| Sternenstaub | Es regnet. Ich stapfe in den Seminarraum. Total gehetzt und genervt. Dort sitzt er schon. Konzentriert liest er. "Bestimmt wieder etwas über Kleist", denke ich. Er hält sich die Ohren zu. Ich stupse ihn an, er erschrickt. Dann legt er sanft eine Hand auf meine Schulter und begrüsst mich. "Ich hab`mit "Dorian Grey" angefangen", berichtet er stolz..."Und Montag kommt die Zeitschrift mit meinem Aufsatz!" Ich grinse ihn an. Früher konnte ich mich in seiner Glatze spiegeln. Mittlerweile hat er ein paar feine, wuschelige Haare. Klein ist er, noch kleiner als ich. Eigentlich ist er seltsam. Mal spricht Kleist zu ihm, mal beteuert er, dass ihm sein Glied platzt, wenn er zu viel Henry Miller liest. Und ich sitze dann neben ihm und höre fasziniert zu. Manchmal sprechen wir auch über Ringelsocken. Oder ich versuche erneut, ihn erfolglos für Houellebecq zu begeistern ... Kennengelernt haben wir uns in einem "Französische Literaturwissenschaft" - Kurs. Es ist acht Monate her. Früher trafen wir uns jeden Dienstag im Bistro - und er hörte zu. Oder ich hörte zu, nahm seine Worte auf und bewahrte sie. Es waren immer schöne zwei Stunden. Es waren auch schöne Weihnachtsferien und ein wunderbares Die Happy Konzert. Er hatte mir zum Geburtstag eine Karte geschenkt. Und den ganzen Abend redeten wir. Ich weiß noch, wie ich auf dem Boden saß und frustriert vor mich starrte. Dann legte er mir seine Hand auf die Schulter. Und sagte ganz sanft "Wichtig ist, was in Deinem Köpfchen ist. Du wirst noch glücklich!" Ich erinnere mich an unseren Kinoabend. Und daran, wie er erst um vier Uhr Morgens heimgefahren ist. Ich glaube, meine Füße hatten sich in dieser Nacht in Eiszapfen verwandelt, weil wir in seinem Auto saßen. Und jedes Mal, wenn er von seiner Freundin erzählt wird er noch sanfter und seine blauen Augen strahlen so begeistert, dass es mein Herz erwärmt. Es ist immer noch Montag Mittag. Mittlerweile ist der Dozent da. Ich male Vampirsmilies auf seinen Zettel und er lacht. Ich habe Hunger und meckere. Er packt sein Butterbrot aus und gibt mir die Hälfte. Wir streiten uns flüsternd darum, wer die größere Hälfte behalten darf. Manchmal will er mir auch seinen angefressenen grünen Apfel geben. Aber den mag ich nicht. Der Dozent spricht von der nahenden Apokalypse Ich summe vor mich hin: "[I]Wach auf, mein Herz, die Dunkelheit ist nah...[/I] Und I. grinst mich an und summt mit. Die Vorlesung ist zu Ende. Er geht noch in die Bibliothek... forschen. Und ich fahre heim. [SIZE=1]danke für die Freundschaft[/SIZE] |
| Loup de nuit | Danke dafür, dass wir es miterlesen dürfen. Schön... |
| Nope | ja, hat mir auch gefallen. freundschaft ist schön... |