| Tjalina | Ein Winternachtstraum Über mir flatterten die bunten Schmetterlinge. Als ich meine Hand ihnen entgegestreckte sah es aus als tanzten sie mit ihr. Einer setzte sich auf meine Finger. Ich hatte das Gefühl als würde dieses kleine, zarte Insekt direkt in mein Innerstes schauen. Eine kurze Bewegung und schon war der Moment dieses unbekannten Gefühls vorüber. Die fliegende Blume war in der großen Wiese verschwunden. Ich lag im Gras und lauschte den Geräuschen der Natur. In meiner Nähe plätscherte ein Gebirgsbach un ganz, ganz weit entfert hörte ich den einsamen Ruf eines Kuckucks. Die Sonnenstrahlen streichelten mein Gesicht als ich die Augen schloss. Ich sah rote und gelbe Farben. Wie sagt man so schön... “Ich könnte die ganze Welt umarmen!“ Wäre ich ein Riese gewesen hätte ich es getan. Meine Seele baumelte in dem höchsten Baum des Waldes hinter mir und genoss den Blick auf die Schönheit des Lebens. Plötzlich stach mich etwas. Ich sprang auf und schaute mich um. Die Wahrheit glotzte mich an. Aus jedem Winkel dieses verteufelten Zimmers spürte ich wie sie sich in mein Bewusstsein bohrte. Ich hatte geträumt. Wieder hatte die Kälte meine Gedanken zum Schweigen gebracht. Das blutbeflechte Laken, das ich um mich zog vermochte auch nicht die Realität von mir fernzuhalten. Meine beste Freundin lag leblos vor mir. Doch das war nur ein Teil von ihr. Ihren Kopf hatte er mitgenommen. Als Trophäe. Noch sah ich ihren Blick vor mir. Der Blick, der mich traf als sie vor ihm kniete. Der Mann hatte eine CD mit Weihnachtsliedern angeschaltet. “Stille Nacht, heilige Nacht...“ tönte es aus den Boxen. Er stand hinter ihr. Ihre Hände waren auf ihrem Rücken gefesselt. Er beugte sich zu ihrem Ohr. Er sah so freudig und erwartungsvoll aus wie ein kleines Kind an seinem Geburtstag, wenn es die Geschenke auspacken darf. Er sang leise den Text mit: “Stille Nacht, heilige Nacht! Alles schläft, einsam wacht nur das traute, heilige Paar. Holder Knab mit lockigem Haar: Schlafe in himmlischer Ruh! Schlafe in himmlischer Ruh!“ Er richtete sich wieder auf und zog ihren Kopf mit einem so gewaltigen Ruck nach hinten, dass ich dachte er hätte ihr das Genick gebrochen. Leider war es nicht so. Sie suchte meinen Blick. Ihre Brust hob und senkte sich. Ihr Herzschlag muss so schnell gewesen sein wie der einer Maus. Er erfüllte den ganzen Raum. Gerade hallte es “Jesus der Retter ist da!“ als er sein Messer hervorzog. Er setzte es ihr an die Kehle. Dann ein Schnitt. Blut spritzte auf den Boden, den CD-Player, auf mich, auf ihn, auf alles. Die Leiche ließ er einfach fallen. Dann trennter er den Kopf mit fachmännischem Geschick ganz von ihren Schultern. Ich dachte daran, dass sie sich vor einiger Zeit die Haare rot hatte färben wollen. Der Mann grinste mich an. Er wischte sich mit dem Ärmel den Lebenssaft meiner Freundin aus dem Gesicht. “Das war ein schönes Weihnachtsfest. Das Kindlein ist tot, morgen stirbt die Mutter.“ |
| Tjalina | Befreiung tonnenschwer und kalt tonnenschwere kälte lastet auf deinem körper dein körper ist kalt kalt und tonnenschwer schwarz und einsam schwarze einsamkeit umgibt dich du bist einsam in der schwärze einsam und schwarz tief und still tiefe stille dröhnt in deinen ohren das wasser ist tief still sinkst du in die tiefe frei und tödlich tödliche FREIHEIT spürst du nun bist du tod freitod |
| Tjalina | Die Reise des Winds Ich lasse meine Gedanken ruhn Sitze dort am trägen Fluss Ein kalter Windhauch möcht mich streifen Ich spüre seinen zärtlich Kuss Ich bitte ihn: Bleib hier bei mir! Ich möcht dich länger spüren Ein leiser Ruf von ihm Ich lasse mich verführen Schon reißt er an meiner Seele Zeigt mir seine Welt Nimmt mich mit auf seine Reise Fragt nicht ob sie mir gefällt Er rast ins grüne Tal hinab Lässt mich fühlen was er fühlt Wir wirbeln duch das kleine Dorf Dort dann mein Gemüt erkühlt Die Menschen rennen in die Häuser Flüchten vor unserer Zärtlichkeit Schließen die Fenster und die Türen Plötzlich verstehe ich sein Leid Ich weiß nun warum er einsam heult Wenn ich in meinem Bette lieg Mich in meine Decke wickle Und an meinen Gatten schmieg Doch schon geht die Reise weiter Wir fliegen schnell hinauf zum Wald Die Bäume grüßen uns mit Freude Hier nie unser Ruf verschallt Wir spielen mit den bunten Blättern Tanzen mit ihnen, mal langsam, mal wild Genießen die Freiheit Doch dann flüstert er mild ,,Nun muss ich dich verlassen, Kind Meine Reise fürt mich fort In den Osten, weit, weit weg Ich werde an dich denken dort Schließe mich tief in dein Herz Damit ich dort kann bleiben Ich werde singen nur für dich Wenn mich andre Menschen meiden`` Und schon ist er nicht mehr bei mir Ich bleib zurück wo er verschwand Doch schenkt er mir einen Abschiedsgruß Ein Blatt fällt sanft in meine Hand |