German Gothic Board
 
Boardansicht: Klick HIER und betrachte das Thema mit allen Funktionen direkt im Board.

 
  Forum: Nebelpfade
    Thema: memento mori
Ford PrefectHannover, HBF.
Ich steige aus dem IC und stelle fest, daß ich mehr als eine Stunde bis zum Anschlußzug habe.
Einen Fluch in Richtung DB verschlucke ich.
Denn ich bin neugierig auf diese Stadt, die ich kaum kenne und von der ich in einer Stunde zumindest einen Eindruck mitnehmen will.
Ich verlasse den Bahnhof.
Stilsicher unterirdisch - wozu ist man Gruft ?
Passarelle nennt sich das Teil. Glaube ich zumindest.
Irgendwo da draußen ist der Club Rotation, wo vor vielen Jahren mal die Residents gespielt haben. Meine einzige Erinnerung an Hannover. Eine schöne allerdings.
Ob es den Club noch gibt ?
Zeit zu suchen habe ich nicht...
Ich verlasse die Fugängerzone.
Sehe eine Art Park.
Mitten in der Stadt.
Nicht groß - aber doch so, daß es nicht wie ein paar Blumentöpfe, sondern wie eine Grünfläche wirkt.
Allerdings eine mit einer Reihe von alten und schönen Bäumen.
Ruhig ist es hier - und das, obwohl ringsum der Verkehr pulsiert.
Was mir auffällt, förmlich in die Augen sticht, sind ein paar alte Grabmäler.
Verwittert.
Lesen kann man kaum etwas.
Ein Name hier, eine Jahreszahl da.
Irgendwas mit 1600...
So alt ?
Und über die Jahrhundert kam niemand auf die Idee, die Gräber unter zu pflügen und vielleicht etwas Sinnvolles darauf zu bauen. Ein Parkhaus vielleicht oder einen Mc. Donald ?
Ich bekomme eine Hochachtung vor den Stadtvätern, die diese paar Bäume und Grabsteine erhalten haben.
Viel ist es nicht, zugegeben.
Aber doch ein Ort der Ruhe und der Besinnung in einer recht lauten und hektischen Stadt.
Und ein Ort, an dem meine Gedanken wandern.
Tod.
Sterben.
Normierte Gräber wie hier bei uns auf dem Friedhof.
30 Jahre und das Grab verschwindet.
Ohne wenn und aber.
Dort nicht.
Memento mori - Gedenke der Toten.
Und zugleich Gedenket des Todes.
So sagte man im Mittelalter.

Warum nicht ?

Wer den Tod verneint, verneint den Wert des Lebens, des einzigartigen, unverwechselbaren, kostbaren Lebens.

Memento mori...
Soviel sollte das Leben wert sein.
Ford Prefectoder mit Francois Vilon gesagt:

"Was dann noch von dir übrig bleibt
reicht gerade noch, eine neue Tulpenart zu düngen"

Also: Carpe Noctem !
SchattenwesenNa ja, ich bin in 40 Jahren wahrscheinlich noch nicht tot... *hoff hoff*
Aber den Gedanken daran finde ich schrecklich. Nicht mehr zu [I]sein[/I], irgendwann aus jeglicher Erinnerung verschollen, nur noch ein Knochenhäuflein. Ich habe eine ganz furchtbare Angst vor dem Tod, vor dem Nichts.

[QUOTE]Wer den Tod verneint, verneint den Wert des Lebens, des einzigartigen, unverwechselbaren, kostbaren Lebens.[/QUOTE]

Ich verneine den Tod nicht, versuche aber möglichst wenig darüber nachzudenken. Ich kann mich in diesen "Alles wird enden"- Gedanken mehr verlieren, als gut für mich ist...
Ford Prefectich habe auch nicht vor, mich dauernd mit dem Tod zu beschäftigen. Ich akzeptiere ihn als Teil des Lebens. Weiche ihm aber nicht aus, indem ich Reinkarnationslehren oder so konstruiere.
NnordyFriedhöfe - ein Ort für die Toten? Oder doch eher ein Ort für die Lebenden? Ich habe mir diese Frage oft gestellt, wenn ich bei meiner Omi am Grab saß und all die alten Leutchen gesehen habe, die die Gräber ihres Liebsten/ihrer Liebsten gepflegt haben... Friedhöfe üben auf mich zwar immer noch eine faszinierende Anziehungskraft aus - wegen der Stille, die man sonst in der Stadt nirgendwo findet, wegen der Atmosphäre aus Frieden und leisem Kummer, aus Gedanken an vergangene Zeiten, aus Gefühlen der Liebe und Dankbarkeit, dazwischen aber auch immer ein Hauch von Bitterkeit und Gram - gerade an Kindergräbern sind letztere häufig stark vorhanden... Und ich ertappe mich dabei, daß auch mir an solchen Gräbern manchmal die Tränen in die Augen steigen - aber mehr aus Trauer um die Zurückgebliebenen als um den, der gegangen ist... Für mich birgt der Tod keinen Schrecken - das tat er noch nie. Der Tod ist - für mich - eher etwas wie die sanfte und beruhigende Nacht nach einem grellen, wahnwitzigen Tag... Angst habe ich lediglich vor dem Sterben, vor einem langsamen Dahinsiechen - was wahrscheinlich der Grund war, warum ich schon mit 12 versucht habe, meinem Leben ein vorzeitiges Ende zu setzen...

Friedhöfe brauche ich nicht, um mich an die Toten zu erinnern, mit all der Dankbarkeit und Liebe im Herzen. Friedhöfe sind Gedenkstätten für die Lebenden. Die Toten wohnen in unseren Herzen, unseren Gedanken, in dem, was wir sind und was wir tun. Wie sie uns zu ihren Lebzeiten beeinflußt haben - das kann uns niemand wegnehmen. Nicht der Tod und nicht das Vergessen.

Angst vor dem Tod braucht man nicht zu haben. Nicht umsonst wird der Tod auch "Bruder des Schlafes" genannt. Annehmen und akzeptieren - das nimmt ihm den Schrecken, den er für viele Menschen hat. Der Tod kann ein Freund sein - wenn man ihn läßt...

Nachdenklich... Nnordy
Ford Prefectnein...
"Brauchen" tun wir Friedhöfe nicht um Respekt vor dem Tod zu bekommen.
Da gebe ich Dir Recht.

Aber ich finde, daß ein Friedhof ein Ort ist, an dem ich mich besser auf den Tod einstellen und mich besser mit dem Tod beschäftigen kann als wenn ich z.B. im Fernsehen Tote sehe.

Ich "brauche" einen Friedhof als Ort der Ruhe und der Besinnung. Das schon.

German Gothic Board
 
Boardansicht: Klick HIER und betrachte das Thema mit allen Funktionen direkt im Board.

 

German Gothic Board

Startseite Chat Grüße SchwarzKultur