| sonic.sacrifice | [COLOR=green]Kurze Rede, langer Sinn ... ich, die Fetischistin der Stabreime und Bandwurmsätze, habe mich auch mal getraut, einen Garten für meine Gedichte und Kurzgeschichten zu eröffnen. Viel alter Kram wird hier sein, aber auch Neues, weil ich seit kurzem wieder einen Drang zum schreiben habe ... Meine Ergüsse habe ich selbst von Anfang an "Semifiktive Synthesen" getauft, negativ gesagt sind es 'Halbwahrheiten', nackte Tatsachen in literarischer Bekleidung, Erlebtes mit Geträumtem verbunden, geistiges Schneeschaufeln im Gedankenvakuum, zusammengetragen und ineinander geflochten ... wie viel davon wirklich wahr ist, weiß ich allein ... Meine Synthesen können [URL=http://www.nachtwelten.de/vB/showthread.php?threadid=62664]an dieser Stelle analysiert[/URL], sprich zerlegt werden ... ich freue mich über alles, was man mir zu sagen hat; Kritik, Kommentare, stilvolle Beleidigungen und auch Heiratsanträge ... Ich werde versuchen, meinen Garten nicht verkommen zu lassen ... [/COLOR] |
| sonic.sacrifice | [I] So schmeckt Polarwinter ...[/I] Abendstunden, traumverhangener Himmel über meiner Stadt. Die Dunkelheit. So klar. Kalter Wind singt sein klagendes Lied. Vollmond. Vereinzelte Wolken ziehen sich wie Kreppband über das Himmelszelt. Shockfrosted. Wohl 10 Grad unter dem Gefrierpunkt, die monotone Geräuschkulisse der Heizung begleitet mich in diesen Stunden. Geheizt wird auf höchster Stufe, der Kessel im Keller wärmt das zirkulierende Wasser auf 70° Celsius. Mein Schlafraum hält die Temperatur von 22, mein Körper eine von 35, aber in mir drin ist der Gefrierpunkt längst unterschritten. Ganze 0 Kelvin, das bedeutet 273,15 Grad unter Null auf der Celsius Skala, eine Temperatur, bei der die Teilchenbewegung zum Stillstand kommt. Der absolute Gefrierpunkt. In meinem Innern regt sich nichts mehr. Ein gedankliches Massaker in meinem Kopfe. Wo ist bloß der Schalter, um dieses System herunterzufahren? Keine Zeit um nachzudenken. Geweckt von einer Kurznachricht, wanke ich durch mein Schlafzimmer, passende Kleider zusammensuchend. Dann die Treppe abwärts zur unteren Etage, als ich an der Küche vorbeikomme, werfe ich schon einmal die Kaffeemaschine an. Das spart Zeit. Ins Bad, es wird Zeit für eine heiße Dusche. Wassertropfen. Perlen auf meiner fahlen Haut. Wasserdampf kondensiert an den Glasflächen, der Spiegel beschlägt. Nicht zu viel Zeit an den Genuß des warmen Wassers verschwenden, also los, abtrocknen, anziehen. Ich schreite langsam wieder in die Küche, schenke mir dann Kaffee ein ... ohne meinen Kaffee gehe ich nicht aus dem Haus, ohne ihn bin ich nicht zu gebrauchen. Einige Minuten später ist die große Tasse leer, ich mache mich auf den Weg nach oben. Frühstück, oder wie in meinem Falle Spätstück, lasse ich wie gewöhnlich aus, zum Essen keine Zeit. Auf meiner Kommode suche ich mir die kosmetischen Utensilien zusammen, wasserfeste Wimperntusche mit dreifachem Volumeneffekt, schwarzer Lidschatten, Rouge ... beginne mich zu schminken ... noch schnell die Augen mit Kajal schwärzen ... fertig. Nicht vergessen, meine Brille anzuziehen, ohne welche ich kaum etwas sehe. Tasche mitnehmen und auch den MP3 Player, Mantel anziehen ... so verlasse ich das Haus und schreite Richtung Haltestelle Abendstunden, überleitend in die Nacht ... ich zünde mir eine Zigarette an, der Qualm den ich ausatme, scheint für einen Moment in der Luft stillzustehen. Zeitlosigkeit. Es ist eisig kalt, ich setze meinen Weg schnellen Schrittes fort ... eine kalte Windböe kommt mir entgegen, verbrennt mein Gesicht, doch was macht mir der Frost außerhalb schon aus, wenn das Innere bereits in Eis gehüllt ist. Ich erreiche die Haltestelle und steige in die S-Bahn. Um diese Zeit bekomme ich immer einen freien Platz. 20 Minuten fahre ich. Genug Zeit um wach zu werden. Ich werfe den MP3 Player an ... Opeth ~ Ghost of perdition. Ein paar warme Gedanken zum auftauen könnten nicht schaden, dabei werden sie es allein nicht schaffen, trotzdem einen Versuch wert. Ein absolutes Gedankenchaos in Kopfe ... auf eisigen Schwingen schwebt die vergangene Woche vorbei, ein eiskalter Schauer über meinen Rücken ... dabei ich wollte doch warme Gedanken...? Urlaub ... ich brauche Urlaub, dabei ist es noch lange bis Januar ... ob mein Islandtrip dann gelingt? Ich will schon lange nach Reykjavik, zu lange ... meine Stadt im hohen Norden ... zu jeder Jahreszeit auf ihre spezielle Art und Weise sagenhaft schön ... mein kleiner, großer Traum ... noch so weit Weg. So weit entfernt, dabei noch gar nicht lange her ... eine plötzliche Hitzewelle von Gedanken breitet sich in meinem Kopf aus ... sollte ich ihm für das Wecken danken? Oder lasse ich es wieder sein und gebe meine frostige Natur preis ... wie so üblich. Die Hitzewelle, gefolgt von einem warmen Wind der Erinnerung an ihn ... der Blick in seine Augen ... der Klang seiner Stimme... seine Worte ... der Duft seiner Haut ... sein Atem ... seine Hände, die mich berühren ... während der Regen uns in seinen grauen Schleier hüllt und uns gen Zeitlosigkeit abdriften lässt. Rückblenden. Ich finde mich in der Gegenwart wieder ... ich fühle nichts, die Kälte macht sich im Innern breit, noch nicht einmal diese Erinnerung hilft beim Auftauen. Meine Haltestelle wird angesagt. Ich stehe auf und gehe zur Tür. Von hier aus sind es nur noch wenige Schritte zu meiner Arbeitsstelle, wo mich wieder eine Überdosis an Arbeit erwarten wird. Geliebte Nachtschicht. Die Nacht wird lang. Noch ein letztes Mal, bevor ich das Gebäude betrete, atme ich die kalte Luft ein ... so schmeckt wohl Polarwinter ... [SIZE=1]Oktober 2005.[/SIZE] |
| sonic.sacrifice | [I]Morgens ...[/I] Aufgewacht, blutverschmierter Himmel kriecht durch die Fensterläden nimmt langsam Form an um mich zu wecken Halberhellt, die Straßenlaternen erlöschen langsam einsetzende Dynamik hinter den Fassaden die Sonne macht den Rest ... Aufgestanden, das Fenster, weit geöffnet kühle Luft der Morgendämmerung trocknet das Blut im kleinen Raum Stille, die Straßen fließen unter mir rauscht die Stadt in stiller siedender Hitze des beginnenden Tages ... Kälte, so eisig kalt, dass die Luft brennt Lungen ziehen sich zusammen tausende Nadelstiche peinigen die Haut Glänzend, im schwachen Sonnenlicht die karminroten Spuren der Nacht schwinden dahin um nachher wieder zu erscheinen ... Schleichend, die Hände, die sich vorwärts tasten sie kennen ihren Weg Wärme, von ihnen ausgehend endet in zeitloser Umarmung Traumverhangen, die halboffenen Augen zu früh, für den Tag wir könnten im Bett bleiben für eine kleine Weile … [SIZE=1]Januar 2006[/SIZE] |
| sonic.sacrifice | [I]Der Kälte Einbruch[/I] Die Welt, gehüllt in den Mantel des Novembers. Kalte Windböen fegen über die Erde hinweg. Die Bäume kahl und träge, ihre einstigen Blätter, zinnoberrot, bernsteinfarben oder rostbraun, begraben den Boden unter sich. Die Tage werden kürzer, die Zeit der Dunkelheit nimmt zu, Umstellung auf Winterzeit. Die Temperaturen fallen, die Welt kühlt ab. Bleifarbene Wolken dominieren den Himmel, noch seltener wird die Sonne aus ihrem Wolkenversteck hervorkommen. So lange scheint es her, dass Sonnenstrahlen die Welt bedingungslos wärmten. Doch vorbei sind die angenehmen Sommertage, die Welt hat die letzte Wärme erlitten, diese ist den Stürmen gewichen. Der jährliche Prozess hat seinen Lauf genommen. Es ist Herbst ... Ich gehe spazieren, blicke nach vorne, auch zu den Seiten, sehe diesem letalen Vorgang in der Natur zu. Ich schaue zu den Wolken hinauf, sie sind nicht zu übersehen, ihre mächtigen, prachtvollen Formen erstrecken sich über das Himmelszelt. Über mir, ein Wolkenbruch, welcher nicht von langer Dauer, seinen Besuch beendet er fast zu schnell und zieht weiter seiner Wege. Ich schreite weiter geradeaus auf dem lehmigen Feldweg, meine Schritte begleitet von einer Geräuschkulisse, welche nur nach Regenfall entstehen kann. Die Kälte lässt sich bereits riechen. Bald wird es frosten. Der Wind wirbelt die Blätter auf, lässt die kahlen Bäume zittern, die Erde frieren. Es scheint so passend, dass auf den November der Winter folgt. Die Welt wird beginnen sich in weiß und grau zu kleiden, der Schnee und das Eis als Leichentuch, irgendwie makaber. Wie der Natur, so geht’s auch mir, kalt und grau bin ich geworden, den Winter erwarte ich, damit die Kälte auf all ihre Arten meine Sinne absterben lässt. Nun ist der Sturm in mir drin, Einklang habe ich nicht erleben können. Abenddämmerung, der Nebel legt sich zu meinen Füßen, mit Formen, als wolle er nach mir greifen. Er bedeckt den Boden und lässt die Welt in einem Meer der Zeitlosigkeit versinken. Die Natur wird sich betten, der Nebel, ihre Decke für diese Nacht. Eine Decke ist auch von Nöten, die Temperaturen fallen bereits unter null auf der Celsiusskala. Der Winter lässt nicht mehr lange auf sich warten. Jährlich trägt sich dieses schöne Schauspiel zu, ein ewiger Kreislauf, der Kreislauf des Lebens. Für einige Monate versteckt sich die Welt unter dem Schnee, um dann wieder langsam aufzuerstehen, in voller Pracht und Schönheit, jedes Jahr schöner, faszinierend. Wird auch für mich ein Frühling kommen? Ich befinde mich bereits auf dem Heimweg, noch wenige Schritte vom Gebäude entfernt. Ein letztes Mal senke ich meinen Kopf und halte inne für einen Augenblick. Ich nehme Abschied von der Natur, welche in einen, dem Tode ähnelnden Schlaf befördert wird, damit sie im Frühjahr Wiedergeburt feiern kann. Wie die Natur, so muss auch ich noch einmal sterben, um neugeboren zu werden ... [SIZE=1]Ende November 2005[/SIZE] |