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  Forum: Nebelpfade
    Thema: Irgendwie...
Nachtelbin...ist es komisch.

Gestern bin ich mit dem Zug von Kassel zurück nach Gifhorn gefahren, die dritte Etappe ging von Hannover aus gen Heimat.

Ich habe gerade meine beliebte halb-lieg-halb-sitz-Position eigenommen und einen kleinen Jungen dazu angestellt, mir mit meiner Zeitung Luft zuzufächeln (er wollte es so, wirklich, er hat sogar gefragt, ob er darf. Hat dann auch ein Bonbon erhalten ;)), als an meine Ohren die typische Frage drang, die immer sonntags am Spätnachmittag auf Deutschen Bahnhöfen auftaucht.

"Hallo, haben sie ein Wochenendticket?"

Ich öffnete meine Augen und erblickte ein Gesicht, das mich beinahe veranlasst hat, sie wieder zu schliessen - unsymphatisch, ungepflegt und irgendwie wohl nicht so ganz mental fit.

Aber ehrlich, wie ich nun mal bin, bejahte ich, mit dem Einwand, dass ich es noch bräuchte, woraufhin er mich darauf hinwies, das man mit bis zu fünf Personen fahren kann. Gut, ich habe es also nicht verhindern können und der unsymphatische Mensch setzte sich mir gegenüber.

Ca. 40, ungepflegt, einen seltsamen Geruch ausströmend saß er also da und fing sofort an zu erzählen. Ob ich denn auch so ein "heisses" (muahaharr, Wortspiel seinerseits *schauder* ) Wochenende erlabt habe, wie er, wo ich herkomme, was ich da gemacht habe etc. pp..

Die Zeitschrift, die der Wedeljunge (der dann übrigens auch noch auf mein Ticket fuhr) nachdem der Mann sich zu mir gesetzt hat, wieder zu mir gelegt hatte, fiel nun dem Mann ins Auge.

"Soso, Psychologie Heute, ja? Sind sie Psychologin?"

Als ich lachend verneinte, kam er darauf zu sprechen, dass seine Bekannte ( [I]nur[/I] Bekannte, wie er betonte) wohl an der Uni wohnt und ihm öfter Zeitungen von dort schicken würde. Dann bat er mich, die Zeitung mal sehen zu dürfen. Im Gegenzug bot er mir seine Rätselzeitung an. Nun ja, höfliches durchblättern meinerseits, immernoch ein wenig Ekel beim Gedanken daran, dass ich eigentlich noch vor hatte, diese Zeitung, auf der nun seine, doch recht dreckigen Finger ruhten, abends im Bett zu lesen..

Nach kurzer Pause redete er dann weiter, was ich in Kassel so gemacht habe, ob wir abends weggegangen sind...er kennt die DarkArea auch und findet sie ja ganz toll, obwohl sie seiner Meinung nach ja so hart an der Grenze verliefe..mit vorfreude darauf, dass ich die Antwort eh schon mitsprechen könnte, fragte ich mit breitem Grinsen "an der Grenze zu was...?"

"Nun ja, an der Grenze zum Okkulten". Volltreffer. Nachdem ich ihn dann erstmal aus seiner Vorurteilskiste hab berichten lassen, habe ich dann erstmal berichtigt, dass es dort wohl öfter an der Grenze des guten Geschmacks zuginge, aber sicherlich nicht mit okkulten Praktiken..

"Aber die Grufties.." ja, ja die Grufties...er habe einen Sohn, der "wohl auch so einer ist", der "so etwas wie Metal, nur härter" höre und halt nur schwarz trage.

([B]Hallo, Sohn von dem, falls du dich hier herumtreiben solltest, ich habe ein gutes Wort für dich eingelegt (und ich rate dir, du tust gut daran jetzt auch tatsächlich kein EvilSatanist666 zu sein) und dafür gesorgt, dass du bald wohl von Vaddern mit der Spektrum der Wissenschaft beliefert wirst um deinen astronomischen Interessen entgegen zu kommen! Meine Kontonr. bitte erfragen, ich nehme aber auch Blankocheques ;) [/B])

Nach Aufklärungsarbeit meinerseits (der vage Versuch, da doch zumindest ein bisschen verschiedene Strömungen zu differenzieren, ging kläglich mit seiner Reaktion unter: "Ach...ihr bekommt da so energetische Strömungen von..?" ).

Nachdem wir das Thema dann abgeschlossen hatten (so mehr oder weniger, er wird immerhin jetzt jeden schwarzen den er trifft fragen, an was er glaubt), kam er nocheinmal auf die PsychologieHeute zu sprechen, warum ich mich dafür interessiere, wie ich dazu gekommen bin.
Inzwischen fand ich ihn zwar immernoch etwas streng riechend, aber zumindest schon mal etwas symphatischer, auch wenn er irgendwie nicht so ganz frisch wirkte (könnte auch mit seinem Spruch "nichts an mir, alles in mir, höhöhö" zu tun haben).
Nun ja, ich erzählte dann, dass ich halt etwas mit psychischen Erkrankungen/Erkrankten zu tun hab..wie das komme, wollte er wissen, nun ja, aus irgendeinem unerfindlichem Grund berichtete ich dann von meinem Klinikaufenthalt und prompt hörte ich ein "das kenne ich, ich war auch schon mal in einer, hab ich mir bei dir aber irgendwie auch gedacht, das du anders bist".

Im weiteren Verlauf hörte er mir in meiner Erklärung verschiedener Psychischer Krankheiten absolut interessiert zu...wir kamen dann auf die Gesellschaft und ziemlich viele Dinge zu sprechen, wobei unsere Meinungen doch recht stark übereinstimmten. Zum Schluss fand ich ihn doch recht nett, wenn auch sehr ungepflegt.

Das war so ein Erlebnis, bei dem ich mich mal wieder frage warum?

Warum sind fast alle Menschen, die mich bisher einfach so angesprochen haben irgendwie psychisch "vorbelastet"? Sind einfach fast alle Menschen heutzutage psychisch krank oder "sucht" sich sozusagen "gleiches" gegenseitig? Kann es einfach Zufall sein, oder hat man doch irgendetwas an sich, das "war schon in der Klapse" aussagt?

Hat man eine andere Ausstrahlung als "psychisch Kranker"? (nein, ich meine nicht so etwas wie gelegentliches Zucken, leises vor sich hin flüstern oder das Reden mit einem imaginären Freund)

Gruß, die Nachtelbin
Julyajetzt mußte ich zum schluß richtig laut loslachen, liebe elbin....

...

wie ich dir ja gesagt habe, kommt es mir in letzter zeit auch immer merkwürdiger vor, daß ich nur leute kennenlerne, die entweder schonmal in der klapse, in psychotherapeutischer oder psychiatrischer behandlung sind/waren....

oft, wenn ich irgendwo auf einem erhöhten punkt stehe (auf einem balkon, einer aussichtsplattform, einer treppe) von wo ich eine menschen gruppe überschauen kann, zähle ich im geiste eine handvoll menschen durch und sage mir dann beim dritten oder vierten, daß derjenige bestimmt auch schonmal in einer klinik war...
ich glaube schon, daß sehr viele "einen schaden" haben, aber ich glaube auch, daß menschen, die psychisch krank sind, oft sehr sensibel auf andere kranke sind. auf die gestik und mimik, auf die sprache, auf einzelne aussagen und "hinweise".... man merkt sowas schnell und reagiert dementsprechend, so daß dann wohl eine art verbundenheit entsteht....

liebe nachtelbin, vielleicht sollten wir für das wochenende einen abwechselnden thread schreiben.
zuerst du, dann ich, dann du, dann wieder ich.. usw.... oder soll ich anfangen? wie du magst!
weißt du, wie eine vorsetzungsgeschichte..... :)



~julya~
SchwarzbärZumindest scheinst Du Dich auf Deinen Zugreisen nicht zu langweilen *lachmit*.

Seltsam. Tatsächlich habe ich ähnliche Erfahrungen gemacht. Irgendwie merke ich es immer schon sobald das gespräch eine seltsame Wendung macht wie "Was ich alles schon erlebt habe.." Ich denke bevor ich mir persönlich ein Bild machen konnte von was man alles so erleben konnte habe ich das einfach als aufschneiderei abgetan und mich nicht weiter dafür iunteressiert. Ich denke, daß man in der Klapse durch diverse Gespräche darauf geschult wird zu erkennen, was zumindest in etwa im anderen abgeht. Es gibt nonverbale Kommunikationsarten, die einfach gewisse Zielgruppen anspricht. So ergab es sich früher immer, daß wir als Kiffer uns fanden. Mittlerweile lerne ich weniger Kiffer als psychisch Labile kennen. Ob es ein Fortschritt ist weiß ich nicht, ich denke aber das sich auch das mit der Zeit geben wird...
Sicherlich können Autofreaks oder sonstige speziell ausgerichtete Freaks von ähnlichen Erfahrungen berichten.
NachtelbinDas mit dem Kiffen stimmt...schon seltsam.

Aber es sind irgendwie so viele Menschen, die anscheinend schoneinmal in "der Klapse" waren...woran liegt das...ist es der Stress, heutzutage, die gesellschaftliche Entwicklung..ich denke, es war früher einfach sehr verpönt, schoneinmal in einer Klinik gewesen zu sein...heute kann damit gelebt werden.

Ich erinnere mich noch an so ein Ulk-Lied, das meine Oma immer sang: "Du bist verrückt mein Kind, du musst nach Berliiin, wo die Verrückten sind, da jehörste hiin.."
Machen Städte die Menschen tatsächlich "psychisch labiler", sind deshalb heutzutage alle zumindest auf Eigendiagnose ~depressiv~ (was immer das im weitläufigem Sinne für den einzelnen auch heissen mag) ? Oder ist es doch wirklich so seltsam und ich treffe nur "solche"...
SchwarzbärHeute bin ich Zug gefahren und habe dort interessante menschen kennengelernt. Zunächst unterhielt ich mich über alle möglichen Bahngeschichten mit dem Getränkemann. In Wilhelmshöhe, als er seine Tour begann, stieg ein Mann zu, der mich ansprach ob ich mich mit dem Rauchen in Zügen auskenne. Bereitwillig gab ich ihm das vorher von Schaffner und Getränkemann berichtete weiter. Er setzte sich neben mich und wir unterhielten uns bis Marburg. Er käme aus Puerto Rico und habe dort einen Verleih für Motorräder und Geländewagen. Er zeigte mir stolz einige Flyer und sein Logo. Er wäre hier zu Besuch, da in seiner Wahlheimat gerade Regenzeit herrschte. Interessiert hörte ich zu und stellte Zwischenfragen. Auch er fragte mich nach meinen Interessen und so.. der langen Reede kurzer Sinn: Weder Kiffen noch Psychoklatschen verbanden uns nur die Tatsache das wir wohl am Freakigsten aussahen. Meine Schwester kommentierte mein Outfit mit den Worten: Ich würde Dich so wie Du rumläufst schon mal vorsorglich einsperren. Dabei trug ich nur meine Arbeitsklamotten in kombination mit meinem Sonnenhut und meinem normalen Schmuck. Vor sozialer Kompetenz strotzend wollte ich dann auch gleich einem Justizbeamten, der sich auf der Rückfahrt in meinem Abteil befand, ein Gespräch aufdrücken, Gab es dann allerdings auf und witmete mich der Landschaft.

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