| Carcas999 | Überall nur Menschen, Menschen, Menschen. Alles ist so überfüllt davon, ich bin nur auch noch ein Teil dieser riesigen Masse. Ich setzte mich nieder, auf den Stufen vor dieser weißen Kirche, Sacre Coeur. Schon von weitem sah dieses Gebäude aus wie aus einem Märchen entsprungen, mit seinem hohen Kuppeldach. So erhaben wie es auf dem Hügel trohnt. So viele Stufen die steil nach oben führen. Doch nun wo ich hier bin möchte ich gar nicht mehr hier sein…denn hier kann ich nichts mehr von der Schönheit des Ortes ausmachen, dafür ist das Gedrängel zu groß. Das einzige freie Plätzchen habe ich mir ergattert, vor mir ein Pärchen, hinter mir quetschen sich die Menschen aus allen Ländern an mir vorbei, hoch und runter. Meine Mutter ist mit meinen Brüdern in die Kirche gegangen, eigentlich wollte ich mit ihnen gehen. Bis ich diese vielen Menschen gesehen habe…Menschen ohne Gesicht… Eine Kirche sollte doch ein Ort der Ruhe sein und keine Touristenattraktion. Es wirkte so mechanisch, als wüssten die meisten nicht mal wo sie waren, hauptsache sie waren hier. Mein Vater wartete unten auf uns, er war von Anfang an skeptisch gewesen und musste natürlich mal wieder alles schlecht machen. So saß ich dort, beobachtete das Treiben um mich herum, drehte mich ab und zu zum Ausgang der Kirche um meine Mutter nicht zu verpassen, sollte sie rauskommen. Als ich wieder hochblickte, an den Beinen einer älteren Frau vorbei, die meinte genau in meinem Blickwinkel stehen bleiben zu müssen, trat plötzlich dieses Mädchen aus dem Tor. Ich wollte mich schon wieder wegdrehen als der lange Rock mir in die Augen stach, so leuchtend bunt zwischen all dem Grau. Orange, Gelb, Rosa, sie schien wirklich zu strahlen…die Schuhe darunter blau… Mein Blick wanderte höher, über eine grüne Strickjacke bis hinauf zu ihrem Gesicht. Da war ich mir nicht mehr sicher ob sie so jung war, denn etwas sagte mir sie müsse viel wissen und gesehen haben. Sie war einfach…alterslos. Für einen Moment spielte sie mit ihrem braunen Haar um es dann wieder auf ihre Schultern fallen zu lassen, der ganze Ausdruck auf ihrem Gesicht wirkte so glücklich. Und ihre Augen…so etwas habe ich noch nie gesehen. Als sie meinen Blick bemerkt lächelt sie mich an. Sie schaute nicht weg, oder blickte in Argwohn auf mich hinab, wie es sonst die meisten tun. Nein, sie lächelte… Und etwas lag darin… Noch immer lächelnd ging sie an mir vorbei die Treppe hinab und schenkte ihr Lächeln dieser Welt. Gab ihr etwas zurück für die Schönheit die jeder andere missachtete. Sie verschwand in der Menge und auch später noch habe ich mich immer wieder umgeschaut nach diesem wundersamen Wesen, hätte dieses Gesicht gern noch einmal sehen dürfen. Obwohl es nur ein paar Sekunden gewesen sein müssen war es eine seltsame Begegnung… Ich wünschte meine Augen könnten so etwas fesselndes ausstrahlen. Diese Vollkommenheit, dieses Glück…. Sie musste der glücklichste Mensch sein den ich je gesehen habe…und das hier wo ich noch fast kein einziges glückliches Gesicht gesehen habe. Auf einmal lächelte auch ich… |
| Sternenstaub | Kleines, mir ist im Flugzeig nach Frankfurt etwas Ähnliches geschehen...sie war auch alterlos Doch eientlich eine alte Dame. Und wunderschön. Und sie lächelte und sprach mich an...strahlte so eine Weisheit aus... ...nur eine Assoziation... Danke für den schönen Text. Fühl Dich gedrückt, V. |
| Carcas999 | danke mein sterni... Gerade sind wir zurückgekommen in unser Hotelzimmer, es war ein anstrengender Tag, meine Mutter hat uns mal wieder durch die Gegend gehetzt. Ich ziehe meinen Mantel aus, werfe ihn aufs Bett und es zieht mich direkt wieder zum Fenster. Draußen. Der Ausblick ist wundervoll, nur das riesige Hochhaus links stört das Bild der alten Häuser mit den kleinen Balkonen ...ein paar Lichter in der Ferne, doch noch ist es zu hell um sie deutlich zu sehen. Irgendwann ist es dann ganz dunkel, der Himmel mehr schwarz als dunkelblau, ich schaue noch einmal raus, keine Sterne, wahrscheinlich sind der Wolken zu viele. Ein großer schwarzer Schreibtisch steht genau vor der Fensterscheibe, er stört mich etwas. Mein Bruder liegt schon im Bett, ein Buch in der Hand. Mir ist kalt, ich zittere ein wenig und schlinge deshalb die rauhe Decke um mich. Dann schnappe ich mir mein Tagebuch und einen Stift, klettere auf den Schreibtisch, bleibe erstmal mit der viel zu großen Decke hängen, setze mich auf die Fensterbank. Mein Bruder schaut fragend zu mir hoch "Was machst du da?" Ich zucke mit den Schultern und schaue wieder hinaus. Er guckt mich noch einen Moment lang an, konzentriert sich dann wieder auf sein Buch. Die Musik, eine der Orkus-Cd's, stört das Gefühl was sich in mir ausbreitet...ich strecke den Arm aus - Kälte- und drehe sie leiser. Dann lehne ich mich wieder zurück, die Decke noch enger um mich geschlungen und mein Kopf liegt an der - Kälte- Scheibe . Mein Blick geht gerade nach unten, ich sehe nur ein schwarzes Loch, wie hoch sind wir hier eigentlich? Dann schaue ich auf mein Bett, auf die kleine Rosenblüte die ich heute gepflückt habe und die nun in einem leeren Joghurtbecher steht. hmm... Ich schlage das Buch auf und beginne meine Eindrücke festzuhalten. Nur einzelne, unzusammenhängende Wörter auf schon blutbeflecktem Papier... Draußen sehe ich wieder die Lichter, ein Flackern in der Ferne. Im Gegensatz zu manch anderer Großstadt ist es hier sogar verhältnismäßig dunkel. Rechts von mir ist es jedoch besonders dunkel, man kann nichts erkennen...wie ein quadratisches Loch, dass aus der Stadt hinausgeschnitten wurde. Es wirkt richtig tot. ...nun...es ist auch der Friedhof... Meine Gedanken weichen ab von dem was ich niederschreiben wollte... Ich fühle mich so winzig klein, hier, hoch über den Straßen. Ich denke an zuhause, an euch, was machst du wohl jetzt? Ich glaube, ich will es gar nicht wissen. Ich vermisse euch...hier bin ich allein, allein mit dieser Familie und habe keine Ort an den ich flüchten könnte...und doch versuche ich dass, was diese Stadt ausstrahlt, wahrzunehmen.... ...meine Gedanken wandern hin und her Ich werde immer müder, vielleicht sollte ich lieber ins Bett gehen, morgen würde ich wieder früh geweckt werden, aber ich würde dennoch viel lieber hier ausharren... ...warten auf nichts... |