existenz. ___________________ |
| Lesther | [COLOR=royalblue]Sie hat so traurige Augen[/COLOR] Sie erkannten mich nicht, die, die ich kannte. Und doch warn sie bei mir, und sie lebten den Tag, und die Nacht. Und sie ließen mein zweites Ich hungern, um mein erstes Ich zu stillen, und sie nahmen mir das Kreuz. Unter ihrem Segen blitzte ihr Lachen, es war eine dunkle Sonne, die mir schien. In Vergessenheit geriet nur der Glaube an die Glückseligkeit; und dies sei zeitbedingt. Ich hatte ein Horn im Mund, doch ich wollte es nie; und sie glaubten mir nicht. Viele Lügen spricht der Geist, um seine Wahrheiten zu schmecken - viele Wunden trägt das Herz, um Narben zu vergessen, und vielleicht zu lieben? Meine lange Reise brachte mich zurück an den Ausgangspunkt; selten gehen wir mit der Gewissheit, anzukommen - nie können wir sagen, wo und wo wir stehen, in unserem Leben. Es ist schade, doch es ist nicht schlimm. Auch kein heiteres Lachen bewahrt uns vor Morgen, auch kein sterbender Stern erfüllt unsere Sehnsüchte. Mit einem Gruß den weisen Zwergen brach ich auf zu neuen Ufern. Ich baute ein Boot, unter Schmerzen - das Ufer war ein anderes. Trotzdem ein Gutes? Nur gelbe Katzenaugen leuchteten mir den Weg; nur nie endendes Weinen zeigte mir die Straße. Verborgene Wünsche sind unterirdische Höhlen, bald gefüllt mit Wasser. Ich traute mich nicht, an etwas zu glauben, es ist eine Veränderung in uns allen, und in allem, was wir tun. Sie hat so traurige Augen, doch auch das wird irgendwann vorüber gehen. ________ |
| Lesther | [COLOR=orangered]Das Hirn des Herzens[/COLOR] Ach, Menschenskraft, wie unheimlich du doch bist. Freiheit schenkst du nicht, und Glück verzollst du. Es ist niemals Magie gewesen, und es wird niemals Magie sein ... Doch handeln wir aus Gefühlen, nie aus Gedanken, wenn es darum geht, Leiden zu schaffen, zu schenken, und zu leben - sprich zu lieben. Verfreite Hände mit Ringen, gefangene Herzen mit Schwingen. Zitternde Wahrheiten, hinter bodenständigen Lügen, als Weisheiten getarnt. Großartig im dir-selbst-Schmerz-zufügen bist du, mein Selbst. |
| Lesther | [COLOR=purple][SIZE=4]AUGEN[/SIZE][/COLOR] Lass mich kosten von dem Schmerz, bat sie, und blickte in den Spiegel. Sie sah Augen, die leer waren. Sie sah ein Lächeln, der Qual, und sie sah jemanden, der tot war. Aber eigentlich sah sie gar nichts. Als sie den Kopf wieder abwandte, liefen stumme, heiße Tränen aus ihren Augen, liefen ihre Stirn hoch bis zum Haaransatz, wo sie versiegten. Niemand bemerkte, dass sie in einem See aus Blut schwamm, und sich auf die einzige Insel zubewegte, Insel der Sehnsucht. Ihr Blick lag in der Ferne. Blende mir doch die Augen, bat sie, und trank die Schwärze in sich hinein. Sie waren draußen, und sie waren hier drinnen. Sie war gefangen in ihren Träumen. Die unheimliche Macht war übergesprungen auf ihren lebendigen Leib, und tötete sie innerlich. Äußerlich lebte sie, und bewegte sich, doch sie sehnte sich nach dem Sterben zum LEBEN. Lass mich an der Liebe zerbrechen, bat sie, und rammte sich den Dolch der Erfüllung ins Herz. Dann stand sie auf, die Hülle ließ sie hinter sich, und bewegte sich auf den Ausgang zu. Das helle Licht ihrer toten Seele erleuchtete ihren Geist, und der Schmerz verschwand schneller, als er gekommen war. Sie trat aus der Tür, ohne sich umzusehen, und ihre Augen warfen Schatten. |
| Lesther | [SIZE=1][COLOR=seagreen]Monddonnerstag[/COLOR][/SIZE] "Hier klebt alles", sagt Hanna. Ihre Hand klebt. Ihr Arsch klebt an dem ekligen Fliesenfußboden. Also, nicht so fest, dass sie nicht loskommt. "Das kommt vom Sperma", erklärt ihr Joni. Joni ist so ein hässlicher Sack; Hanna weiß nicht mehr, wieso sie mit ihm hier sitzt. "Vom Sperma?" Hanna zieht die Lippen hoch. Angewidert zieht sie die Ärmchen an, wie ein kleiner Hamster. "Ja. Hier werden immer die Mädchen vergewaltigt." Joni sagt das, als wär's die normalste Sache der Welt. Hanna glotzt ihn an. Sie hat keine Ahnung, ob das stimmt, was er sagt. Sie kann's auch nicht abschätzen. Brechreiz steigt in ihr auf. "Was mach ich hier überhaupt?", denkt Hanna laut mit schriller Stimme. Sie weiß es wirklich nicht. Sie hat keine Angst, dass Joni sie vergewaltigt - nein, nicht dieser heruntergekommene, bleiche Psycho, viel mehr Angst hat sie davor, nicht die Kontrolle über die Situation zu haben. Joni bindet seinen Arm ab. "Was machst du für Scheiße?" Hanna klingt aggressiver, als sie es will. Plötzlich sieht er traurig aus. Hanna legt ihren klebrigen Arm auf seinen knochigen und versucht, nett zu sein. "Joni, wir gehen, okay?" "Ich gehe nie mehr", sagt er nüchtern und zieht sein Fixerbesteck. Ich hab's geahnt, denkt Hanna. Auf Heroin auch noch. Was für eine Trauergestalt. Dann denkt sie, dass es ihr leid täte, wenn Joni sterben würde. Sie kann ihn nicht leiden, sie kennt soviele andere Menschen - und trotzdem. Sie hat plötzlich unglaubliche Angst, vor dem, was passieren kann. Aber sie ahnt es natürlich längst. "Warum denn?" Die Frage ist so beschissen dumm. Joni antwortet trotzdem: "Ich werde mich jetzt umbringen, Hanna. So einfach ist das." Hanna fühlt ein krampfiges Gefühl in der Magengegend. Renn weg!, sie will wegrennen, aber andererseits spürt sie den abartigen Wunsch, einem Selbstmord beizuwohnen. "Wieso?" fragt sie fast atemlos vor Erregung. Joni lächelt so milde, dass sein Gesicht fast hübsch aussieht. "Sie machen's alle. Irgendwas muss doch toll dran sein. Schau mal, Hanna, sie machen's ja alle." Er lächelt wieder und zieht die Spritze auf. Hanna beobachtet ihn interessiert. "Darf ich?", fragt sie. Er sieht auf. "Was?" Hanna wiederholt: "Darf ich? Abdrücken?" Er sieht sie verständnislos an. "Mir den Goldenen Schuss verpassen?" Seine Stimme schwillt an. "Ja, bitte!" Hannas Fingern sind eiskalt und zittern. Ihre Augen glänzen fiebrig und haben diesen wahnsinnigen Glanz; mit klebrigen Fingern grabscht sie nach dem Todeswerkzeug. "Alles klar", murmelt Joni. "So schnell's geht. Bitte, alles auf einmal. Sonst klappt's nicht." Hannas schmale Hände greifen mit einer gewissen Gier nach der Nadel, die Joni gleich ins Jenseits befördern wird. Er spürt sein Herz rasen. Er greift zitternd nach Hannas Arm. "Ich liebe dich." "Nein, tust du nicht." Sie versucht, sich zu konzentrieren. "Ich hatte so gehofft, durch deine Hand zu sterben, Hanna." Sein fahles Gesicht strahlt. Sie sieht verwirrt, aus der Fassung gebracht, auf, und zieht die Hände zurück; seine Hand klebt auf ihrem Arm. Es fühlt sich widerlich an - ihr ganzer Körper ekelt sich plötzlich vor Joni. "Ich kenn dich gar nicht!", höhnt sie mit eiskalter Stimme. Steht auf. Sie hat die Macht, als er mit seinen todesverzweifelten Augen zu ihr heraufsieht, sein Mund betend um Erlösung. "Vielleicht verdienst du es gar nicht, durch meine Hand zu sterben - in diesem Dreck." Als sie ihren Arsch abputzen will, klebt alles. Tränen strömen aus Jonis leeren Augen. Hanna entfernt sich. Zögerlich vernimmt sie sein Wimmern und Winseln hinter sich, wie das eines Hundes, der ihr niemals folgen wird. Ihre hohen Absätze klackern auf dem Asphalt. Irgendwie schade, überlegt sie, und es ist dunkel. Sie weiß nicht, ob Joni nachher noch lebt, vielleicht wird sie's nie wissen. Heute versteckt sich der Mond hinter den Wolken. |
| Lesther | fairy tale I don't know where all the fairies have gone. They promised me I could have her. The twilight's laughingh a little bit at me; it's my own fault. You shouldn't believe a fairy, and you shouldn't try to love someone who's given to you - it's in human nature that you're in love with those you can't have. Don't tell me anything about happy lovestories - they don't exist. Now I've been waiting for a long time. Her small, china-white hand's lying fragilly in mine, and it grows colder. There's not much time, you know. I want to remember the happier days we spent together, but there isn't anything. It's always been this distanced coldness I once adored. "Where are you?", I ask, but I'm not sure if I'm asking the fairies or the love; both of them couldn't hear it, it's that quiet. No answer allows me to leave. I feel her heart, very slowly, and quietly beat, softly, shy; I'm sure her eyes race under the lids. "Where are you?", I shout, panically, despaired. "Where? You can't take away my love, you can't! She's what I'm living for!" She was not even beautiful, not at all. I feel her hand growing colder. She's my child. I feel like her father, wishing to protect her - being afraid of losing her, cause then there's no one you're useful for. I can hear the fairies giggle, her hand seems to disappear; I ask myself if she's also been one of them. I wait for the pain to come out, and then I can see them, walking right over to me. "You let her die", I whisper. One fairy touches my hair, not really gently, like a "I feel so sorry for you", it's more like "Happy Birthday" or something. I look into her empty eyes, and in those of all the others fairies, shiny, but without anything human. "We promised you to make you happy", she says. I cuddle up to her leg. "And we did. You did not want her, and you did not get her." I'm ashamed to kiss her dead neck once again, before I stand up. "We have to go now", the fairy tells me. "They are bored." I watch them leaving me behind in my loss. They're out of sight now. I explode. Run up to my beloved, full filled with sour pain, grabbing her dead body - I love her. I ever did. I've been fooled again. ______________ |
| Lesther | [COLOR=deeppink]Eine Liebesgeschichte[/COLOR] Meine Flügel brechen das Licht, während dein Herz in meiner sorgsamen Hand, in schmerzlichem Gewand langsam zerbricht. Ich wollte dir niemals dein Königreich stehlen, oder den Engeln befehlen, mich zu lieben. Ich wollte auch nicht, nie etwas sein, nur zum Schein, es tut mir Leid. In der hellen Farbenpracht schläft immer noch die Nacht, und ich kann auch nichts dagegen tun. Niemals wollte ich etwas von dir verlangen, das du nicht von mir verlangst. Wenn du's mir doch nicht geben kannst. Oder nicht geben willst - vielleicht siehst du die Bitte auf meinem Gesicht nicht. Meine Augen hatten niemals die Absicht, Löcher in dich zu brennen, meine Tränen wollten nicht mitleidheischend über meine Wangen rennen - mein Schrei! - dein Namen - hätte dein Ohr nie erreichen sollen. Aber ich wollte deinen Blick, zurück, ein Beweis, dass du mich siehst. Ich wollte, dass du die Musik vernimmst, und beginnst, zu verstehen. Ich wollte deine zarte Hand auf der meinen spüren. Dich berühren, ohne dass du verschwindest, oder davonfliegst wie ein Engel. Dich es sagen hören - erwidertes Begehren. Was ich mir gewünscht habe, war deine Aufmerksamkeit, die Anwesenheit, dein blasser Schein auf meiner Welt. Vieles las ich über die Liebe, wie es sie zwischen zwei Menschen gibt, wenn er sie liebt, und sie ihn liebt, dass dies Erfüllung sei. Doch der verletzliche Schimmer deines Leuchtens, und mein Feuer passen nicht zueinander. Ich wollte niemals lügen, so sagte ich mir selbst die Wahrheit. Wenn ich mein Herz zu Grabe trage, die Worte zu nasser Erde sage, bin ich frei. Nie war es meine Absicht, dich zu töten. Doch hätt ich dich nicht heute Nacht in meinem Herzen umgebracht, so wär ich selbst gestorben. |
| Lesther | [SIZE=3]Sarahs Stern[/SIZE] Es ist viel zu viel falsch gelaufen, denkt Sarah, als sie ihn ansieht. T. weicht ihrem Blick aus, wie immer. Kannst du meinen Himmel nicht teilen?, fragt sie stumm. Seine Lider senken sich über das Blau wie die Nacht über den Tag; er antwortet nicht. Sarah spürt, wie die Schwerter wieder aus ihrem Körper wachsen. Ihre von Menschenskraft strahlende Hand bedeckt die Hälfte ihres Gesichtes. T. reibt die Hufe der Erdlichkeit in staubigem, weißem Kies. Sarah möchte ihn so gerne noch ein einziges Mal auf seiner Violine spielen hören. Doch als sie den Mund aufmachen will, um ihm dies zu sagen, verbietet es die warme Luft. Kannst du denn nicht in meine Augen sehen, und beginnen, zu verstehen? Sarah spürt ihre Gliedmaßen vor Verzweiflung zittern. Überall könnte sie sein; auf dem Mond tanzen. Es machte keinen Unterschied. T. seufzt. "Ich wollte nie etwas zum Schein sein", flüstert Sarah eine Oktav höher als sonst. "Es tut mir leid." T.s Augen treffen die ihren, zehntelsekundenlang, und doch versteht sie ihre Sprache: Du warst für mich nie irgendetwas. Eigentlich ist es noch viel zu hell für den Mond, der hässlich aus seinem Loch kriecht. Er lacht sie aus, höhnisch. "Es ist so viel daneben gegangen", redet Sarah weiter. T. weiß nie, wovon sie spricht; was war denn? Es hätte auch gar nichts richtig laufen können, weil einfach gar nichts war. Er kann es nicht auf dem Weg sagen, auf dem [I]sie[/I] es normalerweise sagen. Sarahs Stern versteht er nicht. "Es interessiert dich nicht, ob ich lebe oder tot bin", kann sie sagen. Oder war es nur in ihrem Kopf? Es kommt kein Widerspruch; sie klammert sich an den Masten. Sarah fühlt sich neben seinem schwachen Schein erblassen. Natürlich würde sie für ihn sterben, natürlich würde sie das. Er sieht sie an. Möchte seine Hand ausstrecken; er schafft es nicht. Sieht sie an, die, die eine Fremde für ihn ist, und es immer sein wird. Er wird ihr nichts von seiner Angst erzählen, und auch sein Blick nicht. Als könnte sie ihn lesen. Ein letztes Mal, bevor wir auseinander gehen ... "Ich liebe dich", sagt Sarah. Er antwortet: "Warum?" |
| Lesther | [ohne titel] Sie ist ein leuchtender Punkt. Das Firmament rast vor Ehrfurcht, es ist wahnsinnig geworden. Ihr Haar stinkt, sie dreht sich um die eigene Achse, der Sonne entgegen Der Schmerz verebbt mit Saturns Explosion, die Lichter winken, wie ihre Kinder, damals. Auch leuchtende Punkte schweben. |
| Lesther | [SIZE=3]TRÄUMEN ERLAUBT[/SIZE] In ihren Gedanken reiste sie zu den Sternen. Sie spürte, wie die brennend kalte Luft an ihrer brüchigen Haut vorbeistreifte; der Fahrtwind trieb ihr Tränen in die Augen - sie lösten sich kaum merklich in der Atmosphäre. Suchend tasteten ihre kleinen Hände durchs Nichts, Kometen durchzogen ihre Bahn. Sie lachte; ein Lachen von Freude, und Angst - ein Lachen von fadenscheiniger Verwirrung. Weinend griff sie in ihr Haar, als erwarte sie, es sei nicht mehr da. Planetensplitter rissen blutige Löcher in sie, leuchtende Glitzerpunkte rauschten viel zu laut durch den bröckelnden Kosmos. In ihren zögerlichen Gedanken passierte etwas. Ihr heller Mund so voller Worte - sie suchte nach schweigenden Sternen, um sie ihnen zu erzählen. Suchte widerspruchslose Nähe; in der Erkundungsphase schreien wir manchmal. So gerne wollte sie etwas [I]sagen[/I] . Sie wollte, dass etwas [I]passierte[/I] - in ihrem Leben. Verschlossene Organe. Rauschendes Herz. Sie, das bin ich. Die Sterne haben mir zugehört, auch wenn sie mir weh getan haben. Jetzt möchte ich es hier auf der Erde versuchen. Ich brauch nur noch ein bisschen Mut, dann ändert sich vielleicht ein bisschen Form und Farbe; ein Schättchen. |
| Lesther | [COLOR=darkblue]DER GANG[/COLOR] Wir gingen durch den Gang, gemeinsam. Du erzähltest mir vom Leben, und von der Liebe. Ich schwieg. Du hast meine Hand gedrückt; ein schmerzlicher Trost, nie wird es so sein. Doch du kannst deine Wünsche in törichtem Glauben niederschreiben. Du tatest Schritte, denen ich folgen durfte. Du erzähltest mir von der Wahrheit, und von der Heuchelei. Ich schwieg. Die Sterne am Himmel seien Kometen, die irgendwann die Erde sprengen; sagtest du. Deine Wärme erfüllte den Gang; du sagtest, da hinten ist ein Licht!, aber ich sah nichts. Du nahmst meine Hand, aber ich spürte sie nicht. Meine Augen zuckten, ich konnte nicht weinen, du lachtest mir zu. Wir liefen über glitzernden Boden, die Laute unseres Lachens hallten durch den Gang. Du erzähltest mir vom Umarmen, und vom Sterben, du küsstest meine fiebrige Stirn. [COLOR=indigo]Ich bin leer, das ist schade[/COLOR], sagte ich; wir gingen weiter. |
| Lesther | Also, habe endlich meinen sehr schwierigen Text beendet, habe nach dem 3. Kapitel verzweifelt nach den richtigen Worten gesucht, ... hoffe, er gefällt euch! [SIZE=4][COLOR=royalblue]Tastlose Materie[/SIZE][/COLOR] [I][SIZE=1]Erzählung in 5 Teilen[/I][/SIZE] [SIZE=3]EINS DER TRAUM[/SIZE] Die Blume neigte ihren Kopf und blinzelte ihr zu; sie war ein gebrochenes Mädchen. Sie war von Traurigkeit befallen wie von einer seltsamen Seuche. In dem Gesicht der Blume bewegten sich kleine Lichter, sie glitzerten ängstlich. __ Sie zog den Kopf zurück und die zärtliche, von fern scheinende Melodie verstummte. Nun war sie alleine auf einer Lichtung, so groß, dass sie nicht an den Waldrand blicken konnte, alles war so still, sie presste ihre Hände gegen ihre Ohren und schrie, doch sie hörte keinen Laut. __ Dann rannte sie. Es ging ganz leicht, doch der dunkle Wald schien sich von ihr zu entfernen, und sie kam niemals dort an. Plötzlich lief noch jemand neben ihr; ein glücklich lachendes Mädchen, sie kannte es nicht. "Hallo", sagte sie, "wer bist du?" Das Mädchen gab keine Antwort. Es lief davon. Es schien so leicht zu gehen. __ Sie sehnte sich danach, die Blume wieder zu erblicken. Sie drehte sich um, und plötzlich war hinter ihr keine Lichtung mehr, sondern eine Ziegelmauer. Auf jedem Ziegel stand eine Zahl. __ "Kannst du mir die Blume zeigen?", fragte sie laut. __ "Sie ist so wunderschön; ich sehne mich danach, sie noch einmal zu sehen. Ich liebe sie." __ Dann klopfte sie gegen die Mauer, aber sie hörte nur die Musik. Dann setzte sich eine schwarze Heuschrecke auf ihren nackten Fuß und biss hinein. __ Vor Wut und Verzweiflung schluchzend ließ sie sich gegen die Mauer fallen. Sie stürzte ein. Dahinter befand sich ein Saal, und in der Mitte des Saals ein goldener Kreis, ein Becken. __ "Blume?" Niemand hatte ihr jemals gesagt, dass sie ein gebrochenes Mädchen war. Sie konnte mit dem nichts anfangen; sie verspürte nur seltsame Liebe, wenn sie an die zarten, hauchdünnen Blätter der Blume dachte. Sie musste vor Traurigkeit weinen, als ihr klar wurde, dass die Blume niemals ihre Freundin sein würde; denn sie würden sich nie wiedersehen. __ Sie näherte sich dem Becken und liegte ihre Hände an den Rand. In dem goldgrün schimmernden Wasser trieb ein totes Mädchen. Sie kannte es nicht. [SIZE=3]ZWEI DER SPIEGEL[/SIZE] Es war ein Dienstag, an welchem ihr der Arzt sagte, dass es gegen ihr Leiden kein Heilmittel gab. Vielleicht war es kein richtiger Arzt. Vielleicht kannte er nur keines. Aber sie sagte nichts. Und sie fragte auch nichts; sie fragte nie etwas. __ Wir machen so weiter wie immer, sagten ihre [I]Eltern[/I]. Natürlich. Wie sonst? Sie kannte keine andere Möglichkeit zu leben, als zu leben. Sie schloss die Augen, als draußen sie letzten, dicken Regentropfen die Blätter der Sträucher eindrückten, und als sie sie wieder öffnete, starrte sie in den Spiegel. __ Wie seltsam, dachte sie. Wie seltsam. __ Mit ihren Fingern berührte sie ihr Haar, ihre Wangen, ihre Lippen, zärtlich? Sie stach sich einen Finger in ein Spiegelbildauge. Der Spiegelbildfinger konnte ihrem Auge nichts anhaben; er war im Glas gefangen. [SIZE=3]DREI DER SEE[/SIZE] Im selben Jahr, in dem der Doktor ihre Unheilbarkeit verkündet hatte, hatte [I]Papa[/I] jenes Bild ersteigert, das in ihrem Wohnzimmer hing. Es war ein sehr merkwürdiges Bild, aber sie hatte es gemocht, denn es passte gut zu den Gefühlen, die in ihrem kleinen Haus und in ihrem kleinen Herzen wohnten. __ Es zeigte einen langen, grauen See; er war von smaragdgrünen Streifen durchzogen, doch das ganze Bild sumpfte farblos in diesem schmutzigen Grau ab. Auf der unbewegten Wasseroberfläche trieb etwas, dessen Namen noch Bedeutung sie niemals hatte herausfinden können, und über dieser trostlosen Szenerie leuchtete eine weiße Sonne. Sie verteilte ihre glitzernden Sprenkel auf dem grauen Dreck um den See, wie Konfetti, doch sie verliehen dem Bild keinen Glanz. Es sah fleckig aus. __ Dies war ihr Lieblingsbild. Es war das einzige, "wirkliche" Bild, das sie kannte, und obwohl es ihr jedesmal Tränen in die Augen trieb, solche, die im Hals schmerzen, blieb es das. __ Der Doktor hatte es damals eine "beunruhigend tiefsitzende Melancholie" genannt. Einen "unheilbaren Hang zur Traurigkeit". Eine "depressive Obsession"; eine Besessenheit von der dunklen Seite des menschlichen Daseins. Sie hatte ihre Rehaugen vor dem Besprechungszimmer aufgeregt umherkreisen lassen, in dem der Arzt mit ihrer [I]Mutter[/I] sprach, und jedes Wort verstanden. __ Später hatte sie über deren Sinn nachgedacht. Und später, auch viel später noch. __ Sie war von einer Seuche befallen, befallen von diesem Schmerz; und sie war ein gebrochenes Kind. Natürlich hatte sie es immer geahnt, besonders, als dieses seltsame Bild ins Haus kam, und sie aus unerklärlichem Grund davorsaß und weinte. [SIZE=3]VIER DER KRIEG[/SIZE] Der Krieg lag in der Luft. __ Wohin immer man versuchte zu atmen, man roch ihn, hörte seine seltsamen Schwingen, lauschte den Schritten, den knackenden Gelenken. __ Ihre Angst äußerte sich in Form von Sirenen [in ihrem Kopf]. Ihr Problem war, dass sie niemand außer ihr hören konnte, und niemand vernahm die Warnungen, die sie aussprachen. __ Dann träumte sie den Krieg. Die seltsamen Träume machten ihr keine Angst mehr; sie war neugierig, mehr zu erfahren, und in einer Nacht offenbarte sich ihr die ganze irdische Schönheit, im Augenblick ihres Untergangs. __ Sie sah Felder, Gewässer, Pflanzen, so schön, dass ihr Tränen in die Augen traten. Herrliche Wälder wurden von der Gewalt mächtiger Stürme zerteilt, niedergestreckt; die elegantesten Blumen, nicht unähnlich ihrer Freundin, starben unter einer greinenden Sonne. In ihrem Kopf sah sie Szenen, so wunderschön, dass sie weinen musste, so wundersame Szenen, die sie nicht wirklich verstehen konnte; die Natur war im Krieg mit ihren Gewalten - es war wie ein Krieg zwischen Mensch und Instinkt; paradox, unwirklich. __ Als sie erwachte, war der Krieg beinahe zu Ende. __ Mit einem seltsamen, fast wonnevollen Lächeln schlug sie ihre Augen auf und lauschte fast sehnsüchtig nach seinen röchelnden Atemzügen. __ Sie waren ganz schwach. Er lag im Sterben. Er war zu Ende. Und auch die Welt bewegte sich auf dieses zu. __ Aber nun, da die Bilder in ihrem Kopf langsam verblassten, spürte sie, wie die Angst von ihrer Seite wich. Die Furchtlosigkeit der anderen, die ihre Sirenen nicht hörten, nichts von ihren Bildern wussten, steckte sie an. __ Sie war ein gebrochenes Mädchen - doch in den folgenden Nächten zauberten ihre Träume wieder und wieder dieses fahle Lächeln auf ihr dunkles Gesicht. [SIZE=3]FÜNF DIE BLUME[/SIZE] Sie war allein. __ Sie nahm die Hände von dem Beckenrand und verließ den Raum. Dieser Raum war ihr Zimmer, dieses Haus war ihr Haus, aber die Gerüche fehlten. Sie konnte ihre [I]Eltern[/I] nicht wittern; und verzweifelt stürzte ein gebrochenes Kind in den Wohnraum, zu dem Bild. __ Es war fort. __ Anstelle des Bildes befanden sich Ziegel in der Zimmerwand, jene Ziegel, auf denen die Zahlen standen. 18, 1, 305. Und andere. __ "Ich weiß es!", lächelte sie und legte die vor Erregung zitternden Finger an den kalten Stein. "Es sind die Morde, die passieren. __ Es sind die Kriegsopfer." __ Dann eilte sie in ihrem Traum aus dem Zimmer, aus der Haustüre, und durch den Wald, nur ein Stück. Bis sie an die Lichtung gelangte. Die Lichtung, auf welcher die Blume gestanden hatte; vor dem Krieg. __ Das Mädchen. Das tote Mädchen. Auch sie war ein Kriegsopfer. __ Aber er war zu Ende. Es war zu Ende. Sie wachte auf. __ Die Angst war fort. Die Sirenen. Ganz klar sah sie den Weg vor sich. __ Sie lief aus ihrem Haus, durch den Wald, und auf die Lichtung. Ihre Füße versanken tief im Dreck, es hatte geregnet. __ Da stand sie. __ Aber hatte denn kein Krieg stattgefunden? Hatte er ihr kleines Zuhause verschont? Sie rannte zu ihr. Mit Tränen in den Augen sank sie nieder und neigte sich der hübschen, kleinen Blume zu - endlich so nah, ihre zartlila, empfindlichen Blättchen berühren zu können. __ "Das ist es also, wonach ich mich gesehnt habe", flüsterte sie, mit einer seltsamen Wärme inmitten ihrer gefangenhaltenden Traurigkeit, und sie brach die Blume ab. ________________________ |
| Lesther | [COLOR=crimson][FONT=times new roman][SIZE=2]Der traumlose Puppenkörper[/COLOR][/FONT][/SIZE] [SIZE=1]Teil II des Dramas "Unergründliche Emotionen, verworrene"[/SIZE] Die Eintagsfliege setzte sich schweigend an die Wand und surrte mit ihren gebrechlichen Flügeln. Ilias legte den Kopf in den rauhen Schoß des Schlafes und träumte unter Krämpfen. Die Himmel öffneten über seiner fiebrigen Stirn und formten seltsame Gebilde. Sie sahen aus wie unsicher wartende Grabsteine. Selma verharrte in ihrer unbequemen Lage, wie ein kalter Engel. Ihre steinernen Hände unter dem zerbrochenen Glas fassten fadenscheinige Leere; sie hatten ihr niemals etwas versprochen - und trotzdem. Trotzdem weinte Selma. Da merkte sie, dass sie es verlernt hatte. Zu lange hatten ihre Tränen hinter dem Wall warten müssen, nervös, erregt, zum Bersten gespannt. Auch Selmas Füße merkten, dass etwas anders war, und verkrampften sich zu Schmerzklumpen. Die Sonne stieg schwer über den Hügel. Das Glas zerbrach. Von dem Klirren erwachte Ilias' Traum. Auch Ilias öffnete die Augen und sah in Selmas Gesicht. Die Linien, die es durchzogen, steigerten seine Schönheit nur noch, und er streckte seine verweifelten Hände nach ihrem Stein aus. Die scheue Berührung ließ Ilias weinen, und er saß nieder neben ihrem traumlosen Puppenkörper. Er holte Luft. Setzte an zu [I]den[/I] Worten, die er schon so lange mit sich trug, dass sie zu einer schweren einseitigen Belastung wurden, wie eine antike Umhängtasche. Seine Stirn an Selmas freudlosem Bauchnabel. Da erwachte sie. Zu spät. Betreten suchten Ilias' schamvolle Blicke ein Nichts. Selma lächelte und stand auf. Es war kein warmes Lächeln. Es war keine Wärme da. Die Sonne verströmte bitterböse Kälte, wie um Selmas Frost zu trotzen, der ihre Kraft rauben wollte. Ilias brach unter der Last seiner lodernden Gefühle, welche er zu Grabe getragen sah, in einem Sarg aus Fernweh. Die Eintagsfliege starb und fiel geräuschlos und unbedeutend von der Wand. Selma trat aus der Türe, fast wie eine kalte Göttin, im Licht seiner gutgläubigen Sonne. _________ [IMG]http://www.dagmar-minor.de/veroeffentlichungen/Gewaltige_Liebe/liebe-erlacht.jpg[/IMG] [I]Dies ist R. und L. gewidmet.[/I] |
| Lesther | [FONT=times new roman][COLOR=teal][I]Die Selbstmörderin[/I][/FONT][/COLOR] [FONT=times new roman][SIZE=1]Ein innerer Monolog[/FONT][/SIZE] Du hast viel zuwenig Feinde. Hmmm. Aber am Ende sind vielleicht die Freunde auch Feinde. Sie alle haben dir wehgetan - jeder einzelne. Sie verdienen Schuldgefühle. Aber dann gibt es wieder zuviel zu sagen. So einen langen Abschiedsbrief kannst du nicht schreiben. Du kannst es versuchen. Aber ein unfertiger Abschiedsbrief ist entwürdigend. Er sagt nichts aus. Er hinterlässt nichts. Sie würden es nicht verstehen. Aber sie würden weinen. Nicht unbedingt aus tiefer Trauer vielleicht. Nicht alle. Aber sie würden weinen. Nur schade, dass du nicht mehr sehen wirst, wer auf deiner Beerdigung erscheinen wird. Doch du könntest den Schmerz nicht ertragen, deine Liebsten leiden zu sehen... oder? Sie alle, sie alle haben dich einmal verletzt, aber sie verdienen es möglicherweise nicht, dass du ihnen die Schuld an deinem Tod gibst. Es ist dir nicht egal, wenn sie leiden. Aber willst du sie im Moment deines Endes zu Feinden machen? Natürlich. Tote brauchen keine Freunde. Was Tote brauchen, sind hässliche Menschen, die ihren Schmerz weitertragen. Du wirst keinen guten Ort finden, oder zuviele, und am Ende den falschen wählen. Oder aber es ist nicht alles so einfach, wie du dir das vorstellst. Schwierigkeiten treten oft auf einer Geraden von A nach B auf, während die kurvenreiche Straße problemlos zurückgelegt wird. Du hast keine schönen Kleider. Womit sollen sie dich betten, worin? Du bist nicht gut genug. Du hast kein Talent zum Sterben - das erste, worin du kein Talent hast? Du redest dir die Qualen nur ein. Du beschwörst den Hass gegen dich. Du sehnst dich danach. Vor lauter Liebe, die dir zuteil wird, kannst du sie nicht mehr erkennen. Du fühlst nichts, sonst. Es gibt viele Arten, würdevoll zu sterben. Heldenhaft. Mit jenem Nachgeschmack; dein Körper besteht aus Zeit. Du wirst Angst haben. Vielleicht wird jemand vorbeikommen, deine Hand zu nehmen und dich zurückzuziehen, und dann war es umsonst. |
| Lesther | [SIZE=3][COLOR=darkred]Die Herbstfalle[/SIZE][/COLOR] Die Blätter fielen von den Bäumen, in den Fast-Schnee der Sehnsüchte, der schon auf dem kalten Klee lag. Die Kastanien rollten in ihren Tod; das kleine Mädchen trat nach ihren Müttern, den Schalen. Glasflächenspiegelnde Porzellan-Parks durchlief das spielende Kind. Durchsprang Netze des würdelosen Lärms. In einem Reigen aus Ahnungs-Gewitter in ihren traumschweren Köpfen folgten ihm seine Eltern, wie auferstandene Gerste, wie traurige Monde, heroin-schick. Grußlos durchquerte ein von Inzest gezeugtes Eichkätzchen die Fieberfläche an jenem Herbsttag, der versuchte, so sagenumwoben zu sein. |
| Lesther | [COLOR=royalblue][SIZE=2][FONT=times new roman]Dialog zwischen [I]einfachem Leben[/I] und [I]Spiegel[/I].[/FONT][/SIZE][/COLOR] [I]einfaches Leben[/I]: Ich sag dir was, ich hatte so einen anstregenden Tag! Ich bin total k.o. [I]Spiegel[/I]: Ich freue mich, dass du trotzdem hier bist. Erzähl, was war denn los? [I]einfaches Leben[/I]: Ach, ich möchte dich nicht damit langweilen - das Übliche eben. [I]Spiegel[/I]: Kenne ich denn das "Übliche"? Mir scheint, du vergisst, dass ich Spiegel bin. [I]einfaches Leben[/I]:Verzeihung. [SIZE=1]- Stille -[/SIZE] Achja, ich wollte ja erzählen. Also, Spiegel, hör zu, was mir passiert ist: Heute konnte ich beobachten, wie [I]sie[/I]... naja, du weißt schon... [I]Spiegel[/I]: Wirklich? Das ist ja unglaublich! Oh, einfaches Leben, wie ich dich beneide! Hier, bei mir, sehe ich so etwas nie! [I]Sie[/I] sehe ich ständig, aber sie gefallen mir nicht. [I]einfaches Leben[/I]: Gefallen [I]sie[/I] sich dir gegenüber? [I]Spiegel[/I]: Zumeist. [I]einfaches Leben[/I]: Aber das Übliche war natürlich nicht das. Ich habe ... [I]Spiegel[/I]: Erzähl mir, wo hast du sie gesehen? [I]einfaches Leben[/I]: Drüben. [I]Spiegel[/I]: Im unschuldigen Zimmer? [I]einfaches Leben[/I]: Ja. [I]Spiegel[/I]: Haben sie dir nicht verboten, diesen Trakt zu betreten? [I]einfaches Leben[/I]: Oh ja, das haben sie, aber ich wollte mich nicht länger an ihre Regeln halten! [SIZE=1](rebellisch[/SIZE] [I]Spiegel[/I]: Du bist nur einfaches Leben, nichts weiter. Du bist nichts wert. [I]einfaches Leben[/I]: Ach, hör doch auf! Wenn du mich beleidigst, erzähle ich dir nichts mehr! [I]Spiegel[/I]: Tut mir leid. [SIZE=1](zu sich selbst):[/SIZE] einfaches Leben merkt nicht, dass ich die Wahrheit spreche. [I]einfaches Leben[/I]: Nun muss ich dich auch schon wieder verlassen, mein Freund. [I]Spiegel[/I]: Schon gut. Bald werden [I]sie[/I] wiederkommen und mich belästigen mit ihren Fratzen. Aber sag, wohin willst du? [I]einfaches Leben[/I]: Ich habe noch Dinge zu erledigen, und ich möchte [I]sie[/I] wieder beobachten! [I]Spiegel[/I]: Oh, was gäbe ich dafür, sie einmal schlafen zu sehen! [I]einfaches Leben[/I]: Jetzt, wo sie endlich schlafen... [I]Spiegel[/I]: Hast du etwa....? [I]einfaches Leben[/I]: Unsinn. Sie kennen mich lange genug. [I]Spiegel[/I]: Gib ihnen... [I]einfaches Leben[/I]: ... einen Kuss, wie letztes Mal? Du bist nur Spiegel. Nur ich darf sie küssen, das weißt du doch. [I]Spiegel[/I]: Beeil dich! [I]einfaches Leben[/I]: Wieso?... [I]Spiegel[/I]: Schau genau [I]einfaches Leben[/I]: [SIZE=1]erschrickt.[/SIZE] Was passiert mit mir? Was machst du mit mir? WAAS?? [I]Spiegel[/I]: Ich zeige dich. [I]einfaches Leben[/I]: Ich kann mich aber nicht sehen! Mich kann man nicht sehen! [I]Spiegel[/I]: Aber spüren. Du spürst dich, zum ersten Mal. [I]einfaches Leben[/I]: Was soll das heißen? Was heißt das? [SIZE=1]versteckt sich hinter der Tür.[/SIZE] [I]Spiegel[/I]: Sie wachen auf. |
| Lesther | [COLOR=purple][SIZE=1][I][now try to feel the way you felt before][/SIZE][/I] Sandra weicht einen Schritt zurück, schmiert das Blut an ihren Händen in ihre Jeans. Er liegt vor ihr. Gerade stand er noch. Redete mit ihr. Sagte ihr, dass alles kaputt war. Sagte ihr, dass sie gehofft hatte, obwohl sie es hasste, zu hoffen. Sagte ihr, dass sie vergeblich nach Antworten suchte, die nicht existierten - nein, sagte es nicht..wirklich. Und jetzt liegt er da. Bewegt sich nicht. Sandra atmet ganz ruhig. Sandra sieht, Sandra erkennt. Er hatte sie nicht angesehen, und war ihrer Berührung ausgewichen. Er hatte Angst gezeigt. Sie hasste seine Angst, als er ihr sagte, dass ... [I]Dass es nichts bringt, Sandra. Dass es umsonst ist.[/I] Sie spürt die Tränen, und schluckt sie. Sie will keine Schwäche zeigen - Schwäche, die verraten würde, dass sie noch gehofft hatte. Sie hatte gehofft, hatte immer gehofft, bis zum Ende. Sandra kniet neben ihm nieder und berührt sachte sein lockiges Haar. Es ist so weich und so wunderschön, wie zu der Zeit, als er noch lebte. Vielleicht war es das nicht wert, aber so etwas hinterfragt man nicht. Sandra sammelt den Speer auf. Damals, als sie noch Licht sah ... Er hatte es vielleicht nicht böse gemeint, nicht wirklich, aber das interessiert nun auch niemanden mehr. Manches wird unwichtig, vielleicht ohne dass man es merkt. Sandra erinnert sich an sein Lächeln. Sie steht auf und klammert sich an ihren Speer, um Luft zu kriegen; ihre einsamen Augen suchen Hilfe von irgendwo, doch es kommt keine. ~~~~~~~~~~~~~~[/COLOR] |
| Lesther | [COLOR=skyblue]STERNBILDER Tagträume ziehen an mir vorüber, in dieser beschaulichen Winternacht. Ich warte auf die Reise. Meine Koffer sind gepackt. Mein altes Leben steckt im Fotoapparat. Meine liebsten Menschen haben neue Ziele gefunden; die Entfernung stört sie nicht. Das einfache Leben ignoriert die Zahlungen, der Spiegel die Geheimnisse. Ich habe dich nicht gekannt. Ich wusste nichts von dir. Du bist immer noch fremd. Aber niemand stört sich daran. Ich weine leise, und weiß nicht wieso. Was ändert sich? Du bist niemand für mein Leben. Ich bin nichts in deiner Welt. Sternbilder ziehen an mir vorüber, in dieser beschaulichen Winternacht. Ein erwartungsloser Blick, mehr nicht. Wir machen weiter. Wir können ewig leben.[/COLOR] |
| Lesther | [COLOR=blue]Your blue eyes[/COLOR] I don't even really know you, but I miss your presence yet How hard I may try, you're still on my mind, and I just cannot forget. It's probably not because of you, it's my still yearning pain. You're a lovely person, you've a good son been - but your face, it does not remain. In my head I'm not able to see you Your blue eyes, they have gone too far. But in my heart I'm able to feel you - Or, what I think you are. |
| Lesther | [I]THE MOON The moon was sad. I hugged him and told him, I would never, Never ever go away. The next day the moon was dead. I did not make any reproaches, Not to anybody.[/I] |
| Lesther | [I][SIZE=3][COLOR=firebrick]Deine Violine[/COLOR][/I][/SIZE] Über Sträuße von toten Blumen zieht sich die Musik deiner Violine; wir wachsen immer weiter, wir sind niemals wieder klein. [SIZE=1]Schlaf schön.[/SIZE] In meinen Ohren reißt es, ich presse die Hände darauf. Große Jungs weinen nicht, doch würd ich mit dir tauschen, wär mein Leiden vielleicht fort. Es ist traurig, immer ist es traurig. Ich weiß nicht, wohin ich gehe, oder was ich such. Nie hör ich deine Violine wieder spielen, nie bin ich wieder dieselbe. Die Schatten tanzen zu deiner Musik, doch trennen sie uns voneinander, für immer und immer. Ich bin der kleine Wind, der dir folgt, und dir ins Haar fährt. Es war so wunderschön, einst war es so wunderschön. Hättest du mir deinen Kranz auf den Kopf gesetzt, ich wär geflogen. Dinge vergehen schnell, und schneller, wenn man liebt. Ob schmerzliche Trennung der Schlüssel ist? Wünsch ich mir doch nichts mehr als ein Wort, zu mir allein, aber ich bin nicht mehr klein. Wo die Zeit des Träumens vorbei ist, fängt die Wirklichkeit an. Ich muss noch so viel lernen, aber nicht von dir. Meine Hände auf klingenden Saiten, sing ich von dir, aber du wirst es niemals wissen. Es wird immer, immer so viel geben, das wir nicht wissen können, und nie wissen werden. [I][SIZE=1]für t.[/I][/SIZE] |
| Lesther | [SIZE=3][FONT=times new roman]Luftschlösser[/FONT][/SIZE] Wir sind unter Leitdrähten. Saat, vergeben/vergessen, Brot gegessen - Ich habe versucht, still zu sein, das ist alles. Thronfolge, schweigende. Gar nicht einfach, immer, Großhirn! Beleidige wen anders. Ich hab nix gesagt. Speichel auf vertötetem Gut, ich halt die Finger in die Glut, der Stoff schaut mich blöd an. Luftdruck an Luftschloss, "Das ist schon okay so", "mach dir keine Sorgen". Seine Zinnen sind Seine Türme, alles. Der Leitdraht hat keine Lust drauf, und ich auch nicht. "Niemand zwingt dich zu den Augen", sagt das Luftschloss zu mir; ich fragte aber. |
| Lesther | [COLOR=orangered]Too Little Time[/COLOR] "There was too little time as if it could have become love", Barbara whispered. "Just too little time. Too many lost moments, or eaten hours." Julie said nothing. Her eyes didn't either. Then she touched Barbara's arm for the part of a very short second, and answered: "I'm not making any reproaches to you, you know. Don't bother yourself with something you can't really change - I mean, it's over." Barbara turned round. Her silent weeping caused frameless tears that took a path across her furnitured cheek. She put her hands into her pockets. Julie didn't move; the sun burnt down on the hills and the rivers. "Julie, it's not my fault, is it?" Barbara's voice trembled in merciless despair. "Julie?" Barbara's friend smiled indulgent. "Hush hush", she ordered calmly. "It's all in nature. Everything you do is okay. You're never doing wrong, you're just doing different. Concerning that, there were two ways. You chose this one. It's that normal." Barbara's lip trembled. "But ... but was it wrong? I mean, there WASN'T another way, was there?" "There was. But it was your decision. Don't get angry with yourself." Barbara put her lillywhite hands, covered with freckles, in front of her face. "So you mean there WAS another way. You mean, I could have taken it ... I could have done it, talking to him?" "You could have done it." "I didn't, Julie. There was too little time, it wouldn't have made sense! Nothing enduring, nothing to live for!" Julie hugged her. "You can also live for short seconds. It's not the 'enduring' which is important! But it's okay. Probably it wouldn't have become love. Faling-in-love is easy - one of the easiest things in the world. Love is difficult. It takes a long time to get on with it, it's a masterpiece to control it, and you'll never ever understand it." Barbara kept quiet. Then she took a deep breath to speak once more. "I don't dare to claim I'm in love", were her words. |
| Lesther | [SIZE=3][I][COLOR=orangered]I shine bright, to fool the light[/COLOR] [COLOR=green]and not tell that I just want to cry.[/COLOR] [COLOR=indigo]I smile glad, I look back - I'm not going to tell anyone I'm deadly sad.[/COLOR][/I][/SIZE] |
| Lesther | [SIZE=1][COLOR=skyblue][I]ohne titel[/COLOR][/SIZE][/I] Ihre Augen zuckten nervös hin und her. Die aufgerissenen, mitternachtsblauen Pupillen huschten in den Höhlen wie ängstliche Insekten; das kalte, gleißende Licht der 3000 Volt-Lampe über ihrem Kopf gab ihrem Gesicht einen wachsbleichen Schein. Neben ihrem schmalen Körper die Säcke - so groß, dass ein ausgewachsener Mensch hineingepasst hätte. Sie hörte ihren eigenen Atem nicht, vernahm nur das stete, dumpfe Knacken in der Ecke. Es war nicht das alte Holz. Natürlich war es nicht das alte Holz. Ihre eiskalte Hand glitt seltsam ruhig über den Belag und das blaue Wachs. Reste blieben an einem alten Fetzen hängen, befleckten das weiß-rote Antikmuster auf beängstigende, dreckige Weise. Der Kopf lag ihr so schwer zwischen den Schultern; sie betete, ihn ablegen zu dürfen. So schwer war er, doch leer an Gedanken. Was ihr zuvor noch wichtig erschienen war, war fort. Wie gebannt starrten ihre winzig gewordenen Pupillen auf den Belag unter ihren Fingern, deren abgekaute Fingernägel das Fleisch der Kuppen hervortreten ließen. Worüber nachdenken? Sie verspürte Hass gegenüber dem hellen Licht über ihr, das alles in gleißende Kälte tauchte. Etwa über diese tiefe, unergründliche ... Angst vor den anderen, vor [I]ihnen[/I]. Den Menschen. Kaum wagte sie es, den Blick in die Ecke zu bewegen. Ihre Füße rührten sich nicht, ihre Hände erstarrten ruhig in der fiebrigen Luft. Es schien, als wäre die Zeit stehengeblieben; nur das Ticken ihrer Armbanduhr durchbrach das Frieren. Dann hörte sie das Klappern, das stete Krachen über ihr. So hatten die Holzpantoffeln geklungen, die sie einmal besessen hatte. Zu spät, hinauf zur rettenden Tür zu fliehen, wurde es ihr klar. Die Säcke, so groß, dass ein ausgewachsener Mensch.... Schon hatte sie mit seltsamer Gelassenheit die schmutziggelben Bänder aufgezogen; die Augen starr in die fressende Schwärze gerichtet. Um Beweismittel zu vernichten, die ihre Existenz bezeugen könnten, steckte sie das antikgemusterte, schmierige Tuch in ihren Pullover, bevor sie Schutz suchte. Diese unergründliche Angst... Das bedrohliche Krachen folgte ihrem mondstillen Pfad. |
| Lesther | [COLOR=deeppink]Engeleien[/COLOR] Und dann stieg der Engel aus dem Himmel herab, auf die Erde, und er sagte zu mir: "Weine nicht, kleines Mädchen mit dem herzförmigen Gesicht. Du bist nicht freier als deine kleinen Träumereien, aber glücklicher. Weine nicht, kleines Mädchen mit dem langen Haar, du wirst vergessen, weil es keinen Wert hat." Die Tränen sammelten sich in meinen leuchtenden Augen, und meine Lippen zitterten. Der Engel schloss meine Augen, und er schloss meine Lippen, und er schloss mein Herz. Er öffnete meine Hände, und er öffnete den Himmel, und er sagte: "Komm mit mir. Dann kannst du die Zeit vergessen. Die Zeit ist Ende, und die Zeit ist Tod. Dort oben, da gibt es keine Zeit. Nur Anfang, und Leben. Komm mit mir." "Aber was ist, wenn ich das nicht möchte?", fragte ich den Engel. Er sah mich fragend an: "Wie kannst du das nicht möchten? Sie alle würden es." Ich antwortete dem Engel: "Vielleicht möchte ich nicht vergessen. Vielleicht möchte ich sie alle sterben sehen, und mit ihnen sterben." "Aber... willst du denn nicht die Zeit vergessen?", wiederholte der Engel ungläubig. "Nein", gab ich ihm zur Antwort, "wenn wir vergessen, was Sterben ist, vergessen wir auch das Leben. Vergessen uns selbst. Was soll das wert sein?" Ich wartete auf eine Antwort des Engels, doch es kam keine. Er musste gestorben sein, denn der Himmel stand immer noch offen, wie eine einladende Türe, die jemand vergessen hatte zu schließen. Da weinte ich, und nun liefen über mein herzförmiges Gesicht auch Tränen. |
| Lesther | [FONT=courier new][COLOR=royalblue][SIZE=3]Poor Paul's Eyes.[/COLOR][/SIZE] [I]He[/I] is just a vision of what you want. All you want is hidden in this box. All your secrets. Move on, towards your end. You do not have a personal end, it's all the same. [I]You[/I] do not have to fight, it is senseless. Don't cry, my girl, those who told you about hope, are captured hopes themselves, [B]their grizzled faces like dying moons.[/B] Don't cry, my girl; Paul's eyes are blind You are hero, yours shine. [SIZE=1]Zeile in "fett" von: Nick Cave[/SIZE][/FONT] |
| Lesther | [FONT=times new roman][SIZE=4][I][COLOR=darkblue]December Rain[/SIZE][/COLOR][/I] [SIZE=3]There's no snow in my home, I'm alone. It's over. It's gone, I'm among - all I lost, along. I want it to return, I yearn, but I'm not concerned. It's a foreign beauty I miss. I'm cold, I'm old, and so is my heart. I wait, but it's too late, and I know it's not the worst fate on earth. My step is shy, I try to hide it, but then I cry. It's December. But no snow in my lone- some home. [I]Just pain. Just rain.[/I][/FONT][/SIZE] |
| Lesther | [I][FONT=times new roman]für alle die, die verletzt wurden; die Größe der Verletzung spielt keine Rolle. [SIZE=4][COLOR=sandybrown]Verliesstern[/COLOR][/FONT][/I][/SIZE] Warum hast du das mit mir gemacht? Ich verstehe es nicht. Ich habe dir nichts getan. Ich wollte dir niemals etwas nehmen. Nur geben. Dafür hast du mich bestohlen. Warum hast du mir das angetan? Ich wünschte, ich wüsste es. Aber du wirst es mir niemals erklären. Du Verliesstern. Du steckst, in deinem Gefängnis. Du möchtest fliegen, möchtest leuchten, wie [I]SIE[/I], aber du kannst es nicht. Du versuchst es auch nie. Und lässt dir nicht helfen. Lässt dich behindern. Weil du Angst hast. Ich verstehe es nicht. Warum hast du mich zurückgestoßen? Ich habe dich nicht einmal berührt. Ich wollte dir nicht wehtun. Warum also hast du meine Hand weggeschlagen? Du Puppentheaterkönig. Du regierst, in deinem Gefängnis. Du blinzelst aus strahleblauen Augen, aber du erlaubst ihnen nicht, zu sprechen. Vielleicht möchtest du König sein. Vielleicht möchtest du über etwas herrschen, das du nicht hast. Du hast nichts zu beherrschen. Du vergisst darauf. Warum bist du fortgegangen? Warum war dir dein Reich nicht genug, oder zu viel? Ich verstehe es nicht. Ich wollte niemals Königin sein. Warum hast du mich verjagt? Ich wollte kein Stück von deinem Thron. Du Zahnradmodel. Du rollst weiter, aus deinem Gefängnis, in ein nächstes. Fühlst dich sicher. Lächelst, wunderbar; aber niemandem zu. Nicht mal dir selber. Du Model! In deiner Welt. Hinter deinen Gittern. Heimlich weinst du. Warum hast du es denn getan? Niemand erwartet etwas von dir. Ich wollte niemals den Schlüssel zu deiner Tür. Aber warum hast du nicht aufgemacht, als ich angeklopft habe? Ich verstehe es nicht. Du hast ein Herz. Niemand erwartet das Gegenteil. Meine Seele funktioniert auch nicht mit Zahnradantrieb, du musst schon selber fliegen. Nicht, dass ich es könnte - ich weiß nicht, wofür du mich hältst. Vielleicht für gar nichts. Du Bodenloszauberer. Ich beobachte dich. Du lächelst bestimmt deinen Füßen zu, weil sie dich fortzaubern. Ins Bodenlose. Warum wolltest du keinen Boden unter den Füßen? Du kennst es nicht. Wie kannst du es ablehnen? Ich zwinge dich nicht. Ich kann es gar nicht. Warum hast du mich ins Bodenlose fallen lassen, und mich nicht aufgefangen? Sieh mich an, du Zauberer. Warum hast du mich da unten liegen lassen? Mir nicht geholfen? Ich habe dir nichts getan. Ich verstehe es nicht. Erlaubst du es niemandem, dich zu verzaubern? Nicht mal dir selbst? Was sollst du mit all der Magie, in deinem Nichts? Ich weiß es nicht. Ich kann nicht zaubern. [IMG]http://home.mira.net/~miriam/pics/star.jpg[/IMG] |
| Lesther | [COLOR=limegreen][FONT=times new roman][SIZE=4]Im Windspiel.[/COLOR][/SIZE][/FONT] [I]"Du bist so töricht wie die Saite einer ungestimmten Gitarre." "Du fühlst etwas, das es nicht gibt, weil es das gar nicht geben kann." "Du kennst den Klang nicht mehr, so, wie er sein muss, nicht wahr?" "So stimme mich doch."[/I] "Du bist so töricht wie die Saite einer ungestimmten Gitarre", sagte Armin zu dem Mädchen, das am Fenster stand. Sie reagierte nicht gleich. Ihre schönen Hände lagen wartend auf der sonnenwarmen Fensterbank, auf der sich eine Straußenfeder im Wind bewegte. "Du fühlst etwas, das es nicht gibt, weil es das gar nicht geben kann." Armin hatte die abgegriffene Türklinke locker in der Hand. Er hatte es so klingen lassen, als erwarte er keinen Widerspruch, keine Antwort in irgendeiner Form, und dennoch tat er es. Das Mädchen bewegte sich nicht. Es stand in einer Linie mit den überfüllten Aktenordnern im Regal an der Seite. Der Wind spielte mit der Straußenfeder, und der Wind spielte mit ihrem Haar. Dann drehte sie sich ihm zu, und er ließ die Hand sinken. Sie lächelte ihm zu, als wüsste sie alles; oder, als wüsste er nichts. Armin neigte unwillkürlich den Kopf zur Seite, als sie es tat. Ein dumpfer Schwall Dämmerlicht durchflutete träge und bedeutungslos den Raum, und sie wandte sich wieder ab. "Du kennst den Klang nicht mehr, so, wie er sein muss, nicht wahr?", fragte Armin ihren schmalen, stromlinienförmigen Rücken und sah der sich im Abendwind wiegenden Straußenfeder zu. Das Mädchen stützte seine Hände zu beiden Seiten gegen den Fensterrahmen; fast konnte er das Orchester in ihrem Kopf hören, wie es zu einem gewaltigen Klang heranwuchs und sich in unsagbarem Schmerz entlud. Armin meinte, zu fühlen, wie sich das "Sanctus" durch seine Gehörgänge wand, als sich das Mädchen erneut zu ihm drehte. "So stimme mich doch", bat sie in milder Ernsthaftigkeit und blickte ihn erwartungslos an. Armin verstand nicht gleich; das Orchester war so ohrenbetäubend angeschwollen, dass er seine Hände gegen den Kopf presste, und seine Bücher und Mappen mit einem dumpfen Aufprall auf den Büroboden fielen. Zum gleichen Zeitpunkt schwang das Mädchen seine Beine über das Fensterbrett, stieß sich ab und fiel so leicht wie ein Stück Papier, während die Straußenfeder unruhig gleichmäßig im Wind tanzte. |
| Lesther | [SIZE=1]Vorweg: Dieser Text ist sehr persönlich, und passt vielleicht nicht so gut zu meinen sonstigen. Er enthält aber für mich persönlich wichtige allgemeine Punkte, deshalb stelle ich ihn dennoch in meinen Garten. Wer darauf keine Lust hat, sollte ihn einfach überfliegen. Danke.[/SIZE] [COLOR=limegreen]Brief an weiß ich nicht wen[/COLOR] Lieber Gott, mach mich zu etwas besonderem. Schenk mir Schönheit. Nicht DIE Schönheit - ich möchte kein süßes Gesicht; so etwas habe ich. Ich möchte schön sein. Etwas besonderes. Ein Mensch, den man liebt. Lieber Gott, wieso machst du uns so schwierig auf dieser verfluchten Welt, unterwegs in die Hölle? Ich kann es nicht begreifen. Es macht mich traurig, dass es keine Möglichkeit für uns gibt. Es ist schade, dass Gefühle nur zeitbedingte Strahlepunkte sind. Funkenwürfe. Es ist schade, dass wir nur umherirren, um bald zu sterben. Aber wir wollen nicht sterben. Wir möchten ewig leben. Wir können nicht leben, aber wir wollen es ewig dilettantisch versuchen. Es is auch eigentlich nicht schlimm. Ich weiß nicht, warum wir uns mutwillig alles erschweren. Ich weiß nicht, wo die Schönheit in dieser traurigen Welt verborgen liegt. Ich sehne mich danach, sie zu finden. Ich kenne das Geheimnis nicht. Es fällt mir so schwer, zu entscheiden, zu leben, es fällt mir so schwer. Lieber Gott, wo sind wir? Und wo ist die Wahrheit? Wartet sie wo auf uns? Lauert uns auf? Gibt es überhaupt einen Weg, sie zu finden? Wir kennen noch nicht mal wirklich eine Möglichkeit, sie zu suchen. Ich warte, sehnsüchtig, es nennt sich "Erfüllung", aber vielleicht ist es etwas ganz anderes, und wir sind falsche Menschen, die richtigen Dingen falsche Namen geben. Niemand hat uns darum gebeten. Es ist sinnlos. Nichts bringt irgendetwas. Lieber Gott, nimm eine kleine Last von mir. Sie sind unnötig, jede einzelne von ihnen. Ich kann sie tragen, denn wir Menschen laden uns unsere Bürden selbst auf. Aber ich möchte sie nicht tragen. Möchte sie abwerfen. Es ist mir egal, wenn ich dabei auch ein Stückchen von mir wegwerfe - es interessiert mich nicht. Ich bin klein, aber bis ich mich ganz weggeworfen habe, dauert es. Nur, zum ewig Leben reicht es wohl kaum. Es kommen Rätsel, es kommen Tunnel. Wir dehnen Dinge, bis sie reißen. Wir essen süßen Kuchen, bis uns schlecht ist. Wir kosten Liebe aus, bis sie zu Hass wird. Maßlos bin auch ich, unwissend und unerfahren. Wir werden geboren, und man erwartet von uns, dass wir richtig leben. Das ist sehr schwierig, und ich weiß nicht, ob es manchen überhaupt gelingt. Lieber Gott, ich weiß gar nicht, ob ich dir schreibe; ob ich an dich glaube. Ich denke an dich, stelle dich mir vor. Aber glaube ich deshalb an dich? Ist das nicht etwas, das mir meine Kirche, meine Gesellschaft, meine Welt vorschreibt? Vielleicht sind einige von uns längst tot. Nicht jeder, der zur Kirche geht, glaubt an Gottes Liebe. Nicht jeder Mensch, dessen Herz schlägt und dessen Lunge atmet, lebt. Vorbei sind die Zeiten, in denen wir uns angelächelt haben, auf unserem Weg ins Verderben. Aber was ist schon Verderben? Ich fürchte, niemand kennt den anderen. Und wird es nie. Es macht mich traurig, dass diese Welt voller fremder Toter ist. Das ist sehr eigenartig, aber bin ich untröstlich? |
| Lesther | [I][FONT=times new roman][COLOR=skyblue][SIZE=3]Stern[/I][/FONT][/SIZE][/COLOR] Da ist ein Wind in meinem Raum, ein Wind, der die Pfauenfeder an meinem Fensterbrett bewegt. Ich kann ihn nicht spüren, aber ich kann ihn sehen. Da ist ein Wind, an meiner Seite, der wirkt und bewegt. Auch ich könnte versuchen, zu wirken, zu bewegen; aber ich habe Angst, dass die anderen es sehen können, aber nicht fühlen. Ich möchte, dass sie spüren. Ich möchte sie etwas spüren lassen. Ich möchte ihr Stern sein, nicht ihr Lampion. |
| Lesther | [I][FONT=century gothic][COLOR=indigo][SIZE=4]Die Nacht[/COLOR][/SIZE] Eine Szene[/I] Eine leise wimmernde Tonspur schwebt gläsern über einen alten Steinbrunnen, den Steinbrunnen. Der trostlose, langsam im Bedeutungslosen verklingende Hall unbekümmerter Kinderstimmen wird von einer träumerischen Brise über die Hügel getragen und begegnet einem gebrochenen Stück Holz, das schwermütig hinkend über den blassen Asphalt tanzt. Ein hoffnungsvoller, rötlicher Streifen Dämmerlicht windet sich langsam zwischen den Bäumen hindurch, um schließlich an irgendeinem Astloch zu sterben. In einem gestürzten, todeskalten Stück dunkler Rinde kann man mit von romantischen Tränen verklärten Augen noch die Überreste eines eingeritzten Herzens erkennen. Unter der stillschweigend schützenden, mit Laub geschmückten Erddecke liegen Geheimnisse verborgen, doch die aneinander geschmiegten Kiesel verraten nichts. Hiflos klammert sich ein zerbrochener Traum an den Straßenrand, und ein unschuldig wartender Pfeiler, der in seinem früheren Leben vielleicht einer von ihnen war, lässt ein paar unerkennbar feine Tränen in der Ritze zwischen totem Gras und totem Stein versickern.[/FONT] |
| Lesther | [SIZE=4][COLOR=royalblue][I]"Ich bin ein trauriges Mädchen."[/I][/COLOR][/SIZE] "Du bist ein trauriges Mädchen", sagten sie zu ihr. Sahen sie an. Mit solchen Augen, mit denen man ein trauriges Mädchen ansieht, immerzu. "Du weinst heimlich, weil deine Seele traurig ist", sagten sie zu ihr. Es war kein Vorwurf. Sie mochten es. Sie fanden es wunderschön. Es war gut so. "Du hast schwarzes Haar", sagten sie zu ihr. Als würde das irgendwas erklären. Für die erklärte es eine Menge Dinge. Für sie selbst nicht. Sie lächelte. "Haltet mich", bat sie lächelnd. Dann streckte sie ihre Hände aus, mit solchen Augen, wie sie nur ein trauriges Mädchen hat. "Darf ein trauriges Mädchen nicht lächeln?", fragte sie mit ehrlichem Erstaunen. Sie sahen zu ihr hinauf, und warteten, wer als erstes sprechen würde. |
| Lesther | [COLOR=crimson][SIzE=4][FONT=times new roman]Sprachlos[/COLOR][/FONT][/SIZE] Deine Schönheit ist so unerreichbar fern, so fern von mir. Ich kann sie nicht berühren, ich kann sie nicht sehen - ich kann sie kaum noch erkennen. Ich möchte den Blick abwenden, aber ich vermag es nicht; so, wie ich es all die Male zuvor auch nicht vermochte. Es ist ein Traum, doch ich bin kein Traum, und ich drehe mich weiter. Deine traurigen Augen weinen nicht, doch legst du deinen Blick behutsam wie ein Neugeborenes in den meinen. Ich möchte so gerne nach deiner kalten Hand greifen, doch ich kann es nicht. Immerzu könnte ich dir zusehen, wenn du mit deinen schlanken Fingern über die Saiten der Gitarre streichst, doch ich kann es nicht. Du bist so weit weg; alleine schaff ich's nicht, und das weißt du. Ich habe mich in dich verliebt, aber du schaust weg. Ich sehne mich so nach dir, aber du gehst fort, ohne eine Regung. Es gibt nichts, was ich dir sagen könnte, ich weiß nichts - Ich bin sprachlos. |
| Lesther | [COLOR=blue]SIE sind es, mit ihrer unantastbaren, kleinen Magie, die sie umgibt, wo immer sie sind, wer immer sie sind, SIE sind es.[/COLOR] [SIZE=1]Gedicht über "meine" Jungs, die ich liebe, [I]in den Wind gereimt[/I], sprich einfach hier gerade so hineingeschrieben... I adore you.[/SIZE] |
| Lesther | [SIZE=4]Warum gerade jetzt?[/SIZE] Sie beginnt nicht erst jetzt, es richtig zu spüren, als sie aus dem Fenster sieht. Draußen, auf dem kahlen Essigbaum hängt ein kleines Netzchen; ein leerer Vogelfutterknödel. Das Netzchen flattert unbedeutend im Wind. Sie beginnt nicht erst jetzt, es richtig zu spüren. Aber jetzt erst beginnt sie, zu begreifen. Die Augen zu öffnen, für Neues, für bisher ungemachte Erfahrungen, ungeöffnete Kisten. Wie zärtlich gezogene Bleistiftstriche, die sich zu einer Fläche zusammenfügen, ist sie plötzlich erfüllt von trägen, bleichen Gedankenfetzen, die sich zusammenfügen - zu etwas Haltlosem. Halt. HaltHaltHaltHaltHaltHaltHalt. Der Boden rutscht unter ihren Füßen weg, oder sie entgleitet dem Boden. Die Schmerzen sind nicht plötzlich sichtbar; sie sind allgegenwärtig. Kriechen wie Maden in jede Ritze, entfalten sich, um wie Drachen zu fliegen. Warum, fragt sie sich mit vorgeschobener Lippe, und sieht sich selbst im Fenster spiegeln; warum gerade jetzt? Schwer, wie voll von Wasser, ist ihr Kopf, viel zu schwer; gelenklos fast. Masse. In Flaschen abgefülltes Gehirn steht darin; was aus ihren Augen rinnt, sind Gesprächsfetzen, und dekadente Berührungen, kühl jetzt. Warum muss die Wunde gerade jetzt wieder aufreißen - jetzt, wo sie so gut neu begonnen hat? Ein neues Jahr; ein neues Leben. So einfach, so hoffnungsvoll. Rhythmisch schlägt ihr Herz, wie um ihr zu zeigen: du lebst noch. Auch wenn du innerlich stirbst. Sie beobachtet, wie die Arme des Windes grob an dem zarten Gerüst des Netzchens reißen - doch sie haben Angst. Vielleicht können sie es, einmal abgerissen, nicht mehr tragen. Das Netz bewegt sich langsamer. Worte fallen ihr ein. Worte, so unwichtig, nichtssagend - doch zu diesen Worten gehört eine Geschichte. Zu jedem einzelnen, oh ja, sie könnte viel erzählen. Warum musste die Wunde aufreißen, und warum gerade jetzt? Warum nicht in zwei Jahren, wenn sie den kranken Strudel des gefangenhaltenden Exzesses und der weinenden Selbstsucht hinter sich gelassen hatte? Entwachsen war, der Zeit, Eintritt in eine neue Dimension. So viele Möglichkeiten, so viele. Das Netz verharrte reglos. Wie sie. Ihr Herz war zu voll, als dass sie es gewagt hätte, sich zu bewegen - zerbrechliche Gefäße, überall. Für einen Moment schien sie alles zu vergessen - einfach alles. Es war die völlige Entgleisung, hinter und vor ihr verschwand mit einem Schlag die Welt. Warum gerade jetzt? Die Frage schmiss sie wieder zurück in ihre vier Wände, die auf sie zurückten; liebkosend, nicht bedrohlich. Sie dachte an all die Geheimnisse, die unter ihren Füßen verborgen lagen, und sich niemals offenbaren würden. Sie dachte an die Tränen, die immer kamen, wenn man kurz davor glücklich gewesen war. Worte, die Situationen streiften, anmutig wie Federn, und wieder verloren gingen, weil sie schwach waren. Hände, die über Körper krabbelten, wie seltene Käfer - so behutsam, dass sie Gänsehaut verursachten, und so vergänglich. Sie dachte an ihre Träume, die im Schein des Elektrolichtes verloren gingen. Mit unsagenden Blicken in den navyblauen Abendhimmel erinnerte sie sich. Erinnerte sich an alles. Es war kein Strohfeuer, es war ein brennendes Kornfeld. [SIZE=1]Statement zur Liebe ??[/SIZE] |
| Lesther | [FONT=times new roman][SIZE=3][COLOR=silver]Manche können alles haben[/FONT][/SIZE][/COLOR] Es macht mir nichts mehr aus, Opfer zu erbringen; Ich verzichte eben auf manche von den wunderbaren Dingen. Wenn ich dafür bekomme, das woran mein Herz so hängt, dann zählt es doch nicht weiter, was man sonst mit mir anfängt. Wieder einen Schluck Herzblut vergossen, ich habs genossen, es wird Liebe draus. Wieder ist ein Traum zerbrochen, aber ich hab versprochen, es macht mir nichts aus. Als ich mein neues Glück umschließe, mit den Armen, und keine Tränen vergieße, bin ich glücklich - für kurze Zeit keine Einsamkeit; bis zum nächsten Opfer. Nur hin und wieder, an manchen Tagen, da staune ich; manche können alles haben. |
| Lesther | [COLOR=green]Freundschaft.[/COLOR] Freunde. Wunderbar. Blicke, Umarmungen, Worte, ein Lächeln - so bedeutend. So weltumspannend. Wie viel das aussagen kann... hätte ich mir nie gedacht. Ich bin es zu gewohnt. Zu verwöhnt. Ich sehne mich danach, die Bitterkeit zu schmecken, damit ich es wieder vermissen lerne. Freundschaft; Freunde. Aber was soll ich damit, wenn ich dich liebe? Wertlos. Sinnlos. Gefühllos. Bedeutungslos. Haltlos. Schwerelos. Jetzt habe ich es ausgesprochen. Ich fürchte mich. Entsetzlich. Will in die Arme der Freundschaft krabbeln; um irgendetwas zu haben, nicht alleine zu sein, um eine Stütze in meiner kleinen Hand zu fühlen. Doch es ist keine Freundschaft. Es ist mehr - oder, sollte man es weniger nennen? Ich weiß nichts, kenn mich nicht aus. Ahnungslos. Trockne doch meine Tränen, lass mich doch nicht hier alleine stehen, mit ruhigem Gewissen, mit einer sperrigen Freundschaft, mit der ich nichts anzufangen weiß. Du möchtest sie also nicht aufgeben. Und ich? Vielleicht will ich aufgeben. Kann nicht mehr. Kann sie nicht mehr tragen; denn sie tut mir weh. Ich geb sie dir zurück. Alles oder nichts - da. Besten Dank. Vielleicht in einem Jahr. Vielleicht überhaupt nie. Es tut mir leid. Es ist nichts gegen dich. Du bist der wunderbarste Mensch von allen. Oder? Genau deshalb muss ich dich gehen lassen; oder ich werde dich einsperren. Ich habe Geduld. Ich habe Zeit. Ich warte. |
| Lesther | scharlatan Die Funken deiner Existenz kriechen in mich wie Maden, fressen mich innerlich, wollen zu Schmetterlingen werden in meinem Bauch. Doch Maden sind es, und Maden bleiben es; widerlich schleimig abartig bleich. Ich liebe deine Stille, ich vermisse deine Scheu --Zerbrochen, nur heute, morgen wieder ganz, doch hässlich. |
| Lesther | Traum Ich lief hinaus in die glitzernde Pracht des Regens, der gefallen war über Nacht Hektisches Umsehen, doch keiner da die Wolken zerbrachen, ein Tropfen im Haar! Nun wusch meine Maske der Regen hinab, und nackt ich mich in mein Bett begab, fast tot. ~~~~~~~~~~~~~ Garten der Träume |
| Lesther | [COLOR=blue][SIZE=3][FONT=century gothic]Der zerbrochene Spiegel[/COLOR][/FONT][/SIZE] Wenn du küsst, und du denkst ein Wort, dann mach dir keine Sorgen darüber. Das kleine Mädchen blickte sich um. Wie Regentropfen fielen die Erinnerungen in ihre Haare und auf ihre Kleider. [COLOR=deeppink]Der Kuss.[/COLOR] Ein Kuss, so weich und gefühlvoll, und so intensiv, als würde er nie enden wollen. Ein Kuss, von ihnen beiden, die sie Brillen trugen - doch es gab keinen Brillencrash. Ein Kuss, viel zu lang, als dass man sich jetzt noch daran erinnern könnte, wie lang er gewesen war. Ein Kuss, dennoch viel zu kurz, als dass man ewig daran denken und sich daran nähren könnte - irgendwann würde er fort sein. Und kein weiterer kam nach. Mit Fingern, so behutsam wie jene, die sein langes Haar berührt hatten, wischte sie sich die Regentropfen der schmerzlichen, doch ewig glitzernden Erinnerung von der Stirne. Lass es aufhören. Hatte sie ein Wort gedacht? Ein Wort? Nein, wohl nicht wirklich. Sie hatte an den Bus gedacht, und einmal die Augen geöffnet, wo sie ein bisschen peinlich, aber auch berauschend berührt war, als sie seine geschlossenen Augen hinter den Gläsern sah. Sie war seine Zähne nachgefahren, wie eine Treppe, und hatte an die letzten Worte gedacht, die er zuvor gesagt hatte. Und dabei lächeln müssen. Dein Spiegel gibt mich unscharf wieder, dachte sie enttäuscht und seufzte, sehnsuchtserfüllt, aber mit dem Wissen, dass ihre Flammen zu warm für sein Eis gewesen waren. An ein Wort hatte sie nicht gedacht. Als seine Hand plötzlich an ihrem Hals war und ihr Haar berührte, dachte sie ohnedies an nichs mehr, außer an diese zärtlichen Hände und ihr wild schlagendes Herz. Aber dafür brauchst du dich nicht zu schämen. Weiß ich doch; die Gedanken waren schmerzlich, und fast noch konnte sie die Berührungen dieser Sehnsucht, könnte sie die elektrisierende Nähe und sprühende Mischung von Feuer und Eis spüren; seine Haut an ihrer Haut, und dann seine Augen. [COLOR=deeppink]Der Spiegel[/COLOR], fiel es ihr ein. Sie drehte den Kopf, das kleine Mädchen. Natürlich ist der Spiegel zerbrochen. Und er lässt sich auch nicht reparieren, nie mehr. Auch wenn ich einen neuen habe, wird er zerbrochen bleiben. Natürlich. Dann hatte sie sich gelöst, ihren Kopf an seine Schulter gelegt, und für einen traumlangen Moment saßen sie so umarmt, wie unter einer gläsernen Kuppel verborgen. Morgen, hatte er gesagt. Daraus wurden Ewigkeiten. Doch als ihre hilflosen Tränen versiegt waren, und als seine hilflose Stimme ihr erklärte, worum es ging, verzieh sie - mit dem Wissen, dass ihre Flammen zu warm für sein Eis gewesen waren, und dass ihre Liebe immer noch brannte, und ihr zeigte, dass sie lebte, mitten im Leben, und etwas fühlte, das größer war als ein zerbrochener Spiegel. |
| Lesther | [I][COLOR=royalblue]WIE EIS IN MEINEM HERZEN[/COLOR][/I] Die falsche Gerechtigkeit tanzt über den nachtblauen Himmel und wirbelt spiegelnd im Kreis. Wer bist du? Soll ich an dich glauben? Die Tränen, deresgleichen ich so viele vergoss, in den letzten Wochen, strömen aus meinen Augen, welche jeglichen Glanz verloren haben. Kennst du mich denn, nur einmal? Soll ich versuchen zu fliegen? Ich erkenne nichts, wenn ich in den Spiegel sehe; viel zu oft habe ich das Gesicht bereits gesehen, das mich ansieht, aus traurigen Augen, und gezeichnet ist von einem Nichts, das schrecklicher ist als all die Schmerzen. Die Tage werden vergehen, bis hin zu meinem Tod, und auch danach. Du schmilzt wie Eis in meinem Herzen. Wieviel mir die Dinge doch früher einmal bedeutet haben. |
| Lesther | [COLOR=seagreen][I]MENSCHEN, DIE FALLEN[/COLOR][/I] Und damit ist nicht nur physisches Fallen gemeint. Menschen, die sich nicht mehr halten können. Menschen, die Angst haben, oder Schmerzen. Es ist ein Abgrund, so tief wie ihre Seele. So tief wie sie selbst - jeder einzelne. Sie fürchten sich so sehr. Eine unergründliche Tiefe, und sie scheint der letzte Weg zu sein, den man noch gehen kann. Menschen, die sich nicht mehr halten können. Mit den Armen rudern, mit den Stimmen schreien. Das Entsetzen fällt mit ihnen. All die Lasten ziehen sie hinunter. Frei, wie Vögel? Niemals. Menschen, die sich nicht mehr spüren. Die in den Spiegel sehen, und nichts erkennen, weil sie ihr Gesicht schon zu oft erblickt haben. Eine Hoffnungslosigkeit, eine Mutlosigkeit geht von ihnen aus, und sie fallen - wer weiß schon, wohin. Der Schmerz ruht in ihnen, wie ein Knochen. Die Trauer überwältigt sie im Schlaf, und kriecht erbarmungslos in ihre Träume. Die Wünsche sterben vor ihren Augen; die Traumbilder zerbrechen. Menschen, die nichts mehr zu fassen haben. Die keine Kraft mehr haben, irgendetwas zu sein. Nicht einmal die Kraft haben, Dinge hinter sich zu lassen; loszulassen, nicht einmal das. Stehen bleiben, haltlos. So, wie manche von ihnen - Menschen, die verlernt haben, zu lieben, weil ihr Herz zu verletzt ist. Die das Licht nicht mehr erkennen können, oder es nicht ertragen. Schattenlieder. Traumtänzer. Verlorene Figuren, auf der Suche nach dem, was sie waren, und sind. Ein Abgrund, der sich auftut, wie der Schlund jener todtraurigen Augen, in denen man versinkt. Menschen, die Sonnen nur noch mit Fingern an schmutzige Fensterscheiben malen, und die weinen, weil es sonst keine Möglichkeit für sie gibt. Menschen, die fallen; weil sie sich nicht mehr halten können, oder, weil sie es wollen - oder beides. |
| Lesther | [FONT=times new roman][SIZE=3][COLOR=purple][I]Etwas fehlt immer[/I][/COLOR][/SIZE] Momente, in denen man vergisst, dass man keine Prinzessin ist. Meine Hände krallen sich ins Gras, ich renne übers Fußballfeld, mit nackten Füßen, und ich liege auf dem Rücken und schaue in den Himmel. Dahinter die Musik. Vielleicht ist es das. Dieses unvollkommene Glücklichsein. Ich drehe meinen Kopf dorthin, woher die Musik kommt. Sie ist so wunderschön. Der Himmel: azurblau. Menschen, überall. Und doch alleine. Wo ist das alles hin? Was ist aus dem geworden, für das ich noch vor einem Jahr gelebt habe? Wessen Augen waren es damals? Meine? Sie gehen weiter, sitzen in Gruppen. Sie werden nie zusammengehören. So, wie ich naiv daran glaubte. Die Tränen, die in mir aufsteigen, sind keine Tränen. Ich lächle, ein ehrliches Lächeln. Ich bin glücklich. Unvollkommen glücklich. Etwas fehlt immer, in mir. Welten liegen zwischen ihnen und mir - Grenzen, die ich niemals überschreiten werde. Alle haben sich so verändert. Etwas fehlt, in mir. Ich möchte schreien, doch dazu bin ich zu leer. Dann ist man ein Kind, gleich nachdem man Prinzessin war. Das soll ich wohl verstehen. Die Musik verklingt so leise und scheu, wie sie an mein Ohr gedrungen ist. Menschen, überall. Manche kennt man, vom Sehen. Andere besser. Oder nur scheinbar? Ich sage nichts. Als ich mich wieder zurück ins Gras lege, gehen Leute an uns vorbei. Ich wünsche mir nur, dass sie mich sehen. Erinnere mich. Vielleicht haben wir dieses kleine Glücklichsein damals noch nicht gekannt, für uns definiert. Vielleicht haben wir heute mehr Angst als früher. All die Lügen rasen durch meinen Kopf. Ich suche vergeblich Sterne am Abendhimmel. Ich bin so alleine, unter ihnen. Es ist nicht ihre Schuld. Das Loch klafft offen, wie eine Wunde, doch es blutet niemals. Ich schaffe ein Lachen, folge ihnen, und gehe. Mein Blick landet ein letztes Mal auf bedeutungslosen Schemen; die Musik hat viel zu plötzlich wieder begonnen. Meine Füße sind dreckig, meine Haare voll Gras. Warum? Ich verstehe so vieles nicht. Aber mein Lachen ist ehrlich. Und meine Hand. Ich weiß es doch. Auch, als die Zeit weitervergeht, fort - es gibt das unvollkommene Glück. Etwas fehlt, in mir; immer.[/FONT] |