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  Forum: Nebelpfade
    Thema: Gedanken eines Tages
yawonDonnerstag, 20. Mai 2004; Feiertag, Christi Himmelfahrt
Sonniges Wetter; Vogelgezwitscher, ansonsten Stille.

Nun sitz ich hier, die Sonne scheint und doch bleibt es dunkel. Wie unverständlich war es mir als ich las von den Empfindungen einiger, die die Sonne, das Helle an sich nicht mehr erfreuen konnte oder gar verhasst war. Ja, und nun sitz ich hier in meinem Zimmer, die Sonne scheint und doch bleibt es dunkel in meinem Herzen. Die Sonne, sie hat nicht mehr die Kraft mich zu erheitern, sie vermag nicht länger mein Inneres zu wärmen, es herrscht Kälte. Erst konnte ich es nicht verstehen und nun muss ich es selbst erfahren, doch warum? Eine berechtigte Frage. Ist es die Assimilation? Will ich die Sonne nicht mehr in mein Herz scheinen sehen, da ich etwas hinterher sehne? Doch wenn es so ist, warum zieht die Tatsache, dass der Sommer so kraftlos für mich geworden ist, mich soweit herunter? Sie ist es also nicht, da ich vieles dafür hergeben würde um wieder im Seelenfrieden durch die Sonne laufen zu können, Glücklich unter dem blauen Himmel, wohlig gewärmt.
Was ist aber dann mit der schwarzen Kleidung? Trage ich sie, weil ich es selbst für richtig halte, oder weil jene Unerreichte dieses Erscheinen bevorzugen. Letzteres ist es wohl, um ehrlich zu sein. Natürlich nicht nur, aber zu einem guten Teil. Der andere Teil besteht aus jenem, was schon so viele versuchten zu erläutern und niederzuschreiben, ich denke ich sollte dieses unterlassen. Schwarz, Farbe der Trauer, des Todes. Nun, einen Teil meines Teils des Teils, werde ich vielleicht doch mal versuchen ansatzweise zu ergründen.
„Warum bist du ein Goth geworden?“ eine Frage die sich gegenseitig oft gestellt wird, daher habe ich sie hier geschrieben, obwohl ich die Wörter ‚Goth’ oder ‚Gothic’ nicht nennen wollte da sie zu schnell ins Klischeehafte zwängen und zu schnell verallgemeinern. Zudem, bezeichne ich mich selbst nicht als ein solcher, warum auch? „Es gibt Nichtchristen, die weitaus christlicher sind als so mancher Christ“ höre ich mich selbst und viele andere sagen. Das selbe ließe sich auch über Gothic sagen und mir ist es wichtiger etwas zu empfinden; etwas mehr als nur einen Namen. Aber das ist nicht der Kern des ‚Problems’, denn ein Goth ist zumindest nicht jener, der sich selbst als ein solcher bezeichnet, es bedarf dort noch eine gewisse soziale Bestätigung anderer gleichgesinnter. Ich schweife ab. Das Wort mit G ist zu oft gefallen. Also zurück, vom Allgemeinem zum kläglichem Individuum. Schnell noch etwas gelesenes, was sogar einen leicht kritischen Übergang bildet: „Vor lauter Individualismus tragen sie Uniform“...
Schwarz. Farbe der Trauer, des Todes. Nun, der Tod ist jemand, der viele der Szene die Richtung zeigte in der sie nun wandeln. In meinem Umfeld ist keiner Gestorben, und doch brachte mich der Tod dazu mein ‚Leben’ in die Dämmerung zu verlegen. Gestorben ist niemand in meinem Umfeld, jedoch in meinem ‚Infeld’. Ein Teil von mir ist gegangen, verstorben. Nahm mit die Freude an der Sonne, ließ zurück ein Gefühl der Leere. Und so sitze ich nun hier in meinem Zimmer, die Sonne scheint und doch bleibt es dunkel in meinem Herzen denn gleichermaßen sitze ich in meinem Innern vor meinem eigenem Grabe, wo kein Licht der Welt hinzukommen scheint. Mein Grab, wie sieht es wohl aus? Wachsen dort Blumen? Gibt es einen Stein, der daran erinnert, dass es einmal mehr von mir gab, als das was dort verkümmert im Staube vor einem Grabe kniet? Wie sieht die Umgebung aus? Liegen dort andere Vergraben, vielleicht gar welche, die ich einmal war? Vielleicht Andere die, zur hälfte verstorben, kniend zum öden Boden unter ihnen, zur Öde in ihnen schauen? Genau wie ich, genauso unfähig sich aufzuraffen, wieder zu atmen. Genauso unfähig anstelle sich einsam still umzuschauen, in Gemeinschaft zu sein? Leere. Unfähig aus seiner eigenen inneren Leere hinauszufinden um in die fülle der Öde zu wandeln. Mir fehlt die Kraft. Andere haben es geschafft, haben sich gemeinsam aufgerichtet, ich nicht. Bin auch selber schuld. So verbleibe ich wohl noch lange zeit, vielleicht gar für immer im Staub vor meinem Grab, allein.
So sitze ich auch morgen hier, die Sonne scheint und doch bleibt es dunkel.
Im laufe der Zeit, in der ich schrieb, hat sich der Himmel leicht zugezogen. Sollte ich nun traurig oder fröhlich darüber sein? Sollte es mir nun besser oder schlechter gehen? Ich weiß es nicht, denn ich fühle keine Veränderung, denn der Himmel über meinem Grabe hat sich nicht verändert. Wie sieht er aus? Ich weiß auch dieses nicht, denn warum sollte ich aufschauen?

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