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  Forum: Verlassene Gärten
    Thema: Ästhetizismus
IshvaraNaja, dann werde ich auch mal mein Geschreibsel der letzten Monate hierrein stellen.

Wenn jemand Kritik üben möchte, dann soll er dafür einen Thread eröffnen, ich werde es nämlich nicht tun...bin nicht kritikfähig :D

Kritik:[URL=http://www.nachtwelten.de/vB/showthread.php?threadid=50065]Neonaturalismus, oder Ästhetizismuskritik[/URL]
IshvaraAdaption

Like one who`s on a lonesome road
doth walk in fear and dread
and having once turned round, walks on
and no more turns his head
because he knows a frightful fiend
doth close ehind him tread.

Mary Shelly


Wie einer auf einsamen Wegen
In Furcht und Schrecken schreiten
Und einstmals umgesehen, geht weiter
Und blickt nicht mehr zu den Seiten
Denn weiß er schrecklich´ Gegner
nah hinter sich schreiten.

Von Mir
IshvaraIm Mondlicht

In bleichem Mondlichtschein
perlmutweiße Knochen tanzen
wunderschön im neuem Kleid
Geliebte, längst verloren, nicht vergessen


--------------------

Totentanz (rev)

Tanz, mit mir Geliebte
Leicht lässt sich dein Bein* führen
Tanz, vom Tod besiegte
wandelst leicht auf harten Sohlen
Tanz, Lebensversiegte
werde dich zur schönsten kühren
Tanz, Weltvertriebne
Im Walzertakt fahr über kalte Bohlen
Tanz, von mir Verschiedne
zu Eisengatter, Friedhofstüren
Tanz, nicht mehr, bleich Verbliebne
leg dich zurück ins Grab wie Kohlen


* Damit ist natürlich das Bein im Sinne von Knochen gemeint, wie in Scheinbein, Jochbein, usw. Es geht hier ja nicht ums Tanzen.
IshvaraAkrostikon*

Mädchen schöner noch als Tod
Aus tiefen Bahnen dunkles Rot

Den schönen liebend`Schnitt
Einmal nur der Trieb und Ritt

Leben rinnt aus tausend Netzen
Einmal uns in Liebe hetzen

In silbrigem Mondlichtschein
Nur einmal Blut, im Blute sein!

Einmal geliebt, leider nur!

(pour les amoures miserable?)

* Alte Griechische Gedichtform, bei der die Anfangsbuchstaben der Verse den Gedichtgegenstand be-oder umschreiben.
IshvaraAkrostikon III

Der Tod, der kommt auf raschen Sohlen
Einstmals wünschte ich,
Rastlose würde er schneller holen.

Schnell ist er, doch nicht schnell genug
Chimären Trug: Ich sehe mehr!
Hab`endlich Freud`am Selbstbetrug
Nachts liege ich Stunden wach
In meinem Rausche achso schwer!
Tod so komm leise, ohne Krach,
Tod komm nur recht bald
Einstmals meine Kraft, versiegt?
Richtiges Sterben, Kunst so Kalt.

------------------------------------------

Chronogramm*

Am Anfang
Bei dir Mutter
Omnipotent und Schwach
Beisetzung der Treue
Alles was ich liebte
In Ethanol ertränkt
Ährengold
Ganz schnell überreift!

*Alte Gedichtform, die sich die Zahlen Werte alter Alphabete zunütze macht. Hier das Griechische Alphabet, und zwar die Buchstaben, Alpha, Beta, Omega, Beta, Alpha, Iota, Ätha und Gamma, mit den Zahlwerten 1,2,0,2,1,9,8,3. Das wäre dann mein Geburtstag, der 12.02.1983. Super was!
IshvaraModerne Skizze

Ein Radiergummi
Das wäre ich gerne
Nichts würde ich schaffen
ausser leere Blätter
Doch aus meiner Leere
kann prächtiges entstehen
aus dem was ich getilgt
Wahrheit formt sich Bild!

Ein bisschen wie ein Phönix!

Ein Tintenkiller noch lieber
dann könnt ich
was ich verdamment ausradierte
gleich Richtig stellen.
Wäre es nur mein Leben lang
so gewesen!
IshvaraMit akrostischem Charakter
(Miserable II)

-Mein einziges Geliebtes
-In dir schrecklich,
-Tierhaft die Liebe.
-Tod lieber, als noch einmal,
-Wunden dir so zu zufügen.
-Ohne Hemmungen
sChreckliches dir angetan.
-Hälst mich trotzdem fest.

accusor a mea amicea!

-----------------------------------

Im Tannengrün

Hell würde ich die Vögel hören
Grell würde mich die Sonne stören
So hell würd ich mich sehen unter Föhren.

In diesem dunklem Tannewalde liegen
Ich würde in Gedanken zu Sternen fliegen
Ausgestreckt auf weichem Moose liegen.

Alles dies könnt und würd ich tun
wenn ich nicht gestern Nacht gestorben wäre
hier!
IshvaraEin Abend am Strand

Tosend bricht die große Welle
--auf uns zu
Wir bewegen uns nicht von der Stelle
--liegen nur da
Golden ist es um uns herum.
--nur der Strand
Himmelblau ist es um uns herum
--nur das Firmament
Seite an Seite liegen wir zwei
--doch alleine
Niemand hörte den Schrei
Ich gehe du bleibst
--hier für immer.
IshvaraAn ein rothaariges Mädchen

Noch schöner als der Wald
aus Stahlbeton so kalt,
bist du, wie du dort liegst
auf rostigem Eisen, alles was du kriegst,
der Winterkälte zu entfliehen.
Das rote Haar im Strom der Heizung.
Werde mich neben dich Knien.
Die Haut blaublass, steif die Kleidung
liegst lange schon hier, so kalt
im Stahl betoniertem Wald.
Wunderschön, eiskalt du liegst,
hier wo Armut dich besiegt.


(An anthem for the queenliest dead that ever died so young-
A dirge for her the doubly dead in that she died so young.
A.E Poe; Lenore)
IshvaraEine anrührende Geschichte

"Hast de mal ne Kippe"
"Ja hier,...siehst hungrig aus, magst du den Apfel?"
"Mh, ja danke" Gierig ist sie den Apfel ganz und gar auf "Danke"
"Schöner Ohrring"
"Findste? Von meiner Mutter, schon länger her."
"Was ist den mit der?"
"Wees ich nich, bin ja weggelofen."
"Es ist ganz schön kalt, wollen wir nen Kaffe trinken gehen?"
"Wenn du zahlst." Lächelt sie mich an.
"Bei mir da kostet es nichts."
"Okay" Sie geht mit mir durch den Park, nach Hause
dort komme ich nur alleine an, neben ihr im Schnee
liegt ein Apfel, die mochte sie doch so gerne,
das Ausreißermädchen.
IshvaraSemper Fidelis

Als ich den Spaten in die nasse Erde steche,
mich Stich um Stich durch Stein und Wurzeln breche,
fällt Regen und feuchtes Laub nieder.
Ich komme immer näher, komme wieder.
Endlich breche ich durch`s Eichenholz,
dort liegst du faulig, modrig, stolz.
Ich nehme dich mit zu mir Heim,
wasch dich, kleid dich, hier wirst du sein.
Ich ha dich zurück geholt aus nasser Erde,
bei mir wirst du sein bis ich sterbe.
Arm in Arm dein Leib zerfällt,
deine Schönheit fault, dein Blut das gällt.
Dein modernder Leib, er tötet auch mich.
Die Liebe lässt uns doch im Stich.
IshvaraFür´s Poesiealbum

Durch Blut zu Worten der Wahrheit
Endloser Schmerz
brennt im Herz
in meinem Blut
liegt Wahrheit
in des Hasses Glut
allein ist Klarheit!
IshvaraClouded by fog, upon a hill,
sorounded by myth`far from will,
there is a throne of bleeched bone
t'is where sorrow grown, in dark glow'n
in rubin glowin', forecasting crown.
From this noble place, one rightfull call
besigned the graze 'n frightfull fall
of that House called Brim.
Thy fearfull arms, thy reign in grim


Für E.A. P.
IshvaraTrunken

Wie ist das wohl, wenn man alles vergisst.
Wie ist man hohl, wenn man das Leben misst.

Wie ist man leer, wenn man Atmen nicht braucht.
wie ist's Herz schwer, wenn's Leben sich staucht,

zu Kurzen Bahnen, wenn man es dreht,
zu fliehenden Fahnen, wenn man unsteht,

zusammen ist allein. Rastlos wegläuft,
zurück haltend sein, die Seele versäuft.
IshvaraZitate

Poesie ist tiefes Schmerzen,
und es kommt das echte Lied
einzig aus dem Menschenherzen,
das ein tiefes Leid durchglüht.

(J. Kerner, Poesie)


Sahest du nie die Schönheit
im Augenblicke des Leidens
niemals hast du die Schönheit gesehen.

(Schiller)


Es gibt kein solches Verbrechen,
von dem ich mir nicht vorstellen könnte
es zu tun.

(Goehte)
IshvaraEin anderer Schnitter

In goldenem Sonnenschein, senst der Bauer das Feld
Halm und Ähre fallen nieder, in Augusts Sonne
Nie hörte man sie schreien, so doch eins ums andere fällt.

Und so wie der Wirt, hat auch der Tod die Sense
Wie Ähren eins stirbt, führt der Tod uns an der Trense
Die Zeit um uns sie wirbt, mit der Vergänglichkeit
doch letztlich siegt der Schnitter, von Zeit zu Zeit zu Ewigkeit.

De profundis clamavi
IshvaraAls man endlich sie gefunden
Tag um Tag im tiefen Wasser liegen,
werde ich auf den Tisch sie kriegen,
um dann festzustellen, dass wie und warum.

Als dann die Schädelplatte abgetrennt
ein Nest von Ratten quickend, schaut
einige nagend am Hirne, mir graut
es, das dies die klügsten Ratten werden.

(Wenn Benn nur weniger geschrieben hätte)
IshvaraTeif blaues Himmelsfirmament,
von oben die Julisonne brennt.

Kühlender Schatten im Waldeshain
friedlich und ruhig ist alles Sein.

Die Blätter wiegen in des Windes Hauche
doch dort was raschelt im Strauche?

Bwegung dort am Fuße dieser Buche
beunruhigt beginn ich die Suche

Schiebe achtsam die losen Äste weg
dort wimmelt's und krabbelt's im Dreck.

In schimmerndem Schwarz, pulsierend
tausend Fliegenmaden, fluktuierend

Im Wellengange auf und nieder
wälzen sich über den Toten wieder.

So beißend ist der faulige Gestank,
dass ich taumelnd auf die Knie sank.

Näher dran als mein Ekel es erlaubte
am Leichnam, der faulend die Sinne mir raubte.

Schillert im warmen Sonnenlicht
das auf tausend Fliegen sich bricht.

Ich weiche zurück vom Fliegenschwarm
zurück aus dem Hain, die Sonne so warm

Tief blaues Himmelsfirmament
von oben die Junisonne brennt.
IshvaraAch wenn ich doch nur etwas schreiben könnte was nicht nur Fantasie wäre, sondern mein Leben
(Puccini)


Mein Hirn so leer, so sorgenschwer
was soll ich schreiben, kein Sinn zu bleiben

Mein Geist läuft, in Windungen sich ersäuft
vom Weine trunken, ins Labyrinth gesunken.

Was lohnt noch alles Kämpfen, ich winde mich in Krämpfen
und nicht hinaus finden, klahrheit sie wird schwinden

Schluck um Schluck, ich in die leere Flasche kuck
doch besser wird es nicht, bis mein Geist dann bricht

Ach hätte ich in mir große Poesie, die hatte ich nie
würden mir Worte durch die Adern rauschen, würde mich an mir berauschen.
IshvaraWie Wattebauschen die Wolken am Himmel
Die Blätter ein rauschendes Gewimmel
Die sich im Sommerwinde drehen
Die Bäume die in der Sonne stehen

Breiten die Arme, wie Himmel so weit
Streben zum Himmel seit ewiger Zeit
Die Borke so rissig, so narbenschwer
Soviele Äste und noch mehr

die niemals Triebe hatten
Die niemals gelebt, in Schatten
des Vaters und der Zeit vergingen
dem gebrochnem Sproß wird niemand singen

Wohl aber der Eiche, die stolz
auf dem Felde ein Denkmal aus Holz
für Deutsche Lande steht
und so sicher wie diese vergeht.
IshvaraAuf ein großes Blatt weißes Papier,
habe ich mit meinem eignem Blut
in großen freundlichen Buchstaben geschrieben:

Für kommende Genetiker zur Analyse!
IshvaraWie eine Linie Husaren, stehen die Pappeln am Feld
und wie diese der Sturm sind, werden jene vom Sturm geschüttelt
wie der Donner der Hufe, so donnert der Himmel, gerüttelt
vom Sturm. Und hin und wieder Blitzt es und Kracht und einer fällt.

Wie Ähren, Reihe um Reihe, die Grenadiere im Feld
und diese der Sturm knickt und jener im Winde fror.
Wie das Rauschen des Kornes, rauscht das Pulver ins Rohr
und hin und wieder ein Hagelschlag, mäht aus die Reihe die fällt.
IshvaraDer Glaube ist die unglaubliche Eigenschaft,
des Menschen, die es uns erlaubt
Dinge zu sehen, die wir als unwahr erkannt haben.

Nosferatu, Phantom der Finsternis
IshvaraIn einer Nacht, da mein Durst mich auf die
Straße trieb, wandelnt den Weg hinab, sprach sie
mich an, wohin ich wollte, wolle sie wissen.

Ich sah sie an und schaute ihren alten Leib
die runzelige Haut, das abgehalfterte Leiben, bleib
doch bei mir, dachte ich und ging weiter.

Oh, wie muss ich mich nach Liebe aushungern,
dass ich aus dieser alten Mäze, nicht ungern

noch die Säfte gekostet hätte, die fließen wenn
zwei Menschen sich das Lager teilen, denn

so legt ein Toter sich zu einem Leichnam hin.
IshvaraUnter Stahlstalakniten wird eine Reisegruppe in
den Moloch geworfen.
Ein Mann füllt Zettel aus und wirft sie in den Rinn-
stein, zu seinem durchgekautem Essen.
Ein Drogendealer wispert leise seine Ware anpreisend.
Eine alte Mäze, schaut sehnsuchtsvoll, greisend,
auf zwei Männer, die den Eingang zur U-Bahn
noch verschlossen finden.
Zwei Rettungswagen, blaublitzend vorüber fahr'n.
Unterm Stahlgewölbe drängen sich Düfte und Viecher,
Osmanische Gerüche mit Pariser Düften.
Und über allem leuchtet hell das Neon und Kriecher,
ziehen auf das groß M zu, welches golden Freiheit nur verspricht.
IshvaraWas habe ich noch, seitdem ich meine
Kampfansage an den Kapitalismus an eine
Obdachlose verschenkt habe.

Zwischen Schnittblumen, sanft gebettet
schläft sie Frau, der ich die Machtlosigkeit gerettet,
selig Säuferschlaf, Stückpreis 2,90.
IshvaraAkrostikon II

Als es begann, nur schlank.
Nur wenig wurde zu krank.
Oder das Leben wie ein Schiff das sank.
Reiß dich an mich
Einmal nur, ich liebe dich.
Xenotyp ist mir das Mehr.*
Indes so leicht, nicht sorgenschwer.
Ehrlich Hunger, ich lieb dich sehr.


*gemeint ist nicht das Meer, also kein Rechtschreibfehler, sonder das Mehr im Sinne von mehr, zusätzlich.
IshvaraVersehentlich (Akrostikon IV)

Gewalt gegen mich?
Enervierend, findest du nicht?
Schon mal ein Stich...
Charaktermenschen brauchen das nicht?
Habe ich es so schrecklich?
Nur getrieben von sich
In mir schwach, so jämmerlich.
Tastend meine Adern such ich,
Tosend die Adern, treffend, tödlich,
Ein tiefer Schnitt, erlösend endlich.
Nicht mal gemerkt.
IshvaraTeichbrandung und Windwetter
Grasgrün und Seeblau
keuchende Sackluden tanzen
mit verschalten Gebärerinnen
aus dem Takt eines einstmals
großen Liedes,
würde Beethoven wohl an seinem blutigem Erbrochenem
ersticken,
würde er dieses Prooimion des gegenseitigem
in einander hineinbrechens sehen?
schäkert die Schöße heiß!
Tanzball!
IshvaraDie lebenden Toten

Mit ihren roten Augen starren sie ins Nichts
wandeln wankend durch die Hallen aus Stahl
zerzaustes Haar, die Haut blutig und fahl.

Mit ihren irren Augen starren sie ins Nichts
gierig, geifernt greifen sie nach der Sucht so nah
verzehren sich dafür und doch es ist nichts da.

Mit ihren wilden Augen starren sie ins Nichts
wahnwitzig zucken ihre zerstochenen Glieder
der Shunt rosenrot und violett wie Flieder.

Mit ihren toten Augen starren sie ins Nichts
zuckend, keuchend im Tode sich noch winden
liegen dort jene, die sich durch Heroin zu tode schinden.

Mit ihren zugenähten Augen starren sie nach innen
und vielleicht werden sie in diesem Sarg aus Kiefernholz
endlich Ruhe finden, Ruhe angenehm, stoisch, stolz.
IshvaraKategorischer Imperativ

Als man einmal bei einer Hure die Nacht
verbrachte, und die ledrige Haut betrachtete
die schlaffen Brüste und die delligen Schenkel, die Macht
die trotz allem noch in ihnen ist.

Als man gierig ihre Lenden striegelte und fasst
und hart und sabbernd in die schlammige Frucht stößt
und geifernt noch die letzten Tropfen von den feuchten Lippen trinkt. Rast-
los mit erregten Nerven, immer rein das Triebinstrument.

Als man dann das geile Stöhnschauspiel
ex(s)tatisch vorgeheuchelt fasst und in Krämpfen
flutend die Scham mit Lebensdreck, endlich am Ziel
wälzt man sich von ihr ab, betrachtet den eingeschlammten
Luderleib und fragt sich ob DAS richtig war.
IshvaraHomogenes Gefühlsgemisch, keine
Statik im Hirnhaus. Nicht eine
Schaumgeborene der ich Äpfel schenken
könnte. In deren Arme ich mich senken
könnte.

Mehrstimmiges Solo kanonisiert in meinem Hirn,
emotionales Troja, Schmerz: Schild und Schirm.
Kolaterale Emotionsschäden lassen
mich alleine zurück. Kann nicht fassen,
greifen.

Überschäumender Sehnsuchts Apoplex. Gegossen
sind Desonanzen unaufhörlich donnernt. Verschlossen
ist die Tür, Trommelwirbel: Jahrmarkt der
Ideologien. Keiner, einer; Nicht ich aner wer?
Hilfe?

Ich, du, wer? Rote Granatapfelkerne,
blutrot tropfende aterielle Lebenssterne
ethanolgetränkte, venöse, Lyrik zerfetzend.
Sträubend, geifernt, Prometheus an den Steinen lechzend
nach Leben.
Nur Leben!
IshvaraMediale Schaltungen
wie Tranquilizer apliziert.
In den Hirnwindungen
Meinungsmäßig telekommandiert.

Zeile um Zeile gesetzt,
bildlich ausformuliert.
Nachricht aus dem TV gehetzt,
Weltwissen Konzern diktiert.

Meinungsmäßige Massen,
geisttum fingiert.
Redaktionell nich fassen,
es ist alles; nichts passiert.

Oh Schöne neue Welt,
vom Medienmogul regiert,
der selbst Arbeitern gefällt,
obwohl Geld und Geist stagniert.
IshvaraFremdlyrik

Weltende

Es liegt ein Weinen in der Welt,
Als ob der Liebe Gott gestorben wär,
Und der bleierne Schatten, der niederfällt,
Lastet grabesschwer.

Komm, wir wollen uns näher verbergen...
Das Leben liegt in aller Herzen
Wie in Särgen.

Du! wir wollen uns tief küssen -
Es pocht eine Sehnsucht an die Welt,
An der wir sterben müssen.

Else Lasker-Schüler
IshvaraKrieg

Der Mann auf der Bank
zeigt die Narbe am Bauch
und redet und zeiget vom Krieg.

Ich zeige das Loch,
das der Stahl in mich biss
und rede und zeige vom Krieg.

Die Frau auf der Bank
sieht die Narbe am Bauch,
hört wie der Stahl mich biss
und fürchtet und fröstelt vorm Krieg.
IshvaraWinterland

Wenn es eist im Lande,
Himmelweit weisst es,
Heller die Nacht als Tag.

Angleichend weisselt, grün
Und grau und gelb und blau,
Einheit in Vielfalt, weiss.

Weiss ist alle Farbe
So ist die Welt so bunt
Und doch ist alles gleich.
IshvaraSie?

Weißgoldhaar umramt
ein Engelslächeln
und Sternenseeaugen.

Alabasterweißhaut
und Glutrotlippen,
Schaumgekröntenkörper.

Honigsüß und bitter salzig
ist Träumerei und
Wahrheitsliebegedanken.
IshvaraGeist alter Zeiten
verglommen zu Glutfetzen,
zu Disharmonien von Tod und Leben.
Aufgestauchtes Atmen
und zerbrochenes Glanzgesicht
das Scherben in das Herz
mir wirft.
Und weiß ich die Zeichen
auch nicht zudeuten,
so breche doch auch ich
und werfe Himmelsscherben
an den Dunkelhimmel
und tanze lachend über die
Gräber meiner Vorväter
und weiß doch nicht um Sie
und ihre Zeit und ihre Träume.
IshvaraWeißgekröntes, verwelktes Gras
wiegt im Wind hin und her,
zwischen den Gleisen.

Auch sie alt, rostbraun
wie das wiegenden Gras,
zwischen den Gleisen.

Und der grüne Ginster
blüht nicht mehr safrangelb,
zwischen den Gleisen.

Farbtupfer nur gelblackierte
Maschinen beim Ginster,
zwischen den Gleisen.



_____________________________________


Dunkle Schattengerippe
werfen sich gegen den blass
violleten Rest von Himmel,
der sich über der schwarzen
Waldwand zusammenkauert.

Aus Fensterlosen Augen,
starrt ein Backsteingemäuer
über schwarz vor dem Himmel
dräuende Pappeln hinweg,
spärlich der Blick; Horizont.

Begrenzte Grenzenlosigkeit,
Eingesperrte Weite.
IshvaraAugestellt vor dem, mit gold-violettem
Wolkenschaum beworfenem, Himmel
sind die rauchenden Türme, die
zerfasernde Wolken in das
Nichts werfen. Ich möchte
mit dem Rauch ziehen,
mich auflösen
im All im
Nichts.
IshvaraFremdlyrik, für jemanden der damit etwas anfangen kann, in der Hoffnung das es auch gelesen wird.

August Stramm - Werben

Geheimnis bogt das Tor
Erde Himmel
Harren!
Harren!
Auf schließt dein Blick!
Blend
Wirrt und greift
Und tastet
Krampf in leeren Händen.
Dein Lächeln wehrt.
Verschlossen blickt das Tor.
Mein Harren harrt
Und
Gott und Himmel pochen!
IshvaraUnd noch einmal Fremdlyrik.

Else Lasker-Schüler (1869-1945)

NERVUS EROTIS

Dass uns nach all' der heissen Tagesglut
Nicht eine Nacht gehört...
Die Tuberosen färben sich mit meinem Blut,
Aus ihren Kelchen lodert's brandrot!

Sag' mir, ob auch in Nächten Deine Seele schreit,
Wenn sie aus bangem Schlummer auffährt,
Wie wilde Vögel schreien durch die Nachtzeit.

Die ganze Welt scheint rot,
Als ob des Lebens weite Seele blutet.
Mein Herz stöhnt wie das Leid der Hungersnot,
Aus roten Geisteraugen stiert der Tod!

Sag' mir, ob auch in Nächten Deine Seele klagt,
Vom starken Tuberosenduft umflutet,
Und an dem Nerv des bunten Traumes nagt.
IshvaraUnd mal wieder was von mir, an einen ganz besonderen Menschen.

D'accord?

Das Lächeln, was die Sehnsucht wehrt,
das Erinnern, das das Fühlen eist.

Das brennende Prickeln sanfter Haut
auf meinen suchend brechenden Händen.

Den ruhigen Atem zu spüren,
das Hauchen wird stürmend.

Den steigenden Puls bei einer Berührung,
mein Körper flammt die Welt erlischt.

Die wärme eines Körpers den man kennt,
der Glut entfacht zu feuer.
Das den geist lodernd fast verbrennt,
das auch der kalte nachtwind,

nicht löscht sondern aus Asche, Flamme zwängt
und auch die vermissende Träne des Abends
ist nicht die Hoffnung, die man fängt,
nur Tropfen auf den Stein aus Liebesglut.

Werden die mir versagten, so begehrten Lippen
doch irgendwann die meinen treffen?

Mein Liebesfühlen, kehrt ein zu dir,
aus Lust dein Dunkel zu entfachen.

Einmal geküsst,die begehrten Lippen,
vielleicht dereinst begehrend werden?

Was hat dein liebes Herz nur so zu Stahl geschmiedet,
das deine Seele Laubwelk wittert selbst in Liebe?
IshvaraMh, ist es der Mangel an Zeit oder an Eindrücken, nein auf der sinnlichen Ebene ist dieser Mangel nicht zu suchen, aber dennoch, werde ich weiter werkeln um etwas neues zu schaffen, bis dahin verbleibe ich mit den Worten der sehr verehrten Else Lasker - Schüler, für einen besonderen Menschen.

Else Lasker-Schüler (1869-1945)

Athanatoi

Du, ich liebe Dich grenzenlos!
Über alles Lieben, über alles Hassen!
Möchte Dich wie einen Edelstein
In die Strahlen meiner Seele fassen.
Leg' Deine Träume in meinen Schoss,
Ich liess ihn mit goldenen Mauern umschliessen
Und ihn mit süssem griechischem Wein
Und mit dem Oele der Rosen begiessen.

O, ich flog nach Dir wie ein Vogel aus,
In Wüstenstürmen, in Meereswinden,
In meiner Tage Sonnenrot
In meiner Nächte Stern Dich zu finden.
Du! breite die Kraft Deines Willens aus,
Dass wir über alle Herbste schweben,
Und Immergrün schlingen wir um den Tod
Und geben ihm Leben.
IshvaraIch muss euch wohl mal wieder mit Fremdlyrik abspeisen... ich komme im moment einfach nicht weiter...

Paul Celan - Sprachgitter



Augenrund zwischen den Stäben.



Flimmertier Lid

rudert nach oben,

gibt einen Blick frei.



Iris, Schwimmerin, traumlos und trüb:

der Himmel, herzgrau, muss nah sein.



Schräg, in der eisernen Tülle,

der blakende Span.

Am Lichtsinn

errätst du die Seele.



(Wär ich wie du. Wärst du wie ich.

Standen wir nicht

unter einem Passat?

Wir sind Fremde.)



Die Fliesen. Darauf,

dicht beieinander, die beiden

herzgrauen Lachen:

zwei

Mundvoll Schweigen.

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