| Hofer-Goth | Ich liege auf dem Bett- wie immer. Da kommt sie ins Zimmer. Sauer sieht sie aus. Wie so oft in letzter Zeit. Sie setzt sich neben mich aufs Bett aber beachtet mich nicht. Der Fernseher geht an und sie zappt bloß genervt hin und her. Dann klingelt das Telefon. Sie geht ran, redet ganz normal, lässt sich nichts anmerken. Das geht eine ganze Weile so. Bis es zum Ende des Telefonats kommt. Sie schaut ganz traurig. Ich merke, sie will gar nicht aufhören. Dennoch sagt sie "Tschüss, bis morgen" Ich sehe ihr an, wie allein sie sich fühlt. Ich kenne sie ja schließlich schon lang genug. Nachdem sie eine Weile rumgezappt hat, legt sie sich hin. Ich liege daneben, aber sie schaut nicht zu mir. Ich sehe nur ihren Rücken. Ich merke, wie sie leise anfängt zu weinen. Sie zittert richtig. Sie setzt sich auf und starrt in die Ecke des unteren Faches ihres Regals. Ich weiß was dort liegt... Ich hoffe sie bleibt stark! Doch sie streckt ihren Arm aus und greift nach der Klinge. Sie zittert stärker, schluchzt leise und wippt vor und zurück. Dabei starrt sie die ganze Zeit auf ihren Arm, die Klinge schon angesetzt. Da schließt sie ihre Augen und tut es, sie fängt an mit der Klinge über, nein, durch ihre Haut zu fahren. Langsam fängt das Blut an aus den frischen Wunden zu quellen. Ich kann alles genau sehen. Ich kann mich nicht abwenden. Irgendwann hört sie auf. Schmeißt die Klinge weit weg. Sie schaltet den Fernseher und die Lichter aus und legt sich erschöpft hin. Diesmal nimmt sie mich in den Arm. Sie drückt mich an sich und ich merke, wie sie wieder anfängt zu weinen. Bis sie schließlich in einen unruhigen Schlaf fällt. Wie gerne würde ich ihr helfen. Aber was kann ich schon ausrichten? Ich bin doch bloß ein kleines Kuscheltier! MFG ^v^Christian^v^ |