| Vargo | Ich steige an der Haltestelle Friedrichswahl aus der Bahn, die Nacht ist bereits da. Es ist kurz vor 12. Im Schutz meiner Hand entzünde ich eine Zigarette und lasse den Tag nochmal an meinem inneren Auge vorbeirauschen. Rausch trifft es ganz gut, ich bekomme alles nur noch mit wie in einem Drogenrausch, verschwommen, unklar, man kann es schon beinahe Apathie nennen. Ich wachte recht spät auf, so gegen 13 Uhr und ging direkt unter die Dusche. Das Bad war eisig kalt, ich hatte am Tag davor vergessen die Heizung anzumachen. Warmes Wasser kommt aus dem Duschkopf und ich lass es an mir herabperlen. Duschen ist eine Sache die mich aufweckt, mir gut tut, ich liebe das Gefühl des Wasser's auf meiner Haut. Als ich aus der Dusche kam fingen die Anrufe an. Erst meine Oma die mir alles gute zum Geburtstag wünschte, dann mein Vater. Ich setze mich auf meine Couch und dreh die Anlage etwas auf um Ruhe zu bekommen. Wieder schellt das Telefon, es ist wieder meine Oma, die mir erzählt wie ungehalten sie wegen meinem Bruder ist. Ich sage nur immer wieder "Ja", "Nein" und "Mhm". Ich stelle mich an mein Fenster und blicke heraus auf die Straße, dabei genehmige ich mir wieder eine Kippe und genieße den Geruch des Tabaks. Gegen 15 Uhr setze ich mich etwas an den Pc und gehe E-Mails durch. Genau eine, Werbung für Vigra und Valium. Der Löschbutton ist rasch gedrückt. Eine Weile lang surfe ich noch durch das Netz, dann mach ich mich bereit los zu gehen, ich bin mit meiner Mutter verabredet. Um 18 Uhr soll ich bei ihr sein, so um 18:30 Uhr komm ich an. Ich begrüße sie mit einer Umarmung und geh dann in das Esszimmer wo Geschenke auf mich warten. Während sie kocht packe ich sie aus. Ein neuer Wecker, ich meine, warum nicht? Ich verschlafe manchmal auch mit meinem eigenen, zwei sind besser als keiner. Ich mache die nächsten Geschenke auf, Pflegeprodukte. Naja, brauchen kann man sie sicher irgendwann. Die letzten beiden sind Süßigkeiten und ein Gutschein über eine Lederhose. Letzteres hat mich wahrscheinlich am meisten gefreut. Das Essen wird gegen 19 Uhr serviert, Schnitzel mit Pommes, dazu ein Salat. Das Fleisch ist zäh, die Pommes sind kalt und ich allmählich frustriert. Ich führte ein bisschen Smalltalk mit meiner Mutter, ehe ich mich vor den Fernsehr setzte, während sie abspühlte. Nach kurzer Zeit kam sie hinzu und wollte "Wer wird Millionär sehen?". Ich bliebt ruhig und verfolgte die Sendung mit immer müderen Augen. Wir blieben eine Weile vor dem Fernsehr, sahen diverse Sachen an, bis es so 23 Uhr war, dann entschied ich mich zu gehen. An der Bushaltestelle machte ich mir wieder eine Zigarette an und wartete bis der Bus kam. Der Busfahrer schaute mich grimmig an als ich ihm meine Fahrkarte zeigte, dann ließ ich mich kraftlos auf den nächsten Sitzplatz fallen. Irgendwie hatte ich im Hinterkopf das die anderen Fahrgäste mich für betrunken hielten, weil ich etwas taumelte vor Müdigkeit und Kraftlosigkeit. Eine Weile starrte ich aus dem Fenster und sah Häuser, Laternenmaste und andere Menschen an mir vorbei rauschen. In einem Park saß ein Paar und knutschte heftig miteinander. Wieder wo anderst kappelten sich ein paar Halbstarke und lachten dabei. Dann hielt der Bus am Hauptbahnhof und ich stieg aus. Unten an der Haltestelle angekommen lehnte ich mich an einen Pfeiler und lehnte den Kopf zurück. Ich wollte niemanden sehen, als starrte ich die Decke an, die Leute um mich herum unterhielten sich über Dinge über die ich nicht mal nachdenke. Fußball, die Freundin des besten Freundes und dergleichen. Nach einer Weile fuhr die Bahn vor, ich stieg ein und blieb stehen, es waren noch genug Sitze frei, doch hatte ich Angst kraftlos einzuschlafen, sollte ich es wagen mich zu setzen. Die Bahn wankte ziemlich als sie losfuhr und wieder sah ich hinaus. Im dunkeln wirkt die Stadt so einsam und trostlos und doch mag ich sie so lieber. Es ist dieser melancholische Charm, wie nach einem Fallout. Leere Straßen, nur klamm beleuchtet und nur einzelne Menschen die umherlaufen und schnell heim wollen oder in den nächsten Club. Mein Blick schwankte nach innen, ein paar Türken saßen hinten im Zug und fotografierten sich gegenseitig mit ihren Handy's. Einer holte eine kleine türkische Flagge heraus und hielt sie vor das Handy, der andere drückte ab. Als sich zwei fotografieren lassen, drückte der eine, dem anderen einen Kuss auf die Wange, wodurch der Geküsste nur die Naserümpfte und sagte "Sick de Lan" (ich kann es nicht schreiben, aber es klang so). Es bildete sich mir ein Knoten in der Brust, der mich noch schwächer machte als ohne hin schon. Zwei Haltestellen vor meiner stieg ich aus, es war die Haltestelle Friedrichswahl. Und von hier aus machte ich mich auf den Heimweg. Was soll ich noch sagen? Es war einer der traurigsten Geburtstage meines bisherigen Lebens und ich zweifle langsam daran, dass ich wahre Freunde haben, wenn sie sich an diesem Tag nicht einmal melden. Aber es steht mir vielleicht auch nicht zu so zu denken, denn ich melde mich auch kaum, suche lieber die Einsamkeit und doch macht mich diese Einsamkeit schwach und mein Herz schwer. Alles gute zum 20. mir selbst. |
| Hirogen | glückwunsch nachträglich, hätten wir das im chat eher gewusst, hätten wir ne ordentliche geburtstagssause für dich geschmissen ;-) mfG Hirohito PS: und dieses "sick de lan" ist , wenn ich nicht irre, das schlimmste, was du zu einem türken sagen kannst ... |
| Surtr | [QUOTE][i]Original geschrieben von Vargo [/i] Im dunkeln wirkt die Stadt so einsam und trostlos und doch mag ich sie so lieber. Es ist dieser melancholische Charm, wie nach einem Fallout. Leere Straßen, nur klamm beleuchtet und nur einzelne Menschen die umherlaufen...[/QUOTE] ..., Stille und nur in der Entfernung ab und zu ein leises Rauschen von Autos, Bahnen oder Flugzeugen; verzerrt, wie durch die dichten Blätter eines Laubwaldes oder eine Lärmschutzwand - keine Hektik durch Menschen, die nur um sich selbst reden zu hören sprechen - nur der friedliche Eindruck, den die Nacht zuläßt. Ich kann Dich gut verstehen... [QUOTE][i]Original geschrieben von Vargo [/i] Was soll ich noch sagen? Es war einer der traurigsten Geburtstage meines bisherigen Lebens und ich zweifle langsam daran, dass ich wahre Freunde haben, wenn sie sich an diesem Tag nicht einmal melden. Aber es steht mir vielleicht auch nicht zu so zu denken, denn ich melde mich auch kaum, suche lieber die Einsamkeit und doch macht mich diese Einsamkeit schwach und mein Herz schwer.[/QUOTE] Mir liegen Geburtstage selbst auch nicht so - ich bin auch lieber allein und gebe mich meinen Gedanken hin, die mal gut, mal schlecht auf meine Stimmung einwirken. Meine Freunde, sofern ich jemanden so bezeichne, kennen das langsam ... und doch ist es gelegentlich doch schön, wenn jemand an diesen einen Tag im Jahr denkt. Aber, was soll ich dem von Dir geschriebenen hinzufügen ? Unsere heutige Welt wird immer hektischer und oberflächlicher und leider rückt der Mensch an sich immer weiter in den Hintergrund... Dennoch: Herzlichen Glückwunsch nachträglich in eine Stadt, die mir irgendwie sehr nah' am Herzen liegt... Surtr |