| SchneeKönigin | Hallo ihr Lieben! Schön dass ihr zu meinen hochpoetischen Werken gefunden habt, wenn ihr irgendwas dazu loswerden wollt, könnt ihr das hier tun: [URL=http://www.nachtwelten.de/vB/showthread.php?s=&threadid=34787]Seelenspiegelspiegelbilder- Kritik[/URL] Freue mich immer über Eure Kritik und Meinungen! LieGrü Lisa |
| SchneeKönigin | [COLOR=silver]Seelenspiegelspiegelbild[/COLOR] Ich blicke in den Spiegel. Körper. Gesicht. Lange schwarze Haare. Nach unten gezogene, traurig wirkende, braune Augen, mit einem Goldhauch um die Pupillen und einem grünen Ring herum. Breite, etwas unförmige, rote Lippen. Markante Nase. Hals, mit schweren Ketten behängt. Oberkörper. Arme mit den Narben tiefer Jahre, Silberne Armreifen. Hände. Ringe. Dunkelrotviolette Nägel. Beine. Füße. Aber mich, mich suche ich vergebens. Ein Stückchen ich, finde ich in meinen Augen. Wenn ich ganz lang in sie hineinsehe, sie durchdringe, bemerke ich, dass ich das Wesen bin, dass mich so bittend ansieht. Nein, anschreit. Schreit, weil es gefangen ist, in einem Körper, der ihm nicht gehört, der ihn gefangen hält. Nur manchmal, wenn ich weine, der Kajal verlaufen, der Liedschatten verschmiert, die Lippen blass und die Haut leicht gerötet ist. Nur manchmal, nur selten, nur dann, dann sehe ich mich im ganzen, dann erkenne ich das, was ich sonst immer überschminke, dann erkenne ich mich. Und dann hasse ich mich |
| SchneeKönigin | [COLOR=chocolate]Selbstvertrauen[/COLOR] Eine lange niedrige Steinmauer, mit vielen ausgeschlagenen Ecken Und jeden Tag, wenn die Mauer mit Steinen von Menschen, Feinden beworfen wird, bröckelt sie mehr ab Und manchmal, wenn der Feind sehr nahe ist, schießt er über die Mauer und verletzt das Dahinter Um sich davor zu schützen versucht das Dahinter die Mauer höher zu bauen Mit Glassteinen, weil es durch die Feinde schon so geschwächt ist, dass es keine wirklich schützenden Steine mehr heben kann Am Nächsten Morgen kommen die Feinde wieder und zielen auf den in Angst und Verzweiflung gebauten Schutzwall Es klirrt, das Glas zerspringt und beim nächsten Schuss wird das Dahinter zerstört Das nichts Mein Selbstvertrauen Und schließlich ich |
| SchneeKönigin | [COLOR=green]Gothics[/COLOR] [COLOR=green]?[/COLOR] Sie waren überall. Ihre langen schwarzen Ledermäntel wehten im Wind, Ihre kunstvollen Ketten klirrten bei jedem Schritt, Und ihrem hochmütigen Gang wich jeder mit ehrfürchtigem Blick aus. Auch ihr Mantel wehte im Wind, Auch ihre Ketten klirrten, Und auch sie schritt erhobenen Hauptes durch die Stadt. Aber ihr wich niemand aus. Sie waren viele. Sie trafen sich in ausgewählten Lokalen, Sie kauften in ausgewählten Läden ein, Und sie gingen auf ausgewählten Friedhöfen spazieren. Auch sie ging in die selben Lokale, Auch sie kaufte in den selben Läden ein, Auch sie liebte die selben Friedhöfe. Aber sie traf niemanden. Sie sah sie immer nur aus der Ferne, Und auch wenn sie ganz nah bei ihnen war, Auch wenn sie sie atmen hören konnte, Auch wenn sie ihre magische Aura fühlen konnte, Sah sie an dem schwebenden, endlosen, fernen Ausdruck in ihren Augen, Dass sie in Wirklichkeit auf einer anderen Welt lebte. In ihrer Welt war alles anders. In ihrer Welt wurde sie gefangen gehalten. Gefangen von ihren Eltern, Gefangen in ihrer Schule, Gefangen in ihrem Freundeskreis, Und verzweifelt gefangen in sich selbst. Aber genauso gefangen wie sie war, So verloren war sie auch. Verloren in den Armen ihrer Freunde, Mit dem unbesiegbaren Gefühl des nicht Dazugehörens. Verloren in ihrer Klasse, Einem Raum voller Menschen, Und doch war sie allein. Und verloren in sich selbst, In ihrem leeren, bodenlosen Ich. Im Augenwinkel hatte sie immer diese Augen, Diese unbeschreibbaren, weltfremden Augen, Die eine ganze Gruppe von Menschen besaß. Eine Gruppe zu der sie sich verbunden fühlte. Eine Gruppe mit Menschen wie ihr. Eine Gruppe die sie nicht wollte. Und sie alle liebten. Sie liebten einen zweiten, Sie liebten jemanden der sie auch liebte, Sie liebten und wurden geliebt, Sie liebten und lebten. Auch sie wollte lieben. Auch sie wollte geliebt werden. Auch sie wollte leben. Aber sie konnte nicht lieben. Aber sie konnte nicht leben. Und sie wurde nicht geliebt. Sie schloss Augen. Vor ihr war eine dunkle Gestalt. Alles an ihr war dunkel, Alles. Bis auf die Augen. In diesen Augen, In diesen lebendig toten Augen, Versank sie. Tief, immer tiefer, bis ihre Seele darin ertrank. |
| SchneeKönigin | [COLOR=firebrick]Untot[/COLOR] Ritzen ist wie untot sein. Du lebst hinter einem Schleier, wie in Trance, wie tot. Doch wenn du dann das Messer nimmst, und langsam über deine Haut streichst bis sich ein Spalt auftut und mit Blut füllt, erwachst du. Für ein paar Minuten lebst du wieder, in deine Augen flackert ein kurzes Licht auf, doch dann trocknen die Tränen und das Feuer in deinen Augen erlischt. Und du bist wieder tot. Untot. |
| SchneeKönigin | [COLOR=limegreen]Frühlings[/COLOR][COLOR=orange]kinder[/COLOR] Im Frühling wurde sie geboren. Als die Bäume ihre ersten Blätter bekamen, wuchsen ihre ersten Haare. Als sich die ersten Schneeglöckchen aus dem schmelzendem Eis erstreckten, begann sie ihre Augen zu öffnen. Als die ersten Sonnenstrahlen auf die Schmelzlacken trafen und ihr warmes, helles Licht im Wasser glitzerte, lächelte sie ihr erstes Lächeln. Im Sommer, als die Bäume sich bereits in vollem Grün in den strahlend blauen Himmel erstreckten, konnte sie bereits laufen und ihre kleinen, blonden Zöpfe fielen ihr schon bis auf die Schultern. Wenn die Blumen draußen blühten, dann sprang sie im Gras herum und wenn der Himmel draußen weinte, weinte sie mit ihm. Im Herbst als die ersten bunten Blätter von den Bäumen fielen aber, begann auch ihr das Haar auszufallen. Und wie auch die Blumen langsam an Schönheit verloren, spürte sie, wie ihre Lebenskraft sie verließ. Als schließlich auch die bunten Blätter ihre Farben verloren, erlosch das Leuchten ihrer Augen. Im Winter, als die Bäume, kahl wie ihr Kopf, der Himmel leer und grau wie ihre Augen und die letzten Blumen schwach wie ihr Körper waren, legte sie sich zu den Gräsern auf die Wiese und träumte noch ein letztes Mal vom Frühling, vom Sommer, vom Herbst und vom Winter, während sie langsam, mit den Blumen gemeinsam unter dem ersten Schnee begraben wurde. |
| SchneeKönigin | [COLOR=red]Die Grenze[/COLOR] Es ist wie eine Wand. Eine Wand aus kaltem, hartem Stein. Sie weiß, was dahinter ist. Sie hört es. Sie schmeckt es. Sie riecht es. Sie nimmt Anlauf. Das Grau vor ihren Augen verschwimmt und wird zu einem dunklen, warmen Rot, dass über ihre müden Augen tropft. Sie fällt zu Boden. Aber sie kann jetzt nicht aufgeben, nicht jetzt. Sie steht auf. Es ist wie eine Mauer. Eine Mauer aus ihrem Selbst. Eine Mauer aus ihren Träumen, Wünschen. Eine Mauer aus ihren Ängsten. Aber sie weiß, was dahinter ist. Sie rennt los. Sie versucht zu springen, sich fest zu klammern, aber sie findet keinen Halt. Die Mauer gibt unter ihrem Gewicht nach, schwankt und sie rutscht ab. Sie liegt am Boden, am Grunde ihrer Selbst. Durch einen schmalen Spalt ihrer verquollenen Augen, die einst so blau strahlten wie der Himmel selbst, sieht sie die Grenze. Sie ist aus Glas. Und sie weiß was dahinter ist. Sie sieht es. Mit letzter Kraft, zieht sie sich hoch. Geht drei Schritte zurück. Schließt die Augen. Und rennt los. Es klirrt. Es rauscht. Sie versucht sich die Ohren zu zuhalten, aber sie kann sich nicht bewegen. Alles ist erstarrt. Sie spürt nur noch den Schmerz der Splitter, die erst ihr Gesicht, dann ihre Arme, ihre Beine, und schließlich ihr Herz zerschneiden. Und plötzlich fühlt sie es. Sie hat es. Es gehört ihr. Niemand kann es ihr nehmen. Niemand. Nie. Für immer. Der Tod. Und das dahinter. Die Freiheit. |
| SchneeKönigin | [COLOR=blue]Haunt[/COLOR] „Ich weiß genau, dass ihr da seit!“, schrie er und zerschlug die Luft mit den Händen. „Ich denkt vielleicht ich sei blöd, aber ich weiß es, ich wusste es schon die ganze Zeit! Ihr beobachtet mich, ihr filmt mich, ihr verfolgt mich, was ich auch tue, ihr seid immer da! Und ihr habt wirklich gedacht, ich würde nichts davon wissen? Ha!“. Mit einer hektischen Handbewegung strich er sich die schulterlangen Haare aus dem Gesicht. Sie hatten die selbe Farbe wie seine Haut. Ein blasses, schmutziges Grau, unter dem sich einst ein zartes weißblond verborgen hatte. „Ihr haltet euch wohl für besonders schlau, wie? Aber ihr habt euch getäuscht! Getäuscht habt ihr euch!“, brüllte er während er verzweifelt gegen die kalkweiße Wand trommelte. „Ja, ihr habt recht, ihr könnt mein Leben beeinflussen. Ihr könnt Schauspieler und Statisten organisieren, ihr könnt mir Freunde und Feinde machen, ihr könnt mich vor schwierige Entscheidungen stellen, und mir Lösungen schicken! Aber ihr werdet niemals, niemals wissen was ich wirklich denke, was ich wirklich fühle, denn ihr werdet niemals, niemals eine Kamera in meinem Kopf haben! Und egal was ihr macht, auch wenn ihr mich bis zu meinem Tod hier gefangen haltet, ich werde es nicht vergessen, ich werde es immer wissen, ich werde es immer wissen, immer, immer, immer!“. Er verstummte, ließ sich erschöpft auf den Boden fallen und verbarg sein Gesicht zwischen seinen Händen. „Neeeeeein“, vor der versperrten Tür, die zu dem Zimmer führte, brach eine junge Frau verzweifelt in Tränen aus. „Kommen sie, ich begleite sie zum Ausgang!“, sagte der Mann in dem weißen Kittel mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen und legte einen Arm um sie. Ihre Stimme zitterte. „Wird er denn jemals wieder gesund?“ „Bestimmt. Bald.“ Der Mann lächelte und drehte sich dann um. Noch bevor sie die Nervenklinik ganz verlassen hatte, ging er in sein Büro und drückte einen kleinen, roten Knopf, auf dem mit weißer Schrift die Buchstaben „EIN“ zu lesen waren. Über ihm flackerte ein kleiner Bildschirm auf, der ein weißes Zimmer zeigte, in dessen Ecke ein blasser Junge saß, das Gesicht zwischen den Händen, und die Haare wie einen Vorhang über den Rest des Kopfes. Fast so, als ob er versuchen würde, sich vor etwas zu verstecken... |
| SchneeKönigin | [COLOR=darkred]Der Dunkelrote Schmetterling[/COLOR] Sie rannte. Die Tropfen fielen. Der Asphalt war nass. Die Luft duftete. Sie stolperte. Fiel hin. Das Wasser platschte. Sie weinte. Die Tränen liefen. Das Blut war warm. Sie zog sich hoch. Der Schmerz tat gut. Sie lehnte sich an einen Baum. Der Regen fiel auf die Blätter. Sie brach eins ab. Der Schmetterling war dunkelrot. Sie rannte. Die Tropfen fielen. Seine Flügel waren nass. Die Luft duftete. Er war tot. |
| SchneeKönigin | [COLOR=orangered]Aus[/COLOR] Es war heiß. Der Berg glühte. Die Sonne schien in sein Gesicht. Er glänzte. Sein Gesicht war rot. Rot und hässlich. Seine Augen waren trüb. Sie sah in an. Sie weinte. Aber niemand sah ihre Tränen. Er sah sie an. Er lachte. Aber niemand wusste warum. Sie trat einen Schritt zur Seite. Er legte einen Arm um sie. Sie dachte an ihre Mutter. Er wollte nur Sex. Es war heiß. Der Felsen glühte. Der Asphalt färbte sich rot. Sie ist doch noch ein Kind — Es war Mord. |
| SchneeKönigin | [COLOR=indigo]SehenSucht[/COLOR] Wo? Wo bist du? Ich kann dich nicht sehen. Ich kann dich nicht hören. Ich kann dich nicht finden. Ich sehe dich. Du bist da. Du bist blass. Du bist dünn. Ich höre dich. Du sprichst. Es ist nur ein Hauch. Der Nebel will nicht verschwinden, sein Schleier bedeckt dein Gesicht. Ich sehne mich nach deiner Wärme, deinem Lächeln, dem Gefühl. Doch der Sturm verbrennt im Feuer deines Herzens, und die Wolken ziehen schnell vorbei. Dein Engel schwebt in weiter Ferne, ich höre seine Flügel schlagen. Sein Wind vertreibt die grauen Schlieren, und doch meine Augen sehen nichts. Ich hauche gegen die feuchten Scheiben, kleine Tropfen bilden sich. Langsam rinnen sie hinab, und plötzlich wird es kalt. Ich öffne meine Lieder- und ich seh das Licht. Doch du bist weg. |
| SchneeKönigin | [COLOR=purple]Die Violette Rose[/COLOR] „Und vergiss nicht, du hast nur einen Wunsch!“, wisperte die violette Rose leise, und ihre Blätter raschelten im Wind. Nachdenklich legte Samira den Kopf zur Seite und blickte mir ihren sonnenblauen Augen in die Ferne. „Ich wünsche mir ewige Jugend und unvergängliche Schönheit!“, sagte sie dann und brach mit einem sanften Kuss den Stängel der Rose, noch bevor die letzten Blätter verwelkten. Und ehe am nächsten Morgen die ersten Lichtstrahlen durch ihr Fenster fielen, stand sie schon vor dem Spiegel mit den goldenen Schnörkeln und weidetet sich an ihrem Glanz. Nie, niemals wieder, verließ sie dieses Zimmer, und nie, niemals wieder sprach sie auch nur ein Wort. So vergingen viele Jahre, die goldenen Schnörkel rosteten und die Hecken der violetten Rose verdorrten. Nur ihre Schönheit blieb vollkommen. An ihrem hundertsten Geburtstag, an dem sie vor nun genau 83 Jahren die violette Rose brach, erwachte sie, wie damals, noch vor dem Eintreffen des ersten Sonnenstrahls. Langsam erhob sie sich und tastete sich wankend vor, zu ihrem Spiegel. Erschöpft ließ sie sich vor ihm nieder und blickte stumm hinein. In einer Hand hielt sie die violette Rose, in der anderen das Wasser. „Nur ein Mal“, bat sie mit flehender Stimme, „Nur ein Mal!“ Da wurde es plötzlich hell um sie, und sie erkannte ihr Zimmer und sie erkannte sich selbst im Spiegel. Die violette Rose reckte ihr Köpfen und hauchte: „Nun ist dein Wunsch zu Ende“. Und rosarote Dornen durchbohrten ihre sonnenblauen Augen. |
| SchneeKönigin | [COLOR=deeppink]Der ewige Kreislauf des Glücks[/COLOR] Glück ist vergessen. Vergessen, dass sie dich getreten und geschlagen, diskriminiert und verspottet haben. Vergessen, dass du versucht hast es zu verdrängen. Vergessen, dass du es nicht konntest. Vergessen, dass du zum Messer gegriffen hast. Vergessen, dass du es an deinem Arm angesetzt und geschnitten hast. Vergessen, dass das Blut auf deinen Kopfpolster tropfte und Vergessen, dass die feinen, weißen Striche noch immer zu sehen sind. Glück ist aber auch erinnern. Daran erinnern, wie er dich zu sich gezogen hat. Daran erinnern, wie er deine Tränen getrocknet hat. Daran erinnern, wie er dir beruhigend ins Ohr flüsterte. Daran erinnern, wie er dich zärtlich küsste. Daran erinnern, dass du seine Wärme gespürt hast, daran erinnern, dass du dich zum ersten Mal im Leben geborgen gefühlt hast. Und daran erinnern, dass du in diesem Moment alles andere vergessen hast und GLÜCKLICH warst. |
| SchneeKönigin | Kleine Anmerkung: Das sind meine ersten Gehversuche was "Innere Monologe" angeht, und ich bin noch sehr am probieren, also bitte nicht mit meinen vorangehenden texten vergleichen. [COLOR=royalblue]Glastränen schmecken nicht nach Salz[/COLOR] Das ist er. Der Jahresbericht. Das Jahr 2003/2004. Aus und vorbei. Für immer. Ein Jahr lang. 1C. Ein Jahr lang. Vorbei. Nie mehr. Nie mehr. 2C. Nächstes Jahr. Und dann 3C. Und dann 4C. Und dann 5 C. Und dann? Aus. Wirklich? Nein. Oder doch? Vielleicht. Wir werden sehen. Die ersten Seiten. Bunt. Schön. Erinnerungen. Lehrer, Schüler, Projekte, Ausflüge, Reisen. Zeit. Berichte. Texte. Texte von Schülerinnen. Ein Märchen. Kerstin Sommer, 1A. Ein innerer Monolog, Bernadette Teil, 3 B. Und dann. Ein Stich. Ganz tief unten, aber auch irgendwie schräg oben. Links. Im Herz. Und im Bauch. Meine Hände sind kalt. Schweiß. Angst. Erregung. Erwartung. Hoffnung. Das steht es. Schwarz auf weiß. „Innerer Monolog (Eine Außenseiterin) Serena Weiß, 3 C. Serena. Warum? Ich liebe dich. Nein! Ich liebe dich nicht. Ich kenne dich nicht. Wer bist du? Was willst du? Ich kenne dich nicht. Serena. Scheiße. Ich vermisse dich. Nein! Ich kann dich nicht vermissen, ich kann dich nicht lieben, ich kenne dich doch gar nicht. Wie soll das gehen? Es war schön. Am Anfang. Geborgenheit, Zärtlichkeit, Wärme. Aber ich war allein. Ich war es immer. Du hast mich nie geliebt. Du warst nicht einmal in mich verliebt. Du kennst mich nicht. Du kanntest mich nie. Du willst es gar nicht. Doch! Du wolltest mich. Du hast mich geküsst, du hast mich gestreichelt. Du hast mich gehalten. War das alles Lüge? Ja!!! Du wolltest mich nie. Du wolltest nur meinen Körper. Nein, nicht einmal das. Du wolltest EINEN Körper. Einen Körper der dir gefällt, der mit sich machen lässt was dir passt, der nicht fragt, der blind vertraut. Einen Körper der sich täuschen lässt, obwohl er weiß dass er getäuscht wird. Einen Körper, der die Hülle ist von etwas, dass weiß, dass es belogen wird, dass weiß dass es langsam und qualvoll zerstört werden wird, etwas, dass weiß, dass es ausgenutzt, bis auf den letzten Tropfen menschlichen Empfindens ausgesaugt und dann weggeworfen wird. Und dass sich trotzdem nicht wehrt. Warum? Weil ich abhängig war. Bin? Nein! Nicht von dir. Du hast es nicht verdient. Du bist niemand. Du bist nichts. Doch! Eine gefühllose Porzellanpuppe, genau, das bist du. Kalt und hart. Nach außen hin. Aber in Wirklichkeit bist du einsam. Und das weißt du. Du belügst dich nur selbst. Spielst dir und den Menschen in deiner Umgebung etwas vor. Liebe, Hass, Wut, Trauer. Ja, manchmal sogar Trauer. Aber was du wirklich fühlst, weiß niemand. Nicht mal du selbst. Den Schmerz, die Angst, deine Vergangenheit. Du versteckst es. Du denkst,... Nein. Du denkst nicht. Du hast eine Mauer. Du kennst sie. Du weißt, dass es sie gibt. Alles, alles was du fühlst, alles was ein Zeichen von Verletzlichkeit, ein Zeichen von Schmerz, ein Zeichen von Gefühlen, von Menschlichkeit, sein könnte, versteckst du dahinter. Es gehört nicht zu dir, denkst du. Du bist das davor, denkst du. Das Theater. Die Masken. Die Masken mit den aufgemalten Gefühlen. Die Masken mit den Glastränen, dem Kunstblut und den aufgesetzten Lächeln. Du schaust ihnen zu, denkst du. Du kannst sie kontrollieren, denkst du. Du kannst DICH kontrollieren. Denkst du. Aber in Wirklichkeit denkst du nicht. Denn in Wirklichkeit, kontrollieren SIE dich. Und in Wirklichkeit, wissen die Menschen von deiner Mauer. Aber die Wirklichkeit geht dich nichts an, glaubst du. Die Wirklichkeit ist nicht deine Welt, glaubst du. Du hast deine eigene Wirklichkeit. Deine eigene Wirklichkeit IST die Wirklichkeit, glaubst du. Die Masken sind deine Gefühle, glaubst du. Aber hinter den Masken ist nichts. In Wirklichkeit sind die Augen der Masken leer. Tot? Nein. Sie haben nie gelebt. Dein innerer Monolog ist gut. Er zeigt Gefühle. Deine Gefühle. Die Masken spielen wieder. Und sie spielen gut. Aber gut genug um dich selbst zu täuschen? Soso, eine Außenseiterin bist du also, in deinem "inneren Monolog". Eine Außenseiterin mit Gefühlen. Eine Außenseiterin, mit Gefühlen, die so tiefgründig sind, dass die oberflächlichen Tussis in ihrer Klasse sie nicht verstehen. Das glaubst du dir ja selbst nicht, oder? Oder ist das eine Wunschvorstellung? Wünschst du dir vielleicht zu fühlen? Wünschst du dir vielleicht, auch einmal selbst auf der Bühne zu stehen? Wünschst du dir vielleicht, dass deine Tränen auch einmal nach warmem Salzwasser und nicht nach kaltem Glas schmecken? Wieso? Hast du Angst deine Mauer könnte eines Tages einstürzen, und alle würden dich sehen? Dich? Eine Fremde? Denkst du, sie würden dich erkennen? Nein. Sie kennen dich nicht. Niemand kennt dich. Meine Tränen schmecken salzig. Ich spüre sie. Sie sind warm. Ich hätte dir geholfen- immer. Ich wäre für dich da gewesen- immer. Ich hätte dir beigebracht zu fühlen, zu weinen, zu lieben- und vor allem zu leben. Ich hätte mit dir Hand in Hand den roten Vorhang geschlossen, und die Masken verbrannt. Hätte ich. Würde ich noch immer. Aber ich kenne dich nicht. Und Du kennst dich nicht- die Masken sind zu stark. Und auch nur eine einzige, echte Träne würde ihre perfekt geschminkte Haut zerstören- darum. Darum hast du mich nicht weinen lassen. Darum hast DU nicht geweint. Aber du wolltest es. Ich weiß es. Ich werde es nie vergessen. Hiermit verabschiede ich mich von deinen Masken und auch von dir- wer immer du auch bist. Weine nicht um mich- denn: The show must go on! |
| SchneeKönigin | [COLOR=red]Liebe ist nie falsch, oder?[/COLOR] „Was glaubst du eigentlich, wer du bist? Das ist doch nicht normal!“ Nicht normal. Was ist schon normal? Das, was die Masse als richtig und gesund empfindet? Tz, genau, fresst Scheiße, tausend Fliegen können sich nicht irren! Spießbürger! Aber euch werd ichs zeigen! Denkt ihr wirklich ich lass mich von euren primitiven, beschränkten Ansichten einschüchtern? Nein! Ich nicht. Ich stehe zu dem, was ich bin und ich werde es auch immer tun! „Du bist auf dem falschen Weg! Siehst du die Gefahr nicht?“ Nein, Mutter, du irrst dich! DU bist auf dem falschen Weg! Du! Nicht ich. Der einfachere Weg ist nicht automatisch der richtige! Aber wahrscheinlich bist du schon zu alt, um das noch zu begreifen. Wahrscheinlich bist du schon zu lange den Weg der Lüge, der Unterdrückung und der Selbsttäuschung gegangen, um zu verstehen, dass es dein Leben nicht weiterbringt, sondern zerstört. Wieso seit ihr alle so voreingenommen? Ihr Heuchler! Erst krönt ihr euch als gläubige Christen zu Mutter Theresa persönlich, dann predigt ihr Nächstenliebe bis sie uns beim Arsch wieder rauskommt, und dann verbietet ihr die Liebe! Die Liebe, ja, genau, ausgerechnet die Liebe, den Stoff eurer Vorträge, den Stoff der Messen, den Stoff eurer Überzeugung! Wie stellt ihr euch das eigentlich vor, das mit dem „Weltfrieden?“ Wie? Wenn nicht einmal eine Mutter fähig ist, die Gefühle ihrer eigenen Tochter zu akzeptieren. Nein, Mutter, ich habe nie von dir verlangt, dass du gut heißt, was ich tue. Und, nein, Mutter, ich habe auch nie verlangt, dass du mich dabei unterstützt, wenn ich den „falschen“ Weg gehe, wenn ich zu mir stehe und dafür kämpfe akzeptiert zu werden. Aber ich will, dass du deinen Kopf einmal frei von all den Vorurteilen machst, die dir unsere Gesellschaft eingepflanzt hat, ich will, dass du einmal, nur ein einziges mal, versuchst, selbständig zu denken, dir selbst eine Meinung zu bilden, und selbst zu entscheiden, was du für gut oder schlecht befindest. „Du wirst von unserer Gesellschaft verstoßen werden, du schadest dir damit nur selbst!“ Nein, Mutter, nein! Ich schade mir nicht. Die „Gesellschaft“ schadet sich, wenn sie sich selbst zwei spaltet, gegen die Entwicklung ankämpft und somit einen Stillstand erzeugt, dem sich nicht alle unterordnen werden. Denn Stillstand bedeutet Rückschritt! Und das ist genau das, wovor ich versuche dich zu bewahren! Aber das verstehst du nicht. Aber, ja, Mutter, ja, vielleicht hast du Recht. Vielleicht werde ich verstoßen werden. Aber, ich werde kämpfen! Und ich werde gewinnen! Immer! Denn ich werde nie allein sein, nie! Und weißt du warum? Ich habe mich! Und ich weiß wer ich bin! Und ich werde immer ich sein! Jemand, auf den ich mich verlassen kann, jemand, dem ich nichts vortäuschen muss, jemand der mich akzeptiert, so wie ich bin und nie versuchen wird mich zwanghaft zu verändern. Und, ob du es glaubst, oder nicht, damit werde ich stärker sein, als diese ganze Kleinbürgerschaft zusammen! Gehörst du nicht auch zu jenen, die noch im blutigsten Krieg behaupten, die Liebe gewinnt immer? Siehst du! Wieso sollte es dann hier anders sein? Liebe ist immer gut, Mutter, egal in welcher Form! Warum muss ich das ausgerechnet dir erklären? Ausgerechnet dir? Ich wünschte du würdest es verstehen. Ich wünschte du könntest es verstehen. Aber, am aller meisten wünsche ich mir, dass du es verstehen willst! Aber, ich sehe Mutter, du bist alt. Du hast deinen Weg gefunden, den einfachen Weg, den richtigen. Bist du glücklich? Ich wünsche es dir. Vergib mir. Ich werde meinen Weg gehen. Vielleicht ist es der schwierigere. Vielleicht ist der falsche. Aber es ist MEIN Weg. Der Weg der Liebe. Und Liebe ist nie falsch, oder, Mutter? |
| SchneeKönigin | [SIZE=3][FONT=century gothic][COLOR=deeppink]Abschiedsbrief[/SIZE][/FONT][/COLOR] Mir ist heute etwas klar geworden: Es gibt ihn nicht, den Sinn. Nein. Es gibt keinen Sinn. Und es gibt auch kein Danach. Es geht alles immer weiter, und es bleibt alles immer gleich. Träume sind Träume und werden es auch immer sein. Gott existiert nicht. Es gibt kein Warum und kein Wieso und es gibt auch keine Erklärung. Es gibt nur uns. Und wir sind allein. Und sinnlos. Ich habe keine Angst. Ich fühle nichts mehr. Außer Verzweiflung. Aber das ist nur der Anfang, das legt sich wieder. Bestimmt. Irgendwann hat man keine Tränen mehr. Im Nichts gibt es sicher keinen Stress. Und keinen Schmerz. Aber auch kein Glück. Was ist schon Glück? Nichts. Bald wird es Pillen geben, die jeden glücklich machen. Und dann werdet ihr glücklich leben, und glücklich sterben. Und dann? Nichts. Und wieder Nichts. Alle wissen es. Alle. Auch du. Aber Menschen sind Verdrängungskünstler. Waren es schon immer. Werden es immer sein. Wahrscheinlich ist es zu schwer, es zu begreifen. Auch für mich. Deswegen schreibe ich es auf. Um es nicht zu vergessen. Ich fühle lieber nichts, als Leere. Die Leere frisst mich auf. Ich habe versucht sie zu füllen. Mit Essen, mit Cutten, mit ausgefallener Kleidung und mit viel Make- up. Aber wozu? Wo doch sowieso alles im Nichts endet. Dann kann ich diesen sinnlosen Teil, zwischen Ende und Anfang, den ihr „Leben“ nennt, auch gleich auslassen. Denn im Nichts, bin ich nicht und fühle nicht. Nicht einmal Leere. Nichts. Es tut mir leid. Seid mir nicht böse. Ihr werdet auch das verdrängen. Meinen Übergang ins Nichts und diesen Brief. Schließlich haben wir es ja unser ganzes Leben geübt, das Verdrängen. Ich habe mir die Haare blau gefärbt. Gefressen was ich wollte. Gehungert. Mein ganzes Geld verbraucht. Mir den Rücken tätowieren lassen. Und mich nackt auf den Hauptplatz gestellt. Aber Freiheit gibt es nicht. Nur die Illusion davon. Das Gegenteil von gefangen sein, ist nichts. Blau steht mir, oder? Hätte ich schon vorher machen sollen. Bevor es mir wieder einfiel, dass es keinen Sinn macht. Egal. Im Nichts gibt es auch keine Farben. Ich möchte euch meine Sachen vererben. Vielleicht verschönert es euch den Teil vor der Erkenntnis. Ich dachte lang, der Tod sei Freiheit. Aber ist nur der letzte Moment, die letzte Chance, zu erkennen, dass es keinen gibt. Die Offenbarung für all jene die zu Lebzeiten nicht aus ihren Träumen erwachen wollten. Oder es nicht konnten. Vielleicht sind es genau diejenigen, die wir verstoßen haben, die uns die Augen geöffnet hätten. Die Straßenpunks, die Bettler, die Selbstmörder. Die, die uns die Sinnlosigkeit vor Augen führten, die, die uns zeigten, dass unser System, unsere Gesellschaft, dass all das nur das Produkt unserer Verdrängungskunst ist. Einkaufstempel, Vergnügungsparks, Schule, Uni, Arbeit, Reichtum, Familie,... vermeintliche Ziele die unser Leben vermeintlich lebenswert und sinnvoll machen. Alles nur Täuschung. Ich kann nicht mehr. Ich liebe euch. Aber im Nichts gibt es keinen Schmerz. Wahrscheinlich wird dieser Brief jetzt von Psychologen analysiert werden. Er wird zerpflückt und wieder zusammen gesetzt, verkehrt und richtig herum gelesen werden. Und sie werden verzweifelt versuchen zwischen den Zeilen zu lesen. Aber es wird ihnen nicht gelingen. Denn es gibt kein zwischen den Zeilen. Was hier steht, ist eine unwiderlegbare Tatsache, und da hilft auch die Ausrede ich sei „unzurechnungsfähig“ oder „psychisch krank“ nichts. Aber das werdet ihr verdrängen, vergessen, zu den Akten legen. Ich verzeihe es euch. Ihr habt Angst. Aber das ist in Ordnung. Alles wird gut. Irgendwann werdet auch ihr sterben. Ich fühle mich als Märtyrerin. Aber ich bin keine. Ich bin nichts. Und das macht mich zu einer von euch. Aber ich weiß es. Und das trennt mich für immer von euch. Für den Tod. Für das Nichts. |
| SchneeKönigin | [COLOR=purple][FONT=century gothic][SIZE=3]Liebe,[/SIZE][/COLOR][/FONT][FONT=century gothic][COLOR=indigo] [SIZE=3] was ist das?[/SIZE][/FONT][/COLOR] Liebe, was ist das? Glück. Liebe, was ist das? Schmerz. Liebe. Lieben, und geliebt werden. Was ist das? Der Masochismus durch den Schmerz der Liebe glücklich zu sein. Solange, bis die Liebe zerbricht, und der dünne rosa Seidenhauch, auf dem Schwert des Schmerzes zerreißt. Das Schwert fällt zu Boden. Und dann? Aus. Auf der einen Seite. Sadist. Und auf der anderen? Schmerz. |
| SchneeKönigin | [SIZE=3][COLOR=seagreen]Gone with The Sin[/COLOR][/SIZE] Grünblaugraue Augen. Eindringlich. Tief. Geschützt durch einen zarten Glanz, in dem sich die rote Abendsonne spiegelt. Sie sind leicht mandelförmig, groß, fragend, unschuldig. Aber wissend. Ihr Blick erinnert ein wenig an den einer ägyptischen Siamkatze, mit Smaragdaugen. Sie lächelt. Ich auch. Sie hat Krischlabello auf ihren silbrig schimmernden Zähnen. Im Zimmer ist es dunkel. So wie sie es mag. „Sonne macht albern“, sagt sie immer. Ihre einst schwarzen Haare sind ausgeblichen, der Ansatz blond, rote Strähnen kommen hervor. Sie fallen offen über ihre Schultern, den Rücken, bis hinunter zu den Hüften. Sie wollte nie in eine Schublade gesteckt werden. Will sie noch immer nicht. Wurde sie auch nie. Außer in ihrer „schwarzen Phase“. Aber damals war „Gruftie“ auch noch ein Kompliment, und das ist lange her. Manchmal habe ich das Gefühl, sie weiß selbst nicht so recht, wo sie hingehört. Aber wer weiß das schon? Ich nicht. Und das verbindet uns. Zwei haltlose, verwirrte Seelen, in einem Meer aus Welt, die sich gefunden und gehalten haben. In guten wie in schlechten Zeiten. Amen. Das hat der Pfarrer auch gesagt, damals. Das zarte grün ihres Trägertops unterstreicht ihre Sommersprossen. H&M wear. Von Kindern für Kinder. Manchmal hat sie versucht, sie zu überschminken. Sie will nicht aussehen wie Pippi Langstrumpf. Sie will, das ihr Äußeres ihrem Inneren, ihrer geistigen Reife entspricht. Wie es dann wohl aussehen würde, auf der Welt? Es gäbe bestimmt mehr hässliche Menschen. Oder vielleicht doch mehr schöne? Es ist zu schwer, zu weit weg, zu gerecht, um darüber nachzudenken. Ihre Größe ist ihr immer schon ein Dorn im Auge gewesen. 1,45 m ist nicht gerade groß für eine 16- Jährige. Aber was klein ist, ist kostbar. Das habe ich erst jetzt begriffen. Sie neigt dazu, sich zu wenig auf die wesentlichen Dinge zu konzentrieren. Das heißt, unbewusst tut sie es doch. Aber hätten wir das beide immer schon bewusster getan, wäre vieles leichter gewesen. Was ist schon eine Brille? Ein Makel? Nein. Eine Hilfe. Und ein Markenzeichen. Nicht einmal beim Headbangen im Nachtexpress, letztes Jahr, hat sie sie abgenommen. Glücklicherweise war der Typ, der darauf stieg, ein Fliegengewicht, und die Fassung war noch in Ordnung. Hoffentlich hat ihr das Mädchen, dass auf die Splitter trat, mittlerweile verziehen... Schreiben war ihre Leidenschaft. Genau wie meine. Und Zeichnen. Ihr ganzes Zimmer war ausgehängt mit den verwischten Bleistiftzeichnungen. Sie sagten viel aus, aber ließen auch immer genug Freiraum für eigene Interpretationen. Das ist wichtig. Wie beim Schreiben. Am liebsten mochte ich das, mit dem Titel „die Türen öffnen sich nicht“. Ein halbnacktes Mädchen, mit zerrissenen Kleidern liegt auf dem Boden, das Gesicht unter den Haaren begraben, die Hände schützend darüber gelegt. Um sie herum sind unendlich viele Türen, jede einzelne fest verschlossen. Wie oft wir uns wohl schon so gefühlt haben? Jedes Wochenende, wenn wir nachts vom fortgehen heimkamen, und wieder einmal feststellen musste, dass wir die einzigen waren, die keinen Spaß hatten? Die sich niemanden „aufgerissen“ hatten? Diese endlosen, quälenden Fragen. Warum wir? Warum wir nicht? Dabei hätten wir doch bloß durchgehen müssen. Das Bild hängt jetzt über meinem Bett. Im CD- Player läuft Nick Cave&the bad seeds. Zum 3 Mal heute. Ich habe ihre Leidenschaft für ihn nie verstanden. Aber er ist es einfach. Wer sonst, wenn nicht er. Manchmal bin ich eifersüchtig. Er hat den Schlüssel zu ihrem Herz gefunden, den Weg in ihre Seele. Er lässt sie Dinge fühlen, die ich nie erahnen werde. Aber vielleicht ist das auch gut so. Sie versteht meine Leidenschaft für Jyrki und die 69eyes auch nicht unbedingt. Oft schon, wenn wir nebeneinander auf ihrem Bett gesessen sind, und alles aus uns heraus geredet hatten, Platz gemacht hatten für Neues, und auf eine gewisse Art erschöpft und erleichtert waren, füllten wir diese Ruhe mit Musik. Sie spielte, und ich hörte zu. Ich liebe ihre Musik. Ich liebe es, wenn sie mit ihren kleinen Händen mit den abgekauten Nägeln zart über die Saiten streicht, ich liebe die Bewegungen ihrer vollen Lippen,wenn sie die qualvollen Töne von HIMs „Gone with the sin“ singt, und ich liebe den „ohne Fett“ Aufkleber auf ihrer Gitarre, der einer unserer unzähligen Diäten und dem Irrglauben „Katjes Joghurtgums“ schmecken von Natur aus süß und machen deswegen nicht dick, entstammt. Den Tränenaufwall den ich in diesen Momenten oft verspürte und die bittersüße Melancholie die unsere gemeinsamen Stunden so einzigartig macht, ersticken wir mit Kochschokolade, weißen Lindorkugeln und Sojamilch. Aber nur die von AlproSoja mit Kalziumzusatz oder, an besonderen Tagen, also immer dann, wenn wir Geld haben, mit Vanillegeschmack. Alle andern lehnen wir kompromisslos ab. Mittlerweile ist es Nacht. Ich sollte schlafen gehen. Morgen ist Freitag, und ich will fortgehen. Ob Ivi und Merit Lust haben? Ich nicht. Aber ich muss. Ich muss die offene Tür finden. Ich muss über die Schwelle. Ich darf nicht liegen bleiben. So wie sie. Ob sie es gespürt hat? Was würde ich dafür geben, morgen mit ihr zum 10 Mal „Eduard mit den Scherenhänden“ anzuschauen. Was würde ich für ein letztes „du Arschbratsche!“, von ihr geben. Was würde ich dafür geben, die Zeit zurück drehen zu können, und NEIN zu sagen. Sie festzuhalten. Aber es ist zu spät, sie jetzt noch zu besuchen. Es ist schon elf, und ich war erst gestern am Friedhof. Ich wechsle die CD. Gone with the sin. Die Tränen tropfen auf den kleinen Polster, auf dem ihr Foto liegt. Es ist einfach nicht das selbe. [I]Dieser Text ist meiner besten Freundin gewidmet, die ich, trotz unserer unzähligen Streitereien, unendlich lieb hab, und nie verlieren will[/I] |
| SchneeKönigin | [COLOR=seagreen]Raupen mit Flügeln[/COLOR] Es ist kalt. Die Leute auf der Straße wickeln sich fest in ihre Mäntel ein, und der eisige Wind bläst durch ihr schulterlanges, zur Zeit gerade pink- schwarzes Haar. Die Jugendlichen an der Ecke drehen sich nach ihr um. Sie muss lächeln. Als sie in die Straßenbahn einsteigt spürt sie die Blicke der anderen Fahrgäste im Nacken. Erschöpft nimmt sie neben einem großen Fenster platz, und betrachtet prüfend ihr Spiegelbild in der beschlagenen Scheibe. Mit großen, schwarz umrandeten Augen starrt es mindestens genau so prüfend zurück. Der goldene Glitzer ihrer violetten Fledermaus- Zombie- Halloween Ohrringe passt zu dem Billig- Liedschatten von Bipa. Um ihren Hals schlingt sich ein schmales Nietenband, darunter kommen ein silberner, undefinierbarer Schnörkel und eine zarte Perlenkette. Stilbruch. Wie der Rest. Die Straßenbahn hält an. Sie steigt aus. Jetzt regnet es auch noch. Die Glocke ihrer schwarz- blauen Nadelstreifenhose aus Satin hat sich mit Wasser voll gesaugt. Verärgert krempelt sie sie hoch, und die rosa Doc Martens mit dem bunten Blumenmuster kommen zum Vorschein. Wenigstens sind die wasserdicht. Genau wie ihre heiß geliebte Placebo- Tasche, die sie vor drei Wochen, als sie zum zehnten Mal bei einem Live Auftritt der Gruppe dabei war, in London erstanden hatte. „Die richtig guten Sachen kommen nur aus London!“, meint sie fest überzeugt. „Die richtig teuren auch“, erwidere ich dann meistens. Trotzdem beneide ich sie um die vielen knalligen Hello- Kitty Accessoires, das pinke Spinnennetzkleid und die schwarzen Gothic- Klamotten die regelmäßig ihren Schrank auffüllen, und ihre Geldtasche leeren. Und wenn sie dann mal wieder mit Nieten behängt und schwarzen Lippen herumläuft, aber auf ihren Stümpfen kleinen und größere Teddybären Geburtstag feiern, und ich sie fasziniert betrachte, grinst sie nur und meint: „Wer Stilbruch mit Stil begeht, hat Style!“ Gestern waren wir zusammen Kino. Sieben Zwerge. Wir haben viel gelacht. Helles Lachen. Reines Lachen. Mina- Lachen. Dann sind wir noch was trinken gegangen. Ins Sägewerk, unser Lieblingslokal. Ich liebe die besprühten Wände und die ständig wechselnden Sitzgarniethuren, mit ihren vergammelten Sofas und den aufgeschlitzten Fauteuils. Möbel mit Geschichte. Sie bestellt Cola. Einheitsgetränk. Passt gar nicht zu ihr. Aber wer versucht zwanghaft anders zu sein, ist sowieso wieder gleich. Dann beginnt sie zu reden. Ich höre zu. Brian Molko ist Gott. Placebo der Himmel. Sie will nach Lion, zu ihrer Verlobten. Nächste Woche kriegt sie ihr Zungenpiercing. Den Typen aus ihrer Schule, auf den sie steht, hat sie letztens mit den Worten „ Hi, wie war die Schularbeit, magst du Pizza?“ angesprochen. Am Ash Konzert ist sie auf die Bühne geklettert und war danach noch mit ihnen im „Brot und Spiele“ was trinken. Am letzten Placebo Konzert hatte sie was mit einem „Schwulen“ mit zwei Nasenpiercings. Sie ist jetzt offizielle „Street- Work- Werbe- Agentin“ von Colouroffire. Und das schwarze Band an ihrem Handgelenk ist Brain- der Rest einer kaputten Videokassette. Ich höre zu. Aber zieht an mir vorbei. Es ist immer das selbe. Wir könnten so gute Freunde sein. Aber dafür ist es jetzt zu spät. Ich hätte es wissen müssen. Es war genau wie bei Jesse. Ihrer Schwester. Wir redeten und redeten, alberten rum, lachten- monatelang. Und trotzdem waren wir immer Fremde. Ich hatte gehofft, sie wäre nicht so. Wo sie doch immer so betonte, dass sie ganz anders als ihre „blöde“ Schwester sei. Luxusnebel. Sinnlos. Ich nehme einen Schluck Kakao. Ja, Mina, ich weiß, dass du ein tolles Leben hast. Ja, Mina, ich weiß, dass du cool bist. Aber ich will nicht wissen WAS du bist. Ich will wissen WER du bist. Du! Was fühlst du, was willst du? Wie geht es dir? Dir, nicht einem fanatischen Brian- fan mit Japan Tick und Dauerlächeln. Ich hab dich noch nie weinen sehen. Kannst du mit dieser Welt leben? Magst du die Menschen? Hast du dich damit abgefunden? Sag’s mit, bitte. Ich will wissen, wie. Ich bewundere dich. Ich beneide dich. Aber du bist so unecht, und das macht mir Angst. Jetzt ist sie fertig. Mit großen, naiven Babyaugen und erwartungsvollem Blick sieht sie mich an. „Und, wie geht’s dir?“ Und dir? Ich versuche zu reden. Wirklich zu reden. Erzähle ihr von meinem Gefühlswirrwarrr. Von meinen Tränen. Von der Angst. Sage ihr, dass ich das Leben nicht verstehe und in Antworten nur Fragen sehe. Für einen Moment ist sie still. Denkt sie nach? Habe ich es geschafft? Kommt der Schmetterling aus seinem Hülle? Dann lacht sie. „Oooo, armes, kleines Baby!“, mit gespieltem Mitleid streichelt sie meinen Kopf. Dann nimmt sie ihn in ihre Hände und küsst mich. Das Kokon ist fest verschlossen. Ich glaube, sie hast vergessen, wo sie den Schlüssel hingetan hat. Ich erwidere den Kuss. Lange. Dann entziehe ich mich sanft ihrer Umarmung. Sie legt ihren Kopf auf meine Schulter. Ich lehne mich zurück. Schweigen. „Du schmeckst nach Lipsmacker“ „Melone“ Ich lache. Vielleicht ist es gut so, wie es ist. Vielleicht brauche ich manchmal einfach Menschen, die nicht auf meine ewigen Diskussionen über Himmel und Hölle eingehen. Menschen, die mir klar machen, dass das Wissen, ob zuerst das Huhn oder das Ei war, nichts an ihrer Existenz ändern würde. Raupen, die sich in ihrem Kokon zuhause fühlen. Nicht eingesperrt. Raupen, die keine Schmetterlinge sein wollen. Nicht fliegen müssen. Menschen, die bedingungslos glücklich sein können, auch wenn sie nicht wissen warum. Nicht wissen wollen. Raupen mit Flügeln. |
| SchneeKönigin | [COLOR=green][SIZE=3]Amalia[/SIZE][/COLOR] „Blonde Menschen sind dumm“, sagte sie. Sie nickten. „Nur Idioten essen kein Fleisch“, sagte sie. Sie nickten. „Wer sich schwarz anzieht, ist psychisch krank und ritzt sich“, sagte sie. Erwartungsvoll blickte sie in die Runde. Vom einen zum anderen. Von der einen zur nächsten. Die meisten von ihnen waren Vegetarier. Sie trugen alle schwarz. Aber keiner von ihnen ritzte sich, und keiner von ihnen war mehr psychisch krank, als der Rest der Welt. Sie nickten. Die Kellnerin kam herein, und brachte ihre Getränke. Whisky, Wein, Bier, Orangensaft. Das Tablett war voll. Plötzlich erhob sie sich, und stürzte sich auf die Kellnerin. Das Tablett fiel zu Boden. Die Gläser zersprangen und eine rot- braune Flüssigkeit ergoss sich über die Fliesen. Jasmin schrie auf. Ihr Rock war nass. Die Kellnerin blickte ihr verstört in die Augen. Dann murmelte sie: “Entschuldigung“, und sammelte die Scherben ein. Mit betroffenem Blick, verließ sie den Raum. Stille. Alle sahen sie an. Dann sagte Jasmin: „Ist schon in Ordnung, kann jedem mal passieren“ und lächelte. Gequält. Der Rest nickte. Dann schlugen sie vor, Pizza essen zu gehen. „Ich lade dich ein!“, sagte Philipp, und strich ihr vorsichtig über den Arm. Amalia zuckte zusammen. Dann sagte sie: „ Nein, ich will nach Hause. Pizza essen kann ich auch alleine, und außerdem hab ich genug Geld, um sie mir selbst zu bezahlen!“ Sie nickten. Amalia lief davon. In ihrem Zimmer warf sie sich aufs Bett und weinte. Eine Stunde, zwei Stunden, vielleicht auch drei. Sie wusste, dass sie sich bemühten. Sie wusste dass sie ihr helfen wollten. Aber das Gegenteil von Gut, ist gut gemeint. Ob sie das auch wussten? Die Erinnerungen stiegen wieder in ihr auf. Die Runde. Sie, und die anderen. Jasmin und Philipp, Katharina und Martin, Sarah und Stefan. Alle. Plötzlich Geschrei. Stühle vielen um, ein Barhocker stieß gegen ihren Tisch, und die Flaschen fielen zu Boden. Dann die Hand- eine starke, braune, behaarte Hand. Und das Messer. Wer sich bewegt, stirbt. Niemand bewegte sich. Er hielt sie fest. Die Runde schwieg. Hielt die Hände vor den Mund. Aus Jasmins Augen kamen Tränen. „Neeeeiiiin“, sie schrie auf, und stolperte aus dem Bett ins Bad. Der Tee von heute morgen, ergoss sich ins Klo. Sie zog sich hoch. Blick in den Spiegel. Ihr Gesicht war noch genau so, wie vor einem Jahr. Nur ihre Haut war um ein paar Nuancen heller. Ihre Haare waren auch noch genauso schwarz.. Unwichtig. Sie sah in ihre Augen. Berührte sie im Spiegel. Das Glas schützte sie. Meine Augen, dachte sie. Immer schon. Dann nahm sie ihr Make- up, und begann sich anzumalen. Ihre hohen Absätze klapperten auf dem Steinboden. Aus der Kellertür drang Musik. Sie war zu spät. Es waren schon alle da. Sie öffnete die Tür und machte zwei Schritte hinein. Für einen kurzen Augenblick, vielleicht nur den Bruchteil einer Sekunde, war es still. Die Angst, die Besorgnis und der Schock von damals, spiegelte sich in ihren Gesichtern wider. Dann rief Philipp: „Hey, Amalia! Schön das du da bist!“ , und der Rest nickte und lächelte. Es war Jasmins Geburtstag. Genau wie damals. Nur, dass sie dieses Mal bei ihr daheim feierten. Zum ersten mal, seit sechs Jahren. Aber das war Zufall. Alle wussten das. Außer ihr. Sie gab Jasmin ihr Geschenk. Einen schwarzen Traumfänger. Gegen die Alpträume. Jasmin lächelte. Danke. Sie versuchte auch zu lächeln. Zog die Mundwinkel nach oben, so wie es die anderen immer machen. Aber es ging nicht. Seit damals nicht mehr. Martin legte einen Arm um sie. Komm, tanzen wir. Sie tanzten. Die anderen auch. Die Musik war laut, und sie wirbelten sich gegenseitig herum. Tauschten Partner. Sangen mit. Und alle lachten. Nur hin und wieder, wenn sich ihre Blicke zufällig mit Amalias trafen, huschte wieder dieser schwarze Schatten vorbei. Aber nur kurz. Dann lachten sie sie an.. Der Rest auch. Irgendwann lagen sie alle auf den Sofas, am Tisch oder am Boden. Die Musik war aus, und es wurde geredet, diskutiert. Über die Todesstrafe. Plötzlich ging die Tür auf. Alle zuckten zusammen und starrten in die Öffnung. Ein großes, schlankes Mädchen, mit langen Blonden Haaren stand in der Tür. Sie lachte. Dann erstarb ihr Lächeln und sie sah sich verwirrt um. Noch immer starrten sie alle gebannt an. Bis Amalia sagte: „Hy. Du bist zu spät. Komm, setz dich zu uns“. Der Bann war gebrochen und alle nickten. Jasmin lachte und sagte: “ Na endlich, ich hab mir schon Sorgen gemacht“ und stellte sie den anderen als Selina vor. Selina setzte sich gegenüber von Amalia neben Philipp. Wir haben über die Todesstrafe gesprochen. Wer hat sie verdient? Stille. Ohne dass es jemand wollte, ruhten alle Blicke auf Amalia. Jemand, der ein Lokal überfällt, hat sie verdient. Jemand, der sich eine Geisel nimmt, sie fest hält, sie bedroht, sie zwingt still zu stehen. Jemand, der sie berührt. Ihren Körper berührt. IHREN Körper. Jemand der schuld an Alpträumen ist. So jemand, hat sie verdient. Wieder Stille. Bohrende Stille. Niemand wagt es zu Atmen. Niemand wagt es, nicken. Selina erhebt sich. Nein. Niemand verdient die Todesstrafe. Man kann niemanden dafür bestrafen, etwas verbrochen zu haben, in dem man ihn umbringt. Dabei verschuldet man sich dann selbst und müsste wieder umgebracht werden. Und die Person, die diesmal für den Tod dieses Menschen verantwortlich war, müsste wieder sterben. Und so weiter. Irgendwann wären wir dann alle tot. Das ist keine Lösung. Jeder hat eine zweite Chance verdient. Jeder. Und außerdem, wo ist denn dann die Grenze? Es gibt noch viel schlimmere Dinge als eine Geiselnahme und sexuelle Belästigung. Es gibt Vergewaltigungen, schwere Körperverletzungen, Jahre langer Psychoterror, Mord. Es gibt alles. Man könnte sie alle umbringen. Und dann? Gerechtigkeit ist relativ. Nur wer alles weiß, weiß was gerecht ist und was nicht. Niemand weiß alles. Wir haben nicht das Recht, über Leben und Tod zu entscheiden. Niemand. Stille. Angst. Jasmin hielt sich an Philipp fest. Julia war in sich zusammen gesunken. In Sarahs Augen standen Tränen. Alle starrten sie an. Von Selina zu Amalia, und von Amalia zu Selina. Selina verstand nichts. Der Rest auch nicht. Langsam erhob sich Amalia. Behutsam strich sie ihr schwarzes Kleid glatt, und machte einen Schritt auf Selina zu. Und noch einen. Dann sah sie ihr in die Augen. Selina war größer als Amalia. Sie zitterte, aber sie wusste nicht warum. Philipp wollte aufstehen, aber Jasmin hielt in zurück. Die beiden Mädchen schwiegen. Du bist im Unrecht. Sagte Amalia. Du weißt nicht, wovon du sprichst. Ich weiß es. Ich wünsche dir, dass du das durch machst, was ich durch gemacht habe. Die Runde zuckte zusammen. Aber niemand sagte etwas. DU bist im Unrecht. Sagte Selina. DU weißt nicht wovon du sprichst. Menschen sind grausam. Ich weiß das besser als du denkst. Aber du bist um nichts besser, wenn du ihre Grausamkeiten fortsetzt, und dich für „gerechtes“ Töten einsetzt. Eine schwarze Masse senkte sich über ihren Köpfen nieder. Amalia schwieg. In ihrem Kopf drehte sich alles. Selina hatte ihr widersprochen. Selina hat es gewagt, ihre Meinung in Frage zu stellen. Sie hat es gewagt, ihr vorzuhalten sie hätte keine Ahnung von Leid. Sie, die blonde Schönheit, mit der perfekten Familie, und dem vielen Geld. Sie, mit dem großen Freundeskreis. Sie, die mit dem beliebtesten Typen der Stadt ging. Sie. Schlampe. Selina schwieg. Amalia dachte, sie könnte sich alles leisten. Nur, weil es ihre Freunde, und „ihre“ Party war. Sie warf ihr vor, sie hätte keine Ahnung. Unwissendes, behütetes Mauerblümchen. Ob ich ihr erzählen soll, dass mein Vater vor einem halben Jahr an Krebs starb? Oder dass meine Schwerster daraufhin versuchte sich umzubringen? Heuchlerin. Was Selina wohl damit gemeint hatte, dass ich sie wüsste was Leid bedeutete? Ob das nur so dahin gesagt war? Sie ist der erste Mensch seit einem Jahr, der mich nicht wie ein rohes Ei behandelt. Eigentlich war sie immer freundlich. Aber nie oberflächlich. Sie ist anders, als Jasmin und die anderen. Sie versteht mehr. Ob Amalia was mit der „Sache“ von damals zu tun hat? Sie ist seit neuestem immer so still. Manchmal macht mir ihr Blick Angst. Er drückt so viel Leid aus. Ob ich sie falsch eingeschätzt habe? Immerhin hat sie es gewagt mir zu wider sprechen. Ich kann mit ihr reden, wie mit einem ganz normalen Menschen. Ohne diesen mitleidsvollen Ausdruck im Gesicht und der gesenkten Stimme. Vielleicht hat sie unbewusst mehr verstanden als Philipp und der Rest. Jetzt erhob sich Jasmin. Vorsichtig versuchte sie, sich zwischen die beiden zu drängen. Aber Amalia machte eine heftige Handbewegung zur Seite, und Jasmin wich zurück. Dann wandte sie ihren Blick wieder Selina zu. Für einen kurzen Augenblick blitzten ihre Augen auf. Wie bei zwei Menschen, die sich lange nicht gesehen und dann wieder gefunden haben. Jede von ihnen in der anderen. Dann lächelten sie. Zum ersten mal, seit einem Jahr. |
| SchneeKönigin | [COLOR=royalblue][SIZE=3]Regen[/SIZE][/COLOR] Das ist alles so falsch. Ich habe eigentlich alles. Aber es ist nichts. Ich habe nichts. Ich will niemand anderer sein. Ich will mich nicht verlieren. Ich will nicht verlieren!!! Aber ich will auch nicht ich sein. Ich will jemand sein. Ich bin so hilflos. Ich bin so ausgeliefert. Ich bin so gleich. Ich werde nie so sein, wie ich sein will. Diese perfekte Glanz und Glamourwelt existiert nicht. Sie ist so lebensfern. Das will ich nicht. Ich würde darin verloren gehen. Aber ich will ein Glanz und Glamour Leben haben. Aber nicht nur. Eines mit Hintergrund. Ohne mich zu verlieren. Warum kann ich mich nicht ändern? Warum bin ich so schwach? Ich will doch kämpfen. Ich will doch stark sein- aber ich kann es nicht. Nicht mehr. Die Hoffnung verlängert nur den Schmerz. Aber ohne die Hoffnung bin ich gar nichts mehr. Sie ist das einzige, an das ich mich halten kann. Es ist alles so gespielt. Meine gespielte Beziehung. Gespielte Freundschaften. Gespielter Kummer, während die Leere immer größere Löcher in mich hinein frisst. Der Tod ist keine Lösung. Ich will nicht aufgeben. Ich kann nicht. Ich hoffe. Dass ich stark bin. Dass ich glücklich sein kann. Aber eigentlich habe ich schon lange aufgeben. Ich will es nur nicht wahr haben. Ich lüge und sage ich weiß nicht woher die Tränen kommen. Vielleicht regnet es ja. Gespielte Hoffnung. Und Träume. Echte Träume. Sehnsüchtige Träume. Tiefe Träume. Meine Träume. Meine Welt. Aber es sind doch nur Träume. Ich würde gerne mehr schreiben. Meine Gefühle schildern. Aber geht nicht. Das war schon alles. Sollte es mir jetzt nicht besser gehen? Sollte. Nicht weinen können tut noch mehr weh. Aber große Mädchen weinen nicht. Schon gar nicht ohne Grund. Schließlich habe ich doch alles, oder? Ganz gute Noten, einen netten Freund, eine beste Freundin, eine Familie, eine Wohnung, genug Geld, bin jung und kann zur Schule gehen. Das perfekte Erste Welt Leben. Ich habe kein Recht dazu, traurig zu sein. Ich sollte meine Aufmerksamkeit besser wichtigeren Dingen widmen, wie den Flutopfern in Thailand oder den Obdachlosen auf der Straße. Sollte mich um Menschen kümmern, denen es wirklich schlecht geht. Nicht um mich. Schließlich versteht mich sowieso niemand, wozu also die Mühe? Aber meine Bedürfnisse danach, anderen Menschen zu Helfen, versteht jeder. Wieso hilft mir niemand? Es kann niemand. Es versteht niemand. Trotzdem fühlen viele so. Ich weiß es. Aber sie sprechen nicht darüber. Niemand spricht über etwas, in einem Land, in dem es allen gut geht. Nächstenliebe sucht sich ihre Nächsten aus. Es ist alles nur gespielt. Ich will nach Hause. Ich will ein Lächeln. Ich will, dass der fesche Typ im Nachtexpress ein Mal zu mir rübersieht. Ich will, dass die Menschen in meiner Schule mit mir reden, ich will Spaß mit ihnen haben. Ich will doch nur leben. Ich will doch nur glücklich sein. Warum hört niemand mein Weinen? Weil niemand hier ist. Es ist nur der Regen, der sich in meinen Haaren verfängt. |
| SchneeKönigin | [COLOR=deeppink]Kinderträume[/COLOR] Kinderträume Sie riss an. Es knackte. Ein paar vereinzelte Federn schwebten zu Boden. Der Engel starrte sie mit aufgerissenen, eisblauen Augen an. Sein Mund war leicht geöffnet und die kleinen, weißen Hände ruhten gefaltet vor der Brust. Es sah aus, als würde er schreien, aber in Wirklichkeit sang er. Loblieder. Für Gott. Der ihm das Leben schenkte. Und die Flügel. Diese schönen, weißen Flügel, deren wolkenweichen Federn sich bei jedem Schlag sanft im Wind bogen und gelegentlich mal einen Menschen streiften. Ihre großen, heißen Tränen verklebten das reine Weiß. Das war ungerecht. Gott ist ungerecht. Warum sollten nur die Engel fliegen? Ein dumpfer Schlag ertönte. Die kleine Tonfigur war ihren Händen entglitten und zu Boden gefallen. Zitternd umklammerte sie die zarten Flügel in ihren Händen. „Ohne deine Flügel, bist auch du nur ein Mädchen!“, sagte sie und trat über die Scherben hinweg zum Fenster. Dann steckte sie die Flügel an ihr Nachthemd und breitete die Arme aus. „Gott, ich komme!“. Ihre Worte prallten an den Steinmauern, die den Garten eingrenzten ab und vervielfältigten sich tausendfach. Gott Gott Gott, ich koooommme, koommmme, kommmeeee, ich, ich, ich, Gott, Gott, Gott, kooommmmeeee... Dann flog sie in die Dunkelheit hinaus. Als ihre Mutter sie am nächsten Morgen fand, starrte sie sie mit aufgerissenen, eisblauen Augen an. Ihr Mund war leicht geöffnet. Es sah aus, als würde sie schreien. Aber in Wirklichkeit sang sie. Loblieder. Für Gott. Der ihr das Leben schenkte. Und die Flügel. |
| SchneeKönigin | [COLOR=skyblue][SIZE=3] Brücken Bauen[/SIZE] [/COLOR] Es geschah am Morgen des 5. Julis 2004. Die Sonne schien milde durch die zartgrünen Blätter der alten Bäume des Parks hindurch und die letzten Tautropfen sagten dem Klee mit einem diamantengleichen Glitzern auf Wiedersehen. Durch den leichten Sommerwind klang das zarte Lachen zweier Mädchen, die auf einer Holzbank neben dem großen Springbrunnen die Beine baumeln ließen. Sie warteten. Vielleicht war es Zufall. Vielleicht Schicksal. Eigentlich sollten sie ja in der Schule sein. Die rechte, mit den leicht zersausten, braunen Haaren und den waldmeistergrünen Rehaugen hatte bereits am Vortag geplant, den Tag nicht in stickigen Klassenzimmern zu verbringen, wo doch sowieso bald Ferien waren. Und die linke, mit den langen, schwarzen Haaren, hatte sie am Bahnhof aufgelesen, und sehr schnell von den unbestreitbaren Vorzügen des blauen Himmels und der frischen Luft überzeugt. Dann kam sie. Eine große, schlanke Gestalt, die blonden Haare offen auf die nackten Schultern fallend, die braunen Augen strahlend nach vorne gerichtet. Ihre Blicke trafen sich. Dann die Hände. Da ist etwas- das spürten beide. Vorsichtig näherten sie sich einander, suchten das Gespräch. Schule, Freunde, Musik- das Übliche. Am Anfang. Doch dann kam das Thema Lyrik. Poesie. Und Schreiben. Eine Leidenschaft. Die verbindet. Bald waren sie vertieft, in Welten, die nur sie ergründen konnten, eingehüllt in die Stille der Nebensitzenden. Diskussionen über das Wort „relativ“, über die Sprache an sich, über die Menschen- schlicht, über Gott, die Welt und was die Menschen aus ihr machen. Bald war klar- ob Schicksal oder Zufall hängt von der Definition der Wörter ab- aber diese beiden Mädchen verbindet mehr als nur dieser kurze Moment der Begegnung. Etwas, das wohl niemand zu benennen vermag, jedoch beide deutlich fühlen. Als der Tag ausklang, die Sonne ihr Licht der Mutter Mond schenkte und die schwarzen Feen der Nacht am Himmelsparkett zu tanzen begannen, bis kein Stückchen Blau mehr zu sehen war, saßen die Kinder am Fuße eines Denkmals, eingehüllt in luftige Wolljacken und ließen zusammen ihre Seelen fliegen. Ihre schlanken Hände berührten sich nur leicht, gut darauf bedacht dass noch sehr zarte Band ihrer Freundschaft nicht zu verletzen. Sie wussten, sie hatten sich gefunden, eine Brücke gebaut, über den reißenden Strom des Lebens und einen Ort geschafften, um sich festzuhalten, Abstand zu nehmen und zuzuschauen von oben- wie das Wasser ihre Gedanken mit sich fort reißt und ihre Gefühle in Fluten auflöst- geschützt und geborgen im milden Schein der wärmenden Sonne des blauen Sommerhimmels, wie an jenem Julimorgen, an dem sie sich kennen lernten- Therese und Lisa. [I]Diesen Text widme ich dir, Therese, damit du mich nicht vergisst, während du in Neuseeland bist. [/I] |
| SchneeKönigin | [COLOR=limegreen]Unbeschreiblich[/COLOR] 20.08.04 Erwachsene können den Moment nicht genießen. Das ist Fluch und Segen zugleich. Einerseits lassen sie sich von Kleinigkeiten nicht so leicht runterziehen, wie ein Kind. Wenn einem Kind ein liebes Spielzeug kaputt geht, ist das ein kleiner Weltuntergang. Wenn ein Erwachsener einen Gegenstand verliert, der ihr/ihm wichtig war, bedauert sie/er das, aber vergisst dabei nicht, dass die Welt sich trotzdem dreht. Andrerseits fällt es ihnen dafür aber auch sehr schwer, sich an kleinen Dingen zu freuen, einfach in dem Moment, in dem sie etwas schönes war nehmen, glücklich zu sein, ohne dabei an ihre Sorgen, Ängste und sonstigen Probleme zu denken. Sie haben gelernt, nie den Überblick zu verlieren, und haben sich damit eine schützende Mauer gebaut, die manchmal zum Gefängnis wird. Ich weine aus Leben. Ein tiefer Schnitt ins Herz tut weh. Aber es gibt Schnitte, die sind so tief, dass man ihren Schmerz nicht mehr spürt, sondern lebt. So lange, bis man darin erstickt. Tot. Erlöst. 17.1.2005 Das Surfen im Internet macht mich traurig und verzweifelt. Es lässt mich auf dem schmalen Grad zwischen Realität und Fiktion schwanken, wirft mich hin und her, wie einen Ping Pong Ball, mit einem harten Schlag von einer Seite zur nächsten, mit dem sicheren Wissen, früher oder später werde ich wieder zurück geschleudert werden, an der dünnen Schnur, die alles ist, was mich noch hält. Diese Welt ist unbeschreiblich- groß. Alles, was auf ihr ist, ist groß. Die Menschen, ihre Gedanken, Gefühle, Träume- alles. Im Internet wird das alles verbunden. Bruchstückweise. Es ist schwer, Verbindungen zu ziehen, zwischen diesen vielen- mir fehlen die Worte, ich weiß nicht, wie ich es nennen soll. Ich sehe und lese, wie es andern Menschen, unendlich viele Kilometer von mir entfernt geht. Ich darf erahnen, was sie gerade tun, was ihre Ziele sind und ihre Vergangenheit ist. Ich kann fest stellen, dass sie meinen ähneln, oder aber auch, dass sie grundlegend verschieden sind. Aber das ist nicht der springende Punkt. Der Punkt ist, dass sie im Endeffekt alle gleich sind. Sie sind nicht endgültig. Ihre Bedeutung hängt vom Umstand ihrer äußeren Umwelt ab. Also von uns und unserem Verhalten. Verändern wir uns, verändert sich die Welt. Verändert sich die Welt, verändern sich unsere Ziele. Das erschreckt mich. Aber alle Ziele, alle Träume, laufen doch nur auf eines hinaus: Wir wollen glücklich sein. Nicht mehr und nicht weniger. Eigentlich ein sehr bescheidener Wunsch. Ein Wunsch, den Kinder spüren, wenn sie nach ihrer Mami weinen, ein Wunsch, den der Bankräuber wie der Postangestellte hat, ein Wunsch, den der Präsident verfolgt, wenn er den Krieg ausruft. Es ist immer das selbe. Seit immer. Aber Menschen sind Einzelkämpfer. Sie haben nicht verstanden, dass das wahre Glück in der Zweisamkeit liegt. In der Liebe. Wir sind da, um uns glücklich zu machen. Diesem Glück laufen wir unser Leben lang hinterher. Aber wir lassen uns blenden. Von vermeintlichen „Glücksrezepten“ Vorgetrampelten Wegen, die jedem ein glückliches Leben garantieren sollen. „So, und nicht anders“, sagt uns die Gesellschaft vor. „So, und nicht anders“, rennen wir der Spitze des rosaroten Luxusdampfers hinterher. Wir haben nicht verstanden, dass Glück der relativste Begriff dieser Welt ist. Wir haben nicht begriffen, dass Glück subjektiv ist. Wir wollen nicht wissen, dass Glück der Anfang alles Unheils ist. Weil Glück unsichtbar ist. Und weil Menschen nur das glauben, was sie sehen. Karriere, gute Noten, Geld, Haus, Auto, viele Freunde, einen attraktiven Lebenspartner- auch, wenn sie lieber im Zelt unter freiem Himmel schlafen würden, und morgens die Straße abkehren, um sich eine Wurstsemmel zu leisten. Wir haben gelernt, unsere Wünsche, Träume und Ziele zu lenken. Zu kontrollieren. „So, und nicht anders“. Neues macht uns Angst. Weil uns niemand garantiert, dass wir dann glücklich sind. Weil wir dann vielleicht nicht das Recht dazu haben, glücklich zu sein, wenn wir uns nicht einmal ein Haus leisten können. Auch, wenn wir keines wollen. Aber vielleicht ist es auch gar nicht so. Vielleicht ist es ja doch anders. Vielleicht, hab auch nur ich das Glück falsch verstanden. Weil es ja unsichtbar ist, und ich nicht nachsehen kann, was in der Gebrauchsanweisung steht. Aber es würde mir sowieso nichts bringen- schließlich sehe ich nur subjektiv und subjektiv ist relativ. Wie Glück. |
| SchneeKönigin | [COLOR=deeppink]Blume [/COLOR][COLOR=royalblue]ist Kind[/COLOR] [COLOR=green]von Wiese[/COLOR] Hoffnung. Hoffnung darauf, stärker zu werden. Hoffnung, dass es irgendwann nicht mehr weh tut. Die Hoffung, darüber zu stehen, ein Mal. Und der Fall in die Tiefe. Der Schmerz. Es ist immer das selbe. Eure Worte, eure Taten. Ich kann nicht so wie ihr. Ich bin nicht so wie ihr. Gedanken denken, gedacht über Gedanken. So wird es nie enden. Du siehst mich an. Du lächelst. Deine Zähne sind weiß, deine Lippen glänzen. Schönheit. Jugend. Vergänglichkeit. Ich habe sie versäumt. Ihr wart zu schnell. Oder war ich zu langsam? Ich laufe, aber ich kann nicht mehr. Ich bewege meine Beine mechanisch auf und ab, Schritt für Schritt, immer geradeaus. Ich kann nicht stehen bleiben, ich bin es so gewohnt. Aber es ist wie mit dem Esel und dem Apfel an der Schnur. Der Abstand bleibt immer gleich, egal wie sehr du dich anstrengst. Irgendwann bin ich ins Gras gefallen. Es war dunkelgrün, saftig und kühl. Der Duft haftet jetzt noch an meinen Kleidern, wenn ich mir die Fotos ansehe. Ich hätte liegen bleiben sollen. In mitten der bunten Flaschen, den Glanzpapieren und den fröhlichen Menschen. Aber ich wollte kein Fremdkörper mehr sein auf dieser ewigen Party des Lebens und der Wind hat mit fortgezogen, viel schneller, als meine Beine mich tragen konnten. Einsamkeit für Wirklichkeit? Komme ich an, auch wenn ich mich gehen lasse? Leiten vom Wind? Immer dem Duft des Grases nach? Was, wenn ich am Ende merke, dass es doch nur meine Kleider waren, die noch danach rochen? Dass das Grün verblasst ist, und der harte, braune Boden die Wirklichkeit ist? Blume ist Kind von Wiese. Was wenn die Wiese tot ist? Ich will keine Blume auf toter Erde sein. Ich will leben. Bitte gießt mich! |
| SchneeKönigin | [COLOR=darkblue]Tod an der Grenze[/COLOR] 11:45. Wo ist mein Handy? Scheiß Tasche, warum ist die eigentlich immer so voll? Da, endlich. „Jana? Was wolltest du vorhin, ich hatte mein Handy lautlos!“ Was? O mein Gott, dass kann nicht war sein. Stefan ist ... tot. Hör doch bitte auf zu weinen! Er war doch erst 18. Ich muss für dich da sein. Scheiße, Nora. Er war doch ihr Bruder. Ich muss sie anrufen. Aber was soll ich denn sagen? Es tut mir leid? Toll, davon hat sie sicher viel. „Jana? Ich muss aufhören, die Prof. kommt!“ Französisch. Verben, Vokabeln. Als ob es nichts wichtigeres gäbe. Wo sind wir? Ich kann das nicht. Warum?? Was er wohl gedacht? So allein, an der Grenze. Warum, verdammt noch mal, war niemand da?? Mit einem Sturmgewehr. Ob ich der Versuchung widerstanden hätte? Jeder Blinde hätte doch gemerkt, dass mit ihm was nicht stimmt. Wie kann man einen dauerdepressiven Suizidgefährdeten nur mit einem Sturmgewehr allein an der Grenze stehen lassen? Aber es ist ja niemand verantwortlich „Vermutlich aus Liebeskummer...“. Fuck Kronenzeitung. Denken die eigentlich jemals an die Menschen, die ihre scheiß Überschriften betreffen? An Jana, Laura, Malen? Sie wissen, dass sie nicht schuld sind. Jana hätte es verhindern können. Jetzt nur nicht weinen. Nein. Schlucken. Los, lenk dich ab! Range ta chambre! Range- la! Nein, nicht. Ich kann nicht mehr. Es befreit so. „Lisa, willst du rausgehen?“ Ja. Danke. Joey, komm mit. Ich will nicht alleine sein. Danke. Die Stille tut gut. Und die kühle Luft. Leere Treppenhäuser haben so etwas beruhigendes. Wie Baustellen und Parks. Schon seltsam, in einer Zeit der Vergnügungstempel und Mega- Discos setzten sich Jugendliche in den Stadtpark und genießen die Atmosphäre. Natürlich, nicht durch grelle Lichteffekte und laute Musik künstlich erstellt. Mit Alkohol. Aber den gibt’s überall. Es ginge auch ohne. „Unser Gehirn ist zu klein, um zu begreifen, was Undenklichkeit oder Tod bedeutet!“ Beruhigend. Ich brauch’ mich also nicht anzustrengen, werde es ja sowieso nie verstehen. Was er wohl gedacht hat, als er den Lauf am Kopf spürte? Angst? Oder an was schönes? „Ich denke jede Sekunde an dich“, hat er Jana geschrieben. Warum nicht in dieser? Ihre einzige Hoffnung ist, dass es ihm jetzt besser geht. Der Strohhalm. Halt ihn fest. SMS, Briefe, Kassetten. Mit selbst komponierten Songs, Gitarre und Gesang. Schmuck. Erinnerungen. So viele. Und jetzt ist alles weg. Schmerz. Ich kann das Loch so nachfühlen, in dem du jetzt schwebst. Warum bin ich so hilflos? Es klingelt. Nur mehr eine Stunde. Soll ich gehen? Ich ruf’ Nora an. „Hy. Wie geht’s dir? Hast heute Zeit? Um drei? Schön, bis nachher!“ Toll gemacht. „Wie geht’s dir“ , war wirklich sehr sensibel. Wies einem wohl geht, wenn sich der eigene Bruder erschossen hat ?! Spazieren gehen ist angenehm. Entlastend. Es ordnet irgendwie, man hat Zeit. Du bist so dünn. Nora, jetzt red’ schon. Bitte. Tritt, Schrei, Wein- aber, verdammt noch mal, mach was! Deine Augen sind so leer. Glasig. Du hast es noch nicht realisiert. Gewidmet: Jana, Nora und dir, Stefan, möges es dir besser gehen, dort, wo du jetzt bist. |
| SchneeKönigin | [COLOR=red]...And Nothing Else Matters...[/COLOR] Sie sitzt auf dem fremden Bett und starrt ihn an. Tränen rinnen aus ihren glasigen Augen. Sie will nicht glauben, was er sagt. Sie kann es gar nicht. Zitternd greift sie nach seiner ausgestreckten Hand. "Halt mich doch fest!", schreit sie, doch er hört sie nicht. Und fährt fort, das Schwert immer tiefer in ihr kleines Herz zu rammen. Krrrck. Das Geräusch durchfährt den ganzen Raum, die kahlen Wände, die hohen Fenster, und die dünne Altbautür. Jetzt ist es gebrochen. Es ist zu spät um heim zu fahren. Die Luft ist erdrückend, alles ist so fremd. Wie soll ich diese Nacht bloß überleben? Im Badezimmer ist es hell. Das Licht beruhigt. Wie gut, dass Spiegel nichts fühlen, denkt sie. Sonst wäre er vor Schmerz zersprungen. Warum? Warum immer ich? Aber das Denken macht keinen Sinn mehr. Nichts macht Sinn. Mehr. Sehnsüchtig wandert ihr Blick zu dem hohen Fenster mit den geschwungenen Flügeln. Die Nacht ist kühl und schwarz, unter ihr ruft der kalte Steinboden, in der Ferne leuchten die Lichter der Stadt. Es wäre so schön... zu springen, nur ein, ein einziges Mal. Aber dann ist es vorbei. Vorsichtig dreht sie sich um, und tritt einen Schritt nach vor. Dann stößt sie sich vom Fensterbrett ab... Fall. Seelischer Fall. Ganz tief, tief in dir, dort befindet sich dieses kleine undefinierbare Etwas, dieser Diamant, der immer da ist, und dessen Glanz und Leuchten dich am Leben hält. Es ist noch zu früh. Das war doch erst der Anfang. Die Welt trägt zu viel Schönheit in sich, um auch nur eine einzige, kleine Sekunde davon unberührt verstreichen zu lassen, denkt sie. Und schließt die Flügel. [I]Gewidmet: M. Mögest du auch ein Mal den selben Schmerz fühlen, wie ich in dieser Nacht. Und an mich denken.[/I] |