| absolut_death | [i][B]Der Baum[/B][/i] [i]Ihr Bäume, macht es euch nichts aus dem Wind zu gehorchen? Ich bewundere eure Stärke, ihr nehmt es einfach hin, lasst es geschehen wenn die Luft durch eure Kronen pfeift, um euch nach dem Sturm wieder aufzurichten und dazustehen als wäre nichts gewesen. Jahrhunderte, Jahrtausende... Nur manchmal, wenn es auch euch zuviel wird, dann ergebt ihr euch mit lautem Bersten eurem Schicksal. Das Rauschen über meinem Kopf, man kann erkennen an welcher Stelle die Böe euch versucht niederzuringen. Es ist als würde ich Wellen zusehen. Jahr für Jahr gestaltet ihr euch ein neues Äußeres, doch das Gerüst bleibt doch immer dasselbe. Ihr werdet nicht zu müde euch ein neues Kleid zu erschaffen. Woher nehmt ihr die Zuversicht das richtige zu tun? Woher die Kraft sich immer wieder selbst auferstehen zu lassen? Im Sommer, an den heißesten Tagen, wird kein einziges Blatt welk und gibt uns Schutz vor der Sonne die erbarmungslos den Tag erhitzt. Eure Blätter sehen nicht mehr so schön aus wie in ihren ersten Tagen im Frühling. Der Herbst... Diese Farbenpracht übertüncht selbst den faden Beigeschmack des Abschieds. Der Wind reißt euch alle Blätter fort und verteilt sie über dem Erdboden auf dem ich stehe und dieses Treiben beobachte. Und nach einem dunklen, kalten Winter steht ihr wieder auf. Für mich ist dieser Zyklus ein Wunder. Manchmal, wenn ich vor einem alten knochigen Wurzelwerk stehe, glaube ich eine Geschichte lesen zu können.[/i] [center][IMG]http://www.german-gothic-board.de/4images/data/media/3/Bild_064_bearbeitet2.jpg[/IMG][/center] |
| ange gardien | Schön geschrieben. Ja, Bäume strahlen so eine erhabene Ruhe aus. Ich gehe gerne in den Wald spazieren, vor allem wenn ich mal wieder gestresst bin. Diese Ruhe, dieses intensive grün. Ich hab gerade Lust auf einen kleinen Spaziergang bekommen solange das Wetter noch schön ist. Bis später... |
| OceanGypsy | Wirklich sehr schön geschrieben...ich war erst gerstern abend wieder im Wald spazieren. Das ist wirklich der beste Ort, um etwas Ruhe und Abstand zu bekommen. LG, OceanGypsy |
| Loup de nuit | Ja, Bäume sind kleine Wunder. Ihre Distanz ist etwas das uns Menschen abhanden gekommen ist, sofern sie jemals vorhanden war. Sie vermögen eine Geborgenheit auszustrahlen und selbst im Tot noch Stolz auf etwas zu vermitteln, das die Menschheit kaum benennen kann... So werde auch ich mich in den Wald verabschieden, Loup |
| Dokuro | Ich bin ebenfalls ein großer Fan von Waldspaziergängen. Alles erscheint einem dann irgendwie viel klarer als sonst, wenn man zwischen Bäumen wandelt. |
| Gr. Gaulichter | wenn man ihnen genau zuhören wollte, müsste man alt werden wie sie. denn ihre geschichte ändert sich nur ganz langsam. täglich erzählen sie das gleiche. und doch: wer sich zeit nimmt über jahre, der darf zum seinem wunder hören, dass ein kleiner teil der geschichte geändert ist. ob das die geschichte schöner macht? ... gg |
| Ferrus | Jaja, Bäume sind schon Wunder für sich... Was mir letztens aufgefallen ist: bäume, die alleinstehen, haben -machen?- nach einem gewissen abstand eine Sichel auf dem Boden. Der ist schlechter bewachsen und die Erde fällt in diesem Punkt... Ich liebe diese Bäume... |
| ange gardien | Ich hätte nie gedacht das mich ein Thread aus Nebelpfade mal zu einer Wanderung inspirieren würde. Gestern war es soweit. Ein Teil des Marsches führte mich durch einen wunderschönen Hochwald. Querfeldein; keine Straße, kein Weg, nur Laub und Moos unter meinen Füssen. Diese wunderschöne Stille, der weiche Waldboden, als liefe man auf Samt. Etwa 16 km weit bin ich gelaufen, 5 Stunden war ich unterwegs... Die Blasen an meinen Füssen und der Muskelkater in meinen Beinen werden ( hoffentlich ) bald verschwunden sein, aber die Erinnerung an diesen schönen Tag im Wald wird noch lange anhalten. |
| Burki | Der Wald ist in der Romantik stark verwurzelt. An wenigen anderen Plätzen können wir Menschen der Hektik des Altages, den Geräuschen der inustrialisierten Welt, dem Verkehrslärm oder auch dem zwischenmenschkichen Stress entfliehen. Aber es ist nicht einfach nur die Ruhe die im Wald herrscht, nicht nur die Entspannung die aus der Beobachtung der intakten Natur entspringt. Im Wald ist mehr. Es ist die wundervolle Einheit aus Allem. Alles harmoniert miteinander, ist miteinander auf perfekte Weise verwoben. Wo der Mensch am Werke ist, da gibt es immer wieder Zwischenfälle, Unfälle, nicht eingeplante Vorfälle. Im Wald da gibt es dies nicht. Im Wald ist Frieden. Sicher unter den Tieren herrscht das Gesetz des Stärkeren, der Fuchs frißt das Kaninchen und der Adler die Maus. Aber dies tut er nicht im Übermaß, er frißt nicht mehr, als sein Hungergefühl ihm befiehlt. Kein Tier betreibt Raubbau an der Natur, aus einer Gewinnsucht heraus. Die Tiere - einander doch in einer Rangordnung zugetan - respektieren einander. Wo der Mensch in die Natur eingreift, da tut er dies meistens, um Gewinn zu machen, er braucht Holz für Möbel Fleisch zum Essen Trophäen für sein Wohnzimmer. Einige Menschen haben dazugelernt, die der Natur mit mehr Respekt gegenübertreten als früher, aber die meisten Menschen handeln noch immer geistlos und zerstören, was sie am meisten brauchen: den Wald, die Natur, unsere Erde. In meiner Leipziger Heimat, musste ich miterleben, wie unsere geliebter Auewald den Braunkohlebaggern weichen musste. Mein Vater und ich kämpften einen ausichtslosen aber entschlossenen Kampf, in dem gerettet wurde, was zu retten war. Seltene Moorkrebse, Waldblumen wie Märzenbecher, Krokus und Himmelschlüsselchen, Schneeglöckchen und Zillas. Seine Naturschutzgruppe grub und siedelte um, war mir Herz und Verstand dabei, viele Fotos und Dias erzählen die Geschichte meines Vaters, der viel zu früh verstarb aus Sorge und Gram um die umweltvernichtende Politik der DDR-Bonzen. In diesem Auewald, in dem schon Johann Tserclares Tilly und seine Truppen im 30jährigen Krieg campierten und in dem auch Napoleon während der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 unter einer alten Eiche sein Lager aufschlug. Diese Eiche musste auch dem Tagebau weichen, und wurde gnadenlos gefällt, weil wir Menschen die Braunkohle brauchten um gegen den Westen industriell standzuhalten. Das war im Jahre 1985, ich war 12 Jahre alt. Ich erinnere mich noch sehr gut an die quietschenden Baggergeräusche hinter unserem Hause, denn wir wohnten keine 400 meter vom Tagebau entfernt in einem Villenviertel am Rande der Stadt. Nur ein Häuserblock und ein alter Park trennten uns noch vom bedrohlichen Moloch, dem tiefen Loch im Boden, dieser Wunde in der Erde, dem Braunkohletagebau, einem von 5 Stück, die Leipzig umgaben. Die Abholzung jedoch begann schon viel früher, damals muss ich 5 oder 6 Jahre alt gewesen sein, da wurden die ersten Bäume, unter anderem auch die Napoleonseiche gefällt wurde. Ich stieß auf ein altes Dia aus dem Jahre 1981, wo mein Vater die Fällung dokumentiert hat. Einige haben sich flache Scheiben abschneiden lassen um sie als Gartentisch zu verwenden, mein Vater hat sich als Erinnerung große Stücke der Rinde abschneiden lassen, sie hängen an der Wand unserer Veranda, als stumme Zeugen der damaligen Begebenheiten. Der Baum starb stumm, wurde seine Äste beraubt, in Einzelteile zerlegt, aus einem Riesen wurde ein Häufchen Äste und Kanten, traurig blickten die, denen bewußt war, was geschah, und die doch stumm waren, stumm wie die Eiche. Jetzt ist dort wo früher ein großer Teil des Auewaldes war, und an dem danach das tiefe Loch des Tagebaues Angst und Schrecken verbreitete, ein See. Der Cospudener See, benannt nach einem Dorf, das den Braunkohlebaggern weichen musste, in Erinnerung an die Menschen, die ihr Zuhause verloren, ihre Gehöfte, ihre Erinnerungen, ihre Wurzeln. Der Cospudener See ist ein Naherholungsgebiet geworden, Expo-2000 gefördert, mit Strandpromenande, mit Yachthafen, Sandstrand, einer Betreibergesellschaft, die Strandparties organisiert, mit Gaststätten, großen neuen Wohngebieten, teueren Eigentumswohnungen, neuen Millionären in teuren Villen und viel Bussines. Das ist alles besser als der Tagebau und bei der insgesamt traurigen wirtschaftlichen Lage des Ostens, sind wir Markkleeberger auch alle recht stolz auf das, was bei uns geschieht. Aber insgeheim trauere ich dem alten Wald und meinem Vater, der mich viel zu früh verlssen hat hinterher. Seinem idealistischen Kampf für die Natur. Er konnte leider nicht mehr erleben, was aus dem Braunkohletagebau wurde, er starb 1987, als ich 14 Jahre alt war an Blutkrebs und ließ mich, meine Schwester und meine arme Mutter allein zurück. Doch das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes mal erzählt werden. |
| absolut_death | [i][b]Die Schnecke[/b] Das Wetter ist gut heute, es hat geregnet und der Waldboden ist noch nass. Kein Wunder nach dem Regen. Die Luft riecht noch danach, ist völlig klar. Ein Blick nach oben als die Sonne sich ihren Weg durch die letzten Wolken bahnt, in den Wassertropfen spiegelt sich ihr Licht. Überall glitzert es, ein Spaß die Tropfen von den Ästen zu schütteln um zu versuchen, doch nicht nass zu werden. Ideale Bedingungen für euch… Nur für mich nicht, bei jedem Schritt, bei dem es unter meinem Fuß knirscht, habe ich Angst auf eine von euch getreten zu sein. Aber ich passe gut auf… Ich hocke mich auf den Boden um euch genauer beobachten zu können. Mir kommt wieder dieses Bild in den Sinn… Eine Schnecke klettert über die Schnittkante eines Messers ohne sich zu verletzen. Warum kann ich nicht mit so „einschneidenden“ Erlebnissen umgehen? Ich gehe nicht unverletzt weiter zu neuen Ufern, ich bleibe blutend und auf der Strecke. Grausame Welt in der wir dazu getrieben werden Dinge zu tun, die uns zerstören… Aber heute ist kein Tag um über die schlechte Welt nach zu denken. Früher habe ich euch ein Terrarium aus einer alten Schuhschachtel gebaut. Sogar ein Fenster habe ich in den Karton geschnitten und mit einer „Scheibe“ aus Frischhaltefolie versehen. Den Boden mit Steinen ausgelegt, kleine Äste zum klettern und frisches Grün. Schließlich solltet ihr es doch gut haben, in der Gefangenschaft. Ihr habt mir Leid getan nach wenigen Stunden… Es muss schrecklich sein, eingesperrt auf kleinstem Raum. Doch spätestens nach einer Nacht habt ihr mir Leid getan und ich habe euch wieder in die Freiheit gesetzt. … Die Sonne hat entgültig die Oberhand gewonnen und strahlt in den letzen Minuten bevor sie untergeht. Ein goldenes Licht, lange nicht mehr so grell als noch zum Mittag. Ich setze mich auf eine Parkbank und sehe dem Untergang zu. Das warme Licht lässt mich alles vergessen, auf den Gräsern und Blättern sitzen die letzten Wassertropfen als die Sonne hinter dem Berg verschwindet… Als ich nach Hause komme sind meine Schuhe und Hosen völlig schlammig, aber es gibt einfach nichts Schöneres, als nach einem Regen im Sommer den Wald zu besuchen. Dennoch immer auf die Schnecken aufpassen, die unseren Weg kreuzen.[/i] [center][IMG]http://www.german-gothic-board.de/4images/data/media/3/Die_Schnecke2.jpg[/IMG][/center] |
| Serena | a_d: wirklich sehr schön geschrieben! Mir persönlich gefallen Waldspaziergänge auch sehr gut, ich erinnere mich daran einmal 3Std. durch den Wald spaziert zu sein... Liebe Grüsse, Serena |
| Demoneyes | für mich ist der wald der einzige platz um noch etwas ruhe zu finden. sehr schön geschrieben @absolut death |
| absolut_death | [i][b]Im September[/b] Meine Finger sind steifgefroren. Die letzten Winter war mir nur sehr selten kalt, ich bin empfindlich geworden. Und lange bevor der Herbst tatsächlich begann seine Finger auszustrecken habe ich seine Anwesenheit gespürt. Man sieht es den Bäumen an, sie wirken so müde. Man riecht es, nicht zu beschreiben wie, aber es ist da. So schleicht er sich langsam immer weiter nach vorn bis er mit aller Gewalt den Sommer aus unseren Gliedern treibt. Vorzugsweise mit kalten Winden die über die Felder und Wälder fegen. Spätestens jetzt ist es soweit, der Sommer wird nicht noch einmal kurz zurückkommen, erst im nächsten Jahr werden wir ihn wieder in Empfang nehmen können. Mir kommen Menschen entgegen, sie sind eingemummt in ihre Kleidung und im vorbei gehen kann ich einige Worte aufschnappen: "kalt geworden", "Sommer war so schnell vorbei", "schreckliches Wetter". Gedanklich sehe ich schon den ersten Schnee auf den Bergen liegen. Sie wissen gar nicht wie schön es ist, kaum jemand kann es verstehen wenn man sich über Kälte und Nieselregen freut. Ich empfinde es trotz der Angst vor Kälte, Dunkelheit, Einsamkeit so. Schließlich befinden wir uns an der Schwelle zu den zwei schönsten Jahreszeiten für mich, so viele schöne Erinnerungen an zu Hause holen mich wieder ein. Sie überfluten mich geradezu, überfordern mich und lassen mich traurig werden. Als ich im Winter daheim war und es -12°C hatte, in Dresden richtig schön viel Schnee lag und jede Autofahrt zu einer kleinen Rutschpartie wurde. Wie ich in Großharthau mit meinen dünnen Halbschuhen mitten durch den höchsten Schnee gerannt bin wie ein kleines Kind und durchgefroren die Socken wieder vom Schnee befreite. Das Treffen mit P. im Cafe de Paris und wie wir anschließend noch losgefahren sind um D. zu überraschen. Gut, dass ist uns nicht gelungen, aber Spaß hatten wir trotzdem. Die schönen Abende/Tage mit ihm, während es draußen stürmte und wir in der warmen Wohnung saßen oder das ganze Wochenende lang im Bett lagen. Ist das schon wieder so lang her? Ich wünschte ich könnte es aufhalten. Aber ein Blick nach draußen lässt diesen Wunsch Ernüchterung weichen. Wir drehen Runde um Runde in diesem Karussell, ohne die Möglichkeit über die Geschwindigkeit zu entscheiden. Von der Richtung ganz zu schweigen... Auf dem Weg zurück streife ich immer wieder über Blätter. Ich muss lächeln, habe ich schließlich die Gewissheit nächstes Jahr wieder soviel grün zu sehen. [size=1]"Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben, wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben und wird in den Alleen hin und her unruhig wandern, wenn die Blätter treiben." Rainer Maria Rilke[/size] Im Fernsehen läuft ein Bericht über die Vorratshaltung für Krisenzeiten. Es hat begonnen...[/i] |
| DBT | [SIZE=1][COLOR=chocolate]Meine Liebe I. Ich möchte es gerne los werden... Uns verbindet bestimmt einiges, wenn es auch 'nur' die geliebte Heimat ist... Es tut mir gut mich mit dir auszutauschen, in Erinnerungen zu schwelgen und somit immer wieder 'nachhause' zu kommen! Ich danke dir für das lange Gespräch gestern, ich lies es im Bett liegend nocheinmal Revuèe passieren... Schon komisch was so manche Jahreszeiten an Erinnerungen mit sich bringen, und genau diese diesigen, dunklen Tage lassen in mir Heimweh aufkommen... Bisher hatte ich nie Heimweh, doch jetzt, jetzt fängt es an... Ich möchte die Erinnerungen behalten, sie kann mir niemand nehmen, ich möchte eigentlich auch nicht zurück dahin, dafür ist es zu spät, allerdings wird es immer 'unsere' Heimat bleiben, die wir jetzt erst lieben gelernt haben... Ich denke ganz fest an dich und für mich bist du 'eine Freundin' geworden... Danke! Dein Ende fand ich sehr sehr schön... "Es hat begonnen!" Wie wahr... Komm, lass uns ein Stück auf 'dem Balkon Europas' spazieren, dem Winter entgegen, die kalte Luft tief einatmen... Fühl dich umarmt! Liane[/SIZE] [/COLOR] |
| absolut_death | Mit Tränen in den Augen sage ich Dankeschön für diese schönen Worte Liane. Und uns verbindet doch mehr als nur die alte Heimat, es ist doch auch die Gegenwart und vielleicht sogar die Zukunft. Das wird die Zeit zeigen. Ich werde dich am Wochenende in Gedanken dabei haben. Jedes Ende bedeutet einen neuen Anfang. Ich glaube das vergessen wir viel zu oft, denn so schön es ist in alten Zeiten zu schwelgen, vorwärts bringt es uns nicht. |