| ShadowSilk | Die Frau im Spinnenetz Es gab einmal eine Zeit, da war die Erde in Gefahr. Eine grosse Dürre breitete sich übers Land, alles grün wurde welk und verdarb. Es herrschte grosse Not. Da erschien die Herrin der Erde einem Mann und gebot ihm auszuziehen, um die Erde zu retten. Der Man zog aus und wanderte über verdorrte Flüsse, Sümpfe und Täler und durchlief viele Gefahren. Eines Tages sass er auf einem Stein und war sehr traurig, weil er immer noch kein Mittel gefunden hatte, um die Erde zu retten. Da stand plötzlich ein greiser Zwerg vor ihm und erzählte ihm von einer alten weisen Frau im Spinnennetz. Die Frau hatte sehr grosses Wissen, doch eine grosse giftige Spinne wacht über sie und jeder, der bisher versucht hat, zu ihr zu gelangen, wurde von der Spinne getötet. Der Man hatte Mitleid mit den Frauen, die um ihre Kinder weinten und den Männern, die verzweifelt waren, weil sie ihre Familien nicht ernähren konnten. So begann der Mann, sich auf dn Weg zu machen, den der greise Zwerg ihm gezeigt hatte um zur Spinnenfrau zu finden. Durch tiefe Sümpfe und dichte Nebel gelangte der Mann tief im Wald schliesslich zu dem riesigen Spinnennetz. Er stand vor dem Netz und rief: "Verehrte weise Frau, die Erde ist in Gefahr. Es herrscht eine große Dürre und die Menschen leiden große Not. Die Herrin der Erde gebot mir, auszuziehen, um die Erde zu retten. Ich habe erfahren, dass Ihr grosses Wissen besitzt. Könnt Ihr mir ein Mittel sagen, mit dem die Erde geheilt werden kann." Lange Zeit hörte der Mann nur das Drehen eines Spinnrades und sah die giftige Spinne an der Seite des Netzes sitzen, auf ihre nächste Beute lauernd. Der Mann wartete und da hörte er die Stimme einer greisen Frau: "Ich kann Euch ein Mittel geben, das die Erde von ihrem Kummer befreit. Doch um zu mir zu gelangen, müsst Ihr Euch beeilen. Ich kann die Zeit nur solange anhalten, wie das Beutelchen Lebenssand, das ich in meine Hand schütte, hindurchläuft. Ich habe nur ein Beutelchen. Ist der Sand durch meine Hand gelaufen, wird die Spinne kommen und Euch töten." Der Mann gelobte, sich zu beeilen und gelangte zu der Frau. Die Frau gab ihm ein Gefäss und sagte ihm: "Das sind die Tränen der Mondfee. Begiesse damit ein verdörrtes Bäumchen, das auf einem Hügel im verlorenen Tal steht. Das wird die Erde heilen und die Menschen wieder froh machen." Der Mann dankte der weisen Frau für die gewährte Hilfe. Plötzlich sah er, wie die greise Frau sich zu einer jungen Frau wandelte, die er einst in seiner Jugend geliebt hatte. Als sie sah, dass er sich erinnerte, nickte sie und sagte: "Einst hast Du mich geliebt. Etwas von Dir blieb in mir. Du zogst aus, um eine andere zu lieben. Ich tötete die Frucht unserer Liebe. Zur Strafe für mein Vergehen wurde ich ins Spinnennetz gebannt. Nun geh und beeile Dich, der Lebenssand ist weit durch meine Hand gelaufen. Bald wird die Spinne erwachen und ich kann dich nicht mehr schützen." Der Mann machte sich eilig auf den Weg und gelangte aus dem Spinnennetz. Als er wieder vor dem Netz stand, sah er, wie die Spinne erwachte. Die Spinne kletterte das Netz entlang, machte kehrt und bewegte sich auf das Innere des Netzes zu. Sie tränkte die Frau mit ihrem Gift, zerstückelte sie und frass sie auf. Der Mann machte alles so, wie ihm die Frau gesagt hatte. Die Bäume und Wiesen wurden wieder grün, die Saat auf den Feldern blühte wieder auf, Tränen und Verzweiflung versiegten und man hörte die Kinder wieder lachen. Aus dem kleinen verdörrten Bäumchen im verlorenen Tal wurde ein blühendes Kirschbäumchen, über das der Schatten einer schönen Frau wacht. |