| Sylpha | Ich gehe die Straße lang. Sehe in den Himmel und ziehe an meiner Zigarette. Von ihm geschnorrt, für den Heimweg, eine Art Wegzehrung. Die Sterne funkeln am Himmel, verträumt und leise. Die grau-braunen Häuser schauen mitleidig auf mich herab. Ich ziehe erneut, die Hälfte ist abgebrannt, doch ich habe noch mehr zu laufen. Sie hält mich davon ab, über das Geschehene nachzudenken. Noch ein Zug. Ein Auto fährt an mir vorbei. Ich kann die Gesichter der Insassen nicht erkennen, die Scheinwerfer strahlen zu direkt in meins. Ich bin mir nur sicher, dass sie meine verheulten Augen gesehen haben. Verheult, wegen ihm. Und mir. Ich ziehe wieder, bleibe stehen und wende mein Gesicht dem Himmel zu. Atme aus. Der Rauch tanzt in die Sterne und verweht. Heute ist die Nacht besonders klar, die Sterne besonders viel und besonders sanft. Sie bauen eine Stätte für meine Sorgen, eine Zuflucht für meine Gedanken. Ein Haus für meine Verzweiflung. Ich genieße die warme Nachtluft. Zumindest fühlt sie sich warm an, wahrscheinlich ist sie das aber nicht. Wahrscheinlich bin ich nur kälter. Die Hitze der Leidenschaft, des Verlangen, was mich überkam, ist nun vereist. Aus der brennenden Begierde und dem sich immer mehr bestätigenden Gefühl, dass ich viel für ihn empfinde, ist nun gefrorene Asche übriggeblieben. Ich ziehe zum letzten Mal und werfe den Stummel weg. Gehe, beginne zu denken. „Du warst wieder dumm genug, dich zu verrennen, wieder dumm genug gegen dich zu verstoßen, dich selbst zu betrügen.“ Ich denke an ihn. „War doch schön, war doch das, was du dir gewünscht hast. Zuneigung, in körperlicher Hinsicht.“ Ich denke an mich. „Du hast ihm gesagt, was er dir bedeutet, was du gern für ihn wärest.“ Ich denke an mein Versprechen, mir und meinem damals blutenden Herz gegeben. Die nächste Zeit wollte ich mich nicht mehr verlieben, nicht noch einmal, nicht in der nächsten Zeit. Jetzt schweigen Seele und Herz, gewöhnt an die Verletzungen. Ich biege um eine Ecke und laufe den letzten Berg hoch. Mir wird immer noch nicht kälter, obwohl der Wind mir mehr in das Gesicht pfeift. Ich denke an das, was er mir geantwortet hat. Gute Freundin... gibt eine andere... findet mich anziehend... nett... Ich wende noch einmal mein Auge zum Sternengewölbe und finde keinen Trost, außer, dass er wenigstens ehrlich war. Ehrlich, aufrichtig, offen. Wenigstens. Die letzte Kurve, ich stolpere über meinen Mantel, über ein Schlagloch und kleine Steine, zumal meine Beine langsam schwer vor Kummer und Selbstmitleid geworden sind. Vor der Tür angekommen, es brennt Licht in manchen Zimmern, krame in meiner Tasche und finde meinen Schlüssel. Zu Hause. |
| BlackDawn | Deine Geschichte ist ebenso meine Geschichte, aber sie ist schon länger her - schon fast vergessen. Sich verlieben und dann stürzen, fallen und nie aufhören zu fallen, auf rettende Arme warten, aber keine kommen sehen. Ein tiefes dunkles Loch, dreckig, kalt, allein. Wimmern - und niemand hört. Man wünscht sich doch so sehr Wärme und ein paar Arme, das einen festhält und einen schützt. Aber irgendwie ist da nichts. Nur Träumereien. Gerade wenn man so einsam ist, verliebt man sich schnell. Man will einfach so schnell wie möglich weg von diesem Gefühl. Aber leider "verrennt" man sich oft, hat sich wieder "getäuscht". Und dann kommt eine Zeit wo man langsamer fällt, wo man mehr Licht um sich sieht und wo man sich ohne jemanden akzeptiert und dann ist man offen für Liebe und Wärme und wird sie auch finden. Das alles ist keine Anleitung, wohl eher eine Beschreibung von Zuständen, die man kaum beeinflussen kann. |
| Sylpha | [QUOTE][i]Original geschrieben von BlackDawn [/i] [B]... Sich verlieben und dann stürzen, fallen und nie aufhören zu fallen, auf rettende Arme warten, aber keine kommen sehen. Ein tiefes dunkles Loch, dreckig, kalt, allein. Wimmern - und niemand hört. Man wünscht sich doch so sehr Wärme und ein paar Arme, das einen festhält und einen schützt. Aber irgendwie ist da nichts. Nur Träumereien.[/B][/QUOTE] Ja, so kann man das auch ausdrücken. Wobei die Träumereien am meisten weh tun. Und die die Tatsache, dass es mir schon oft so ergangen ist. Aber der Nachhauseweg war da mal wieder gut zum Reflexieren. [QUOTE][i]Original geschrieben von BlackDawn [/i] [B]Das alles ist keine Anleitung, wohl eher eine Beschreibung von Zuständen, die man kaum beeinflussen kann. [/B][/QUOTE] Habe ich auch so verstanden. Und das macht mir auch Hoffnung, dass es sich irgandwann verliert und ich das Ganze hinnehmen kann. ... |