| enolA | wirre Leute sitzen in der Straßenbahn, die mich nach Hause fahren sollte. Ein kleines Kind fragt "was ist am Rheinischen Platz?" doch die Mutter zuckt nur desinteressiert die Schultern und widmete sich wieder ihrem Kinderwagen, im dem das andere Kind saß. .... "nichts schönes" sage ich, und damit habe ich definitiv Recht. "Was denn?" fragt das Kind und die Mutter schaut schon gereizt, schweigt. "Kneipen" sage ich und das Kind sagt "Mama, da sind Kneipen!" Die Mutter reagierte wieder nur mit Schulternzucken und das Kind schaute verträumt zu mir rüber, als wäre es froh, dass ich mit ihr rede. "Mama, da ist nichts Schönes" sagte das Kind wieder, es schien als hätte es die Hoffnung, endlich eine Antwort zu erhalten- doch die Mutter sagte keinen Ton. "Wie viele Haltestellen fahren wir noch, Mama?" fragte die Kleine wieder und die Mutter hob die Hand und zeigte eine 2. Ich hatte den Eindruck, sie sei stumm. "Stadtverwaltung" sagte die Stimme monoton aus der Ansage und eine Frau mit Hund stieg ein, hinter ihr noch eine dicke, die sich genervt umsah, sich neben die Hundefrau setzte und den Hund auf den Schoß nahm. Der fand das jedoch gar nicht lustig, wollte herunter aber er war an der Leine und hing nun in den Seilen. Die Frau ließ die Leine locker und der Hand fiel mit einem Krach auf den Boden und jammerte kurz, dann war er still. In der Straßenbahn war es verdächtig still. Niemand der grölte, heulte, laut redete oder diskutierte. Alle waren still, zumindest nicht sonderlich laut redend und es machte den Eindruck, als würden alle über den Untergang der Welt nachdenken. Depressive Stimmung, schlimmer als in der Klapse. Das Kind riss mich aus meinen Gedanken über den "rheinischen Platz", es sagte "am Wasserturm" in der gleichen monotonen und gelangweilten Stimme nach, wie es eine Sekunde vorher die Frauenstimme durch die Ansage getan hatte. "Maaaamaaaaaaa...?!" Die Mutter reagierte nicht und das Kind gab es auf. Ich hätte es am liebsten umarmt. Die Straßenbahn stoppte nun an der nächsten Haltestelle und die Mutter kramte ihren Kinderwagen aus der Ecke und latschte Richtung Tür, das Kind sah mich an, ging schweigend hinterher. Ich war stumm geworden. Ich wollte "tschüss" sagen, aber es kam nichts raus außer Luft. Ich winkte. Das Kind drehte sich um, ich lächelte und winkte noch mal und sie winkte zurück. Die Mutter bewegte den Mund. Ich glaub, sie war nicht stumm. Das Kind schaute noch mal zu mir, ich winkte, sie winkte, die Mutter sah auf und lächelte mich an. Ich entfernte mich. Haltestelle passiert. Ich sah die Straßenbahn Richtung Klinikum und dachte an meinen Therapeuten. Bemerkte meine Kopfschmerzen. Die Straßenbahn war leerer geworden. Die Fahrt über beschäftigte ich mich mit dem Kind und der Frage "was ist am rheinischen Platz?" und merkte gar nicht, wie wir uns der Haltestelle näherten, wo ich aussteigen musste. An der Kleinstraße stieg eine ältere Frau ein, ich wollte sie beobachten, sie hatte hektische Hände und nervöse Blicke, aber sie setzte sich zu weit entfernt hin und ich hatte meine Mappe, Tasche und Einkaufstüten und keine Lust, ihr hinterher zu gehen. Die Ansage plärrte meine Haltestelle und ich erschrak, beinahe hätte ich es verpasst auszusteigen. In Gleichschritt mit den anderen Menschen verließ ich die Bahn und setzte mich in Bewegung Richtung Wohnung. Mein Postfach war leer. Ich stieg in den Aufzug, die Taschen waren mir zu schwer und mein Kopf zu voll, als dass ich die Treppen laufen wollte. Ich dachte an den Pflegeunterricht und stellte fest, dass mich meine Dozentin und Kursleiterin nicht mag. Eigentlich wusste ich das schon vorher, aber ich hatte keine Lust, sonderlich drüber nachzudenken also ließ ich es dabei und bemerkte, dass der Fahrstuhl schon längst angekommen war, dabei fühlte ich mich noch so bewegt. Passiv. Mobilisation. Pflegeunterricht. Ich stieg aus und nahm meinen Schlüssel. Immer der gleiche, panische, leicht gehetzten Blick über den Flur, ob da wohl wer ist und schnell zur Wohnungstür- das Schloss klemmt etwas. In meiner Wohnung ist es warm. Zu warm. Fenster auf, aber ich habe keine Lust, dann wird es mir wieder zu warm. In der Luft liegt Spannung. Nur warum? Hier ist es einsam und nur der Hase knabbert an seinem Häuschen, nur die Musik, Alanis Morisette und sonst stille. Ab und an ein Auto. Klappern der Tastatur. Was ist da noch? Irgendwie. Nichts. |
| enolA | Die Tatsache, dass der rheinische Platz nichts schönes birgt, war dem Kind ja klar, als ich es letzte Tage in der Straßenbahn wieder traf. Die Mutter, mit Kinderwagen stellte sich wieder in die eine Ecke, diesmal war ich jedoch die gewesen, die die Straßenbahn als erste betrat. Ich setzte mich in einen leeren Zweier an der Tür und starrte in die Leeren des Tunnels, als sich die Straßenbahn in Bewegung setzte und ich das Kind bemerkte, das mich mit seinen Blicken fast hypnotisierte. Es stand an die Scheibe der Tür gelehnt, wirkte ziemlich groß und schaute verlegen zu dem noch freien Platz neben mir und ich lud es mit einer Handbewegung ein, sich zu setzten. Es wäre fast gefallen, als es mit einem schnellen Satz um die Ecke kam und sich auf den Sitz plumpsen ließ. Eine Weile sagten wir nichts zueinander. Es war noch nicht mal mehr Hauptbahnhof, noch waren wir am Wasserturm. Ich kam aus dem einem anderen Stadtteil und dachte an die Zulassung oder Ablehnung meiner Fahrkarte, als ich von dem Mädchen angetippt wurde. Scheue Finger tickten auf meinem Oberschenkel, das mich wieder an eine Szene aus längst vergangenen Tagen erinnerte und ich musste schlucken. Nervös nahm ich meine Cola light aus der Tasche, öffnete langsam, bedächtig den Deckel und starrte auf meinen Handrücken, auf die Finger, auf die Knochen, die sich zeigen und bewegen, wenn ich die Drehbewegung des Deckels mache. Ich war schon fast etwas fasziniert davon und nun tippte mich das Mädchen mit etwas bestimmterem Finger an und sagte "siieeeeee?" ich sah sie an und sah das erste mal ganz genau in ihre Augen und antwortete "duuuuuuu" das Kind lachte. "Wie alt sind Sie?" fragte es sichtlich interessiert, ich kam mir vor wie beim Verhör, fehlte nur noch Stift und Notizblock. "Ich bin älter als du" sagte ich in besonders gelassenem Ton und das Mädchen grinste. "und wo wohnen Sie?" fragte es weiter aber wurde auf einmal still, als die Mutter es mit strengem Blick ermahnte, solche Fragen nicht zu stellen. Ich sagte zu der Mutter mit einem lächeln "schon okay, was ich nicht beantworten möchte, verschwiege ich schon" und wandte mich wieder zu dem Mädchen, das mittlerweile unruhig auf ihrem Sitz herumrutschte. Ich habe die Reaktion der Mutter nicht abgewartet, ich scheute mich vor einer negativen Antwort, hatte Sorge sie würde das Kind bestrafen. "ich wohne in dem nächsten Stadtteil der kommt, und wo wohnst du?" "ich wohne in gleich hier vorne" antwortete das Mädchen schüchtern, so schüchtern, dass ich erschrak und erstmal still war. "Mama, wie lange fahren wir noch?" Die Mutter schwieg erst und blickte das Mädchen nicht einmal an, als auf einmal die Ansage ertönte die mich vor Schreck fast von dem Sitz kippen ließ. Um ein Haar, hätte ich die noch offene Cola light über der Hose des neben mir sitzenden Kindes verschüttet. "Hauptbahnhof" und die Straßenbahn hielt mit quietschen. Eine Horde junger Männer stürmte die Straßenbahn im hinteren Teil, der voll besetzt war. Direkt vor mir und dem Mädchen stiegen zwei ältere Menschen ein, sichtlich gebrechlich und mit ängstlich suchenden Blicken nach einem freien Sitzplatz. Sie hätten die Stufe in den leeren Vierer bewältigen müssen, so tippte ich das Mädchen an, was daraufhin geschockt zusammenfuhr, was mich wiederum erschrak und vergessen ließ, was ich dem Kind sagen wollte. Ich sah die alten Menschen an und stand auf, ohne das Kind nochmals zu berühren. Es war ein komisches Gefühl. Ich stand nun vor dem Kind, was irritiert zu mir hochblickte und ich sah das erste Mal auf den Kopf des Kindes und ging einen Schritt auf die alten Menschen zu. Ich nahm den einen alten Menschen unter den Arm, führte ihn behutsam zu meinem Platz und sprach nun das Kind etwas scheu an. "Geh doch da vorne in den Vierer, ich komme gleich nach, ich helfe eben noch" und das Kind hüpfte auf, und sprang die Stufe in den Vierer hoch. In der Sekunde kamen die jungen Männer grölend von hinten nach vorne geschossen und hätten fast die alten Menschen umgerempelt, wäre ich nicht dazwischen gewesen. Ich erschrak genauso wie die alten Menschen und schrie "passt doch auf!!" und geleitete noch den anderen alten Mensch auf den ehemaligen Platz des Kindes. Bedanken und ein freundliches nicken waren mein verdienst. Ich schulterte meinen Rucksack und ging in den jetzt Vollbesetzen Vierer. Das Mädchen saß, ich stand davor und ich sah, wie das Mädchen blasser wurde. Ich glaube, die nach Tabak und Bier riechenden Männer ängstigten es. Die Ansage ertönte erneut "rheinischer Platz" und das Kind nahm ein verzerrtes lächeln im Gesicht an, ich starrte geschockt auf ihre Hände und Beine, die sich mehr und mehr ineinander vergruben. "Nichts schönes" sagte es leicht verwirrt und ich nickte mit klopfendem Herzen. "nichts schönes" wiederholte ich und die Straßenbahn setze sich erneut in Bewegung. Das Grölen der Männer, die diskutierenden alten Menschen ein paar Schritte von mir entfernt und die anderen Menschen die sich stritten und neckten führte zu einer Reizüberflutung meinerseits. Was das Kind dachte, konnte ich nur erahnen, aber mich ängstigten die Gedanken des Kindes aber ich wollte es doch wissen. Ich sah das Mädchen an, sie sah mich an, zurück auf ihre Hände und erblickte ihre Mutter, die sie nicht einmal ansah. "Ist das dein Geschwisterchen?" fragte ich betont neugierig und das Kind sagte "ja, mein Bruder" mit stolzem Ton. "und deine Mama?" und ich tippte mir innerlich an den Kopf, es sprach die Frau ja immer mit "Mama" an, und das Kind sagte "nein, das ist nicht meine Mama" und ich blickte sie verwundert an und wollte gerade meine Gedanken für einen neuen Satz ordnen, als die Horde junger Männer unruhig wurde. Ich holte Luft und das Kind sah mich gebannt an, als der eine junge Mann mir auf den Oberschenkel klopfte und sagte "ey Süße, lass mich mal durch!" Ich war irritiert, geschockt und begann mich in eine Vergangenheit rein zu denken, die mir Angst und Sorgen bereitete. Ich trat einen Schritt zur Seite und hätte fast auf etwas getreten, was aufjaulte, der Hund, es war der gleiche Hund von der letzten Fahrt! Ich sah die Frau an, es war die gleiche Hundefrau, die gleiche Dicke, die daneben saß. Ich fühlte mich verfolgt, blickte mich gehetzt um, wollte flüchten, rennen, weg hier, als das Kind mich ansprach "Wollten Sie was fragen?" und ich stotterte.... "ähhh, jaaa...." und bevor ich meine Gedanken sortiert hatte, was ich denn eigentlich fragen wollte, sagte die Ansage "Stadtverwaltung" und die Männer stürmte mit gegröle aus der Straßenbahn und verschwanden. Ich stotterte, musste dieses Gefühl des "am Oberschenkel berührt werden" erst verarbeiten, doch das Kind ließ mir keine Zeit.... "Was wollten Sie denn fragen?" und ich war durcheinander. Ich stand vor einem leeren Vierer, in dem nur das Kind saß und blickte nach draußen. Das Kind schwieg auf einmal wieder, was mich noch mehr verwirrte und von hinten sagte eine Stimme "hey, was machst du denn hier?" es war eine Mitbewohnerin des Hauses- das hatte mir gerade noch gefehlt. "Ich?" stotterte ich weiter... wusste gar nicht, wo ich zuerst drauf reagieren sollte... sie sah mich irritiert an und das Kind rutschte erwartungsvoll auf dem Sitz rum. Die Mitbewohnerin begann zu reden, aber ich konnte nicht zuhören. Mir war entfallen, was ich das Kind fragen wollte und es schaute mich immer noch erwartungsvoll an. Ich sah von meiner Mitbewohnerin, die redete und redete zu dem Kind, raus aus dem Fenster und betrachtete nicht mal eine Sekunde die vorbeiziehenden Häuser. Ein Handy klingelte, meine Mitbewohnerin verstummte und fing gleich an, in ihrer Tasche zu kramen. Ich seufzte. Dann fing sie wieder an zu reden, aber mit der Person, die anrief. Ich fing an, meine Gedanken erneut zu sortieren, aber die Frage, fiel mir nicht mehr ein. Das Kind schaute mich jedoch erwartungsvoll an und ich fragte "Wie..." doch ich konnte nicht zu Ende sprechen, die Ansage plärrte "am Wasserturm" und die Frau mit Kinderwagen bewegte sich, ich sah es nur in den Augenwinkeln und überlegt erneut, was ich das Kind fragen wollte.... ich holte erneut Luft und fragte "wie heißt du eigentlich?" und das Kind antwortete "das wollten Sie wirklich fragen?" und ich fühlte mich ertappt und ich hatte das Gefühl, ich wurde rot, als die Frau rief "nu komm!" und die Straßenbahn hielt an. Das Kind stieg aus, ging um mich herum und sagte "komme schon, Mama!" und da fiel es mir wieder ein, was ich fragen wollte "wieso ist das nicht deine Mama, wenn du Mama zu der Frau sagst?" aber die Tür war schon zu und ich stand vor einem leeren Vierer, stand die ganze Zeit, bis die Ansage meine Haltestelle aussprach, an der ich mich erst wieder in Bewegung setzte. Diesmal hatte ich es nicht fast verpasst, auszusteigen. Was ich die restliche Fahrt dachte, weiß ich nicht. Aber es war eine lange Fahrt, vor einem leeren Vierer stehend. (c) by enolA |
| enolA | schade, dass sich wohl niemand die Mühe gemacht hat, es zu lesen und was zu schreiben. ... |
| atra_umbra | @ enolA ich glaub, vormittags sind nicht so viele hier online! ergo: wenige leser (bisher) aber ich habs gerade mit interesse gelesen und frage mich, wie das denn weitergeht... hat mich neugierig gemacht. wirst du die geschichte fortsetzen, wenn sie sich denn fortsetzt? ich erlebe ähnliche dinge, wenn ich mich in öffentlichen verkehrsmitteln bewege. es ist irgendwie wie film. alles zieht an einem vorbei. jeder trägt seine geschichte herum und ich frage mich oft, was hinter den gesichtern steckt. manchmal überlege ich mir auch, was es sein kann, dass jemand so verlassen, traurig, lustig, verwirrt,... aussieht. denke mir mögliche geschichten zu den personen aus (nur im kopf) um sie dann wieder zu verwerfen. atra_umbra |
| LittleMissScary | ich habs mir auch durchgelesen,und ich fand es war toll zu lesen und echt interessant :) zumal ich als grossstadtkind sowas auch ständig erlebe...und wie ich schon in irgendeinem anderen thread geschrieben habe,irgendwie fahre ich gerne strassenbahn/bus :D ganz normal kann das nicht sein,glaub ich *gg* aber zurück zu deiner geschichte: obwohl es ziemlich viel war,hat es mir echt spass gemacht,sie zu lesen!!die mutter ist aber irgendwie wirklich merkwürdig...und ich würd auch zu gerne wissen,warum das kind sagt,es ist nicht seine mutter (sie hats doch mama genannt :eek: ) Naja Grüsse LMS |
| Nebeltaenzerin | ich habe es durchgelsen ich finde es schön.. ich kenne solche geschichten nicht.. war inmeinem leben so selten in einer größeren stadt dass man es an 2händen abzählen kann.. eben solche geschichten lassen mich hoffen, dass auc ich einmal in eine solche stadt verschlagen werde... danke für den text...:) |
| Zeraphine | Hallo enolA! Ich habs auch gelesen und fand es sehr faszinierend. Ich mag deine Art, zu schreiben, obwohl es sehr viel war, hatte ich nie das Bedürfnis, mit dem lesen aufzuhören :) . Mich würde es auch interessieren, was mit dem Kind ist und würd mich freuen, mehr von dir zu lesen! Ich erlebe auch oft ähnliche Dinge in Straßenbahnen, Bussen und Zügen, und obwohl ich mich meistens recht unwohl dort fühle, sind es diese zwischenmenschlichen Begegnungen, die das wieder ausgleichen... |
| fly59muc | hi enolA, finde die geschichte interessant und vor allem fesselnd geschrieben. sie beschreibt die gefühle und gedanken die man so manchmal hat, wenn man öffentlich fährt auf den punkt. die menschen sind wirklich manchmal desinteressiert, und es wundert einen, dass aus manchen kindern was wird trotz einer umgebung, die mit desinteresse und mangelnder zuneigung auf ihre kindliche neugier reagiert... ich hoffe, fortsetzung folgt ! :) |
| enolA | Der Rest ist -genauso wie die Geschichte- schon ein paar Tage alt. Ich hab's auf meiner Homepage stehen und stell es einfach mal hier mit rein: Irgendwie ließ mich das Mädchen nicht mehr los. Ich kam ein paar Tage später in den Dienst, da sah ich in der chirurgischen Ambulanz eine Krankenschwester hektisch rumflitzen, laut fluchend, dass keiner bei dem Kind bleiben konnte. „Das kann doch nicht so schwer sein, kann nicht mal wer bei dem Kind bleiben, wo die schon so instabil ist…“ ich bin hingegangen, hab gefragt ob ich helfen könnte als Krankenpflegeschülerin“ aber mit Dank abgelehnt. Dann kann ich es auch nicht ändern, ich bin nach oben gegangen. Später erfuhr ich, wer dieses Kind war. Es war das Mädchen, das mir die Tage zwei Mal in der Straßenbahn begegnete. Sie lag auf der Intensiv, der Rest ist Datenschutz, ich möchte es nicht weiter ausführen. Es war der 22.12.2002 als ich morgens zum Frühdienst das Krankenhaus betrat. Ich war mal wieder spät dran, wie immer rannte ich die letzten Stufen hoch zur der Station. Der Dienst war ruhig, nur zum Frühstück sollte ich auf der Intensivstation nach einem Reserveessen fragen, als ein Patient aus dem OP kam und Widererwarten Hunger hatte. Es war ungefähr 9.30h, als ein Bett, völlig zugedeckt die Intensiv verließ. Ein Mensch war gestorben. Sie war der Mensch, der Mensch, der den gleichen Namen hatte wie ich an dem Tag starb, als ich versuchte mir das Leben zu nehmen, nur ein Jahr vorher… sie hat es geschafft zu sterben- ob nun gewollt oder nicht- Ich nicht. Schade! Die letzten Tage waren bei mir sehr negativ besetzt. Vor einem Jahr um die Zeit… da war ich dauerfixiert… Dauer re-traumatisiert und dauer traurig. So wie heute. Im Moment… langer Moment, wirklich! Ich habe ein Gedichte- Buch mit der Aufschrift „es geschah am helllichten Tag, Hertöne des Überlebens“ … das war noch in Wersbachzeiten, wo ich ein Cover erstellte… Nun schrieb ich einen Text aus tiefster Verzweifelung, weil ich zur Zeit so starke Flashbacks habe und sie nicht- oder nur kaum- kontrollierbar sind. Herztöne des Überlebens? |
| rochus | normalerweise mag ich es nicht, lange texte lesen zu müssen, weil ich zu ungeduldig bin bzw. mir meine eigenen gedanken reinspielen (-> hospital..) aber diese geschichte hat mich abgelenkt. sie hat mich gefesselt, sehr gut geschrieben und das ende fand ich sehr traurig. aber sehr schön geschrieben. lieben gruß rochus |
| Gnar | hey enola ich lese sehr gern und hab auch deine geschichte verschlungen. Sie ist sehr schön geschrieben und war schon enttäuscht als ich gesehen hab das es nicht mehr weiter geht, naja runtergescrollt und zu ende gelesen. Es ist eine sehr schöne geschichte mit einem schönen aber auch sehr traurigen ende. würde mich freuen mehr von dir zu lesen. liebe grüße Gnar |
| Julya | Ich bin 'mitgefahren', liebe enolA.... Mit ausgestiegen, ich stand mit im Fahrstuhl und habe ebenfalls den Klängen der wundervollen Alanis gelauscht.... Ich mag Deinen Blick, Dein Gespür, die Dinge so aufzunehmen und wiederzugeben, wie Du dies hier getan hast. Als Dir die Menschen ein zweites Mal gleichzeitig begegnet sind (Kind und Hundefrau), habe ich gedacht, daß das sicher eine ausgedachte Geschichte sein muß und als Du dann noch das aus dem Krankenhaus erzähltest, war ich mir fast sicher, daß dies nicht wahr sein kann. Dann habe ich die Geschichte noch einmal gelesen und sie kommt so echt und warm rüber, daß ich mir nun sicher bin, daß alles wirklich erlebt wurde.... Das Leben schreibt tatsächlich immer noch die ehrlichsten, traurigsten, schönsten, gefährlichsten und wärmsten Geschichten... Liebe enolA, ich wünsche Dir von Herzen, daß Du die Dämonen Deiner Vergangenheit besiegen kannst. Verschwinden werden sie wohl nie, aber Du wirst sie hoffentlich eines Tages soweit gezähmt haben, daß Du mit ihnen in Ausgewogenheit leben kannst.... Alles Liebe ~Julia~ [size=1][COLOR=indigo]Ein winziger Kritikpunkt: Wenn du mehr Absätze einbaust, kann man Deine Worte viel besser lesen... ist nicht bös' gemeint.. ganz im Gegenteil...[/COLOR] [/size] |
| enolA | danke für eure lieben Antworten! *einbisschenstolzbin* das war ganz komisch, auf dem Weg nach Hause ging mir das, was ich dann da letztendlich zusammengeschrieben habe, schon die ganze Zeit über den Kopf... ich hab einfach Musik angemacht und hab geschrieben... ich hab einfach nur noch geschrieben und geschrieben... und das zweite Mal ähnlich. Als sie dann verstorben war, hab ich mich komisch gefühlt. Wie ein bisschen mit-tod. Ich weiß nicht, irgendwie war das komisch. @julya: danke für den tipp, hab ja noch andere Geschichten, würd sie voll gern hier drunter setzen, aber das ist nicht mehr wirklich real erlebt, sondern in meiner Welt.. in meinen Gedanken... na ja... aber ich werd's im Hinterkopf behalten, mit den Absätzen, danke! |
| Black Moni | Liebe Enola! Hab grad die ganze Geschichte noch mal im Zusammenhang gelesen, und da kam mir ganz spontan der Gedanke, vielleicht sitzt das kleine Mädchen jetzt auf einem Stern und schaut dir zu und paßt auf dich auf. Sie hatte ja Vertrauen zu dir gefaßt in der Bahn. Hoffe, es hält mich niemand für verrückt, ob diesen Gedankens, er schoß mir so durch den Kopf. Wünsche dir für deinen weiteren Weg dir innere Stärke, um ihn zu gehen. Gedankenvolle Grüße Black Moni |
| Haevion | Ein besonderer, wenn auch einfacher Stil. |
| robbie~analogue | neulich habe ich gelesen " change your thought and the world around you changes" natürlich einfacher gesagt, aber es ist etwas wahres dran. ich denke grundsätzlich ist alles leer. in großen städten funktioniert ales schnell, hektisch und unpersönlich, aber wenn alle den kopf hängen lassen, dann wird es genau so bleiben und wir sind unsere eigenen sklaven ( "running in circles...", wie ich gerade von coldplay höhre). deswegen kommt es auf uns an , nein ich will nicht sagen, wir können die welt verändern oder so ein scheiss, unsere welt ist tot, die kann nciht mehr verändert werden, aber wir können unswer leben verändern, - in vielen kleinigkeiten. ich will nicht euphorisch klingen, aber dieser gedanke ist eingrund warum ich bestimmte musik höhre- es tut gut sich irgendwie, naja, aufgehoben zu fühlen, nicht alleine, gerade in einer welt, wo mütter am liebsten ihre kinder ruhig stellen würde, keiner dem anderen ins gesicht schauen will, bourgoise frauen, mit ihren hündchen beschäftigt sind und sie vor menschen mit ungewaschenen haaren beschützen wollen ( o.k. jetzt sind klischees schon nicht mehr weiter)... ... da fällt mir ein film ein, den ich vor wenigen tagen gesehen hab- "songs from the second floor" , ich denke du könntest auch gefallen daran finden erst ein paar jahre alte film- groteske, die dieses thema in unserer welt aufgreift...und aus was für einer zeit stammt die groteske ausdrucksweisse?... so eine situation wie du mit dem kind schiledrst, kenne ich auch, da bemerkt eine menge,abgesehen von dem so beschützenswerten charakter das ein kind auf einen ausstrahlen kann, sieht man wie machtlos man ist, ein moment, und schon gehört die erfahrung der vergangenheit an ( wenn wir gerade von demleben, das im schnelldurchlauf an einem vorbeirauscht und zugleich stagniert) ich hätte neulich am liebsten auch der mutter eines jungen ins gewissen geredet, ihr kind wertzuschätzen und nicht verwahrlosen zu lassen. - zuerst seelisch, dann kommt der rest. ich weiss, dass dieses kind für die mutter nur im weg ist, aber ich kann nichts tun, außer ab und an ein paar worte mit ihm zu wechseln, aber das ist nunmahl nichts [QUOTE]"musik kann die welt nicht verändern, aber die menschen heilen, die darauf leben"...moby[/QUOTE] |
| enolA | ich bin ein wenig sprachlos und beeindruckt, welch positive Resonanz ich hier ziehen kann. *staun* vielen, vielen Dank! *verneig* |
| Weltenbummler | hey. kann mich den anderen nur anschließen: hat spass gemacht zu lesen, interessant... vorallem ist es nciht so abwegig. ich meine, es so every day live. und dazu noch echt gut geschrieben. mehr!!!;) grüße,bummler |
| Ishvara | Ja, eine sehr schöne Geschichte, mein Schatz. Obwohl mitten aus dem Leben geschrieben, wirkt diese Geschichte doch auf eine art surrealistisch, befremdlich, fast schon gruselig... in der art und weise wie hier ein triviales Alltagserlebins zu einer Wanderung durch soziale, soziologische und psychische Höhen und Tiefen stilisiert wird. |
| Gr. Gaulichter | ... indirekt selbst charakterisiert - sehr interessant. meine großstadt ist nicht dermaßen offen, warm - auch wenn sie so tut, als sei sie es. sie ist so viel mehr anonym, als deine. gg |
| Latona | alles, was ich schreiben würde, wären nur verlorene worte, wobei worte ja nicht "verloren gehen" aber es wurde schon alles gesagt. besonders einig bin ich mir mit julyas meinung und hätte es nicht besser ausdrücken können |
| *noir_ame* | Hallöchen, bin total begeistert und mir stehen fast schon tränen in den Augen. Diese Geschichte ist echt klasse! Es ist für mich so unvorstellbar wie schnell das leben vorbei sein kann!Und hier sieht man es mal wieder! Echt tolle, aber sehr traurige geschichte! *noir_ame* |
| enolA | oh danke!! Ich freu mich so!! ich bin mittlerweile voll stolz auf meine Momentaufnahme :) |