| Sepia überlebte | Ich bin neu hier und fange einfach mal was an. Ich hoffe, Euch lediglich zu erreichen, um mich einwenig zu empfinden. Sich abwendend Umsonst bin ich, umsonst euch nachgegangen, Von eurem Reize allzusehr gebunden: Und wie ich eure eigensinnigen Seelen Jede einzelne, wie die Masken, durchempfunden, War mir verschleiert Leben, Herz und Welt, Ihr hieltet mich, ein Flatterschwarm, umstellt, Ausweidend, wie unerbittliche Hrpyen, An frischen Quellen, wo jedes frisch erblüht Ich hab mich so an künstliches verloren, Daß ich die Sonne sah aus toten Augen Und nicht mehr hörte als durch tote Ohren: Stets schleppte ich den rätselhaften Fluch, Nie ganz bewußt, nie völlig unbewußt, Mein Leben zu erleben wie ein Buch, Das man zur Hälfte nicht und ganz nicht mehr begreift, Und hinter dem der Sinn erst nach vergangenem Leben schweift- Und was mich quälte und was mich erfreute, Mir war, als ob es nie sich selbst bedeute, Nein, künftigen Lebens vorgeliehenen Schein Und hohles Bild von einem vollern Sein. So hab ich mich in Leid und jeder Liebe Verwirrt mit Schatten nur herumgeschlagen, Verbraucht, doch nicht genossen alle Triebe, Im dumpfen Traum, es würde endlich tagen. Ich wandte mich und sah das Leben an: Darin Schnellsein nicht zum Laufen nützt Und Tapfersein nicht hilft zum Streit; darin Unheil nicht traurig macht und Glück nicht froh; Auf Frage ohne Sinn folgt Antwort ohne Sinn; Verworrener Traum entsteigt der dunklen Schwelle, Und Glück ist alles, Stunde, Wind und Welle! So schmerzlich klug und so enttäuscht mein Sinn In müdem Hochmut hegend, im Entsagen Tief eingesponnen, leb ich ohne Klagen In diesen Stuben, dieser Stadt dahin. Die Leute haben sich entwöhnt zu fragen Und finden, daß ich recht gewöhnlich bin. |