| nieni | [B][I]Zeit[/I][/B] All die Jahre, all die Tage, all die Stunden existierte ich, doch wann habe ich gelebt? All die Jahre, all die Tage, all die Stunden hörte ich, doch wann habe ich verstanden? All die Jahre, all die Tage, all die Stunden besaß ich Augen, doch wann habe ich sie nicht verschlossen? All die Jahre, all die Tage, all die Stunden sind in meinem Gedächtnis, doch was habe ich wirklich wahrgenommen? Nur einen Bruchteil meines Lebens habe ich wirklich gelebt, nur einen Bruchteil meines Lebens habe ich bewusst in die Welt geblickt, nur ein Bruchteil meines Lebens war wirklich mein. Die Zeit vergeht, rennt schnell, und nichts vermag sie zu stoppen. Und während wir der Vergangenheit nachtrauern, verpassen wir die Gegenwart. Und während wir auf die Zukunft hoffen, entgeht uns, dass in dem Hier und Jetzt etwas getan werden muss. |
| nieni | [b][I]Du[/I][/b] Ich hielt deine Hand über all die Jahre, war immer an deiner Seite, um für dich da zu sein. Habe dich beschützt, vor allem Unheil, war eine stärkende Schulter, wenn du jemaden zum Anlehnen brauchtest. Habe mich nie beschwert, weil die Last, die du mir auferlegtest, zu schwer war. Habe es gerne getan, für dich, um dir zu helfen. Sah es als selbstverständlich an, dich aus allen Lagen zu befreien. Wie aussichtslos sie auch schienen. Ich habe einen Weg gefunden, damit du dein Leben so leben konntest, wie du es wolltest. Fragte mich nie, warum ich es tat, tat es gerne, um eine Freundin zu sein, eine Freundin, die sich jeder wünscht, eine Freundin, die wirklich eine Freundin war. Du nahmst diese Hilfe dankend an, verlerntest, dich um dich zu kümmern. Alles habe ich getan, während du nur zugeguckt hast. - Ohne mit der Wimper zu zucken. Kein Wort der Dankbarkeit, kam über deine Lippen. Doch dachte ich, du wärest mir dankbar, dankbar, wie ich einem Menschen gewesen wäre, wenn er mir so geholfen hätte, wie ich es tat. Nun stehe ich hier. Brauche eine stützende Schulter, doch niemand ist da, der mir hilft. Ich rufe deinen Namen, in die Dunkelheit, die sich um mich ausgebreitet hat. Doch nichts als das endlose Echo, dringt an mein Ohr heran. Ich falle, falle so unendlich weit. Die Schwärze ist erdrückend. Möchte, dass sie endet, möchte Licht sehen, ein Licht, das mich aus der Dunkelheit holt. Erneut rufe ich deinen Namen. Doch er verhallt in der Tiefe - Ohne eine Antwort. Ich falle. falle immer tiefer. Habe Angst - so unendliche Angst. Brauche jemanden, der mir sagt, dass alles gut würde, dass ich keine Angst haben solle, weil ich nicht allein sei. Doch niemand ist hier. Du nicht, obwohl ich dich nun so sehr brauche. Wo bist du? Komm zu mir! Hilf mir! Bremse meinen Fall ab! Sei für mich da, so wie ich es für dich war! Zeige endlich, dass du mir dankbar bist! Und da endlich. Ich spüre den Boden unter meinen Füßen. Während ich noch schwanke, zittere und versuche, mich zu beruhigen, Trittst du aus der Dunkelheit heraus. Ich gehe auf dich zu, mit langsamen Schritten, um in deinen Armen Schutz zu suchen. doch du siehst mich nur an. Mit Tränen in den Augen, du zitterst, und bemerkst mein Leiden nicht. Ich sehe es in deinen Augen. Du siehst durch mich hindurch. Weißt nicht, was du tun sollst. Bist zu schwach, um dir zu helfen. Hast es verlernt, weil ich es all die Jahre für dich tat. Während ich noch immer schwanke, meine Gedanken sich überschlagen, handle ich instinktiv. Gehe auf dich zu. Ziehe dich in meine Arme, halte dich fest. -Bin für dich da. Streiche dir über die Haare, -spreche dir beruhigende Worte zu. Verdränge meine Leiden, und kümmere mich um die deinen. Ich weiß, dass deine Probleme klein sind, unwichtig, unnötig. Doch du kennst es nicht anders. Ich war immer für dich da, habe alles für dich gelöst. Und du verlerntest, dich um dich zu kümmern. Und ich weiß, dass meine Probleme größer sind, wichtig, beängstigend. Doch ich kenne es nicht anders. Ich war immer für dich da. habe alles für dich gelöst. Und ich verlernte, mich um mich zu kümmern. |
| nieni | [b][I]Masken[/I][/b] Wenn du lachst, lache ich mit. – Meine Tränen siehst du nicht. Wenn du dich freust, freue ich mich mit. – Meine Trauer bemerkst du nicht. Wenn du strahlst, strahle ich mit. – Meine Angst erkennst du nicht. Für jeden Ausdruck, jede Regung, besitze ich eine Maske. Eine Maske, die meinem ausdruckslosem Gesicht Ausdruck verleiht, eine Maske, die meinen leeren Augen ein Glänzen schenkt. Doch was würde passieren, wenn ich diese Maske abnähme? Wäre ich dir fremd? Ein Mensch, den du nie zu vor gesehen hast? Oder wäre ich dir vertrauter? Ein Spiegelbild deiner Selbst? Dein Seelenspiegel, wenn auch du deine Maske abnimmst, und aus leeren Augen in die meinen siehst. |
| nieni | [b][I]Allein[/I][/b] Niemand hörte meine stummen Schreie in der Nacht, Niemand sah meine getrockneten Tränen in den Augen, Niemand beachtete meine stillen Hilferufe Niemand las aus meinen unergründlichen Augen ab Niemand achtete darauf, was ich sagte Denn ich war gefangen Gefangen in meiner eigenen Welt Gefangen unter einer Maske Gefangen in der Welt, die mich innerlich zerfraß. |
| nieni | [b][I]Angst[/I][/b] Spürst du sie, wenn du abends das Haus verlässt? Spürst du sie, wenn du über die einsame Straße gehst? Spürst du sie, wenn du in den schwarzen Himmel schaust? Angst, die dich umzingelt, Angst, die dich verfolgt? Spürst du sie, wenn du deine Schritte beschleunigst? Spürst du sie, wenn du dich immer wieder umdrehst? Spürst du sie, wenn du von deinem Weg abkommst? Angst, die dich umzingelt, Angst, die dich verfolgt? Dreht sich plötzlich alles um dich? Weißt du nicht mehr, wo du bist? Weißt du nicht mehr, wohin? Dann spürst du sie: Angst, die dich umzingelt – weil du zu schwach bist Angst, die dich verfolgt – weil du zu langsam bist Angst, die dich einnimmt – weil dein Körper nicht mehr dein ist. |
| nieni | [b]Wenn die Engel weinen[/b] Wenn die Sonne nicht mehr scheint, Wenn der Himmel nur noch weint, Wenn die Tage nur langsam verrinnen, Wenn sich die Menschen nicht besinnen, Dann weinen sie, Dann weinen die Engel stumme Tränen. Wenn sich die Erde nicht mehr dreht, Wenn der Wind die letzten Blätter verweht, Wenn die Menschen nur noch hassen, Wenn sie die Tiere sterben lassen, Dann weinen sie, Dann weinen die Engel stumme Tränen. Wenn die Welt plötzlich bebt, Wenn keine Pflanze mehr lebt, Wenn kein Kind mehr lacht, Wenn Musik nicht mehr glücklich macht, Dann weinen sie, Dann weinen die Engel stumme Tränen. Wenn die Engel den Himmel verlassen, Wenn auch sie beginnen zu hassen, Wenn die Zeit nicht mehr verrinnt, Wenn endlich jeder zu verstehen beginnt, Dann weinen sie, Dann weinen die Engel leblose Tränen, auf eine tote Welt hinab. |
| nieni | Kannst du lachen, Aus tiefstem Herzen, Mit strahlendem Blick Und andere erfreuen? Kannst du weinen, Salzige Tropfen, Aus gläsernen Augen Und andere rühren? Kannst du leben, Voller Mut, Deinen eigenen Weg gehen Und andere Schritte ignorieren? Oder trägst du eine Maske? Lachst, wenn es die anderen erwarten, Weinst, wenn keiner dich sieht, Lebst, den Spuren der anderen folgend, Bist nicht du selbst? Kannst du reden, Wahre Worte, Ernst gemeint, Und andere unterhalten? Kannst du schweigen, Wenn du es willst, Betroffen und still Und andere zur Ruhe bringen? Kannst du leben, Voller Mut, Deinen eigenen Weg gehen Und andere Schritte ignorieren? Oder trägst du eine Maske? Redest, wenn die anderen hören wollen, Schweigst, wenn sie dich zum Schweigen bringen, Lebst, den Spuren der anderen folgend, Bist nicht du selbst? Kennst du dich? Magst du dich? Fühlst du dich? Oder bist du dir fremd? Hasst du dich? Bist du abgestumpft? Ist dein Blick verschleiert? Willst du fliehen, doch bist du gefesselt? Willst du reden, doch keiner hört dir zu? Schweigst du, obwohl du schreien willst? Lachst du, obwohl du weinen willst? Aus Angst, du wärst allein? Aus Angst, du könntest keine Worte mehr sprechen? Aus Angst, du hättest keine Stimme mehr? Aus Angst, es wären keine Tränen übrig? Kannst du spüren? Kannst du lieben? Kannst du hassen? Kannst du tun, was du willst? Kannst du sein, wer du bist? Lege die Maske ab, Lache und weine, Schweige und rede, Und vertraue mir, Sie hören dir zu, Sie sind für dich da. |
| nieni | [b]In Erinnerung an meinen Hund, und gleichzeitig über alles geliebten Freund, den ich gestern verloren habe[/b]: Wenn ich die Augen schließe, kann ich dich sehen. Du stehst vor mir, legst den Kopf schief, dein Gesicht strahlt. Wenn ich meine Augen öffne, stehe ich allein, in dem leeren Raum. Wenn ich die Augen schließe, kann ich dich sehen. Du liegst in der Sonne, genießt es, wie ihre Strahlen deine Haut erwärmen. Wenn ich meine Augen öffne, regnet es, und mir ist kalt. Wenn ich die Augen schließe, kann ich dich sehen. Du tröstest mich, bist bei mir, und gibst mir Halt. Wenn ich meine Augen öffne, verliere ich den Boden, und niemand bremst meinen Fall. Nun stehe ich allein, mit einer Blume in der Hand. Sehe auf den Boden vor mir, auf das Braun, das dich bedeckt. Für einen Moment schließe ich die Augen, erinnere mich an dich, wer du warst, wer du noch immer für mich bist. Leise weine ich, und lasse die Blume auf die frische Erde fallen. Ich wende den Blick zum Himmel und sehe dich in dem strahlendem blau. [i]Flieg mein Engel, flieg, und sei frei.[/i] |
| nieni | Die Dunkelheit umfängt mich, nur wenige Sterne erhellen die Schwärze der Nacht. Langsam setze ich einen Fuß vor den nächsten, unsicher und unwissend, ob ich das Ziel erreichen möchte. Ich überquere eine große Straße, der helle Schein der Laternen blendet mich und für einen Moment schließe ich die Augen. Ich bin kein Licht mehr gewöhnt, habe vergessen, wie es sich anfühlt, wenn die hellen Strahlen der Sonne die Haut erwärmen. Jegliche Gefühle habe ich vergessen. Nur noch Dunkelheit und Kälte kenne ich, verachte ich. Die Straße lasse ich hinter mir, tauche erneut in die Dunkelheit ein. Je näher ich meinem Ziel komme, desto langsamer werden meine Schritte, auch wenn ich weiß, dass ich nicht flüchten kann. Dass ich nicht flüchen will. Ich frage mich, ob du mein Rätsel gelöst hast, weißt, was ich vorhabe. Ich frage mich, ob ich dich heute noch einmal sehen werde. Zum letzten Mal. Es wird noch dunkler, als ich die Grenze des Waldes überschreite. Schier unmöglich scheint es mir, dass sich mein Herz noch verdunkeln kann. Ich lasse eine Hand in meine Manteltasche gleiten, berühre das kühle Metal, meinen einzigen Begeleiter in dieser verlassenen, letzten Nacht. Kein Ton dringt zu mir hervor, selbst das Rauschen des Windes vernehme ich nicht mehr. Es totenstill. Müde lächle ich über diesen passenden Ausdruck. Nur wenige Worte können meine Gefühle in diesem Moment beschreiben. Einsamkeit. Angst. Ruhe, innerliche und äußerliche. Es sind nur noch ein paar Schritte, die mich von dem kalten Wasser trennen, meinem Ziel. Oft hatten wir hier zusammen gesessen. Als alles noch gut war, als ich noch normal war. Noch fühlen konnte. Es scheint so lange her, dass du dich lachend in den See gestürzt hast. Einmal untergetaucht bist, und es nicht länger als eine Minute in dem kühlen Nass aushieltest. Ich habe nur noch schwache Erinnerungen an diesen Tag. Er scheint so weit weg, wie aus einem anderen Leben. Nur du hast dich in mein Gedächtnis gebrannt. Deine nassen Haare, die dein Gesicht umrahmten. Deine glitzernden Augen, die in der Dämmerung leuchteten. Deine sinnlichen Lippen, die mich sanft anlächelten. Es konnte nicht der gleiche Mensch sein, der Wochen später harte Worte zu mir sprach. Der mich einen Monat danach verließ. Als ich das Wasser erreiche, ziehe ich meine Schuhe aus und tauche mit meinen Füßen in die Feuchtigkeit. Es ist eiskalt und ich erschaudere, doch das zählt nicht mehr. Es ändert nichts. Ich setze mich auf den Baumstamm, den wir zusammen einmal nah an den See gerollt hatten. Unsere Bank. Nun liegt sie vermodert und alt am Rande des Wassers. Erinnert mich schmerzlich daran, dass alles, das ich weiß, Vergangenheit ist. Dass es niemals mehr so werden wird wie früher. Ich ziehe das Messer aus meiner Tasche und betrachte es, warte. Wieder schließe ich die Augen und stelle mir vor, wie das warme Blut meinen Arm herunterrinnen wird, mir endlich die Kälte nimmt. Als ich meine Augen öffne, scheint es noch stiller, noch leerer und kälter. Ich will nicht mehr warten. Wenn du nicht kommst, wenn ich dich nicht mehr wichtig bin, dann bestärkt mich dies nur noch mehr in meinem Vorhaben. Noch einmal betrachte ich die schimmernde Klinge, ehe ich sie an mein Handgelenk lege und einen tiefen Schnitt ziehe. Ich spüre den Schmerz nicht, nur die Erlösung, als ich es auf der anderen Seite wiederhole. Langsam wird mir warm und ich sehne mich nach dem Moment, in dem ich in das Nichts eintauchen werde. Und dann plötzlich. Wie in einem Traum erscheinst du zwischen den Bäumen. Deine dunklen Haare umspielen dein Gesicht lieblich. Deine Lippen, die die meinen so oft berührten, verziehen nun keine Miene. Deine Augen, in denen ich früher so oft versank, starren mich nun leer an. Und dennoch bin ich froh, dich noch einmal zu sehen. Dich noch einmal in meiner Nähe zu wissen. Ein kurzer Schmerz durchzieht mein Herz und ich schließe wie aus Reflex meine Augen. Als ich sie zum letzten Mal öffne, bist du verschwunden. Und während ich in das Nichts tauche, endlich die Erlösund finde, weiß ich, dass ich nicht dich gesehen habe. Dass es die Erinnerung war, die mich heimsuchte. Die schmerzende Erinnerung, die mich noch immer so quält. Und während ich nun diese Welt verlasse, wird mir bewusst, dass du mich schon lange verlassen hast. Und dass ich dich nun verlasse. Für immer. |
| nieni | [I]Wie eine Feder im Wind[/I] Sieh sie dir an, wie sie tanzt, elegant und schön, wie ein Blatt im Wasser, wie eine Feder im Wind. Hör sie rufen, von weit her, leise und schön, wie das Zwitschern einen Vogels, wie ein Ton, der ungehört verhallt. Fühl sie tief in dir, kaum spürbar, dennoch real, wundersam und schön, wie die Berührung eines Kindes, wie ein Tropfen auf heißem Stein. Trauer ihr hinterher, leise und still, allein und einsam, gefangen und begraben. Siehst du sie fliegen? Hörst sie rufen? Fühlst du sie nah bei dir und doch so fern? Weißt du, wer es ist? Diese wunderschöne Gestalt, die dich auf diese zarte Weise verlässt? Öffne deine Augen und sieh die Ketten an deinen Händen. Begreifst du nun? Sage ihr ein letztes Mal „Leb’ wohl“, und starrte ihr hinterher, noch lange, nachdem sie gegangen ist. Begreifst du nun? Weißt du, wer es ist? Wache aus deinem Traum auf, finde dich in dem Gefängnis wieder, in dem du lebst, und denke an deine Freiheit zurück, diese wunderschöne Gestalt, die dich auf diese zarte Weise verließ. |
| nieni | [i]unser Tanz[/i] Die Welt dreht sich, dreht sich immer weiter, bleibt nicht stehen. Die Sonne scheint auf uns herab Und alles ist vergessen, wenn ich mit dir tanze. Die Nacht erscheint Und mit ihr Regen. Die Tropfen vermischen sich Mit meinen ungeweinten Tränen, die schon längst getrocknet sind, seit ich mit dir tanze. Meine Maske ist hart, zerbricht nicht, obwohl ich mich bewege. Für dich bin ich stark, lache und strahle, weil ich mit dir tanze. Dass jeder Schritt schmerzt, ich die Musik nicht hören kann und die Choreographie nicht kenne, hindert mich nicht daran, dass ich tanze. Mit dir tanze. Doch plötzlich verstummen die Klänge, Wolken ziehen auf Und die Erde steht still. Meine Maske fällt herunter, doch ich bewege mich weiter, weil ich tanze, für uns tanze, mit blutenden Füßen, ganz allein. |