| hoeyo | Weltbühne Oh du Clown, du ärmster aller Schicksalsträger. Gezwungen fröhlich verrichtest du deine Arbeit, Gaukelst Freude und Schwerelosigkeit, Beziehst dein Brot durch das eine, Das eine durch Erfüllung des anderen. Will die rechte Freude nicht kommen, greifst du zur Zauberkiste und machst dich fröhlich. Mit der bitteren Schaumkrone des Brauers, dem fruchtigen Nektar des Winzers, an Tagen der Nüchternheit gar mit einem Klaren. Oh du armer Clown, Ahnst das Schicksal und ahnst zu gleich, Dass Flucht nicht möglich ist. Die Manege ist deine Welt, die Blicke der Massen halten dich zurück. Zentimeter dickes Rouge ziert dein Gesicht, Zeichnet deine Stimmungen vor. Gleich einer Schablone der du dich nur angleichst. Auch das Kostüm harmoniert peripher, Beißt sich mit deinem Innern. Ich trete aus der Vorstellung. Der Zirkus ließ die Masse freudig zurück, die Masse lässt den Zirkus fröhlich ziehen. Und sehe in die Pfütze. Ein Narrengesicht starrt zurück! |
| hoeyo | Ode an das Kapital Arbeiterblut, Das Salz der Erde, Erweis dir mein Freund, Dies’ kleine Ehre. Schufts’ in der Glut, Jed’ Paus’ ist dir fremd, Auf Recht du verzichst, Obwohl niemand dich kennt. Doch warum mein Freund, Ich möchte verstehen, Tust du für Andere, Im Glutofen stehen, Tust du für andere schwitzen und stöhn, Tust du für andere dich selbst verhöhn? Warum mein Freund, Ist es Selbstlosigkeit? Eine Danksagung, Die dich erfreut? Oder steht hinter deinem großen Willen, Ganz verborgen, micht nichten im Stillen, Etwas anderes, Dessen Namen allein, - Mein Herz zerreißt, Ich möchte schrein! - Ist es das, Tust du schuften, Dessen allein, Das Goldkalb anbeten, Kann es sein...? Ist es das Geld? Als Heilsbringer besungen, Von seinen Entdeckern, Durch Not errungen, Um die Gesellschaft zu zerreißen, In einen Wahn, Den endlich zu stoppen, Noch keiner kam. Den zu stoppen, Noch keiner kommen konnte, Da es uns, Trotz aller Leiden, Folgen muss, Und stets begleiten, Um uns Dinge zu bescheren, die wir brauchen, und auch nicht, um zu erschaffen, des Daseins Pflicht. Arbeiter, der Klassenkampf, Arm und Reich: Ein Königreich. Oh du liebliche Oberschicht, Gebarst uns durch Agonie, Im vollen Glanz, die Demokratie, Mit einer Auflage jedoch, Der wegen wir schuften, Im letzten Loch! Im letzten Dreck! Nichts als Joch! Grund allen Leidens, auf dieser Welt, Grund allen Schmerzes, Auf den der Geldadel zählt, Ist diese eine Sache, So genial, Und doch blutrünstig, gar fatal, Ist das liebe Kapital. |
| hoeyo | Zeitgenössische Betrachtung eines Haufen Papiers, der einen Haufen zusammenraufen soll(te) Das Gebaren schien beendigt, verfassungsrechtlich festgeschrieben. Die Skeptiker noch schnell gebändigt, Unsre Zweifel ausgetrieben. Doch dachte sich die Grande Nation, im Schlepptau noch ganz andre Staaten, der europäische Brudergeist, tät ihre Wünsche untergraben. Gesundes Nationalgebären, tut gut, einer Praline gleich. Doch lies mal alles ihm gewähren, wärn unsre Wänste rund und weich. Die Verfassung stimmt uns freudig. Befreit von einem Bekenntniszwang, der durch die Rechten Kreise sprang. Denn schließlich sind nicht alle gläubig. Auf der andren Seit’ die Zecken, zirpen laut doch ungehört, was sie wohl juckt, doch sonst nicht stört, soziale Geister aufzuwecken! Von Krieg und Waffen wird gesprochen, gekritzelt in die Staatenlamelle, der Braten wurd’ erst spät gerochen, kritisiert als olle Kamelle. Aus Einigkeit wuchs Agonie: Das Ende jeder Diskussion. So still war es in Brüssel gar nie, naht das Ende der Union? |
| hoeyo | Analyse des Dichters Der Dichter hebt sich selbst: Sein Haupt Über die Massen, um das, was ihm nicht passen mag, poetisch zu erfassen. (Die Frage nach seinem Lebenssinn, trieb mich jüngst zum Schreibpult hin.) Was tat und schrieb zum Beispiel, Herr Goethe Aus Deutschen Landen? Dessen ästhetische Reime, schmückten sein Werk wie Girlanden, „der Äolsharfe gleich“. 50 Jahre später in Hessen, Herr Büchner, schrieb seinen Boten, um das Elend seiner Welt, progressiv aufzuknoten. Um 1900 herum, die Geburt Der Industrie, schrieben viele expressionistisch, entlarvten die neue Gesellschaft, als schlecht, weil kapitalistisch; Doch hupften die Meere wirklich? Mit sozialistischen Alternativen, Brecht Zeigt die Gefahren neuer Zeiten, um Faschismus, Krieg und menschlichen Wahn, argumentativ aufzuarbeiten. Folgend Gruß sprach Brecht An zukünftige Wirklichkeiten: Die Wahrheit als ein Kind, wird stets und immer und sicher, entbunden i h r e n Zeiten. Der Dichter muss somit sein Haupt, erhoben über die Masse, tief heruntersenken, in die Tiefen der menschlichen Rasse. Wie die Mutter das Kind in sich trägt, noch lange bevor man es sah, entlockt der Dichter der Menschheit, was diese schon lange weiß, und erfasst es erst als wahr. |
| hoeyo | Gott, Ich glaubte dich heute zu sehen, Herunterspazierend, Die Straße in meinem Dorf. Gott, Ich sah dich in der Distel am Wegesrand, Und im schimmernden Antlitz der Sonne, Des Regengetränkten Grübchens. Ich dachte an die Hörigen. Sie sagen: Mache dir kein Bild von Gott, Erwähn’ den Herrn erst gar nicht. Ich dachte an die Widergespenster. Sie sagen: Du bist in uns, oder nirgendwo. Und leben durch ihre Amüsements. Ich sage: Du bist vielleicht auch das Schwarze, Die Unendlichkeit die sich ausbreitet, Mein Gemüt erschwert, Und die Nacht zur Nacht werden lässt. Vielleicht aber auch, Vielleicht bist du auch nur dahinter. Manche wollen das Schwarze, Dich Firmament der Welt, Ankratzen. Manche wollen Kapital schlagen, Aus dem Verbot selbiges zu tun. Ich hingegen Ich gehe die Distelgesäumte Straße Nicht mehr so schnell herab. Denn eigentlich ist es mir egal, Bist du Egal. |
| hoeyo | Was mir nicht belieben mag Kirchenträger Sind Huren Gottes, Was nicht ich ihnen antrage, sondern sie sich selbst aufbinden! Welch andere Tätigkeit verübt die Prostituierte dem Manne, als sein Glied, und somit sein Wohlbefinden zu steigern, die Güte und Barmherzigkeit zu Gewinnen, denn das Ziel: Mach’s mir Gut und mach’s mir Recht, so gebe ich dir Geld: All’ Wohl meinem Geschlecht! Kirchenträger, sehen somit einiges nicht! So könnte doch auch die Frau dem Mann sagen: „Ich gebe dir Geld, wenn du es mir besorgst.“ Alles eine Frage der Moral, die sie uns aufzwingen. Und die hat viel am Hut mit dem Kapital. Die pluralistische Komponente ihres monotheistischen Glaubens, gar dieser Glaube an sich… Er ist es, er führt die Kirche ad absurdum. Der Irrsinn dieser Anarchie, wird deutlich durch folgend bekunden: Ich glaube fortan an Quizlipochtli, er schuf alles vor eineinhalb Stunden! Arbeitnehmer Sind die Huren des Kapitals. Sie prostituieren sich dem Arbeitgeber Und kriechen im Speichel des Kunden. Wirtschaftswachstum ist ihr Gott, und wie der echte ein falscher Hund: „Ich möchte dir dieses Jahr es noch öfter besorgen“ Sprach sie und warb noch härter um den Kunden, rieb sein Glied kräftiger. Am Ende des Jahres steht und fällt, alles mit der Frage: Gab es mehr Geld? Arbeitnehmer Sind das kleinste Rad in dieser irrsinnigen Maschinerie. Deren Funktionsweise verstehen die wenigsten, doch auch dies mit System. Alles eine Frage der Staatführungslehre Politiker, Macht und verborgne Gewehre. Frag doch die Hure: Wie läuft dein Geschäft? Konsumierst du mehr, wenn ich dir im keynsianischen Geiste mehr Geld gebe? Oder soll ich deinem Zuhälter den Standort Deutschland schmackhafter machen? Es bleibt sich gleich, denn du MUSST konsumieren…! Grund allen Leidens, auf dieser Welt, Grund allen Schmerzes, auf den der Geldadel zählt, ist diese eine Sache, so genial, und doch blutrünstig, gar fatal. Ist das liebe Kapital. Menschen Sind Huren ihrer selbst! Vergiss alle Kritik, werter Freund, denn in ihr verborgen schlummert erst Was wir die eigentliche Wahrheit nennen. Schimpfe es Nihilismus, doch es ist korrekt: Der Mensch ist schlecht! Menschlein, du weißt, du bist nichts, drum begehrst du nach Macht und Besitz. Schlägst Brigaden jeder Art um Und pochst auf dein Eigentum. Dein Ballast hält dich am Boden, wie ein Heliumballon, auf dessen Schnur ein Stein ruht und festigt. Weißt du nun, was der Stein ist? Dann weißt du Was mir nicht belieben mag. |
| hoeyo | FRAGEN Sie sagen, Du wüsstest alle Antworten, Denn du schufst die Fragen. Doch wieso schufst du dann nicht nur Leute, Die dieses Dahin der Dinge leben Und schätzen? Warum lässt du sie kämpfen, Zu allen Zeiten, In deinem Namen – Für deinen Namen, Blutvergießen? Weil es letztlich dein Blut ist? ZEITRECHNUNG Der Sieger bestimmt die Geschichte. Gratuliere dir, Gott. Du gewannst, und tatsächlich, Du bestimmtest die Geschichte nicht nur, Deine Vasallen richteten sie nach dir, Nach Jesus Christus, Aus. So ist heute der Erste, Des Jahres Zweitausendsechs. Und nicht der Zwölfte Kalandrit, Des Sechsten Iden im Fünfhundertsten Jahrzehnt Im Symbole der Schlange. |
| hoeyo | Heute spricht der Dichter zu der Masse, von einer naiv wie lustigen Klasse. Einer großen Gruppe von frommen Leuten, die die Welt mittels ihres Glaubens deuten. „So weit so gut“, mögt mancher denken. „Freie Leute, freies Denken“. Doch diese Argumentation die ist Käse, Lehrn uns jene Leutchen doch die Antithese! Sitzen in Stadt und Schul und auch im Rat, durchsetzten die Gesellschaft durch den Staat. Zwangen uns ihre Werte auf als fundamental! Legitimiert durch Gottes Signal. Wer meint zu ahnen welcher Verein, besitzt die Dreistigkeit so zu sein? Sie dort hinten wissen’s es schon? „Werter Dichter, ists die Religion?“ Amen Bruder, du hast es erfasst! Habt ihr verstanden, was uns nicht passt? Oder hilft ein Beispiel zu erklären, worauf sie zielen, meine Lehren? Nun, die Verfassung der Europäischen Staaten, wäre durch sie beinahe missraten. Nach einem Bekenntniszwang riefen die Christen, Gottes Wort sollte sich vorm Gesetze einnisten. Mehr Glück hatten sie im zweiten Israel, dem Land der Freiheit doch recht schnell. Die Theorie der Kreationisten, wurde annektiert von den Christen. Dank der richterlichen Billigung, gehört die Idee nun zur Schulbildung. So sehet ihr Menschen was passiert, wenn eine fromme Gruppe uns regiert. Die Geschichten der Christenheit, brillieren zudem mit Austauschbarkeit. Der Irrsinn dieser Anarchie, wird deutlich durch folgend Bekunden: I c h glaube seit jeher an Quitzlipochtli! Er schuf alles vor eineinhalb Stunden. |
| hoeyo | Ich bin ein gläubiger Mensch. Ich suchte einen tieferen Sinn in dem Dasein, das mich umgibt. Ich bin ein gläubiger Mensch, denn ich fürchtete mich. Ich hatte Angst vor den Schluchten des Daseins, die mich umwanden. Ich hatte Angst vor dem was sich mir offenbaren könnte. Ich hatte Angst vor den Schluchten, die gierig versuchten mich zu erfassen. Sie waren wie Raubtiere auf der Jagd. Sie wollten mich. Sie wollten mein Fleisch, sie jagten es gierig und fletschten die Zähne. Ich hatte Angst vor dem was mir blühen könnte und floh. Ich bin ein gläubiger Mensch. Ich glaube nicht an diese Schluchten. |